"SOHN GOTTES, du hast nicht gesündigt, aber du hast dich sehr geirrt."
 

Illusionen

Die Illusion der Trennung, die in Wirklichkeit den einzigen Irrtum darstellt, bildet die Basis für das darauf aufbauende äußerst komplexe Gedankensystem des Egos. Oberflächlich betrachtet scheint es daher eine Unzahl von Problemen, mit den dahinter verborgenen Irrtümern, zu geben. Durch Komplexität lenkt uns die Stimme des Egos von der Einfachheit der Wahrheit ab.

Im Folgenden finden sich einige Artikel zu den zentralen Irrtümern des egoischen Gedankensystems, wobei es sich in erster Linie um Irrtümer des "spirituellen" Egos handelt. Unter „spirituellem“ Ego ist der individuelle Glaube zu verstehen, „spirituell“ und damit irgendwie anders oder besser zu sein. Das Ego ist eine Illusion und die wahre Natur eines jeden Menschen ist reiner, göttlicher Geist. Es gibt daher Niemanden der „spirituell“ sein könnte.

Zum Schluss noch drei Artikel zum Thema Geld, weil unser Geldsystem ein wunderbares Symbol für das Denksystem des Egos ist.

EKIW: „LEKTION 79: Lass mich das Problem erkennen, damit es gelöst werden kann.
1. Ein Problem kann nicht gelöst werden, wenn du es nicht erkennst. Selbst wenn es bereits gelöst ist, wirst du es noch immer haben, weil du nicht erkennst, dass es gelöst ist. In dieser Situation befindet sich die Welt. Das Problem der Trennung, das in Wirklichkeit das einzige Problem ist, ist bereits gelöst. Und dennoch wird die Lösung nicht erkannt, weil das Problem nicht erkannt ist.“



Inhaltsverzeichnis





COVID (Concept Of Vast Individual/Identity Delusion)

Der Ausbruch der Pandemie im Jahre 2020 ist ein wunderbares Symbol. Die Zahl 2 symbolisiert die Dualität des Egos und damit Angst, die Zahl 0 symbolisiert die Einheit Gottes und damit Liebe. Zwischen diesen beiden Polen gilt es sich zu entscheiden, auch wenn ein Pol nur eine Illusion ist.

Mit dem Ausbruch der Pandemie kam die Welt einen Moment zur Ruhe und Stille kehrte ein. Das Ego hatte damit aber keine rechte Freude und produzierte eine Menge Angriffsgedanken. Nach einiger Zeit der „Krise“, wurde der Ruf nach baldiger Rückkehr zur Normalität wieder laut. Doch unsere "Normalität" ist der ganz normale Wahnsinn. Warum sollten wir wieder zurückkehren wollen? Eine Krise ist nicht dazu da, um möglichst schnell überwunden zu werden und dann weiterzumachen wie bisher, sondern als Lerneinrichtung. Wenn wir eine Krise nicht zur Veränderung nutzen, so beschwören wir nur die nächste Krise herauf, als Folge unseres sturen Festhaltens, an unserem alten, Leid bringendem Weg.

„Der heißeste Platz der Hölle ist für jene bestimmt, die in Zeiten der Krise neutral bleiben.“
(Dante Alighieri)

Wobei es nicht darum geht, dass die Welt da draußen etwas lernen müsste - es geht einzig und allein um die Veränderung in unserem Geist. Die Welt, die wir wahrnehmen, ist ein Symbol für den Zustand unseres Geistes.

All die Gefühle die in Folge der Krise in uns auftauchen, sind ein wichtiger Hinweis auf unser dahinter liegendes Gedankensystem. Plötzlich tauchen intensive Gefühle von Wut, von Angst und Verzweiflung auf, alles Hinweise auf unser Gedankensystem, das zum Großteil unbewusst ist. Die Krise bringt Unbewusstes ins Bewusstsein, bringt Verdrängtes an die Oberfläche.

Den Kern all des Verdrängten bildet die Angst. Angst bildet die Basis des Egos, des individuellen Ich-Empfindens. Solange alles glatt läuft im Leben sind wir uns nicht bewusst, auf welch verdammt dünnem Eis wir uns als Person bewegen.

Es fällt uns sehr schwer in unserem Bewusstsein das volle Ausmaß an Angst und Schrecken, dieses Ausmaß an Selbsthass und Schuld zu zulassen, und damit zu leben, das die Illusion der Trennung in uns erzeugt. So verfolgen wir ganz automatisch und unbewusst zwei Strategien, ganz entsprechend der Lehre Sigmund Freuds: Verdrängung und Projektion. Das sind die beiden wichtigsten Abwehrmechanismen. Ihre Eigenart ist, dass sie gerade das bewirken, was sie abwehren sollen.

Was wir mit unserer Schuld und unserer furchtbaren Angst machen, ist, so zu tun, als ob es sie nicht gäbe. Wir drängen sie hinunter, aus unserem Bewusstsein hinaus ins Unterbewusste. Doch irgendwann genügt das nicht mehr. Dann greift das Ego zur Projektion: Es nimmt Unangenehmes aus unserem Inneren und behauptet, dass es in Wirklichkeit nicht dort, sondern außerhalb von uns in jemand anderem sei. Das Ego sagt zu diesem Jemand: Nicht ich bin für mein Elend und Unglück verantwortlich, sondern du. Das Ego kümmert sich nicht darum, auf wen wir projizieren, solange wir jemanden finden, auf den wir unsere Schuld abladen können. Auf diese Weise wiederholen wir seit Menschengedenken immer wieder die Vergangenheit und erfinden immer neue Schuldige. Es ist dieser Kreislauf aus Schuld und Angst, der das leidvolle Lebensrad in Gang hält.

Jetzt sind wir gezwungen uns damit auseinanderzusetzen und einmal näher hinzusehen. Es ist leicht in der eigenen unhinterfragten Gedanken-Blase zu leben, solange alles glatt läuft. Erst in einer Krise zeigt sich unser tatsächlicher Geisteszustand. Oder wie es Bundespräsident Alexander Van der Bellen ausdrückt: „Gerade in einer Krise zeigt sich, aus welchem Holz wir geschnitzt sind.”

Wir bekommen jetzt eine Art Heilungsangebot. Jetzt zurückzutreten und still zu werden, ist eine Chance und keine Einschränkung. Diese Art Zwangsquarantäne kann man auch als eine Art Zwangsmedikation verstehen - als sanften "Zwang" zur Meditation - zur Innenschau.

Gangaji Live Open Meeting, March 22, 2020

Wir haben uns nur noch um die Welt gekümmert und GOTT komplett vergessen und daher sind wir von den Erscheinungen in der Welt so extrem betroffen - weil wir nichts anderes haben - das uns Halt gibt. Wir haben auch unseren Kindern nur von der Welt erzählt und nicht von GOTT. Das Wichtigste im Leben eines Menschen ist die Erlösung aus der Illusion der Trennung - doch darüber sprechen wir kaum. Wir erzählen unseren Kindern davon weder in der Grundschule noch auf der Universität. Auf der Universität lernen wir ihnen beispielsweise wie sie nach den modernsten Erkenntnissen der Psychologie und Gehirnforschung manipulieren können - wir nennen dies Neuromarketing. Aber von jenem Freund, der immer für sie da ist, haben wir ihnen nichts erzählt. Nun haben wir Zeit und Abstand, um uns und unsere Kinder wieder an GOTT zu erinnern.

Wir haben uns eine äußerst komplexe Welt geschaffen, um uns von der einfachen WAHRHEIT abzulenken - viele Kontakte, viele „Freunde“, viel mentales Geplapper und Chats, viele News, viele Dinge, viel Arbeit, viel Geld, viel essen und trinken, viel Unterhaltung, viel Spass. Jetzt stehen wir ganz am Beginn der Umkehr, von der Hinwendung an die Welt da draußen, nach innen - zur stillen Einfachheit der WAHRHEIT.

COVID abgekürzt als Concept Of Vast Individual/Identity Delusion beschreibt das worum es wirklich geht, woran unser Geist wirklich krankt - es ist das Konzept des riesigen individuellen Wahns, des gewaltigen Identitätswahns unter dem wir leiden - der Glaube daran, eine individuelle, von GOTT und den Mitmenschen getrennte, Identität zu besitzen, jemand zu sein, dessen Überleben nicht sicher ist und der unweigerlich auf den Tod zu steuert. Dieses Konzept des Selbst in der Welt ist die Ursache allen Leids. Unser wahres SELBST hingegen ist Einheit, ist Liebe, ist göttlich - jenseits der Illusion von Zeit und Raum. Unser wahres SELBST hat GOTT nie verlassen. In WAHRHEIT gibt es keine Trennung. Das wahre SELBST ist daher nicht persönlich und nicht individuell.

Der Körper kann nicht erkennen. Und solange du dein Gewahrsein auf seine winzigen Sinne begrenzt, siehst du die Größe nicht, die dich umgibt. GOTT kann nicht in einen Körper kommen, noch kannst du dich dort mit IHM verbinden. Begrenzungen der Liebe werden IHN immer auszuschließen scheinen und dich von IHM fernhalten. Der Körper ist ein winzig kleiner Zaun um einen kleinen Teil einer herrlichen und vollständigen Idee. Er zieht einen unendlich kleinen Kreis um ein ganz kleines Segment des HIMMELS, das vom Ganzen abgesplittert ist, und verkündet, dass in ihm dein Reich liegt, in welches GOTT nicht eintreten kann.

In diesem Reich herrscht das Ego, und zwar grausam. Um dieses kleine Staubkorn zu verteidigen, gebietet es dir, gegen das Universum anzukämpfen. Dieses Fragment deines Geistes ist ein so winziger Teil davon, dass du - könntest du nur das Ganze würdigen - augenblicklich sehen würdest, dass es wie der kleinste Sonnenstrahl im Vergleich zur Sonne ist oder wie das schwächste Kräuseln auf der Meeresoberfläche. In seiner erstaunlichen Arroganz hat dieser winzige Sonnenstrahl beschlossen, er sei die Sonne, und dieses kaum wahrnehmbare Kräuseln rühmt sich selbst als Meer. Bedenke, wie einsam und verängstigt dieser kleine Gedanke ist, diese unendlich kleine Illusion, die sich selbst getrennt hält wider das Universum. Die Sonne wird zum Feind des Sonnenstrahls, der ihn verschlingen möchte, das Meer versetzt das kleine Kräuseln in Entsetzen und möchte es verschlucken.

Doch weder Sonne noch das Meer sind überhaupt all dieser sonderbaren und bedeutungslosen Aktivität gewahr. Sie machen einfach weiter, dessen ungewahr, dass sie von einem winzigen Segment ihrer selbst gefürchtet und gehasst werden. Selbst dieses Segment geht ihnen nicht verloren, denn es konnte losgelöst von ihnen gar nicht überleben. Was es zu sein glaubt, ändert in keiner Weise etwas daran, dass es für sein Dasein vollständig auf sie angewiesen ist. Seine ganze Existenz bleibt weiterhin in ihnen. Ohne die Sonne wäre der Sonnenstrahl vergangen, dass Meereskräuseln ohne Meer unvorstellbar.“


(EKIW: Kapitel 18, VIII. 2.-4.)

Das Akronym »COVID-19« wurde als offizielle Bezeichnung am 11.02.2020 von der WHO festgelegt und beinhaltet noch ein weiteres wunderbares Symbol, die Zahlen 1 und 9. Die 1 symbolisiert das getrennte Individuum und die 9 seine neun unterschiedlichen Facetten, die neun unterschiedlichen Charakterfixierungen, wie sie vom Enneagramm beschrieben werden.

Das Corona-Virus selbst ist ein weiteres wunderbares Symbol. Es symbolisiert das Ego, den Gedanken der Trennung - das gefährlichste „Virus“ überhaupt. Die ganze Menschheit ist davon betroffen, es handelt sich dabei um das „Erbvirus“. Ein Virus zerstört seinen Wirt und damit sich selbst. Das Ego strebt unbegrenztes Wachstum auf einem begrenzten Planeten an und zerstört dabei seine eigene Lebensgrundlage. Das Ego ist nicht vernünftig.

Das Ego kämpft, wie das Virus, um sein Überleben, indem es mutiert, indem es sich ständig neu erfindet, ständig braucht es einen neuen Look, einen neuen Style, eine neue Identifikation. Der aktuelle Höhepunkt des persönlichen Individualismus widerspiegelt sich auch in den völlig individuellen Reaktionen auf das Virus. Manche reagieren überhaupt nicht darauf, manche sterben daran. Selten noch hat eine Krankheit so extrem unterschiedliche Reaktionen produziert.

Die Krise beginnt mit einer Phase des Abstandhaltens. Es geht darum zu lernen, sich nicht an besonderen Beziehungen festzuhalten, sondern nach innen zu gehen und in Kontakt mit GOTT zu kommen.

Der Kurs unterscheidet ganz klar zwischen besonderen Beziehungen und heiligen Beziehungen. Die besonderen Beziehungen sind immer von Schuld und Opfer geprägt. Im Fokus steht, was ein anderer getan, oder nicht getan hat und es geht immer um Körper. Mit einem Körper zusammensein ist noch nicht Kommunikation im Sinne GOTTES. Das Ego sucht Sicherheit, Liebe und Anerkennung in besonderen Beziehungen, erfährt aber am Ende immer Enttäuschungen. Es glaubt vom anderen Menschen ent-täuscht zu werden, aber in Wahrheit hat es sich in seiner Vorstellung von Beziehung getäuscht.

Eine besondere Beziehung ist keine Beziehung. Sie ist ein Zustand der Isolation, der etwas zu sein scheint, was er nicht ist. In einer besonderen Beziehung herrschen drei Zustände vor: Verlangen, frustriertes Verlangen (Wut, Groll, Schuldzuweisungen, Klagen) und Gleichgültigkeit. Die besondere Beziehung ist der verzweifelte Versuch des Egos, die Liebe in einem anderen Körper zu finden - anstatt in GOTT. Die räumliche Isolation ist ein Symbol, für unsere innere Isolation und macht sie gleichzeitig spürbar.

Corona ist in der ganzen Welt, ist im Kollektiv, also ist es ein Kollektiv-Thema, also haben wir es auch gemacht. Wir können uns daher ganz ehrlich fragen:

Bin ich frei von Projektionen?
Habe ich nicht auch mal Abstand genommen von dem einen oder dem anderen?
Habe ich nicht auch mal mich zurückgezogen von dem Partner, von den anderen, den Andersdenkenden, von mir selbst?
Bin ich nicht auch ein Mitschöpfer dieses Abstandsthemas?
Habe ich nicht auch selber teilweise Abstand und Trennung vorgenommen?
Und bin ich JETZT bereit meinen Bruder unschuldig und sündenlos zu sehen?
Bin ich JETZT bereit den Stein fallen zu lassen, anstatt in meinem Bruder an den Kopf zu werfen?
Bin ich bereit eine Brücke zu meinem Nächsten zu bauen, um den Graben zwischen uns zu schließen?


Die heilige Beziehung ist indessen der Ausdruck des heiligen Augenblicks, solange wir in dieser Welt leben. Da sie im JETZT stattfindet, kennt sie keine Vergangenheit und keine Zukunft, kann nicht arrangiert und geplant werden, ist nicht von Konzepten begrenzt und hängt nicht von bestimmten Personen ab. Einen heiligen Augenblick, den wir gemeinsam mit unserem Bruder verbringen, gibt uns beiden das Universum wieder.

Es ist gerade eine wunder-volle Zeit um uns auf die heilige Beziehung zu konzentrieren - mit jedem dem wir begegnen. Indem wir ihm zulächeln und ihm mit Liebe in die Augen schauen. Wir brauchen uns nicht an seinem Körper festzuhalten, denn wir sind gehalten in GOTT. Eine heilige Beziehung braucht keine Worte - der Mundschutz ist ein Symbol dafür. "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold."

Die Maske hilft uns, unserem Gegenüber wirklich in die Augen zu sehen. Unsere Augen lügen nicht. Sie sind Fenster zur Seele. Sie zeigen die Wahrheit, ganz egal welche Maske wir aufsetzen. Die Augen sind der ehrlichste Teil des Gesichts. Ein wohlwollendes Lächeln das vom Herzen kommt, spiegelt sich in unseren Augen und nicht in hochgezogenen Mundwinkeln. Im Gegensatz zum Mund haben wir keine Kontrolle über unsere Augen. Wenn wir etwas mögen, dann erweitern sich unsere Pupillen ganz unbewusst und als ein Zeichen von Zurückweisung ziehen sie sich zusammen.

Die FFP(Freedom From Personality)-Maske erinnert uns außerdem daran, dass unsere Persönlichkeit, unsere Besonderheit, in Wahrheit nur eine Maske ist. In einer vom egoischen Individualismus geprägten Zeit, werden wir durch das Tragen der FFP-Maske einander wieder ähnlicher - sie ist daher auch ein Symbol für unsere Einheit und ein Hilfsmittel für unsere Erlösung aus der egoischen Idee der Besonderheit.

Aus einer inneren Haltung von Wehrlosigkeit heraus, tragen wir die Maske entsprechend den Vorgaben der Behörden und da wir uns für die Freiheit unseres GEISTES, anstatt unseres Körpers, entschieden haben, tragen wir die Maske nicht aus Angst, sondern wir tragen sie als Ausdruck unserer Einheit mit unseren Mitmenschen und aus Liebe. Wir respektieren die noch vorhandene Angst um Körper und das Leid in Folge von Krankheit. Wir wollen die Angst und das Leid unserer Mitmenschen möglichst gering halten - weil wir uns in ihnen wieder erkennen.

Wer krank ist, sollte medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Manchmal hat die Krankheit unseren Geist so fest in der Gewalt, dass wir vorübergehend für die Berichtigung im Geist unzugänglich sind. In diesem Falle ist der Einsatz von Medizin äußerst sinnvoll, um unseren verwirrten Geist wieder für die Stimme Gottes bereit zu machen. Das letzte, was einen Kranken nämlich helfen kann, ist eine Mehrung der Angst. Ein Kranker ist bereits in einem angstgeschwächten Zustand.

Es ist jetzt wichtig, dass wir uns nicht in Diskussionen verlieren - über medizinische Details, über Lockdown hin oder her, über politische und juristische Maßnahmen, über Überwachung und Kontrolle, oder über Zahlen von Infizierten und Toten. Wir brauchen nicht viel wissen über Corona auf der Ebene der Form - lediglich die aktuellen Regelungen der Behörden die sich darum kümmern. Wir brauchen unsere Zeit nicht mit dem zeitraubenden Konsum von öffentlicher Meinung verschwenden, den unzähligen Interviews mit Experten, das Auf und Ab der Ansteckungen, sich wiederholende Ratschläge über das korrekte Tragen der Maske, Forderungen der Interessengruppen und Auseinandersetzungen zwischen Ideologen.

Die Komplexität der Welt ist nicht von Gott. Komplexität ist vom Ego und nichts anderes als der Versuch des Ego, das Offensichtliche zu verschleiern. Das Offensichtliche ist die Einheit und die Unschuld des SOHN GOTTES.

Hüte dich vor der Versuchung, dich als ungerecht behandelt wahrzunehmen. Aus dieser Sicht versuchst du eine Unschuld zu finden, die nicht die IHRE ist, sondern allein die deine, und zwar auf Kosten der Schuld eines anderen. Kann Unschuld dadurch erworben worden, dass du einem anderen deine Schuld gibst? Und ist es Unschuld, die dein Angriff auf ihn zu bekommen versucht? Ist es nicht Vergeltung für deinen eigenen Angriff auf den GOTTESSOHN, die du suchst? Ist es nicht sicherer zu glauben, du seist dessen unschuldig und deiner Unschuld ungeachtet zum Opfer gemacht worden? Auf welche Art das Schuldspiel auch gespielt wird, es muss Verlust geben. Jemand muss seine Unschuld verlieren, damit ein anderer sie ihm nehmen kann, um sie zu seiner eigenen zu machen.
(EKIW: Kapitel 26, X. 4.)

Wie anders wirst du die Welt wahrnehmen, wenn das begriffen ist! Wenn du deine Schuld der Welt vergibst, dann wirst du von ihr frei sein. Ihre Unschuld verlangt nicht nach deiner Schuld, und deine Schuldlosigkeit ruht nicht auf ihren Sünden. Das ist das Offensichtliche und ein Geheimnis, das vor niemandem gehütet wurde außer vor dir selbst. Und genau das ist es, was dich von der Welt und deinen Bruder von dir getrennt gehalten hat. Jetzt brauchst du nur zu lernen, dass ihr beide unschuldig oder schuldig seid. Das eine, das unmöglich ist, ist, dass ihr ungleich seid, dass beides wahr ist. Das ist das einzige Geheimnis, das noch zu lernen ist. Und es wird kein Geheimnis sein, dass du geheilt bist.
(EKIW: Kapitel 27, VIII. 13.)

Bist du unverletzlich? Dann ist die Welt harmlos in deiner Sicht. Vergibst du? Dann vergibt die Welt, denn du hast ihr ihre Fehler vergeben, und daher sieht sie dich mit Augen an, die so wie deine sehen. Bist du ein Körper? Dann wird die ganze Welt als verräterisch wahrgenommen und als auf Töten aus. Bist du reiner Geist, todlos und ohne das Versprechen der Verwesung und das Sündenmal auf dir? Dann wird die Welt als stabil gesehen und deines Vertrauens völlig würdig, ein glücklicher Ort, an dem man eine Weile ruhen kann, wo man nichts zu fürchten, sondern nur zu lieben braucht. Wer ist denen unwillkommen, die guten Herzens sind? Und was könnte die wahrhaft Unschuldigen verletzen?
(EKIW: Kapitel 31, VI. 6.)

Der Ausbruch des Coronavirus nährt die ewig gleichen Verschwörungstheorien; sogenannte alternative Fakten über das Virus gehen viral. Dass in Krisen die ewig gleichen Verschwörungstheorien aufpoppen, ist keine Überraschung, sondern eine historische Konstante. Jahrhundertelang galten sie als anerkanntes Wissen. Aus dem 18 Jahrhundert stammen die sogenannten Protokolle der Weisen von Zion, eine erfundene Schrift, die eine Verschwörung jüdisch-freimaurerischer Mächte belegen soll. Wer sie geschrieben hat, ist bis heute ungeklärt. Es war selbst für Eliten normal, an sie zu glauben. Geändert hat sich dies erst Mitte des 20. Jahrhunderts. Heute zielen die Verschwörungstheorien stärker auf die "Mächtigen", früher hingegen richteten sie sich vor allem gegen Randgruppen.

Die zentrale Strategie des Egos mit der - von ihm selbst erfundenen Idee - der Schuld umzugehen, ist die Projektion der Schuld nach außen. Das "spirituelle" Ego tarnt diese Strategie häufig geschickt durch die ständige Verwendung des Wort Liebe. Da wird mit dem Wort Liebe Angst gepredigt. Mit abstrusen Verschwörungstheorien und Vorstellungen von dunklen Mächten wird Angst geschürt und gleichzeitig die “Rettung” verkauft. Wenn das Wort Liebe noch geschickt mit Begriffen von positiver Energie und positiven Schwingungen kombiniert wird, dann kann nichts mehr schief gehen. Es wird eine wir-haben-uns-alle-lieb-Stimmung verkauft und gleichzeitig Schuld nach außen, in die bösen Mächtigen, projiziert.

Mit schwammigen Energie-Begriffen, mit selbst erfundenen Begriffen (“Unlicht”) und einigen, geschickt in die eigenen Verschwörungstheorien eingewobenen, spirituellen Wahrheiten, entziehen sich die modernen Lehrer von Schuld und Angst einer genaueren Reflexion. Mit der Projektion der Schuld nach außen, sind natürlich die anderen Schuld am eigenen Leid. In Folge wird das eigene Leiden gepflegt und gehegt und der Welt als Besonderheit präsentiert. Die Verherrlichung des Leids ist nicht neu, sondern auch einer der zentralen Gedanken des religiösen Christentums.

Das Ego liebt einfache Botschaften die es, ohne genauer darüber nachzudenken zu müssen, wie ein Mantra wiederholen kann. Die einfachste Botschaft der Welt - ist die Botschaft von der Schuld der Anderen. Wir haben jetzt dunkle Mächt(ig)e als Schuldige, unsere Großeltern hatten die Juden und die Bolschewisten als Schuldige, im Mittelalter hatten wir die Hexen als Schuldige und vor 2000 Jahren hatten wir Jesus als Schuldigen. Es ist immer das gleiche Spiel. Das Ego wiederholt immer nur die Vergangenheit. Es steckt die ewig gleiche Idee in immer neue Kleider um unerkannt zu bleiben.

Mit der Idee von den bösen Anderen, vor denen wir uns schützen müssten, und der Idee der eigenen Besonderheit, die in einem apokalyptischen Kampf zu verteidigen ist, hatte schon Adolf Hitler großen Erfolg. Am besten lässt sich die Idee der Schuld ein weiteres Mal verkaufen, wenn sie von einem unschuldig aussehenden Mädchen verkündet wird:

Ihr Blick geht oft ins Leere, die Pausen sind lang, die Sätze meist verworren und ihre Aussagen voller Widersprüche. Trotzdem begeistert die Jugendliche Christina von Dreien die Fans in ihren Seminaren. Christina von Dreien predigt die Angst vorm Unlicht und leidet öffentlich. In ihrem Newsletter zur Corona-Krise schreibt Christina von Dreien wörtlich: „Diejenigen Menschen, die auf der Erde das Sagen haben, die Fäden ziehen und die diese Macht nicht abgeben möchten, haben diesen Virus in die Welt gesetzt, um ihre Pläne weiter zu verwirklichen.“ Sie wirft also ihren, nicht näher genannten, Mitmenschen einerseits vor, schon vier Millionen Menschen ermordet zu haben und stündlich werden es mehr und unterstellt ihnen finstere Pläne, ohne zu erklären, um welche Pläne es sich handelt. Christina spricht bei ihren Auftritten in einem Atemzug von "Liebe" und vom "Bewusstseinskrieg".

Hinter Christina steht ihre Mutter Bernadette Meier-Brändle eine frühere Schweizer Leichtathletin und heutige Buchautorin (Pseudonym: Bernadette von Dreien). Sie ist mehrfache Schweizermeisterin im Marathon, Halbmarathon und Cross. 2015 erklärte sie ihre aktive Zeit als Elite-Athletin für beendet und widmet sich seither ganz dem Erfolg mit ihrer Tochter. Der Glaube an den persönlichen Erfolg und die Macht der Schöpfung auf persönlicher Ebene, und damit auf der Ebene der Welt, wurden der kleinen Christina also schon in die Wiege gelegt. Die Idee vom persönlichen Schöpfertum ist allerdings genau so eine Illusion, wie die, bei ihren Auftritten zur Schau gestellte, gegensätzlichen Idee vom Opfer, vom Opfer des Unlichts, das leidet. Leid ist das Gegenteil der WAHRHEIT. Wer im Heiligen Augenblick ruht, dessen Worte vom HEILIGEN GEIST inspiriert sind, strahlt nur Freude und Glückseligkeit aus.

Selbstverständlich geht es nicht wirklich um Christina und ihre Mutter Bernadette. Was wir da hören ist einfach die Stimme des Egos, Christina und Bernadette sind nur Medien für die Stimme des Egos. Was Christina und Bernadette sagen ist auch nicht entscheidend - entscheidend ist einzig und allein was wir bereit sind zu glauben.

Die Verbindung zwischen esoterischen und faschistischen Gruppierungen ist bemerkenswert. Beide sind von Fanatismus angetrieben und beide ziehen ähnlich gesinnte Menschen an, im Geist schwache Personen die sich nach einem starken Führer, oder neuerdings einer starken Führerin sehnen, die Teil einer starken Gruppe sein wollen, die glauben, dass ihre Überzeugung die einzig richtige ist, ganz gleich ob sie nun "spirituell" oder politisch ausgeprägt ist. Kinder beziehungsweise Enkelkinder ehemaliger Nationalsozialisten, die ihre Vorfahren für das was damals passiert ist verurteilen, sind jetzt selbst Teil einer esoterischen Gruppe, die an eine jüdische Weltverschwörung glaubt. Es zeigt sich daran wunderbar, wie das Ego die eigenen Urteile und die eigenen Schuldgefühle nach außen projiziert und so immer wieder die Vergangenheit wiederholt.

Es ist daher kein Wunder, dass sich bei den Demonstrationen gegen die Corona Maßnahmen sowohl Rechtsradikale als auch Esoteriker einfinden. Die Idee einer Bedrohung von außen, die Idee eines Feindes, vereint sie im Geiste. Bei einer Kundgebung von CoV-Gegnern am Freitag dem 14.05.2021 in Mauthausen, dem Ort mit der KZ-Gedenkstätte, wurde eine Hitler-Rede abgespielt. In sozialen Medien wurde die Veranstaltung live übertragen.

“... und dann begriff er, warum er auf diese Weise dachte, weil er an die Existenz von Verschwörern glauben wollte. Es war viel einfacher sich Männer in irgendeinem verrauchten Zimmer vorzustellen, von Privilegien und Macht um den Verstand gebrachte Personen, die voller Zynismus steckten und beim Brandy Intrigen spannen. An einem solchen Vorstellungsbild klammerte er sich fest, sonst musste er sich der unangenehmen Tatsache stellen, dass schlimme Dinge passierten, weil ganz gewöhnliche Leute, Menschen die den Hund bürsteten und ihren Kindern gute Nacht Geschichten erzählten, fähig waren auf die Straße zu gehen und schreckliches mit anderen ganz gewöhnlichen Leuten anzustellen. Ja, es war viel einfacher Verschwörern die Schuld zu geben. Wie deprimierend in diesem Zusammenhang wir zu denken. Wenn sie dahinter stecken, dann trifft uns überhaupt keine Schuld, aber wenn das wir der Wahrheit entspricht, was bedeutet das für das ich? Immerhin gehöre ich zu dem wir. Es käme mir nie in den Sinn mich für einen von ihnen zu halten, niemand glaubt einer von ihnen zu sein. Jeder von uns ist ein Teil des wir, für die schlimmen Dinge sind sie verantwortlich. Früher hätte Mumm etwa an dieser Stelle eine Flasche geöffnet und keinen Gedanken an ihren Inhalt verschwendet, solange die Flüssigkeit bewirkte das Lack Blasen warf.”
(aus Terry Pratchett's Scheibenweltroman - Fliegende Fetzen)

Auch dass wir nicht alles wissen können, macht dem Ego Angst. Die Welt, in der wir leben, ist sehr komplex, und es gibt viele Fragen, die wir nicht einfach beantworten können. Deswegen versucht das Ego mit Verschwörungstheorien ein Muster zu finden und die losen Enden zu verbinden. Wenn dem Ego die Identifikation mit Bildung fehlt, fühlt es sich einzigartig und besonders, wenn es eine Meinung hat, die nicht alle haben.

"Wer sich absondert, geht nur seinen eigenen Wünschen nach;
er verweigert alles, was heilsam ist.

Ein Narr hat kein Interesse daran, etwas zu verstehen,
er will nur seine eigene Meinung zum Besten geben.

Der Mund des Narren ist sein Untergang;
seine Lippen bringen ihn ins Verderben.

Gerüchte sind verführerische Leckerbissen,
die sich aber tief ins Herz eingraben.
"

(Neues Leben. Die Bibel, Sprüche 18, 1&2&7&8)

Auf der Ebene der Welt, also auf der Ebene der Person, versucht jeder seine Interessen durchzusetzen und dafür schließen sich Personen zu Gruppen - zu Interessengemeinschaften - zusammen. Und selbstverständlich treffen diese Gruppen geheime Vereinbarungen, da besteht kein Unterschied zwischen der al-Qaida, den Zentralbanken, der Wirtschaftskammer, dem Bauernbund, einer Ehe, einer Familie oder einer heimlichen Absprache zwischen zwei Freunden. Jede Gruppe hat ihre Geheimnisse und ihre gruppenspezifischen Interessen, die sie durchzusetzen versucht, daher sprechen wir beispielsweise von Familiengeheimnissen. Am Weg in die wahre Freiheit geht es darum, uns aus der fragmentierten Wahrnehmung all dieser "Verschwörungen" zu lösen und dahinter die Grundprinzipien des egoischen Denksystems zu erkennen. Die besondere Beziehung, in Kombination mit der Idee der privaten Gedanken, ist die "Verschwörung" schlechthin. Unser Glaube daran, dass wir das Opfer von Verschwörungen sind, ist unser Glaube an das Gedankensystem des Egos. Wir sind nicht das Opfer irgendeiner Verschwörung, sondern wir sind lediglich das Opfer unserer eigenen Wahrnehmung. Die Welt die wir sehen, die wir „für wahr nehmen“, ist eine Projektion unseres GEISTES.

„Sie ist das Zeugnis für den Zustand deines GEISTES, das äußerliche Bild eines inneren Zustands. Wie ein Mensch denkt, so nimmt er wahr. Suche deshalb nicht, die Welt zu ändern, sondern entscheide dich, dein Denken über die Welt zu ändern."
(EKIW: Kapitel 21, Einleitung 1.)

Aus Sicht der WAHRHEIT ist das ganze Universum eine "Verschwörungstheorie" - eine Theorie der Trennung - der Versuch die Trennung von GOTT real erscheinen zu lassen, der Versuch etwas Unmögliches als möglich erscheinen zu lassen.

Nicht du bist so verletzlich und dem Angriff ausgesetzt, dass nur ein Wort, ein kleines Flüstern, das dir nicht behagt, ein Umstand, welcher dir nicht passt, ein Vorfall, den du nicht vorhergesehen hast, deine Welt erschüttert und sie ins Chaos stürzt. Die Wahrheit ist nicht gebrechlich. Von Illusionen bleibt sie gänzlich unberührt und ungestört. Doch die Besonderheit ist nicht die Wahrheit in dir. Sie kann durch alles aus dem Gleichgewicht geworfen werden. Das, was auf nichts gegründet ist, kann nie stabil sein. Wie groß und aufgeblasen es auch zu sein scheint, so muss es dennoch mit jedem Lufthauch wanken, sich drehen und herumgewirbelt werden.
(EKIW: Kapitel 24, III. 3.)

Der völlige Vertrauensverlust in Autoritäten, wie Politiker, Wissenschaftler, aber auch spirituelle Lehrer, ist ein zentraler Ausdruck des Größenwahn des Egos. Der Mensch ist gruppenbezogen, auf Kooperation angewiesen, und nicht fähig, immer alles allein zu regeln. In einer Krise zeigt sich das in noch viel größerem Maß. Die logische Konsequenz daraus ist, dass wir Verantwortung abgeben und anderen vertrauen müssen. Das wiederum bedeutet, Befugnisse abzugeben. Dieser Ausdruck des mangelnden Vertrauens auf der Ebene der Welt ist ein Symbol für den dahinter liegenden Vertrauensverlust in Gott.

"Wer nicht genügend vertraut
wird kein Vertrauen finden
"
(Tao Te King - Lao-Tse)

Daher ist es äußerst hilfreich, wenn wir wieder beginnen unseren Brüdern zu vertrauen. Wir vertrauen den Politikern, den Polizisten, den Wissenschaftlern, den Chemikern in den Pharmaunternehmen, wir vertrauen dem medizinischen Personal, wir vertrauen unseren chinesischen Brüdern, sowie unseren amerikanischen Brüdern, wir vertrauen unseren Nachbarn. Wir vertrauen im Wissen, dass jeder im Rahmen seiner persönlichen Möglichkeiten sein Bestes gibt und das die wahre Natur eines jeden, nicht der persönliche Ausdruck ist - sondern seine SOHNSCHAFT - in der wir eins mit ihm sind.

"Ich versuche, allen Menschen
gegenüber aufrichtig zu sein,
selbst den Chinesen gegenüber.
Wenn ich Feindseligkeit, Zorn
oder Hass entwickle, wer ist
dann der Leidtragende?
Ich verliere meine Zufriedenheit,
meinen Schlaf und meinen Appetit,
aber die Chinesen stören meine
Gefühle nicht im geringsten."

(Dalai Lama - Im Einklang mit der Welt)

Unseren Brüdern zu vertrauen bedeutet nicht, darauf zu vertrauen, dass unsere Brüder alles richtig machen werden, im weltlichen Sinne. Das ist grundsätzlich unmöglich, weil „richtig“ lediglich ein subjektives Empfinden ist, aber darum geht es auch gar nicht! Das Vertrauen in unsere Brüder dient uns als Übung in Gottvertrauen, weil wir uns daran erinnern, dass egal was auf der Bühne dieser Welt auch noch passieren mag, unser wahres Sein davon unberührt ist. „Nichts Wirkliches kann bedroht werden.“

Es geht also um den Wechseln von der körperlichen Sicht zur wahren Wahrnehmung. Die Welt, die uns die körperliche Sicht zeigt, ist eine Welt der Trennung, sie ist das Symbol der Strafe, und alle Gesetze, die sie zu regieren scheinen, sind die Gesetze des Todes. Unser Ziel ist nicht die Rettung der Welt, sondern der innere Friede im Angesicht der Welt. Gerade in dunklen Zeiten ist jedes Licht von Bedeutung und wir sind der Welt nur dann ein Licht, wenn wir frei von Angst sind und vor Liebe strahlen, weil wir eine Welt wahrnehmen, der vergeben ist. Indem wir CHRISTUS in allen unseren Brüdern anerkennen, erkennen wir SEINE GEGENWART in uns selber wieder. Indem wir alle unsere Fehlwahrnehmungen vergessen und wenn nichts aus der Vergangenheit uns zurückhält, können wir uns an GOTT erinnern.

Deinen Brüdern zu vertrauen ist wesentlich, um deinen Glauben zu begründen und zu stützen, dass du fähig bist, Zweifel und Mangel an fester Überzeugung in dir zu transzendieren. Wenn du einen Bruder angreifst, verkündest du, dass er durch das begrenzt ist, was du in ihm wahrgenommen hast. Du blickst nicht über seine Fehler hinaus. Vielmehr werden diese vergrößert und damit zu Blockaden für dein Bewusstsein jenes SELBST, DAS jenseits deiner eigenen Fehler liegt und jenseits seiner scheinbaren Sünden wie auch der deinen.
(EKIW: Lektion 181, 1.)

"So close, no matter how far
Couldn't be much more from the heart
Forever trusting who we are
And nothing else matters

Trust I seek and I find in you
Every day for us something new
Open mind for a different view
And nothing else matters"

(Nothing else matters, Metallica)


»Die Pest zu London« ist ein Buch von Daniel Defoe, das 1722 in Form eines zwar fiktiven, aber sehr gut recherchierten, Berichts erschien. Es handelt von Ereignissen während der Großen Pest von London im Jahr 1665 und zählt zu den großen Pest- und Seuchen-Erzählungen der Weltliteratur. »Die Pest zu London« hat neben dem »Robinson Crusoe« und der »Moll Flanders« Defoes Weltruhm als Begründer der Kunstform des realistischen Romans gefestigt. So sehr sich in den vergangenen Jahrhunderten die Zeitumstände geändert haben, die menschlichen Verhaltensweisen sind gleich geblieben.

Es ist erstaunlich, wie wenig sich die menschlichen Reaktionen im Laufe von vier Jahrhunderten verändert haben. Hysterischer Aberglaube, verheerende Arbeitslosigkeit, Lug und Trug waren die Begleiterscheinungen eines Massensterbens. Auch damals gab es all das - das Misstrauen, die falschen Gerüchte, danach die Angst, die Ungeduld und die Revolte gegen die Maßnahmen, sogar an den Tod gewöhnte man sich.

Das Ego wiederholt ständig die Vergangenheit.

"But if you're willing to play the game
It's coming around again"

(Coming Around Again - Carly Simon)

Wenn plötzlich der Aberglaube auftaucht, dass uns beim Corona-Test mit einem Wattestäbchen ein Mikrochip eingepflanzt wird, so zeigt dies wunderbar wie das Denksystem des Egos funktioniert. Das Ego ist die Illusion ein Körper zu sein. Die körperliche Sicht des Egos produziert ständig Angst. Doch der Körper hat keine Wirkung, der Körper ist die Wirkung, die Projektion des Ego Geistes. Also selbst wenn uns ein Mikrochip eingepflanzt werden würde, wäre das nicht das geringste Problem, denn wir sind nicht unser Körper und wirkliche Wirkung geht vom Geist aus und nicht von einem Mikrochip. Viele Menschen verdanken sogar ihr physisches Leben einem eingebauten Mikrochip - in Form eines Herzschrittmachers. Dies erinnert uns auch wieder daran, dass sich ein Mikrochip nicht mit einem Wattestäbchen einpflanzen lässt, sondern, dass es dafür eine Operation braucht.

Krisen sind Zeiten des Umbruchs, der Unsicherheit und der Angst, was das Ego nur mit Mühe aushält. Das Ego braucht nachvollziehbare Gründe und vor allem Schuldige, um Katastrophen verstehen und aushalten zu können. Jedes mal wenn wir in einer Diskussion einen unserer Brüder angreifen, machen wir ihn uns zum Feind und verstärken damit die Illusion der Schuld.

Niemand ist stark, der einen Feind hat, und niemand kann angreifen, wenn er nicht glaubt, er habe einen. An Feinde glauben ist deshalb an Schwäche glauben, und was schwach ist, ist nicht der WILLE GOTTES.
(EKIW: Kapitel 23, Einleitung, 1. 5.&6.)

"Dein Bruder ist dein Freund, weil sein VATER ihn wie dich erschaffen hat. Da ist kein Unterschied. Du bist deinem Bruder gegeben worden, damit die Liebe ausgedehnt, nicht von ihm abgeschnitten werden möge.
(EKIW: Kapitel 24, I. 7. 1.-3.)

Es gilt zu verstehen, dass die Welt nicht der Zweck ist, sondern das Mittel - das Mittel zur Erlösung vom egoischen Zustand der Trennung. Daher ist alles was in der Welt geschieht als Symbol zu verstehen. Hinter all diesen Symbolen ist die STIMME GOTTES zu hören, die STIMME GOTTES spricht den ganzen Tag zu uns - wir müssen nur bereit sein zu hören. Das Aufgeben des Urteilens, die offensichtliche Voraussetzung für das Hören der STIMME GOTTES, ist gewöhnlich ein ziemlich langsamer Prozess, nicht weil es schwierig ist, sondern weil es leicht als persönlich kränkend wahrgenommen wird.

Die Pandemie, die vernetzte Weltwirtschaft, das weltweite Schuldgeldsystem, die Umweltverschmutzung - all dies sind wunder-volle Symbole für uns, um zu erkennen, dass all unsere Probleme eine Folge der Idee der Trennung sind und wir diese Probleme daher auch nicht allein lösen können. Wir stehen vor dem nächsten Schritt heraus aus der Illusion der Trennung, vor dem nächsten Schritt in Richtung der Erfahrung von Einheit.

Damit ist es auch der nächste Schritt heraus aus der Angst. Die Illusion der Trennung erzeugt Angst. Angst und Liebe sind die einzigen Gefühle, deren wir fähig sind. Angst ist ein Irrtum, denn sie wurde aus der Verleugnung heraus gemacht. Es ist der Versuch des Egos die Liebe zu verbergen. Es ist egal ob wir unserer Angst mit Schulmedizin oder Homöopathie, mit Flucht oder Angriff, mit Opferhaltung oder Wut, mit Selbstvorwürfen oder Schuldzuweisungen, Herr zu werden versuchen - dahinter steht immer Angst.

Zuerst werden wir nochmals mit all unseren Ängsten konfrontiert. Unserer Angst vor Krankheit, vor Medikamenten, vor Impfungen, vor Arbeitslosigkeit, vor Mangel, vor Überwachung und vor Kontrolle.

Dabei können wir eine Menge über die Funktionsweise des Egos lernen. Das Ego entsteht durch Identifikation. Es identifiziert sich mit dem Körper, es identifiziert sich mit anderen Körpern, wie denen seiner Kinder, es identifiziert sich mit seinem Beruf, seinem Besitz, seinem öffentlichen Ansehen und - es identifiziert sich auch mit seinem Handy. Wenn nun also sein Handy überwacht wird, nimmt es das persönlich und fühlt sich selbst überwacht. Und das, obwohl sich selbst das Ego, ohne Handy durch diese Welt bewegen könnte. Aber wie, wenn das noch nicht genug wäre - fühlt es sich von der Überwachung auch noch bedroht. Es könnte sich genau so gut beschützt fühlen. Es fühlt sich jedoch von anderen Menschen bedroht - selbst von seinen selbst gewählten Vertretern. Es sieht in anderen Menschen keine Brüder und Schwestern im Herrn - sondern Feinde. Was ist das Ego doch für eine verletzliche und furchtsame „Existenz“.

Auf der Website, des immer beliebter werdenden Tor-Browsers, werden wir mit folgenden Worten, in extra großer Schrift, begrüßt: "Verteidige dich. Schütze dich vor Verfolgung, Überwachung und Zensur." Das Ego ist so verletzlich, dass nur ein Wort, ein kleines Flüstern, das ihm nicht behagt, ein Umstand, welcher ihm nicht passt, ein Vorfall, den es nicht vorhergesehen hat, seine Welt erschüttert und es ins Chaos stürzt. "Besonderheit muss verteidigt werden. Illusionen können sie angreifen, und sie tun es." (EKIW: Kapitel 24, I. 5. 4.&5.)

Hinter der Angst vor Überwachung verbirgt sich eine für das Ego zentrale Idee - die Idee von privaten Gedanken. Das Ego versucht die vollkommene Kommunikation zu verleugnen, die den heiligen Augenblick zu dem macht, was er ist, indem es Gedanken für sich allein behält. Es versucht mit privaten Gedanken ein selbstgefälliges Selbstbild aufrechtzuerhalten, indem es all seine dunklen Seiten verdrängt und verschlossen hält, während es gleichzeitig jeden Erfolg online stellt. Einerseits besteht Sorge wegen Datenschutz und Überwachung, während gleichzeitig das Abendessen auf Instagram gepostet wird. Wer reinen Geistes ist, hat keine Angst vor Überwachung, weil er nichts zu verbergen hat und weil er kein besonderes Image aufrechterhalten muss.

"... Der heilige Augenblick ist eine Zeit, in der du vollkommene Kommunikation empfängst und gibst. Das bedeutet aber, dass er eine Zeit ist, in der dein Geist offen ist, um sowohl zu empfangen wie zu geben. Er ist die Einsicht, dass jeder Geist mit jedem anderen in Kommunikation steht. Der heilige Augenblick sucht deshalb nichts zu verändern, sondern nur alles anzunehmen.

Wie kannst du das tun, wenn du es vorziehst, private Gedanken zu haben und sie zu behalten? Die einzige Weise, wie du dies tun könntest, wäre, die vollkommene Kommunikation zu verleugnen, die den heiligen Augenblick zu dem macht, was er ist. Du glaubst, du könntest Gedanken hegen, die du nicht teilen möchtest, und die Erlösung liege darin, Gedanken für dich allein zu behalten. Du glaubst nämlich, du könntest mit privaten Gedanken, die nur dir allein bekannt sind, einen Weg finden, das zu behalten, was du für dich haben möchtest, und das zu teilen, was du teilen möchtest. Dann fragst du dich, wie es wohl kommt, dass du nicht in voller Kommunikation mit denen stehst, die um dich sind, und mit GOTT, DER euch alle zusammen umgibt.“


(EKIW: Kapitel 15, IV. 6.&7.)

Es ist gerade eine wunder-volle Zeit, in der wir uns fast täglich neuer Aspekte unserer verrückten, vom Ego erschaffenen, Welt bewusst werden. Es ist wichtig zu erkennen, dass wir alle es sind, die wir uns diese Welt erschaffen. Wir kaufen die Produkte, von jenen großen Konzernen, über die wir uns jetzt beschweren. Wir wählen die Politiker, von denen wir uns jetzt kontrolliert fühlen. Wir kaufen die Produkte, deren Produktion und Transport enorm ungünstige Auswirkungen auf unser Klima und auf unsere Mitmenschen hat. Wir sind es, die unbedingt übers Wochenende nach Barcelona fliegen wollen, oder zum Yoga-Retreat nach Thailand und damit unsere Sicht auf den Himmel vernebeln. Wir sind es, die wir uns immer noch von anderen Menschen bedroht fühlen, und so die Aufrechterhaltung riesiger Heere notwendig machen. Das Ego ist wahnsinnig und wir alle stecken gemeinsam - in diesem kollektiven Albtraum der Trennung - der die Ursache unseres völlig verrückten Handelns ist.

Es geht bei Entscheidungen immer um die Absicht dahinter. Hören wir auf die Stimme des Egos, also auf die Stimme der Angst, oder hören wir auf die Stimme für Gott, also die Stimme der Liebe. Um diese beiden Stimmen unterscheiden zu können, braucht es eine intensive Gewissenserforschung. Das Ego ist raffiniert und ist ein Meister in der Verschleierung seiner wahren Motivation. Wenn wir beispielsweise glauben, keine Angst vor dem Virus zu haben, aber gleichzeitig Angst vor einer Impfung haben, befinden wir uns ganz offensichtlich im egoischen Zustand der Angst. Wenn wir wahrhaftig frei von Angst sind, haben wir auch keine Angst vor einer Impfung. Ob wir uns impfen lassen oder nicht, ist an sich bedeutungslos, von Bedeutung ist allerdings die innere Haltung mit der wir es tun oder nicht tun.

Die Corona-Impfung ist eine wunderbare Gelegenheit uns unserer Ängste bewusst zu werden. Wenn Erlösung unser Ziel ist, wird alles ganz einfach. Wir Erforschen unsere Ängste beim Thema Impfung. Wovor fürchte ich mich? Worin sehe ich eine Bedrohung? Glaube ich an Verletzlichkeit? Dann wenden wir uns mit unseren Ängsten an IHN. Wir öffnen IHM jede Tür und bitten IHN, in die Dunkelheit einzutreten und sie wegzuleuchten. Wir überlassen uns SEINER Führung und überlassen die Entscheidung für oder gegen die Impfung ganz IHM. Wir vertrauen SEINER Führung. ER wird auf unser Gebet antworten und die konkrete Entscheidung für uns treffen, in dem Sinne, dass sie unserer Erlösung am besten dient. Daher ist es auch ganz normal, dass die Antwort je nach Mensch unterschiedlich ausfallen wird, je nachdem wo die größte Angst sitzt.

„Für die Berichtigung der Angst bist du verantwortlich. Wenn du um Befreiung von der Angst bittest, sagst du damit, dass du es nicht bist. Statt dessen solltest du in jenen Umständen um Hilfe bitten, die die Angst verursacht haben. Diese Umstände bringen stets eine Bereitschaft, getrennt zu sein, mit sich. Auf dieser Ebene kannst du etwas ändern. Du bist viel zu nachsichtig gegenüber dem Umherschweifen von Gedanken und entschuldigst stillschweigend die Fehlschöpfungen deines Geistes. Das jeweilige Ergebnis ist nicht von Belang, der grundlegende Irrtum jedoch ist es. Die Berichtigung ist immer dieselbe. Bevor du beschließt, irgend etwas zu tun, frage mich, ob deine Entscheidung mit der meinen in Einklang ist. Wenn du sicher bist, dass das der Fall ist, wird keine Angst da sein.
(EKIW: Kapitel 2, VI. 4.)

Im Umgang mit seiner tiefsitzenden Angst kennt das Ego zwei Strategien Verdrängung und Projektion. Noch bevor es zur Projektion der Angst nach außen kommt, versucht das Ego seine Angst zu verdrängen, seine Angst zu leugnen. Dies geschieht beispielsweise dadurch, dass das Coronavirus auf der Ebene der Welt geleugnet wird, dass so getan wird, als wäre Corona nur eine Erfindung der durch die „Mächtigen“ gesteuerten „Lügenpresse“.

Wenn wir Corona und die Reaktionen darauf als "Massenpanik" wahrnehmen, ist dies eine wunderbare Gelegenheit unsere Wahrnehmung zu hinterfragen, denn einzig unsere Wahrnehmung ist die Ursache für die "Massenpanik". Auf der Ebene der Form gibt es ein Virus, dass sich weltweit ausbreitet, es gibt das was wir üblicherweise als Maßnahmen bezeichnen, zu denen auch Impfungen gehören, aber die Ebene der Form enthält kein Urteil, es gibt auf der Ebene der Form keine Angst und keine Panik. Angst und Panik gibt es nur in unserer Wahrnehmung. All das "Geschehen" auf der Ebene der Form geschieht einfach - das SEIN, die VOLLKOMMENHEIT, die WAHRHEIT, ist davon völlig unberührt. Es gibt keine Angst und keine Panik außerhalb unserer Wahrnehmung, weil es überhaupt kein "außerhalb von uns" gibt. Alles was wir außerhalb von uns zu sehen glauben ist Projektion.

"Don't blame the projection.
Accept the correction."

(David Hoffmeister)

Das Ego glaubt ein Körper zu sein, der eines Tages stirbt und zu Staub zerfällt. Das Ego ist der Glaube an den Tod - der Wurzel seiner Angst. Nur wenige sind bisher aus dieser Illusion aufgewacht, das bedeutet - nur wenige sind bisher geheilt.

"Unter jedem Eckstein der Angst, auf dem du dein wahnsinniges Glaubenssystem errichtet hast, liegt die Wahrheit verborgen. Das kannst du jedoch nicht erkennen, denn dadurch, dass du die Wahrheit in der Angst verborgen hast, siehst du keinen Grund zu glauben, dass du, je länger du die Angst anschaust, sie um so weniger siehst und dass dann desto klarer wird, was sie verbirgt."
(EKIW: Kapitel 14, VII. 2. 7.-8.)

Je stärker wir unsere Angst verdrängen, sie in unserem Unterbewusstsein versteckt halten, desto stärker bleibt uns die Wahrheit verborgen und desto mehr Gefahren glauben wir in der Welt ausgesetzt zu sein, weil die Welt die wir wahrnehmen eine Projektion unserer Angst ist.

"Die Suche nach der Wahrheit ist nur das ehrliche Ausfindigmachen all dessen, was die Wahrheit beeinträchtigt."   (EKIW: Kapitel 14, VII. 2. 1.)

Daher ist es so wichtig, dass wir uns der Angst in unserem Inneren zuwenden, anstatt sie zu leugnen und sie nach außen zu projizieren, denn nur so kann sie sich auflösen und nur so können wir die Wahrheit erkennen. Eine Krise wie die Corona Pandemie ist eine wundervolle Gelegenheiten uns unserer Ängste gewahr zu werden und sie IHM zu übergeben.

"Der HEILIGE GEIST bittet dich nur darum: Bringe jedes Geheimnis zu IHM, das du vor IHM weggeschlossen hast. Öffne IHM jede Tür und bitte IHN, in die Dunkelheit einzutreten und sie wegzuleuchten. Auf deine Bitte tritt ER freudig ein. ER bringt das Licht in die Dunkelheit, wenn du IHM die Dunkelheit öffnest. Was du aber verbirgst, das kann ER nicht betrachten. ER sieht für dich, und wenn du nicht mit IHM schaust, kann ER nicht sehen. Die Schau CHRISTI ist nicht für IHN allein, sondern für IHN mit dir. Bringe IHM deshalb alle deine dunklen und geheimen Gedanken und schau sie mit IHM an. ER hält das Licht, und du die Dunkelheit. Sie können nicht zugleich bestehen, wenn IHR sie BEIDE gemeinsam anseht. SEIN Urteil muss obsiegen, und ER wird es dir geben, wenn du deine Wahrnehmung mit SEINER verbindest."
(EKIW: Kapitel 14, VII. 6.)

All die Diskussionen um Lockdown hin oder her, Impfung hin oder her, auf der Ebene der Form, sind nur egoische Ablenkungen von der WAHRHEIT:

Freiheit ist nicht auf der Ebene des Körpers zu finden - sondern auf der Ebene des Geistes.
Wer wirklich frei ist, ist dies auch in einer Strafvollzugsanstalt. Das einzige Gefängnis ist das Ego selbst. Das Ego ist der Glaube an persönliche Autonomie und daher verfolgt es paranoid alles, was es in seiner eingebildeten Autonomie beschränken könnte. Das was wir wirklich sind, ist nicht autonom von GOTT und seinen Brüdern - es ist eins mit ihnen. Unsere wahre Natur ist nicht von den Erscheinungen der Welt kontrollierbar, sie ist auch nicht von Krankheit, Verfall und Tod bedroht.

Es ist nicht die Medizin die uns heilt - es ist die Liebe zwischen uns und den uns, im Zustand der Krankheit, betreuenden Brüdern und Schwestern - es ist die Liebe Gottes. Es geht nicht um die Heilung des Körpers, es geht um die Heilung unseres Geistes. Jesus hat uns schon vor zweitausend Jahren mehr als deutlich gezeigt, dass es nicht um den Körper geht und dass wir auferstehen können aus der Illusion ein Körper zu sein. Der Körper ist nicht Zweck, sondern Mittel auf dem Weg der Erlösung. Dieser Weg ist zu Beginn oft steinig und schwer, aber glücklicherweise können wir auf diesem Weg nicht scheitern.

Dies ist gerade eine wunder-volle Zeit in der, neben der Angst, auch immer mehr die Wahrheit zum Vorschein kommt. Bis vor kurzem noch unvorstellbare Zeugnisse der Nächstenliebe sprießen plötzlich wie kleine Pflänzchen aus der Wüste der Ignoranz. Für jeden Akt der Nächstenliebe braucht es - gerade jetzt - viel Mut. Der Same der Liebe ist im harten Kern des Egos verborgen. Es braucht Mut ihn aus der Sicherheit der harten Schale zu entlassen. Der Same war sehr hart, aber der Spross, der jetzt durch die Erde dringt, ist weich und scheinbar zahllosen Gefahren ausgesetzt. Der Same war nicht in Gefahr, der Same hätte noch weitere Jahrtausende überleben können, aber für den Spross scheinen die Gefahren groß. Doch er macht sich auf den Weg ins Unbekannte, zur Sonne hin, zur Quelle des Lichts, ohne zu wissen, wohin, ohne zu wissen, warum. Er hat ein schweres Kreuz zu tragen, aber der Same hat einen Traum, der ihn bewegt. Dies ist der Weg eines jeden Menschen, der sich auf den Weg macht zum Licht. Dieser Weg ist zu Beginn beschwerlich und erfordert großen Mut, den es bedeutet, dass Urteilen aufzugeben. Es bedeutet uns selber und unseren Brüdern völlig ohne jedes Urteil zu begegnen. Dies ist gewöhnlich ein ziemlich langsamer Prozess, nicht weil es schwierig ist, sondern weil es leicht als persönlich kränkend wahrgenommen wird. Jetzt ist wahrlich eine gute Zeit, um den ersten Schritt zu tun.

"GOTTES Lehrer urteilen nicht. Urteilen heißt, unehrlich zu sein, denn urteilen heißt, eine Position einzunehmen, die man nicht hat. Urteil ohne Selbsttäuschung ist unmöglich. Urteil beinhaltet, dass du dich in deinen Brüdern getäuscht hast. Wie könntest du dich also nicht in dir selbst getäuscht haben? Urteil beinhaltet einen Mangel an Vertrauen, und Vertrauen bleibt das Fundament des gesamten Denksystems des Lehrers GOTTES. Lass dieses verloren sein, und all sein Lernen ist dahin. Ohne Urteil sind alle Dinge gleichermaßen annehmbar, denn wer könnte anders urteilen? Ohne Urteil sind alle Menschen Brüder, denn wen gibt es, der abseits steht? Urteilen zerstört die Ehrlichkeit und zerschlägt das Vertrauen. Kein Lehrer GOTTES kann urteilen und zu lernen hoffen."
(EKIW: BEGRIFFSBESTIMMUNG 4. III. 1.)

Eine der typischen Eigenschaften der Lehrer Gottes ist WEHRLOSIGKEIT:

“GOTTES Lehrer haben gelernt, einfach zu sein. Sie haben keine Träume, die der Abwehr gegen die Wahrheit bedürfen. Sie versuchen nicht, sich selbst zu machen. Ihre Freude kommt von ihrem Verständnis dessen, WER sie erschaffen hat. Und braucht, was GOTT erschaffen hat, Abwehr? Niemand kann ein fortgeschrittener Lehrer GOTTES werden, bis er nicht voll und ganz versteht, dass Abwehrmechanismen nur die törichten Wächter verrückter Illusionen sind. Je grotesker der Traum, desto grimmiger und machtvoller scheinen seine Abwehrmechanismen zu sein. Doch wenn der Lehrer GOTTES endlich zustimmt, hinter sie zu sehen, stellt er fest, dass dort nichts war. Zuerst lässt er sich die Täuschung nur langsam nehmen. Doch er lernt schneller, wenn sich sein Vertrauen mehrt. Was kommt, wenn Abwehrmechanismen niedergelegt werden, ist nicht Gefahr. Es ist Sicherheit. Es ist Frieden. Es ist Freude. Und es ist GOTT.
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. VI. 1.)

Wir bitten Gott um Berichtigung in unserem Geist und Ruhe kehrt in uns ein. Wir vergeben unseren Brüdern all das - was sie in Wahrheit nie getan haben. Wir erinnern uns wieder daran, dass wir eine Familie im Geist Christi sind.

Gemeinsam statt einsam!

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Vor deines Bruders Heiligkeit schweigt die Welt still, und Friede senkt sich auf sie nieder in Sanftmut und in Segen, die so vollständig sind, dass keine einzige Spur von Konflikt mehr bleibt, um dich heimzusuchen in der Finsternis der Nacht. Er ist dein Erlöser aus den Träumen der Angst. Er ist die Heilung deiner Opfer- und Angstgefühle, dass das, was du hast, sich im Wind zerstreuen und zu Staub zerfallen wird. In ihm liegt die Versicherung für dich, dass GOTT hier und jetzt bei dir ist. Solange er das ist, was er ist, kannst du sicher sein, dass GOTT erkennbar ist und von dir erkannt werden wird. Denn ER konnte niemals SEINE EIGENE Schöpfung verlassen. Und das Zeichen dafür, dass dem so ist, liegt in deinem Bruder und wird dir angeboten, damit alle deine Selbstzweifel vor seiner Heiligkeit verschwinden mögen. Siehe GOTTES Schöpfung in ihm. Denn in ihm wartet sein VATER auf deine Anerkennung, dass ER dich als Teil von SICH erschuf.
(EKIW: Kapitel 24, VI. 1.)

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Love, Love, Love.
Love, Love, Love.
Love, Love, Love.

There's nothing you can do that can't be done.
Nothing you can sing that can't be sung.
Nothing you can say but you can learn how to play the game.
It's easy.

Nothing you can make that can't be made.
No one you can save that can't be saved.
Nothing you can do but you can learn how to be you in time.
It's easy.

All you need is love.
All you need is love.
All you need is love, love.
Love is all you need.

(The Beatles, 1967)



Freiheit

„Ich brauche meine Freiheit!“ - ist ein Satz den wir gerade in persönlichen Beziehungen oft gebrauchen. Auf der Ebene der persönlichen Entwicklung mag er eine gewisse Berechtigung haben, aber auf der Suche nach der WAHRHEIT, gilt es den Widerspruch in dieser Aussage zu erkennen. Freiheit einzufordern ist der Versuch das Offensichtliche zu verschleiern, indem wir nicht aussprechen, was wir unter Freiheit verstehen und damit nicht aussprechen, was wir zu brauchen glauben. Etwas zu brauchen ist das Gegenteil von Freiheit. So lange wir etwas brauchen, sind wir davon abhängig und nicht frei. Wahre Freiheit besteht darin, nichts zu brauchen und in der Vollkommenheit des JETZT zu ruhen.

"Freedom's just another word for nothin' left to lose
Nothin', it ain't nothin' honey, if it ain't free
And feelin' good was easy, Lord, when he sang the blues
You know feelin' good was good enough for me
Good enough for me and my Bobby McGee"
(Me and Bobby McGee, Janis Joplin)

Die egoische Idee der Freiheit hat zu einem extremen Individualismus geführt. Die individuelle Freiheit dient heute als Rechtfertigung für alle möglichen Arten von verantwortungslosem Handeln. Wenn eine gewaltbereite Bürgerwehr ein Attentat auf eine US-amerikanische Gouverneurin plant, um die Verhängung einer Lockdown-Verordnung zu rächen, dann tut sie dies mit dem Verweis darauf, dass die Corona-Massnahmen ihre individuellen Freiheitsrechte beschnitten hätten. In den USA ist die Schusswaffe ein Symbol für Freiheit und Autonomie - ein sehr gutes Symbol für das, was das Ego unter Freiheit versteht. Mit ihrer individuellen Freiheit argumentiert auch die Mutter, die darauf verzichtet, ihr Kind gegen Kinderlähmung impfen zu lassen, und der Strahlenphobiker, der einen Funkmasten sabotiert, um die Inbetriebnahme von 5G-Antennen zu verhindern.

Selbst aus weltlicher Sicht ist individuelle Handlungsfreiheit eine Illusion. Jede Handlung eines Individuums hat Auswirkungen auf alle anderen Individuen. Was ein Individuum als "Freiheit” erlebt, stellt für ein anderes Individuum eine Einschränkung seiner „Freiheit“ dar. Was für ein Individuum eine lustige Party und Ausdruck seiner individuellen Freiheit ist, ist für ein anderes Individuum eine Lärmbelästigung und damit eine Einschränkung, die es beispielsweise dazu zwingt die Fenster zu schließen, obwohl es lieber frische Luft hätte - und umgekehrt.

Der heute praktizierte Individualismus definiert sich in erster Linie via Konfrontation und Ablehnung. Eine Ablehnung, die sich gegen jeden und alles richten kann, besonders oft aber auf den Staat und seine Organe abzielt. Der Obrigkeitshass militanter Selbstbestimmungsfanatiker nimmt denn auch immer düsterere Züge an.

Die Figur Donald Trump ist ein wunderbares Symbol für das egoische Denksystem, wie es zurzeit seinen Ausdruck findet. Jeder ist sich nur noch selbst Gesetz und fühlt sich vom Staat und seinen Institutionen bedroht und betrogen. Selbst der führende Vertreter des Staates, der demokratisch gewählte Präsident, fühlt sich vom Staat und seinen Institutionen betrogen. Damit dies möglich wurde, brauchte es viele Millionen Menschen, die genau so dachten und weiterhin denken, sonst wäre er nicht Präsident geworden.

Die kollektive Idee, der Bedrohung durch den Staat, hat die Figur Donald Trump erschaffen.

Doch der Staat sind wir, der Staat und seine Institutionen sind Ausdruck unserer Gemeinschaft.
Der Staat ist das System der öffentlichen Institutionen zur Regelung der Angelegenheiten eines Gemeinwesens. Der Staat gewährleistet ein friedliches Zusammenleben, indem er für einen möglichst gerechten Ausgleich der widerstreitenden Bedürfnisse der Individuen sorgt. Nach der sittlichen Auffassung vom Staat (Aristoteles, Rousseau, Hegel) ist dieser die Verwirklichung der moralischen Ziele des Einzelnen und der Gesellschaft: Es sei „der Gang Gottes in der Welt, daß der Staat ist, sein Grund ist die Gewalt der sich als Wille verwirklichenden Vernunft“ und für die Einzelnen die „höchste Pflicht …, Mitglieder des Staats zu sein“ (Hegel).

Sokrates akzeptierte die Begründung des gegen ihn verhängten Todesurteils nicht, jedoch aus Respekt vor den Gesetzen verzichtete er darauf, sich der Vollstreckung durch Flucht zu entziehen, zu der ihm seine Freunde gerne verholfen hätten. Bis zur Hinrichtung durch den Schierlingsbecher beschäftigten ihn und die zu Besuch im Gefängnis weilenden Freunde und Schüler philosophische Fragen. Jetzt 1600 Jahre später erleben wir gerade die totale Gegenbewegung. Der Staat und seine Gesetze werden ständig in Frage gestellt und bisweilen gar nicht mehr respektiert, denn jeder ist sich nur noch selbst Gesetz.

Früher, als die Macht ganz offensichtlich in den Händen einiger weniger lag, zu Zeiten der, sogar von "Gott" legitimierten, Kaiser, der Könige und der großen europäischen Diktatoren, projizierten wir unsere Schuldgefühle in Randgruppen und Minderheiten. In den modernen westlichen Demokratien unserer Zeit kümmern wir uns ganz rührig um Randgruppen und Minderheiten, aber projizieren unsere Schuldgefühle plötzlich in die “Mächtigen”, ohne dass klar wäre, wer den wohl diese Mächtigen in einer Demokratie sein sollen.

Der Unterschied zwischen gestern und heute ist der zwischen oben und unten. Früher ergriff der revolutionäre Staat die Zügel, die tumbe Masse musste den Wagen in die richtige Richtung ziehen. Korrektes Reden, Schreiben und Meinen wurde von oben verfügt, die Staatsmacht lenkte Herz und Hirn. Heute läuft es genau umgekehrt: Von unten nach oben - das ist das Neue. Heute ist nicht der Staat per se das bewegende Moment, auch wenn er natürlich die Political Correctness mitmacht. Stattdessen liefert ein egoisches Konzept von "Toleranz" ohne Amt und Armee die Vorgaben, die Gedanken und Handeln formieren sollen. Die Rollen sind perfekt vertauscht; das ist der jüngste Akt im uralten Drama der Macht.

Der Staat, der einst diktierte, schreibt nun mit und folgt dem Mainstream-Moralismus. Genderisierung, «gerechte Sprache» und «korrekte» Werte füllen die offizielle Rhetorik sowie Verordnungen und Gesetze. Die Rede ist prinzipiell frei und der Verfassungsstaat wankt nicht. Doch wächst täglich die Tabuzone, die gerade favorisierte Minderheiten, Umwelt und Klima schützen soll. «Rassismus» nimmt das größte Areal ein. Es folgen Herabwürdigung und Diskriminierung aller Andersdenkenden, raffiniert getarnt als Toleranz. Es herrscht eine Stimmung, in der die "Guten" die "Bösen" hassen dürfen, und zwar mit gutem Gewissen.

Der Hass auf „die da oben“, auf die „Mächtigen“, ist eines der Hauptsymptome des Zeitalters des Zorns, das der indische Essayist Pankaj Mishra in seinem gleichnamigen Buch so plastisch skizziert. Ganz egal, wo man hinschaut, entlädt sich die Wut der Frustrierten, scheinbar Übergangenen und Abgehängten auf die politische Klasse und das nicht genauer definierte "System". Aufgepeitscht von Populisten, die sich selbst als Outsider feiern, besinnt sich ein ehemals schweigender Teil der Bevölkerung plötzlich auf seine Rechte, die er primär als Freipass für zivilen Ungehorsam und Selbstjustiz auslegt.

Das einzige "System" das ein Problem darstellt, ist das Gedankensystem des Egos, das unseren Geist beherrscht. Wenn wir uns von diesem System befreien, und in das Gedankensystem des reinen Geistes wechseln, sind wir wahrhaft frei.

Unser Selbst- und Weltbild ist das wahre Gefängnis. Jeder trennende Gedanke ist ein Ziegelstein in unserer Gefängnismauer - "just another brick in the wall" (Pink Floyd).

Zurzeit sind noch Personalisierung und Individualisierung Trumpf, ob beim massgeschneiderten T-Shirt oder bei der ganz individuellen Corona-Maske. Dabei handelt es sich um eine Illusion in mehrfacher Hinsicht. Die Behauptung, dass ein Konsumgegenstand zur Individualität seines Käufers beitrage, ist der älteste Marketingtrick der Welt. Dass er immer noch funktioniert, spricht für die Finesse der Werbestrategen, nicht aber für die Selbstwahrnehmung der Konsumenten. Wir geben uns der Illusion, anders zu sein, mehr denn je hin und verteidigen diesen Status auf überheblich-aggressive Art.

Wenn alle sagen: „Dein Traum ist zu groß!“
Warum tust du es?
Wenn du selbst immer wieder denkst: „Es ist unmöglich!“
Warum tust du es?
Wenn es mehr Gründe gibt, aufzugeben, als weiterzumachen –
warum tust du es?
Wenn du trotzdem an dich glaubst …
werden sie irgendwann wissen, warum!

(Autowerbung, Herbst 2020)

Individualismus lässt sich nicht nur als Wille zu expansiver Freiheit interpretieren, sondern auch als Bekenntnis zur Abkapselung. Ausgerechnet der scheinbar fortschrittliche und liberale Mainstream fährt eine harte Isolationsstrategie und ist damit mindestens genauso für die Misere unserer Gesellschaft verantwortlich wie die anarchistisch gesinnten Rechten. Die scheinbar Spirituellen grenzen sich von den „Unspirituellen“ ab und verurteilen gleichzeitig die Abkapselung populistischer Staatsführer die das Gleiche tun.

Die Schutzwürdigkeit individueller Freiheit wird immer weiter ausdehnt und damit hyperspezifisch gemacht. Dazu gehört die Forderung nach einem dritten Personalpronomen für Transgender genauso wie die Einführung von "safe spaces" für junge Menschen, die keine Kritik vertragen. Der individuelle Ego-Wahn hat ein solches Ausmaß erreicht, dass das Ego hochsensibel auf Kritik reagiert, um sein aufgeblähtes Selbstbild mit allen Mittel aufrecht erhalten zu können. Das Ego gleicht einem extrem aufgeblasenen Heißluftballon, der in ständiger Angst lebt, jemand könnte ihn piksen und dadurch zum Platzen bringen. Daher sucht es verzweifelt nach sicheren Plätzen, wo es nicht gepikst wird.

Der Individualismus hat scheinbar den Horror kollektivistischer Ideologien überwunden. Dafür hat er uns in den Albtraum einer zersplitterten Gesellschaft geführt. Der blinde Drang nach unbedingter Selbstbestimmung hat uns in die Knechtschaft des individuellen Egos geführt, in der wir nur selbst Gesetz sind.

Die Handlung eines jeden Verrückten, der in einem Anfall von Selbstjustiz, in der westlichen Welt, Menschen tötet („Warum tust du es?“), wird von Regierung und Bevölkerung als „Anschlag auf die Freiheit und Demokratie“ wahrgenommen („ … werden sie irgendwann wissen, warum!“). Was ist das für eine Freiheit - wenn sie durch einen verrückten Individualisten, der sich von der Welt bedroht fühlt - sofort selbst bedroht wird?

Werbung bildet den jeweiligen Zeitgeist präzise ab, weil genau das die Aufgabe psychologisch geschulter Werbestrategen ist. Werbung reagiert auf großteils unbewusste Bedürfnisse der Konsumenten. Schauen wir uns also ein paar Videos an:

Bacardi Rum Werbung 1992
Die weltberühmte Musik zu diesem Werbefilm aus dem Jahre 1992 prägte das Lebensgefühl einer ganzen Generation junger Menschen, in einer Zeit in der es noch keine Smartphones gab und somit noch nicht jeder seine ganz individuelle Filmmusik zum eigenen Leben im Ohr hatte. Auch wenn die Idee, dass wir uns die Freiheit im Paradies ersaufen könnten, nur eine Idee aus dem Gedankensystem des Egos ist, so stand bei dieser Werbung noch das Gefühl der Gemeinschaft im Vordergrund. Wenn wir dieses Video nun mit der Audi Werbung aus dem Jahr 2021 vergleichen, sehen wir einen deutlichen Wandel im kollektiven Selbstbild, innerhalb von nur drei Jahrzehnten.

„Introducing the Audi e-tron GT“ - Tom Hardy
"Celebrating Progress" - Regé-Jean Page
Audi Presents: Janelle Monáe
Was sehen wir? Wir sehen durchgestylte, selbstgefällige Einzelgänger, ohne Kontakt zu ihren Mitmenschen, die durch völlig menschenleere Gegenden fahren. Besser kann man die Geisteshaltung des individuellen Egos im Jahr 2021 nicht darstellen. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Unser Abstand zu unseren Mitmenschen ist weit größer als der 2m-Corona-Abstand - der ist nur ein Symbol. Das illusionäre Selbst hält sich für den Schöpfer und glaubt an ewigen Fortschritt auf der Ebene der Form - ohne zu merken, dass es dabei immer weiter von seinem wahren SELBST fortschreitet.

Tesla Cybertruck event
Ein besonders bemerkenswertes Symbol für unseren geistigen Zustand stellte die Präsentation des Tesla Cybertruck am 21.11.2019 dar. Das Fahrzeug ist mit einer Karosserie aus schusssicherem Edelstahlblech und mit Fenstern aus Panzerglas ausgestattet, die für Insassenschutz sorgen sollen. Das Fahrzeug sieht aus wie ein Militärfahrzeug und wird in Europa wahrscheinlich keine Zulassung bekommen, weil die kantige Front kaum mit den europäischen Ansprüchen der Passantensicherheit zu vereinbaren ist. Es geht bei diesem Fahrzeug einzig und allein um den Schutz des Fahrers vor anderen Menschen, wie es den "Anderen" damit geht, ist völlig egal. Dass es bei der Livepräsentation zu einer Panne kam und die Scheiben beim Belastungstest gesprungen sind, ist eine weitere bemerkenswerte Symbolik: Die harte Schale des Egos bekommt Risse, die Aufrechterhaltung seines wankenden Selbstbildes wird immer aufwendiger und trotz des ganzen Aufwandes immer anfälliger.

Individualismus ist nicht die Lösung gesellschaftlicher Übel - sondern das Problem.
Die egoische Idee der Trennung ist die Quelle allen Leids.
Die einzige Unfreiheit stellt das Ego selbst dar - die Idee ein getrenntes Individuum zu sein. Das Ego ist der Glaube an persönliche Autonomie und daher verfolgt es paranoid alles, was es in seiner eingebildeten Autonomie beschränken könnte. Das was wir wirklich sind, ist nicht autonom von GOTT und seinen Brüdern - es ist eins mit ihnen.

„Willst du die Freiheit des Körpers oder die des GEISTES?
Denn beides kannst du nicht haben.
Welche ist für dich von Wert?
Welche ist dein Ziel?“
(EKIW: Kapitel 22, VI. 1. 1-4)

Wenn wir glauben in dieser Welt Freiheit finden zu können, sind wir gefangen in unserer Vorstellung von Freiheit. Wenn wir uns irgendwohin zurückziehen, um frei zu sein, sind wir gefangen in unserer scheinbaren Freiheit, weil unser Glück dann von diesem besonderen Ort abhängt. Wir sind dann Abhängige, aber nicht frei. Es ist an einem schönen Platz in der Natur gewiss einfacher, uns von unserer Unfreiheit abzulenken, aber das ist auch schon alles, wahre Freiheit werden wir so nicht finden.

Persönliche Freiheit ist eine Illusion, ein völlig subjektives Empfinden und keine Wirklichkeit. Allein der Körper ist eine massive Einschränkung, was uns meist erst im Alter oder im Falle einer chronischen Krankheit bewusst wird. Um die Illusion persönlicher Freiheit erkennen zu können, führt uns unser Weg häufig zuerst zur Erfahrung der scheinbaren Befreiung von persönlicher Unfreiheit. Der Weg zur WAHRHEIT findet meist in Form eines Wechsel, von einer Illusion zur anderen, statt - um erst dann mit Hilfe des Illusionären das Wirkliche zu erkennen.

Die Suche nach persönlicher Freiheit kann also ein wichtiger erster Schritt sein. Denn das Erreichen einer scheinbaren persönlichen Freiheit, macht es erst möglich die Begrenztheit dieser „Freiheit“ zu erfahren und zu erkennen. Das, für diese Erkenntnis, notwendige Maß an persönlicher Freiheit, haben wir in den westlichen Industrienationen längst erreicht. Das ist das Privileg der persönlichen Freiheit. JETZT kann der Weg zur wahren Freiheit beginnen.

Freiheit

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Die klassische Psychologie beschäftigt sich ausschließlich mit dem Ego. Sie beschäftigt sich mit einer Illusion, in Form einer Person mit einer persönlichen Geschichte und psychischen Verletzungen. Obwohl dies alles eine Illusion ist, ist es eine Weile durchaus hilfreich sich damit zu beschäftigen, um sich so den vier existentiellen Themen, wie sie in der existentiellen Psychotherapie beschrieben werden, zu nähern.

Die Existenzielle Psychotherapie wurde von Rollo May und Irvin D. Yalom begründet. Diese Form der Einzeltherapie geht von der Einsicht aus, dass viele Menschen als Ergebnis einer Konfrontation mit den existenziellen Grundtatsachen des Menschseins am Leben verzweifeln und durch kognitiv-rationale Therapieformen nicht erreichbar sind. Problemorientierte Therapieformen stoßen hier an ihre Grenzen, da der „Sinn des Lebens“ oder die Frage nach der Sterblichkeit keine „Probleme“ im therapeutischen, sondern eher im philosophischen Sinn darstellen.

Die vier Grundthemen sind:
  • Tod (mortality)
  • Einsamkeit (isolation)
  • Sinnlosigkeit (meaninglessness)
  • Freiheit (freedom)

Das Ego versucht ein Leben lang vor diesen Themen davon zu laufen. In jungen Jahren gelingt dies meist noch ganz gut. In einer Krisensituation, wie einer Pandemie, werden wir aber zumindest mit den Themen Isolation, Freiheit und Tod konfrontiert.

Vor einem Themen können wir unmöglich auf Dauer davon laufen - dem Tod. Das bemerkenswerteste Thema ist aber Freiheit, weil es das Einzige der vier ist, dass grundsätzlich positiv besetzt ist.

Erst wenn wir die scheinbare persönliche Freiheit erreicht haben und merken, dass auch die uns nicht die dauerhafte Glückseligkeit gebracht hat, wird es ernst. Davor können wir uns nämlich immer noch einreden, dass alles besser wäre, wenn wir doch nur frei wären.

Wenn da nicht die Kinder wären, um die wir uns kümmern müssen, wenn da nicht die alten Eltern wären, die wir pflegen müssen, wenn da nicht unser Job wäre, den wir machen müssen, um Geld zu verdienen, wenn da nicht unsere Zukunftspläne wären, die wir noch umsetzen wollen, wenn da nicht die Gesetze wären, die uns einschränken, wenn da nicht das Geld wäre, dass wir nicht haben, aber bräuchten, um frei zu sein - wenn das alles nicht wäre - dann wären wir frei. Mit diesen Lügen halten wir die Illusion unserer persönlichen Unfreiheit am Leben - aus Angst vor wahrer Freiheit. Sich der wahren Freiheit zu nähern, ist angsterregend, und somit eines der existenziellen Themen des Egos.

Die scheinbare persönliche Freiheit ist keine Bedingung für den Weg in die wahre Freiheit, wie das Leben des 1966 zu Unrecht zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilten Boxers Rubin Carter zeigt. Der Film Hurricane aus dem Jahre 1999 mit Denzel Washington, erzählt die Geschichte des Boxers Rubin „Hurricane“ Carter. Der Film zeigt wunder-voll, dass Liebe der einzige Weg in die Freiheit ist.

„Frei ist, wer in Ketten tanzen kann.“
(Friedrich Nietzsche)

Alle vier Problembereiche der Existenziellen Psychotherapie sind lediglich für das Ego ein Problem, für unser wahres SELBST existieren diese Probleme nicht, sie sind eine Illusion.

Kein Körper und kein Gedanke kann jemals wahrhaft frei sein. Freiheit ist nicht etwas das irgendwie gemacht werden kann. Freiheit ist unsere wahre Natur. Freiheit ist die WAHRHEIT. Wir brauchen Gott nur zu bitten, uns von den Illusionen der Unfreiheit zu erlösen. Dafür braucht es unsere bedingungslose Bereitschaft und daran scheitert es meistens - denn wir wollen uns immer noch einen Rest von persönlicher Freiheit aufrechterhalten. Es gibt aber zwischen der Illusion und der WAHRHEIT keinen Kompromiss.

Es gibt niemanden, der nicht das Gefühl hätte, er sei in irgendeiner Weise gefangen. Wenn das die Folge seines eigenen freien Willens ist, dann muss er seinen Willen als unfrei ansehen, sonst wäre der Zirkelschluss in dieser Lage ziemlich offensichtlich. Der freie Wille muss zur Freiheit führen. Urteilen nimmt immer gefangen, weil es Segmente der Wirklichkeit nach der instabilen Maßgabe von Wünschen trennt. Wünsche sind keine Tatsachen. Wünschen besagt, dass Wollen nicht ausreicht. Doch niemand, der in seinem rechtgesinnten Geist ist, glaubt, dass das, was er wünscht, so wirklich ist wie das, was er will. Anstatt zu sagen: »Trachte zuerst nach dem Reich GOTTES«, sage: »Wolle zuerst das Reich GOTTES«, denn damit sagst du: »Ich erkenne, wer ich bin, und ich nehme mein eigenes Erbe an.«
(EKIW: Kapitel 3, VI. 11.)

Die Unterweisung des HEILIGEN GEISTES geht nur in eine Richtung und hat nur ein Ziel. SEINE Richtung ist die Freiheit, und SEIN Ziel ist GOTT. Indessen kann ER sich GOTT nicht denken ohne dich, weil es nicht GOTTES WILLE ist, ohne dich zu sein. Wenn du gelernt hast, dass dein Wille GOTTES WILLE ist, könntest du ebenso wenig ohne IHN sein wollen, wie ER wollen könnte, ohne dich zu sein. Das ist Freiheit, und das ist Freude. Verweigere dir das, und du verweigerst GOTT SEIN REICH, weil ER dich dafür schuf.
(EKIW: Kapitel 8, II. 6.)



Abgrenzen

Als 2012 Donald Trump im US-amerikanischen Wahlkampf versprach an der Grenze zwischen den USA und Mexiko eine durchgehende Mauer bauen zu lassen und dann gewählt wurde, ging ein Aufschrei auch durch die „spirituelle“ Szene. Was hat der Mann getan? Er hat doch lediglich versucht sich von den Mexikanern abzugrenzen. Dies ist das Gleiche, was auch das "spirituelle" Ego ständig versucht - auf sich schauen und sich von "negativen", "nieder schwingenden" Menschen, wie einem Donald Trump, abgrenzen. Wo ist der Unterschied?

Bild

Es gibt keinen!
Beides beruht auf der Illusion angegriffen werden zu können.
Der, der sich abgrenzt, ist gefangen hinter seiner eigenen Mauer und allein.


"Darum der Weise
nimmt sich aller Menschen an
und schließt niemanden aus
"
(Tao Te King - Lao-Tse)

Dieser Bruder, der neben dir steht, scheint immer noch ein Fremder zu sein. Du erkennst ihn nicht, und deine Deutung von ihm ist sehr furchterregend. Auch greifst du ihn noch immer an, um das, was du selbst zu sein scheinst, vor Schaden zu bewahren. Deine Erlösung aber liegt in seinen Händen. Du siehst seine Verrücktheit, die du hasst, weil du sie teilst. Und das ganze Mitleid und die Vergebung, die sie heilen würden, weichen der Angst. Bruder, du brauchst Vergebung deinem Bruder gegenüber, denn ihr werdet euch gemeinsam in die Verrücktheit oder in den HIMMEL teilen. Auch werdet ihr eure Augen gemeinsam im Glauben erheben oder gar nicht.

Neben dir ist einer, der dir den Kelch der SÜHNE reicht, denn in ihm ist der HEILIGE GEIST. Möchtest du ihm seine Sünden vorwerfen oder seine Gabe für dich akzeptieren? Ist dieser Geber der Erlösung dein Freund oder Feind? Wähle, was er ist, und erinnere dich daran, dass du entsprechend deiner Wahl von ihm empfangen wirst. Er hat die Macht in sich, dir deine Sünde zu vergeben, wie du ihm. Keiner von beiden kann sich das alleine geben. Und den noch steht euer Erlöser neben beiden. Lass ihn sein, was er ist, und versuche nicht, aus der Liebe einen Feind zu machen.


(EKIW: Kapitel 19, IV. D. a. 12.&13.)

Geh du erhobenen Hauptes hin in Herrlichkeit, und fürchte nichts Böses. Die Unschuldigen sind in Sicherheit, weil sie ihre Unschuld mit anderen teilen. Nichts, was sie sehen, ist schädlich, denn ihr Bewusstsein von der Wahrheit befreit alles von der Illusion der Schädlichkeit. Und was schädlich schien, steht jetzt leuchtend da in ihrer Unschuld, befreit von Sünde und von Angst und der Liebe froh zurückgegeben. Sie teilen die Stärke der Liebe miteinander, weil sie auf die Unschuld schauten. Und jeder Fehler ist verschwunden, weil sie ihn nicht sahen. Wer die Herrlichkeit sucht, findet sie dort, wo sie ist. Wo könnte sie denn anders sein als in den Unschuldigen?
(EKIW: Kapitel 23, Einleitung, 3.)

Die Wahrheit wird alle Irrtümer in meinem Geist berichtigen.
Ich bin im Irrtum, wenn ich denke, man könne mich auf irgendeine Art verletzen.
Ich bin GOTTES SOHN, dessen SELBST unversehrt im GEISTE GOTTES ruht.

(EKIW: LEKTION 119, 1. 107)



Reinspüren

Sehr beliebt beim „spirituellen" Ego ist das sogenannte „Reinspüren“ als Entscheidungsgrundlage. Wenn wir rein spüren, ob sich etwas gut oder schlecht anfühlt, oder ob sich etwas leicht oder schwer anfühlt, stellen wir uns meist nicht die Frage nach der Quelle dieser wahrgenommen Empfindungen.

Die Welt ist eine Projektion des Geistes, es gibt nichts außerhalb von uns, das irgendeine Art von Qualität hätte. Wenn wir „reinspüren“ und sich etwas leicht oder schwer anfühlt, so spüren wir dabei lediglich jenes Gefühl, das unser, meist unbewusstes, Urteil über eine Situation in uns auslöst.

Wenn wir an einem heißen Sommertag in der Stadt unterwegs sind, dann erleben wir Hitze als unangenehm. Wenn wir hingegen in der Sauna sitzen, erleben wir Hitze als angenehm. Dies liegt einzig und allein daran, dass wir beiden Situationen mit einer völlig unterschiedlichen inneren Haltung begegnen. Hitze in der Stadt, und den damit verbundenen Schweiß, bewerten wir als unangenehm und unschön. Die Hitze und den Schweiß auf unserer Haut in der Sauna bewerten wir hingegen als gesundheitsfördernd und damit als positiv. Hitze ist Hitze, einzig und allein unser Denken darüber, ist es, das uns ein und dasselbe Phänomen ganz unterschiedlich wahrnehmen lässt.

Wenn wir also immer nur unser eigenes Urteil über die Welt, als Quelle unserer Entscheidungen heranziehen, werden wir uns geistig nie weiterentwickeln, weil wir nur unsere bestehenden Urteile immer und immer wieder bestätigen. Wir wiederholen ständig die Vergangenheit.

"Es sind die aussortierenden und kategorisierenden Tätigkeiten des Geistes, in die Irrtümer in der Wahrnehmung Einlass finden. Und genau hier muss die Berichtigung vorgenommen werden. Der Geist klassifiziert das, was ihm des Körpers Augen bringen, seinen vorgefassten Werten gemäß und beurteilt, wohin jedes Sinnesdatum am besten passt. Welche Basis könnte fehlerhafter sein als diese? Von ihm selbst unerkannt, hat er selbst darum gebeten, dass ihm gegeben werde, was in diese Kategorien passt. Und nachdem er das getan hat, zieht er den Schluss, dass die Kategorien wahr sein müssen. Darauf beruht die Beurteilung aller Unterschiede, weil die Urteile der Welt genau davon abhängen. Kann man sich auf diese verwirrte und sinnlose Argumentation für irgend etwas verlassen?"
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 8. 4.)

Solange wir noch nicht erwacht sind und im heiligen Augenblick ruhen, fühlt sich nicht alles, was sinnvoll und hilfreich ist, auch automatisch leicht an - auch ein spiritueller Weg ist zu Beginn nicht leicht. Ein spiritueller Weg braucht eine klare Ausrichtung und absolute Verbindlichkeit - unabhängig von den sich ständig ändernden Befindlichkeiten.

"Daher versucht der Weise
nichts Großes zu tun
und vollendet Großes
Doch wer viel verspricht
hält zumeist wenig
wer viel leicht nimmt
findet alles schwer
Darum hält der Weise
alles für schwer
und findet es leicht
"
(Tao Te King - Lao-Tse)

Hinter dem „Reinspüren“ verbirgt sich meist eine Geisteshaltung in der Rationalität, und oft sogar denken an sich, als negativ und im Gegensatz dazu die Interpretation von Gefühlen als positiv bewertet wird. Dass sich auch hinter der Interpretation von Gefühlen, wie „leicht“ und „schwer“, ein rationales Gedankensystem verbirgt, wird dabei völlig übersehen.

Rationalität und jede Form von Logik setzt immer auf einer Grundannahme auf - und die ist entscheidend. Wenn die Grundannahme Trennung ist, dann folgt daraus ganz rational das Gedankensystem des Egos, wenn die Grundannahme hingegen Einheit ist, folgt daraus das Gedankensystem des reinen Geistes.

Der Verstand ist ein hervorragendes Instrument, wenn er richtig benutzt wird.
Bei falschem Gebrauch kann er allerdings sehr destruktiv werden.

(Eckhart Tolle)

Wenn unsere Grundannahme Trennung ist, so werden sich manche unserer Mitmenschen als "schwer”, "negativ" oder "nieder schwingend" anspüren und wir werden uns infolge von ihnen abwenden. Wenn unsere Grundannahme hingegen Einheit ist, werden wir in jedem unserer Mitmenschen unseren Bruder sehen, werden wir in jeden unserer Mitmenschen den Christus sehen. Jesus hat in jedem seiner Mitmenschen seinen Bruder, denn Christus, gesehen und sich daher gerade den am Rande der Gesellschaft stehenden Menschen, wie den Zöllnern und Prostituierten, zugewandt. Er musste nicht „reinspüren“, er kannte die Wahrheit und sein einziges Gefühl war Liebe.

Unsere Gefühle wahrzunehmen ist sehr wichtig, aber sie unhinterfragt als Grundlage für all unsere Entscheidungen zu nehmen, wird uns nicht den Frieden bringen. Unsere Gefühle sind immer die Folge unseres Gedankensystems. Hinter jedem Gefühl steckt auch ein Gedanke - ein Urteil über die Welt.

Wenn in Zukunft junge Mütter jedes mal „reinspüren“, ob es sich „leicht“ anfühlt und ob es „passt“ und sie nur dann in der Nacht aufstehen, um ihr Kind zu stillen, wenn dies der Fall ist, dann erziehen wir uns damit schon die nächste traumatisierte Generation heran - und das obwohl wir seit Menschengedenken noch nie in so großem materiellen Wohlstand und so großer Sicherheit gelebt haben.

Einem verbitterten, alten, im Sterben liegenden Menschen die Windel zu wechseln, wird sich für die meisten von uns nicht leicht anfühlen, aber trotzdem ist es ein Gebot der Nächstenliebe, dass wir es tun. Wenn wir uns von allem was uns mühsam erscheint und sich „schwer“ anfühlt und von allen "negativen" Menschen fernhalten, halten wir unsere Urteile im Unterbewusstsein verborgen. Was wir aber verbergen, das kann ER nicht betrachten und uns somit nicht davon erlösen. So werden wir uns nicht weiterentwickeln und nie jenen Punkt erreichen, an dem wir in jedem den CHRISTUS sehen - jenen Punkt an dem unser Glück nicht mehr von äußeren Umständen abhängt.

Die Welt spiegelt unseren Geisteszustand. Zurzeit geht es uns mehr um eine individuelle Wohlfühlatmosphäre als um essenzielle Veränderungen unseres gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Auch in der politischen Werbung geht es daher nur noch um Emotionen und nicht mehr um Inhalte. Es ist den mutigen Einfällen der Werbestrategen zu verdanken, die uns aus den Zwängen von Sinn und Vernunft befreien wollen, dass wir bei der Landtagswahl in Oberösterreich 2021 folgende Aussagen auf den Wahlplakaten lesen konnten:

Für sichere Jahre.
Weil die Zeiten nicht leichter werden.
Heimat schützen.
Bio oder Gift?
Jetzt geht's um dich!


Die letzte Aussage ist besonders interessant, denn auf der Homepage der entsprechenden Partei heißt es dann noch: "Hier bekommst du dein ganz persönliches Regierungsprogramm! Einfach klicken :)!" Da stellen sich uns ein paar Fragen: Um wen ging es denn bisher? Und wie kann ein Regierungsprogramm persönlich sein?

Sehr beliebt ist auch das Erspüren von "Energien" - von Menschen und von Plätzen. Die Welt ist eine Projektion des Geistes und es gibt keine Trennung, daher kann nichts außerhalb von uns erspürt werden - es gibt nichts außerhalb von uns. Alles was wir als scheinbar extern wahrnehmen ist lediglich unsere eigene Projektion. "Negative Schwingungen" sind lediglich das "gespürte" eigene Urteil über eine Situation.

Wenn sich eine Situation beim Reinspüren nicht gut oder "stimmig" anfühlt, geht es nicht darum die Situation zu verändern, sondern das eigene Denken über die Situation zu ändern. Dies bedeutet sich der eigenen Urteile bewusst zu werden und Gott um die Erlösung davon zu bitten. Wenn einmal wirklich die Veränderung einer Situation notwendig ist, brauchen wir vorher nicht rein zu spüren, sondern Handlung einfach geschehen zu lassen. Niemand der einem anderen Menschen in einer Notsituation das Leben gerettet hat, hat vorher rein gespürt ob es „stimmig“ ist, sondern hat einfach gehandelt.

Die Entscheidung, zu urteilen, statt zu erkennen, ist die Ursache für den Verlust des Friedens. Urteilen ist der Prozess, auf dem die Wahrnehmung, nicht aber die Erkenntnis, beruht. Ich habe dies bereits erörtert, als von der Selektivität der Wahrnehmung die Rede war, und habe darauf hingewiesen, dass Bewertung ihre offensichtliche Voraussetzung ist. Urteilen beinhaltet immer Zurückweisung. Es betont niemals nur die positiven Aspekte dessen, was beurteilt wird, egal ob bei dir oder anderen. Was wahrgenommen und zurückgewiesen oder beurteilt und als ungenügend befunden wurde, das bleibt in deinem Geist, weil es wahrgenommen worden ist. Eine der Illusionen, an denen du leidest, ist der Glaube, dass das, was du abgeurteilt hast, keine Wirkung hat. Das kann nicht wahr sein, außer du glaubst auch, dass das, worüber du geurteilt hast, nicht existiert. Das glaubst du offensichtlich nicht, sonst hättest du es nicht abgeurteilt. Letztlich spielt es keine Rolle, ob dein Urteil richtig oder falsch ist. So oder so setzt du deinen Glauben in das Unwirkliche. Das ist bei jeder Art von Urteil unvermeidlich, weil es die Überzeugung voraussetzt, es stehe dir frei, aus der Wirklichkeit auszuwählen.
(EKIW: Kapitel 3, VI. 2.)



Positiv denken

"Wer da sagt Schön
schafft zugleich Unschön
Wer da sagt Gut
schafft zugleich Ungut
"
(Tao Te King - Lao-Tse)

Positiv denken erschafft Negatives. Positiv existiert nur als Gegenteil von negativ, es sind dies die zwei Seiten einer Medaille - der Dualität. Der Kurs ist eine Geistesschulung bei der es nicht darum geht positiv zu denken, sondern darum, sein Denken an der WAHRHEIT auszurichten - an der WAHRHEIT jenseits der Dualität. Die WAHRHEIT kennt kein Gegenteil.

„LEKTION 338

Nur durch meine Gedanken werde ich beeinflusst.

1. Es braucht nur dies, um die Erlösung zu aller Welt kommen zu lassen. Denn in diesem einen Gedanken wird jeder endlich von der Angst befreit. Jetzt hat er gelernt, dass niemand ihn in Angst versetzt und dass ihn nichts gefährden kann. Er hat keine Feinde, und er ist sicher vor allen äußerlichen Dingen. Seine Gedanken können ihn in Angst versetzen, doch da diese Gedanken IHM allein gehören, hat er die Macht, sie zu verändern und jeden Gedanken der Angst gegen einen glücklichen Gedanken der Liebe einzutauschen. Er hat sich selbst gekreuzigt. Doch GOTTES Plan ist, dass SEIN geliebter SOHN erlöst sein wird.

2. DEIN Plan ist sicher, mein VATER - nur der DEINE. Alle anderen Pläne werden scheitern. Und ich werde Gedanken haben, die mich in Angst versetzen werden, bis ich lerne, dass DU mir den einzigen GEDANKEN gegeben hast, der mich zur Erlösung führt. Meiner allein wird scheitern und mich nirgendwohin führen. Doch der GEDANKE, DEN DU mir gegeben hast, verspricht mich heimzuführen, weil er DEIN Versprechen an DEINEN SOHN birgt.


(EKIW: ÜBUNGSBUCH)

Aber selbst der Kurs wird sehr häufig als Anleitung zum Positiv-denken missverstanden. Im Buch Ein Jahr in Wundern von Marianne Williamson heißt es unter anderem: “Gedanken wie die folgenden sind also Wunder wirkende Gedanken: Ich danke für diesen Stuhl, diesen Tisch und für diese Wände. Ich denke mit Mitgefühl an die Menschen, die auf diese einfachen Annehmlichkeiten verzichten müssen, und bete, dass sie erhalten, was Sie brauchen. Ich überlasse mich Gott, der mit der mich einsetzt, um das Leiden in der Welt zu beenden.”

Dies ist das genaue Gegenteil von dem was der Kurs lehrt. Hier wird weiter in Trennung, in Graden und in Mangel an materiellen Dingen gedacht. Es wird für materielle Annehmlichkeiten gedankt, anstatt für geistige Berichtigung. Es geht im Buch auch um den Kampf gegen die Dunkelheit, die Rettung der Welt und um das Lösen von Problemen mit der Hilfe Gottes. Alles Aussagen die im klaren Widerspruch zum Kurs stehen. Dieses Buch symbolisiert den verzweifelten Versuch des Egos den Kurs seinem eigenen Gedankensystem anzupassen, um so seinem eigenen Ende zu entkommen. Es ist der irrige Versuch die Wahrheit in die Illusion zu bringen. Darauf, dass dies unmöglich ist, wird im Kurs immer wieder hingewiesen.

"Denkst du, dass du die Wahrheit der Phantasie überbringen und aus der Perspektive der Illusionen lernen kannst, was die Wahrheit bedeutet? Die Wahrheit hat in der Illusion keine Bedeutung. Sie selbst muss der Bezugsrahmen ihrer Bedeutung sein. Wenn du versuchst, die Wahrheit den Illusionen zu überbringen, dann versuchst du, Illusionen wirklich zu machen und sie beizubehalten, indem du deinen Glauben an sie rechtfertigst. Illusionen der Wahrheit übergeben heißt jedoch, es der Wahrheit zu ermöglichen, die Unwirklichkeit der Illusionen zu lehren, und es dir daher zu ermöglichen, ihnen zu entrinnen. Behalte dir nicht eine einzige Idee vor abseits von der Wahrheit, sonst stellst du Rangordnungen der Wirklichkeit auf, die dich gefangen nehmen müssen. Es gibt keine Rangordnung in der Wirklichkeit, weil dort alles wahr ist."
(EKIW: Kapitel 17, I. 5.)

Es gibt ein Buch zum Kurs mit dem Titel ABENTEUER GRUNDLOS GLÜCKLICH. Darin erzählt die Autorin auf insgesamt 200 Seiten Beispiele aus ihrem "ganz normalen Welten-Leben". Auch das ist der irrige Versuch die Wahrheit in die Illusion zu bringen. Das "ganz normale Welten-Leben" ist der ganz normale Wahnsinn, darin ist wahres Glück nicht zu finden. "Nicht Lebenswille, sondern Todeswunsch ist die Motivation für diese Welt." (EKIW: Kapitel 27, I. 6.) Jenes Glück zu dem uns der Kurs hinführt, ist nicht von dieser Welt und ist nicht grundlos, sondern dieses “Glück ist eine Eigenschaft der Liebe. Es kann nicht losgelöst von ihr sein. Auch kann es nicht erfahren werden, wo keine Liebe ist. GOTT, DER die LIEBE ist, ist auch das Glück.” (LEKTION 103) Das Glück, auf das der Kurs verweist, hat einen Grund - den Urgrund allen SEINS - GOTT.

Vielfach wird versucht den Kurs als Basis für eigene weltliche Konzepte zu verwenden. Manchmal wird sogar versucht ihn an das Wirtschaftsleben anzupassen, ihn als Basis für persönlichen Erfolg zu verwenden. Im Versuch, von der Wahrheit abzulenken, ist das Ego äußerst raffiniert.

Positiv denken bedeutet SEINE Vollkommenheit nicht wahrzunehmen.

"Wie jeder gute Lehrer weiß der HEILIGE GEIST mehr, als du jetzt weißt, aber ER lehrt nur, um dich IHM gleichzumachen. Du hattest dich bereits Falsches gelehrt, indem du glaubtest, was nicht wahr war. Du hast nicht an deine eigene Vollkommenheit geglaubt."
(EKIW: Kapitel 6, V. 1. 1.-2.)

Unser Denken zu schulen ist extrem wichtig, aber wenn wir es innerhalb der Dualität der Welt von positiv und negativ, von gut und böse, schulen, werden wir das wahre Glück jenseits der Dualität nicht finden. GOTT kennt nur einen einzigen Gedanken und das ist die WAHRHEIT und das ist unsere SOHNSCHAFT – die nicht von dieser Welt ist.

Lass deinen Geist nicht durch verdunkelte Gänge wandern, fort von des Lichtes Mittelpunkt. Vielleicht beschließen du und dein Bruder, euch selbst irrezuführen, zusammengebracht werden aber könnt ihr nur durch den für euch bestimmten FÜHRER. ER wird dich sicher dorthin führen, wo GOTT und SEIN SOHN auf dein Erkennen warten. Gemeinsam geben sie dir die Gabe des Einsseins, vor dem jede Trennung schwindet. Vereine dich mit dem, was du bist. Du kannst dich mit nichts als der Wirklichkeit verbinden. GOTTES und SEINES SOHNES Herrlichkeit sind dein in Wahrheit. Sie haben kein Gegenteil, und nichts anderes kannst du dir selber schenken.
(EKIW: Kapitel 14, VIII. 3.)

Die Schöpfung kennt kein Gegenteil. Doch hier gehört der Gegensatz zum »Wirklichsein«. Gerade diese merkwürdige Wahrnehmung der Wahrheit lässt die Wahl des HIMMELS als das gleiche erscheinen wie das Aufgeben der Hölle. Es ist nicht wirklich so. Was aber in der Schöpfung GOTTES wahr ist, kann hier so lange keinen Einlass finden, bis es in irgendeiner Form sich spiegelt, die die Welt verstehen kann. Die Wahrheit kann nicht dorthin kommen, wo sie nur mit Angst wahrgenommen werden könnte. Denn dies wäre der Irrtum, die Wahrheit lasse sich den Illusionen überbringen. Widerstand macht die Wahrheit unwillkommen, und sie kann nicht kommen.
(EKIW: LEKTION 138, 2.)



Manifestieren

Bücher wie „Bestellungen beim Universum. Ein Handbuch zur Wunscherfüllung“ und „The Secret - Das Geheimnis“, die uns versprechen, das Manifestieren auf Basis des Gesetz der Anziehung (oder: Resonanzgesetz) erlernen zu können, haben sich in der esoterischen und „spirituellen“ Szene wie ein Lauffeuer verbreitet, weil sie einem tiefen, existenziellen Wunsch des Egos entspringen.

Bekommen zu wollen, was wir uns wünschen, ist eine der zentralen Quellen für Leid. Es ist eine Art von Unreife, es ist das Verhalten eines Kleinkindes - ein Widerstand gegen Reife. Dieses Spiel - der Suche von dem, was wir wollen und der Vermeidung von dem, was wir nicht wollen - ist die Geschichte des persönlichen Leidens, individuell und kollektiv. Mit Wünschen fesseln wir uns an die Illusion der Zeit und verpassen den heiligen Augenblick absoluter Vollkommenheit.

„Die Träume von heute sind die Enttäuschungen von morgen.“
(Horst Knapp)

Es kann im Traum, wie du ihn träumst, keine Erlösung geben. Denn Götzen müssen Teil des Traumes sein, um dich vor dem zu retten, was du, wie du glaubst, vollbracht hast und was du getan hast, um dich sündig zu machen und das Licht in dir auszulöschen. Kleines Kind, das Licht ist da. Du träumst nur, und Götzen sind das Spielzeug, von dem du träumst, du würdest mit ihm spielen. Wer sonst als Kinder braucht denn Spielzeug? Sie geben vor, über die Welt zu herrschen, und geben ihren Spielsachen die Macht, sich zu bewegen, zu reden und zu denken, zu fühlen und für sie zu sprechen. Doch alles, was so erscheint, als tue es ihr Spielzeug, vollzieht sich im Geist derer, die mit ihm spielen. Sie aber sind eifrig bemüht zu vergessen, dass sie den Traum erfanden, in dem ihr Spielzeug wirklich ist, und merken nicht, dass seine Wünsche ihre eigenen sind.
(EKIW: Kapitel 29, IX. 4.)

„Niemals

Wonach du sehnlich ausgeschaut,
Es wurde dir beschieden.
Du triumphierst und jubelst laut:
Jetzt hab ich endlich Frieden!

Ach, Freundchen, rede nicht so wild,
Bezähme deine Zunge!
Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt,
Kriegt augenblicklich Junge.“


(Wilhelm Busch)

Jenes in den Wunsch-Büchern propagierte Realitätsgestaltungsprinzip auf der Ebene der Form macht die Situation für die Person nicht besser, sondern sogar noch schlimmer. Der Gedanke, für die eigene Realität komplett selbst verantwortlich zu sein, führt in Folge zu Selbstvorwürfen und zur Idee der Schuld, wenn das, was sich die Person gewünscht hat, dann nicht eintritt. Die Befreiung aus der Illusion der Trennung beginnt damit, zu erkennen, dass wir für das was auf der Ebene der Form geschieht - zum Glück - nicht verantwortlich sind. Wir sind auch nicht verantwortlich für unsere Irrtümer, unsere einzige Verantwortung besteht darin die Berichtigung unserer Irrtümer zu akzeptieren.

Der Unwille zu erkennen was uns leiden lässt, ist was uns zurückhält zu hören, was es zu hören gilt. Es ist der Unwille die WAHRHEIT zu hören. Es ist der Unwille auf GOTT anstelle des Egos zu hören. Wir versuchen unseren persönlichen Willen durchzusetzen und vertrauen nicht auf den Willen Gottes. Die zentrale Übung des Kurses besteht darin, aus einer inneren Haltung von Wehrlosigkeit heraus, immer und immer und immer wieder auf den persönlichen Willen zu verzichten und bereit zu sein, Gottes Willen geschehen zu lassen - der der Wille unseres Wahren Selbst ist.

Wie sehr wir gegenwärtig in unseren Wünschen gefangen sind und völlig unhinterfragt davon ausgehen, dass sich die Welt gefälligst nach unseren Wünschen zu richten hat, zeigt sich auch bei Bestellungen im Restaurant: "Ich hätte gerne die Putenbrust in Frischkäsesauce und Spätzle, aber ohne Putenbrust und die Sauce auf einem extra Teller, aber gluten- und laktosefrei und selbstverständlich keine Sahne obendrauf. Anstatt der Spätzle hätte ich gerne Safranreis. Dann noch einen Guavensaft gemischt mit Selleriesaft im Verhältnis zwei zu drei und das Ganze mit warmen, aber nicht heißem, Granderwasser auf einen halben Liter aufgefüllt.”

Die Art und Weise, wie wir den Köchen dieser Welt unseren Willen aufzwingen, anstatt das, ohnedies immer vielfältigere, Angebot einfach als Angebot - als Dienst am Mitmenschen - ganz so wie es ist, zu akzeptieren und entsprechend unserer Vorlieben auszuwählen, ist Ausdruck unseres ständigen Kampfes gegen die Welt, unserer ständigen Auflehnung gegen das Leben, wie es sich gerade zeigt. Es ist Ausdruck unserer Unwilligkeit, durch Ausrichtung auf das unvermeidliche Sosein des gegenwärtigen Augenblicks, eins mit dem Leben zu sein.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind ein bemerkenswertes Symbol für unseren Kampfgeist, sie sind unser fleischgewordener Kampf gegen eine bestimmte Substanz, anstatt sie, so wie sie ist, zu akzeptieren. Die Welt ist eine Projektion des Geistes und da in unserem Geist Krieg herrscht, zeigt sich dieser Krieg auch immer häufiger beim Thema Ernährung. Wir werden auf allen Ebenen immer unverträglicher.

Ein spirituell Suchender ist auf dem Weg zu einem Guru im Himalaja. Nachdem er ihn gefunden hat, stellt er ihm die, für ihn so wichtige, Frage: "Stimmt es, dass der Glaube Berge versetzen kann?"
Der Guru antwortet: "Ja - das stimmt, aber mir gefallen sie so wie sie sind."

"Lass alle Dinge genau so sein, wie sie sind."
(EKIW: LEKTION 268)

Wir glauben immer persönlich am besten zu wissen, was gut für uns ist. Ein entscheidender Grund warum es uns so schwer fällt, auf unseren persönlichen Willen zu verzichten, liegt darin begründet, dass wir eine völlig falsche Vorstellungen vom Willen Gottes haben. Die meisten christlichen Kirchen lehren seit Jahrtausenden ein Bild von einem Gott der Leid, Schuld, Strafe und Opfer gut heißt. Gott will aber in Wahrheit unser vollkommenes Glück, unseren vollkommenen Frieden, wahre Liebe und absolute Freude für uns. UND sein Wille ist der Wille unseres wahren Selbst. Dies wirklich zu glauben fällt dem Ego so schwer und daher versucht es immer wieder sein Glück selbst in die Hand zu nehmen und scheitert dabei am Ende immer, denn es hat überhaupt keine Vorstellung vom wahren Glück des erwachten Seinszustandes.

„Happiness is your birthright“
(Yogi Bhajan)

Glück ist unser Geburtsrecht, es ist unser Erbe, also etwas das wir uns nicht verdienen müssen und das wir auch nicht machen können. Glück ist unser natürlicher Seinszustand, daher ist jeder persönliche Versuch, glücklich zu werden, zum Scheitern verurteilt. Erst wenn das Persönliche in den Hintergrund tritt und alle Versuche das Glück in der Welt zu finden enden, erscheint das Glück, das immer schon da war und einzig wirklich ist. Dieses Glück hängt nicht von äußeren Umständen ab und mögen diese Umstände für die Augen des Körpers noch so herrlich erscheinen. Dieses Glück ist nicht persönlich und ist nicht individuell - daher will das Ego nichts davon wissen, weil wahres Glück sein Ende ist. So versucht das Ego weiterhin sein Glück in der Erfüllung persönlicher Wünsche zu finden - eine Suche ohne Ende.

Sehr beliebt beim Manifestieren ist das „Parkplatz wünschen“. Zuerst einmal gilt es zu verstehen, dass wir uns das Finden des Parkplatzes gar nicht erschaffen können. Selbst innerhalb der Illusion der Welt ist persönliche Schöpfung nicht möglich, weil selbst die Illusion eine Einheit ist - eine „Schöpfung“ des Egos. Anders ausgedrückt - damit wir schnell einen Parkplatz finden, muss jemand anderer genau im richtigen Moment wegfahren und kein anderer, der sich vielleicht auch gerade einen Parkplatz wünscht, darf den Parkplatz vor uns entdecken - das liegt alles nicht in unserer Hand. Zu glauben wir hätten das in der Hand, ist der Größenwahn des Egos. Es ist lediglich unsere Wahrnehmung der Welt - die Welt selbst, bleibt davon unberührt. Wir glauben etwas - anders ausgedrückt - wir nehmen etwas für wahr und dadurch erschaffen wir unsere scheinbare „Realität“. Mit Wirklichkeit und Wahrheit hat dies absolut nichts zu tun.

Dieser Glaube, dieser Aberglaube, ist eine für das Ego typische Verhaltensweise, die in der Psychologie gut dokumentiert und dort unter der Bezeichnung nichtdeterministisches Experiment bekannt ist. Es ist ein Experiment, bei dem die Teilnehmer (Mensch oder Tier) nur scheinbar Lernaufgaben bewältigen müssen, in Wahrheit jedoch der Ausgang des Experiments (beispielsweise die Belohnung) unabhängig vom Verhalten des Teilnehmers ist. Nach der Auswertung der Experimente zeigte sich, dass die Versuchspersonen die abenteuerlichsten Theorien über das „Gelernte“ entwickeln. Diese Theorien haben zwei erstaunliche Eigenschaften:
  • Sie sind resistent, d. h. teilweise glaubt die Versuchsperson weiterhin, ein erfolgreiches System gefunden zu haben; selbst dann noch, nachdem ihr gezeigt wurde, dass z. B. ein Schalter gar nicht angeschlossen war und somit der Versuchsaufbau nur scheinbar interaktiv war.

  • Sie sind ansteckend. "Falsch-Lerner" wirken auf ihre Mitmenschen sehr überzeugend.
Derartige Experimente können die Konditionierung skurriler Bewegungsabläufe zur Folge haben. Burrhus Frederic Skinner hat in Filmaufnahmen solches „abergläubisches Verhalten“ bei Haustauben dokumentiert (siehe Filmtipp: Mr. Nobody).

"Die Phantasie ist eine verzerrte Form der Schau. Phantasien jeglicher Art sind Verzerrungen, weil sie immer beinhalten, dass die Wahrnehmung zur Unwirklichkeit verdreht wird. Aus Verzerrungen stammende Handlungen sind buchstäblich die Reaktionen derer, die nicht wissen, was sie tun. Phantasien sind Versuche, falschen Bedürfnissen entsprechend Kontrolle über die Wirklichkeit auszuüben. Verdrehe die Wirklichkeit auf irgendeine Art, so nimmst du destruktiv wahr. Phantasien sind ein Mittel, falsche Assoziationen herzustellen und zu versuchen, sich daraus Lust zu verschaffen. Doch obschon du falsche Assoziationen wahrnehmen kannst, kannst du sie nie wirklich machen, außer für dich selbst. Du glaubst an das, was du machst."
(EKIW: Kapitel 1, VII. 3. 1.-8.)

"Die Welt, die du wahrnimmst, ist eine Welt der Trennung. Vielleicht bist du bereit, sogar den Tod in Kauf zu nehmen, um deinen VATER zu verleugnen. ER aber möchte nicht, dass das so ist, und deshalb ist es auch nicht so. Du kannst trotz allem nicht gegen IHN wollen, deswegen hast du keine Kontrolle über die Welt, die du gemacht hast."
(EKIW: Kapitel 12, III. 9. 1.-4.)

Woran glauben wir eigentlich noch beim Parkplatz wünschen? Wir glauben zuerst einmal daran, dass wir nicht schnell genug einen Parkplatz finden könnten. Wir befinden uns also in einem Zustand des Zweifels, des Mangels und in einem Zustand von Angst – dem Gegenteil von Liebe.

Wir glauben weiters daran, dass es wichtig ist, möglichst schnell einen Parkplatz zu finden. Indem wir dem „Schnell einen Parkplatz finden“ Bedeutung geben, glauben wir daran, dass dies für unser Glück von Bedeutung ist. Wir glauben weiters an die Bedeutung von Zeit, im Sinne von „Zeit ist Geld“. Wir glauben somit auch an die glückbringende Wirkung von Geld.

Daher versprechen viele der „spirituellen“ Selbsthilfebücher ganz konkret, wir könnten lernen, uns reich zu denken, in dem wir unbewusste negative Gedanken über Geld loslassen. Dies ist ein fataler Irrtum vieler spiritueller Sucher, denn der Reichtum, der dem spirituellen Sucher winkt, ist nicht von dieser Welt. Es ist die Erlösung vom Gedanken des Mangels und ein Zustand, in dem das Bewusstsein im göttlichen Moment absoluter Vollkommenheit ruht – völlig unabhängig von äußeren Umständen. Diese göttliche Glückseligkeit hängt nicht von Geld ab, nicht vom Traumhaus, nicht vom Seelenpartner und nicht von der beruflichen „Berufung“.

Heute wird mit dem Begriff Mammon abschätzig das Geld im Allgemeinen bezeichnet. Im weiteren Sinn bedeutet Mammon: „das, worauf man vertraut“. Das ist die entscheidende Frage: Vertrauen wir auf Dinge und Umstände im Außen, und bauen wir, im biblischen Sinne, unser Haus auf Sand, oder vertrauen wir auf Gott und bauen unser Haus auf Fels?

Das Bild vom „Haus“ ist das zentrale Symbol für das „Ich“ - und so entspricht das Bild vom Haus auf Sand dem Ego, und das vom Haus auf Fels dem wahren Selbst.

Der Begriff Mammon ist aufgrund seiner Erwähnung in der Bibel so bekannt:

Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
(Mt 6,24 Lut)

Im Kurs heißt es dazu:

Dieser Kurs wird ganz oder gar nicht geglaubt. Denn er ist ganz wahr oder ganz falsch, und man kann ihn nicht nur teilweise glauben. Entweder entrinnst du dem Elend ganz oder gar nicht. Die Vernunft wird dir sagen, dass es kein Mittelfeld gibt, wo du unentschlossen innehalten und damit warten kannst, die Wahl zwischen der Freude des HIMMELS und dem Elend der Hölle zu treffen. Solang du nicht den HIMMEL wählst, bist du in der Hölle und im Elend.
(EKIW: Kapitel 22, II. 7. 4.-8.)

Wenn wir uns wieder einmal in der Hektik des Alltags verlieren - auf der Suche nach einem „Parkplatz“ - haben wir zwei Möglichkeiten: Entweder wir wünschen uns einen „Parkplatz“, oder wir wünschen uns Berichtigung im Geist und damit den Frieden Gottes.

Wenn wir uns einen „Parkplatz“ wünschen, dann bedeutet dies, dass wir am Weg zu Gott eine Pause eingelegt haben und nicht weiter kommen. Die große Gefahr dabei besteht darin, ein „Dauerparker“ zu werden. Wenn unsere Sehnsucht nach dem Frieden Gottes groß genug ist, werden wir nicht mehr „parken“ wollen.
"Wer auf dem rechten Weg ist
hält sich nicht damit auf
"

(Tao Te King - Lao-Tse)

Überlasse also deine Bedürfnisse IHM. ER wird sie befriedigen, ohne sie auch nur im geringsten zu betonen. Was von IHM zu dir kommt, kommt sicher, denn ER wird sicherstellen, dass es niemals zu einem dunklen Punkt werden kann, in deinem Geist verborgen und dort bewahrt, um dich zu verletzen. Unter SEINER Führung wirst du leicht auf lichten Wegen reisen, denn SEIN Augenmerk ist immer auf das Ende der Reise gerichtet, das SEIN Ziel ist. GOTTES SOHN reist nicht durch äußere Welten. Wie heilig seine Wahrnehmung auch werden mag, keine Welt außerhalb von IHM birgt sein Erbe. In sich selbst hat er keine Bedürfnisse, denn Licht braucht nichts, außer in Frieden zu leuchten und die von IHM ausgehenden Strahlen still sich ausdehnen zu lassen bis in die Unendlichkeit.

Erinnere dich jedes Mal, wenn du in Versuchung kommst, eine nutzlose Reise zu unternehmen, die dich vom Licht wegführen würde, an das, was du wirklich willst, und sage dir:


Der HEILIGE GEIST führt mich zu CHRISTUS, und wohin sonst will ich denn gehen?
Welch anderes Bedürfnis habe ich, als in IHM zu erwachen?“

(EKIW: Kapitel 13, VII. 13. & 14.)

What is guided, is provided!



Minimalismus

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"Einfaches Leben (simple living), slow living für Anfänger, 6 Schritte zu mehr Minimalismus und Achtsamkeit, how to simplify your life, So vereinfachen Sie Ihr Leben, ..." Mit diesen Slogans wird eine neue Form der "Askese" gepredigt. Eine trendige Gegenbewegung zum Materialisieren, aber nicht neu, sondern nur scheinbar die alte Idee der Askese auf cool. Doch wenige gute Dinge zu besitzen, hat heute mehr mit edler Ästhetik zu tun als mit ernst gemeinter Askese. Minimalismus ist zur Selbstinszenierung des Egos verkommen. Die moderne Form des Verzichts muss man sich leisten können.

Man braucht doch so wenig, um glücklich zu sein: eine Handvoll Physalis, ein Dia De Los Muertos Pay The Ferryman Porter Craftbeer, ein kleines Stück handgebürsteter Schweizer Greyerzer-Käse aus Prigny am Fuße des Schlosshügels. Dann noch ein paar Mass-T-Shirts von Son-of-a-Tailor, ein paar HempAge Hanf-Jeans, Enna Bio-Sneaker aus feinstem Ecopell-Leder, natürlich müssen sie atmungsaktiv sein, atmende Schuhe sind gut, solange sie nicht schnarchen, aktiv ist natürlich auch gut, so lange sie nicht davon laufen, eine Bogner Steppjacke nicht zu vergessen, eine Soulbottle fürs levitierte Grander Wasser, das iPhone 12 mini, das neue MacBook Air, eine Liebeskind Berlin Rucksackhandtasche, ein Flyer SUV-Bike und eine Eigentumsaltbauwohnung mit Vollholzparkett in der Innenstadt.

Diese Pseudoenthaltsamkeit erlaubt es dem modernen westlichen Ego, seinen Konsum in eine korrekte Nachhaltigkeitsphilosophie zu verpacken und dabei noch in moralische Überlegenheit umzumünzen. Die selbst ernannten Hohepriester des Minimalismus blicken auf Menschen mit vollgepackten Ikea-Regalen herab, in einer Zeit in der selbst in Deutschland über 15 Millionen Menschen von Armut bedroht sind.

Der selbst erklärte Minimalist, der Essen zum Mitnehmen bevorzugt und die Vorteile einer Sharing Economy wie Autoleasing, Mietfahrräder und Onlinebestellungen nutzt, erhält seinen Lebensstil nur aufgrund von monströsen Logistiksystemen, die solche Besorgungen und Dienstleistungen auf Tastendruck, meist ausgeführt von Arbeitern im Niedriglohnsektor, überhaupt erst möglich machen.

Am Beispiel Minimalismus lässt sich wieder einmal wunderbar erkennen wie das Gedankensystem des Egos dem des reinen Geistes diametral entgegengesetzt ist. Während Askese, als ernsthafter Weg zu Gott, ein äußerer Ausdruck einer inneren Haltung ist, handelt es sich beim Minimalismus um ein äußeres Verhalten zur Erschaffung eines inneren Selbstbildes. Es geht nicht darum, unser Leben zu vereinfachen, es geht darum, unser weltliches Leben zu transzendieren.


EKIW: „LEKTION 128: Die Welt, die ich sehe, birgt nichts, was ich will.

1. Die Welt, die du siehst, hat dir nichts anzubieten, was du brauchst; weder etwas, was du in irgendeiner Weise benutzen könntest, noch irgend etwas, was dazu diente, dir Freude zu bereiten. Glaube diesen Gedanken, und dir bleiben Jahre des Elends, zahllose Enttäuschungen und Hoffnungen erspart, aus denen bittere Asche der Verzweiflung wird. Es gibt niemanden, der diesen Gedanken nicht als wahr annehmen müsste, wenn er die Welt hinter sich lassen und sich über ihren engen Horizont und ihr bedeutungsloses Treiben aufschwingen möchte.

2. Ein jedes Ding, das du hier schätzt, ist nichts als eine Kette, die dich bindet an die Welt, und sie dient keinem anderen Zweck als diesem. Denn alles muss dem Sinn und Zwecke dienen, den du ihm gabst, bis du einen andern Zweck darin erblickst. Der einzige Zweck, den diese Welt enthält und der deines Geistes würdig ist, ist der, dass du an ihr vorbeigehst, ohne dich damit aufzuhalten, dort Hoffnung wahrzunehmen, wo es keine gibt. Lass dich nicht länger täuschen. Die Welt, die du siehst, enthält nichts, was du willst.

3. Entrinne heute den Ketten, die du deinem Geist auferlegst, wenn du die Erlösung hier siehst. Denn was du wertschätzt, machst du zu einem Teil von dir, so wie du dich selbst wahrnimmst. Alle Dinge, die du suchst, um deinen Wert in deinen Augen zu erhöhen, begrenzen dich nur noch mehr, verbergen deinen Wert vor dir und fügen eine weitere Sperre vor der Tür hinzu, die zum wahren Gewahrsein deines SELBST führt."


EKIW: „LEKTION 129: Jenseits dieser Welt ist eine Welt, die ich will.

1. Dieses ist der Gedanke, der aus dem folgt, den wir gestern übten. Du kannst dich nicht mit dem Gedanken begnügen, dass die Welt wertlos ist, denn wenn du nicht siehst, dass es etwas anderes gibt, worauf du hoffen kannst, wirst du nur niedergeschlagen sein. Unsere Betonung liegt nicht darauf, die Welt aufzugeben, sondern sie gegen etwas einzutauschen, was viel befriedigender ist, erfüllt mit Freude und imstande, dir Frieden zu schenken. Denkst du, dass diese Welt dir dieses bieten kann?

2. Es könnte lohnen, ein wenig Zeit daranzugeben, noch einmal über den Wert dieser Welt nachzudenken. Vielleicht wirst du zugeben, dass du nichts verloren hast, wenn du jeden Gedanken an Wert hier loslässt. Die Welt, die du siehst, ist fürwahr erbarmungslos, instabil, grausam, gleichgültig dir gegenüber, schnell bereit zur Rache und mitleidlos vor Hass. Sie gibt nur, um zu widerrufen, und sie nimmt alle Dinge weg, die dir eine Zeitlang lieb und teuer waren. Keine dauerhafte Liebe ist zu finden, denn es gibt hier keine. Dies ist die Welt der Zeit, in der alle Dinge enden.

3. Ist es denn ein Verlust, statt dessen eine Welt zu finden, in der du nicht verlieren kannst; wo Liebe ewig währt, Hass nicht existieren kann und Rache ohne Bedeutung ist? Ist es denn ein Verlust, alle Dinge zu finden, die du wirklich willst, in der Erkenntnis, dass sie kein Ende haben und die ganze Zeit hindurch genauso bleiben werden, wie du sie haben willst? Doch auch diese werden am Ende ausgetauscht gegen etwas, worüber wir nicht sprechen können, denn von da aus gehst du dorthin, wo Worte völlig versagen, in ein Schweigen, wo die Sprache ungesprochen bleibt und doch bestimmt verstanden wird.“

* * *

Das Ego basiert auf einem Selbstbild durch Identifikation und auf Kontrolle seiner Welt. Mit Minimalismus versucht das Ego auch sein Leben selbst neu zu ordnen, um wieder Kontrolle darüber zu erlangen, in einer immer komplexer werdenden Welt.

Der Versuch des Kontrollgewinns führt zur zweiten Variante des Minimalismus zum „Ausstieg“ aus der Gesellschaft und der damit verbundenen Selbstversorgung. Die Selbstversorger vergessen gerne, dass die ”Gesellschaft”, also ihre Mitmenschen, im Hintergrund allzeit bereit sind, sie notfalls mit dem Rettungshubschrauber ins nächstgelegene Krankenhaus zu bringen, wenn sie sich beim Selbstversorgen ein Bein abhacken, oder sich, wie Roland Düringer, der beim Selbstversorgen von der Leiter gefallen ist, die Schulter brechen.

Wohin dieser Ego-Wahn führen kann zeigt uns Roland Düringer, der seinen neuen Lebensstil imagegerecht und immer topaktuell über die Medien kommuniziert: Roland Düringer hat das traditionelle Wohnen an den Nagel gehängt. Seither wohnt der Kabarettist in einem 28 Quadratmeter großen Holzwohnwagen bei Böheimkirchen und schmiedet darin Überlebenskonzepte. Der Wohnwagen steht allerdings auf seinem eigenen großen Grundstück mit komplett renoviertem Haus, einer Holzhalle für seine Autos und Motocross-Maschinen und einem ehemaligen Swimmingpool. Seinen riesigen Wohnsitz hat er sich unter anderem mit einem Werbevertrag mit VISA-Card „verdient“.

Roland Düringer: "Und im Gegensatz zum großen Haus nebenan, das ich nur noch selten nutze, wenn wir beispielsweise Besuch von Freunden und Familie haben, bin ich hier unten im Wohnwagen komplett autark. Ich hänge an keinem Netz und brauche mich um nichts zu kümmern. Plan A ist, dass alles so bleibt, wie es ist. Das ist und wäre wunderbar. Plan B jedoch ist, dass die heile Welt, wie wir sie heute kennen, eines Tages eine andere sein wird. An diesem Plan B arbeite ich jetzt schon seit zehn Jahren. Der Wagen ist nur ein Teil davon. Darüber hinaus umfasst der Plan gewisse Kompetenzen, die ich mir angeeignet habe. Ich weiß, wie man Obst und Gemüse anbaut, ich habe ein Stück Wald, der mich mit Holz zum Heizen versorgt, und ich habe das Jagdhandwerk erlernt, damit ich weiß, wie ich ein Tier töten und verarbeiten kann. Das ist das, was ich als Daseinsmächtigkeit bezeichne. Man muss sich nur die jüngsten politischen, ökonomischen und ökologischen Entwicklungen anschauen. Sie verheißen nichts Gutes, und so möchte ich in einer Krise von meinen eigenen Broccoli und Zucchini leben können."

Roland Düringer macht sich zurzeit lustig über die Menschen die Angst vor Corona haben. Er spricht von einem „Virus im Hirn“. Er hat natürlich selbst keine Angst, weil er ein super Immunsystem hat, er ist ja kein „150kg schwerer Typ der nur Scheißdreck frisst“. Er kann allerdings nicht erkennen, dass sein mittlerweile 15-jähriger „Daseinsermächtigungs-Trip“ der pure Ausdruck von Angst ist, dass dies genau so der „Virus im Hirn“ ist. Wer wirklich frei von Angst ist, also keinen „Virus im Hirn“ hat, der lebt glücklich und zufrieden auch in einer Stadtwohnung und braucht nicht das Jagdhandwerk zu erlernen - wozu auch? Wer wirklich frei vom „Virus im Hirn“ ist, dessen Glück hängt nicht von äußeren Umständen ab, der ist überall glücklich und frei von Angst.

Am Symbol Düringer können wir das Denksystem des Egos in komprimierter Form erleben - ein wahres Kabarett: Die Illusion des „um nichts kümmern müssen“ wird mit einer Unmenge an Arbeit erkauft. Der „Ausstieg“ und die Selbstversorgung sind im wahrsten Sinne des Wortes eine Heidenarbeit. Dass ein Unfall, eine schwere Krankheit, oder allein das Alter, der Idee der Selbstversorgung jeden Moment ein Ende setzen können, wird erfolgreich verdrängt. Dasein wird auf das Materielle reduziert - Selbsterhaltung wird zur „Daseinsmächtigkeit“. Wer sich um behinderte, einsame und kranke Menschen kümmern soll, bleibt ungeklärt.

In Folge der Konzentration auf das Materielle lebt das Ego in ständiger Angst vor einer Bedrohung von Außen - in der ständigen Angst vor den bösen Anderen. Es befindet sich in einem ständigen Überlebenskampf. Es lebt in der Illusion autonom zu sein, denn es erlebt sich getrennt von seinen Mitmenschen und von Gott. Es versucht sogar allein eine, wie auch immer geartete, Katastrophe zu überleben, ohne zu hinterfragen, was das für ein Leben sein soll - allein auf einem zerstörten Planeten. Das ist der Gedanke der Trennung im Extrem.

Grundsätzlich ist die Idee der Selbstversorgung ein Gedanke aus dem Gedankensystem des Egos, eine Idee der Trennung - ein Gedanke aus der Angst geboren, aus der Angst des kleinen Selbst. Es ist dies die Angst des kleinen Selbst vor dem Tod, während es direkt darauf zusteuert. Anders ausgedrückt: Wenn wir uns in einem abstürzenden Flugzeug anschnallen, dann mag uns das etwas beruhigen, aber es verhindert nicht den tödlichen Absturz.

Das Haus, heutzutage für viele die Wohnung, ist das zentrale Symbol für das Ich. Dies zeigt sich auch daran, dass Opfer eines Wohnungseinbruchs erhebliche emotionale Belastungen aufweisen, selbst dann wenn sie zum Zeitpunkt des Einbruchs gar nicht zu Hause waren. Die Belastungen reichen von allgemeinen Ängsten und Unsicherheiten bis zu massiven körperlichen Beeinträchtigungen, wie Schlafstörungen oder innerer Unruhe und Verhaltensveränderungen wie Zufluchtsuchen bei Freunden. Wohnungseinbruch wird von vielen als „Einbruch“ in den Intimbereich empfunden. Deshalb hat Jesus dieses Symbol schon vor 2000 Jahren verwendet, als er vom Haus auf Sand und vom Haus auf Fels sprach.

Daher ist die Art und Weise wie wir wohnen ein deutliches Symbol für unseren Geisteszustand. Wenn wir uns selbstversorgend in ein abgelegenes Haus zurückziehen, und wenn dies nicht ein vorübergehender Ausdruck unserer totalen Hinwendung an Gott ist, ist dies ein sichtbarer Hinweis darauf, dass wir noch sehr im Denksystem des Egos gefangen sind. Wenn wir hingegen in einer großen Gemeinschaft leben, die selbst offen für die sie umgebenden Mitmenschen ist, ist dies schon mal ein gutes Zeichen.

Co-Living, Cohousing und alle modernen Formen gemeinschaftlichen Wohnens sind mit der Herausforderung konfrontiert, dass in einer Zeit, in der Individualität die neue Religion ist, die extrem starken individuellen Bedürfnisse, immer wieder mit den kollektiven Bedürfnissen einer Gemeinschaft kollidieren. Das Leben in einer Gemeinschaft braucht einen gemeinsamen Zweck, eine gemeinsame Absicht, andernfalls kann es nicht funktionieren. Eine wahrhaft befreiende Erfahrung kann gemeinschaftliches Wohnen nur dann sein, wenn es dem einzig wahren Zweck dient - der Erlösung aus der Illusion der Trennung. Wenn es also darum geht, nicht Individualität zu betonen, sondern darum, sich immer und immer wieder an die Einheit zu erinnern - dann wir Cohousing zu einem Akt der Kommunikation im Geiste GOTTES, zum Miteinanderteilen - zur Kommunion. Dann wird aus Co-Living Co-Loving.

Beim Thema Wohnen wird der Wahnsinn des egoischen Denksystems besonders deutlich sichtbar. Der Planet stellt uns alles was wir brauchen völlig kostenlos zur Verfügung, ohne dass wir uns darum kümmern müssten. Die Wälder und Blumenwiesen wachsen von selbst und brauchen nicht von uns gepflegt und gehegt werden. Wir können uns an ihnen erfreuen, ohne dass wir dafür irgendetwas tun müssen. Das Meer, die Flüsse und Seen bieten uns Wasser, indem wir baden und schwimmen können, ganz ohne, dass wir uns um das Thema Wasserdesinfektion kümmern müssen. Das Einzige das Sinn macht ist, dass wir uns um eine einigermaßen gemütliche "Höhle" kümmern, die uns vor Regen und Kälte schützt. Moderne, äußerst bequeme Höhen nennen wir üblicherweise Wohnung. Aber warum sollten wir so verrückt sein und uns ein eigenes Einfamilienhaus bauen, mit einem eingezäunten Garten, den wir ständig pflegen und hegen müssen und dann vielleicht noch einen Swimmingpool, um dessen Reinhaltung und Desinfektion wir uns kümmern müssen? Warum sollten wir das tun, wenn wir dies alles, völlig ohne Anstrengung und in einer deutlich besseren Qualität, in der freien Natur haben können? Warum sollten wir in einem chemisch behandelten, nur wenige Quadratmeter großen, Swimmingpool schwimmen wollen, wenn es doch das Meer, die Seen und die Flüsse gibt? Wozu soll das gut sein?

Rund 11.000 Klagen werden pro Jahr in Österreich rund um Streitigkeiten beim Wohnen eingebracht. Bei einem Großteil wird die Grundstücksgrenze zwischen zwei Gärten zur Kampfzone. Selbst der Oberste Gerichtshof musste sich schon mit Thujenhecken auseinandersetzen. Eine Thujenhecke, der pflanzliche Ausdruck eines begrenzten Horizonts, eine Art grüne Gefängnismauer, verhindert die geistige Befreiung der Gefangenen dahinter.

„Das Ego denkt, es sei ein Vorteil, sich nichts Ewigem zu verpflichten, weil das Ewige von GOTT kommen muss. Ewigsein ist die eine Funktion, die das Ego versucht hat zu entwickeln, die zu erreichen ihm aber systematisch misslungen ist. Das Ego geht in der Frage des Ewigen einen Kompromiss ein, genauso wie es das in allen Fällen tut, wo die wirkliche Frage in irgendeiner Weise berührt wird. Indem es sich mit Randproblemen beschäftigt, hofft es, die wirkliche Frage zu verbergen und aus dem Bewusstsein fernzuhalten. Die typische Geschäftigkeit des Ego, die sich um Nebensächlichkeiten dreht, dient genau diesem Zweck. Die Beschäftigung mit Problemen, die so angelegt sind, dass keine Lösung möglich ist, ist ein Lieblingsmittel des Ego, um den Lernfortschritt aufzuhalten. Bei all diesen Ablenkungsmanövern aber lautet die eine Frage, die von denjenigen, die sie verfolgen, nie gestellt wird: »Wozu?« Das ist die Frage, die du in Verbindung mit Allem stellen lernen musst. Was ist der Sinn und Zweck? Was immer er auch sei, er wird deine Bemühungen automatisch lenken. Wenn du dich also für den Zweck entscheidest, hast du eine Entscheidung über deine zukünftigen Bemühungen getroffen, eine Entscheidung, die so lange wirksam bleibt, bis du anderen Geistes wirst.“
(EKIW: Kapitel 4, V. 6.)

Ein besonderer Aspekt des egoistischen Gedankensystems ist der, auch von Roland Düringer wunderbar vor gelebte, ständige Drang zur Selbstdarstellung, der immer groteskere Formen annimmt, der immer mehr dazu führt, dass wir uns gegenseitig nicht mehr aushalten und uns narzisstisch gekränkt ins Private zurückziehen. Doch selbst der Rückzug von der Gesellschaft wird skurrilerweise noch der Gesellschaft präsentiert.

Die Selbstversorger-Idee wird der Welt als bessere Lösung präsentiert, ohne dass dabei bedacht wird, welche Konsequenzen es hätte, wenn plötzlich 8 Milliarden Menschen auf Selbstversorger machen, sich eine Hütte im Grünen bauen und sich ein eigenes Jagdgebiet zulegen würden. Diese Milliarden Einzelhaushalte müssten mit Straßen versorgt werden. Jeder bräuchte ein eigenes Auto und müsste für jeden Arztbesuch, für jeden Einkauf - als Selbstversorger vor allem im Bauhaus - und für jeden Tankstellenbesuch, endlos weit durch eine völlig zersiedelte Schrebergarten-Landschaft fahren. Alle wollen zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß. Mit dieser „Öko-Idee“ würden wir dann die letzten unberührten Wälder zerstören. Diese Zersiedelung hätte wiederum katastrophale Auswirkungen auf die Tierwelt, usw., usw.

Die Idee der autonomen Selbstversorgung ist grundsätzlich ein Kasperletheater, weil die Abhängigkeit von den Autoherstellern, Motorsägenherstellern, Jagdwaffenherstellern und vor allem von den Mineralölkonzernen bleibt - für den Treibstoff den das Notstromaggregat und der SUV benötigen. Im Falle eines Elektroautos besteht zusätzlich die Abhängigkeit vom Elektroautohersteller, beispielsweise Tesla, dessen Autos ständig in Verbindung mit dem Satellitennetzwerk Starlink von Elon Musk stehen. Also ist auch in diesem Fall Autonomie eine Illusion. Elon Musk hat in jedem Moment Zugriff auf alle Informationen seiner Autos. Das ist mehr Verbindung als dies einem autonomen Selbstversorger lieb sein kann.


EKIW: „LEKTION 50: Ich werde von der LIEBE GOTTES erhalten.

1. Hier ist die Antwort auf jedes Problem, dem du - heute und morgen und in aller Zeit - begegnen wirst. In dieser Welt glaubst du, dass alles mögliche dich erhält, nur nicht GOTT. Du vertraust auf die trivialsten und wahnsinnigsten Symbole: auf Pillen, Geld, »schützende Kleidung«, Einfluss, Ansehen, Beliebtheit, Beziehungen zu den »richtigen« Menschen und auf eine endlose Liste von Formen des Nichts, die du mit magischen Kräften ausstattest.

2. All diese Dinge sind dein Ersatz für die LIEBE GOTTES. All diese Dinge werden gehegt, um die Identifikation mit dem Körper sicherzustellen. Sie sind Loblieder auf das Ego. Vertraue nicht auf Wertloses. Es wird dich nicht erhalten.

3. Nur die LIEBE GOTTES wird dich in allen Umständen schützen. Sie wird dich aus jeder Anfechtung erheben, hoch empor über all die von dir wahrgenommenen Gefahren dieser Welt, hinauf in eine Atmosphäre vollkommenen Friedens und vollkommener Sicherheit. Sie wird dich in einen Geisteszustand versetzen, den nichts bedrohen, nichts stören kann und wo nichts in die ewige Ruhe des SOHNES GOTTES eindringen kann.“

* * *

Selbst auf dem Jakobsweg kann die Packliste des Rucksacks zum religiösen Bekenntnis werden. Es ist immer das gleiche Prinzip: Wenn sich das Ego auf wenige Dinge konzentriert, dann hat es zu diesen wenigen Dingen eine ganz besonders starke Beziehung. Auf dem Weg zu wahrer Freiheit, zur Freiheit des Geistes, geht es hingegen darum, uns von der Beziehung zu den Dingen, von der Anhaftung an die Dinge, zu lösen - ganz unabhängig davon, wie viele Dingen uns im Moment umgeben.

Alles, von dem das Ego sagt, dass du es brauchst, wird dich verletzen. Denn obwohl das Ego dich immer wieder zum Habenwollen drängt, lässt es dir nichts, denn was du bekommst, wird es dir abverlangen. Und ebenjenen Händen, die es ergriffen haben, wird es entwunden und in den Staub geschleudert. Denn wo das Ego Erlösung sieht, da sieht es Trennung, und so verlierst du, was immer du in seinem Namen bekommen hast. Deshalb frage nicht dich selbst, was du brauchst, denn du weißt es nicht, und der Rat, den du dir gibst, wird dich verletzen. Denn was du zu brauchen glaubst, wird lediglich dazu dienen, deine Welt gegen das Licht abzuschirmen und dich unwillens zu machen, den Wert zu hinterfragen, den diese Welt tatsächlich für dich haben kann.
(EKIW: Kapitel 13, VII. 11,)

Wenn wir das verstanden haben, dann ist uns auch klar, warum wir gerade Indien am stärksten mit dem Thema Spiritualität in Verbindung bringen, jenes Land, das in den letzten 60 Jahren die stärkste Anziehung auf westliche spirituelle Sucher ausgeübt hat. Indien ist nicht minimalistisch, Indien ist gigantische Fülle, Indien ist extreme Vielfalt. Angesichts all dieser scheinbaren Vielfalt, Vielfältigkeit und der scheinbar extremen Gegensätze in diesem Land, wird etwas in unserem Inneren aktiviert, das um die Wahrheit betet, das um Einfachheit betet, das sich zur Nondualität hin entwickeln will und so entstanden die großen nondualen Traditionen Indiens. Nondualität ist ein Geisteszustand und kein besonderer Ausdruck auf der Ebene der Form.

Wenn wir als selbsternannter Asket allein in einer Hütte im Wald sitzen, werden wir unserer Anhaftung erst dann gewahr werden, wenn jemand kommt und uns die Hütte streitig macht. Wenn wir dann ohne der geringsten Gemütsregung aufstehen und uns einfach eine Höhle suchen, sind wir frei von Anhaftung. Aber bis dahin ist es ein langer Weg, der damit beginnt, uns von der Idee der besonderen Dinge zu lösen, Dinge einfach Dinge sein lassen und nicht daraus einen Götzen machen. Es ist völlig egal wo und wie wir gerade leben, entscheidend ist ob wir uns damit identifizieren oder nicht - entscheidend ist unser geistiges „Haus“.

Die Konzentration auf Weniges, sei es in der Form von Minimalismus oder Selbstversorgung, ist nicht die Befreiung, sondern das Gegenteil. Es ist die Konzentration auf Materie. Befreiung bedeutet uns von der Materie zu lösen und uns auf das SEIN zu konzentrieren. Dass ein weiser, wacher Mensch von außen betrachtet wenig braucht, liegt nicht daran, dass er sich auf das Wenige konzentriert, das er zu besitzen scheint, sondern daran, dass er sich von der Materie gelöst hat und sich einzig und allein auf das SEIN konzentriert.

Ein einfaches Leben ist keine Frage der Form, sondern des Geistes. Jede Suche auf der Ebene der Form, also in der Welt, speziell die Suche nach dem Besonderen, ist Götzendienst. Jeder Versuch diesen Dienst auch noch als irgendwie "spirituell" erscheinen zu lassen ist Selbstbetrug.

„Alle Götzen dieser Welt wurden gemacht, damit verhindert wird, dass du die Wahrheit im Inneren erkennst, und um die Treue dem Traume gegenüber aufrechtzuerhalten, dass du das finden musst, was außerhalb von dir ist, um vollständig zu sein und Glücklich. Es ist vergeblich, Götzen in der Hoffnung auf den Frieden anzubeten. GOTT weilt im Inneren, und deine Vollständigkeit liegt in IHM. Kein Götze tritt an SEINE Stelle. Schau nicht zu Götzen hin. Suche nicht außerhalb von dir.“
(EKIW: Kapitel 29, VII. 6.)

„Was ist ein Götze? Glaubst du es zu wissen? Denn Götzen werden nicht erkannt als solche und nie als das gesehen, was sie wirklich sind. Das ist die einzige Macht, die sie haben. Ihr Zweck ist verschleiert, und sie werden ebenso gefürchtet wie angebetet, weil du nicht erkennst, wozu sie da sind und weswegen sie gemacht sind. Ein Götze ist ein Bild von deinem Bruder, dem du mehr Wert beimisst als dem, was er ist. Götzen sind dazu gemacht, um ihn zu ersetzen, ganz gleich, was ihre Form ist. Und genau das ist es, was nie wahrgenommen und begriffen wird. Sei es ein Körper oder Ding, ein Ort, eine Situation oder ein Umstand, ein Gegenstand, den man besitzt oder gerne haben möchte, oder ein Recht, welches gefordert wird oder erlangt - es ist dasselbe.
(EKIW: Kapitel 29, VIII. 1.)

Lass dich von ihrer Form nicht täuschen. Götzen sind nur ein Ersatz für deine Wirklichkeit. Du glaubst, dass sie auf irgendeine Weise dein kleines Selbst vollständig machen werden, zur Sicherheit in einer Welt, die als gefährlich wahrgenommen wird und voller Kräfte ist, die sich zusammenrotten gegen deine Zuversicht und deinen Geistesfrieden. Sie haben die Macht, deinen Mangeln abzuhelfen und dir den Wert, den du nicht hast, hinzuzufügen. Niemand, der sich nicht selbst zum Sklaven von Kleinheit und von Verlust gemacht hat, glaubt an Götzen. Und deshalb muss er jenseits seines kleinen Selbst nach Stärke suchen, um sein Haupt zu heben, und fern des ganzen Elends stehen, das die Welt widerspiegelt. Das ist die Strafe dafür, dass du nicht im Innern nach Gewissheit und nach stiller Ruhe suchst, die dich von der Welt befreit und dich still und friedlich für dich stehen lässt.
(EKIW: Kapitel 29, VIII. 2.)



Loslassen

Hinter der Idee mit dem Loslassen verbirgt sich meist die Idee von Besitz und die Idee des Opferns. Egal ob es nun um einen Menschen, einen Job oder ein Ding geht - wir haben es nie besessen. Alles in dieser Welt taucht auf und verschwindet wieder, der Glaube wir könnten irgendetwas in dieser Welt besitzen ist eine Illusion.

Immer wenn wir uns über das Loslassen auslassen, handelt es sich meist um etwas, das wir gegen unseren persönlichen Willen bereits aufgeben mussten. Wenn wir dann so tun als würden wir es freiwillig loslassen, klingt es irgendwie besser, als wenn wir von Misserfolg oder Verlust reden würden und uns dem Scheitern oder dem Verlustschmerz ganz und gar stellen würden.

Wenn wir gezwungen sind etwas aufzugeben, dann reden wir uns sehr schnell ein, wir hätten es losgelassen, obwohl wir uns damit immer noch identifizieren. Wenn wir beispielsweise einen tollen Job als Spitzenmanager hatten und diesen aufgeben mussten, haben wir ihn nicht losgelassen, solange wir uns noch, mit der Idee Spitzenmanager gewesen zu sein, identifizieren. Solange wir uns im Geiste immer noch als ehemaliger Spitzenmanager fühlen, sind wir nicht frei von Identifikation und Geschichte, sind wir nicht frei von der Vergangenheit und ruhen nicht im Frieden des JETZT.

Solange unser Herz noch an etwas hängt, egal ob es sich scheinbar noch in unseren Einflussbereich befindet oder nicht, haben wir uns von der Idee des Besitzes noch nicht gelöst, haben wir es im Geist nicht losgelassen. Wenn unser Herz nicht mehr daran hängt, gibt es nichts mehr zum Loslassen.

Wir können nicht wirklich etwas loslassen. Es handelt sich in Wahrheit um Irrtümer in unserem Geist die der Berichtigung bedürfen. Die Korrektur unserer Irrtümer braucht nur unsere Bereitschaft, um alles andere kümmert sich der HEILIGE GEIST.

Die dritte Stufe, die der Lehrer GOTTES durchlaufen muss, kann als »eine Phase des Aufgebens« bezeichnet werden. Wenn dies als Aufgeben von Wünschenswertem gedeutet wird, wird es enorme Konflikte erzeugen. Wenige Lehrer GOTTES entrinnen völlig dieser Not. Es hat allerdings keinen Sinn, das Wertvolle vom Wertlosen zu trennen, wenn nicht der nächste offensichtliche Schritt getan wird. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass »die Phase der Überschneidung «eine Zeit ist, in der der Lehrer GOTTES sich dazu aufgerufen fühlt, das, was zu seinem Besten ist, für die Wahrheit zu opfern. Es ist ihm bis jetzt noch nicht klar geworden, wie gänzlich unmöglich eine solche Forderung wäre. Er kann das nur lernen, indem er das Wertlose tatsächlich aufgibt. Dadurch lernt er, dass er dort, wo er Gram erwartete, statt dessen eine glückliche Unbeschwertheit findet, und dort, wo er dachte, etwas werde von ihm verlangt, eine Gabe findet, die ihm verliehen wird.
(EKIW: III. Handbuch für Lehrer, 4. I. A. 5.)

„Ich kann nur das aufgeben, was nie wirklich war.

Ich opfere Illusionen, nichts weiter. Und wenn die Illusionen weichen, finde ich die Gaben, die die Illusionen zu verbergen suchten; sie erwarten mich in leuchtendem Willkommen und in der Bereitschaft, mir GOTTES alte Botschaften zu geben. Die Erinnerung an IHN wohnt jeder Gabe inne, die ich von IHM empfange. Und jeder Traum dient nur dazu, das SELBST zu verbergen, DAS GOTTES einziger SOHN ist, SEIN Ebenbild, der HEILIGE, DER nach wie vor auf ewig in IHM weilt, so wie ER nach wie vor in mir weilt.

VATER, für DICH bleibt jedes Opfer ewig unvorstellbar. So kann ich denn nicht opfern außer in Träumen. So wie Du mich schufst, kann ich nichts aufgeben, was Du mir gegeben hast. Was Du nicht gabst, hat keine Wirklichkeit. Welchen Verlust kann ich erwarten als den Verlust der Angst und die Wiederkehr der Liebe in meinen Geist?


(EKIW: LEKTION 322, 1.-2.)

Am Vormittag des 16. März 1945 fragte ein Suchender Ramana Maharshi: ”Soll ich mein Geschäft aufgeben und Bücher über Vedanta lesen?”
Ramana antwortete: “Wenn die Objekte ein unabhängiges Dasein haben, das heißt wenn sie irgendwo unabhängig von dir existieren, dann besteht die Möglichkeit, dass du dich von ihnen abwendest. Aber sie existieren nicht unabhängig von dir. Sie verdanken dir und deinen Gedanken ihr Dasein. Wohin also könntest du gehen, um ihnen zu entfliehen?
Was die Lektüre von Büchern über Vedanta betrifft: Du magst so viele von ihnen lesen wie du willst. Sie können dir nur sagen: ‘Erkenne das selbst in dir.’ Das selbst kann nicht in Büchern gefunden werden. Du musst es in dir finden.”

(Tagebuch der Gespräche mit Ramana Maharshi)



Erden

Zu diesem Thema kursieren die unterschiedlichsten Irrtümer. Die Quelle dieser Irrtümer stellt schon der Begriff erden dar, denn es geht um den Geist und nicht um die Materie. Wenn man den Begriff „erden“ als etwas Geistiges begreift, so ist ein Mensch geerdet, so er erwacht ist, so er sein Bewusstsein geschärft hat, so er dem ewigen Schlaf entwichen ist. Geerdet im geistigen Sinne ist ein Mensch durch sein hellwaches Bewusstsein, nicht aber durch körperliche Aktion.

Die 3 größten Irrtümer sind:


1.) Erdung durch Essen, durch Aufnahme von Nahrung, auch durch fleischliche Speisen?

Dies ist der erste aller Irrtümer auf dem Weg, denn je mehr wir essen und je unbewusster wir dabei sind, desto weniger gelingt es uns, bewusst zu sein und auf der Erde bewusst zu leben. Diese „Erdung“ ist ein Beschweren des Körpers und eine große Belastung für den Geist. Wir werden träge, wir bleiben müde und unbewusst. „Geerdet“ fühlen wir uns alleine dadurch, dass wir uns schwer fühlen auf der Erde.

Die Wahrheit führt uns genau zum Gegenteil, dazu, dass wir uns leicht fühlen im Geiste. Ein satter Körper ist träge und damit Symbol eines trägen Geistes, ein hungriger Körper ist das Symbol für die Bereitschaft das Vergängliche abzulegen. Nur in der Aufgabe des Vergänglichen liegt jene Erfüllung, nach der sich so viele Sucher verzehren. Buddha und Jesus aßen wenig, doch sie waren und sind jene Lichtgestalten denen es zu folgen gilt. Mahatma Gandhi hat, ganz ohne Gewalt, mit einem Hungerstreik im Gefängnis, viel bewirkt. Fasten wird seit jeher als bewusstseinserweiternde Methode verwendet und zur inneren Einkehr genutzt.

2.) Sexualität erdet?

Auch das ist ein gravierender Irrtum. Sexualität kann uns der Wahrheit näher bringen, indem wir diese als göttliches Wesen erleben und den Körper als Kommunikationsmittel für die Liebe nutzen. Sexualität, die sich rein auf Körperregionen beschränkt, auf Erregung durch mechanische Reibung, ist, was es ist, ein schönes Gefühl, eine Empfindung, die Menschen entspannen und auch erfüllen kann. Doch es gibt weit mehr dabei. Es geht um das Eins-Werden mit der Schöpfung. Um das Eins-Werden mit unserem Gegenüber und uns selbst. Um das Eins-Werden mit Gott. Das bedeutet, nur durch die transzendierte Sexualität gelangt unser Bewusstsein zur Entfaltung und werden alle Ebenen des Bewusstseins angesprochen und ausgefüllt.

Sex kann dumpf erlebt werden, und dabei kann Befriedigung entstehen. Sex kann aber auch lichtvoll, bewusst und über alle Maßen orgastisch sein, wodurch Erfüllung und ein großer Frieden in eine Menschenseele tritt. Jesus und Meister vieler Zeiten, hatten ihre Sexualität transformiert, in eine andere, höhere Stufe an Energie umgewandelt. Weder vom Essen noch vom Sex abhängig sein, dadurch zeichnet sich ein erwachtes Bewusstsein aus, und dadurch ist es fähig, der Erde zu dienen und den Menschen ein Licht von einmaliger Helle zu sein.

3.) Arbeit erdet?

Irrtum Nummer drei. Ja, Arbeit ebnet uns den Weg, damit wir erwachen können, damit wir bewusst werden können, den ein fauler Mensch ist zu nichts fähig. Doch Arbeit ist erst hilfreich, so sie in einem spirituellen Sinne geschieht. Erst die Absicht, das Bewusstsein, adelt die Arbeit, nicht aber die Arbeit und das Arbeiten selbst. Viele Menschen scheinen sehr viel arbeiten zu müssen, um ihr tägliches Brot zu erlangen, viele Menschen möchten sehr viel arbeiten, um sich von ihrem bewussten Leben abzubringen. Beides sind Irrtümer auf dem Weg zu Gott.

Wenn Angst im Bewusstsein auftaucht, ist es eine der beliebtesten Strategien des Egos sich in Arbeit zu stürzen. Arbeit ist ein äußerst beliebter Fluchthelfer. Häufig endet dieser Fluchtversuch dann irgendwann im Burnout.

* * *

Die Konzentration auf den Körper ist dann hilfreich, wenn ein verwirrter Geist den Verstand in den Wahnsinn treibt, wie im Falle einer Panikattacke. Aber dazu braucht es kein Essen, keinen Sex und keine Arbeit, dafür eignet sich am besten die Konzentration auf den Atem.

Es ist gleich, womit wir uns beschäftigen und was wir tun, so unser Geist unerweckt ist und solange unser Bewusstsein schläft, ist alles kaum der Rede wert. Alles, absolut alles, ist eine Angelegenheit von Bewusstheit.

Du setzt noch immer zu viel Glauben in den Körper als eine Quelle der Stärke. Welche Pläne schmiedest du, in denen es nicht in irgendeiner Weise um seine Behaglichkeit, seinen Schutz oder sein Vergnügen geht? Das macht den Körper in deiner Deutung zu einem Zweck und nicht zu einem Mittel, und das heißt immer, dass du die Sünde nach wie vor als attraktiv empfindest.“
(EKIW: Kapitel 18, VII. 1. 1.-3.)

„Man kann unmöglich Lust durch den Körper suchen und nicht Schmerz finden. Es ist ganz wesentlich, dass diese Beziehung verstanden wird, denn sie ist eine, die das Ego als Beweis der Sünde sieht. Sie hat in Wirklichkeit überhaupt nichts mit Strafe zu tun. Sie ist bloß die unvermeidliche Folge davon, dass du dich mit dem Körper gleichgesetzt hast, und das ist die Einladung an den Schmerz. Denn es lädt die Angst ein, einzutreten und dein Ziel zu werden. Und mit ihr muss die Anziehungskraft der Schuld eintreten und alles, was die Angst den Körper zu tun anweist, ist deshalb schmerzvoll. Es wird den Schmerz aller Illusionen teilen, und die Illusion der Lust wird dasselbe sein wie Schmerz.“
(EKIW: Kapitel 19, IV. B. 12.)



Die Rettung der Welt

Nur noch kurz die Welt retten

Die Zeit läuft mir davon
Zu warten wäre eine Schande für die ganze Weltbevölkerung
Ich muss jetzt los, sonst gibt's die große Katastrophe
Merkst du nicht, dass wir in Not sind?

Muss nur noch kurz die Welt retten
Danach flieg' ich zu dir
Noch 148 Mails checken
Wer weiß was mir dann noch passiert, denn es passiert so viel
Muss nur noch kurz die Welt retten
Und gleich danach bin ich wieder bei dir

(Tim Bendzko, 2011)

Wir haben wirklich alles probiert, wir haben ein Stück Regenwald im Amazonas-Gebiet gekauft, um so unsere Angst vor der Umweltzerstörung einzudämmen, wir haben CO2-Kompensationen gekauft, um unseren Flug zum Yoga-Retreat nach Rishikesh zu rechtfertigen, wir haben ein Patenkind in Bangladesch adoptiert, um unseren Reichtum ungestört genießen zu können, wir haben uns für Ökostrom entschieden, um nicht Strom sparen zu müssen und den Kauf unseres Elektroautos rechtfertigen zu können, vergessen dabei aber völlig, dass jeder Energieverbrauch zur Erderwärmung beiträgt, völlig egal wie "öko" diese Energie ist und das die Produktion von Elektroautos weitere Energie benötigt, wir haben für Greenpeace gespendet, um die Arbeit nicht selbst tun zu müssen, wir kaufen unsere Schokolade nur Fair Trade, um die wahnwitzige Illusion eines fairen Handels aufrecht zu erhalten, wir unterzeichnen massenhaft Online-Petitionen und leiten sie an alle unsere Freunde weiter, um mit unserer Empörung nicht allein zu sein, wir gehen auf die Straße und demonstrieren für den Frieden in der Welt, um den Konflikten im persönlichen Umfeld zu entkommen. Wir tun wirklich alles für eine bessere Welt und finden trotzdem keinen Frieden - weil es noch so viel zu tun gibt, um die Welt zu retten und weil es die Anderen einfach nicht verstehen wollen, dass etwas getan werden muss.

Niemand könnte all die Probleme lösen, die die Welt scheinbar in sich birgt. Sie scheinen auf so vielen Ebenen aufzutreten, in so unterschiedlicher Form und mit derart mannigfaltigen Inhalten, dass sie dich in eine unmögliche Situation versetzen. Verzweiflung und Depression sind unausweichlich, wenn du sie ansiehst. Manche tauchen unerwartet auf, gerade wenn du glaubst, die vorigen gelöst zu haben. Andere bleiben unter einer Wolke der Verleugnung ungelöst, suchen dich heim von Zeit zu Zeit, nur um wiederum, noch immer ungelöst, versteckt zu werden.
(EKIW: Lektion 79, 5.)

"Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind."
(Albert Einstein)

Die Rettung der Welt ist mit dem Gedankensystem, das die Welt erschaffen hat, nicht möglich. Um von dieser Wahrheit abzulenken, produziert das Ego immer verrücktere Ideen zur Weltrettung. Elon Musk ist das zentrale Symbol unserer Zeit für dieses Verhalten. Um das Problem mit den fossilen Energieträgern beim Individualverkehr zu lösen, entwickelt er Elektroautos, ohne dass dabei bedacht wird, dass der daraus entstehende erhöhte Strombedarf auch weiterhin das Abschalten von Kohle- und Atomkraftwerken verhindern wird. Um das Problem der überfüllten Straßen zu lösen, entwickelt er 3D-Tunnelnetzwerke. Autos sollen in Zukunft in Röhren tief unter der Erde transportiert werden. Der enorme Energie- und Ressourcenverbrauch, beim Bau und Betrieb dieser Anlagen, wird dabei völlig übersehen. Um das Problem des öffentlichen Personen- und Güterverkehrs für Fernstrecken zu lösen, entwickelt er das Projekt Hyperloop. In einer Doppelröhre tief unter der Erde sollen abgeschlossene Kapseln für 28 Personen auf Luftkissen auf bis zu 1220 km/h beschleunigt werden. Doch da selbst dies nicht reichen wird, um die Probleme auf unserem Planeten zu lösen, arbeitet Musk gleichzeitig an einem Projekt zur Besiedlung des Mars. Dabei wird völlig übersehen, dass wir auf dem Mars sehr bald die gleichen Probleme wie auf der Erde hätten, nur unter deutlich erschwerten Umweltbedingungen. Jede scheinbare Lösung eines Problems erschafft nur eine Unzahl neuer Probleme, die wiederum einer Lösung bedürfen. Das Ego kann nicht erkennen, dass sein eigener Wahnsinn, sein Gedankensystem, der Grund für all die Probleme und damit auch das einzige Problem ist.

"Diese ganze Komplexität ist bloß ein verzweifeltes Bemühen, das Problem nicht zu erkennen und es deshalb nicht lösen zu lassen. Könntest du erkennen, dass Trennung dein einziges Problem ist, gleichgültig, welche Form sie annimmt, dann könntest du die Antwort akzeptieren, denn du würdest sehen, dass sie zutrifft. Nähmest du die Konstanz wahr, die allen Problemen, die sich dir zu stellen scheinen, zugrunde liegt, dann würdest du verstehen, dass du die Mittel hast, sie allesamt zu lösen. Und du würdest die Mittel einsetzen, weil du das Problem erkannt hättest."
(EKIW: LEKTION 79, 6.)

"Wer sich der Welt bemächtigen
und sie verändern will
dem wird es nicht gelingen
denn die Welt ist ein heiliges Gefäß
sie kann nicht verbessert werden
Wer sie verändert, verdirbt sie
wer sie festhält, verliert sie"
(Tao Te King - Lao-Tse)

Gendersprache, inszenierte Empörung über alles Mögliche, wie Flashmobs um auf das Aussterben von Tierarten hinzuweisen, neue Nachhaltigkeitsrhetorik: Sie alle sind Symptome des schlechten Gewissens und der dahinter verborgenen Idee der Schuld. Die inszenierte Empörung ist der Versuch den eigenen Schuldgefühlen zu entkommen und sie in die "Mächtigen/Reichen/Bösen/Anderen" zu projizieren.

Bei jeder Gelegenheit rollt innerhalb kürzester Zeit eine schnelle, heftige Welle zur Schau gestellter Betroffenheit und Empörung durch alle sozialen Kanäle. Mittlerweile werden nur noch die Symbole adaptiert und die Hashtags angepasst - und nach ein paar Tagen ist der ganze Spuk vorüber.

Von Politikern und anderen öffentlichen Personen wird eine "zeitnahe" öffentliche Reaktion in den sozialen Medien ohnedies erwartet, aber auch wir alle fühlen uns immer mehr dazu berufen mit Peace-Zeichen, Regenbogenflaggen und "Je suis..."-Adaptionen zu reagieren. Für Instagram suchen wir am besten ein stimmungsvolles Bild und verwenden als Bildunterschrift das "Gebrochenes Herz"-Emoji oder das der jeweiligen Landesflagge. Betroffenheit und Empörung funktionieren in den sozialen Netzwerken besonders gut, generieren hohe Klickzahlen und enorme Reichweite. Eine Emotionslawine wird schnell zu einem interaktiven User-Erlebnis, das ein "Gemeinschaftsgefühl" vermittelt und irgendwo auch ganz simpel unterhält und auf verqueere Art Spaß macht.

Im August 2021 wurde, nach wochenlangem Streit ein Alpaka in England eingeschläfert, das an der tödlichen und ansteckenden Rindertuberkulose erkrankt war. Fast 150.000 Menschen forderten in einer Petition, das Alpako zu retten. In London gab es eine Demonstration, auf dem Hof im westenglischen Dorf Wickwar schob eine selbst ernannte Bürgermiliz Wache. Ein gutes Dutzend Polizisten musste die Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums vor Demonstrierenden beschützen. Der Streit hatte Großbritannien tagelang beschäftigt und selbst die Familie von Premierminister Boris Johnson erreicht. Dessen Vater Stanley Johnson hatte sich auf die Seite des Alpakas geschlagen. Weltweit werden in etwa 5000 Tiere pro Sekunde(!) geschlachtet. Weltweit verhungern 17 Menschen pro Minute(!) - die meisten davon Kinder. Gleichzeitig herrscht große Empörung über den Tod eines kranken Alpakas. Das Denksystem des Egos ist der reine Wahnsinn.

«Es besteht ein öffentlicher Empathie-Zwang», stellt Sozialwissenschaftler und Kommunikationsberater Klaus Kocks fest. Der heutige Kondolenz-Zwang sei negativ motiviert. Wer sich nicht daran beteilige, der gerate unter Verdacht der Gefühllosigkeit. «Heute muss alles ausgesprochen werden, auch wenn eher Schweigen angebracht wäre.» Das führe mitunter dazu, dass aus einer Schweigeminute Geschwätz wird, denn «Stille lässt sich im Fernsehen nicht übertragen», führt Kocks aus.

Wir haben bisher nicht hinterfragt, ob nicht vielleicht gerade das viele Tun und unsere Idee von den bösen Anderen - den verantwortungslosen Umweltverschmutzern, den skrupelosen Mächtigen, den egoistischen Reichen - Teil des wahren Problems sind.

Was wollen wir eigentlich retten - was ist die Welt?


Die Welt, die du wahrnimmst, ist eine Welt der Trennung. Vielleicht bist du bereit, sogar den Tod in Kauf zu nehmen, um deinen VATER zu verleugnen. ER aber möchte nicht, dass das so ist, und deshalb ist es auch nicht so. Du kannst trotz allem nicht gegen IHN wollen, deswegen hast du keine Kontrolle über die Welt, die du gemacht hast. Es ist keine Welt des Willens, weil sie vom Wunsch beherrscht ist, anders zu sein als GOTT, und dieser Wunsch ist nicht Wille. Die Welt, die du gemacht hast, ist daher total chaotisch, wird von willkürlichen und sinnlosen »Gesetzen« regiert und ist ohne jegliche Bedeutung. Denn sie ist aus dem gemacht, was du nicht haben möchtest und was aus deinem Geist hinausprojiziert wird, weil du Angst davor hast. Doch diese Welt ist nur im Geiste ihres Machers, zugleich mit seiner wirklichen Erlösung. Glaube nicht, dass sie außerhalb von dir ist, denn nur wenn du begreifst, wo sie ist, gewinnst du die Kontrolle über sie. Denn du hast sehr wohl Kontrolle über deinen Geist, da der Geist der Entscheidungsmechanismus ist.
(EKIW: Kapitel 12, III. 9.)

Du wirst eine Reise unternehmen, weil du in dieser Welt nicht zu Hause bist. Und du wirst nach deinem Zuhause suchen, ob dir klar ist, wo es ist, oder nicht. Wenn du glaubst, es sei außerhalb von dir, wird die Suche vergeblich sein, denn du wirst es dort suchen, wo es nicht ist. Du erinnerst dich nicht daran, wie man nach innen schaut, denn du glaubst nicht, dass dein Zuhause dort ist. Der HEILIGE GEIST jedoch erinnert SICH für dich daran, und ER wird dich zu deinem Zuhause führen, weil das SEIN Auftrag ist. Während ER SEINEN Auftrag erfüllt, lehrt ER dich den deinen, denn dein Auftrag ist derselbe wie der SEINE. Indem du deine Brüder heimführst, tust du nichts anderes, als IHM zu folgen.
(EKIW: Kapitel 12, IV. 5.)

Du willst die Welt nicht. Das einzig Wertvolle darin sind jene Teile, die du mit Liebe ansiehst. Das verleiht ihr die einzige Wirklichkeit, die sie je haben wird. Ihr Wert liegt nicht in ihr selbst, aber der deine liegt in dir. Wie Selbstwert von Selbstausdehnung kommt, so kommt die Wahrnehmung des Selbstwertes von der Ausdehnung liebevoller Gedanken nach außen. Mache die Welt wirklich für dich, denn die wirkliche Welt ist die Gabe des HEILIGEN GEISTES, deshalb gehört sie dir.
(EKIW: Kapitel 12, VI. 3.)

Die Macht der Entscheidung ist die einzige dir verbleibende Freiheit als Gefangener dieser Welt. Du kannst dich entscheiden, sie richtig zu sehen. Was du aus ihr gemacht hast, ist nicht ihre Wirklichkeit, denn ihre Wirklichkeit ist nur das, was du ihr gibst. Nichts anderes als Liebe kannst du irgend jemandem oder irgend etwas wirklich geben, noch kannst du wirklich irgend etwas anderes als Liebe von ihnen empfangen. Wenn du glaubst, du habest etwas anderes empfangen, so liegt es daran, dass du nach innen geschaut und geglaubt hast, die Macht in dir zu sehen, etwas anderes zu geben. Es war nur diese Entscheidung, die bestimmt hat, was du fandest, denn es war die Entscheidung für das, wonach du suchtest.
(EKIW: Kapitel 12, VII. 9.)

Die Schuld in den Geist des GOTTESSOHNES anzunehmen war der Anfang der Trennung, genauso wie die SÜHNE anzunehmen ihr Ende ist. Die Welt, die du siehst, ist das Wahnsystem derjenigen, die die Schuld verrückt gemacht hat. Sieh dir diese Welt sorgfältig an, dann wird dir klar, dass es so ist. Denn diese Welt ist das Symbol der Strafe, und alle Gesetze, die sie zu regieren scheinen, sind die Gesetze des Todes. Kinder werden unter Schmerzen und durch Schmerzen in sie hineingeboren. Von Leiden begleitet wachsen sie auf und lernen, was Kummer, Trennung und Tod sind. Ihr Geist scheint in ihrem Gehirn gefangen zu sein, und seine Kräfte scheinen abzunehmen, wenn ihr Körper verletzt wird. Sie scheinen zu lieben, doch sie verlassen und werden selbst verlassen. Sie scheinen zu verlieren, was sie lieben; das ist vielleicht die wahnsinnigste aller Überzeugungen. Und ihr Körper welkt dahin und röchelt, wird in die Erde gelegt und ist nicht mehr. Und keinen gibt es unter ihnen, der nicht gedacht hat, dass GOTT grausam ist.
(EKIW: Kapitel 13, EINLEITUNG, 2.)

Diese Welt ist ein Bild der Kreuzigung von GOTTES SOHN. Und solange dir nicht klar ist, dass GOTTES SOHN nicht gekreuzigt werden kann, ist das die Welt, die du sehen wirst. Doch wird dir dies erst dann klar werden, wenn du die ewig gültige Tatsache akzeptiert hast, dass GOTTES SOHN nicht schuldig ist. Er verdient nur Liebe, weil er nur Liebe gegeben hat. Er kann nicht verurteilt werden, weil er niemals verurteilt hat. Die SÜHNE ist die letzte Lektion, die er zu lernen hat, denn sie lehrt ihn, dass er der Erlösung nicht bedarf, weil er nie gesündigt hat.
(EKIW: Kapitel 13, EINLEITUNG, 4.)

Eine einfache Frage bleibt dennoch und braucht eine Antwort. Magst du, was du gemacht hast - eine Welt des Mordes und des Angriffs, in der du dich zaghaft durch ständige Gefahren schlängelst, einsam und verängstigt, allenfalls hoffend, dass der Tod doch noch ein wenig wartet, bevor er dich ereilt und du verschwindest? Das hast du erfunden. Es ist ein Bild dessen, was du zu sein denkst und wie du dich selber siehst. Ein Mörder ist verängstigt, und wer tötet, fürchtet den Tod. Das alles sind nur die fürchterregenden Gedanken derer, die sich an eine Welt anpassen wollen, die durch ihre Anpassungen furchterregend gemacht worden ist. Sie schauen kummervoll hinaus von dem aus, was in ihnen traurig ist, und sehen die Traurigkeit dort.
(EKIW: Kapitel 20, III. 4.)

Hast du dich nicht gefragt, wie die Welt wirklich ist, wie sie für glückliche Augen aussehen würde? Die Welt, die du siehst, ist nur ein Urteil über dich. Sie ist gar nicht vorhanden. Doch die Beurteilung spricht ein Urteil über sie, rechtfertigt sie und macht sie wirklich. Das ist die Welt, die du siehst: ein Urteil über dich, und zwar von dir gefällt. Dieses krankhafte Bild von dir erhält das Ego sorgsam, denn es ist sein Abbild, das es liebt und das es außerhalb von dir in die Welt stellt. Und an diese Welt musst du dich so lange anpassen, wie du glaubst, dies Bild sei außerhalb von dir und du seist ihm ausgeliefert. Diese Welt ist gnadenlos, und wäre sie tatsächlich außerhalb von dir, dann solltest du wahrhaftig furchtsam sein. Doch du warst es, der sie gnadenlos gemacht hat, und jetzt, da die Gnadenlosigkeit auf dich zurückzublicken scheint, kann sie berichtigt werden.
(EKIW: Kapitel 20, III. 5.)

Die Vergebung wendet die Welt der Sünde in eine Welt der Herrlichkeit, die prachtvoll anzuschauen ist. Jede Blume leuchtet im Licht, und jeder Vogel singt von des HIMMELS Freude. Es gibt hier keine Traurigkeit und keinen Abschied, denn alles ist total vergeben. Und das, welchem vergeben worden ist, muss sich verbinden, denn nichts steht dazwischen, um es voneinander separat und getrennt zu halten. Die Sündenlosen müssen wahrnehmen, dass sie eins sind, denn nichts steht zwischen ihnen, um den andern wegzustoßen. Und in dem Raum, den die Sünde leer gelassen hat, verbinden sie sich nun als eins, indem sie froh begreifen, dass das, was Teil von ihnen ist, nicht getrennt und separat gehalten wurde.
(EKIW: Kapitel 26, IV. 2.)

Vergib der Vergangenheit und lass sie los, denn sie ist vergangen. Du stehst nicht länger auf dem Boden, der zwischen den Welten liegt. Du bist weitergegangen und hast die Welt erreicht, die an des HIMMELS Pforte liegt. Es gibt kein Hemmnis für den WILLEN GOTTES, noch brauchst du nochmals eine Reise zu wiederholen, die lange schon vorbei war. Schaue sanft auf deinen Bruder und erblicke die Welt, in der die Wahrnehmung deines Hasses in eine Welt der Liebe umgewandelt worden ist.
(EKIW: Kapitel 26, V. 14.)

Versuche deshalb keine Probleme in einer Welt zu lösen, aus der die Antwort ausgesperrt worden ist. Sondern bringe das Problem an den einzigen Ort, der die Antwort liebevoll für dich bereithält. Hier sind die Antworten, die deine Probleme lösen werden, weil sie losgelöst von ihnen sind und sehen, was beantwortet werden kann und was die Frage ist. In der Welt werfen die Antworten bloß eine weitere Frage auf, obwohl sie die erste unbeantwortet lassen. Im heiligen Augenblick kannst du die Frage der Antwort überbringen und die Antwort empfangen, die für dich gemacht ward.
(EKIW: Kapitel 27, IV. 7.)

Epilog

Der Versuch die Welt zu retten ist der verzweifelte Versuch des Egos sich selbst zu retten - der Versuch die Illusion seiner Existenz am Leben zu halten - während es unweigerlich auf den Tod zu steuert. Es ist grotesk, wie jener irrige Gedanke, dessen Basis der Glaube an den Tod ist, verzweifelt um sein Überleben kämpft.

Das Ego benutzt die von ihm erschaffene Welt um sich von seiner tief sitzenden, unbewussten Angst vor dem eigenen Ende abzulenken. Entweder, indem es sich mit den Vergnügungen dieser Welt von seiner Angst ablenkt, oder indem es seine Angst nach außen projiziert.

„Ich rege mich nie aus dem Grund auf, den ich meine.

Dieser Gedanke kann wie der vorhergehende auf jeden Menschen, jede Situation oder jedes Ereignis angewendet werden, von denen du denkst, dass sie dir Schmerz bereiten. Wende ihn ausdrücklich auf alles an, was du für die Ursache deiner Aufregung hältst, indem du zur Beschreibung des Gefühls jeweils den Ausdruck verwendest, der dir zutreffend erscheint. Die Aufregung mag als Angst, Sorge, Depression, Beklommenheit, Ärger, Hass, Eifersucht oder in irgendeiner anderen Form aufzutreten scheinen, wobei alle diese Formen als verschieden wahrgenommen werden. Das ist nicht wahr. Bis du jedoch gelernt hast, dass die Form keine Rolle spielt, wird jede Form zu einem passenden Gegenstand für die Übungen des Tages. Den gleichen Leitgedanken auf jede einzelne von ihnen getrennt anzuwenden ist der erste Schritt zur letztendlichen Einsicht, dass sie alle gleich sind.
(EKIW: Lektion 5, 1.)

„Ich rege mich auf, weil ich eine bedeutungslose Welt sehe.

Dieser Gedanke ist deswegen so wichtig, weil er eine Berichtigung einer der wichtigsten Wahrnehmungsverzerrungen enthält. Du denkst, dass das, was dich aufregt, eine beängstigende Welt oder eine traurige Welt oder eine gewalttätige Welt oder eine wahnsinnige Welt ist. All diese Eigenschaften werden ihr von dir verliehen. Die Welt an sich ist bedeutungslos.
(EKIW: Lektion 12, 1.)

“Nein, nein, nein”, ruft der TV-Kommentator am Abend des 13. Juni 2021. Unten auf dem Spielfeld im Parken-Stadion in Kopenhagen gestikulieren die finnischen Spieler wild in Richtung dänische Spielerbank - während die Dänen zu Christian Eriksen sprinten. Der Mittelfeldspieler von Inter Mailand hat in der 43. Minute völlig unbedrängt einen Einwurf angenommen, als er plötzlich zusammenbricht. Niemand steht in Eriksens unmittelbarer Nähe, aber jedem auf dem Spielfeld ist klar, dass etwas nicht stimmt.

Der 29-jährige Eriksen bewegt sich nicht, reagiert nicht auf die aufgeregt um ihn herumstehenden Mitspieler, liegt mit gekrümmter Haltung am Boden. Der Verteidiger Joakim Maehle wirft sich neben den Verletzten und prüft offenbar, ob die Zunge oder etwas anderes die Luftröhre blockiert. Dann eilen die Mannschaftsärzte herbei, und die Rettungssanitäter rücken mit Notfallausrüstung und Bahre heran. Kurz darauf scheint Eriksens Leib am Boden zu zucken, er erhält eine “Herz-Lungen-Wiederbelebung”, wie der Kommentator im Fernsehen es ausdrückt.

Mehr sieht man von Eriksen nicht mehr; die Spieler schirmen ihn ab, wenden ihre Gesichter den Zuschauern zu. Gesichtern, auf denen Schock und pure Verzweiflung abzulesen ist. Viele weinen, pressen die Hände vors Gesicht, falten sie zum Gebet, raufen sich die Haare. Im Stadion wird es still. Die Kamera schwenkt zuerst auf die finnischen Spieler, die ebenso von Emotionen überwältigt sind, dann schneidet die Regie; minutenlang ist das Stadion nur noch von oben zu sehen.

Die Kommentatoren wirken ähnlich hilflos wie die Spieler - und die Zuschauer vor den Fernsehern ebenfalls. Lange gibt es keine Informationen zu Eriksens Zustand, es bleibt bloss zu hoffen, dass nicht das Schlimmste eingetreten ist. Der TV-Kommentator Andreas Kraul sagt: “Es hätte ein Festtag werden sollen, nach Corona, die Freude war zurück. Und nun eine Szene, die wir noch nie gesehen haben.”

Kurz darauf twittern alle möglichen Fußballverbände und wünschen gute Besserung, “stay strong Chris!”. Und Aleksander Čeferin, der Präsident des europäischen Fussballverbands schreibt darauf hin: “Momente wie dieser relativieren alles im Leben.” „Das Turnier ist da einmal in zweiter Linie wichtig. Wichtiger ist, dass es ihm bald wieder besser geht“, so ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel.

Was ist passiert? Während eines Fußballspiels wäre ein Fußballer fast gestorben und plötzlich ist alles relativ und der Sport nicht mehr von großer Bedeutung. Wie kann das sein? Ständig sterben Menschen “viel zu früh”, ständig passiert also "das Schlimmste", allein pro Minute verhungern 17 Menschen, die meisten davon Kinder, weitere sterben an der Folge von Krieg, oder ertrinken im Mittelmeer bei ihrer Flucht nach Europa. Wie kann also die Bedeutung eines Fußballspiels während der Europameisterschaft 2021 vom möglichen Tod eines Spielers abhängen? Entweder ein Fußballspiel hat immer eine Bedeutung, oder es hat nie eine. Und mit dem Tod ist es genauso, entweder der Tod eines jeden Menschen hat eine Bedeutung, oder der Tod keines Menschen hat eine. Der Fußballer Eriksen ist nur ein Beispiel, aber es ist immer das selbe, wenn einzelne Menschen medienwirksam sterben, oder auch nur beinahe sterben, löst dies eine Welle inszenierter Betroffenheit aus. Dass jede Minute 17 Menschen verhungern juckt niemanden mehr.

In Wahrheit hat weder der Sport noch der Tod eine Bedeutung. EKIW - Lektion 5, 6, 12, 13: “Ich rege mich nie aus dem Grund auf, den ich meine.” “Ich rege mich auf, weil ich etwas sehe, was nicht da ist.” “Ich rege mich auf, weil ich eine bedeutungslose Welt sehe.” “Eine bedeutungslose Welt erzeugt Angst.”

Während das Eintauchen in ein Fußballspiel auch ein Eintauchen in den Moment ist und damit zumindest eine kleine Befreiung von der Last der Zeit, klammert sich das Ego in tragischen Momenten plötzlich wieder krampfhaft an die Zeit. Die Idee, dass nach dem Zusammenbruch von Eriksen, das Spiel nicht mehr dieselbe Bedeutung habe wie vor dem Vorfall, stellt das Festhalten an der Vergangenheit dar. Die Genesungswünsche stellen das Festhalten an der Zukunft dar. Den Heiligen Augenblick - das JETZT - in dem es keine Probleme gibt, vermeidet das Ego, weil das JETZT sein Ende ist.

„Das Ego hat eine seltsame Auffassung von der Zeit, und du könntest dein Infragestellen wohl mit dieser Auffassung beginnen. Das Ego investiert sehr stark in die Vergangenheit und glaubt am Ende, dass die Vergangenheit der einzige bedeutungsvolle Aspekt der Zeit ist. Denke daran, dass die Betonung, die das Ego auf die Schuld legt, es IHM ermöglicht, seine Kontinuität zu sichern, indem es die Zukunft der Vergangenheit gleichmacht und so die Gegenwart vermeidet. Durch die Auffassung, dass man für die Vergangenheit in der Zukunft bezahlen muss, wird die Vergangenheit zum bestimmenden Faktor für die Zukunft, der die beiden ohne eine dazwischenliegende Gegenwart zu etwas Kontinuierlichem macht. Denn das Ego betrachtet die Gegenwart nur als einen kurzen Übergang in die Zukunft, in der es die Vergangenheit der Zukunft dadurch überbringt, dass es die Gegenwart aus der Perspektive der Vergangenheit deutet.“
(EKIW: Kapitel 13, IV. 4.)

Was wir an diesen Beispiel des Fußballers noch erkennen können ist, dass das Ego in ständiger Angst vor dem Tod lebt und daher versucht sich mit einem riesigen Aufwand an Unterhaltung und Belustigung davon abzulenken. Wenn dies für eine Moment einmal nicht gelingt, ist es erschüttert. Nachdem uns Corona mit dem Thema Tod konfrontiert hat und uns entsprechend erschüttert hat, haben wir gehofft, uns nun wieder auf das sogenannte ”normale Leben” konzentrieren zu können, uns wieder erfolgreich von unserem Glauben an den Tod ablenken zu können.

Wenn wir dieses Ereignis mit den Augen des Körpers betrachten und mit dem Gedankensystem des Egos beurteilen, so nehmen wir es zwangsläufig als tragisch wahr. Wenn derart tragische Ereignisse in unserem Leben auftauchen, so ist es wichtig, dass wir die dabei auftauchenden Gefühle nicht verdrängen, sondern zulassen, denn nur so können wir erkennen, wie stark wir noch in der Illusion dieser Welt gefangen sind.

Dann können wir jeder dieser Situationen eine neue Bedeutung und damit der Welt einen neuen Zweck geben. EKIW - Lektionen 28, 29, 33, 34, 48: "Vor allem will ich die Dinge anders sehen." "GOTT ist in allem, was ich sehe." "Es gibt eine andere Art, die Welt zu betrachten." "Ich könnte statt dessen Frieden sehen." "Es gibt nichts zu fürchten."

Wenn sich die Fülle im Geiste in einem schonenden Ressourcenverbrauch in der Welt ausdrückt, so ist dies wunderbar. Entscheidend ist dabei aber die Fülle und der Frieden im Geiste - der Ausdruck in der Welt ist nur das Symbol.

Die Erderwärmung ist kein meteorologisches Problem, sondern ein Geistiges. Unser Geist befindet sich in einer Phase der Überhitzung, der enormen Erregung, der Wut und Empörung. Die Erderwärmung und die extremen Wetterphänomene sind nur die Wirkung, sie sind das Symbol auf der Ebene der Form. Das meteorologische Klima ist nur ein Symbol für unser zwischenmenschliches Klima.

Das „spirituelle“ Ego hat einen besonderen Faible für die Natur und eine große Sehnsucht nach Natur und natürlicher Lebensweise. Es wird dabei häufig völlig vergessen, dass es in der Natur um fressen und gefressen werden geht. Schon seit einiger Zeit unterliegen wir Menschen dieser natürlichen Evolution praktisch nicht mehr. Wir haben uns der Selektion entzogen. Genau das war geradezu Ziel aller zivilisatorischen Anstrengungen. Wir lassen eben nicht mehr körperliche, und damit natürliche Eigenschaften, die Basis für das Überleben eines Menschen sein, sondern wir kümmern uns auch um schwache, kranke und behinderte Menschen.

Der wohl faszinierendste Aspekt der Natur - für einen Kurs Schüler sogar der absolut wichtigste Aspekt der Natur - ist der Mensch.

Jeder menschliche Eingriff in die "Natur" findet innerhalb der Naturgesetze statt und kann daher genau genommen gar nicht unnatürlich sein. Wenn wir grundsätzlich menschliche Eingriffe in die "Natur" als unnatürlich bezeichnen, dann ist auch Landwirtschaft unnatürlich, genau genommen ist dann jeder Schritt den wir machen, ein Eingriff in die Natur, weil wir dabei Grashalme abknicken und Kleinstlebewesen töten.

Die ganze Unterscheidung von Natur und Nicht-Natur ist nur eine weitere Form des egoischen Denkens in Dualität. Es geht nicht darum ob etwas natürlich oder unnatürlich, moralisch oder unmoralisch ist. »Wozu?« Das ist die Frage, die wir in Verbindung mit Allem stellen sollten. Was ist der Sinn und Zweck? Was immer er auch sei, er wird unsere Bemühungen automatisch lenken.

Die Umweltzerstörung und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen sind wichtige Hinweise auf unseren Geisteszustand - darin liegt ihre Bedeutung, aber nicht in der "Natur" an sich. Unsere wahre Natur ist reiner Geist. Wenn wir an die Welt glauben, werden wir zwangsläufig wütend oder depressiv, wenn wir an Gott glauben, finden wir Frieden im Angesicht der Welt.

"Diese ganze Komplexität ist bloß ein verzweifeltes Bemühen, das Problem nicht zu erkennen und es deshalb nicht lösen zu lassen. Könntest du erkennen, dass Trennung dein einziges Problem ist, gleichgültig, welche Form sie annimmt, dann könntest du die Antwort akzeptieren, denn du würdest sehen, dass sie zutrifft. Nähmest du die Konstanz wahr, die allen Problemen, die sich dir zu stellen scheinen, zugrunde liegt, dann würdest du verstehen, dass du die Mittel hast, sie allesamt zu lösen. Und du würdest die Mittel einsetzen, weil du das Problem erkannt hättest."
(EKIW: LEKTION 79, 6.)

Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.
(Mahatma Gandhi)

Es gilt zwischen Mittel und Zweck zu unterscheiden. Der Zweck ist die Erlösung, die Welt ist das Mittel. Wenn der Zweck gänzlich erfüllt ist, wird das Mittel nicht mehr benötigt.

Das LETZTE URTEIL über die Welt enthält keine Verurteilung. Denn es sieht die Welt als eine, der total vergeben ist, ohne Sünde und gänzlich ohne Sinn und Zweck. Ohne eine Ursache und nun ohne Funktion in CHRISTI Sicht entgleitet sie einfach ins Nichts. Dort wurde sie geboren, und dort endet sie auch. Und all die Figuren in dem Traum, in dem die Welt begann, gehen mit ihr. Körper sind jetzt nutzlos und werden deshalb dahinschwinden, weil der SOHN GOTTES grenzenlos ist.
(EKIW: Lektion 310/311, 10. 2.)



Botschaften aus der „geistigen Welt“

Seit ein paar Jahrzehnten gibt es immer mehr Bücher mit gechannelten Botschaften aus der sogenannten "geistigen Welt”. Die Begeisterung für diese Art von Texten beruht zu einem Großteil auf einem weit verbreiteten Irrtum, dass nur, weil ein Text gechannelt ist, er auch wahr sein müsste. Dass dem nicht so ist, lässt sich ganz einfach daran erkennen, dass sich die gechannelten Botschaften einerseits widersprechen und andererseits nahezu alle konkreten Zeitangaben komplett falsch sind.

Auch Ein Kurs in Wundern ist eine gechannelte Botschaft, allerdings eine aus einer Zeit in der Channeln noch keine hippe esoterische Modeerscheinung war. Auch wenn es den Kurs nun schon seit fünfzig Jahren gibt, löst er immer noch keine große Begeisterung in der esoterischen und ”spirituellen” Szene aus. Gechannelte Bücher hingegen, in denen von großen Gefahren durch dunkle Mächte berichtet wird, erfreuen sich wesentlich größerer Beliebtheit. Wie kann das sein, dass sich Angst besser verkauft als Liebe?

Die Antwort ist ganz einfach. Das Ego fühlt sich von der Wahrheit bedroht und versucht mit allen Mitteln seine scheinbare Existenz am Leben zu erhalten. Da seine Basis die Angst ist, ist jede Botschaft die Angst erzeugt eine die dem Ego dient.

An sich ist damit schon alles gesagt, aber da gerade Zeit ist, wollen wir die Themen ”Geistige Welt” und “Seelenwelten” noch etwas genauer betrachten. Jede Art von Welt, sei es nun die physische Welt oder die sogenannte Geistige Welt, ist Teil der einen Illusion und dient damit einzig und allein dazu, die Illusion der Trennung als wirklich erscheinen zu lassen. Jede Botschaft, die aus einer Welt stammt, ist daher mit Irrtümern behaftet und mehr oder weniger von Angst durchdrungen.

Die Botschaft des Kurses stammt nicht aus irgend einer Art von Welt, sondern aus dem reinen GEIST - aus der EINHEIT - jenseits aller Trennung und damit jenseits aller Formen von Individualität.

Das Ego hingegen lebt in und von der Idee der Trennung und damit von der Idee von Individualität. Daher liebt das Ego das Konzept der individuellen Seele und ihren Abenteuern in diversen Welten und in diversen Ebenen der astralen Welt. Die Illusion der Trennung endet nicht mit dem Verlassen des materiellen Körpers, sondern sie geht unvermittelt mit dem astralen Körper weiter.

Auch wenn im Kurs und in den Texten auf meiner Website der Begriff Seele so gut wie nicht verwendet wird, werde ich ihn für diesen Artikel verwenden, weil er Bestandteil nahezu aller gechannelten Botschaften ist. Ich verwende den Begriff Seele in diesem Zusammenhang als ein Symbol für ein "individuelles Bewusstsein".

Im gechannelten Buch Welten der Seele von Varda Hasselmann und Frank Schmolke aus dem Jahre 1993 werden die unterschiedlichen Bereiche des Seelenlebens sehr anschaulich beschrieben. Die Inkarnation in einem physischen Körper, also die irdische Welt, stellt die untergeordnetste Ebene der Erfahrungsebenen einer Seele dar. „Darüber“ befindet sich die astrale Welt.

Die Wesen der Astralebene sind einerseits noch mit der Vorstellung von Raum und Zeit vertraut, weil sie sie auf manche Weise noch mit einbeziehen und immer wieder benötigen, andererseits bedeutet ihnen Raum und Zeit etwas anderes als den physisch verdichteten Menschenwesen.

Die Wesen der astralen Welt sind ein Energiephänomen und in dieser Hinsicht immer noch auf eine Art materiell, denn wie wir seit Einstein wissen, ist Materie auch nur eine spezielle Zustandsform von Energie (E = m * c²). Der Astralkörper ist Energie in einer für uns nicht messbaren Form. Eine Materialisation in eine für uns sichtbare Form ist allerdings möglich.

Wenn auch das letzte Fragment einer Seelenfamilie den Zyklus seiner Inkarnationen abgeschlossen hat und damit den Zyklus der individuellen Erfahrungen, vereint sie sich wieder mit den anderen fragmentierten Seelenwesen zu einer nun entstandenen Ganzheit oder Entität und steigt auf in die kausale Welt. Aus vielen Einzelwesen ist nun eine neue Wesenheit entstanden, aber auch die ist immer noch ein Fragment in einem größeren Zusammenhang und ist somit noch nicht in die Einheit Gottes zurückgekehrt.

Alle Botschaften aus der kausalen Ebene, aus der auch das Buch Welten der Seele gechannelt wurde, sind der WAHRHEIT - im Buch als Tao bezeichnet - schon wesentlich näher, als alle Channelings aus der individuellen astralen Welt.

Die Quelle von Welten der Seele beschreibt sich im Buch selbst. Im Folgenden ein Auszug:

„Wir sind eine Kollektiv-Wesenheit, eine Gruppe von 1164 Seelen und befinden uns in der kausalen Welt. Unsere Entität besteht aus Seelenfragmenten, die nicht mehr als Individuen zu bezeichnen sind.

Wir sind zusammen geschmolzen, haben aber die Erinnerung an unser Getrenntsein in der Physis nicht verloren. Unser Zustand ist ein Zustand des Vereintseins, der wiederum der Vereinigung des Tao noch nicht gleich kommt. In dem, was wir mit dem Begriff Tao beschreiben wollten, wenn wir es wirklich könnten, sind die grenzenlos vielen Entitäten oder Gruppen, wie wir es sind, wiederum zu einer Einheit verbunden, die uns unermesslich vorkommt. Umso mehr muss es für euch schwierig sein, eine solche Einheit ins Auge zu fassen. …

Wir sind nicht mehr fragmentiert wie ihr. Unsere Essenzen sind zu Funktionen verschmolzen, aber im Bereich der Erfahrung noch dieselbe wie seinerzeit im Körper. Trotzdem sind wir an unsere Rollen ebenso gebunden wie ihr, weil auch wir uns noch in einem Prozess der Fortentwicklung befinden. Das Lehren und kommunizieren bleibt unsere essentielle Funktion. Deshalb ist es für uns so wichtig, unser Wissen weiterzugeben, und wir brauchen euch für die Erfüllung unserer Aufgaben. …

Zur Klärung noch eines: Wir legen Wert darauf, euch wissen zu lassen, dass auch wir nicht allwissend sind. Wir haben Zugang zu Wissen, das deutlich weniger Grenzen kennt als das eure, denn wir haben uns bereits entfernt von Raum-und Zeitstrukturen und den Beschränkungen physischer Wahrnehmung. Doch wir verfügen nicht über alles Wissen, und es ist für uns von Bedeutung, euch daran zu erinnern, dass auch wir Lernende sind, wie es jeder Lehrende zu sein hat. …

Erkennen könnt ihr unsere Präsenz an der Schwingung von Wahrhaftigkeit und liebender Vorurteilslosigkeit, mit der wir die Frage eines Menschen beantworten, ohne dass er sich klein fühlt, berichtigt oder abgekanzelt, obwohl wir stets bemüht sind zu berichtigen, da wir sehen, wie viele der Probleme, die Menschen sich machen, auf unrichtigen Annahmen basieren, auf vorgefassten Meinungen, wie die Dinge sind und sein sollten, auf kulturell verfügten Verstehensbedingungen, auf persönlichen Erfahrungen, die einem neurotisch verzerrten Verständnis beigeordnet sind. Erkennen könnt ihr unsere Präsenz auch an der momentanen Ergriffenheit des Fragers, der spürt, dass er in einer Dimension wahrgenommen wird, die er beim Stellen seiner Frage nicht preisgegeben hatte. Ihr könnt es euch so vorstellen, dass wir jede unsere Antworten mit Details versehen, die nur der Angesprochene als ihn persönlich betreffend wiedererkennen kann.

Wir haben Teil an dem, was ihr "kollektives Überbewusstsein" nennt. Wie sind Teil dieses Überbewusstseins, doch wir sind nicht das Überbewusstsein schlechthin, weder pauschal noch kollektiv. Auch wir haben noch nicht Zugang zu allen Schichten und Ebenen des allumfassenden Bewusstseins. …

Es wird auch nicht unwichtig sein, immer wieder sehr deutlich darauf hinzuweisen, dass zwischen dem kollektiven Unbewussten und dem, was wir nun gemeinsam als kollektives Überbewusstsein zu definieren versuchen, ganz wesentliche Unterschiede bestehen, die diese beiden Begriffe gerade zu einem Gegensatzpaar machen. …

Das kollektive Unbewusste enthält viel mehr Erinnerungen, die von der physischen Ebene, und fast ausschließlich von dort, angeliefert werden. Es handelt sich daher mehr um ein biologisches Phänomen als um ein seelisches. Wir könnten es auch ein psychisches Phänomen nennen, wenn wir das Psychische vom Seelischen begrifflich trennen, was immer wieder sehr sinnvoll erscheinen will, um nicht in einem Brei von Ebenen und Begriffen zu ersticken. …

Der Unterschied zwischen unseren Botschaften und jenen, die aus dem individuellen oder kollektiven Unbewussten kommen, besteht in einer unterscheidbaren Schwingung. Die Schwingungen bei der Ströme von Gedanken sind ähnlich und doch nicht gleich. Wir arbeiten nicht mit Angst. Unsere Frequenz beruhigt, ohne einzuschläfern wir klären, statt zu drohen.“

Die Inkarnation in einem physischen Körper als Mensch auf der Erde ist ein gewaltiger Sprung, denn hier ist die Einsamkeit, die Getrenntheit vom Ganzen besonders groß. Und deshalb sind so viele Leben erforderlich, um die Seele nicht in ihre Ängste zurückzutreiben, sondern ihr nach und nach in vielen kleinen Entwicklungsschritten die Gelegenheit zu geben, die Angst, die der initiale Sprung auslöst, und auch die, die im vorangeht, zu verarbeiten.

Die Inkarnation in einem physischen Körper - also die Identifikation mit einem Körper - in der Illusion von Zeit und Raum ist die schlimmste Erfahrung von Getrenntheit die möglich ist. Wir sollten daher nicht versuchen uns dieses „Leben“ hier auf Erden schön zu reden.

Die individuellen Seelen in der astralen Welt befinden sich in ganz unterschiedlichen Phasen der Entwicklung, dem sogenannten "Seelenalter". „Alter“ ist in diesem Zusammenhang allerdings nicht als ein zeitliches Phänomen zu verstehen, sondern als eine Aussage über den Bewusstseinszustand. Je "älter" eine Seele ist und je mehr Inkarnationen sie schon bewältigt hat, umso mehr ist sie in der Lage, ihren Geist zu der Aufgabe einzusetzen, Angst wahrzunehmen und damit zu unterscheiden, was die Psyche mit ihren unterschiedlichen Aspekten ihr diktiert und was in ihr an Angstautomatismen vorherrscht. Sie hat dann neue Wahlmöglichkeiten, es ist ihr dann mehr und mehr freigestellt, zu entscheiden, ob sie der Stimme der Angst oder der Stimme der Liebe folgen will. Und je öfter eine Seele in verschiedenen menschlichen Körpern auf dem Planeten geweilt hat, umso mehr wird sie sich auch erinnern können an Ängste, die in früheren Inkarnationen eine dominante Rolle gespielt haben. Sie wird sich dann nach und nach von diesem Traumata der Vergangenheit distanzieren können, und sie nicht mehr im Speicher des kollektiven oder historischen Unbewussten mit sich tragen müssen.

Den Kern, die Basis der Erfahrung eines Individuums bildet Angst. Selbst Mönche, die ihr ganzes Leben der Vipassana-Meditation gewidmet haben, berichten von der, an einem bestimmten Punkt auftauchenden, scheinbar bodenlosen Angst. Viele dieser Mönche glauben im ersten Moment etwas falsch gemacht zu haben, nicht richtig meditiert zu haben, aber das ist es nicht - ganz im Gegenteil: Wenn wir wahrhaftig auf dem Weg nach innen sind, werden wir auf die Angst stoßen und wenn wir wahrhaftig auf dem Weg sind, werden wir diese Angst anschauen und nicht mehr wie früher nach außen projizieren.

Junge Seelen hingegen, die noch nicht den entsprechenden Reifegrad erreicht haben, sind noch nicht in der Lage sich ihrer Angst zu stellen, sondern verdrängen sie und projizieren sie nach außen.

Wenn wir also die Botschaft einer jungen Seele channeln, wird es eine Botschaft der Angst sein und das obwohl sich jede Seele die nicht inkarniert ist, der Anbindung an die Liebe bewusst ist. Aber eine gespürte Verbindung zur Liebe ist noch keine Einheit mit der LIEBE. Eine junge Seele befindet sich noch in einem äußerst verängstigten und verwirrten Zustand und wenn die nun in einem Channeling behauptet der Erzengel Gabriel zu sein, so bedeutet das nicht, dass sie das auch ist.

Erst der Ausstieg aus dem Zyklus von Tod und Wiedergeburt und damit der Ausstieg aus jeder Art von Welt, bedeutet das Eintauchen in die EINHEIT. Mit dem Eintauchen in die EINHEIT „stirbt“ die Illusion von Individualität und von Welt, davon will das Ego jedoch nichts wissen, denn das ist seine größte Angst - die Angst vor seinem Ende.

Wichtig zu wissen ist, dass auch das Medium das Channeling unbewusst beeinflusst.

Der Einfluss des Mediums auf die Botschaft zeigt sich auch beim Kurs. Der Kurs enthält viele psychologische Begriffe und wurde im englischen Original im Versmaß Shakespeares verfasst. Dies ist der Einfluss Helen Schucmans, aber das ist kein Fehler, sondern sie wurde genau deswegen als Medium ausgewählt. Beim Niederschreiben sind ihr, gerade am Beginn des Prozesses, immer wieder Fehler passiert. Wenn dies inhaltlich von Bedeutung war, wurde sie von Jesus während des Channelings immer und immer wieder korrigiert. Die fertige Niederschrift wurde anschließend nochmals in Zusammenarbeit mit Kenneth Wapnick überarbeitet. Hierbei wurden persönliche Nachrichten an Helen entfernt, Begriffe vereinheitlicht und eine Kapitelstruktur eingefügt. Helen Schucman hatte als Atheistin kein vorgefertigtes spirituelles Weltbild und war gleichzeitig demütig genug, um das ihr Mitgeteilte so gut als möglich niederzuschreiben.

Je aufgeblähter das Ego eines Mediums ist, also je weniger Bereitschaft zur Demut, zum Beiseite-treten es aufweist, desto verfälschter ist auch die Botschaft.

Als ein Beispiel sei ein, Anfang des Jahres 2021 erschienenes, Buch erwähnt, indem eine Slowenin vom Channeling mit ihrer verstorbenen Schwester berichtet. Die Autorin des Buches schreibt über ihre verstorbene Schwester folgendes: “Sie war als geistige Lehrerin, Autorin und großartige Heilerin unersetzlich. Ihr Leben hat sie der Heilung auf verschiedenen Ebenen gewidmet. Eine schwere Krankheit riss sie viel zu früh aus dem Leben.” Allein diese Aussage könnte uns schon zu denken geben.

Da das Medium noch tief in der Illusion der Trennung gefangen ist, lebt diese Frau im Jahr 2021 auch in der Erfahrung von Angst vor einer Corona-Impfung. Selbstverständlich wird diese Angst durch ihre „verstorbene Schwester“ bestätigt und Schuld wird in andere Menschen projiziert. Es handelt sich eindeutig um eine Botschaft aus dem individuellen oder kollektiven Unbewussten und nicht aus der angstfreien EINHEIT.

Es wird behauptet, dass die Corona-Impfung ein Eingriff in die DNA wäre, was an sich schon nicht stimmt und noch dazu völlig bedeutungslos ist, doch zusätzlich wird behauptet dies wäre ein Eingriff in das Göttliche. Für das Ego ist der Körper Gott und die Identifikation mit diesem, seinem ganz persönlichen Gott, ist die Quelle seiner Angst. An diesen Aussagen lässt sich sehr deutlich erkennen aus welcher Quelle die gechannelte Botschaft stammt.

Es ist immer gleiche duale Spiel: Die eigene Angst wird verdrängt und Schuld in dunkle Mächte projiziert. Im Buch heißt es dazu unter anderem : „Und das ist das Gefährlichste. Diese Gegenkräfte sind so tief unter unsere menschliche Haut gekrochen, dass wir kaum noch in der Lage sind, sie zu erkennen. … Bis jetzt konnten die Kräfte der Dunkelheit immer Wege finden, bis in die Materie hinein zu wirken - immer haben sie genügend Menschen gefunden, welche sie mit ihren Krallen und ihren Tentakeln packen, durch sie wirken und damit aktiv mitentscheiden konnten.“

Wer vor den „Kräften der Dunkelheit“ noch nicht Angst genug hat, dem wird mit „Krallen“ und „Tentakeln“ das Fürchten gelernt. Je nach Channeling erhalten die bösen Anderen einen anderen Namen, ein paar Beispiele: dunkle Mächte, Kräfte der Dunkelheit, die Mächtigen, Finanzelite, Unlicht, Gegenkräfte, ...

Die Projektion der Schuld führt in der Folge zu öffentlich inszenierter Empörung über die Schuldigen. Dies lindert den Leidensdruck natürlich ein wenig und verkauft sich in Zeiten wie diesen auch ganz gut, aber es befreit nicht von der Illusion der Trennung und der damit verbundenen Angst. Dieser Kreislauf aus Schuld und Angriff hält das leidvolle Rad des Lebens am Laufen.

Als weiteres Beispiel seien die, Anfang der 2010er Jahre erschienenen, sehr beliebten Bücher von Christoph Fasching erwähnt. Christoph channelte, nach eigenen Angaben, Erzengel Gabriel. Besonders sein erstes Buch aus dem Jahre 2010 Die Gesellschaft 2015 war ein großer Erfolg und wurde mehrmals in neuen Auflagen veröffentlicht.

In diesem Buch wird behauptet, dass sich die Menschheit im Aufstieg in die 5. Dimension befindet. Die 5. Dimension sei ein Zustand des Bewusstseins, den man als die Befreiung von der Angst bezeichnen könnte. Im Buch heißt es weiter, dass die Veränderung kommt und Ende 2012 sei der Prozess vollständig abgeschlossen. Bereits 2015 wird unsere Gesellschaft eine völlig neue Form angenommen haben. Alles ist dann super, die Erde geheilt und von so unangenehmen Dingen wie Geld sind wir befreit.

Außerdem wird behauptet, dass alle die für den Aufstieg in die fünfte Dimension nicht bereit sind in den nächsten Jahren sterben werden. Das ist natürlich ein enormer Motivationsschub für den Kauf der Bücher von Christoph, da einem diese dabei helfen sollen sich auf den Aufstieg vorzubereiten. Wir sehen auch daran wieder sehr deutlich wie, getarnt durch die Verwendung der Worte “Liebe” und “Aufstieg”, Angst gepredigt wird.

Das Jahr 2015 war in Europa von einer noch nie dagewesenen Flüchtlingskrise und von Terroranschlägen in Paris auf „Charlie Hebdo“ im Januar und auf mehrere Orte im November geprägt. Deutschland war durch den vom Kopiloten herbeigeführten Germanwings-Absturz in den französischen Alpen und den VW-Abgasskandal geprägt. In Österreich wurde das Jahr 2015 außerdem von der Amokfahrt von Graz und der Flüchtlingstragödie bei Parndorf geprägt. Also von der angekündigten neuen Gesellschaft keine Spur.

In die Schlagzeilen der Tagespresse geriet der ehemalige Auto- und Immobilien-Händler Christoph Fasching 2018, als bekannt wurde, dass er vom Krankenanstaltenverbund als Unternehmensberater 95.000 € für eine so genannte „Energetische Reinigung“ und "Immobilien-Optimierung" des Wiener Krankenhaus Nord erhalten hatte. Fasching behauptete in einem fünfseitigen "Leistungsprotokoll", einen unsichtbaren Schutzring um das Gebäude gelegt zu haben, der verhindern soll, dass "negativen Energien des Umfelds" Einfluss auf das Haus und die Menschen darin nehmen. Ab Kosten von 100.000 € hätte eine öffentliche Ausschreibung stattfinden müssen. Für fünf Seiten Text und etwas das man nicht sieht und sich jeder Überprüfung entzieht, 95.000 € zu verlangen ist eine dreiste Aktion und hat mit Liebe nichts zu tun.

Selbstverständlich hat Fasching nun auch schon für das Corona-Virus ein probates Rezept, wie er uns in einem aktuellen Newsletter mitteilt: "Wir haben eine spezielle Lösung für den Körper entwickelt. Wir tragen dazu bei, dass sich das Bewusstsein und die Energiedichte des Körpersystems so verändert, dass der Virus keine Voraussetzungen findet, um andocken und sich ausbreiten zu können."

Die geheime Lösung hätte schon im März 2020 im Workshop "Wahre Schöpfung" präsentiert werden sollen. Der Workshop fiel damals den Corona-Maßnahmen zum Opfer. 990 Euro hätte die Teilnahme an dem Tagesseminar gekostet. Bei 100 Teilnehmer wären das schon wieder 99.000 € für einen Tag Arbeit gewesen. Das neueste Angebot von Christoph ist die Ausbildung zum Herrscher über alles, was ist. Besser könnte man den Größenwahn des Egos gar nicht in einem Satz zusammenfassen.

Schuld an der ganzen Misere mit dem Coronavirus sind laut Christoph Fasching im ersten Teil seines Newsletters natürlich die Politiker. Aber am Ende des Newsletters heißt es plötzlich: “Und die Mächtigen sind nicht unsere Politiker, sondern jene, die aus dem Hintergrund die Weichen global stellen und den Politikern vorgeben, was sie umzusetzen haben.” Schuld sind also wieder einmal die Mächtigen, auch wenn völlig unklar bleibt, wer den diese Mächtigen nun eigentlich sind - die Politiker sind es scheinbar nun doch nicht. Aber was soll‘s - wir werden ohnedies nie erfahren wer diese Mächtigen sind, denn dann könnten die sich ja zu den Vorwürfen äußern und das Spiel mit der Angst wäre zu Ende.

Wirklich lustig daran ist, das selbst der „Herrscher über alles, was ist“ noch immer das Opfer von Mächtigen im Hintergrund ist - wie kann das den sein?

Tom Kenyon

Ganz anderen Geistes ist hingegen Tom Kenyon. Er ist Musiker, Forscher, Autor und transpersonaler Therapeut. Obwohl er Herausgeber mehrerer von ihm selbst gechannelter Bücher ist, steht er dem Channeln sehr kritisch gegenüber. Im Vorwort zu seinem letzten gechannelten Buch, das selbst nicht der Rede wert ist, schreibt er über das Channeln unter anderem Folgendes:

Meiner Ansicht nach ist das Channeln eine fragwürdige Angelegenheit. Es kommt mir vor wie die Schlagnetz-Fischerei in den Wasserläufen der Camargue in Südfrankreich. … Das Channeln erscheint mir sehr ähnlich. Durch unsere Psyche ziehen Strömungen, in denen so allerhand vor sich hin treibt. Manches davon ist interessant, manches wertlos und manches einfach nur wunderlich. Ab und zu verfängt sich etwas eindeutig Wertvolles im Channel-Netz, doch meistens ist es mit einer Menge Müll vermengt. … Als Psychotherapeut im Bereich der transpersonalen Psychologie habe ich im Laufe der Jahre viele Klienten erlebt, die channelten. Manche fühlten sich ganz wohl damit, andere störte es, wie zum Beispiel eine Frau, die ein Jahr lang jeden Morgen um drei Uhr geweckt wurde. Sie musste sich dann hinsetzen und Botschaften der »anderen Seite« aufzeichnen. Doch der anderen Seite von was? Ihre Protokolle sprachen von der heilenden Macht der Liebe, boten manchmal sinnvolle Lösungen für Probleme an, enthielten aber auch einiges, was mir, offen gesagt, ziemlich merkwürdig vorkam. Merkwürdig ist natürlich ein relativer Begriff. Was dem einen merkwürdig vorkommt, erscheint dem anderen als durchaus vernünftig. Die kulturellen Filter unserer Erfahrungen sind oft willkürlich und basieren auf erlerntem Unsinn. Als Psychotherapeut bestand meine Aufgabe darin, meinen Klienten zu helfen, mit ihrem transpersonalen Gelaber zurechtzukommen. Ich verwende diese Begriffe absichtlich, denn das kollektive Unbewusste ist mit allem Möglichen angefüllt. Es gibt geistige Wesenheiten aller Art, genau wie es Menschen aller Art gibt. Manche Bewohner des kollektiven Unbewussten sind brillant und wohlwollend, andere sind Idioten, die sich als spirituelle Wesen verkleidet haben.

Die CD City of Hymns von Tom Kenyon kann ich nur jedem wärmstens ans Herz legen. Tom interpretiert darauf weltbekannte christliche Lieder. Sein Gesang ist von eindringlicher, ergreifender Schönheit. Die fast vier Oktaven umfassende Stimme von Tom strahlt eine spirituelle Kraft aus, wie wir sie selten erfahren. Tom Kenyon, der seit mehr als drei Jahrzehnten Buddhist ist, wurde zu dieser neuen Interpretation der Lieder durch eine persönliche Erfahrung mit Jesus bewegt. Sie soll an die spirituelle Toleranz erinnern und daran, dass allen Weltreligionen eine universale Wahrheit zugrunde liegt. Er nannte diese CD City of Hymns, denn es existiert ein Ort der Heilung in jedem von uns, ganz gleich welcher spirituellen Richtung wir angehören. Diesen Ort der Heilung zu betreten bedeutet, aufzusteigen und für immer verändert zu werden.

Tom Kenyon - The Prayer of St Francis



Reinkarnation

In WAHRHEIT ist Reinkarnation unmöglich. Es gibt keine Vergangenheit oder Zukunft, und die Idee der Geburt in einen Körper - ob einmal oder mehrere Male - hat keine Bedeutung. Innerhalb der Illusion der Zeit kann ein gewisses Grundwissen über die scheinbar unterschiedlichen Leben hilfreich sein, doch in der Praxis bietet das Thema mehr Stoff für Irrtümer als für Unterstützung.

Viele von uns mit Interesse an Spiritualität nehmen an, dass wir, wenn wir nach dem Tod ins sogenannte Jenseits kommen, Entscheidungen treffen, Verträge schließen und Verpflichtungen darüber eingehen, was wir in unserem nächsten Leben tun werden und wie. Das stimmt nicht! Alle Leben sind schon vorbei. Wir erleben nur einen Film noch einmal, der schon gedreht ist.

Was wir das Leben nach dem Tod nennen, ist genau genommen ein Leben zwischen den Leben. Es ist die Zeitspanne zwischen einem Traumleben, dessen Details schon feststehen, und dem folgenden Traumleben, dessen Details schon feststehen. Freiheit oder einen freien Willen gibt es in diesem Traumleben für uns nur insofern, als wir bei allem zwischen der Interpretation des HEILIGEN GEISTES und der des Egos wählen können. Inwieweit wird das tun und wahre Heilung erleben, entscheidet über die Qualität unserer Erfahrung in diesem Leben, im Zwischenleben ebenso, wie darüber, welches Leben wir danach erfahren!

Darum ist es so wichtig, dass wir Vergebung nicht aufschieben. Unsere Zukunft wird genau JETZT von uns bestimmt, und sie hängt von unseren Entscheidungen ab: Ob wir für das, was wir sehen, die Interpretation des HEILIGEN GEISTES wählen oder die des Egos!

Es also nicht entscheidend was auf der Ebene der Form geschieht, sondern was wir darüber denken. Alles geschieht im Geist. Wir machen, sogar nachdem wir unseren Körper verlassen zu haben scheinen, immer noch die Erfahrung, mit unseren Augen zu sehen. Aber das tun wir nicht. Wir "sehen” mit dem Geist, der Körper, sei er nun ein menschlicher, ein astraler oder ein sonstiger Körper, ist nicht wirklich, weil er genau so ein Teil der Projektion ist wie der Rest der Projektion. Alle Berichte von Nahtoderfahrungen bestätigen dies. Die Menschen berichten dann davon, dass sie ihren Körper verlassen haben und das ganze Geschehen von außen beobachten konnten und auch alles was im Raum gesprochen wurde weiterhin hören konnten, obwohl sie klinisch tot waren.

Die Ansicht der unterschiedlichen Traumleben folgt auch keiner zeitlich linearen Reihenfolge. Unser nächstes Leben könnte eines sein, das scheinbar vor 500 Jahren, vor 1000 Jahren oder erst in 100 Jahren stattfindet. Es spielt keine Rolle. Wie dieses Leben wird und welche Vergebungslektionen es bereitet, hängt davon ab, ob wir die Gelegenheiten zur Vergebung nutzen, die sich uns JETZT präsentieren.

Wenn wir unsere Vergebungslektionen vervollständigt haben, werden wir nach Hause zurückkehren und uns keine weiteren Traumleben mehr ansehen – warum auch? Wir werden uns dem Schmerz der Trennung nicht mehr aussetzen, wenn wir davon geheilt sind und wieder in die EINHEIT zurückgekehrt sind.

Reinkarnation beschreibt das Problem, bietet jedoch keine Lösung.

In einem Punkt sind sich alle Religionen und spirituellen Richtungen, die sich mit Wiedergeburt beschäftigen, einig, nämlich dass es darum geht, aus dem Zyklus von Tod und Wiedergeburt auszusteigen. Alle Religionen? Nein! Ein von unbeugsamen Anhängern der «Kirche des letzten Testaments» bevölkertes Dorf in der sibirischen Taiga, hört nicht auf, dem Erwachen aus der Illusion Widerstand zu leisten.

Die Anhänger der «Kirche des letzten Testaments» leben auf einer Fläche so groß wie Belgien. Und das Leben ist nicht leicht für die Jünger von Sergei Anatoljewitsch Torop, besser bekannt als Wissarion, der als Wiederkunft Jesu von Nazaret betrachtet wird, denn sie betreiben Subsistenzwirtschaft auf einfachstem Niveau. "Die zweitausend Quadratmeter bewirtschafte ich mit der Hand, ohne Pflug, ohne Traktor, ohne Pferd, dafür bei Permafrost“, sagt Petra Methfessel, eine gelernte Innenausstatterin aus Goslar in Niedersachsen, in ihrer selbst gebauten Blockhütte. Bei aller Güte, das Leben als Selbstversorgerin ist hart. Im Sommer plagen unerträgliche Hitze, Millionen Mücken und Zecken. Im Winter klirrende Kälte bei minus 40 Grad Celsius. Kinderbetreuung, Gemüse ziehen, Unkraut jäten, alles hier scheint so abzulaufen wie vor hundert Jahren. Hausarbeit ist Frauensache. Da es in den Siedlungen mehr Frauen als Männer gebe und sich die Frauen ohne Partner „schlecht verwirklichen“ könnten, toleriert die Gemeinschaft Polygamie.

"Uns steht eine Apokalypse bevor", sagt Wissarion, der selbsternannte Jesus Christus. Das Ego betreibt Bauernfängerei mit seinem stärksten Lockmittel - der Angst. Die deutschen Anhänger Wissarions, die ihm in die Taiga gefolgt sind, hoffen darauf wieder geboren zu werden. Wir schreiben das Jahr 58 n.W. (in der eigenen Zeitrechnung, die mit der Geburt Wissarions im Jahr 1961 beginnt) und für Siegfried Werning, 75, ehemaliger Computerspezialist aus Hamburg, hochgewachsen, wallendes Haar, schneeweisser Rauschebart, ist die Sache klar: "Nur diejenigen reinen Glaubens werden wiedergeboren." (Die Interviews stammen aus einem Artikel der NZZ.CH vom Mai 2021.)

Das Ego, das die Illusion des Todes erfunden hat, hofft gleichzeitig darauf ewig zu leben, es versucht in der sibirischen Taiga eine Apokalypse zu überleben und falls das nicht gelingt, zumindest wiedergeboren zu werden - welch skurrile Idee.

„Nur in der Verwirrung ist das Ego ein Experte. Etwas anderes versteht es nicht. So ist das Ego denn als Lehrer völlig verwirrt und völlig verwirrend."
(EKIW Kapitel 8, II. 1.)

Viele von uns denken, der Astralkörper sei die Seele, aber ihnen ist nicht klar, dass das ganze Konzept einer individuellen Seele auf der Idee der Trennung beruht, während der reine Geist ganz und ungeteilt ist und auch keine persönliche Identität besitzt.

Es ist wichtig, dass wir uns immer daran erinnern, wenn wir uns mit dem Thema früherer oder zukünftiger Leben beschäftigen, dass dies eine Illusion ist und es auch möglich ist im Geist jederzeit ein ganz anderes Raumzeitkontinuum zu projizieren, das ganz andere zeitliche Abläufe enthält - dieser Wechsel wird im Kurs als Wunder bezeichnet. Die einzig wirklich hilfreiche Ausrichtung ist daher jene auf das JETZT.

Wenn also Menschen hellseherische Fähigkeiten besitzen und die Zukunft voraus sagen, sagen sie lediglich das voraus was schon geschehen ist, also die Vergangenheit. Seher sehen die Vergangenheit noch bevor sie passiert ist. Sie sehen nur den Verlauf des im JETZT im Bewusstsein aktiven Raumzeitkontinuums. Sie sehen eine Welt ohne Wunder.

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In der Weihnachtszeit 2002 war ich mit meinem Bruder Helmut und Sharon Dornmayr, einer weitschichtig Verwandten, im Spielcasino von Brisbane an der australischen Ostküste. Für Sharon war es das erste Mal, dass sie ein Spielcasino besuchte. Helmut hatte ihr einige Chips geschenkt und dann stand sie mit mir am Roulette Tisch und fragte mich, was sie nun tun sollte. In dem Moment wusste ich plötzlich mit zweifelsfreier Sicherheit die nächste Zahl und sagte ihr mit absoluter Bestimmtheit sie solle ihr ganzes Geld auf diese Zahl setzen. Diese Zahl ist gekommen, sie gewann dadurch das 36 fache ihres Einsatzes und war glücklich. Ihr Glück war in diesem Moment auch mein Glück. Das Drehbuch ist geschrieben und wenn es dem Glück und der Erkenntnis dient, bekommen wir manchmal die Gelegenheit für einen kleinen Blick in die Zukunft. Das Spiel des Lebens würde allerdings nicht funktionieren, wenn wir ständig unsere Zukunft vor Augen hätten.

Ich hatte einmal eine Vision in der ich in einem engen Rennbob durch einen engen Eiskanal gerast bin, ohne einer Möglichkeit die Richtung zu bestimmen. Dies fühlte sich äußerst unangenehm an. Am Ende dieses Kanals wurde ich dann in ein weites grünes Teil raus katapultiert und war glücklich. Ich interpretiere diese Erfahrung folgendermaßen:

Solange wir in der Illusion der Zeit gefangen sind gleicht unser Leben einer Fahrt durch einen Eiskanal. Es ist eng und der Weg ist vorgezeichnet, lediglich unsere Reaktion auf das Geschehen steht uns frei. Wenn wieder einmal eine Linkskurve kommt und wir aber eine Rechtskurve wollen, so können wir uns darüber ärgern oder uns der Situation hingegeben, weil wir wissen, dass in diesem Leben dies der Weg ist der gegangen werden will. Wenn wir aus der Illusion der Zeit erwachen, ist dies wie wenn wir das Ende des Eiskanals erreichen und raus katapultiert werden, in ein breites grünes wunderschönes Tal.

„Ein Psalm Davids. Der Herr ist mein Hirte, ich habe alles, was ich brauche. Er lässt mich in grünen Tälern ausruhen, er führt mich zum frischen Wasser. Er gibt mir Kraft. Er zeigt mir den richtigen Weg
um seines Namens willen.“

(Bibel, Psalm 23, 1.&2.)

Bei der Beschäftigung mit Konzepten von Reinkarnation besteht immer die große Gefahr, dass wir sie auf der Ebene der Person dazu verwenden uns besonders zu fühlen, wenn alles scheinbar glatt läuft und wir uns verurteilen, wenn es scheinbar schlecht läuft. Das Gleiche machen wir dann auch mit unseren Mitmenschen und verurteilen sie für ihr mieses Karma.

Menschen, die sich an ihre früheren Leben erinnern, erinnern sich normalerweise an die bemerkenswerten und selten an die Leben, in denen sie im Gefängnis oder mit dem Gesicht im Dreck starben. Wer hat je bei einer Rückführung festgestellt, dass er einfach nur ein ewig grantiger Hausmeister war, der früh an Lungenkrebs verstorben ist? Das Ego möchte die Dinge attraktiv erscheinen lassen und uns dazu bringen, immer wieder für eine weitere Runde zurückzukommen.

Der Glaube an Schuld verursacht Reinkarnation.

Die Beschäftigung mit früheren Leben, oder auch dem Zwischenleben, sind eine beliebte Strategie des Egos um mit Komplexität von der Einfachheit der Wahrheit abzulenken. Es ist immer nur dieser Augenblick, das JETZT, in dem uns die vollständige Erlösung angeboten wird.

Im eigentlichen Sinne ist Reinkarnation unmöglich. Es gibt keine Vergangenheit oder Zukunft, und die Idee der Geburt in einen Körper - ob einmal oder mehrere Male - hat keine Bedeutung. Reinkarnation kann also nicht in irgendeinem wirklichen Sinne wahr sein. Unsere einzige Frage sollte sein: Ist das Konzept hilfreich? Und das hängt natürlich davon ab, wofür es verwendet wird. Wenn es verwendet wird, um die Einsicht in das ewige Wesen des Lebens zu stärken, ist es in der Tat hilfreich. Ist irgendeine andere Frage dazu wirklich nützlich, um den Weg zu erhellen? Wie viele andere Überzeugungen kann es bitter missbraucht werden. Geringstenfalls bietet ein solcher Missbrauch Beschäftigung mit der Vergangenheit und vielleicht auch Stolz darauf an. Schlimmstenfalls ruft er Trägheit in der Gegenwart hervor. Dazwischen sind viele Arten von Torheit möglich.

Der Schwerpunkt dieses Kurses bleibt immer derselbe: Es ist dieser Augenblick, in dem dir die vollständige Erlösung angeboten wird, und dieser Augenblick ist es, in dem du sie annehmen kannst. Das ist nach wie vor deine einzige Verantwortung. Die SÜHNE könnte mit einem totalen Entrinnen aus der Vergangenheit und einem völligen Mangel an Interesse für die Zukunft gleichgesetzt werden. Der HIMMEL ist hier. Es gibt keinen andern Ort. Der HIMMEL ist jetzt. Es gibt keine andere Zeit. Kein Lehren, das nicht dahin führt, ist für GOTTES Lehrer von Belang. Alle Überzeugungen deuten darauf hin, wenn sie richtig gedeutet werden. In diesem Sinne kann man sagen, dass ihre Wahrheit in ihrer Nützlichkeit liegt. Alle Überzeugungen, die zu Fortschritt führen, sollten geachtet werden. Das ist das einzige Kriterium, das dieser Kurs erfordert. Nicht mehr als dies ist nötig.


(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 24. 1.&6.)

Einige Würdenträger der Stadt waren in einem Zen Kloster zu einem einfachen Mal geladen. Um den Zen Meister zu beeindrucken, unterhielten sie sich über höchst spirituelle Themen, über Wiedergeburt und Karma. Schließlich ergriff der Bürgermeister das Wort: „Verehrter Meister, uns würde vor allem Ihre Meinung zum Thema Wiedergeburt interessieren.“ Der Meister schaute von seinem Teller auf und sagte: „Haben Sie schon gekostet? Der Rettich schmeckt ausgezeichnet.


Bei allem, was geschieht
in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
bin ich nicht der Handelnde
noch der Empfangende.
Das erkenne ich.
Es gibt keinen Zweifel.


(Avadhuta Gita, Kapitel 1, Vers 72)




Ernährung

Übersetzung eines Textes von spiri.ai

Frage an David Hoffmeister:

Glaubst du, der Heilige Geist würde NIEMALS einen dazu führen, einem anderen Wesen Schaden zuzufügen oder ihm das Leben zu nehmen (z. B. Fleisch essen, Ameisen in deiner Küche töten, einen Mörder mit Gewalt stoppen usw.)? Und isst Du übrigens Fleisch, und wenn ja, würdest Du einem Tier persönlich das Leben nehmen?

Davids Antwort:

Die vergebene Welt erkennt die Einheit des geheilten Geistes und sieht, dass es nichts "außerhalb" dieses einzelnen Geistes gibt, der sanft einen glücklichen, sanften Traum träumt. Das Ziel von EKIW ist es, sanft von einer sündlosen Welt zu träumen. Dieses Ziel ist mehr als möglich, es ist unvermeidlich!

Was meine scheinbare Ernährung betrifft, so ist "essen, was serviert wird" die Anleitung, die ich vor vielen Jahren vom Heiligen Geist erhalten habe. Schließe dich deinem Bruder an und lass kein Konzept zwischen die Liebe kommen, die du teilst. Diese Anleitung hat sich nicht geändert. "Abendessen" ist immer eine Kulisse, um die Freude am lebendigen Moment zu teilen. Was die Welt "Atmen" und "Essen" und "Trinken" und "Schlafen" nennt, ist im erleuchteten Zustand wirklich alles gleich. Die geheilte Perspektive sieht die Gleichheit aller Dinge, weil sie alle den gleichen Zweck haben: Vergebung. Diese Perspektive ist nicht "persönlich", denn in einer einheitlichen Wahrnehmung ist nichts persönlich. Gott ist kein Respekt vor Personen. Ich kann das "Leben" eines Tieres buchstäblich nicht "nehmen", weil das Leben Geist ist und nur erweitert oder gegeben werden kann, wie Gott es gibt. "Nehmen" hat in meinem Kopf keine Bedeutung und da Tiere nie "gelebt" haben, ist es unmöglich, dass sie "sterben" können. Der Glaube, der in dem Gedanken "persönlich das Leben eines Tieres nehmen" zum Ausdruck kommt, hat viele zugrunde liegende Annahmen, die falsch sind. Es ist offensichtlich, dass Ideen gestärkt werden, wenn sie verschenkt oder geteilt werden, und dass das "Nehmen" eines "Lebens" oder irgendetwas überhaupt keine Bedeutung hat. Alles, was ich gebe, wird mir selbst gegeben, und beim Geben gibt es keinen Verlust, kein Opfer, und nichts wird jemals der Ganzheit und Einheit genommen. Der Lehrer Gottes will nichts, was nicht verschenkt werden kann. So ist die Freude an Wundern! Die Gedankensamen scheinen überall geworfen zu werden, doch es gibt niemals einen Blick zurück, um zu sehen, wo die Samen landen. Die Samen sind niemals für einen "anderen" und da Geben und Empfangen gleich sind, empfängt der Geist die Gaben, die er gibt. Dies ist wirklich das Fest, nach dem Du hinter den Fragen des Ego suchst.

Die einzige Frage, die gestellt werden muss, ist eine Frage, die überhaupt nicht dumm ist: Bin ich bereit zu wissen, dass Gottes Wille und mein eigener derselbe sind? Gottes Wille für mich ist für vollkommenes Glück. Und was außer diesem Willen ist der Wille Christi? Glücklicherweise kann nichts die Ewige Liebe ändern.

Alles Liebe, David


Epilog

Die Frage nach der Ernährung ist eine beliebte Frage des Egos, mit der es versucht mit Hilfe von Komplexität Verwirrung zu stiften, um von der einfachen WAHRHEIT abzulenken. Außerdem findet das Ego beim Thema Ernährung wieder eine Möglichkeit sich besonders - also besser als andere - zu fühlen. Unsere Großeltern glaubten als Arier bessere Menschen zu sein und wir glauben es jetzt als VegetArier zu sein.

Manche moderne Ernährungskonzepte werden mit einer derart religiösen Radikalität verfolgt, was dazu geführt hat, dass jetzt selbst hundertprozentige Fruchtsäfte als "vegan" ausgezeichnet werden, obwohl es sich gerade bei Fruchtsäften kaum garantieren lässt, dass keine einzige Fruchtfliege mit gepresst wurde.

“Ich hab letztes Jahr das erste Mal ein eigenes Gemüsegartl ghabt und das ist ja Wahnsinn, was Schnecken sterben müssen bis so ein Kopfsalat übrig bleibt. Also da braucht kein Vegetarier mehr Tiermörder zu mir sagen, nur weil ich Fleisch esse. Denn wenn man das mal von den Seelen her rechnet, nur von den Seelen her, wenn man so einen gemischten Salatteller hat, was das Seelen kostet bis der übrig bleibt, da is a Schnitzel a faire Lösung.”
(Martina Schwarzmann, Kabarettistin)

Kognitionen sind mentale Ereignisse, die mit einer Bewertung, also mit Urteilen, verbunden sind. Zwischen diesen Kognitionen können Konflikte („Dissonanzen“) entstehen. Die Psychologie nennt den sich daraus ergebenden unangenehmen Gefühlszustand kognitive Dissonanz. Das Fleisch-Paradoxon ist ein zentrales Beispiel für die Spannung zwischen dem Wunsch der meisten Menschen, Tieren nicht zu schaden, und der Entscheidung für eine Ernährungsweise, die Tieren Schaden zufügt. Dieser Konflikt zwischen Wertvorstellungen und Verhalten führt zu kognitiver Dissonanz, welche Fleischesser auf verschiedene Art und Weise versuchen abzuschwächen. Eine Möglichkeit besteht darin nur Fleisch von "glüchlichen" Tieren zu essen. Aber warum sollte es besser sein glückliche Tiere zu töten? Wäre es nicht vielleicht sogar besser zuerst die Unglücklichen zu töten?

Das Ego schwankt ständig zwischen Lust und Frust, es will sich einerseits die Lust an Tierprodukten nur ungern nehmen lassen und andererseits will es sich aber auch moralisch okay fühlen und da es an den Tod glaubt und diesen für das Schlimmste hält, was einem passieren kann, erlebt es einen, als unangenehm empfundenen, Gefühlszustand, dem es dadurch zu entkommen versucht, dass es sich ein immer komplexeres Lügengebäude errichtet, um sich von der Wahrheit abzulenken. Dies löst allerdings den Konflikt nicht, sondern er wird nur, mehr oder weniger erfolgreich, ins Unterbewusstsein verdrängt.

Im Kurs heißt es daher: "Die Entscheidung, zu urteilen, statt zu erkennen, ist die Ursache für den Verlust des Friedens." "Du hast keine Ahnung von der außerordentlichen Befreiung und dem tiefen Frieden, die eintreten, wenn du dir selber und deinen Brüdern völlig ohne jedes Urteil begegnest."

Was David Hoffmeister sagt, bedeutet nicht, dass es auf unserem Weg zu einem geheilten Geist, egal ist, wie wir uns gegenüber Tieren verhalten. Unser Umgang mit Tieren ist ein Symbol für unser Gedankensystem, darin liegt seine Bedeutung.

Unsere Liebe zu allen Lebewesen und ein vernünftiger Umgang mit unseren Ressourcen werden ganz automatisch zu vegetarischer Ernährung führen. Wenn dies aber wirklich ein Ausdruck von Liebe und Vernunft ist, so kann dies nicht gleichzeitig zu einem moralischen Urteil über Fleischesser führen, es kann dann kein Konzept sein, das uns von unserem Bruder trennt.

Wenn wir von Liebe erfüllt sind, wird diese Liebe auch ihren Ausdruck im Umgang mit den uns begegnenden Tieren finden. Aber wenn uns ein Mensch mit einem Wiener Schnitzel eine Freude machen will, stehen wir nicht einem Tier gegenüber, sondern jenem Menschen der für uns das Schnitzel zubereitet hat und dann wird ihm gegenüber unsere Liebe ihren Ausdruck finden und wir werden dankbar sein Geschenk annehmen und einen Moment der Freude mit ihm teilen. In diesem Moment teilen wir kein Wiener Schnitzel, wir teilen das Einzige was geteilt werden kann - und das ist die Liebe und die Freude des Heiligen Augenblicks.

Jesus sprach zu ihnen:
Und wenn ihr in irgendein Land geht und wandert von Ort zu Ort
und wenn sie euch aufnehmen, dann esst das, was man euch vorsetzen wird.
Die Kranken unter ihnen heilt!
Denn was in euren Mund hineingehen wird, wird euch nicht beflecken.
Vielmehr das, was aus eurem Mund herauskommt,
das ist es, was euch beflecken wird.

(Thomas-Evangelium, Legion 14, 4.&5.)



„Lichtnahrung“

„Lichtnahrung“ oder Breatharianismus ist eine Bezeichnung für ein esoterisches Konzept, wonach die für das Leben notwendige Energie nach Vorstellung ihrer Anhänger aus „feinstofflicher“ Energie gewonnen werden soll. Dadurch soll es möglich sein, ohne feste und flüssige Nahrung zu überleben. Wissenschaftlich betrachtet sind solche Behauptungen Humbug, aber was steckt aus spiritueller Sicht dahinter?

Die „Lichtnahrung“ wurde vor allem durch die Australierin Ellen Greve, die sich selbst Jasmuheen nennt, bekannt. Sie behauptet, seit 1993 keine Nahrung im herkömmlichen Sinne mehr zu benötigen, jedoch aus gesellschaftlichen Gründen und in sehr geringen Mengen ab und zu eine Kleinigkeit zu essen. In einem von ihr vorgeschlagenen 21-tägigen „Lichtnahrungsprozess“ soll sich der Körper angeblich darauf einstellen, keinerlei feste Nahrung und Flüssigkeit mehr zu benötigen, sich also nur noch von „Licht“ zu ernähren.

Dieser 21-tägige „Lichtnahrungsprozess“ sieht unter anderem vor, dass sieben Tage lang durchgehend weder gegessen noch getrunken, an den folgenden vierzehn Tagen nur verdünnte Fruchtsäfte getrunken werden sollen. Nach Beendigung der 21 Tage könne wieder normal gegessen werden. Es soll von diesem Zeitpunkt durch den Prozess und mit Hilfe von „Energiewesen“ möglich sein, auf „feststoffliche“ Nahrung zu verzichten.

Bislang ist es Greve nicht gelungen, ihre Thesen zu beweisen. Sie konnte 1999 in einem Selbstversuch unter kontrollierten Bedingungen keinen Beweis dafür erbringen, dass die postulierte Aufnahme von „Lichtenergie“ feststoffliche Nahrung ersetzen kann. Das Experiment wurde nach vier Tagen aufgrund der fortschreitenden Dehydratation und des deutlichen Gewichtsverlustes abgebrochen.

So ist es bei nahezu allen, die den „Lichtnahrungsprozess“ machen, dass sie entweder ganz von selbst, oder einer inneren Stimme folgend, schon am 3. oder 4. Tag beginnen etwas zu trinken. Bei mir war es genau so. Warum sich die innere Führung zu diesem Zeitpunkt meldet ist ganz einfach der, dass der Ego-Trip „Lichtnahrungsprozess“ danach gefährlich wird.

Wenn sieben Tage lang weder gegessen noch getrunken wird, ist aus medizinischer Sicht das Risiko groß, dabei zu verdursten. Ab dem dritten Tag ohne Flüssigkeitszufuhr steigt das Risiko der tödlichen Dehydratation, so dass mit Schädigungen der Niere bis hin zum Nierenversagen gerechnet werden muss. Wie viele Tage gänzlich ohne Wasser überlebt werden können, ist vom Grundumsatz und der Umgebungstemperatur abhängig.

Durch Anwendung von Greves Theorien kamen bereits Menschen zu Tode. In ihrem im Jahr 2004 erschienen zweiten Buch zum Thema empfiehlt sie daher statt des 21-tägigen „Lichtnahrungsprozesses“ die „Sanften Wege zur Lichtnahrung“. Die Umstellung von feststofflicher Nahrung auf feinstoffliche Lebensenergie soll dabei nur sehr langsam über Jahre hinweg verlaufen.

Der Untertitel des ersten Buches lautet “Die Nahrungsquelle für das neue Jahrtausend”. Allein der Untertitel zeigt schon den zentralen Irrtum des "spirituellen" Egos auf. Es versucht mit "spirituellen" Methoden weltliche Probleme zu lösen, anstatt sich von der Welt zu lösen. Jasmuheen behauptet in ihrem Buch, dass es darum ginge das höhere Selbst und die ICH BIN Präsenz in den Körper zu bringen. Klarer könnten wir den zentralen Irrtum des "spirituellen" Egos gar nicht beschreiben - es ist der verzweifelte Versuch die WAHRHEIT in die Illusion zu bringen. Jesus hat, wie alle großen Lehrer, mit seiner Aussage “Noch ehe Abraham wurde, bin ich.“ sehr deutlich darauf hingewiesen, dass der Zustand des ICH BIN nicht von dieser Welt ist und damit auch nichts mit dem Körper zu tun hat. Der Untertitel des zweiten Buches ist noch skurriler: ”Von Prana Leben und weiterhin das Essen genießen”. Was nun - Lichtnahrung oder Essen genießen? Wieder diese für das Ego typische Mischung aus "Spiritualität" und weltlichem Genuss.

„Der Körper kann nicht erkennen. Und solange du dein Gewahrsein auf seine winzigen Sinne begrenzt, siehst du die Größe nicht, die dich umgibt. GOTT kann nicht in einen Körper kommen, noch kannst du dich dort mit IHM verbinden. Begrenzungen der Liebe werden IHN immer auszuschließen scheinen und dich von IHM fernhalten. Der Körper ist ein winzig kleiner Zaun um einen kleinen Teil einer herrlichen und vollständigen Idee. Er zieht einen unendlich kleinen Kreis um ein ganz kleines Segment des HIMMELS, das vom Ganzen abgesplittert ist, und verkündet, dass in ihm dein Reich liegt, in welches GOTT nicht eintreten kann.“
(EKIW: Kapitel 18, VIII. 2.)

Michael Werner ist ein bekannter „Lichtesser“ aus dem deutschsprachigen Raum, der nach eigenen Aussagen seit 2001 von „Lichtnahrung“ lebt. Seine Behauptungen finden sich auch in einem mit Jo Conrad geführten Interview im verschwörungstheoretischen Projekt Secret-TV, das seinerzeit vom rechtslastigen Esoteriker Jan Udo Holey gegründet wurde. Er lebt zur Zeit in der Schweiz, wo er in Arlesheim bei Basel für das Schweizer Pharmaunternehmen Iscador AG tätig ist, das Heilmittel der anthroposophischen Medizin herstellt. Die Aktivitäten der Iscador AG haben, nach eigenen Angaben, ihren Ursprung in den grundlegenden Arbeiten zur Mistelpharmazeutik, welche die Ärztin Ita Wegman und Rudolf Steiner, der Gründer der Anthroposophie, 1917 im Hinblick auf die anthroposophische Krebstherapie initiiert haben. Was wurde nicht schon alles Alternativmedizinisches „entdeckt“ um Krebs zu heilen, bei Iscador sind es Misteln.

Vom Institut für Komplementärmedizin der Universität Bern wurde Werner, auf eigenen Wunsch hin, unter kontrollierten Bedingungen zehn Tage lang begleitet und untersucht. Er nahm in dieser Zeit nur Flüssigkeit zu sich, die keinen oder nahezu keinen physiologischen Brennwert hatte. Werner verlor durchschnittlich 0,26 kg pro Tag an Körpergewicht und die körperliche Leistungsfähigkeit nahm während des Selbstversuchs ab. Die 2008 veröffentlichte Studie kommt zum Schluss, dass die Behauptung Werners, auf herkömmliche Nahrung verzichten zu können, widerlegt sei. Werner bestätigt die Ergebnisse in seinem Buch Leben durch Lichtnahrung, findet aber gleichzeitig jede Menge Erklärungen, warum es in der Uni-Klinik nicht geklappt hat. Er erklärt den Gewichtsverlust in der Klinik unter anderem mit der "trockenen Luft" in der Klinik.

Werner ist promovierter Chemiker Dr. rer. nat. und versucht wissenschaftliche Erklärungen für „Lichtnahrung“ zu finden, weil er immer noch in Nahrung denkt und in der Idee der körperlichen „Heilung“ gefangen ist. Er ist damit immer noch ein Vertreter der körperlichen, der weltlichen Sicht. Aber schon Einstein hat erkannt, dass ein Problem auf der Ebene seiner Entstehung nicht zu lösen ist. Werner spricht zwar in seinem Buch und bei seinen Vorträgen davon, dass wir anfangen müssen anders zu denken, kann aber nicht erkennen, dass er immer noch der körperlichen Sicht des Egos folgt. Wahrhaftig anders denken bedeutet sich von der Idee, ein Körper zu sein, zu verabschieden und zu erkennen, dass das ganze Universum nur eine Projektion des Geistes ist und dass die Befreiung aus der körperlichen Sicht, nicht auf der Ebene des Körpers erfolgen kann, sondern allein im Geist. Jesus hat schon vor 2000 Jahren darauf hingewiesen: „Und er rief die Leute zu sich und sagte: Hört und begreift: Nicht das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt, macht ihn unrein, sondern was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.“ (Matthäus 15, 10&11, Bibel Einheitsübersetzung 2016)

Werner behauptet auch längere Zeit auf Flüssigkeit verzichten zu können. Gleichzeitig gibt er jedoch an, seit 2001 täglich 1,5 Liter "Flüssigkeit" und auch Kaffee zu sich zu nehmen. "Flüssigkeit" bedeutet jedoch nicht zwangsläufig kalorienfreies Wasser. In der Tat hat Werner auch zugegeben, Säfte, Wein und Sherry zu sich zu nehmen. Ausdrücklich spricht Werner in einem Interview auch von "konzentrierten Säften", die er konsumiere. Und in einem Interview sagte er: "Ich beiße schon mal bei der Pizza meiner Kinder ab, aber dabei geht es nicht um Hunger, sondern um Appetit." Insofern kann vermutet werden, dass hier ein fortgesetztes Saftfasten stattfindet, das genauso kompatibel mit dem medizinischen Überleben ist, wie eine übliche flüssige Ernährung oder parenterale Ernährung bei bewusstlosen oder komatösen Patienten. Fruchtsäfte können hochkalorisch sein und problemlos den täglichen Bedarf eines im Büro tätigen Menschen decken.

Der „Lichtnahrungsprozess“ ist ein intensives Saftfasten, vom dem das „spirituelle“ Ego annimmt, es hätte sich bei ihm etwas grundlegend verändert und es wäre nun irgendwie „lichter“, irgendwie „spiritueller“. Dem Ego geht es um um Besonderheit und die Durchsetzung seines eigenen Willens. Vom Willen Gottes ist beim Thema „Lichtnahrungsprozess“ nie die Rede.

21 Tage absolut nichts essen und nur verdünnte Fruchtsäfte zu trinken ist keine Kunst, das schafft jeder, der es nur will. Es bringt nur absolut nichts, wenn es dem Ego dient. Wenn das Ego also versucht ganz besonders spirituell zu sein, indem es den „Lichtnahrungsprozess“ macht, führt dies nur zur Verstärkung der Illusion von Besonderheit.

Sowohl Greve als auch Werner räumten selbst ein, nicht vollständig auf Nahrung verzichtet zu haben, sie hatten ab und zu gegessen. Bei „Lichtnahrung“ handelt es sich um eine unterschiedliche subjektive Wahrnehmung. Manche „Lichtesser“ scheinen im Glauben zu leben, nichts zu essen, es aber nach unserer Wahrnehmung dennoch zu tun.

Ein gesunder Erwachsener kann etwa 50 bis 80 Tage Nahrungslosigkeit bei ausreichender Wasserzufuhr überstehen, bei adipösen Menschen kann sich dieser Zeitraum weiter verlängern. Wir können also, schon entsprechend der rein biologischen Gesetze, fast 3 Monate ganz ohne Nahrung überleben. Wenn wir dann noch Säfte trinken und ab und zu etwas essen, dann spricht auch aus rein medizinischer Sicht nichts gegen das Überleben. Es handelt sich dabei wahrlich nicht um ein Wunder.

Im September 2010 erschien der österreichische Dokumentarfilm Am Anfang war das Licht, der „Lichtnahrung“ thematisiert. Der Filmemacher Peter-Arthur Straubinger besucht im Film Menschen, die behaupten, sich von Licht zu ernähren, befragt Esoteriker, Ärzte und Wissenschaftler und sucht nach Erklärungen, wie Lichtnahrung funktionieren könnte. Der Film vertritt die Auffassung, „Lichtnahrung“ als Phänomen existiere tatsächlich. In diesem Film findet sich auch ein Interview mit Walter Rohrmoser, einem österreichischen Tischler und Esoteriker aus Saalfelden im Pinzgau, der sich mittlerweile Omsa nennt und im Waldviertel lebt:

Saalfeldner "Omsa" ernährt sich von Licht

Das Thema “Lichtnahrung” ist kein Grund zur Empörung, sondern einfach nur einer von vielen Irrtümern des „spirituellen“ Egos. Es macht keinen Unterschied ob jemand aus Nahrungsmangel verhungert, oder infolge eines “Lichtnahrungsprozesses”. Beides ist lediglich Teil der einen Illusion. Jede Minute verhungern 17 Menschen infolge Nahrungsmittelmangels, also gibt es nicht den geringsten Grund zur Aufregung, wenn jemand neben seinem vollen Kühlschrank verhungert, weil er den „Lichtnahrungsprozess“ macht - wahrlich ein Luxusproblem. Das Leben der Person ist so und so ein todbringender Prozess. Die Person ist an sich ein Zustand des "Hungers" - des Hungers nach der WAHRHEIT.

Selbstverständlich verhungern wir nur deshalb, weil wir an Nahrung glauben. Es ist dies der Glaube an die Welt. Dieser Glaube verschwindet aber nicht einfach, wenn wir den „Lichtnahrungsprozess“ machen. Der Glaube an Nahrung, der Glaube an den Körper ist der Glaube an die Trennung und der ist so mächtig, dass er das ganze Universum erschafft. Auch wenn es ein Irrglaube ist, sollten wir diesen Glauben nicht unterschätzen. Immer wieder mal springen Jugendliche im Drogenrausch von Gebäuden, weil sie glauben sie könnten fliegen - hat allerdings noch nie geklappt. Der Gedanke der Trennung, der das Universum im JETZT erschafft, drückt sich auf der Ebene der Form in dem aus, was wir Naturgesetze nennen. Wenn das Ego, in seinem Größenwahn, glaubt es könnte sich darüber erheben, dann schlagen diese Gesetze beinhart zu. Es sind seine eigenen Gesetze, die es verletzten.

Wenn wir den Glauben an den Tod tatsächlich überwunden haben, wenn uns also der HEILIGE GEIST vom Glauben an den Körper erlöst hat, brauchen wir nicht nur keine Nahrung, sondern auch keine Welt mehr. Doch da sind wir offensichtlich noch nicht, denn sonst wäre Spiritualität, und alles was damit in Zusammenhang gebracht wird, kein Thema mehr für uns - dann wäre nichts mehr ein Thema für UNS. Mit „Lichtnahrung“ brauchen wir uns daher nicht weiter zu beschäftigen. Das Einzige worum wir uns kümmern müssen ist, die in dieser Welt einzig verbleibende Freiheit - die Freiheit der Wahl - immer zwischen zwei Wahlmöglichkeiten oder zwei Stimmen, der vom HEILIGEN GEIST oder der vom Ego.

* * *

Fasten hingegen ist historisch in zahlreichen Kulturen belegt und kommt in vielfältigen Formen sowie in teilweise festgelegten Ritualen vor. Das germanische Wort Fasten bedeutet „(an den Geboten der Enthaltsamkeit) festhalten“, wobei die gebotene Enthaltsamkeit als „Fest-Sein“ gedacht wurde. Es ist also eine Übung, um in der Ausrichtung auf GOTT standhaft zu sein.

Ein satter Körper ist träge und damit Symbol eines trägen Geistes, ein hungriger Körper ist das Symbol für die Bereitschaft das Vergängliche abzulegen. Nur in der Aufgabe des Vergänglichen liegt jene Erfüllung, nach der sich so viele Sucher verzehren. Buddha und Jesus aßen wenig, doch sie waren und sind jene Lichtgestalten denen es zu folgen gilt. Jesus hat so wenig gegessen, dass sich seine Jünger deswegen immer wieder Sorgen machten. Die Abendessen mit seinen Jüngern, das Brotbrechen, dienten Jesus als Symbol und nicht irgendeiner Art gesunder oder heilsamer Ernährung.

Es geht auf dem spirituellen Weg darum, uns vom Denken in Nahrung zu lösen, uns vom Denken in Eiweiß, Kohlenhydrate, gesättigte und ungesättigte Fettsäuren, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine zu lösen und uns von allen Ernährungskonzepten zu lösen, egal ob vegetarisch, flexitarisch, pescetarisch, vegan, veggan, freegan, frutarisch, ayurvedisch, TCM-Ernährung, basisch, biologisch, Clean Eating, Low-Carb, Functional Food, Vollwertkost, Rohkost, Makrobiotik, Paleo-Ernährung, Blutgruppenernährung, Candita Diät, Compassionate Food oder „Lichtnahrung“.

Das Thema Ernährung ist eines der Beispiele dafür, wie das Ego versucht durch Komplexität von der Einfachheit der WAHRHEIT abzulenken. In Wahrheit geht es darum dem Thema Ernährung einfach keine Aufmerksamkeit zu widmen, sondern ganz im Sinne von "Ich werde von der LIEBE GOTTES erhalten." (LEKTION 50) darauf zu vertrauen, dass uns das was wir zu brauchen glauben, immer zur Verfügung stehen wird, wie es im Gleichnis von den Vögeln am Himmel so wunderbar beschrieben ist. Die Beschäftigung mit dem Thema „Lichtnahrung“ bewirkt aber geradezu das Gegenteil. Es richtet den Fokus total auf das Thema Ernährung. In Jasmuheens „sanften Weg zur Lichtnahrung“ geht es um einen Wechsel von vegetarischer, zu veganer, zu Rohkost und dann zu „Licht“. Es geht also ständig um das Thema Ernährung. Fast alle die sich mit diesem Thema beschäftigen, haben ein äußerst intensives Sendungsbewusstsein und wollen der Welt unbedingt beweisen, dass es funktioniert, um damit das Hungerproblem, oder das Problem der intensiven Landwirtschaft, oder sonst irgendein Problem zu lösen. Das Ziel des spirituellen Weges ist es hingegen zu erkennen, das es überhaupt kein Problem gibt und nie gegeben hat.

So geht es auch beim Fasten nicht um irgendeine Art von besonderer Handlung, um auf der Ebene der Form etwas zu erreichen, sondern einzig und allein um unsere Absicht, um den Zweck unseres Tuns. Wozu? Das ist die Frage die wir uns immer stellen sollten. Wenn wir also 40 Tage lang fasten, um uns an die Belanglosigkeit des Körpers zu erinnern, dann ist dies eine wahrlich hilfreiche Methode. Alle großen spirituellen Lehrer haben immer wieder Phasen ohne Nahrung eingelegt und grundsätzlich wenig gegessen. Fasten wird seit jeher als bewusstseinserweiternde Methode verwendet und zur inneren Einkehr genutzt. Es erinnert uns an LEKTION 50:

„Ich werde von der LIEBE GOTTES erhalten.“

Beim Fasten aus spiritueller Sicht geht es nicht darum auf der Ebene der Form irgendetwas zu erreichen, beispielsweise weniger Gewicht oder mehr Gesundheit und nicht darum irgendetwas zu beweisen, wie beispielsweise besonders spirituell zu sein und es geht auch nicht um ein Opfer, wie es in kirchlichen Kreisen gerne verstanden wird.

"Das Problem liegt nicht darin, ob das, was der HEILIGE GEIST sagt, wahr ist, sondern ob du hören willst, was ER sagt. Du begreifst ebenso wenig, was schmerzhaft ist, wie du erkennst, was Freude bereitet, und neigst in der Tat sehr dazu, beides zu verwechseln. Die Hauptfunktion des HEILIGEN GEISTES besteht darin, dich zu lehren, sie zu unterscheiden. Was dir Freude bereitet, ist schmerzhaft für das Ego, und solange du Zweifel darüber hegst, was du bist, wirst du Freude und Schmerz verwechseln. Diese Verwechslung ist die Ursache der ganzen Idee des Opferns. Gehorche dem HEILIGEN GEIST, und du wirst das Ego aufgeben. Dabei wirst du aber nichts opfern. Im Gegenteil, du wirst alles gewinnen. Wenn du das glaubtest, gäbe es keinen Konflikt."
(EKIW: Kapitel 7, X. 3.)

„Vielleicht wird dir nicht klar, dass dies die Grenzen aufhebt, die du dem Körper auferlegtest durch die Zwecke, die du ihm gegeben hattest. Werden diese weggelegt, so wird des Körpers Stärke stets genügen, um allen wahrhaft nützlichen Zwecken zu dienen. Für des Körpers Gesundheit besteht vollkommene Gewähr, weil er nicht durch die Zeit, das Wetter oder Müdigkeit, durch Essen oder Trinken oder irgendwelche Gesetze begrenzt ist, denen du ihn vordem dienen hießest. Du brauchst jetzt nichts mehr zu tun, um ihn gesund zu machen, denn Krankheit ist unmöglich geworden.

Doch dieser Schutz muss durch sorgsame Wachsamkeit erhalten werden. Wenn du zulässt, dass dein Geist Angriffsgedanken hegt, dem Urteilen nach gibt oder Pläne gegen zukünftige Ungewissheiten schmiedet, dann hast du dich wieder falsch eingeordnet und eine körperliche Identität gemacht, die den Körper angreift, denn der Geist ist krank.“


(EKIW, Übungsbuch, Lektion 136, 18.&19.)



Gender

Die Texte auf dieser Homepage sind nicht gegendert. Weder die Texte aus dem Kurs, noch meine eigenen. Dies hat einen einfachen Grund, der sich in vier Aspekten darstellen lässt:

1. Worte sind nur Symbole von Symbolen. Es spielt keine Rolle ob hier von Brüder oder Schwestern die Rede ist, denn in diesen Texten geht es um die WAHRHEIT jenseits der Worte. Desto mehr wir uns an Worten stoßen, desto weiter sind wir von der WAHRHEIT entfernt.

„Wir wollen jedoch nicht vergessen, dass Worte nur Symbole von Symbolen sind.
So sind sie zweifach von der Wirklichkeit entfernt.“

(EKIW: Handbuch für Lehrer, 21. 1. 9.&10.)

2. Gender ist ein Begriff in den Sozialwissenschaften und bezeichnet Geschlechtseigenschaften, die eine Person in Gesellschaft und Kultur beschreiben. Gender steht in Abgrenzung zu den biologischen Geschlechtern des Menschen. Es beschreibt die nicht an biologische Merkmale gebundenen Geschlechtsaspekte der Menschen. Unter Gendern wird meist der Versuch verstanden Gleichstellung der Geschlechter durch Modifikationen der herkömmlichen Sprache zu erreichen oder zu fördern.

Rein von sprachlichen Aspekten aus betrachtet, handelt es sich dabei um eine Verwechslung von Genus und Sexus. Genus bezeichnet das grammatische Geschlecht, ist eine in vielen Sprachen vorkommende Klassifikation von Substantiven darstellt, denen jeweils ein Genus (Maskulinum, Femininum, Neutrum) zugeordnet ist. Sexus hingegen ist die sprachliche Markierung des biologischen Geschlechts.

Es besteht dabei durchaus bei vielen Wörtern ein gewisser Zusammenhang zwischen biologischem und grammatischem Geschlecht. Das Genus bezeichnet jedoch nicht biologische oder andere Eigenschaften des mit dem Wort bezeichneten Lebewesens, Gegenstands oder Begriffs, sondern nur grammatikalische Beziehungen zu anderen Wörtern und Satzteilen. Auch bezeichnen die meisten maskulinen und femininen Wörter etwas, das gar kein biologisches Geschlecht hat. Dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen Genus und biologischem Geschlecht gibt, zeigt sich an vielen Wörtern:

Beispiele für Personenbezeichnungen:
Generische Maskulinum, aber geschlechtsneutral: der Mensch, der Gast
Generisches Femininum, aber geschlechtsneutral: die Wache, die Arbeitskraft
Generisches Neutrum, aber weibliches Geschlecht: das Mädchen

Beispiele für Dinge:
Generische Maskulinum, aber ohne Geschlecht: der Käse
Generisches Femininum, aber ohne Geschlecht: die Wurst

Studien belegen, dass durch das generische Maskulinum in bestimmten Situationen tatsächlich eher an einen Mann bzw. an eine Gruppe Männer gedacht wird. Aber dies ist kein Problem der Sprache, sondern ein Problem unseres Ego-Denksystems. Wenn es heißt „die Arbeitskraft hat einen guten Job gemacht“, oder „die Wache hat einen guten Job gemacht“ hat niemand ein Problem, aber wenn es heißt „der Arbeiter hat einen guten Job gemacht“ ist das heutzutage ein Problem. Die Suche nach dem unbekannten Täter sorgt hingegen für keinen Gender-Aufschrei, niemand verlangt hier nach der TäterIn.

Die Unterscheidung von Genus und Sexus, wie sie in der Deutschen Sprache vorliegt, stellt durchaus einen gewissen Nachteil dar, aber da ist ein Binnen-I nicht die Lösung, sondern ist grammatikalisch falsch und führt in Folge noch zu wesentlich mehr sprachlichem Durcheinander.

Auf dem Weg, aus der Illusion der Trennung zur WAHRHEIT, wäre eine Weltsprache hilfreich, die die Gefahr der Verwechslung von Genus und Sexus gar nicht kennt und die gleichzeitig nicht nur die Geschlechter, sondern auch alle Menschen auf der Welt verbindet.

Das Ego versucht immer von ihm selbst erschaffene Probleme auf der Ebene zu „lösen“, auf der sie erschaffen wurden. Schon Albert Einstein hat darauf hingewiesen, dass sich ein Problem, auf der Ebene auf der es erschaffen wurde, nicht lösen lässt. Das Ego ist das Problem und nur die Erlösung davon, ist die einzig wahre Lösung.

Ein Beispiel: „Frauen sind die besseren AutofahrerInnen.“ Geschrieben ist es noch verständlich, aber nur gesprochen, führt es genau so zu einer verzerrten Wahrnehmung, wie das generische Maskulinum. Da bleibt dann nur die Möglichkeit immer beide Geschlechter zu nennen. Damit werden alle Texte deutlich länger und weiterhin ist ungeklärt wer zuerst zu nennen ist - die Frauen oder die Männer. Wir könnten nun auch dafür wieder eine Regelung finden. Das Ego liebt Komplexität und es liebt den Kampf zwischen den Geschlechtern - darin hat es eine Jahrtausende lange Erfahrung.

Die WAHRHEIT ist einfach und kann nicht geübt werden,
das Leiden ist sehr kompliziert und muss durch ständiges Wiederholen geübt werden.

Die 26-jährigen Französin Pauline Harmange veröffentlichte im August 2020 einen 96-seitigen Essai Moi les hommes, je les déteste (dt. Ich hasse Männer). Warum das angemessen ist? Weil Männer "gewalttätige, egoistische, faule und feige Wesen" sind, die "uns schlagen, vergewaltigen und töten", so Harmange. Mittlerweile ist daraus ein Buch geworden, das schon in mehrere Sprachen übersetzt wurde und Ende 2020 im Rowohlt Verlag auch in Deutsch unter dem Titel Ich hasse Männer erschienen ist. Pauline Harmange wurde quasi über Nacht berühmt und zum feministischen Superstar, der Guardian berichtete und die New York Times nannte sie sogar das Vorbild einer neuen Generation von Feministinnen. Es sei in Ordnung Männer zu hassen steht in ihrem Buch. Ja, es ist sogar notwendig. Denn nur so können Frauen zu sich selbst und wahrer Schwesternschaft finden. Pauline Harmange kommt immer wieder zu dem Schluss: „Hysterische“ Männerfeindinnen tun sich im Leben leichter. Die Autorin nimmt heterosexuelle Beziehungen auseinander und beleuchtet die Art, wie viele Mädchen auch heute noch erzogen werden. Sie schreibt: "Wenn wir alle männerfeindlich würden, könnten wir einen großen, schönen Reigen bilden. Wir würden merken (vielleicht anfangs nicht ohne einen kleinen Wermutstropfen), dass wir die Männer tatsächlich nicht brauchen. Ich glaube, wir können eine ungeahnte Macht freisetzen, uns weit über den Blick der Männer und die männlichen Ansprüche aufschwingen - und endlich zu uns selbst finden.“ Pauline Harmange bloggt und denkt seit 10 Jahren über feministische Themen nach. Sie ist selbst glücklich mit einem Mann verheiratet. Außerdem liebt sie ihren Ehemann. Wie?! Vielleicht, so Harmange, habe sie allerdings nur geheiratet, weil sie als bisexuelle Frau früh mit Homophobie konfrontiert war. Gemeinsam "dekonstruieren" sie nun seine Männlichkeit. Die Fortschritte stellen sie zwar nicht zufrieden, wegen der Mittelmäßigkeit des Mannes sei keine gleichberechtigte Beziehung möglich. Andererseits könne er doch nichts dafür, wurde er ja nicht zu emotionaler Reflexion erzogen.

"Sei ehrlich: Fällt es dir nicht schwerer zu sagen: »Ich liebe« als: »Ich hasse«? Du assoziierst Liebe mit Schwäche und Hass mit Stärke, und deine eigene wirkliche Macht erscheint dir als deine wirkliche Schwäche. Denn du könntest deine freudige Reaktion auf den Ruf der Liebe nicht kontrollieren, wenn du ihn hörtest, und die ganze Welt, die du gemacht zu haben glaubtest, würde verschwinden. Der HEILIGE GEIST scheint also deine Festung anzugreifen, denn du möchtest GOTT ausschließen, und ER will nicht ausgeschlossen werden.

Du kannst den Wahnsinn akzeptieren, weil du ihn gemacht hast, aber die Liebe kannst du nicht akzeptieren, weil du sie nicht gemacht hast. Du möchtest lieber ein Sklave der Kreuzigung sein als ein SOHN GOTTES in der Erlösung. Dein individueller Tod scheint wertvoller zu sein als dein lebendiges Einssein, denn was dir gegeben wurde, ist dir nicht so teuer wie das, was du gemacht hast. Du hast vor GOTT mehr Angst als vor dem Ego, und die Liebe kann nicht einkehren, wo sie nicht willkommen ist. Aber der Hass kann es, denn er dringt aus eigenem Willen ein und kümmert sich nicht um deinen."


(EKIW: Kapitel 13, III. 3.&5.)

Das Gebet zur Eröffnung des 117. Kongresses in den USA am 3. Jänner 2021 endete mit «amen and a-women». Es klingt wie ein schlechter Witz, ist aber wahr. Hier steigert sich Gendern zum Wahn. Denn «Amen» hat nichts mit «Männern» zu tun, sondern stammt aus dem Hebräischen und bedeutet: «So soll es sein.» Der etymologische Wortstamm bedeutet «Wahrheit». Es ist eine Bekräftigungsformel, die gendergerecht in allen abrahamitischen Religionen gilt. Das Gebet sprach der demokratische Kongressabgeordnete Emanuel Cleaver. Cleaver ist Pastor der United Methodist Church. Selbst ein Pastor erschrickt beim Anblick der drei Buchstaben «m», «e» und «n» und versucht sie, auf Teufel komm raus, zu gendern.

Was sich dahinter verbirgt ist die egoische Idee der Schuld. Diese Idee drückt sich am besten im christlichen Mantra von der Schuld - dem Schuldbekenntnis - aus: „Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld.“ Selbst wir „Frauenversteher“ haben die Idee der Schuld gegenüber den Frauen schon so verinnerlicht, dass wir versuchen uns nun durch exzessives gendern davon zu befreien.

Im Jahr 2020 sind die drei mächtigsten Personen in Europa Frauen - Angela Merkel (herausragende deutsche Bundeskanzlerin), Ursula von der Leyen (Präsidentin der Europäischen Kommission) und Christine Lagarde (Präsidentin der Europäischen Zentralbank). Was braucht es noch, um dem Kampf der Geschlechter, dem Spiel von Schuld und Opfer, endlich ein Ende zu setzen?

Es braucht die Erkenntnis, dass "Gleichstellung" und "Gerechtigkeit" in einer fragmentiert wahrgenommenen Welt grundsätzlich nicht möglich sind. "Gleichstellung" und "Gerechtigkeit" sind lediglich subjektive Empfindungen und damit ständigen Schwankungen unterworfen. Gleichstellung und Gerechtigkeit sind überhaupt nicht das Problem, das Problem ist die fragmentierte Wahrnehmung. Es geht nicht darum Männer und Frauen gleich zu stellen, sondern darum, aus der fragmentierten Wahrnehmung der Welt zu erwachen, um zu erkennen, dass es nur einen von UNS gibt. Wenn wir uns als Einheit wahrnehmen, fallen alle Unterscheidungen von Mann und Frau, weiß und schwarz, jung und alt und so weiter und so weiter, komplett weg. Die Wahrheit ist absolut einfach. Das Ego erschafft hingegen eine scheinbare Komplexität, um von der Einfachheit der Wahrheit abzulenken.

Hüte dich vor der Versuchung, dich als ungerecht behandelt wahrzunehmen. Aus dieser Sicht versuchst du eine Unschuld zu finden, die nicht die IHRE ist, sondern allein die deine, und zwar auf Kosten der Schuld eines anderen. Kann Unschuld dadurch erworben worden, dass du einem anderen deine Schuld gibst? Und ist es Unschuld, die dein Angriff auf ihn zu bekommen versucht? Ist es nicht Vergeltung für deinen eigenen Angriff auf den GOTTESSOHN, die du suchst? Ist es nicht sicherer zu glauben, du seist dessen unschuldig und deiner Unschuld ungeachtet zum Opfer gemacht worden? Auf welche Art das Schuldspiel auch gespielt wird, es muss Verlust geben. Jemand muss seine Unschuld verlieren, damit ein anderer sie ihm nehmen kann, um sie zu seiner eigenen zu machen.“
(EKIW: Kapitel 26, X. 4.)

3. Das was sich hinter diesen ganzen Diskussion des Genderns verbirgt, ist die stärkste Identifikation des Egos überhaupt - jene mit dem Körper.

Nur das Gewahrsein des Körpers ist es, das die Liebe begrenzt erscheinen lässt. Denn der Körper ist eine Begrenzung der Liebe. Der Glaube an begrenzte Liebe war sein Ursprung, und er wurde gemacht, dass Unbegrenzte zu begrenzen. Denk nicht, dass das bloß allegorisch ist, denn er wurde gemacht, um dich zu begrenzen. Kannst du, der du dich selbst in einem Körper siehst, dich als eine Idee erkennen? Alles, was du siehst, identifizierst du mit Äußerlichkeiten, mit etwas außerhalb seiner selbst. Du kannst nicht einmal an GOTT ohne einen Körper denken oder irgendeine Form, die du zu begreifen glaubst.
(EKIW: Kapitel 18, VIII. 1.)

Die Religion des Egos ist die Dualität. Es lebt von Konflikten scheinbarer Gegensätze. Daher liebt das Ego die Unterscheidung der Geschlechter. Jahrtausende lang haben wir dies getan, indem wir uns eine Welt erschaffen haben, in der Frauen schlechter als Männer behandelt wurden. In unserer jetzigen Zeit - in der es nur noch staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften erlaubt ist, die Gleichheit von Mann und Frau zu leugnen - haben wir uns einen neuen Altar für den Kampf der Geschlechter geschaffen, den Kampf um soziale geschlechtsspezifische Aspekte und deren Gleichstellung.

Das Ego lebt von der Idee moralischer Besonderheit. Umso exaltierter die eigene Geschlechtsidentität und Sexualidentität ist, umso besonderer fühlt es sich. Es feiert seine Besonderheit bei Gay-Pride-Parades (pride = der Stolz, Hochmut, Überheblichkeit) und im Scheinwerferlicht auf den Bühnen dieser Welt und tanzt, wie einst auf der Titanic, in den Untergang. Viele sogenannte Hochkulturen haben diesen Punkt erreicht und sind dann untergegangen (Altes Ägypten, Babylonisches Reich, Antikes Griechenland, Römisches Reich, …).

Das Ego wiederholt dabei immer nur die Vergangenheit. Zuletzt kam es in den sogenannten “Goldenen Zwanzigern”, einem kurzen euphorischem Lebensgefühl von 1925 bis 1928, zu einer Polarisierung beim Thema Sexualität. Es gab plötzlich eigene Zeitschriften für homosexuelle Männer, für homosexuelle Frauen und eine Zeitschrift mit dem Titel “Das dritte Geschlecht”. Dem Ego sind zwei Geschlechter einfach nicht genug, es will immer mehr, mehr von allem - sein Lebens(t)raum ist das Mehr.

Der Kurs verweist ganz klar darauf, dass es keine Grade gibt. Das Ego versucht gerade mit Hilfe des Geschlechts und der Sexualität neue moralische Grade zu etablieren. So abstrus das klingt, so glühend wird die neue Menschentrennung von ihren Missionaren dennoch vertreten - wahr ist, was wahr gemacht wird. Die wichtigsten Leitsätze lassen sich leicht formulieren: Frau ist besser als Mann. Nichtweiß ist besser als weiß. Homosexuell ist besser als heterosexuell. Transsexuell wiederum ist besser als homosexuell. Eine neue Form des Rassismus getarnt als Toleranz.

Es findet ein Opferwettbewerb statt, wobei sich die verschiedenen Opfer-Bonus-Punkte problemlos addieren lassen und wechselseitig verstärken. Genau dies meint das neue Zauberwort Intersektionalität: Eine lesbische, nichtweiße, junge Frau hat wesentlich mehr moralische Autorität als ein alter, weißer, heterosexueller Mann. Warum heißt es plötzlich #BlackLivesMatter und nicht #AllLivesMatter? Es wird aus komplexen Themen wie Migration, Arbeitslosigkeit, Bildung, Gewalt und Drogen plötzlich eine reine Schwarz-Weiß-Diskussion. Das Ego liebt diese Art der Polarisierung, es lebt von der Idee "Wir und die Anderen", egal ob es sich mit einem Körper weißer oder schwarzer Hautfarbe identifiziert.

Dabei gilt die Regel: Die moralisch besser gestellte Person kann die minderbemittelte verstehen, aber nicht umgekehrt. Darum darf sie dieselbe auf einer Party oder in einem Film auch mimen, während der umgekehrte Fall mittlerweile undenkbar geworden ist. Die höhere moralische Stellung beruht zugleich auf einem höheren moralischen Wissen.

Das Gedicht, das die Afroamerikanerin Amanda Gorman zur Amtseinführung von Joe Biden am 20. Januar 2021 vortrug, rührte die Welt. Problematisch wurde es bei seiner Übersetzung in andere Sprachen, etwa in den Niederlanden, wo die junge, weiße Autorin Marieke Lucas Rijneveld den Auftrag erhielt. Nach lauten Protesten, eine Weiße könne unmöglich die Worte einer Schwarzen übersetzen, gab sie auf und trat vom Auftrag zurück. In diesem Fall nutzte ihr selbst ihre Identifikation mit der nichtbinären Geschlechtsidentität nichts, Schwarz verkörpert zurzeit die höhere moralische Stellung.

Die Regel von der moralischen Stellung und dem moralischen Wissen lässt sich auch so formulieren: Das "Opfer" hat immer recht und wer das Opfer ist bestimmt jeder selbst. Wenn das "Opfer" immer recht hat und sämtliche Muslime als Unterdrückte einer islamophoben Gesellschaft eingestuft werden, sind auch Islamisten Opfer. Ganz egal, ob sie selber Rassisten, Sexisten, Antisemiten, Gewalttäter oder alles zusammen sind.

Wir begehen immer öfter einen genetischen Fehlschlusses. Wir beschäftigten uns nicht mit der Geltung einer Aussage, sondern mit deren Urheber. Wir neigen dazu auf die Aussage "Die Erde ist rund" zu antworten "Du sagst das nur, weil du ein weißer, alter Mann bist." Wir gehen davon aus, dass der Andere ein Dreckskerl ist, und zeigen dann, wie seine Arbeiten, seine Gedanken, von seinem Charakter besudelt sind.

Die rechtsextremen Ideen von der nordisch-germanischen Herrenrasse sind hinlänglich bekannt. Das Ganze gibt es aber auch in schwarz. Die Nation of Islam (NOI), auch bekannt als Black Muslims behaupten, das die Entstehung der weißen Rasse das Ergebnis von Jahrhunderte langer „Züchtung“ eines „bösen“ schwarzen Wissenschaftlers sei. Die Weißen waren von Anfang an unzivilisierte Wilde, die Propheten, wie Mose, Jesus und Mohammed vergeblich versuchten zu bekehren. Das Urvolk soll nach dieser Genese der Stamm von Shabazz sein, von welchem die Afroamerikaner, und alle dunkelhäutigen Menschen, direkt abstammen. Wallace Fard Muhammad, der Gründer der Nation of Islam, wird als Reinkarnation Allahs verstanden. Für die „weißen Teufel“ sagte Elijah Muhammad, 42 Jahre lang Leiter der Nation of Islam, dagegen eine dunkle Zukunft voraus. Er versprach, alle von ihnen zu verbrennen, kein einziger würde übrigbleiben. Viele Rap-Musiker, etwa Public Enemy (Professor Griff, Chuck D.), Ice-T, Ice Cube (Vermögen: 160 Millionen US-$), Snoop Dogg (Vermögen: 170 Millionen US-$) oder Sister Souljah ("If black people kill black people every day, why not have a week and kill white people?"), stehen bzw. standen der Organisation nahe.

Wir merken nicht, wie rassistisch wir sind, wenn wir glauben, für die Schwarzen oder für die Ausländer zu sprechen. Diese Form des bevormundenden, positiven Rassismus akademisch-linksidentitärer Prägung unterscheidet sich nicht vom rechtsidentitären Rassismus. Identitäres Denken - egal, ob linker, liberaler oder rechter Prägung - heißt eben grundsätzlich, nicht urteilsfrei vom Mitmenschen auszugehen, sondern von positiven oder negativen Herkunfts-, Religions- und Geschlechter-Vorurteilen. Jede Fragmentierung ist vom Ego - die WAHRHEIT ist Einheit.

Es ist immer das gleiche Spiel: Die Welt wird fragmentiert wahrgenommen und aus der Identifikation mit einem dieser Fragmente wird eine Identität erschaffen. Das Fragment kann die Zugehörigkeit zu einer "Rasse", einer Nation, eines Glaubens, eines Geschlechts oder eine Hautfarbe sein. Die Identität an sich, also die Identifikation mit was auch immer, ist das Problem und nicht die Lösung! Erlösung bedeutet sich aus aller Identifikation zu lösen und sich nicht im Kampf der Illusion zu verstricken.

Die fragmentierte Wahrnehmung der Welt wird immer weiter ausdehnt und damit hyperspezifisch gemacht. Wohin dies führt zeigte sich im Sommer 2021 in Frankreich in ganz skurriler Form. Mobbing und Stimmungsmache gegen Zehn- und Elfjährige hatten in Frankreich Verwirrung ausgelöst. Im Mittelpunkt der Debatte stand dabei der Hashtag „#Anti2010“, der sich gegen Kinder richtete, die 2010 geboren wurden. In den sozialen Netzwerken und besonders auf der Plattform TikTok wurde ihnen sogar gedroht.

Die Regenbogenfahne ist eine Form des Regenbogens als Symbol. Sie steht mittlerweile weltweit für Toleranz und Akzeptanz, der Vielfalt von Lebensformen, der Hoffnung und der Sehnsucht. Sie ist allerdings gleichzeitig ein wunderbares Symbol dafür, wie raffiniert uns die Stimme des Egos immer wieder von der Wahrheit abzulenken versucht. Der Regenbogen, ein atmosphärisch-optisches Phänomen, entsteht dadurch, dass das weiße Sonnenlicht an Regentropfen abgelenkt und in Licht mehrerer Farben zerlegt wird. Aus Einheit, dem weißen Licht als Symbol für Gott, wird Vielfalt und damit Trennung. Die Vielfalt führt zum Kampf zwischen den unterschiedlichen Teilen des Ganzen. Der Vielvölkerstaat Jugoslawien ist erst Ende des 20. Jahrhunderts in einem Krieg versunken.

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"Das ganze geistige Universum wird durch die Hand des Atheismus zersprengt und zerschlagen in zahlenlose quecksilberne Punkte von Ichs, welche blinken, rinnen, irren, zusammen- und auseinanderfliehen, ohne Einheit und Bestand.", schrieb schon im 18. Jahrhundert der deutsche Schriftsteller Jean Paul. Unsere fragmentierte Wahrnehmung der Welt - also Vielfalt - ist die Ursache von Krieg. Wir müssten erst gar nicht um Toleranz kämpfen, wenn wir uns nicht als getrennt wahrnehmen würden. Wir werden auf der Ebene von Vielfalt keinen dauerhaften Frieden finden - der Friede wartet in der EINHEIT auf uns!

Doch je mehr wir in einer klar definierten, keine Abweichungen duldenden Bubble von Identitätspolitik leben, sei diese nun linker, rechter, liberaler oder queerer Art, desto mehr haben wir Angst, Widersprüche, die uns innerhalb der Bubble plötzlich auffallen, zu benennen. Das führt zu Komplexitätsverdrängung, bubblespezifischer Gefallsucht, dann Selbstzensur und letztlich zu einem von Doppelmoral durchdrungenen Freund-und-Feind-Denken. Moralische Selbsterhöhung ist Ausdruck der egoischen Idee der Trennung. Identitätspolitik befördert genau das, was sie zu überwinden behauptet: das Trennende.

„Identität in Träumen ist bedeutungslos, weil nämlich Traum und Träumer eins sind.“
(EKIW: Kapitel 28, IV. 5. 4.)

4. Wir befinden uns gerade am Höhepunkt des individuellen Ego-Wahns und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass dieser auch nicht vor dem biologischen Geschlecht halt macht. Das Ego hat dafür den Begriff Geschlechtsidentität erfunden. Das Ego identifiziert sich nicht nur mit seinem Körper und dem biologischen Geschlecht, sondern es hat zusätzlich weitere Ebenen der Identifikation eingeführt.

Auf dem spirituellen Weg geht es genau um das Gegenteil - darum sich von jeder Identifikation zu lösen. Diese ganze Komplexität beim Thema Geschlecht und Sex ist nicht von Gott. Komplexität ist vom Ego und nichts anderes als der Versuch des Ego, das Offensichtliche zu verschleiern. Das Ego liebt Komplexität und lebt von Identifikation und Trennung.

"Das Ego erkennt nicht, was es zu lehren versucht. Es versucht, dich zu lehren, was du bist, ohne zu erkennen, was du bist. Nur in der Verwirrung ist es ein Experte. Etwas anderes versteht es nicht. So ist das Ego denn als Lehrer völlig verwirrt und völlig verwirrend."
(EKIW Kapitel 8, II. 1.)

An Geschlechtsidentitäten gibt es aktuell cisgender (Mann oder Frau), transsexuell, intersexuell, nicht-binär, genderqueer, genderfluid, bigender, Demigirl & Demiboy, agender und neutrois.

An sexuellen Identitäten, früher als sexuelle Orientierungen bezeichnet, gibt es Heterosexuell, Homosexuell / schwul, Homosexuell / lesbisch, Bisexuell, Asexuell, Omnisexuell / pansexuell, Androsexuell, Gynosexuell, Autosexuell und Demisexuell.

Und dem noch nicht genug, gibt es dann noch die unterschiedlichsten Beziehungsformen. Da gibt es Monogamie, Mingle, Living apart together, Polyamory, BDSM-Beziehungen und Requiesoromantisch.

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Das Ego nimmt eine fragmentierte Welt war und treibt diese Fragmentierung immer mehr auf die Spitze. Facebook bietet seinen deutschen Nutzern seit 2014 eine riesige Auswahl bei der Beschreibung ihres Geschlechts. In Österreich stehen die Änderungen "noch nicht zur Verfügung", hieß es bei Facebook auf APA-Anfrage. Das Unternehmen plane aber auch hier eine Umstellung. Die neue Option mit der Bezeichnung "benutzerdefiniert" soll 60 Auswahlmöglichkeiten bieten, die Facebook gemeinsam mit dem Lesben- und Schwulenverband ausgearbeitet hat. Neben „Frau“ und „Mann“ gibt es unter „benutzerdefiniert“ künftig die folgenden 60 Auswahlmöglichkeiten:

Androgyner Mensch, androgyn, bigender, weiblich, Frau zu Mann (FzM), gender variabel, genderqueer, intersexuell (auch inter*), männlich, Mann zu Frau (MzF), weder noch, geschlechtslos, nicht-binär, weitere, Pangender, Pangeschlecht, trans, transweiblich, transmännlich, Transmann, Transmensch, Transfrau, trans*, trans* weiblich, trans* männlich, Trans* Mann, Trans* Mensch, Trans* Frau, transfeminin, Transgender, transgender weiblich, transgender männlich, Transgender Mann, Transgender Mensch, Transgender Frau, transmaskulin, transsexuell, weiblich-transsexuell, männlich-transsexuell, transsexueller Mann, transsexuelle Person, transsexuelle Frau, Inter*, Inter* weiblich, Inter* männlich, Inter* Mann, Inter* Frau, Inter* Mensch, intergender, intergeschlechtlich, zweigeschlechtlich, Zwitter, Hermaphrodit, Two Spirit drittes Geschlecht, Viertes Geschlecht, XY-Frau, Butch, Femme, Drag, Transvestit, Cross-Gender.

"Doch ist das nur vom Standpunkt des Ego aus so, denn das Ego glaubt an die Lösung von Problemen durch Fragmentierung und nimmt die Situation nicht als Ganzes wahr. Deshalb sucht es Segmente von der Situation abzuspalten und sich gesondert mit ihnen zu befassen, denn es setzt seinen Glauben in die Getrenntheit und nicht in die Ganzheit."
(EKIW: Kapitel 17, VI. 6. 9.&10.)

"Die Angst ist sowohl ein fragmentiertes als auch ein fragmentierendes Gefühl. Sie scheint viele Formen anzunehmen, und jede scheint eine andere Form des Ausagierens zur Befriedigung zu erfordern. Während dies ein sehr wechselhaftes Verhalten herbeizuführen scheint, liegt eine weitaus ernstere Wirkung in der fragmentierten Wahrnehmung, aus welcher das Verhalten stammt. Niemand wird als vollständig gesehen. Der Körper wird betont, wobei bestimmte Teile besonders hervorgehoben und als Vergleichsbasis des Annehmens oder der Zurückweisung verwendet werden, um eine bestimmte Form der Angst auszuagieren."
(EKIW: Kapitel 18, I. 3. 3.-7.)

"Die Wahrheit kämpft nicht gegen Illusionen, noch kämpfen Illusionen gegen die Wahrheit. Illusionen kämpfen nur gegen sich selbst. Da sie fragmentiert sind, fragmentieren sie. Die Wahrheit jedoch ist unteilbar und liegt weit jenseits ihrer kleinen Reichweite."
(EKIW: Kapitel 23, I. 7. 3.-6.)

Auch medizinische Eingriffe, um das biologische Geschlecht der Geschlechtsidentität anzupassen, sind mittlerweile völlig normal. Dahinter steht die körperliche Sicht des Egos. Es glaubt tatsächlich es könnte sein Glück im Körper finden, auch wenn allgemein bekannt ist, dass der Körper mit ungefähr 25 Jahren zu verfallen beginnt und unweigerlich auf den Tod zusteuert. Eine Verwirrung hinsichtlich des eigenen Geschlechts ist kein körperliches Problem, sondern ein geistiges. Die Verwirrung im Geist gilt es zu heilen! Es gilt an der Ursache anzusetzen und nicht an der Wirkung. Der Versuch mit Veränderungen auf der Ebene der Form sein Glück zu finden ist ein grundsätzliches Missverständnis. Damit lässt sich nur die Ware Glück - diese winzig kleinen, zeitlich begrenzten, Glücksmomente - erkaufen, aber das wahre, zeitlose Glück bleibt unerreicht. Was die Welt der Formen betrifft gibt es im Kurs eine wunderbare Übung:

"Lass alle Dinge genau so sein, wie sie sind."
(EKIW: LEKTION 268)

Für all die egoischen Spielarten von Geschlechtsidentitäten, sexuellen Identitäten und Präferenzen braucht es eigene sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten, um Forderungen an seine Mitmenschen stellen zu können, wie die Forderung nach eigenen Toiletten und Quotenregelungen bei der Besetzung von Gremien oder Stellen - bei 60 Geschlechtsidentitäten ein endloses Drama. Dies bietet dem Ego ein weiteres Schlachtfeld im Kampf um nichts.

"Man könnte die Ziele, die du jetzt wahrnimmst, auch so beschreiben, dass man sagt, sie drehen sich alle um »persönliche« Interessen. Da du keine persönlichen Interessen hast, drehen sich deine Ziele tatsächlich um nichts. Wenn du an ihnen festhältst, hast du folglich überhaupt keine Ziele. Und darum weißt du nicht, wozu irgend etwas dient."
(EKIW: Lektion 25, 3.)

Epilog

Carel van Schaik, ein niederländischer Zoologe und Anthropologe, der seit 2004 als Professor und Direktor des Instituts und des Museums für Anthropologie an der Universität Zürich wirkt, sagt:

"99 Prozent der Evolutionsgeschichte lang war Gleichberechtigung die Normalität. Selbst Biologieskeptiker sollten damit kein Problem haben. Wie viele Leute glauben denn wirklich, dass das Geschlecht überhaupt nichts mit der Biologie zu tun habe?
Bei den Jägern und Sammlern traten Männer meist bescheiden und höflich auf. In den Gruppen der Jäger und Sammler gab es keine Alphatiere. Dass gewalttätige Männer herrschen, gilt erst seit weniger als zehntausend Jahren, also seit die Menschen Landwirtschaft betreiben und Eigentum verteidigen mussten."


An dieser Aussage lässt sich wunderbar die Entwicklung des Egos ablesen. Erst als die Identifikation mit persönlichem Besitz entstand, entstand auch der Kampf zwischen den Geschlechtern.

Seit einigen Jahrzehnten beschäftigen sich unzählige Bücher und Seminare mit dem "Mann sein" beziehungsweise "Frau sein". Wir unterscheiden zwischen weiblichen und männlichen Qualitäten, anstatt einfach nur von Qualitäten zu sprechen, wie beispielsweise den zehn Eigenschaften der Lehrer Gottes. Wir machen aus der egoischen Identifikation mit unserem Körper ein riesiges Theater. Selbst beim Thema Spiritualität macht die egoische Fragmentierung der Welt nicht halt, selbst dort tauchen Konzepte von männlicher und weiblicher Spiritualität auf. Dabei geht es am spirituellen Weg genau um das Gegenteil, um die (Er-)Lösung von aller Identifikation, um die Erlösung von der Wahrnehmung einer fragmentierten Welt und der Hinwendung zur EINHEIT. Wir sind kein Körper und haben kein Geschlecht. Selbst auf der Ebene des individuellen Bewusstseins ist eine Loslösung von der Identifikation mit dem Körper möglich. Dies ist, hier auf Erden, der wichtigste Schritt auf dem Weg zurück in die Einheit des REINEN GEISTES.

Transgender und Transsexualität sind Ausdruck einer egoischen Identifikation, sind Ausdruck der egoischen Idee einer Geschlechtsidentität. Das wunder-volle an diesen Begriffen ist ihr impliziter Verweis auf die WAHRHEIT, von dem aber das Ego nichts wissen will. Diese Begriffe verweisen darauf, worum es wirklich geht, nämlich darum, über die Idee ein Körper zu sein und damit über die Idee Geschlecht hinaus zu gehen. Das lateinische Wort "trans" bedeutet „jenseits von, darüber hinaus“ und das englische Wort "gender" bedeutet "Geschlecht".

Natürlich gibt es Menschen bei denen die Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig ausgeprägt sind. Das hat es immer schon gegeben und wird es auch immer geben. Neben nicht eindeutig ausgeprägten Geschlechtsmerkmalen gibt es allerdings die unterschiedlichsten körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen mit denen Menschen konfrontiert sind. Es gibt siamesische Zwillinge, es gibt Menschen die ohne Arme und Beine zur Welt kommen, es gibt die Spaltbildungen des Rumpfes, es gibt die Glasknochenkrankheit, es gibt Menschen mit multiplen Persönlichkeiten, es gibt Schizophrenie, usw. usw. Es ist nur einfach nicht zielführend aus jeder Beeinträchtigung eine eigene neue Identität abzuleiten.

Das für das Zusammenleben in einer Gesellschaft einigermaßen relevante Merkmal ist das biologische Geschlecht (X-Chromosomen bzw. Y-Chromosomen), denn das kann in einem medizinischen Notfall von Bedeutung sein und in einem Kriminalfall lässt sich dadurch mit einer DNA-Analyse erkennen ob der Täter eine Frau oder ein Mann war, was die Aufklärung eines Verbrechens erleichtert. Deswegen wird es in offiziellen Daten zur Person aufgezeichnet. Wenn wir uns jetzt aber auf zig Geschlechtsidentitäten einigen, brauchen wir die ganze Unterscheidung überhaupt nicht mehr - und das ist es auch - worum es in Wahrheit geht.

Auf der Ebene der Welt gibt es zwei biologische Geschlechter, doch selbst sie stehen von Natur aus in keinem Kampf, sondern ergänzen und durchdringen einander, wie es im alten chinesischen Symbol von Yin und Yang zum Ausdruck kommt. Da unser wahres Sein nicht unser Körper ist, ist selbst das biologische Geschlecht bedeutungslos.

"Der Körper wurde nicht von der Liebe gemacht. Die Liebe aber verurteilt ihn nicht und kann ihn liebevoll verwenden, indem sie respektiert, was GOTTES SOHN gemacht hat, und es verwendet, um ihn von Illusionen zu erlösen."
(EKIW: Kapitel 18, VI. 4.)

Der Weg in die Freiheit - eine Erfahrung

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Im Februar 2004 nahm ich an einer Vision-Quest auf der Karibik-Insel Grenada teil. Wir wohnten im Cabier Vision Guesthouse (siehe Foto), das mittlerweile erweitert wurde und nun Cabier Ocean Lodge (www.cabier.com) heißt und direkt an der Atlantikküste liegt.

Ich teilte mir mit einem Freund ein einfaches Zimmer mit Balkon. Im Morgengrauen des ersten Tages der Auszeit war ein gemeinsames Ritual geplant, bevor jeder für sich allein seinen Platz für die dreitägige Auszeit, im tropischen Dschungel Grenadas, aufsuchte.

Wir hatten zu diesem Zeitpunkt fast eine Woche Vorbereitung auf die Auszeit hinter uns und so waren wir schon freudig erregt, als wir früh morgens das Zimmer verlassen wollten. Doch siehe da - obwohl es die ganze Woche nicht das geringste Problem mit dem Zimmer gegeben hatte, bekamen wir die Tür nicht auf. Es war uns absolut unmöglich die Tür zu öffnen. Was sollten wir tun? Wir sahen nur eine Möglichkeit, nämlich von unserem Balkon auf den Balkon des Nachbarzimmers zu klettern und bei den dort wohnenden weiblichen Seminarteilnehmerinnen an die Balkontür zu klopfen. Dieses Manöver gelang und so gelangten wir durch das Zimmer der Frauen ins Freie.

In der dreitägigen Auszeit hatte ich genug Zeit über dieses wundervolle Erlebnis nachzudenken und konnte eine ganz klare Symbolik darin erkennen. Der Weg in die Freiheit führt durch den Raum der Frauen. Der Weg in die Freiheit führt über die Verbindung von männlich und weiblich, über den Ausgleich, die Vereinigung von männlich und weiblich, in die Transzendenz der Dualität.

Ein Zusammenwirken beider Pole ist notwendig um wahre Erlösung zu finden. Die Revolution der Gleichberechtigung der Frauen war segensreich und notwendig, aber nun geht es darum, den nächsten Schritt der Evolution zu gehen. Raus aus dem Kampf! Manche Frauen haben im Kampf der Geschlechter lange Zeit versucht die besseren Männer zu sein und manche Männer haben, von Schuldgefühlen getrieben, versucht besonders weiblich zu sein. Es wird Zeit für Versöhnung, Zeit für Vergebung.

Frauen werden niemals Männer sein und Männer niemals Frauen. Und dennoch tragen beide Geschlechter männliche und weibliche Attribute in sich, die dazu beitragen, ja sogar animieren, sie im Innersten zu vereinen, die Einheit, die heilige Hochzeit im Inneren zu vollziehen und dann im Außen keinen Krieg mehr zu führen, mit dem Ziel eines Tages wieder in die Einheit zu verschmelzen mit dem anderen Teil. Schuld erlöst sich durch Vergebung im eigenen Inneren, in der Hingabe an GOTT.



Persönlichkeit

Wenn Du diese Seiten liest dann kann Deine Persönlichkeit wahrscheinlich folgendermaßen beschrieben werden:

„Du bist auf die Zuneigung und Bewunderung anderer angewiesen, neigst aber dennoch zu Selbstkritik. Deine Persönlichkeit weist einige Schwächen auf, die Du aber im Allgemeinen ausgleichen kannst. Beträchtliche Fähigkeiten lässt Du brachliegen, statt sie zu Deinem Vorteil zu nutzen. In Deiner sexuellen Entwicklung hat es Schwierigkeiten gegeben. Äußerlich diszipliniert und selbstbeherrscht, neigst Du dazu, Dich innerlich ängstlich und unsicher zu fühlen. Mitunter zweifelst Du stark an der Richtigkeit Deines Tuns und Deiner Entscheidungen. Du bevorzugst ein gewisses Maß an Abwechslung und Veränderung und bist unzufrieden, wenn Du von Verboten und Beschränkungen eingeengt wirst. Du bist es gewohnt unabhängig zu denken und nimmst anderer Leute Aussagen nicht unbewiesen hin. Es gibt eine Seite Deiner selbst die Du nur Deinen engsten Freunden und Liebsten zeigst. Du magst soziale Interaktionen, brauchst aber auch regelmäßig Zeit für Dich allein. Einige Deiner Hoffnungen sind ein wenig unrealistisch. Die Basis für Dein Leben bildet ein gewisses Maß an Sicherheit.“

Link zu Deinem ausführlichen persönlichen Horoskop

Wir fühlen uns durch diesen Text meist ganz gut beschrieben. Es handelt sich dabei um den in der Psychologie beschriebenen Forer-Effekt. Er bezeichnet die Neigung von uns Menschen, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person so zu interpretieren, dass sie als zutreffende Beschreibung empfunden werden. Dieses psychologische Phänomen wird auch als Täuschung durch persönliche Validierung bezeichnet.

Bei dem im Link angeführten Horoskop handelt es sich um ein, für den WDR im Jahr 1997 mit einem Computer erstelltes, Horoskop des, am 25. 10. 1879 um 18 Uhr in Hannover geborenen, Serienmörders Fritz Haarmann. In einem Versuch für den WDR wurde Interessenten ein persönliches Horoskop angeboten. Mehr als 200 Interessierte nahmen teil. Sie erhielten aber alle ein und dasselbe Horoskop und zwar das des Massenmörders Fritz Haarmann, der in den 30er Jahren 24 junge Männer auf brutalste Weise ermordete - ein Mensch mit dem sich sicherlich niemand gerne identifiziert. Auf einem Fragebogen sollten die Interessierten das Horoskop bewerten: Die Frage lautete: "Erkennen Sie sich in diesem Horoskop wieder?". Das Ergebnis: 76 Prozent aller Interessenten antworteten mit "Ja, mein Charakter wird korrekt beschrieben", 15 Prozent antworteten sogar mit "Perfekt, es stimmt alles" und nur 9 Prozent gaben an, dass das Horoskop überhaupt nicht passt.

Diese oben angeführten sogenannten Barnum-Aussagen sind beispielsweise in Zeitungshoroskopen enthalten, sodass der US-amerikanische Psychologe Bertram R. Forer bei seinen Testreihen im Jahre 1948 einfach auf Zeitungshoroskope zurückgreifen konnte. Barnum-Aussagen finden auch Verwendung beim Cold Reading und beim Wahrsagen. Die Graphologie, das allseits beliebte Handlesen und diverse Formen von „Energiearbeit“ sind gleichfalls unter dem Aspekt des Barnum-Effekts zu betrachten.

Typische Barnum-Aussagen entstehen unter anderem durch folgende Mittel:
  • Grundängste, die vielen Menschen gemeinsam sind, aber als individuell empfunden werden, weil darüber wenig gesprochen wird. Beispiel: „Für den Schutz Ihrer Kinder würden Sie alles tun.“
  • Weit verbreitete Wünsche, etwa nach einer sicheren Arbeitsstelle, Gesundheit oder einem guten Beziehungsleben: „Du wirst deine Berufung finden.“ „Du wirst wieder gesund werden.“ „Du wirst bald Deinem Seelenpartner begegnen.“„Du wirst eine Erbschaft machen.“ Das mit der Erbschaft ist ein ganz sicherer Tipp, da fast jeder beim Tod seiner Eltern irgendetwas erbt.
  • Aussagen, die zwischen zwei Polen vermitteln; Beispiel: „Sie handeln oft entschlossen, sind aber auch häufig unsicher, wie Sie sich verhalten sollen.“ Die meisten Menschen kennen beides und empfinden daher die Aussage, die keine klare Gewichtung vornimmt, als auf sie zutreffend.
  • Unscharfe Formulierungen wie „Sie neigen zur Faulheit“ finden eher Zustimmung als konkrete wie „Sie haben heute noch nichts geschafft“.
  • Suggerierte Dinge: „Heute könnten Sie jemanden verletzen“ suggeriert eine Falle, und der Empfänger der Botschaft sucht in der Erinnerung einen dazu passenden Vorgang, der als Bestätigung gewertet wird - ohne auf den Gedanken zu kommen, ebenso bewusst nach Gegenbeispielen zu suchen.

Diese, so „treffenden“ Aussagen, lassen sich machen, wenn wir über die betreffende Person überhaupt nichts wissen - dem sogenannten „Cold Reading“. Wenn wir dann noch Informationen über die Person haben und wenn uns vielleicht sogar noch gegenüber sitzt, lassen sich umso treffendere Aussagen machen. Wenn wir mit dem Enneagramm vertraut sind und den Enneagramm-Typ des Gegenübers erkennen, wissen wir, bezüglich der Persönlichkeitsstruktur des Gegenübers, meist mehr als die Person selbst. Dann wissen wir ganz genau was das Gegenüber hören will und deswegen ist der Effekt des sogenannten „Hot Reading“ so verblüffend.

Das Ego funktioniert nach ganz einfachen Prinzipien - es sehnt sich nach Anerkennung, nach gesehen und verstanden werden, nach Selbstbestimmung und nach Sicherheit. Alles eine Folge seiner tief verwurzelten Erfahrung von Trennung.

Hinter dem Forer-Effekt steht auch die Eigenschaft des Egos in erster Linie an sich selbst interessiert zu sein. Deswegen ist auch die Biografie-Arbeit in der Psychotherapie so beliebt. An der eigenen Biografie kann man ewig arbeiten, das wird nie langweilig.

Außerdem funktioniert unser Ego nach dem in der Psychologie als Mustererkennung bezeichneten Prinzip. In der Sprache des Kurses bedeutet dies, dass das Ego dazu neigt die Vergangenheit zu wiederholen.

Daraus ergeben sich die vier Ecksteine für ein überzeugendes „Reading“:

Manche Menschen die mit diesen Tricks arbeiten sind sich dessen selbst gar nicht bewusst. Sie verwenden ganz unbewusst diese Methoden und sind selbst wirklich von ihren besonderen Fähigkeiten überzeugt. Zu glauben paranormale Fähigkeiten zu besitzen, obwohl es sich nur um gute, aber unbewusste, Menschenkenntnis handelt, nennt man „transcendental choice“. Dahinter verbirgt sich wieder einmal die zentrale Idee des Egos besonders zu sein und das macht es gleichzeitig ganz besonders überzeugend.

Doch keine noch so besondere Persönlichkeit und keine noch so rosige Zukunft kann uns wahre Glückseligkeit bringen. Die Befreiung aus der Illusion der Trennung, aus dem Alptraum des Egos, ist absolute Vergebung in diesem Augenblick - im JETZT. Eine Welt, der vergeben ist, braucht keine Besonderheiten und keine vielversprechende Zukunft, weil der Zustand absoluter Vergebung bereits die Erfüllung ist.

Es gibt selbstverständlich keine unnatürlichen Kräfte, und es ist offensichtlich nur ein Appell an die Magie, eine Kraft zu erfinden, die nicht existiert. Es ist jedoch gleichermaßen offensichtlich, dass jeder einzelne viele Fähigkeiten hat, deren er sich nicht bewusst ist. Wenn sich sein Bewusstsein erweitert, ist es gut möglich, dass er Fähigkeiten entwickelt, die ihm ziemlich überraschend erscheinen. Doch nichts, was er tun kann, kann sich auch nur im geringsten mit der herrlichen Überraschung vergleichen, wenn er sich erinnert, WER er ist. Lass all sein Lernen und all seine Bemühungen auf diese eine große letzte Überraschung gerichtet sein, und er wird sich nicht damit zufrieden geben, durch die kleinen aufgehalten zu werden, die ihm auf dem Weg begegnen mögen.

Die scheinbar neuen Fähigkeiten, die auf dem Weg gesammelt werden mögen, können sehr hilfreich sein. Werden sie dem HEILIGEN GEIST gegeben und unter SEINER Anleitung benutzt, sind sie wertvolle Lehrhilfen. Dafür ist die Frage, wie sie entstehen, unerheblich. Die einzig wichtige Überlegung ist, wie sie verwendet werden. Sie selbst als Zweck an sich zu nehmen - ganz gleich, wie das getan wird - wird den Fortschritt verzögern. Auch liegt ihr Wert nicht darin, irgend etwas zu beweisen - Errungenschaften aus der Vergangenheit, eine ungewöhnliche Einstimmung auf das Unsichtbare oder eine besondere Gunst von GOTT. GOTT erweist keine besondere Gunst - und niemand hat irgendwelche Kräfte, die nicht jedem zur Verfügung stünden. Nur durch Tricks der Magie werden besondere Kräfte demonstriert.


(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 25. 1.&3.)



Besonderheit

Hochbegabt, hochsensibel, hochspirituell, ganz besonders hübsch, ganz besonders erfolgreich, ganz besonders kreativ, neurodivers oder eine besondere sexuelle Identität - nur ja nicht normal, nur ja nicht einfach, sein - ist das Motto unserer Zeit. Noch vor einer Generation war das "besonders sein" ein eher kollektives Phänomen. Völker und Rassen fühlten sich anderen Völkern und Rassen überlegen und damit besonders. Zurzeit ist es die individuelle Besonderheit, die einen Höhepunkt erlebt.

"Don't try so hard to be different."
(The Campaign for Real Rock, Edwyn Collins)

Jesus hat ständig auf Gott verwiesen, sowohl vor 2000 Jahren als auch im Kurs. Er sprach so gut wie nie von seiner Person. In fast allen modernen "spirituellen" Kreisen der letzten Jahrzehnte hingegen ist zwar die Rede davon, dass wir göttliche Wesen seien, aber Gott selbst kommt nicht mehr vor, von dem redet niemand mehr. Dies liegt einfach daran, dass sich das Ego inzwischen selbst für Gott hält. Lange Zeit hielt es sich für Gottes unwürdig, seit den 60er Jahren hält es sich immer mehr selbst für Gott. Beides ist Ausdruck der Trennung von Gott. Wir sind nur - was Gott betrifft - vom Minderwertigkeitskomplex zum Größenwahn übergegangen. Und ein zentraler Ausdruck dieses Größenwahns ist die Idee der individuellen Besonderheit.

Das einzige, was jemals als eine versteckte Überzeugung gehegt wird, die, wenngleich unerkannt, verteidigt werden muss, ist der Glaube an Besonderheit. Dieser nimmt viele Formen an, doch kollidiert er immer mit der Wirklichkeit der Schöpfung GOTTES und mit der Größe, die ER SEINEM SOHN gab. Was sonst konnte Angriff rechtfertigen? Denn wer könnte jemanden hassen, dessen SELBST das seine ist und DEN er erkennt? Nur die Besonderen können Feinde haben, denn sie sind verschieden und nicht dasselbe. Und jede Art von Unterschied zwingt Rangordnungen der Wirklichkeit auf und ein Bedürfnis zu urteilen, dem nicht entronnen werden kann.

Was GOTT erschaffen hat, das kann nicht angegriffen werden, denn es gibt nichts im Universum, das sich nicht gleich ist. Doch was verschieden ist, verlangt nach einem Urteil, und dieses muss von jemand »Besserem« kommen, von jemandem, der unfähig ist, so zu sein wie das, was er verurteilt, jemandem, der »darübersteht« und im Vergleich zu diesem ohne Sünde ist. Und so wird die Besonderheit zum Mittel und zum Zweck in einem. Denn die Besonderheit sondert nicht nur aus, sondern dient auch als Grundlage, von der aus Angriff auf diejenigen, die unter dem Besonderen zu sein scheinen, »natürlich« und »gerecht« ist. Die Besonderen fühlen sich schwach und gebrechlich aufgrund von Unterschieden, denn was sie besonders macht, ist ihr Feind. Dennoch schützen sie diese Feindschaft und nennen sie »Freund«. Zu ihren Gunsten kämpfen sie gegen das Universum, denn nichts in der Welt schätzen sie höher.


(EKIW: Kapitel 24, I. 3.&4.)

Die Beschäftigung mit spirituellen Themen bietet dem Ego ein weites Feld an Möglichkeiten sich mit spirituellem Wissen und spirituellen Konzepten zu identifizieren und sich dadurch besonders zu fühlen. Wenn wir glauben einen Satz, wie den folgenden aus einem spirituellen Text kopierten, zu verstehen, fühlen wir uns besonders: „Die Agenz, das Regime, Muster oder die Form eines sozialen Holons ist ebenso selbstgeneriert, selbstgestaltet, selbstauferlegt, autopoietisch auch, wenn alle Holons von allen vier Quadranten beeinflusst sind.“ Mit derartigen ganz besonderen Konzepten verschleiert das Ego erfolgreich, die einfache Wahrheit, dass Vergebung im JETZT der Weg in die Freiheit ist.

Ein 27-jähriger US-Bürger, Mitglied einer christlichen Kirchengemeinde, wollte das Inselvolk der Sentinelesen bei einem Besuch am 17. November 2018 zum Christentum bekehren. Die Ureinwohner töteten ihn daraufhin mit Pfeilen und vergruben ihn im Sand. Der christliche Missionar wusste, dass seine Reise illegal war. Die Insel ist durch den indischen Staat streng gesetzlich abgeschottet, weil die Sentinelesen als "unkontaktiertes Volk" gelten. Für sie ist nichts gefährlicher, als sich mit Keimen der Außenwelt anzustecken, gegen die ihnen die Immunität fehlt. Diese Menschen wollen keinen Besuch und haben das nun erneut unmissverständlich deutlich gemacht. Der indische Staat hat das Mitte der Neunzigerjahre schon verstanden und die Insel deshalb komplett isoliert, um den Sentinelesen ein Überleben zu ermöglichen.

Die Leiterin dieser Kirche, die International Executive Leader, hat in einem Interview im US-Fernsehen nach dem Vorfall gesagt, dass es der Wille des Missionars war „to share the love of god with the North Sentinel“. Er wusste, dass der Kontakt mit anderen Menschen für dieses „unkontaktierte Volk“ der Tod sein kann. Die Leiterin bestätigte außerdem, dass sie von seinem Vorhaben wussten und es unterstützt haben. Im 21. Jahrhundert ist die Arroganz manch Christlicher Kirchen noch immer ungebrochen. Es herrscht immer noch der Glaube, vom auserwählten Volk und dem alleinigen Privileg auf die Liebe Gottes und der Glaube Ureinwohner hätten dieses Privileg nicht. Im Tagebuch des jungen Missionars ist zu lesen: „Herr, ist diese Insel die letzte Hochburg des Satans, wo niemand Deinen Namen gehört hat oder wenigstens die Chance hatte, ihn zu hören?“

Dieser Vorfall zeigt die Arroganz unserer westlichen Welt, wir die seit Jahrhunderten die sogenannte Dritte Welt ausbeuten und ihr unseren Glauben aufzwingen - sei es nun das kirchliche Christentum, der Glaube an einen strafenden Gott, oder der Kapitalismus, der Glaube an Besitz und Zinsen. Seit vielen Jahrhunderten berauben wir Naturvölker ihres Lebensraumes und rotten sie aus und nun sind wir, mit unserem Wahn vom ewigen Wachstum, auch noch dabei die Lebensgrundlage der gesamten Menschheit zu zerstören und trotzdem glauben wir immer noch, wir wären etwas Besonderes und somit Gott näher, als Völker die im Einklang mit der Natur leben.

Doch auch der Kurs bietet eine verlockende Möglichkeit uns besonders zu fühlen. Wir können es daran erkennen, dass wir unseren Mitmenschen ständig Kurszitate an den Kopf werfen, obwohl wir selbst ganz offensichtlich noch immer tief in der Illusion einer getrennten Person stecken.

"Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders,
aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?
"
(Bibel Einheitsübersetzung, Mt 7,3 & Lk 6,41)

In den 70er und 80er Jahren wurden eine Menge Kommunen gegründet. Es war der Versuch die Illusion von wir-haben-uns-alle-lieb aufrechtzuerhalten, während gleichzeitig alles Negative in die Gesellschaft außerhalb der Kommune projiziert wurde. All diese Kommunen sind gescheitert und deren Anführer teilweise wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht gelandet. Eine Kommune zu gründen, mit der Idee sich von anderen abzugrenzen, und somit einer bösen oder verrückten Welt zu entfliehen, ist ein Gedanke der Trennung. Dahinter steht die Idee von wir und die anderen, von wir sind die Guten und die anderen die Bösen - von wir sind besonders.

Besonderheit ist der große Diktator, der falsche Entscheidungen diktiert. Hier ist die imposante Illusion über das, was du bist und was dein Bruder ist. Und hier ist, was den Körper lieb und teuer und der Erhaltung wert macht. Besonderheit muss verteidigt werden. Illusionen können sie angreifen, und sie tun es. Denn das, wozu dein Bruder werden muss, damit du deine Besonderheit bewahren kannst, ist eine Illusion. Er, der »schlechter« ist als du, muss angegriffen werden, damit deine Besonderheit von seiner Niederlage leben kann. Denn Besonderheit ist Triumph, und ihr Sieg ist seine Niederlage und seine Schande. Wie kann er leben, mit allen deinen Sünden auf ihm? Und wer anders als du muss Sieger über ihn sein?

Wäre es möglich, dass du deinen Bruder hasst, wenn du so wärst wie er? Könntest du ihn angreifen, wenn dir klar wäre, dass du mit ihm zu einem Ziel reist, welches dasselbe ist? Würdest du ihm nicht in jeder dir möglichen Weise helfen, es zu erreichen, wenn sein Dorthingelangen als das deine wahrgenommen würde? Du bist sein Feind in der Besonderheit, aber sein Freund, wenn ihr dasselbe Ziel teilt. Besonderheit kann nie mit andern teilen, denn sie hängt von Zielen ab, die du allein erreichen kannst. Und er darf diese nie erreichen, sonst ist dein Ziel gefährdet. Kann Liebe dort Bedeutung haben, wo Triumph das Ziel ist? Und welche Entscheidung kann dafür getroffen werden, die dich nicht verletzt?


(EKIW: Kapitel 24, I. 5.&6.)

Immer wenn wir einen Menschen danach beurteilen ob er sich mit spirituellen Themen beschäftigt oder nicht, immer wenn wir einen Menschen verurteilen weil er sich anders ernährt als wir, immer wenn wir einen Menschen belächeln der in dieser Welt nicht erfolgreich ist, immer wenn wir uns über einen Politiker lustig machen oder ärgern, bestätigen wir die Illusion unserer Besonderheit und halten damit die Illusion der Trennung aufrecht.

Bild
Trennung ist eine Illusion.

Eine gute Übung am Weg ist es, alle Menschen - außer sich selbst - als erleuchtet wahrzunehmen. Im Sinne von "lehre was Du zu lernen hast". Wenn wir also einem Bettler Geld geben, so erkennen wir, dass nicht wir ihm helfen, sondern er uns. Er ist es der in unserem Bewusstsein auftaucht als Möglichkeit die Trennung aufzuheben und in ihm den einen CHRISTUS zu sehen. Wir sehen keinen hilfsbedürftigen Menschen der uns braucht und uns somit die Möglichkeit gibt uns als der Helfende besonders zu fühlen. Der "Bettler" erinnert uns hingegen daran, dass es nur einen von UNS gibt.

Vergleichen muss eine Einrichtung des Ego sein, denn die Liebe tut es nicht. Besonderheit vergleicht immer. Sie wird durch einen Mangel, der im anderen gesehen wird, begründet und beibehalten, indem sie alle Mängel, die sie wahrnehmen kann, sucht und klar im Auge hält. Das sucht sie, und auf das schaut sie. Und immer würde der, den sie auf diese Weise klein macht, dein Erlöser sein, hättest du dich nicht entschieden, ihn statt dessen zu einem kleinen Maßstab für deine Besonderheit zu machen. Gegen die Kleinheit, die du in ihm siehst, stehst du groß und stattlich da, rein und ehrlich, lauter und unbefleckt im Vergleich zu dem, was du siehst. Und du verstehst nicht, dass du es selbst bist, den du auf diese Weise klein machst.
(EKIW: Kapitel 24, II. 1.)

Besonderheit ist ein Mangel an Vertrauen in irgend jemand anderen als dich. Glaube wird in dich allein investiert.
(EKIW: Kapitel 24, IV. 1. 1.&2.)

„Du bist nicht besonders.
Wenn du denkst, du seist es, und deine Besonderheit gegen die Wahrheit dessen verteidigst,
was du wirklich bist, wie kannst du die Wahrheit dann erkennen?

(EKIW: Kapitel 24, II. 4. 1.&2.)

Immer wenn wir einen Menschen als einen ganz besonderen Menschen bezeichnen, immer wenn wir eine Freundschaft für eine ganz besondere Beziehung halten, immer wenn wir ein Ereignis für ein ganz besonderes Event halten, bestätigen wir die Illusion der Besonderheit und halten damit die Illusion der Trennung aufrecht.

All die Partys und Special Events sind der Versuch aus Nichts etwas ganz Besonderes zu machen. Das Leben auf der Ebene des Egos ist im Angesicht des unvermeidlichen Todes so bedeutungs- und sinnlos, dass es kaum zu ertragen ist, und so hetzen wir von einem ganz besonderen Event zum Nächsten und betäuben uns mit Alkohol und sonstigen Drogen um den Schmerz der Trennung von GOTT nicht fühlen zu müssen.

Eine ganz subtile Form der Besonderheit ist Bescheidenheit - das Pendant zur Überheblichkeit. Es sind dies zwei Seiten einer Medaille. Meine Oma, die alte Weisheitslehrerin, sagte immer: “Tu nicht so bescheiden, so groß bist du nicht.”

Eine vom Ego ganz besonders gepflegte Idee, ist die Idee von besonderen Plätzen und Orten. Sei es nun Santiago de Compostela in Spanien, die Lourdes-Grotte in Südfrankreich, der Petersdom in Rom, Jerusalem in den judäischen Bergen, Mekka in Saudi Arabien, Lumbini der Geburtsort Siddhartha Gautamas, Varanasi am Ganges, die Höhlen am Berg Arunachala in Südindien in denen Ramana Maharshi gelebt hat, oder einfach nur ein schöner Platz in der Natur - immer ist es die Idee der Besonderheit die sich dahinter verbirgt. Es ist allerdings nie der Ort selbst der besonders ist, sondern es ist der Glaube an den Ort, der die Wahrnehmung von Besonderheit erzeugt. Die Welt ist eine Projektion des Geistes. Das Ego sucht seinen Frieden, sein Zuhause in Zeit und Raum - also an, mit Erinnerungen und Projektionen aufgeladenen, Orten. Unser wahres Zuhause wartet jedoch jenseits von Zeit und Raum auf uns. Wenn wir nur noch an einem besonders schönen Platz in der Natur unseren inneren “Frieden” finden, sind wir Gefangene dieses Platzes und nicht wirklich im Frieden.

"There is no cool place
in time and space!"

(David Hoffmeister)

Der Glaube an die Besonderheit eines bestimmten Ortes erleichtert natürlich die Hinwendung an Gott und kann eine wertvolle Unterstützung sein um in den heiligen Augenblick einzutauchen. Darum worum es geht ist aber der heilige Augenblick und nicht der "heilige" Ort. Grundsätzlich können wir einen heiligen Augenblick genauso in der Tokioter U-Bahn während der Rushhour erfahren, wie in einem tibetischen Kloster am Fuße des Kailash - es ist unsere Geisteshaltung die entscheidend ist.

Um einen verwirrten Geist zumindest für einen Moment still werden zu lassen ist eine Menge an ganz besonderem Hokuspokus notwendig. Der Hokuspokus ist aber nur das Mittel und nicht der Zweck. Der verwirrte Ego-Geist neigt dazu den Hokuspokus selbst zum Zweck zu machen.

Vergebung ist das Ende der Besonderheit. Nur Illusionen können vergeben werden, und dann verschwinden sie. Vergebung ist die Befreiung von allen Illusionen, und genau deshalb ist es unmöglich, nur zum Teil zu vergeben. Niemand, der sich an eine einzige Illusion klammert, kann sich als sündenlos sehen, denn er bewahrt sich einen Irrtum, den er immer noch für schön hält. So nennt er ihn denn »unverzeihlich« und macht ihn zur Sünde. Wie kann er dann seine Vergebung gänzlich geben, wenn er sie nicht für sich selbst empfangen möchte? Denn es steht fest, dass er sie ganz und gar empfinge in dem Augenblick, in dem er sie so geben würde. Und somit würde seine geheime Schuld verschwinden, vergeben von ihm selbst.
(EKIW: Kapitel 24, III. 1.)

Vor deines Bruders Heiligkeit schweigt die Welt still, und Friede senkt sich auf sie nieder in Sanftmut und in Segen, die so vollständig sind, dass keine einzige Spur von Konflikt mehr bleibt, um dich heimzusuchen in der Finsternis der Nacht. Er ist dein Erlöser aus den Träumen der Angst. Er ist die Heilung deiner Opfer- und Angstgefühle, dass das, was du hast, sich im Wind zerstreuen und zu Staub zerfallen wird. In ihm liegt die Versicherung für dich, dass GOTT hier und jetzt bei dir ist. Solange er das ist, was er ist, kannst du sicher sein, dass GOTT erkennbar ist und von dir erkannt werden wird. Denn ER konnte niemals SEINE EIGENE Schöpfung verlassen. Und das Zeichen dafür, dass dem so ist, liegt in deinem Bruder und wird dir angeboten, damit alle deine Selbstzweifel vor seiner Heiligkeit verschwinden mögen. Siehe GOTTES Schöpfung in ihm. Denn in ihm wartet sein VATER auf deine Anerkennung, dass ER dich als Teil von SICH erschuf.
(EKIW: Kapitel 24, VI. 1.)



Retreat

“4 Tage Vinyasa Flow & Restorative Yoga Retreat im Boutique Wellness Hotel Puradies”, so oder so ähnlich klingen moderne Retreat-Angebote. Im westlichen Verständnis von Yoga wird der Begriff Retreat als eine Art Erholungsurlaub verstanden, der noch dazu verdammt schnell gehen muss. Also ab ins nächste Resort und ruckzuck ein bisschen "spirituell" angehauchte Entspannung.

Ursprünglich ist der Retreat ein Konzept aus dem Buddhismus. Ein praktizierender Buddhist zieht sich dabei auf dem Weg zur Erleuchtung oft jahrelang in die Einsamkeit zurück, um sich frei von äußeren Einflüssen ganz der Meditation zu widmen. Da es keinen Nutzen bringt, diesen Pfad nur hin und wieder und lediglich für ein paar Sitzungen während kurzer Zeit auszuüben, gibt es in Tibet die Tradition, welche „drei Jahre und drei Monate“ genannt wird. Mit der Verbreitung des Buddhismus in Nordamerika und Europa fand die Idee des Retreats auch hier viele Anhänger. Trotz der Tatsache, dass der buddhistische Retreat an sich nichts mit der indischen Philosophie des Yoga zu tun hatte, wurden beide Konzepte im Zuge der Wellness-Bewegung in den letzten Jahren eng miteinander verknüpft.

Wenn wir uns für ein verlängertes Wochenende an einen besonders schönen Ort zurückziehen, so ist das eine nette Ablenkung vom Alltag, aber kein Retreat im spirituellen Sinne. In dieser kurzen Zeit sind wir viel zu sehr mit den neuen Eindrücken am neuen Ort beschäftigt, als dass wir uns wirklich nach innen wenden könnten. Nicht umsonst haben ernsthaft spirituell Suchende seit Jahrtausenden Orte aufgesucht, die frei von Ablenkungen sind. Die Einsamkeit des Ortes ermöglicht die Konzentration auf das Gebet und eine intensive Begegnung mit Gott. Auch Jesus hatte sich immer wieder in die Wüste zurück gezogen.

Die Idee vom Retreat als kurze Flucht aus dem Alltag wird uns nicht den Frieden bringen, sondern ganz im Gegenteil, es verstärkt die duale Sicht der Welt von Alltag und Freizeit, von Stress und Erholung. Der ganze organisatorische Aufwand und die ganze Aufregung, die damit verbunden sind, sowie die Tatsache, dass sich unsere Arbeit in der Zwischenzeit auch nicht von selbst erledigt und wir das Geld für den Retreat jetzt auch noch erwirtschaften müssen, sorgen nur noch für weiteren Stress. Einen modernen Retreat muss man sich erst einmal leisten können. Allein erziehende Mütter, aus weniger betuchten Gesellschaftsschichten, haben daher meist keine Chance auf „spirituelle Heilung“, im Sinne der modernen „Wellness-Spiritualtät“.

Ein paar Tage „Digital Detox“, während wir uns körperlich verwöhnen lassen, ist ein unterhaltsames Kasperltheater, aber keine Entgiftung vom Gift des egoischen Gedankensystems. Diese "Retreats" sorgen maximal dafür, dass wir den Wahnsinn unseres Alltags noch etwas länger aushalten, bevor wir endgültig erschöpft zusammenbrechen, aber sie ändern nichts am grundsätzlichen Wahnsinn.

Täglich eine stille Geh-Meditation durch den nächstgelegenen Wald hätte eine wesentlich nachhaltigere Wirkung - aber das ist dem Ego viel zu langweilig und vor allem viel zu gefährlich, denn ohne diverse „Angebote“, also ohne „Rundumbespassung“, könnten ja unangenehme Fragen nach dem Sinn und Zweck unseres Lebens auftauchen.

Spiritualität ist keine Wellness-Veranstaltung, sondern eine ständige Ausrichtung auf den einzig wahren Zweck - die Erlösung aus der Illusion der Trennung.

Es gibt viele Arten von Techniken und Methoden, und es ist nicht so, als ob sie nicht nützlich wären - doch je mehr wir die wahre Wahrnehmung verstehen, desto weniger verlassen wir uns auf Techniken und Methoden. Wir sehen klarer, was wir wirklich brauchen, und verlassen uns weniger darauf, von einer bestimmten Methode geöffnet, unterhalten oder verändert zu werden. Ein Mensch, dessen Sichtweise der Wirklichkeit sehr nahe kommt, tut nicht viel. Er entspannt sich einfach nur. Das bedeutet nicht, dass er etwas tut, um sich zu entspannen, denn sobald wir etwas zur Entspannung tun, beginnen wir zu streben und dieses Streben kommt vom Ego. Je mehr wir uns aber einfach nur entspannen, desto mehr werden wir entdecken, dass wir für alles, was geschieht, aufgeschlossen sind und weniger darüber urteilen ob es gut oder schlecht ist. Und mit der Zeit machen wir uns immer weniger Gedanken über unsere Erfahrungen und hören damit auf zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen Alltag und Retreat zu unterscheiden - wir sind einfach und damit sind wir auch einfach und verlieren uns nicht in aufwendigen und komplizierten Nebensächlichkeiten.

„Das Ego denkt, es sei ein Vorteil, sich nichts Ewigem zu verpflichten, weil das Ewige von GOTT kommen muss. Ewigsein ist die eine Funktion, die das Ego versucht hat zu entwickeln, die zu erreichen ihm aber systematisch misslungen ist. Das Ego geht in der Frage des Ewigen einen Kompromiss ein, genauso wie es das in allen Fällen tut, wo die wirkliche Frage in irgendeiner Weise berührt wird. Indem es sich mit Randproblemen beschäftigt, hofft es, die wirkliche Frage zu verbergen und aus dem Bewusstsein fernzuhalten. Die typische Geschäftigkeit des Ego, die sich um Nebensächlichkeiten dreht, dient genau diesem Zweck. Die Beschäftigung mit Problemen, die so angelegt sind, dass keine Lösung möglich ist, ist ein Lieblingsmittel des Ego, um den Lernfortschritt aufzuhalten. Bei all diesen Ablenkungsmanövern aber lautet die eine Frage, die von denjenigen, die sie verfolgen, nie gestellt wird: »Wozu?« Das ist die Frage, die du in Verbindung mit Allem stellen lernen musst. Was ist der Sinn und Zweck? Was immer er auch sei, er wird deine Bemühungen automatisch lenken. Wenn du dich also für den Zweck entscheidest, hast du eine Entscheidung über deine zukünftigen Bemühungen getroffen, eine Entscheidung, die so lange wirksam bleibt, bis du anderen Geistes wirst.“
(EKIW: Kapitel 4, V. 6.)



Meditation

Meditation ist Teil jeder spirituellen Tradition, weil sie eine hilfreiche Methode ist, um aus der Hektik des Alltags auszusteigen und sich der Stille zuzuwenden. Das Ego schafft es aber auch, diese wunderbare Methode, für seine Zwecke zu missbrauchen, indem es Mittel und Zweck vertauscht. Meditation ist ein wunderbares Mittel, aber nicht der Zweck selbst.

Jedes starre Festhalten an bestimmten Ritualen oder Praktiken in der Zeit, mit einem Ziel in der Zukunft, hält die Illusion der Zeit am Leben und verhindert damit die Befreiung aus der Illusion.

Wenn religiöse Rituale, wie Niederwerfungen, bestimmte Meditations- und Yoga-Techniken von Jemanden getan werden und Teil seines Selbstbildes werden, dann stärkt das den Jemand - das egoische Ich-Empfinden. Der Praktizierende identifiziert sich sehr schnell mit Methoden und Praktiken und fühlt sich dann „spiritueller“ als Nichtpraktizierende und damit besonders.

Was GOTT erschaffen hat, das kann nicht angegriffen werden, denn es gibt nichts im Universum, das sich nicht gleich ist. Doch was verschieden ist, verlangt nach einem Urteil, und dieses muss von jemand »Besserem« kommen, von jemandem, der unfähig ist, so zu sein wie das, was er verurteilt, jemandem, der »darübersteht« und im Vergleich zu diesem ohne Sünde ist. Und so wird die Besonderheit zum Mittel und zum Zweck in einem. Denn die Besonderheit sondert nicht nur aus, sondern dient auch als Grundlage, von der aus Angriff auf diejenigen, die unter dem Besonderen zu sein scheinen, »natürlich « und »gerecht« ist. Die Besonderen fühlen sich schwach und gebrechlich aufgrund von Unterschieden, denn was sie besonders macht, ist ihr Feind. Dennoch schützen sie diese Feindschaft und nennen sie »Freund«. Zu ihren Gunsten kämpfen sie gegen das Universum, denn nichts in der Welt schätzen sie höher.
(EKIW: Kapitel 24, I. 4.)

In spirituellen Gemeinschaften wird Meditation oftmals als Flucht vor unangenehmen Themen verwendet. Es fällt uns sehr schwer in unserem Bewusstsein das volle Ausmaß an Angst und Schrecken, dieses Ausmaß an Selbsthass und Schuld zuzulassen, und damit zu leben, das die Illusion der Trennung in uns erzeugt. In spirituell gesinnten Gemeinschaften - und dazu gehören auch Kurs-Gruppen - führt der oft vorhandene, keine Abweichungen duldende, Versuch einem kollektiven Konzept von "spiritueller" Besonderheit zu entsprechen, dazu, dass unerlöste Themen nicht mehr angesprochen werden und stattdessen viel meditiert wird. Es ist wie bei allen Methoden, entscheidend ist immer die Absicht dahinter. Stillzusitzen, um nur ja nicht auszuzucken, bringt uns nicht die Erlösung, während hingegen ein berichtigter Geist sich ganz automatisch immer mehr der Stille zuwendet. Auf dem Weg zu einem berichtigten Geist braucht es allerdings den Ausdruck des Unerlösten, das Hervorholen des Dunklen ans Licht, um es IHM zur Berichtigung zu übergeben.

Solange Meditation nur dazu dient uns von den ewig wiederkehrenden Gedanken abzuwenden, ist nicht viel erreicht. Dies ist eine Sisyphusarbeit. Wenn das, den Gedanken zugrundeliegende, unbewusste Gedankensystem nicht korrigiert ist, werden immer wieder die gleichen trennenden Gedanken auftauchen. Erst wenn das falsch gesinnte Gedankensystem in Richtung der WAHRHEIT korrigiert ist, verlieren die Gedanken an Bedeutung und das Abwenden geschieht fast von selbst.

Unter Meditation werden die unterschiedlichsten Dinge verstanden, wie auch innere Reisen und Visualisierungen. Das alles hat durchaus eine beruhigende Wirkung, hat aber nichts mit Meditation im spirituellen Sinne zu tun. Für den ungeschulten Geist ist Meditation eine zeitlich begrenzte Aktivität, genau so wie Joggen oder Yoga-Übungen. Dies findet Ausdruck in Aussagen wie: Ich meditiere jeden Morgen eine halbe Stunde. Im tieferen, spirituellen Sinn ist Meditation genau das Gegenteil. Es ist das Eintauchen in die Zeitlosigkeit, keine Aktivität, sondern ein Geisteszustand, kein Tun, sondern Sein.

Meditation im spirituellen Sinn bedeutet, sich von der Identifikation mit dem Körper und von Gedanken und Bildern zu lösen und - in und als Bewusstsein zu verweilen. Hierbei ist ein erwachter Lehrer äußerst hilfreich, weil der Augenkontakt mit ihm, die Loslösung aus der Identifikation enorm erleichtert.

Sitting Together in Presence - A Meditation with Eckhart Tolle

Tagebuch der Gespräche mit Ramana Maharshi:

Die Sadhakas (spirituell Suchende) verstehen meist den Unterschied zwischen der zeitweiligen Geistesstille (Manolaya) und der völligen Vernichtung der Gedanken (Manonasa) nicht. Bei Manolaya kommen die Gedankenwellen zeitweise zur Ruhe, doch selbst wenn dieser vorübergehende Zustand tausend Jahre dauern sollte, würden die Gedanken doch wieder auftauchen, sobald Manolaya aufhört. Deshalb muss man seinen spirituellen Fortschritt sorgfältig beobachten und darf nicht zulassen, dass man dem Zauber der Gedankenstille erliegt. Sobald man es bemerkt, muss man sein Bewusstsein beleben und im Innern erforschen, wer diese Gedankenstille erfährt. Während man das Eindringen von Gedanken nicht zulässt, darf man zugleich auch nicht zulassen, dass einem dieser Tiefschlaf (Yoga Nidra), diese Selbsthypnose überkommt. Obwohl sie einen Fortschritt markiert, ist es auch der Punkt, an dem sich der Weg der Erlösung von dem des Yoga Nidra scheidet. Der leichte und direkte Weg, die Abkürzung zur Befreiung ist der Weg der Ergründung. Durch sie treibst du die Geisteskraft tiefer, bis sie ihren Ursprung erreicht und in ihn eingeht. Dann bekommst du die Antwort von innen, weißt, dass du dort ruhst, und die Gedanken sind ein für allemal vernichtet.”

Der Film Samsara - Geist und Leidenschaft aus dem Jahr 2001 zeigt wunderbar was Ramana Maharshi beschreibt: Der buddhistische Mönch Tashi hat drei Jahre, drei Monate, drei Wochen und drei Tage lang in Abgeschiedenheit meditiert. Als er von Mönchen seines Heimatklosters geholt wird, wirkt er leblos. Erst nach einiger Zeit erholt er sich und wird von den anderen Mönchen wegen seiner intensiven Meditationspraxis bewundert. Doch Tashi interessiert sich nun mehr für seine Sexualität als für seine bisherigen spirituellen Ziele. ...

Nur eine Geisteshaltung, im Sinne der WAHRHEIT, die in jedem Moment ihren freien Ausdruck findet, führt zur Befreiung. Vergebung ist die zentrale Geisteshaltung auf dem Weg in die Freiheit. Sie ist an keine Form in der Zeit gebunden, sondern ein sich im ständigen Wandel befindlicher Prozess.

Daher ist auch der Kurs nur ein Beginn und kein Ende. Der Kurs mit seinen 365 Übungen ist eine Hilfestellung um die neue Geisteshaltung zu erlangen und seinen eigenen INNEREN LEHRER zu finden. Anschließend gilt es auch den Kurs wieder loszulassen und über ihn hinauszugehen. Wenn der direkte Kontakt mit Gott wieder hergestellt ist, braucht es keinen Kurs mehr.

Salopp könnte man es auch so ausdrücken: Wir tun zu Beginn so, als ob wir was tun müssten, um den Punkt zu erreichen, an dem wir erkennen, dass es nie etwas zu tun gab. An diesem Punkt ist die Illusion eines Tuenden verschwunden und Tun erscheint im unbewegten Bewusstsein.

Es ist unmöglich, den heiligen Augenblick vorbehaltlos anzunehmen, es sei denn, du bist einen einzigen Augenblick lang gewillt, keine Vergangenheit noch Zukunft zu sehen. Du kannst dich nicht auf ihn vorbereiten, ohne ihn in die Zukunft zu verlegen. Befreiung wird dir in dem Augenblick gegeben, in dem es dich nach ihr verlangt. Viele haben ein ganzes Leben mit Vorbereitung zugebracht und haben in der Tat ihre Momente des Erfolgs erzielt. Dieser Kurs versucht nicht, mehr zu lehren, als sie in der Zeit lernten, aber er zielt auf Zeitersparnis ab. Vielleicht versuchst du, einen sehr langen Weg zum Ziel zu gehen, das du akzeptiert hast. Es ist extrem schwierig, die SÜHNE zu erreichen, indem man gegen Sünde kämpft. Enorme Mühe wird bei dem Versuch aufgewendet, das heilig zu machen, was man hasst und verachtet. Auch ist ein Leben der Kontemplation und langer Phasen der Meditation, die auf Loslösung vom Körper abzielen, nicht notwendig. Alle diese Versuche werden letztlich von Erfolg gekrönt sein, um ihres Zieles willen. Doch sind die Mittel mühsam und sehr zeitaufwendig, denn sie sind alle auf die Zukunft ausgerichtet, um die Befreiung von einem Zustand gegenwärtiger Unwürdigkeit und Unzulänglichkeit zu erlangen.

Dein Weg wird ein anderer sein, nicht was das Ziel, sondern was die Mittel betrifft. Eine heilige Beziehung ist ein Mittel, um Zeit einzusparen. Ein Augenblick, den du gemeinsam verbringst mit deinem Bruder, gibt euch beiden das Universum wieder. Du bist vorbereitet. Jetzt brauchst du dich nur daran zu erinnern, dass du nichts zu tun brauchst. Es wäre jetzt bei weitem nützlicher, dich nur darauf zu konzentrieren, als darüber nachzudenken, was du tun solltest. Wenn der Frieden endlich zu denen kommt, die mit der Versuchung ringen und dagegen kämpfen, der Sünde nachzugeben; wenn das Licht schließlich in den Geist kommt, der sich der Kontemplation hingibt; oder wenn das Ziel schließlich von irgend jemandem erreicht wird dann geht es stets mit nur der einen glücklichen Einsicht einher: »Ich brauche nichts zu tun.«

(EKIW: Kapitel 18, VII. 5. & 6.)

Im Selbst, das du selbst bist,
ist alles erfüllt von Selbst,
und es hat keinen Raum für Dualität.
Der Gedanke an Meditation
und den Meditierenden
ist für dein Bewusstsein ohne Bedeutung.
Wie sollte man über das
was keine Ausnahme kennt,
meditieren können?


(Avadhuta Gita, Kapitel 1, Vers 26)



Dissoziation

Dissoziation ist eine Abspaltung von uns selbst. Dabei spalten wir meistens einen oder mehrere Teile von uns ab. Gefühle etwa, die wir glauben nicht aushalten zu können. Das ganze soll unserem Schutz dienen. Diese abgespaltenen Gefühle kommen dann in eine Art „inneren Keller“ und werden aus unserem Alltagsbewusstsein ausgelagert.

Ein dissoziativer Zustand kann hoch funktional sein, wir sind in diesem Zustand teilweise sehr leistungsfähig. Wir fühlen uns aber nicht. Wir sind nicht mehr zu lebendigen, erfüllenden Beziehungen fähig, weil in gesunden Beziehungen fühlen gefragt ist. Dann brechen wir oft später an irgendeinem Punkt zusammen und landen unter Umständen auf der Psychiatrie.

Das funktionale Ich ist nicht automatisch das gesunde Ich. Das eine muss mit dem anderen nichts zu tun haben. Gesund, in diesem Zusammenhang, sind wir, wenn wir Zugang zu angenehmen und unangenehmen Gefühlen haben und uns in unserem Körper spüren können.

Wenn du die STIMME FÜR GOTT nicht hören kannst, liegt es daran, dass du dich nicht entscheidest zuzuhören. Dass du sehr wohl auf die Stimme deines Ego hörst, wird durch deine Einstellung, deine Gefühle und dein Verhalten aufgezeigt. Aber das ist es, was du willst. Um das zu behalten, kämpfst du, und um das zu retten, bist du wachsam. Dein Geist ist voller Pläne, um das Gesicht deines Ego zu wahren, und du suchst das Antlitz CHRISTI nicht. Der Spiegel, in dem das Ego sein Gesicht zu sehen sucht, ist dunkel in der Tat. Wie kann es die Vorspiegelung seiner Existenz aufrechterhalten außer durch Spiegel? Aber wohin du schaust, um dich zu finden, liegt bei dir.
(EKIW: Kapitel 4, IV. 1.)

Uns von unseren Gefühlen abzuspalten ist, wie wenn ein Steuermann den Kompass über Bord wirft. Wenn wir unsere Gefühle nicht wahrnehmen, haben wir keinen Hinweise mehr darauf, ob wir gerade der Stimme für Gott folgen, oder der Stimme des Egos. Wenn wir der Stimme für Gott folgen verspüren wir Liebe, wenn wir der Stimme des Egos folgen verspüren wir Angst, wenn wir uns von unseren Gefühlen dissoziiert haben, spüren wir nichts mehr.

Es geht nicht darum sich gut zu fühlen,
es geht darum sich gut zu fühlen.
(Dies ist kein Schreibfehler, sondern ein Wortspiel ;-)

Alles was dem "sich gut fühlen" dient, ist Ablenkung vom Erwachen. Die ganzen "Wohl-fühl-Methoden" dienen dazu das wahre Fühlen zu verhindern. Es ist wie wenn man den ganzen Tag drückende Schuhe trägt und diese dann für kurze Zeit auszieht. Natürlich tut das gut, aber es löst nicht das Grundproblem des drückenden Schuhs.

Einer schlägt sich ständig mit dem Hammer auf den Daumen, wird nach dem Grund dafür gefragt und sagt: "Weil es sich so gut anfühlt, wenn ich damit aufhöre."

Die Macht eines SOHNES GOTTES kennt keine Grenzen, aber er kann die Äußerung seiner Macht so stark begrenzen, wie er es will. Dein Geist und meiner können sich vereinen, um dein Ego hinwegzuleuchten und GOTTES Stärke in allem, was du denkst und tust, freizusetzen. Gib dich mit weniger nicht zufrieden, und lehne es ab, irgend etwas anderes als dies als dein Ziel anzunehmen. Halte sorgsam Ausschau nach allen Überzeugungen in deinem Geist, die das Erreichen dieses Zieles behindern, und nimm Abstand von ihnen. Beurteile anhand deiner eigenen Gefühle, wie gut dir dies gelungen ist, denn dies ist der einzig richtige Gebrauch des Urteils.
(EKIW: Kapitel 4, IV. 8.)

Wichtig ist es zu verstehen, dass fühlen und über Gefühle reden, zwei völlig unterschiedliche Dinge sind. Fühlen ist eine Erfahrung auf der Herzensebene, über Gefühle reden, ist eine Erfahrung auf der Ebene des Verstandes. Wenn wir also sagen “ich freue mich”, haben wir uns vom Gefühl der Freude abgetrennt und sind auf die Ebene des Verstandes gewechselt. Natürlich macht es manchmal Sinn auch über unsere Gefühle zu reden, aber erst nachdem wir ein Gefühl ausgefühlt haben. Wenn uns beispielsweise eine Bemerkung unseres Partners traurig macht, so gilt es sich zuerst ganz dem Gefühl der Trauer hinzugeben und erst anschließend - wenn überhaupt - dem Partner davon zu berichten.

Es ist wichtig Gefühle zu fühlen und sie gleichzeitig nicht zu rechtfertigen. Besonders wenn unangenehme Gefühle auftauchen gilt es sie zu fühlen, ohne Selbstmitleid und ohne andere dafür zu beschuldigen - fühlen ganz ohne Geschichte, ohne verstandesmäßiger Erklärung.

Eine sehr gute Methode, auf dem spirituellen Weg, ist es, die Gefühle als Leiter in die Tiefe zu nutzen. Dies bedeutet ganz in ein Gefühl einzutauchen und dann bereit zu sein - für das Gefühl hinter diesem Gefühl. So gleiten wir von einem Gefühl zum Nächsten immer tiefer, bis wir irgendwann den Raum der totalen Präsenz erreichen. Als Beispiel für diese “Gefühlsleiter” sei das Gefühl der Wut angeführt. Wenn wir ganz in die Wut eintauchen und weiter gehen, so treffen wir danach meistens auf die Trauer.

Das „spirituelle“ Ego verwechselt häufig Dissoziation mit „Spiritualität“. Starre Rituale aus den unterschiedlichsten religiösen Traditionen, oder eine rein verstandesmäßige Beschäftigung mit Aussagen spiritueller Lehrer, sind beliebte Versuche des Egos sich von seinen unangenehmen Gefühlen abzuspalten. Alle unangenehmen Gefühle sind letztendlich eine Form von Angst und diese Angst ist die Basis des Egos. Daher versucht das Ego diese Angst zu unterdrücken, um sein eigenes Fundament nicht zu gefährden.

In Folge einer Extremsituation, wie einer Todeserfahrung - der intensivsten Angsterfahrung - spontan erwachte spirituelle Lehrer kennen die Wahrheit und können den Wahnsinn des Egos wunderbar beschreiben, aber sie kennen häufig keinen systematischen Weg zur Wahrheit. Als einzige Übung für ihre Schüler haben sie daher oft nur die Empfehlung, sich von den Gedanken abzuwenden und ins Jetzt zu kommen. Für erwachte Menschen ist dies die natürlichste Sache der Welt. Für einen Menschen im egoischen Zustand ist das entweder völlig unmöglich, oder nur für einen sehr kurzen Zeitraum, aber spätestens dann schlägt das Ego-Denkssystem wieder zu und alles ist wie vorher. Nichtstun und totale Distanz zu sich selbst und seinen Mitmenschen lässt sich leicht mit Stille im Sinne eines wachen Geistes verwechseln - ist es aber nicht.

Wenn wir uns von unseren Gefühlen dissoziiert haben, sind wir nicht mehr empathiefähig. Wir reagieren dann auf starke Gefühle unserer Mitmenschen mit „spirituellen“ Konzepten, aus Angst vor unseren eigenen Gefühlen. Gerade Wut ist ein Gefühl, das in „spirituellen“ Kreisen völlig verpönt ist und daher massiv unterdrückt wird. Unangenehme Gefühle werden als „unspirituell“ abgetan und damit auch als falsch bewertet und verurteilt.

Das besonders verwirrende in diesen Situationen ist, dass die spirituellen Aussagen auf einer höheren Ebene oft sogar wahr sind, aber nicht auf der Ebene der aktuellen Erfahrung. Wir dürfen das Wort Illusionen nicht falsch verstehen. Illusionen existieren nicht, die WAHRHEIT existiert. Maya (Sanskrit für „Illusion, Zauberei“) - die relative Erscheinungswelt - liegt scheinbar „dazwischen“, sie existiert „beinahe“. Soweit es die alltäglichen Aktivitäten betrifft, kann man es als „Realität“ betrachten. Im höchsten Sinne, vom Gipfel der Erleuchtung betrachtet, ist die Welt unreal, illusorisch.

Auch Ramana Maharshi erachtete es im Zustand der Unwissenheit für notwendig, von Maya als einer Täuschung zu sprechen, weil man nur so von der gewohnheitsmäßigen Identifikation mit der Erscheinungswelt wegweisen kann. Es ist allerdings sinnlos sich gegen die Herausforderungen des Lebens aufzulehnen, sie zu meiden oder einfach zu leugnen. Sie sind da und wenn wir aus der Illusion erwachen wollen, brauchen wir den Mut uns dem Leben zu stellen.

„Die Angst vor GOTT ist die Angst vor dem Leben, nicht vor dem Tod.“
(EKIW: Kapitel 23, IV. 1.)

Die Welt ist eine Illusion, aber sie ist gleichzeitig das Mittel zur Erlösung aus der Illusion. Wir werden daher die Erlösung nicht finden, wenn wir uns von der Welt unserer Gefühle dissoziieren.

Du reagierst mit Angst auf Liebe und weichst vor ihr zurück. Die Angst hingegen zieht dich an, und im Glauben, sie sei Liebe, rufst du sie zu dir herbei. In deiner privaten Welt wimmelt es von Angstgestalten, die du eingeladen hast, und all die Liebe, die deine Brüder dir anbieten, siehst du nicht.
Wenn du deine Welt mit offenen Augen ansiehst, muss dir auffallen, dass du dich in den Wahnsinn zurückgezogen hast. Du siehst, was nicht vorhanden ist, und hörst, was kein Geräusch erzeugt. Deine Äußerungen von Gefühlen sind das Gegenteil dessen, was die Gefühle selber sind. Du kommunizierst mit niemandem und bist genauso isoliert von der Wirklichkeit, als wärest du allein im ganzen Universum. In deinem Wahnsinn übersiehst du die Wirklichkeit vollständig und siehst überall, wo du hinschaust, nur deinen eigenen gespaltenen Geist. GOTT ruft dich, und du hörst nicht, denn du bist mit deiner eigenen Stimme beschäftigt. Und die Schau CHRISTI ist nicht in deiner Sicht, denn du schaust nur dich selber an.

(EKIW: Kapitel 13, V. 5. & 6.)



Innerer Beobachter

„Mit Hilfe des Inneren Beobachters lernen wir, zwischen uns und den Produkten unseres Geistes zu unterscheiden.“ „Bewusstsein: Gefühle mit einer gesunden Distanz wahrnehmen.“ „Emotions-Coaching: Wer die eigenen Gefühle und Gedanken mit Distanz betrachtet, bleibt besonnen und klar. Die Technik des Inneren Beobachters kann dabei helfen.“ So oder so ähnlich heißt es in unzähligen Lebensratgebern und Lifestyle-Blogs.

Der sogenannte „innere Beobachter“, ein Konzept aus dem Bereich der Psychologie, ist in Wahrheit nur der „innere Kontrolleur oder der innere Richter“, also ein Teil des Ego-Denksystems, wird aber bei der Beschäftigung mit Spiritualität oft mit dem wachen Bewusstseinszustand verwechselt.

Der „innere Beobachter“ ist ein besonders raffinierter Trick des Egos um sich von unangenehmen oder "unspirituellen" Gefühlen zu distanzieren. Der „innere Beobachter“ ist Dissoziation und Impulskontrolle aber nicht Wachheit.

„Wenn du bereit bist, auf deine Rolle als Hüter deines Denksystems zu verzichten und es mir zu öffnen, werde ich es ganz sanft berichtigen und dich zu GOTT zurückführen.“
(EKIW: Kapitel 4, I. 4. 6.)

„Doch wird der Träumer mit dem Geist gleichgesetzt, so wird die berichtigende Kraft des Geistes durch den HEILIGEN GEIST verleugnet.“
(EKIW: Kapitel 9, V. 4. 5.)

Ein wacher Bewusstseinszustand ist etwas komplett anderes als der „innere Beobachter“. Im Zustand echter Wachheit herrscht keine Distanz zu den Gefühlen, sondern keine Identifikation. Es herrscht bezüglich aller im Bewusstsein auftauchenden Phänomene sogar eine wesentlich intensivere Bewusstheit als im egoischen Ich-Zustand. Dies lässt sich allerdings nicht verstehen, sondern nur erfahren.

Wache Bewusstheit ist der Ausdruck totaler Wehrlosigkeit, ist die völlige Abwesenheit jeder Form des Bemühens, weil niemand mehr da ist, der irgendetwas will. Wache Bewusstheit bedeutet Bewusstsein des Träumens. Bewusstsein reagiert nicht, es ist sich einzig und allein bewusst, jenseits von Gedanken. Wache Bewusstheit ist totale Akzeptanz im Sinne von "Lass alle Dinge genau so sein, wie sie sind." (EKIW: LEKTION 268). Tun erscheint im unbewegten Bewusstsein.

Bewusstheit findet nicht in der Gedankenwelt statt. Das gesamte Denken basiert auf Glaubenskonzepten, die wie tausende Gefängnisse in uns wirken. Selbst besonders komplexes oder logisches Denken ist unbewusst, da es auf dem komplexen Glauben, eine getrennte Person zu sein, basiert. Daher beinhaltet der spirituelle Befreiungsprozess das Befreien vom Glauben an die eigene Person, um in die höhere Bewusstseinsebene zu gelangen, aus der dann fortan betrachtet wird.

Das Konzept des "inneren Beobachters" stellt nur eine weitere Fragmentierung der Welt dar und führt in Folge zu ganz eigenartigen Vorstellungen. In spirituell gesinnten Kreisen wird oft versucht über die Wahrnehmung nicht zu urteilen. Das klingt dann beispielsweise so: "Ich sehe die durch Angst, Macht und Geld getriebenen Politiker und die Pharmaindustrie möglichst ohne Urteil an.” Hierbei wird völlig übersehen, dass die Wahrnehmung von “durch Angst, Macht und Geld getriebenen Politiker und die Pharmaindustrie” bereits das Urteil ist. Mit diesem Urteil bestätigen wir die Illusion. Vergebung hingegen bedeutet zu erkennen, dass das, was wir in unsere Brüder projizieren, nie geschehen ist, von ihnen nie getan wurde. Eine Schuld, an die geglaubt wird, kann nicht wirklich vergeben werden.

Die Vergebung nimmt wahr, dass das, wovon du dachtest, dein Bruder habe es dir angetan, nicht geschehen ist. Sie verzeiht keine Sünden und macht sie nicht wirklich. Sie sieht, dass es keine Sünde gab. Und in dieser Sicht sind alle deine Sünden dir vergeben. Was ist Sünde außer einer falschen Idee über GOTTES SOHN? Die Vergebung sieht einfach ihre Falschheit und lässt sie deshalb los. Was dann frei ist, ihren Platz einzunehmen, das ist der WILLE GOTTES.

Ein unversöhnlicher Gedanke ist ein Gedanke, der ein Urteil fällt, das er nicht in Zweifel zieht, auch wenn es nicht wahr ist.

Derjenige, der nicht vergeben will, muss urteilen, denn er muss sein Versagen, zu vergeben, rechtfertigen.“


(EKIW: Lektionen Teil II, Einleitung, 1. 1-4.)

Die innerhalb der Person künstlich hergestellte Fragmentierung von "mir" und dem "inneren Beobachter" erzeugt fragmentierte Gedanken, um so das Versagen, zu vergeben, zu rechtfertigen. Der "innere Beobachter" ist ein weiterer Versuch des Egos durch Komplexität Verwirrung zu stiften, um damit von der Einfachheit der Wahrheit abzulenken. Die Idee hinter dem Konzept vom "inneren Beobachter" ist es, aus der Position des egoischen Selbst heraus das eigene Verhalten zu kontrollieren, um, anstatt impulsiv und emotional, “vernünftig” zu reagieren. Doch im egoischen Selbst ist die Vernunft nicht zu finden, die liegt im wahren SELBST.

„Dir ist das ganze Ausmaß, in welchem die Idee der Trennung die Vernunft behindert hat, nicht klar. Vernunft liegt in dem anderen Selbst, das du von deinem Bewusstsein abgeschnitten hast. Und nichts, dem du erlaubt hast, in deinem Bewusstsein zu verweilen, ist der Vernunft fähig.
(EKIW: Kapitel 21, V. 4. 1.-3.)

Mit dem Konzept vom "inneren Beobachter" versucht das „spirituelle“ Ego sich selbst aus der Illusion zu befreien. Das ist aber grundsätzlich unmöglich, denn das Ego ist der Gefangene und das Gefängnis.

„Identität in Träumen ist bedeutungslos, weil nämlich Traum und Träumer eins sind.“
(EKIW: Kapitel 28, IV. 5. 4.)

Mit der Idee des "Beobachters" verstärken wir die Idee der handelnden Person und behindern damit das Erwachen aus der Illusion. Wir können das Erwachen nicht machen. Von uns braucht es lediglich die Bereitschaft, alles was darüber hinausgeht ist Größenwahn.

„Der heilige Augenblick kommt nur von deiner kleinen Bereitwilligkeit. Er ist immer das Resultat deiner kleinen Bereitwilligkeit, verbunden mit der unbegrenzten Macht von GOTTES WILLEN. Du hast dich geirrt, als du dachtest, es sei nötig, dich auf IHN vorzubereiten. Es ist unmöglich, arrogante Vorbereitungen für die Heiligkeit zu treffen und nicht zu glauben, dass es bei dir liegt, die Bedingungen für den Frieden festzulegen. GOTT hat sie festgelegt. Sie warten nicht auf deine Bereitwilligkeit, um das zu sein, was sie sind. Deine Bereitwilligkeit ist nur nötig, damit es möglich wird, dich zu lehren, was sie sind. Wenn du behauptest, du seiest unwürdig, das zu lernen, störst du die Lektion, indem du glaubst, dass du den Lernenden anders machen musst. Du hast den Schüler weder gemacht, noch kannst du ihn anders machen. Möchtest du erst selbst ein Wunder machen und dann erwarten, das eins für dich gemacht wird?“
(EKIW: Kapitel 18, IV. 4.)



Drogen

Realität ist etwas für Leute,
die nicht mit Drogen umgehen können.

Hinter diesem flapsigen Spruch steckt eine tiefe Wahrheit: An der Realität, der Wirklichkeit, der WAHRHEIT ist das Ego nicht interessiert. Es versucht mit allen Mitteln die Illusion seiner Existenz aufrecht zu erhalten - selbst dann, wenn es schon weh tut. Und so ist die Welt des Egos für die meisten Menschen ohne Drogen kaum zu ertragen. Alkohol und bestimmte Psychopharmaka sind Volksdrogen.

Einzig jene Menschen die extreme Angst vor Kontrollverlust haben, halten sich konsequent von Drogen fern, doch das macht die Sache nicht besser - „Angst essen Seele auf“ (Werner Fassbinder).

Im Juli 1966 kam der Song Mother’s Little Helper von den Rolling Stones auf den Markt. Er wurde geschrieben in Anspielung auf das Medikament Valium (Diazepam), ein Benzodiazepin-Tranquilizer, das in den 1960ern entwickelt wurde und seitdem, trotz des erheblichen Abhängigkeitspotenzials, erfolgreich vermarktet wird.

What a drag it is getting old
"Kids are different today"
I hear ev'ry mother say
Mother needs something today to calm her down
And though she's not really ill
There's a little yellow pill
She goes running for the shelter of a mother's little helper
And it helps her on her way, gets her through her busy day

(Mother’s Little Helper, Rolling Stones)

Spitzenmanager und Künstler hingegen bevorzugen Kokain, eine der beliebtesten „Szenedrogen“ der Welt. Die weltweiten Verkaufserfolge der amerikanischen Computerfirmen in den 70er und 80er Jahren sind auch dem Einsatz von Kokain bei wichtigen Verkaufsverhandlungen zu verdanken.

„If you want to hang out, you've got to take her out, cocaine
When your day is done and you want to run, cocaine
Your thing is gone and you want to ride on, cocaine
She don't lie, she don't lie, she don't lie, cocaine“

(Cocaine, J. J. Cale,)

„Ich bin schon wieder leer … Ich bin schon wieder Kokain …
Ich will mehr, immer mehr - meine Heimat ist das Mehr …“

(Kokain, Extrabreit)

„Ganz Wien, greift auch zu Kokain, überhaupt in der Ballsaison.
Man sieht ganz Wien is so herrlich hin, hin, hin.
Kokain und Kodein, Heroin und Mozambin machen uns hin, hin, hin.“

(Ganz Wien, Falco)

Heroin, fachsprachlich Diacetylmorphin (DAM) oder Diamorphin, ist ein halbsynthetisches, stark analgetisches Opioid und Rauschgift mit einem sehr hohen Abhängigkeitspotential bei jeder Konsumform. Daher ist trotz 1,5 bis 3-fach höherer schmerzstillender Wirksamkeit des Diamorphins im Vergleich zur Stammsubstanz Morphin selbst die therapeutische Anwendung in den meisten Ländern verboten. Trotz der Verbote stieg insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg und nach dem Vietnamkrieg die Zahl der Heroinsüchtigen weltweit an, weil Soldaten bei ihren Einsätzen mit Morphin und Heroin in Kontakt gekommen waren.

Seit 2000 hat in den USA die Zahl der Heroinabhängigen wieder stark zugenommen. Das wird zumeist damit in Verbindung gebracht, dass seit Ende der 1990er von amerikanischen Ärzten vermehrt Opioide wie Oxycodon, Hydrocodon und Fentanyl verschrieben wurden. Sind Patienten von diesen abhängig geworden, steigen sie oft auf das weitaus billigere Heroin um: Vier von fünf Heroinsüchtigen in den USA haben zuerst verschreibungspflichtige Opioide genommen. 2015 starben fast 13.000 US-Amerikaner an einer Heroin-Überdosis, dies waren 23 Prozent mehr als 2014. US-Präsident Donald Trump thematisierte im Oktober 2017 die Opioid Krise und rief einen Gesundheitsnotstand aus. Die landesweite Opioid-Krise kommt nun vor Gericht. Alle 15 Minuten kommt in den USA ein Baby unter Suchteinfluss zur Welt.

Sehr beliebt sind auch die Psychopharmaka aus der Gruppe der Benzodiazepine. Die Benzodiazepine Diazepam (Valium, in Österreich: PsychoPax), Lorazepam (in Österreich: Temesta®) und Midazolam (Dormicum, in den USA: Versed) sind in der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation aufgeführt und auch in der Drogenszene aufgrund ihrer phänomenalen Wirkung sehr beliebt. Benzodiazepine haben nicht zuletzt wegen ihrer hohen Effektivität und des für gewöhnlich schnellen Wirkungseintritts ein hohes Abhängigkeitspotential.

Alkohol ist die gefährlichste Droge überhaupt, natürlich nicht was seine biologische Wirkung auf den Körper betrifft, sonder was seine Wirkung auf die Bewusstseinsentwicklung eines Menschen und seinen Weg zurück zu GOTT angeht, weil er legal und gesellschaftlich vollkommen akzeptiert ist, ist seine Wirkung so vernichtend.

Er zerstört ganz langsam den Körper, was ein Symbol für seine, das Bewusstsein dämpfende, Wirkung ist. Anstatt zu erwachen beginnt der Geist immer tiefer zu schlafen und selbst Alkoholiker, die schon auf der Psychiatrie gelandet sind, glauben teilweise immer noch sie haben kein Problem, sondern alles im Griff. Doch mit dem Griff zur Flasche ist uns das Leben schon entschlüpft!

Ein besonders gutes Beispiel, für den Wahnsinn des egoischen Gedankensystems, stellt unsere Angewohnheit dar, speziell bei freudvollen Ereignissen Alkohol zu trinken. Biochemisch betrachtet ist Alkohol ein Zellgift und wir kennen alle seine Wirkung auf unseren Körper. Warum vergiften wir uns also genau dann, wenn wir Grund zur Freude hätten? Weil das Ego Freude und Schmerz verwechselt!

"And the wine won't make it better
But I always think it might
Drink until I don't remember
'Til I'm out my mind
But there's nowhere to go
when I'm getting tired of me"

(I’m Getting Tired of Me - Kings Elliot)

"Das Problem liegt nicht darin, ob das, was der HEILIGE GEIST sagt, wahr ist, sondern ob du hören willst, was ER sagt. Du begreifst ebenso wenig, was schmerzhaft ist, wie du erkennst, was Freude bereitet, und neigst in der Tat sehr dazu, beides zu verwechseln. Die Hauptfunktion des HEILIGEN GEISTES besteht darin, dich zu lehren, sie zu unterscheiden. Was dir Freude bereitet, ist schmerzhaft für das Ego, und solange du Zweifel darüber hegst, was du bist, wirst du Freude und Schmerz verwechseln. Diese Verwechslung ist die Ursache der ganzen Idee des Opferns. Gehorche dem HEILIGEN GEIST, und du wirst das Ego aufgeben. Dabei wirst du aber nichts opfern. Im Gegenteil, du wirst alles gewinnen. Wenn du das glaubtest, gäbe es keinen Konflikt."
(EKIW: Kapitel 7, X. 3.)

"Das Ego fürchtet die Freude des reinen Geistes, denn wenn du sie einmal erfahren hast, wirst du dem Ego jeden Schutz entziehen und überhaupt nichts mehr in die Angst investieren. Jetzt investierst du viel, weil die Angst eine Zeugin für die Trennung ist und dein Ego frohlockt, wenn du Zeugnis für es ablegst. Lass es zurück! Höre nicht auf es, und erhalte es nicht aufrecht. Höre allein auf GOTT, DER der Täuschung ebenso unfähig ist wie der reine Geist, den ER schuf. Befreie dich selbst und befreie andere. Zeige den anderen kein falsches und unwürdiges Bild deiner selbst, und nimm selber kein derartiges Bild von ihnen an."
(EKIW: Kapitel 4, I. 10.)

Bei Crystal Meth ist die Symbolik des egoischen Todeswunsches besonders dramatisch. Bei der in der Drogenszene als Crystal Meth, Ice oder Panzerschokolade bezeichneten Substanz handelt es sich um Methamphetamin, einer synthetisch hergestellten Substanz. Sie wird sowohl in der Medizin als Arzneistoff, wie auch als euphorisierende und stimulierende Rauschdroge, verwendet.

Der Begriff Panzerschokolade hat geschichtliche Gründe. In Deutschland wurde Methamphetamin 1938 unter der Marke Pervitin in den Handel gebracht. Pervitin blieb bis 1988 im Handel. Auch mit Pervitin versetzte Pralinen (sogenannte „Hausfrauenschokolade“) waren erhältlich.

Insbesondere während der Blitzkriege gegen Polen und Frankreich 1939/40 fand Methamphetamin millionenfache Verwendung und spielte somit eine nicht zu unterschätzende Rolle im Verlauf der deutschen Kriegsgeschichte. Allein in der Zeit von April bis Juni 1940 bezog die Wehrmacht mehr als 35 Millionen Tabletten Pervitin.

Unter den Spitznamen „Panzerschokolade“, „Stuka-Tabletten“, „Hermann-Göring-Pillen“ und „Fliegermarzipan“ diente das Mittel zur Dämpfung des Angstgefühls, zur Steigerung der Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit und des Selbstwertgefühls der Soldaten, Fahrzeugführer und Piloten. Ähnliches galt für den Russlandfeldzug und die Schlacht um Stalingrad: Auch hier wurde vielen Soldaten der deutschen Wehrmacht in großen Mengen Pervitin appliziert, um das extreme Kältegefühl, den Hunger und die Erschöpfungszustände zu kompensieren.

Auch vom US-Militär wurde der Wirkstoff nach 1945 zur Leistungssteigerung eingesetzt, beispielsweise während des Vietnamkrieges.

Der Konsum von Methamphetamin kann sehr schnell zu einer psychischen Abhängigkeit führen. Chronische Folgen eines starken Konsums sind Abmagerung, Zersetzung der Schleimhäute in Mund und Nase, Ausfall der Zähne, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, vermehrte Angststörungen, Depressionen und Methamphetamin-induzierte Psychosen. Methamphetamin verändert die Persönlichkeit und lässt das Gesicht sehr schnell altern.

Sowohl die gesundheitlichen Folgen als auch der Einsatz im Krieg zeigen sehr deutlich, dass diese Substanz ein Ausdruck des egoistischen Strebens nach dem Tod ist. Tagtäglich bringen sich 20 US-Kriegsveteranen um.

Der Trend des beginnenden 21. Jahrhunderts sind die sogenannten Legal Highs - auch Research Chemicals genannt - wie etwa das Ketamin-Derivat Methoxetamin und die hoch toxischen Substanzen 4-MA, PMA und PMMA. Auch die psychoaktive Substanz 5-IT (5-(2-Aminopropyl)indol) wurde in Proben von „Legal Highs“ und Ecstasy-ähnlichen Tabletten festgestellt. In erster Linie kommt sie allerdings in Pulverform vor. 5-IT wirkt stimulierend und halluzinogen und kann zu Tachykardie, Hyperthermie, Erregungszuständen und Zittern führen.

Vor allem junge Erwachsene, die sozial integriert sind, greifen zu diesen Drogen. In bunten Fläschchen oder schillernden Aluminiumbriefen mit Motiven; als Kräutermischungen, Pillen oder Badesalze mit klingenden Namen wie Cloud Nine, Vanilla Sky oder White Dove. Woche für Woche kommt zumindest eine neue Substanz auf den Markt, indem bereits bekannte psychoaktive Drogen chemisch modifiziert werden. Der "Vorteil" dabei: Nationale Drogengesetze werden meist erfolgreich umgangen, da die neuen Substanzen (noch) nicht darin erfasst sind.

Wurden psychoaktive Substanzen noch vor wenigen Jahren in geheimen Labors hergestellt und auf dem illegalen Drogenmarkt verkauft, ist es heute leicht, sie zu erwerben: Ein Internet-Anschluss reicht, um in Online-Shops Research Chemicals zu bestellen. Schom 2012 gab es 693 verschiedene Internet-Anbieter für Konsumenten aus EU-Staaten und ihre Zahl steigt ständig. Es sind auch nicht die „klassischen Drogenkonsumenten“, die zu neuen synthetischen Drogen greifen. Großteils sind es junge Erwachsene, die ihr Leben im Griff haben und sozial integriert sind, die aber auch besonders risikobereit sind und auf Partys einen Kick haben und eine bestimmte Wirkung erfahren möchten - speziell bei Musikveranstaltungen und Festivals.

Wie bei jedem Mittel ist auch bei der Anwendung psychoaktiver Substanzen der Zweck entscheidend. Es ist nie die Substanz selbst, sondern die Geisteshaltung dahinter. Wenn wir psychoaktive Substanzen aus dem Blickwinkel des Anwendungszwecks betrachten, lässt sich auch eine Unterscheidung der unterschiedlichen Substanzen treffen. Alkohol, Heroin oder Crystal Meth sind eindeutig Substanzen die auf den Tod ausgerichtet sind. Sie sind Ausdruck des egoischen Todeswunsches.

Im Hinblick auf eine Bewusstseinsentwicklung ist daher die Wirkungsrichtung von psychoaktiven Substanzen der entscheidende Punkt. Es gibt Substanzen, die vorrangig auf das Dopaminsystem wirken. Diese Drogen haben einen aufputschenden bzw. beruhigenden Einfluss gleichermaßen. Zu ihnen gehören:

a) Dämpfende Drogen (insbesondere Alkohol, Heroin u.a. Opiate, Benzodiazepine u. a., entspannende, schmerzlindernde, schlafinduzierende und betäubende Medikamente).

b) Antriebssteigernde, euphorisierende Drogen (insbesondere Kokain und Amphetamine (Speed, Crystal, u.a.), auch Nikotin, Coffein, verschiedene Antidepressiva etc.).

Beide Gruppen sind generell durch ein hohes Suchtpotential gekennzeichnet, wobei körperliches bzw. seelisches Abhängigkeitspotential von Substanz zu Substanz differieren. Viele von ihnen führen beim suchthaften Missbrauch zu schweren körperlichen Schäden.

Diese Substanzen sind einerseits Ausdruck der Angst des Egos und andererseits der Ausdruck des egoischen Strebens nach immer mehr, wie es sich besonders im Wirtschaftsleben und im Leistungssport deutlich zeigt.

Eine andere Gruppe von Substanzen ist dadurch gekennzeichnet, dass sie durch ihre Wirkung auf das Serotoninsystem direkt den Bewusstseinszustand des Menschen beeinflussen, so dass körperliche Veränderungen eher die Folge des inneren Erlebens sind. Dies sind:

c) Drogen, die zu veränderten Wachbewusstseinszuständen führen, wie LSD, Psilocybin (Zauberpilze), DMT (Ayahuasca) und Meskalin (Kakteen).

Ayahuasca, Meskalin, psychoaktive Pilze und LSD werden meist verwendet um bewusstseinserweiternde Erfahrungen zu machen. Keiner der auf herbstlichen Schaf- oder Rinderweiden nach dem Spitzkegeligen Kahlkopf sucht, macht dies aus kulinarischem Interesse. Der Ausdruck „Narrische Schwammerl“ zeigt, dass es sich dabei um altes Volkswissen handelt. Doch mittlerweile sucht kaum noch jemand in der Natur nach diesem Pilz, sondern bestellt die Utensilien zur Pilzzucht im Internet und züchtet sie im eigenen Keller.

Über den therapeutischen Einsatz hinausgehend, können daher bewusstseinserweiternde Substanzen auch für gesunde Menschen interessant sein. So kann die Erfahrung außergewöhnlicher Bewusstseinszustände den Einzelnen bei der Auseinandersetzung mit existentiellen Fragen, wie der nach dem Sinn des Lebens, des Alterns und des Todes unterstützen, indem sie ihm ein vollständigeres Bild der Welt vermitteln. Unter günstigen Umständen mag manch einer zu einer unmittelbaren Erfahrung dessen gelangen, was über die Welt weit hinaus geht.

Bewusstseinszustände nach Dittrich

1. Ozeanische Selbstentgrenzung
Hiermit ist die positive Seite der Extase, der Entgrenzung, gemeint, das Gefühl, mit dem Kosmos, und vielleicht mit Gott, eins zu sein, oft verbunden mit spirituellen Erleuchtungserfahrungen und der Überzeugung, dass das Leben insgesamt gut ist und einen Sinn hat.

2. Angstvolle Ich-Auflösung
Darunter versteht man die Gegenposition, denn "Horrortrip", die Angst, die einen überflutet, den negativen "Flashback", das Gefühl ausgeliefert zu sein und keine Kontrolle mehr über sich und sein Leben zu haben.

3. Visionäre Umstrukturierung
Hiermit wird unterschieden, ob man aus der intensiven Erfahrung der Entgrenzung etwas für sein Leben gelernt und es umgesetzt hat, oder ob es nur ein einmaliges intensives Erlebnis ohne große Folgen war.

Welche Art von Erfahrung sich einstellt hängt von vielen Faktoren ab, entscheidend aber ist immer der Zweck dem die Anwendung bewusstseinserweiternder Substanzen dient und der Bewusstseinszustand des betreffenden Menschen. Der Bewusstseinszustand eines Menschen hängt auch mit dem, was manchmal als „Seelenalter“ bezeichnet wird, zusammen.

Ayahuasca (DMT) ist ein psychedelisch wirkender Pflanzensud. Die Angehörigen diverser Amazonas-Ethnien gebrauchen Ayahuasca in rituellen religiösen Zeremonien, um sich in einen Trance-Zustand zu versetzen. Der religiöse Gebrauch ist in Brasilien rechtlich garantiert und in den USA seit 2006 legalisiert.

Das Phänomen Ayahuasca unterliegt seit dem Ende der 1990er Jahre einer globalisierenden Entwicklung. Einige berühmte Persönlichkeiten, wie beispielsweise der Popsänger Sting in seiner Biografie und in Fernsehinterviews, berichten öffentlich über ihre persönlich-biografischen und spirituellen Ayahuascaerfahrungen. Es entwickelte sich ein westlicher Ayahuasca-Tourismus, wodurch im oberen Amazonasgebiet, vorwiegend in Peru, florierende "Heilungszentren" entstanden sind, die meist ausländischen Besitzern gehören und lokale Schamanen in Honorartätigkeit bezahlen oder anstellen.

Die Angebote richten sich nicht selten an die Erwartungen des westlichen Publikums an eine vermeintliche Authentizität indianisch-schamanischer Spiritualität und Weisheit. Dabei kommt es für das ausländische Publikum oft zu einer nicht erkennbaren folkloristischen Retraditionalisierung, die nicht die heutige authentische Realität indianischer Volksmedizin widerspiegelt. Westliche neoschamanistische Elemente werden mit religiösen Vorstellungen einer Allbeseeltheit, Schamanismus und ostasiatischen Versatzstücken aus Buddhismus und Yoga vermischt, um den Erwartungen des westlichen Ethnotherapie-Publikums gerecht zu werden.

Ebenso ist auch die Globalisierung von Ayahuasca in die andere Richtung zu verzeichnen, so dass sich in Nordamerika und Europa heutzutage mehr und mehr Ayahuascaangebote finden lassen, teilweise durch südamerikanische Schamanen, die dort Seminare und Retreats anbieten, teilweise durch westliche Neoschamanen, westliche alternative Psychotherapeuten und Ayahuasca-Kirchen und deren globalisierte Ableger. Ayahuasca wird dabei als vermeintlich jahrtausendealte Heilungsmethode für nahezu alles übergeneralisiert.

Das Auftreten einer Abhängigkeit durch Einnahme von Ayahuasca ist als gering einzuschätzten. Bekannte und häufige akute Wirkungen sind Erbrechen, Durchfall oder Schweißausbrüche, wobei diese Symptome traditionell häufig nicht als Nebenwirkungen, sondern als beabsichtigte Hauptwirkung angesehen werden, die in Kombination mit den psychischen Effekten eine umfassende spirituell-psycho-physische Reinigung bewirken sollen. Es kann zu einer verminderten Kontrolle der Motorik kommen sowie zu Gleichgewichtsstörungen und Schwindel. Angstzustände und vorübergehende psychotische Zustände können bei unsachgemäßer Anwendung ausgelöst werden.

Dem Gebrauch von Ayahuasca liegt eine gewisse Unsicherheit in den Ergebnissen zu Grunde. Die Reaktionen während Ayahuasca-Zeremonien rangieren zwischen dem tiefen Zustand der Ruhe und gequältem Schreien um Vergebung.

Was man daran sehr gut erkennen kann ist, dass die Welt eine Projektion des Geistes ist und mit Hilfe psychoaktiver Substanzen Unbewusstes seinen Weg an die Oberfläche findet. Es ist nicht immer angenehm, wenn noch sehr viel unbewusster Ego-Wahnsinn vorhanden ist, der plötzlich ungehemmt an der Oberfläche auftaucht.

Die mit dem Konsum psychedelisch wirkender Pflanzen verbundenen Zeremonien und Rituale, wie Schwitzhütten, sind besonders beim „spirituellen“ Ego mit seinem Faible für Schamanismus sehr beliebt, weil es die Sehnsucht nach Natur und natürlicher Lebensweise anspricht. Es wird dabei häufig völlig vergessen, dass es in der Natur um fressen und gefressen werden geht und viele Pflanzengifte nicht nur für Tiere, sondern auch für den Menschen tödlich sind. Die ganze Unterscheidung von Natur und Nicht-Natur ist nur eine weitere Form des egoischen Denkens in Dualität.

Die psychoaktiven Substanzen zugeschriebenen positiven Qualitäten sind nicht in der Substanz enthalten - die Substanzen dienen lediglich dazu, um auf chemischem Wege die sozial erworbenen Verdrängungsmechanismen und Filter des Bewusstseins zu unterlaufen und damit kurzzeitig Bereiche zu öffnen, die dem Individuum normalerweise nicht zugänglich - wohl aber als Potential in ihm enthalten sind und daher auch entwickelt werden können.

MDA war in den 1960er Jahren in Teilen der Hippiekultur in San Francisco als sogenannte „Liebesdroge“ („hug drug“) bekannt geworden. 1965 synthetisierte der Chemiker Alexander Shulgin die Substanz MDMA, nachdem er ab 1962 mit den verwandten Substanzen MMDA und MDA experimentiert und durch Selbstversuche deren psychoaktives Potential erforscht hatte. MDMA wurde in den nachfolgenden Jahren von einigen Psychotherapeuten in ihrer Praxis bis zum Verbot durch die Drug Enforcement Administration (DEA) im Juli 1985 benutzt. Als die DEA 2001 die therapeutische Anwendung von MDMA, begrenzt auf die Indikation der posttraumatischen Belastungsstörung und unter strenger Kontrolle, erlaubte, griff eine kleine Zahl amerikanischer Psychotherapeuten während der Therapie wieder darauf zurück.

In Deutschland gibt es bereits einen lebhaften Untergrund von Therapeuten, die nach unterschiedlichen Philosophien mit Amphetaminen wie MDMA oder Psychedelika wie LSD arbeiten, und in anderen Ländern dürfte es nicht anders aussehen. Doch wegen fehlender offizieller Zulassung agieren die Helfer damit ebenso illegal wie ihre Patienten und sind auf Lieferungen aus zweifelhaften Quellen angewiesen.

Albert Hofmann (1906 - 2008) war ein Schweizer Chemiker, Autor und der Entdecker des LSD. Im Rahmen von Arzneimittelforschungen mit dem Getreidepilz Mutterkorn und unter der Zielsetzung, ein Kreislaufstimulans zu entwickeln, synthetisierte Hofmann 1938 das Diethylamid LSD-25. Am 19. April 1943 entschied er sich, die Substanz mit der kleinsten für ihn denkbaren wirksamen Dosis im Selbstversuch zu testen, und protokollierte die Erfahrung.

Nachträglich stellte sich heraus, dass es sich bei der von ihm gewählten Dosis (etwa 250 µg) um das Drei- bis Fünffache der, aus heutiger Sicht, normal wirksamen Dosis handelte. LSD gehört zu den potentesten und stärksten bekannten Halluzinogenen. Hofmann selbst resümierte später die zufällig geschehene Entdeckung mit den Worten: „Das LSD ist zu mir gekommen“. Seine, nach seinem ersten Selbstversuch, von starken Halluzinationen begleitete Fahrradfahrt vom Labor nach Hause ging unter dem Namen „Fahrradtag“ (Bicycle Day) in die Geschichte der LSD-Kultur ein.

Das Mutterkorn, dessen Wirkung schon im Mittelalter als „Heiliges Feuer“ bekannt war, wurde auch weiterhin medizinisch erforscht, da seine Inhaltsstoffe unter anderem eine auf den Muskeltonus wirkende Substanz enthält, die beispielsweise bei Schwangeren zur Einleitung der Wehen genutzt werden kann. Der Name Mutterkorn rührt von dieser Wirkung auf die Gebärmutter her, die seit dem Mittelalter bekannt ist.

Hofmann setzte sich zeitlebens dafür ein, dass psychedelische Substanzen wie LSD zu Forschungszwecken legalisiert werden sollen. Optimistisch äußerte er die Ansicht, die richtige Anwendung von LSD in der menschlichen Kultur sei nur eine Frage der Zeit.

Nachdem in den USA in den 1960er Jahren Timothy Leary den Massenkonsum von LSD propagierte, übte Hofmann starke Kritik. Mit der Substanz müsse vorsichtig umgegangen werden, es handle sich nicht um eine Genussdroge.

„The gate is straight
Deep and wide
Break on through to the other side
Break on through to the other side“

(Break On Through - The Doors)

LSD wird von führenden Naturwissenschaftlern in der Halluzinogenforschung, der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) und dem National Institute on Drug Abuse des US-Gesundheitsministerium als nicht-abhängigkeitserzeugende Substanz angesehen, da es kein Suchtverhalten erzeugt. Viele LSD-Konsumenten verringern ihren Gebrauch mit der Zeit freiwillig oder stellen ihn ganz ein.

Seit etwa 1990 erlebt die Halluzinogenforschung eine Renaissance. Im Dezember 2007 wurde dem Schweizer Psychiater Peter Gasser bewilligt, eine Studie zur psychotherapeutischen Behandlung mit LSD an Patienten mit Krebs im Endstadium durchzuführen. Der Einsatz von LSD bei todkranken Menschen scheint sinnvoll zu sein, da LSD in diesem Kontext helfen kann die Angst vor dem Tod zu verringern oder sogar ganz aufzulösen.

Es ist wie immer der Zweck, unsere tiefinnerste Absicht, hinter der Anwendung psychoaktiver Substanzen, die entscheidend ist. Wir können einen LSD-Trip dazu benutzen um uns zu unterhalten, indem wir beispielsweise durch die Natur spazieren und uns an der veränderten Wahrnehmung erfreuen. Dies ist nur ein weiterer Trick des Egos den Unterhaltungswert seiner Welt, seiner Illusion, zu steigern, um sie attraktiv erscheinen zu lassen und um sie dadurch am Leben zu erhalten. Was wir dabei erkennen können, ist die Subjektivität von Wahrnehmung, aber damit ist nicht wirklich etwas gewonnen. Solange wir nicht bereit sind über den Unterhaltungswert dieser Welt hinauszugehen, werden wir der WAHRHEIT nicht näher kommen.

LSD hat kaum Suchtpotential und auch körperliche Schäden sind nicht bekannt. Allerdings sind durch die hohe Wirkintensität und die Wirkungsrichtung des LSD bei unsachgemäßer Anwendung sehr wohl seelische Schäden bis hin zum Auslösen einer Psychose möglich.

Gerade bei jungen Menschen ist beim Einsatz bewusstseinserweiternder Substanzen eine „angstvolle Ego-Auflösung“ viel wahrscheinlicher, was bei mangelnder Integration zu einer pathologischen Regression (Psychose, Persönlichkeitsstörung) führen kann. Weiterhin ist es möglich, dass unverarbeitete psychische Traumata und Konflikte auftauchen, deren Integration unbedingt der therapeutischen Begleitung bedürfen.

Wenn immer mehr Erwachsene mit Hilfe geeigneter Methoden und spiritueller Wege ihre eigene Liebesfähigkeit entwickeln und diese Qualität sowohl in ihrer Familie weiter vermitteln, als auch in die Gesellschaft einbringen, haben es unsere Kinder nicht mehr nötig, sich bei jeder kleinen Frustration, oder des Lustgewinns wegen, in einen Rausch zu flüchten - sie können Freiheit, Angstlosigkeit und Liebe täglich und ohne Drogen erleben.

Epilog

Da fast alle Kulturen Methoden entwickelt haben, Zustände erhöhter Wachheit und Bewusstheit willentlich herbeizuführen, scheint es eine Art natürliches Bedürfnis nach veränderten Bewusstseinszuständen zu geben. Dahinter steht die Sehnsucht nach der WAHRHEIT, die Suche nach dem Weg zurück ins Paradies. Mehr Bewusstseinsfülle und mehr Wachheit führen zur Integration beziehungsweise Auflösung alter Denkstrukturen.

Die bekanntesten psychischen Mechanismen zur Erreichung erweiterter Bewusstseinszustände sind Reizentzug (z.B. Meditation, Dunkeltherapie) und Reizüberflutung (z.B. Trancetechniken, Extremsituationen), Schlafentzug und Fasten (z.B. in Initiationsriten wie in einem Vissionssuche-Ritual), holotropes Atmen (Hyperventilation), aber eben auch die rituelle Verwendung geeigneter psychoaktiver Substanzen.

Verschiedene Forscher gehen davon aus, dass die zufällige Einnahme psychoaktiver Pflanzen im Zuge der Erkundung der Umwelt nach Nahrung für den frühen Homo Sapiens zur Grundlage von Religion und Spiritualität wurde. Die dabei erlebbaren Phänomene können, trotz der durch den jeweiligen Bewusstseinszustand vorgegebenen Grundcharakteristik, sehr unterschiedlich sein, da Wahrnehmung und Interpretation stark von der erreichten Bewusstseinsebene des jeweiligen Menschen beeinflusst werden.

Jede Art von Droge - egal ob Alkohol, ein erlaubtes Medikament, eine verbotene Substanz, oder ein psychedelisch wirkende Pflanze - ist Magie, also Teil der Illusion und nicht die WAHRHEIT.

Auch bei den unter Umständen hilfreichen Substanzen ist daher immer auf den Entwicklungsstand des jeweiligen Menschen und auf den Zweck der Anwendung psychoaktiver Substanzen zu achten. Wir können diese Substanzen als Flucht vor der Welt verwenden, was uns nicht den Frieden bringen wird, oder wir können sie in speziellen Situationen, und in einem von Therapeuten begleiteten professionellen Setting, verwenden, um einen Blick in den Himmel zu erhaschen und eine Ego-Auflösung und Einheitserfahrung von unglaublicher Intensität erfahren. So kann es durchaus sein, dass dem einen oder anderen Menschen eine Erfahrung mit einer bewusstseinserweiternden Substanz zu einer tiefen Erkenntnis verhilft, die ihn erst bereit macht für den Weg zurück zu GOTT.

Eine Erfahrung mit einer bewusstseinserweiternden Substanz kann wie ein Hubschrauberflug über den Gipfel eines wundervollen Berges sein. Wir haben danach eine Ahnung von der Pracht und Herrlichkeit des Gipfels, aber dies befreit uns nicht von der Kraftanstrengung des eigenen Aufstiegs. Erst wenn wir den Gipfel zu Fuß erklommen haben, ist ein dauerhaftes Verweilen am Gipfel möglich. Der Blick auf den Gipfel beim Hubschrauberflug dient uns als Motivation und Antrieb, um uns auf den Weg zu machen und auch schwierige Wegstrecken zu überstehen, weil wir die Herrlichkeit unseres Ziels kennen.

Bild

Manchmal entstehen Probleme im Anschluss an die Erfahrung durch falsche Interpretationen der Erfahrung durch das Ego. Wenn in der Erfahrung die Erkenntnis auftaucht, dass die Welt eine Illusion ist, kann dies anschließend sehr leicht dazu führen, dass sich das Ego von der Welt distanziert und nicht erkennt, dass die Welt gleichzeitig auch das Mittel zur Erlösung ist. Wenn in der Erfahrung die Erkenntnis auftaucht, dass sich alles nur im beobachteten Bewusstsein abspielt und es sonst nichts gibt, kann dies anschließend sehr leicht dazu führen, dass das Ego diese Erkenntnis für sich in Anspruch nimmt und in völliger Selbstüberschätzung und Größenwahn endet.

Ein Beispiel dafür findet sich im Buch „Liebe, Haschisch und Erleuchtung“ von Christian Salvesen. Es beschreibt wie sich ein Ego im Drogenrausch und in spirituellen Konzepten völlig verliert. Diese Geschichte zeigt aber auch, auf beeindruckende Weise, wie das Ego verzweifelt versucht den Traum vom ständigen Geboren-werden und Sterben aufrecht zu halten versucht, obwohl es innerlich völlig leer ist und außer dem Traum nichts hat. Es zeigt wie das Ego, seiner eigenen Sinnlosigkeit und Leere, durch festhalten am Traum, zu entkommen versucht. Es zeigt auch wie das Ego ständig alles Negative in seine Umwelt projiziert und sich aus seinen Drogenräuschen ein „spirituelles“ Selbstbild von sich als Sannyasin zusammenbastelt und sich besser als andere vorkommt. Es zeigt weiters wie das Ego „religiöse Wahrheit als rein subjektiv“ erlebt, weil es von der WAHRHEIT keine Ahnung hat. Die Subjektivität von Religion ist nicht die Lösung, sondern die Ursache des Problems.

Dieses Buch liefert eine wunderbare Beschreibung des Ego-Wahns, aber nicht den geringsten Hinweis auf die Befreiung daraus, sondern ganz im Gegenteil: Der Traum wird als das „Gefängnis der Gegenwart“ beschrieben, „von dem es kein Entkommen gibt“. Alle wahrhaft spirituellen Lehrer, und so auch der Kurs, lehren genau das Gegenteil: Das Erwachen aus dem Traum der Zeit und der befreite Zustand des heiligen Augenblicks ist nicht nur möglich, sondern unvermeidlich - lediglich wie lange wir noch im Traum von Raum und Zeit, von Leben und Tod, verweilen steht uns „frei“.

Die Gefahr Erfahrungen falsch zu interpretieren ist bei Methoden ohne bewusstseinserweiternder Substanzen, wie holotropen Atemsitzungen, Visionssuche-Ritualen, oder Vipassana-Meditations-Retreats wesentlich geringer. Ein grundlegendes methaphysisches Verständnis, wie es der Kurs bietet, ist allerdings immer die Voraussetzung, um mit Hilfe bewusstseinserweiternder Methoden die Reise zurück ins Paradies zu unterstützen.

Bei all der Beschäftigung mit bewusstseinserweiternden Methoden, dürfen wir nicht vergessen, dass das Bewusstsein die Domäne des Egos ist, es ist der erste Schritt in die Trennung und nicht das wahre SELBST.

"Dies ist kein Kurs in philosophischer Spekulation, noch befasst er sich mit einer präzisen Terminologie. Er befasst sich nur mit der SÜHNE oder der Berichtigung der Wahrnehmung. Das Mittel der SÜHNE ist die Vergebung. Die Struktur eines individuellen Bewusstseins ist im wesentlichen unerheblich, weil es ein Konzept ist, das den Erbirrtum oder die Erbsünde darstellt. Den Irrtum selbst zu untersuchen führt nicht zur Berichtigung, wenn es dir fürwahr gelingen soll, den Irrtum zu übersehen. Und es ist genau dieser Prozess des Übersehens, auf welchen der Kurs abzielt."
(EKIW: III. HANDBUCH FÜR LEHRER, BEGRIFFSBESTIMMUNG, EINLEITUNG, 1.)

Grundsätzlich gilt immer:

Suche nicht außerhalb von dir. Denn es wird misslingen, und du wirst bei jedem Male weinen, wenn ein Götze fällt. Der HIMMEL kann nicht dort gefunden werden, wo er nicht ist, und es kann keinen Frieden geben außer dort. Kein Götze, den du anbetest, wenn GOTT dich ruft, wird je an SEINER Stelle Antwort geben. Es gibt keine andere Antwort, mit der du sie ersetzen und das Glück finden kannst, das SEINE Antwort bringt. Suche nicht außerhalb von dir. Denn all dein Schmerz kommt einfach nur von einer vergeblichen Suche nach dem, was du willst, wobei du darauf beharrst, wo es zu finden ist. Und was, wenn es nicht dort ist? Möchtest du lieber recht haben oder Glücklich sein? Sei froh, dass dir gesagt wird, wo das Glück weilt, und suche nicht mehr anderswo. Es wird dir misslingen. Doch ist es dir gegeben, die Wahrheit zu erkennen und sie nicht außerhalb von dir zu suchen.“
(EKIW: Kapitel 29, VII. 1.)



Ungeheilte Heiler

Es gibt viele, am Beginn des Weges, durchaus hilfreiche Methoden, wie Psychotherapie, Aufstellungen, schamanische Reisen, der Einsatz psychoaktiver Substanzen und holotropes Atmen. Aber alle diese Methoden sind nur dann hilfreich, wenn sie vor dem Hintergrund des Gedankensystem des reinen Geistes durchgeführt werden. Wenn sie im Sinne des Egos angewendet werden, führen sie nur noch zu weiterer Verwirrung und Verirrung. Es ist nie eine Methode an sich die hilft, sondern die Geisteshaltung mit der eine Methode angewendet wird und damit der Sinn und Zweck dem die Anwendung dient.

Wenn wir mit Hilfe einer Methode, wie beispielsweise einer schamanischen Reise, tiefer in den Kaninchenbau des Egos vordringen - ins individuelle und kollektive Unbewusste - so treffen wir weiterhin auf die Irrtümer des Egos und nicht auf die Wahrheit an sich. Die auftauchenden Bilder sind an sich vollkommen neutral und bedeutungslos. Erst unsere Interpretation gibt ihnen Bedeutung. Unser eigenes Gedankensystem erschafft Bedeutung. Wenn wir uns dessen bewusst sind, können uns diese Bilder eine Unterstützung sein. Das "spirituelle" Ego betrachtet allerdings den Grad der Tiefe des Eintauchens ins Unbewusste als Maß für Wahrheit - das ist es aber nicht. Die im völligen Widerspruch stehenden Gedankensysteme, das des Egos und das des reinen Geistes, sind in sich geschlossen und logisch. Daher wird immer alles, was wir in der Tiefe des egoischen Gedankensystems entdecken, absolut stimmig erscheinen - wenn wir es aus der Position des Egos betrachten. Diese Stimmigkeit ist aber kein Hinweis auf Wahrhaftigkeit.

Jede Psychotherapie ohne transpersonalen Ansatz geht am Wesentlichen vorbei. Den Gipfel der egoischen Nabelschau stellt die zurzeit sehr beliebte Personenzentrierte Psychotherapie dar. Die Personenzentrierte Psychotherapie und Beratung geht von den Erfahrungen und der Welt der Person aus, die als Expertin für ihr Erleben gesehen wird. Wahre Heilung ist auf der Ebene der Person allerdings nicht zu finden, denn die Person ist die Krankheit. Das Ego lebt in der Illusion, dass es sich selbst heilen könnte. Mit einer Psychotherapie auf der Ebene der Person lässt sich zwar der Leidensdruck etwas verringern, aber die Quelle des Leidens bleibt davon unberührt.

“Mein Therapeut hat eben gesagt, ich wäre bald geheilt.
Jetzt lachen wir beide und besprechen die Termine für das nächste Jahr.”

Psychotherapie im herkömmlichen Sinne versucht das Ich zu stabilisieren und eine starke Persönlichkeit zu entwickeln. Das egoische Selbst zu stabilisieren und zu stärken ist, im wahrsten Sinne des Wortes, eine Heidenarbeit. Mit der ständigen Beschäftigung mit unserem wankenden Bild von uns selbst, lenkt uns die Stimme des Egos erfolgreich von der WAHRHEIT ab - von der WAHRHEIT, “dass unser Selbst nichts ist, dass aber unser SELBST alles ist.”

Es ist immer das gleiche Spiel zwischen Therapeut und Klient: Der Klient kommt innerlich leer, wie ein Luftballon aus dem die Luft entwichen ist, zum Therapeuten und wird vom Therapeuten mit heißer Luft wieder aufgepumpt. Die heiße Luft des Therapeuten erzeugt Sätze wie: “Du bist wertvoll.” “Du bist liebenswert.” “Du darfst dir deinen Raum nehmen und dich abgrenzen.” “Du gehst deinen Weg.” “Du darfst das.” Der Klient verlässt daraufhin aufgeblasen und freudestrahlend den Therapeuten, doch beim ersten „scharfkantigen“ Kontakt mit der Umwelt, beispielsweise in Form des Chefs oder Partners, zerreißt die aufgeblasene Hülle und die heiße Luft entweicht wieder, um in der nächsten Therapiesitzung wieder aufgeblasen zu werden. A never ending Game.

Psychologie beschreibt das Problem, bietet jedoch keine Heilung.

Untersuchungen haben gezeigt, dass der Erfolg einer Psychotherapie in erster Linie vom Therapeuten und nicht so sehr von der Methode abhängt. Dies zeigt auf, dass es die Beziehung zwischen Therapeut und Klient ist, von der eine heilsame Wirkung ausgeht. Diese Beziehung hängt natürlich vom Weltbild des Therapeuten und des Klienten ab. Ein Weltbild auf der Grundlage von Einheit, getragen vom Bewusstsein eines größeren Ganzen, ist wahrhaft heilsam. Insofern ist die Wahl der jeweiligen psychotherapeutischen Richtung ein Hinweis auf das jeweilige Weltbild. Geht es uns in erster Linie um die Konzentration auf uns als Person, also um den „Heißluftballon“, oder geht es uns um eine Ausrichtung auf etwas das weit über uns als Person hinausgeht (transpersonal).

Die Psychoanalyse dringt in die Erinnerung ein, das ist ihr Gebiet. Sie geht in die Kindheit zurück, in die Vergangenheit. Sie geht rückwärts. Zig Jahre Geschichte! Das kann lange dauern. Und selbst dann hilft es nicht viel, denn es gibt tausende von Problemen. Es geht ja nicht nur um ein Problem. Wir können also der Geschichte eines einzelnen Problems nachgehen, wir können in unsere Lebensgeschichte einsteigen und die Ursache suchen. So können wir vielleicht ein Problem loswerden, aber tausend andere warten schon. Wenn wir in jedes Problem einsteigen wollen, bräuchten wir viele Leben, nur um die Probleme eines Lebens zu lösen. Und von den vielen Leben, die wir bräuchten, um ein Leben aufzuarbeiten, bringt jedes wieder seine eigenen Probleme mit sich ... und so weiter und so fort. Wir verstricken uns immer tiefer in Probleme. Das ist wirklich absurd.

"Das Problem der Trennung, das in Wirklichkeit das einzige Problem ist, ist bereits gelöst. Und dennoch wird die Lösung nicht erkannt, weil das Problem nicht erkannt ist."
(EKIW: LEKTION 79, 1. 4.&5.)

Neuerdings wird auch der Körper psychoanalytisch angegangen: Rolfing, Bioenergetik und andere Methoden, mit denen wir die Spuren im Körper, in der Muskulatur zu beseitigen versuchen. Auch hier müssen wir in die Geschichte des Körpers einsteigen. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass einfach nur der Körper repariert werden muss und alles ist gut. In Wahrheit ist es genau umgekehrt; die Materie ist eine Projektion des Geistes. Daher besteht die einzige Möglichkeit zu wahrer Veränderung darin, anderen Geistes zu werden.

Beide Methoden, sowohl Psycho- als auch Körperanalyse, basieren auf dem gleichen logischen Irrtum, dass das Problem, weil es aus der Vergangenheit kommt, auch von der Vergangenheit her gelöst werden müsste.

Mitten im dichtesten New Yorker Verkehr
rammt ein Taxifahrer das Auto des Psychoanalytikers Dr. Hide.
Er springt aus seinem Wagen und ruft mit erhobener Faust dem Taxifahrer zu:
"Verdammt noch mal, kannst du nicht aufpassen, wo Du hin fährst, du Idiot?"
Dann erinnert er sich plötzlich an seinen Beruf.
Er wirft einen gütigen Blick auf den Taxifahrer und sagt mit sanfter Stimme:
"Lassen Sie es mich anders formulieren: Warum hassen sie ihre Mutter?"

Das westliche Denken nimmt Probleme sehr ernst und hat seit jeher etwas Unmögliches versucht: Die Vergangenheit zu bewältigen. Aus Sicht der Illusion der Zeit ist die Vergangenheit bereits geschehen. Wir können nicht wirklich in die Vergangenheit zurück. Wenn wir glauben, in die Vergangenheit zu gehen, gehen wir allenfalls in die Erinnerung. Das Einzige was wir sinnvollerweise tun können, ist die Vergangenheit zu vergeben - genau genommen - uns unsere eigene Erinnerung an die Vergangenheit, uns und unseren Mitmenschen, zu vergeben - im Wissen das unsere Erinnerung nie wirklich geschehen ist.

Wenn wir die Situation noch genauer betrachten und uns daran erinnern, dass Zeit eine Illusion ist, nur ein Gedanke in unserem Geist, dann können wir sehr leicht erkennen, wie verrückt es ist zu versuchen die Vergangenheit „aufzuarbeiten“. Wir können uns damit höchstens den Heiligen Augenblick verderben - den einzigen Augenblick, denn es gibt!

"Daher muss es so sein, dass die Zeit nicht beteiligt ist und jedes Problem jetzt beantwortet werden kann. Doch muss es auch so sein, dass eine Lösung in deinem Geisteszustand unmöglich ist. Deshalb muss GOTT dir einen Weg gegeben haben, einen anderen Geisteszustand zu erlangen, in dem die Antwort bereits da ist. Das ist der heilige Augenblick. Hierher sollten alle deine Probleme gebracht und hier gelassen werden. Hierher gehören sie, denn hier ist ihre Antwort. Und da, wo seine Antwort ist, muss ein Problem einfach und leicht zu lösen sein. Der Versuch, ein Problem dort zu lösen, wo die Antwort nicht sein kann, muss zwecklos sein. Doch genauso sicher muss es gelöst werden, wenn es dorthin gebracht wird, wo die Antwort ist."
(EKIW: Kapitel 27, IV. 2.)

Zu glauben die Vergangenheit wäre die Ursache für unsere jetzigen Probleme ist ein folgenschwerer Irrtum. Die Vergangenheit ist keine Ursache, sondern sie ist der Ausdruck unseres Gedankensystems im JETZT. Daher ist nur im JETZT wahre Heilung zu finden, indem die Welt vergeben wird - nicht irgend ein Aspekt der Welt, sondern die Welt an sich. Dies bedeutet zu erkennen, dass es keine Welt außerhalb von UNS gibt.

Selbst die Aufstellungsarbeit, eine an sich wunderbare Methode, wird manchmal dazu verwendet, die Illusion der Vergangenheit aufrecht zu erhalten. Die meisten Aufsteller sind im Ego-Denksystem gefangen und interpretieren daher, die sich in der Aufstellung zeigenden Bilder, dementsprechend. In einem Buch des wohl berühmtesten Aufstellers finden sich folgende Aussagen: „Der Wert einer Frau bemisst sich an der Anzahl ihrer Kinder.“ „Die Frau muss dem Mann in die Familie folgen, ansonsten ist keine glückliche Beziehung möglich.“ Dies sind keine Aussagen aus dem reinen Geist, sondern aus einem verirrten Ego-Geist. Der Versuch egoische Konzepte von Ordnung wieder herzustellen, führt nicht zur Befreiung, sondern zur Verstärkung der Fixierung in der Welt von Schuld und Opfer. Die ERLÖSUNG liegt in der Auflösung aller Ordnungen dieser Welt.

Das Familienstellen ist eine Methode um die geistigen Kräfte in menschlichen Systemen und Beziehungen sichtbar zu machen. Die Welt, die wir wahrnehmen, ist eine Welt der Trennung. Die Welt, aus der Perspektive des Egos, bleibt immer ein Ort des Krieges, das ist systemimmanent. Diese Hintergründe, mit all den aufkommenden Fragen, können wir über das Aufstellen mit Stellvertretern sichtbar machen. Plötzlich sehen und spüren wir die Kraft des zerstörerischen, egoischen Gedankensystems in uns, wie auch die Macht der Entscheidung und die der Heilung. Alles ist ja in unserem Geist vorhanden. Das Wertvolle an der Aufstellungsarbeit ist, dass wir auch die Liebe spüren, die alles verbindet und vor deren Realität sich die Illusion des Weltendramas abspielt. Selbst die Liebe zwischen Tätern und Opfern wird spürbar.

Wir sind gefordert, uns im eigenen Geist der entscheidenden Frage „Wer bin ich?“ zu stellen. Sie wird zunächst negativ beantwortet: „Was alles bin ich nicht?“ Dann fallen zum Beispiel Identifizierungen mit anderen Menschen im Sinne familiärer Verstrickungen von uns ab. Aber es geht um mehr. Wir brauchen eine grundlegende geistige Berichtigung. Der nächste Schritt ist die Rücknahme aller Projektionen, besonders, was das heiße Thema der Schuld betrifft. Was wir erleben, ist unsere eigene Projektion und somit zu verantworten. Das ist oft schwer einzusehen, dort aber liegt der Schlüssel zur Freiheit.

Erst wenn wir Gut und Böse in uns angeschaut und losgelassen haben, erst dann überschreiten wir die Grenzen der Moral und des Gruppengewissens und damit die weltliche Ordnung der Gruppe. Denn die Bindung an Gruppen schenkt uns zwar ein Gefühl der Sicherheit, aber sie beinhaltet immer auch die Bereitschaft zum Krieg gegen Andere, wenn die eigene Position infrage gestellt wird. Der Glaube an die kleinste Gruppe - die Familie - hat schon unzähligen "Anderen" das Leben gekostet. Auf diese Art und Weise wiederholen wir seit Jahrtausenden immer und immer wieder die Vergangenheit. Die kleinste und intensivste Erfahrung von Gruppe ist meist die Familie und um die damit verbundenen Projektionen sichtbar zu machen ist die Aufstellungsarbeit eine wunderbare Methode.

Der Kurs verbindet drei wertvolle Elemente miteinander: Die Freudsche Tiefenpsychologie (Abspaltung und Projektion), die Lehre von der Nondualität (Advaita-Vedanta) und ein nonduales, vom Heiligen Geist inspiriertes, Christentum, welches wohl bisher nur den Mystikern zugänglich war. Damit ist er eine wunder-volle Grundlage für jede Art von therapeutischer Methode.

Generell ist keine therapeutische Methode in der Lage zu heilen, sondern ist lediglich hilfreich beim Erkennen und Berichtigen des eigenen egoischen Gedankensystems. All die auftauchenden Bilder haben keine Wirklichkeit, sondern sind lediglich Symbole für Inhalte des eigenen Gedankensystems. Diese Inhalte zu kennen mag hilfreich sein, ist aber nicht zwingend notwendig, weil sie alle auf den grundlegenden Irrtümern des Egos aufbauen.

Ein grundlegender Irrtum des Egos besteht in der völlig falschen Sicht von Ursache und Wirkung. Das Ego betrachtet scheinbare biografische Erfahrungen dieses Lebens, und auch scheinbar vergangener Leben, als Ursache für Probleme in der Gegenwart. Frühere Leben sind nichts anderes als eine Abfolge von Träumen. Ihr einziger echter Wert besteht darin, zu lernen, wie wir die gemachten Erfahrungen zum Vergeben nutzen können, besonders da wir dieselben Vergebungslektionen in diesem Leben wieder präsentiert bekommen. Die Form mag eine andere sein, aber die Lektion und ihre Bedeutung bleiben dieselben. Der Film Und täglich grüßt das Murmeltier zeigt dies wunderbar – es ist jeden Tag die gleiche Lektion.

Eine Ursache-Wirkungs-Beziehung in der Zeit existiert nicht, weil die Zeit nicht existiert. Alles was im JETZT erscheint ist eine Projektion des Geistes und die scheinbare Vergangenheit ist nur ein Symbol der Ideen des Geistes. Solange wir an der zeitlichen Ursache-Wirkungs-Beziehung festhalten sind wir in der Schuld gefangen.

Nun ist sich GOTTES SOHN endlich der gegenwärtigen URSACHE und IHRER gütigen WIRKUNGEN bewusst. Jetzt versteht er, dass das, was er gemacht hat, ursachlos ist und keinerlei Wirkungen hat. Er hat nichts getan. Und indem er das sieht, versteht er, dass er nie irgend etwas zu tun brauchte und es nie tat. Seine URSACHE ist IHRE WIRKUNGEN. Es hat nie eine Ursache außer IHR gegeben, die eine andere Vergangenheit oder Zukunft erzeugen könnte. IHRE WIRKUNGEN sind unveränderbar ewig, jenseits der Angst und ganz und gar über die Sündenwelt erhaben.
(EKIW: Kapitel 28, I. 14.)

Vaterschaft ist Schöpfung. Die Liebe muss ausgedehnt werden. Reinheit ist nicht begrenzt. Es ist das Wesen der Unschuldigen, ewig uneingedämmt zu sein ohne Schranke oder Begrenzung. Somit ist Reinheit nicht vom Körper. Noch kann sie dort gefunden werden, wo Begrenzung ist. Der Körper kann durch ihre Wirkungen geheilt werden, die grenzenlos sind wie sie selbst. Doch muss alle Heilung deswegen geschehen, weil begriffen wird, dass der Geist nicht im Körper und seine Unschuld ganz getrennt von diesem ist, nämlich dort, wo alle Heilung ist. Wo also ist die Heilung? Nur dort, wo ihrer Ursache ihre Wirkungen gegeben werden. Denn Krankheit ist ein bedeutungsloser Versuch, der Ursachlosigkeit Wirkungen zu geben und sie zu einer Ursache zu machen.
(EKIW: Kapitel 28, II. 2.)

All die Heilungsversuche auf der Ebene des Körpers beruhen auf der Verwechslung von Ursache und Wirkung. Der Körper ist die Wirkung und nicht die Ursache. Der Körper ist die Projektion des Geistes und hat daher keine Wirkung, sondern ist das Ergebnis von Wirkung, er ist eine Auswirkung des Denkens in Trennung.

Betrachten wir beispielsweise das sogenannte Leaky-Gut-Syndrom (deutsch: Syndrom des durchlässigen Darms). Dies ist ein alternativmedizinisches Konzept, für dessen Existenz es keine wissenschaftlichen Beweise gibt. Nehmen wir einmal an es gibt diese Krankheit, so schließt das Ego daraus, dass dies ein Symbol für zu große Durchlässigkeit ist und es gesünder wäre sich mehr abzugrenzen. Doch auch der Darm ist nur eine Projektion des egoischen Gedankensystems und so ist diese Krankheit nur das Symbol für den Glauben an Verletzlichkeit und für den Glauben an Abgrenzung. Der Körper macht keine Krankheiten, eine Krankheit ist die Projektion eines kranken Geistes.

"Krankheit ist eine Art, aufzuzeigen, dass du verletzt werden kannst. Sie bezeugt deine Zerbrechlichkeit, deine Verletzlichkeit und dein extremes Bedürfnis, dich auf äußere Führung zu stützen. Das Ego nutzt das als sein stärkstes Argument dafür, dass du seiner Führung bedarfst. Es diktiert endlose Vorschriften, um katastrophale Folgen zu vermeiden. Der HEILIGE GEIST, DER SICH derselben Lage vollkommen bewusst ist, gibt SICH gar nicht erst damit ab, sie zu analysieren. Wenn Daten bedeutungslos sind, ist es sinnlos, sie zu analysieren."
(EKIW: Kapitel 8, VIII. 6. 1.-6.)

Die Schulmedizin, die sich im Laufe der Zeit zu einer mächtigen Magie entwickelt hat, erlaubt mittels MRT und CT einen Blick in das Innere des menschlichen Körpers, sie ermöglicht Operationen am Auge, im Gehirn und am offenen Herzen, eine neue Hüfte ist ein alltäglicher Routinevorgang und trotzdem wenden sich immer mehr Menschen von ihr ab und wenden sich sogenannten alternativen Heilmethoden zu.

Das wirklich Skurrile daran ist, dass die Alternativmedizin wenig zur Heilung bekannter Krankheitsbilder beigetragen hat, sondern in erster Linie weitere Krankheiten erfunden hat, die der Schulmedizin unbekannt sind. Die Alternativmedizin verspricht dann die Heilung der von ihr erfundenen Krankheitsbilder, aber selbst das gelingt nur unzureichend. Ohne Notfalltropfen, oder einer Unmenge kleiner Kügelchen und ohne unserer absolut unentbehrlichen Wasserflasche, trauen wir uns ja kaum noch auf die Straße.

Das individuelle Ego ist zurzeit so aufgeblasen und damit so hochsensibel, "dass nur ein Wort, ein kleines Flüstern, das ihm nicht behagt, ein Umstand, welcher ihm nicht passt, ein Vorfall, den es nicht vorhergesehen hast, seine Welt erschüttert und sie ins Chaos stürzt." Die Aufrechterhaltung des aufgeblasenen Selbstbildes macht Stress, daher braucht das hochsensible Ego seine Rescue Tropfen immer griffbereit, Tag und Nacht - und es braucht einen Heiler von dem es sich gesehen und für wahr genommen fühlt. Der "Heiler" bestätigt die Illusion des kleinen Selbst, was sich zwar ganz gut anfühlt, aber das Erwachen aus dem Traum von Leid und Tod nur verzögert.

Die Schulmedizin behandelt den Körper wie eine Maschine und kommt damit der Wahrheit wesentlich näher. Der Körper ist nur ein Kommunikationsmittel, Platon nannte ihn "Seelenfahrzeug". Die Schulmedizin kümmert sich nicht um den Geist, dass ist gar nicht ihr Anspruch und das ist auch gut so, denn somit erinnert sie uns daran, dass es sich, bei jeder Art von Medizin, lediglich um den Reparaturversuch eines Symptoms handelt. Auf der Ebene von Symptomen ist wahre Heilung nicht zu finden.

„Was ist das einzige Erfordernis für diesen Wechsel in der Wahrnehmung? Es ist einfach dies: die Einsicht, dass Krankheit vom Geist ist und mit dem Körper nichts zu tun hat. ... Hierin liegt die Befreiung sowohl von Schuld als auch von Krankheit, denn sie sind eins. Doch um diese Befreiung anzunehmen, muss die Belanglosigkeit des Körpers eine annehmbare Idee sein.“
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 5. II. 3.)

Was sich hinter der Begeisterung für die Alternativmedizin verbirgt ist jenes zentrale Gefühl, das die Basis des Egos bildet - Angst. Das Ego hat nicht nur Angst vor Krankheiten sondern auch immer mehr vor den Nebenwirkungen der Schulmedizin. Die Alternativmedizin verspricht die Heilung des Körpers, ohne körperliche Nebenwirkungen - der Wunschtraum des Egos. Natürlich hat der Glaube an die Wirkung eine scheinbare Wirkung - im Traum des Egos - die Schulmedizin nennt es den Placebo-Effekt, aber damit wird erfolgreich verschleiert, das körperliche Gesundheit eine Illusion ist.

Die Entwicklung und Zulassung eines schulmedizinischen Medikaments ist ein äußerst aufwendiger Prozess, für den es dreistellige Millionenbeträge benötigt. Arzneimittel Hersteller unterliegen dabei strengen Überprüfungs- und Zulassungskriterien. Neben der Überprüfung auf unerwünschte Nebenwirkungen, unterliegen sie einer strengen Überprüfung auf ihre Wirksamkeit, unter anderem mit Doppelblindstudien. Homöopathika, mit denen jährlich eine Milliarde Euro in der EU umgesetzt wird, gibt es im Arzneimittelgesetz eine Ausnahme. Sie müssen nur nachweisen, dass sie nicht schädlich sind, ob sie wirken oder nicht muss nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. §11 AMG Registrierung homöopathischer Arzneispezialitäten: “Homöopathische Arzneispezialitäten unterliegen nicht der Zulassungspflicht gemäß § 7.” Der Gesetzgeber ("die Mächtigen") macht also für die Homöopathika eine Ausnahme, die es ermöglicht Homöopathika als Arznei zu verkaufen, obwohl sie nicht den Kriterien einer Arznei entsprechen. Es werden also alternative Heilmittel nicht unterdrückt, sondern sogar regelwidrig gefördert.

Samuel Hahnemann begründete die Lehre der Homöopathie und spielt damit bis heute eine große Rolle für Anhänger der Homöopathie. Er galt als scharfzüngiger Kritiker der zeitgenössischen Medizin des 18. Jahrhunderts, die Methoden wie Aderlass, Brechkuren und Abführmittel nutzte. Hahnemann kam auf die, für damalige Zeiten glorreiche Idee, die an sich giftigen Substanzen der damaligen Zeit so zu verdünnen, dass sie nicht mehr schädlich waren, ohne, dass er den damaligen Glauben an diese Mittel aufgeben musste. Der homöopathische Ansatz findet sich auch heute noch im Volksmund, wo es heißt "Übel mit Übel vertreiben". Warum wollen wir uns nicht langsam von der mittelalterlichen Sichtweise lösen und zur Abwechslung mal versuchen Übel mit Liebe zu vertreiben?

Interessanterweise war ein Teilziel der nationalsozialistischen Reformen des Gesundheitswesens die Zusammenführung unterschiedlicher medizinischer Richtungen zur „Neuen Deutschen Heilkunde“. Die Aufspaltung seit Mitte des 19. Jahrhunderts in die zunehmend naturwissenschaftlich fundierte „Schulmedizin“ auf der einen Seite und vielfältige andere medizinische Konzepte auf der anderen Seite, zum Beispiel Naturheilkunde, Lebensreformbewegung oder Homöopathie - oft zusammen als „biologische Heilverfahren“ bezeichnet, sollte überwunden werden. Es ist ihnen allerdings nicht gelungen. Durch staatliche Förderung war die Stellung der Homöopathie in dieser Zeit so gesichert wie selten zuvor. In der Zeitschrift „Homöopathische Monatsblätter“ erschienen Aufsätze zur „Rassenhygiene“ und zu nationalistisch-völkischen Themen, sogar zum Wert der Homöopathie für die Behandlung von Erbkrankheiten. Letztlich gelang es ihr jedoch nicht, aus ihrer Außenseiterstellung herauszutreten. Die zahlreichen Tests zur Wirksamkeit verliefen so niederschmetternd, dass Homöopathen die Fortführung stoppten.

Für das chronische Erschöpfungssyndrom und die sogenannte Fibromyalgie, mit dem ich seit Jahren konfrontiert bin, gibt es von Seiten der Schulmedizin aufgrund des fehlenden Erklärungsansatzes auch keine Behandlungsmethode und kein Heilungsversprechen. Die Schulmedizin steht zu ihrer Unwissenheit hinsichtlich dieses Phänomens. Ich habe allerdings noch nie von einem Alternativmediziner oder Energetiker gehört, der bereit gewesen wäre, seine eigene Unwissenheit auch nur teilweise anzuerkennen. Immer gibt es für jedes Symtom eine ”wundersame” Erklärung und eine todsichere Lösung wird verkauft.

Als ich noch auf der Suche nach körperlicher Heilung war, habe ich daher einen Heiler, der nach der Behandlungsmethode Germanische Neue Medizin (GNM, auch als „Germanische Heilkunde“ bezeichnet, vormals „Neue Medizin“) arbeitet, aufgesucht. Der Neue Mediziner und Buchautor Björn Eybl wusste "natürlich" sofort Bescheid. Nachdem er mich hinsichtlich ein paar Details aus meiner Biografie befragt hatte, hat er - gänzlich ohne medizinische Untersuchung - Leukämie („Blutkrebs“) bei mir diagnostiziert. An sich schon eine äußerst gewagte Diagnose, die für einen psychisch instabilen Menschen eine Katastrophe sein kann, aber damit nicht genug. Björn hat mir eingeschärft, nur ja keinen Arzt aufzusuchen, sondern nur die von ihm empfohlenen Mittel - Macapulver, Magnesiumchlorid, Borax und Zeolith - einzunehmen.

Maca wird in den oberen Höhenlagen der peruanischen Anden seit ungefähr 2000 Jahren angebaut und wird als Nahrungs- und Heilpflanze verwendet. Die Zufuhr über handelsübliche Nahrungsergänzungsmittel liegt deutlich unter der Ernährungszufuhr der Andenbewohner.

Magnesiumchlorid wird unter anderem in der Lebensmitteltechnik als Säureregulator, Festigungsmittel, Geschmacksverstärker, Trägerstoff oder Trennmittel eingesetzt. In der Alternativmedizin wird Magnesiumchlorid in konzentrierter Form zur transdermalen Magnesiumsubstitution (Aufnahme über die Haut) verwendet. Hierfür fehlen wissenschaftliche Belege.

Borax ist ein wichtiger Rohstoff zur Herstellung verschiedener Borverbindungen, die unter anderem in der Glas- und Keramikindustrie sowie als Flussmittel beim Löten verwendet werden. Borax ist als Gefahrstoff eingestuft, der die Fruchtbarkeit beeinträchtigt und als fruchtschädigend gilt. Dennoch wird Borax in der Alternativmedizin als Heilmittel empfohlen.

Für Zeolithe gibt es vielfältige Anwendungsmöglichkeiten in der Industrie. In der Alternativmedizin werden mit diesem angeblichen Heilmittel gute Geschäfte gemacht: Während der Kilopreis für den Zeolith-Zusatz bei Futtermitteln, Katzenstreu, Geschirrspüler oder zur Verwendung im Straßenbau vergleichsweise niedrig ist, bei etwa 0,08 € pro 100 g für Katzenstreu, wird Zeolith in Form von Medizinprodukt-Kapseln ab 13 Euro aufwärts pro 100 g teuer vermarktet.

Selbstverständlich trifft Björn keine Schuld, er ist ein äußerst sympathischer Kerl, er befindet sich lediglich im Irrtum und ich war, zurzeit meines Besuches bei ihm, bereit die Irrtümer der Neuen "Medizin" zu glauben. Es liegt ganz allein in unserer eigenen Verantwortung, ob wir auf die Stimme der Angst oder auf die Stimme für Gott hören.

Da die Trennung eine Illusion ist, gibt es ja nicht wirklich andere Menschen. Alles ist ein Prozess in unserem Bewusstsein. Unser Bewusstsein ist der Empfangsmechanismus, der Botschaften empfängt - vom HEILIGEN GEIST oder vom Ego.

Weder Schulmedizin noch Alternativmedizin heilen wirklich. Die Schulmedizin kann allerdings von Vorteil sein. Wenn nämlich eine Krankheit unseren Geist so fest in der Gewalt hat, um uns vorübergehend für die SÜHNE unzugänglich zu machen, dann befreit uns die Schuldmedizin in der Regel äußerst effizient von unseren Symptomen und macht dadurch unseren Geist wieder frei von der Beschäftigung mit Krankheit und "Gesundheit". Wir können uns dann wieder mit wahrer Heilung - mit der Heilung unseres Geistes - beschäftigen.

Die Beschäftigung mit alternativmedizinischen Konzepten dagegen führt meist zu einer dauerhaften Beschäftigung mit dem Thema "Krankheit" und "Gesundheit". Dies beginnt bei rigiden Ernährungsvorschriften, bei der Gestaltung unseres Wohnumfeldes, beim Umgang mit diversen “Strahlungsquellen”, der Einnahme diverser Kügelchen, Tropfen, Salze, Nahrungsergänzungsmittel und sonstiger Substanzen, während gleichzeitig andere Substanzen "ausgeleitet" werden müssen, sowie dem regelmäßigen Kontakt zu unserem "Heiler". "Krankheit", "Heilung“ und die Angst vor gesundheitlichen Schäden durch Umwelteinflüsse nehmen unseren Geist so vollständig ein, dass für die Suche nach der WAHRHEIT kein Raum mehr bleibt. Viele Menschen sind heutzutags in diesem Kreislauf der Angst gefangen. Es ist die Stimme des Egos, die uns animiert uns mit unseren Symptomen zu beschäftigen, um uns damit von der WAHRHEIT abzulenken!

Der Glaube an materielle Mittel als Heilmittel ist der Glaube an Magie. Da besteht kein Unterschied zwischen einem Aspirin und einem Globuli. Aber natürlich hat der Glaube an Magie eine scheinbare Wirkung. Das Ego fördert aber nicht nur den Glauben an Magie, sondern es fördert zusätzlich den Glauben an Gegensätze und inszeniert einen Widerspruch zwischen Alternativmedizin und Schulmedizin. Diesen Widerspruch gibt es nicht - jedem "hilft" das, woran er glaubt.

Alle materiellen Mittel, die du als Heilmittel für körperliche Gebrechen akzeptierst, sind erneute Bestätigungen magischer Grundsätze. Das ist der erste Schritt im Glauben, der Körper mache seine eigene Krankheit. Ein zweiter Fehlschritt ist der Versuch, diese durch nichtschöpferische Mittel zu heilen. Hingegen folgt daraus nicht, dass die Verwendung solcher Mittel zum Zwecke der Berichtigung böse ist. Manchmal hat die Krankheit den Geist fest genug in der Gewalt, um einen Menschen vorübergehend für die SÜHNE unzugänglich zu machen. In diesem Falle mag es klug sein, dem Körper und Geist gegenüber einen Kompromissansatz anzuwenden, bei dem der Glaube an Heilung vorübergehend etwas Äußerem geschenkt wird. Das letzte, was den Nichtrechtgesinnten oder Kranken nämlich helfen kann, ist eine Mehrung der Angst. Sie sind bereits in einem angstgeschwächten Zustand. Werden sie vorzeitig einem Wunder ausgesetzt, werden sie womöglich in Panik gestürzt. Dies geschieht mit großer Wahrscheinlichkeit, wenn eine auf dem Kopf stehende Wahrnehmung zur Überzeugung geführt hat, dass Wunder furchterregend sind.“
(EKIW, Kapitel 2, IV. 4.)

„Magie ist die geistlose oder fehlschöpferische Anwendung des Geistes. Physische Arzneimittel sind eine Art von »Zauber«; wenn du aber Angst hast, den Geist zur Heilung zu verwenden, solltest du es auch nicht versuchen. Gerade die Tatsache, dass du Angst hast, macht deinen Geist für Fehlschöpfungen anfällig. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass du jede Heilung, die eintreten mag, missverstehen wirst, und weil Ichbezogenheit und Angst gewöhnlich zusammen auftreten, bist du möglicherweise nicht fähig, die wahre QUELLE der Heilung anzunehmen. Unter diesen Umständen ist es für dich sicherer, dich vorübergehend auf physische Heilmethoden zu verlassen, weil du sie nicht fälschlich als deine eigenen Schöpfungen wahrnehmen kannst. Solange dein Gefühl der Verletzlichkeit andauert, solltest du nicht versuchen, Wunder zu wirken.
(EKIW: Kapitel 2, V. 2.)

Hinter den ganzen Heilangeboten der ungeheilten Heiler steht der Versuch, das falsche Selbstkonzept aufrecht zu erhalten und trotzdem Heilung zu finden. Es ist verrückt, wenn die Figur im Traum versucht den Traum zu ihren Gunsten zu verändern. Das Ego ist der Gefangene und das Gefängnis und ist grundsätzlich nicht in der Lage sich zu heilen.

„Der Healing Code: Die 6-Minuten-Heilmethode, Body Whispering: Der Schlüssel zur Heilung, Vetucha-Heilung: Die russische Magiemethode zur Selbstheilung, Magische Schilde für Schutz und Heilung, Der Biophilia-Effekt: Heilung aus dem Wald, Matrix Wiederherstellung: Ganzheitliche Heilung durch Kräuter- und Energiemedizin, Heilen aus dem Nichts: Wissenschaftlich belegt - in der Praxis bewährt - für jeden erlernbar, Quantenheilung: Das Buch zur Selbstheilung. - Wie Sie diverse Schmerzen und Krankheiten bekämpfen, Dein Inneres Kind will in dein Herz!: Psychologische und spirituelle Tools für die Heilung deiner Inneren Kinder, Meine Wasser-Kur - Durch Mehr als 30 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit, Ich besiegte meinen Krebs. - Sie können das auch!, Morbus Parkinson - Meine Heilung ohne Chemie, Die Geschichte meiner Krebsheilung, ...“

Die Liste von Heilungsversprechen ist endlos. Wenn jemand für sich eine positive Erfahrung macht und nach irgendeiner Form von Behandlung für gesund erklärt wird, dann bezieht er das, was er alles dafür getan hat, auf seine "Gesundung" und glaubt dann, jetzt heil zu sein. Er schreibt ein Buch darüber und entwickelt ein neues Glaubens- und Heilungskonzept, weil er glaubt, die Lösung für die Menschen und deren Heilung gefunden zu haben. Er glaubt tatsächlich, dass Heilung so einfach geht, weil er nicht weiter und größer denken kann, weil er in der Illusion der Trennung, in der Illusion des kleinen Selbst gefangen ist, das zu wahrer Vernunft nicht fähig ist.

„Dir ist das ganze Ausmaß, in welchem die Idee der Trennung die Vernunft behindert hat, nicht klar. Vernunft liegt in dem anderen Selbst, das du von deinem Bewusstsein abgeschnitten hast. Und nichts, dem du erlaubt hast, in deinem Bewusstsein zu verweilen, ist der Vernunft fähig.“
(EKIW: Kapitel 21, V. 4. 1.-3.)

Wenn das Ego versucht in einem Wochenend-Heilseminar zu lernen sich selbst und andere Körper zu heilen, dann ist dies der Größenwahn des Egos und kann nicht wirklich funktionieren. In Folge wandert das Ego von einem Seminar zum nächsten auf der Suche nach Heilung - auf einer Ebene auf der Heilung nicht zu finden ist. Natürlich gibt es in diesem Bereich eine Unmenge an Angeboten - wie Sand am Meer - die unterschiedlichsten Methoden, die unterschiedlichsten Lehrer. Dies liegt einzig und allein daran, dass es nicht wirklich funktioniert und daher die Nachfrage nach diesen Angeboten ewig bestehen bleibt. Wenn eine dieser Heilungsmethoden funktionieren würde, wäre im Nu die ganze Menschheit geheilt und die Sache wäre erledigt. Ungeheilte Heiler haben daher immer genug zu tun.

Der Versuch Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen ist verrückt. Der Körper ist eine Illusion, eine Projektion des Ego-Geists und Seele meist nur ein unscharfer, esoterisch verwaschener Begriff, ohne konkrete Bedeutung. Es geht nicht um die Einheit von Geist und Körper, sondern um die Befreiung des Geistes von der Anhaftung an den Körper. Die einzige Heilung passiert im Geist, indem die Illusion des Körpers und der Welt erkannt wird und die Illusion der Trennung aufgelöst wird.

Mit der Arbeit auf der geistigen Ebene lassen sich auch kurzfristig spektakuläre Ergebnisse erzielen - wie ein Lauf über glühende Kohlen - aber solange das grundlegende Gedankensystem, das zum Großteil unbewusst ist, nicht korrigiert wurde, werden die alten Muster bald wieder wirksam werden. So spektakuläre Erfahrungen wie ein Feuerlauf sind wunderbarere Hinweise darauf wie mächtig unser Geist ist, aber ein paar spektakuläre Ereignisse jedes Jahr sind zu wenig für eine wahrhaftige Befreiung aus der Illusion der Trennung.

Der grundlegende Irrtum besteht im Versuch von der Geist Ebene her den Körper heilen zu wollen. Wenn wir versuchen den Körper zu heilen bedeutet dies, dass wir an der Identifikation mit dem Körper festhalten und somit die Illusion der Trennung weiter verstärken. So machen wir die Trennung für uns wahr und zu unserem eigentlichen Ziel. Auf diese Weise hält das Ego unseren Geist in seinem Kreislauf, im Körper und im Leiden fest. Wenn wir uns also auf "körperliche Heilung" konzentrieren, egal mit welchen Mitteln - seien es auch nur geistige - geben wir dem Körper, der Welt, der Trennung und dem Leiden Wahrheitsgehalt und halten all dies letztendlich aufrecht.

Hinter der Idee der "Selbstheilung" verbirgt sich die Idee der Schuld. Wer krank ist, ist selbst schuld daran und sollte sich gefälligst darum kümmern seine Blockaden aufzulösen - wird kranken Menschen in "spirituellen" Kreisen suggeriert. Doch auf die Ebene der Form haben wir als Person keinen Einfluss - das Drehbuch ist geschrieben. Das Einzige was wir tun können ist bereit zu sein für die Berichtigung im Geiste. Die Berichtigung im Geiste ist die einzige Heilung die wirklich ist und sie ist somit auch das Einzige was uns garantiert ist. Die Veränderung im Geiste ist das Wunder. Das Wunder mag als Symbol auf der Ebene der Form erscheinen oder auch nicht, aber das wahre Wunder findet statt, wenn wir anderen Geistes werden und mit dem HEILIGEN GEIST wahre Vergebung üben, anstatt weiter dem Gedankensystem des Egos zu folgen. Wenn wir reinen Geistes sind, spielt der Körper keine Rolle mehr, egal in welchem Zustand er sich befindet. Jesus und auch Ramana Maharshi haben Zeugnis dafür abgelegt.

Keine Methode und kein Energetiker, Schamane, Arzt, Körpertherapeut, Psychotherapeut oder Psychiater kann uns heilen. Einzig und allein ein heiliger Augenblick den wir gemeinsam mit unserem Bruder verbringen, egal welche Rolle der Bruder gerade zu spielen scheint, ist ein Moment der gemeinsamen Heilung. Ein heiliger Augenblick kann sich aber nur einstellen, wenn wir als Person die Führung an Gott - den HEILIGEN GEIST - abgeben. Die einzige Chance auf echte Heilung besteht darin sich der göttlichen Führung hinzugeben, in der einzig verbliebenen Sehnsucht nach dem Erwachen aus dem Traum.

Der Irrtum sich selbst, durch Beschäftigung mit einer fragmentierten Welt in Form körperlicher Symptome, heilen zu können, liegt auch Büchern wie "Was dir deine Krankheit sagen will" oder "Krankheit als Symbol" zugrunde. Wenn es überhaupt in Folge zur "Heilung" eines Symptoms kommen sollte, wird diese Heilung vorübergehend bleiben, oder eine andere Krankheit wird stattdessen kommen, denn der Tod ist erst überwunden, wenn die Bedeutung der Liebe verstanden wird.

Das Wort "Heilung" ist bei den "ehrbaren" Therapeuten der Welt in Verruf geraten, und das zu Recht. Denn nicht einer von ihnen kann heilen, und nicht einer von ihnen versteht, was Heilung ist. Schlimmstenfalls machen sie bloß den Körper in ihrem eigenen Geist wirklich und suchen anschließend nach Magie, durch die sie die Gebrechen heilen können, mit denen ihr Geist ihn ausstattet. Wie könnte ein solcher Prozess heilend sein? Er ist lächerlich vom Anfang bis zum Ende. Da er jedoch begonnen hat, muss er so enden. Es ist, als ob GOTT der Teufel wäre und im Bösen gefunden werden müsste. Wie könnte da Liebe sein? Und wie könnte Krankheit Heilung bringen? Sind diese Fragen nicht ein und dieselbe?

Bestenfalls, und das Wort ist hier womöglich fragwürdig, begreifen die "Heiler" der Welt vielleicht den Geist als Quelle der Krankheit. Aber ihr Irrtum liegt in dem Glauben, dass er sich selber heilen kann. Das hat eine gewisse Berechtigung in einer Welt, wo "Grade des Irrtums" ein bedeutungsvolles Konzept ist. Doch müssen ihre Heilungen vorübergehend bleiben, oder eine andere Krankheit muss stattdessen kommen, denn der Tod ist erst überwunden, wenn die Bedeutung der Liebe verstanden wird. Und wer kann sie verstehen ohne das Wort GOTTES, dass er dem HEILIGEN GEIST als SEINE Gabe an dich gab?


(Die Ergänzungen zu EKIW: 2. IV. 4. & 5.)

Dazu ist eines, und eines nur, erforderlich: der Therapeut verwechselt sich in keiner Weise mit Gott. Alle "ungeheilten Heiler" nehmen diese grundlegende Verwechslung in der einen oder anderen Form vor, weil sie sich zwangsläufig als selbst erschaffen statt als von GOTT erschaffen ansehen. Diese Verwechslung ist selten, wenn überhaupt, bewusst, sonst würde der ungeheilte Heiler augenblicklich zu einem Lehrer GOTTES werden und sein Leben der Funktion wahrer Heilung widmen. Bevor er diesen Punkt erreichte, dachte er, er habe im therapeutischen Prozess die Führung und sei deshalb verantwortlich für das Ergebnis. Die Irrtümer seines Patienten wurden so zu seinem eigenen Versagen, und Schuld wurde zu einem dunklen, dicken Mantel für das, was die HEILIGKEIT CHRISTI sein sollte. Schuld ist unausweichlich in jenen, die ihr Urteil verwenden, um ihre Entscheidungen zu treffen. Schuld ist unmöglich in jenen, durch die der HEILIGE GEIST spricht.

Das Aufhören der Schuld ist das wahre Ziel der Therapie und das offensichtliche Ziel der Vergebung. Darin kann ihr Einssein klar gesehen werden. Doch wer, der sich in der Rolle des Führers verantwortlich für seinen Bruder fühlt, könnte das Ende der Schuld erfahren? Solch eine Funktion setzt ein Wissen voraus, dass niemand hier besitzen kann: eine Gewissheit hinsichtlich der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und all der Wirkungen, die darin auftreten können. Nur von diesem allwissenden Standpunkt aus wäre eine solche Rolle möglich. Doch keine Wahrnehmung ist allwissend, noch kann das winzig kleine Selbst von einem, der allein gegen das Universum steht, sich anmaßen, dass er eine solche Weisheit hat, außer in der Verrücktheit. Dass viele Therapeuten verrückt sind, ist offensichtlich. Kein ungeheilter Heiler kann gänzlich geistig gesund sein.


(Die Ergänzungen zu EKIW: 2. VII. 4. & 5.)


Viele falsche Propheten werden auftreten und sie werden viele irreführen.
(Bibel, Einheitsübersetzung, Mt 24,11)




Realität

Die Aussage mancher spiritueller Lehrer, "sei in der Welt, aber nicht von ihr", ist keine Aussage des Kurses. Sie ist ein Widerspruch zur WAHRHEIT. Die Welt ist eine Projektion unseres Geistes, wir können daher nicht in ihr sein. Wir sind der Träumer des Traums und nicht die Figur im Traum.

"Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler,
sie treten auf und gehen wieder ab.
"
(William Shakespeare)

Der Traum ist wie ein Theaterstück. Das Drehbuch ist geschrieben und die ganze Geschichte hat keine Wirklichkeit. Das Bewusstsein, der erste Schritt in die Trennung, hat sich in Facetten aufgespalten und nimmt das Stück aus Sicht der unterschiedlichen Rollen wahr. Diese Facetten des Bewusstsein sind in unserem Bild vom Theaterstück die Schauspieler. Das Ego ist ein Schauspieler der sich völlig mit seiner Rolle identifiziert hat und vergessen hat, wer er wirklich ist. Er glaubt die Figur im Stück zu sein und er glaubt, er könnte das Drehbuch beeinflussen.

Erwachen aus dieser Illusion bedeutet zu erkennen, dass wir nicht die Figur im Stück sind, sondern das Bewusstsein, das sich dessen bewusst ist. Wir befinden uns dann in der Position des Träumers des Traums und sind nicht mehr mit der Figur im Traum, aus deren Blickwinkel wir den Traum wahrnehmen, identifiziert. Nach einem „Prozess“ der Erleuchtung, der Vergebung des ganzen Dramas, löst sich auch das Bewusstseinsfragment wieder in der Einheit Gottes auf. Das Drama zu vergeben bedeutet den anderen Schauspielern ihre Rolle im Stück zu vergeben.

Es gibt keine Welt, weil sie ein Gedanke ist, der getrennt von GOTT ist und dazu gemacht, VATER und SOHN zu trennen und einen Teil von GOTT SELBST loszubrechen, um so SEINE GANZHEIT zu zerstören. Kann eine Welt, die aus dieser Idee stammt, denn wirklich sein? Kann sie irgendwo sein? Leugne Illusionen, aber nimm die Wahrheit an. Leugne, dass du ein Schatten bist, flüchtig auf eine sterbende Welt geworfen. Befreie deinen Geist, und du wirst eine befreite Welt erblicken.
(EKIW: Lektion 132, 13.)

Das Ego ist ein Geisteszustand der versucht die Illusion als Realität am Leben zu halten. Das Ego hat dafür unterschiedliche Strategien um den Anschein der „Realität“ aufrecht zu erhalten und der WAHRHEIT zu entkommen. Im Folgenden einige beliebte Varianten dieser Strategie.

Beliebte Ego-Strategien der Verleugnung

Die beliebteste Strategie überhaupt, im Zusammenhang mit dem Kurs, ist es dem Kurs nur bedingt zu glauben, sich ein paar schöne Ideen in die Illusion zu holen, aber weiter an der Illusion festzuhalten. Das klingt dann vielleicht so: „Die Aussagen des Kurses klingen gut für ein erleuchtetes Wesen, sind aber ein schwacher Trost in unserer realen Welt.“ Mit dieser Sichtweise ist der Kurs wertlos!

„Des Ego ganzes Fortbestehen hängt von seiner Überzeugung ab,
dass du diesen Kurs nicht lernen kannst.“

(EKIW: Kapitel 22, III. 1. 1.)

Oft dient er dem Ego dann sogar noch als Identifikationsobjekt, indem es sich ein paar „kluge“ Zitate merkt und sich dadurch besonders fühlt.

Erleuchtete Wesen brauchen keinen Kurs. Der Kurs ist der Beginn des Weges der Erleuchtung und dieser Weg geht weit über den Kurs hinaus.

Eine weitere beliebte Strategie die Illusion als Realität zu schützen ist es sich ganz und gar auf das, im wachen Alltagszustand, Wahrgenommene, und dabei auch nur auf das Positive, zu konzentrieren und alles andere auszublenden. Dies klingt dann manchmal so: „Ich schaue mir keine Filme an, weil ich die Realität bevorzuge. Außerdem wenn ich mir ausnahmsweise einen ansehe, dann nur positive Filme, nicht Sachen, die mich belasten, aufregen oder zu sehr beschäftigen.“

"You remind me I live in a shell
Safe from the past and doin' okay but not very well
No jolts, no surprises, no crisis arises
My life goes along as it should
It's all very nice, but not very good"
(Ready to Take a Chance Again - Barry Manilow)

Manchmal klingt es auch so: "Ich schau mir grundsätzlich keine Nachrichten an, ich konsumiere keine Medien." Diese Aussagen sind meist unwahr, weil sehr wohl obskure Blogeinträge und Postings konsumiert werden, welche nichts anderes sind als Nachrichten und Medien. Meist werden in Wahrheit nur sogenannte Mainstream-Medien abgelehnt, weil das Ego die Besonderheit liebt und alles was Mainstream ist verachtet.

Hinter diesen Aussagen verbirgt sich, neben der grundsätzlichen Angst vor der WAHRHEIT, auch die Angst vor heftigen Gefühlen. Wenn wir heftige Gefühle auf Dauer unterdrücken entsteht Druck. Dieser Druck kann sich auf körperlicher Ebene als Schmerz äußern. Wir sind dann schnell versucht die Beschäftigung mit existentiellen Themen und die damit verbundene Aufregung zu vermeiden um die Symptome los zu werden und erkennen nicht, dass die Vermeidung die Ursache für die Symptome ist.

Ein alter Indianer sitzt mit seiner Enkelin am Lagerfeuer und erzählt ihr folgende Geschichte:
„In jedem von uns tobt ein Kampf zwischen zwei Wölfen. Der eine Wolf ist böse. Er kämpft mit Neid, Eifersucht, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Lügen, Überheblichkeit, Egoismus und Missgunst. Der andere Wolf ist gut. Er kämpft mit Liebe, Freude, Frieden, Hoffnung, Gelassenheit, Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Dankbarkeit, Vertrauen und Wahrheit.“
Das kleine Mädchen schaut eine Zeitlang ins Feuer, dann fragt es:
Und welcher der beiden Wölfe gewinnt?
Der alte Indianer schweigt. Nach einer ganzen Weile antwortet er:
Der, den du fütterst.

Diese wundervolle Geschichte wird manchmal missverstanden. Es geht nicht um die scheinbaren Wölfe im Außen, sondern um die Wölfe in uns. Dies bedeutet, dass es nicht darum geht sich von all dem in der Welt abzuwenden, was wir als böse wahrnehmen, sondern darum unsere Wahrnehmung der Welt zu verändern und uns nicht dem Ego zuwenden, welches das Urteil “böse” trifft, sondern uns dem reinen Geist zu zuwenden, der kein Gut und Böse kennt, sondern nur die WAHRHEIT jenseits der Dualität.

"Überzeugungen greifen einander niemals offen an, weil miteinander in Konflikt stehende Ergebnisse unmöglich sind. Doch eine unerkannte Überzeugung ist eine Entscheidung für einen Krieg im geheimen, bei dem die Ergebnisse des Konflikts unerkannt gehalten und nie der Vernunft überbracht werden, um als vernünftig oder nicht vernünftig betrachtet zu werden. Und viele sinnlose Ergebnisse sind erzielt und bedeutungslose Entscheidungen getroffen und versteckt gehalten werden, um zu Überzeugungen zu werden, denen jetzt die Macht gegeben ist, alle nachfolgenden Entscheidungen zu lenken. Verkenne nicht die Macht dieser versteckten Krieger, deinen Frieden zu stören. Denn er ist in ihrer Gewalt, solange du dich entscheidest, ihn ihnen zu überlassen. Die geheimen Feinde des Friedens, deine geringste Entscheidung, Angriff statt Liebe zu wählen, die unerkannt und rasch dich herausfordert zu Kampf und zu Gewalt von weitaus größerer Einschließlichkeit, als du denkst, sind durch deine Wahl da. Verleugne weder ihre Anwesenheit noch ihre schrecklichen Ergebnisse. Das einzige, was geleugnet werden kann, ist ihre Wirklichkeit, nicht aber ihr Ergebnis."
(EKIW: Kapitel 24, I. 2.)

Deswegen ist es so wichtig, dass wir unser Unbewusstes an die Oberfläche bringen und es aufdecken. Es geht darum unsere dunklen Seiten ans Licht zu bringen, unsere Schatten zu erleuchten. Dies ist der einzige Weg um unsere Schatten loszuwerden. Nicht hinzusehen hingegen, erhält sie am Leben. Auf kollektiver Ebene zeigt sich dieses Aufdecken schon seit einigen Jahren in Form der WikiLeaks, einer Enthüllungsplattform, auf der Dokumente anonym veröffentlicht werden (Whistleblowing), die durch Geheimhaltung in ihrer Zugänglichkeit beschränkt sind. Wobei das Ego auch dieses öffentliche Aufdecken für seine individuellen Zwecke missbraucht, indem es die Schuld in Andere projiziert. Das Aufdecken des Unbewussten ist nur dann hilfreich, wenn wir es als unser eigenes Unbewusstes erkennen. All das Aufgedeckte, das ans Licht Gebrachte, das wir wahrnehmen, ist nichts Fremdes, sondern es ist unsere Welt an die wir glauben, es ist unsere Wahrnehmung der Welt, es ist das, was wir für wahr nehmen.

Daher bieten gerade Filme eine wunderbare Möglichkeit uns mit allen Facetten unserer Wahrnehmung der Welt auseinander zu setzen und die dabei auftauchenden Gefühle zu fühlen. Wenn die Fässer ungeweinter Tränen sich entleeren, ist dies eine Gelegenheit, die wir nutzen können, um bewusst zu werden.

Unser Gehirn kann nicht unterscheiden zwischen einem Film und scheinbar „realen“ Erfahrungen, es erzeugt die gleichen neuronalen Signale, die dann in unserem Bewusstsein die gleichen Gefühle auslösen. Was wiederum ein Hinweis darauf ist, dass unser sogenanntes "reales" Leben auch nichts weiter ist als ein Film - ein Film in den wir so tief eingetaucht sind, dass wir komplett vergessen haben, dass es nur ein Film ist. Daher sind gute Filme („Quanten-Movies“) und Romane eine gute Möglichkeit uns mit existentiellen Themen auseinander zu setzen, ohne alles gleich selbst „inszenieren“ zu müssen. So sind mit Hilfe virtueller Realitäten und der dabei auftretenden Immersion, viele Erfahrungen in einem Leben möglich, wo es sonst zig Leben gebraucht hätte.

Filme und virtuelle Realitäten helfen uns die Wirklichkeit unseres Alltagslebens zu hinterfragen - unser Alltagsleben - das ohnedies zum größten Teil aus völlig banalen Dingen, wie dem Geld verdienen, dem sich ernähren, Körperpflege und der Pflege von Dingen besteht. Da ist wenig dabei, was unseren Geist weiter bringt. Wenn wir diesen Alltag als einzige Realität akzeptieren und uns allein darauf konzentrieren sind wir geistig arm. Um wie viel reicher ist da doch der Erfahrungsschatz der Märchen, Parabeln und alten Geschichten, die sich in aktuellen Versionen in unseren, vom HEILIGEN GEIST inspirierten, Filmen und Romanen wiederfinden.

So sind die meisten von uns bereit, ein Leben hinzunehmen, das vorwiegend darin besteht, mit langweiligen Betätigungen genügend Mittel zu erwerben, um in der Zwischenzeit hektischen und teuren Vergnügungen nachzugehen, die vorübergehende Erleichterung der Langeweile mit sich bringen. Diese Unterbrechungen hält man für das richtige Leben, für den eigentlichen Zweck, dem das notwendige Übel der Arbeit dient. Oder wir bilden uns ein, dass eine Arbeit durch die Gründung einer Familie ihre Rechtfertigung findet, die dann ihrerseits auf der gleichen Linie fortfährt, um eine weitere Familie zu errichten … und dies ad infinitum.“   (Weisheit des ungesicherten Lebens (1951), Alan W. Watts)

Der Wechsel zwischen den unterschiedlichsten Träumen, dem alltäglichen „Wachtraum“, den Träumen in der Nacht und dem Eintauchen in einen Film kann eine Unterstützung sein, um aus der Illusion des Lebenstraums zu erwachen, weil sich die Idee von "Realität" immer mehr auflöst.

Natürlich können wir uns auch in uninspirierte Traumwelten flüchten, um vor aktuellen Themen in unserem Leben davon zulaufen. Es sind wie immer nicht die Dinge im Außen, sondern die Absicht und der Zweck, mit dem wir etwas tun. Wir können Filme allein zur Unterhaltung und Ablenkung benutzen und wir können sie als eine Art Meditation zu bestimmten Themen nutzen, indem wir mit Hilfe der Filme unser Denken und Fühlen beobachten.

Das Entscheidende daran ist, dem verborgenen Teil unseres Denksystems, dem Unbewussten, zu begegnen. Sigmund Freud hat schon Anfang des 20. Jahrhunderts die Macht des Unbewussten erkannt. Solange wir beispielsweise Themen wie Mord, Tod, Schuld und Opfer vollständig von uns fern halten, werden wir unser unbewusstes Denken und Fühlen darüber nicht erkennen und uns somit auch nicht vom Glauben daran befreien können. Ein psychologisch fundierter Krimi ist eine gute Gelegenheit um uns unseres Denkens über diese Themen bewusst zu werden und um Opfer und Täter zu vergeben. Diesen Themen zu entfliehen hat nichts mit Erlösung zu tun, sondern ist Verdrängung. Erst wenn die Illusion der Welt unseren Frieden nicht mehr stört sind wir wahrhaft frei.

Die wirkliche Welt ist ein Symbol, wie alles übrige, was die Wahrnehmung anbietet. Doch steht sie für das, was dem entgegengesetzt ist, was du gemacht hast. Deine Welt wird durch die Augen der Angst gesehen und bringt deinem Geist die Zeugnisse des Schreckens. Die wirkliche Welt kann nicht wahrgenommen werden außer mit Augen, die die Vergebung segnet, so dass sie eine Welt erblicken, wo Angst und Schrecken unmöglich sind und keine Zeugnisse der Angst gefunden werden können.

Die wirkliche Welt birgt ein Gegenstück für jeden unglücklichen Gedanken, der in deiner Welt gespiegelt wird, eine sichere Berichtigung für die Anblicke der Angst und für das Schlachtgetöse, die deine Welt enthält. Die wirkliche Welt zeigt eine Welt, die anders gesehen wird, mit ruhigen Augen und mit einem Geist, der in Frieden ist. Dort ist nichts als Ruhe. Keine Schreie des Schmerzes und des Kummers sind zu hören, denn dort bleibt nichts außerhalb der Vergebung. Und die Anblicke sind sanft. Nur glückliche Anblicke und Geräusche können den Geist erreichen, der sich selbst vergeben hat.

Wozu braucht solch ein Geist Gedanken des Todes, des Angriffs und des Mordes? Was kann er anderes um sich herum wahrnehmen als Sicherheit, Liebe und Freude? Was gibt es da, wovon er wollte, dass es verurteilt sei, und was gibt es da, wogegen er ein Urteil fällen möchte? Die Welt, die er sieht, ersteht aus einem Geist, der mit sich selbst in Frieden ist. Keine Gefahr lauert in irgend etwas, was er sieht, denn er ist gütig, und nur auf Güte schaut er.

Die wirkliche Welt ist das Symbol dafür, dass der Traum von Sünde und von Schuld vorbei ist und dass GOTTES SOHN nicht länger schläft. Seine erwachenden Augen nehmen die deutliche Widerspiegelung von seines VATERS LIEBE wahr, das sichere Versprechen, dass er erlöst ist. Die wirkliche Welt bedeutet das Ende der Zeit, denn ihre Wahrnehmung macht die Zeit zwecklos.


(EKIW: ÜBUNGSBUCH, Teil II. 8. 1.-4.)



Geld und die Idee vom „Energieausgleich“

Wenn wir uns für „spirituell“ halten, dann haben wir häufig eine gespaltene Einstellung zu den Themen Sex und Geld. Die Psychologie nennt den sich daraus ergebenden unangenehmen Gefühlszustand kognitive Dissonanz. Daher haben wir eine ganz verquere Art des Umgangs mit diesen Themen entwickelt. Dem einfachen Sex hängen wir ein Tantra-Mäntelchen um, um ihn irgendwie „heilig“ zu machen und vom Geld wenden wir uns angewidert ab. Da wir aber, wie die meisten „unspirituellen“ Menschen auch, Geld brauchen, nennen wir das, was wir für unsere Produkte und Dienstleistungen von unseren Mitmenschen einfordern, einfach „Energieausgleich“. Das klingt zwar viel freundlicher, ändert aber nichts daran, dass es Geld ist. Das Ego lebt nach dem Motto: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. Durch Komplexität verschleiert es die Einfachheit der WAHRHEIT.

Die Idee vom Energieausgleich steht im völligen Widerspruch zur WAHRHEIT. WAHRHEIT ist Einheit und innerhalb von Einheit gibt es kein Ungleichgewicht und in Folge braucht es keinen Ausgleich. Hat Jesus, wenn er jemanden geheilt hat, einen Energieausgleich verlangt? Wie kann ein Dienst am Nächsten, oder der Gemeinschaft - also ein Akt der Nächstenliebe - ein energetisches Ungleichgewicht erzeugen, das ausgeglichen werden müsste?

Dieser Widerspruch und die dahinter versteckte negative Einstellung zu Geld hat Konsequenzen - nämlich Probleme mit Geld. Geld und die dahinter stehenden Ideen, von Tauschen und von Besitz, sind aus der Idee der Trennung entstanden. Wir entkommen aber der Illusion der Trennung nicht, wenn wir das Geld als solches ablehnen. Nicht das Geld ist das Problem, sondern unsere geistige Haltung dahinter.

"Das Träumen der Welt nimmt viele Formen an, weil der Körper auf verschiedene Arten zu beweisen sucht, dass er autonom und wirklich ist. Er streift Dinge über, die er mit kleinen Scheiben von Metall oder Schnipseln von Papier erstanden hat, die die Welt als wertvoll und wirklich erklärt. Er arbeitet, um diese zu bekommen, indem er sinnlose Dinge tut, und wirft sie für sinnlose Dinge weg, die er nicht braucht und nicht einmal haben will. Er stellt andere Körper an, damit sie ihn schützen und noch mehr sinnlose Dinge für ihn anhäufen, die er sein eigen nennen kann. Er sieht sich nach besonderen Körpern um, die seinen Traum mit ihm teilen können. Manchmal träumt er, er sei ein Eroberer von Körpern, die schwächer sind als er. In einigen Traumphasen aber ist er ein Sklave von Körpern, die ihn verletzen und ihn foltern."
(EKIW: Kapitel 27, VIII. 2.)

Es wird alles wieder ganz einfach, wenn wir nicht mehr in Tauschen und damit nicht mehr in Geld denken, sondern in Erlösung. Wenn beispielsweise jemand ein Buch wie Ein Kurs in Wundern auf den Markt bringt, dient dies der Erlösung und das Geld, das in unserer derzeitigen Tauschwirtschaft benötigt wird, um das tun zu können, wird einfach verlangt, ohne, dass dies ein Problem darstellt. Das sind einfache alltagspraktische Angelegenheiten, ohne dass da irgend ein energetisches Ungleichgewicht ausgeglichen werden müsste.

Da sagte Jesus zu ihnen:
So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!
Und sie waren sehr erstaunt über ihn.

(Bibel Einheitsübersetzung, Mk 12,17)

Zurzeit im praktischen Leben nicht in Geld denken, bedeutet nicht automatisch ohne Geld zu leben. Gerade mit Hilfe des modernen Bankwesen ist es sehr einfach. Alle regelmäßigen Zahlungen lassen sich per Dauer- oder Einziehungsauftrag automatisieren und brauchen daher keine weitere Aufmerksamkeit. Wenn wir unsere einzigartige Funktion in SEINEM Plan der Erlösung erfüllen, dann kümmert ER sich um den Rest und alles wird uns gegebenen werden. Wenn wir also unseren Brüdern in einer Heiligen Beziehung dienen, werden wir auch das Geld zur Verfügung haben, das wir zum Leben brauchen.

Wir können uns mit Geld die Ware Glück kaufen, aber WAHRES GLÜCK ist mit dem Geld der ganzen Welt nicht zu bekommen. Wenn das Geld scheinbar nicht reicht, ist daher die Frage: Was glaube ich alles zu brauchen, um glücklich zu sein? Was glaube ich, dass meine Kinder brauchen, um glücklich zu sein - brauchen sie Geld oder Liebe?

Wir haben uns ein Geldsystem erschaffen, das wunderbar unser egoisches Mangeldenken symbolisiert - ein Schuldgeldsystem mit Zinsen. Dieses System, und das dahinter verborgene Denksystem, ist auf Schuld und Tod ausgerichtet und so wird auch unserer Geldsystem eines Tages erschöpft zusammenbrechen.

So ist denn dieses Jahr die Zeit, die einfachste Entscheidung zu treffen, die sich dir je gestellt hat, und auch die einzige. Du wirst die Brücke zur Wirklichkeit einfach deshalb überqueren, weil du begreifen wirst, dass GOTT auf der anderen Seite ist und hier rein gar nichts. Es ist unmöglich, die natürliche Entscheidung nicht zu treffen, wenn das begriffen ist.
(EKIW: Kapitel 16, V. 17.)



Der Preis der Trennung

„Weit draußen in den unerforschten Einöden eines total aus der Mode gekommenen Ausläufers des westlichen Spiralarms der Galaxis leuchtet unbeachtet eine kleine gelbe Sonne. Um sie kreist in einer Entfernung von ungefähr achtundneunzig Millionen Meilen ein absolut unbedeutender, kleiner blaugrüner Planet, dessen vom Affen stammende Bioformen so erstaunlich primitiv sind, dass sie Digitaluhren noch immer für eine unwahrscheinlich tolle Erfindung halten. Dieser Planet hat - oder besser gesagt, hatte - ein Problem: die meisten seiner Bewohner waren fast immer unglücklich. Zur Lösung dieses Problems wurden viele Vorschläge gemacht, aber die drehten sich meistens um das Hin und Her kleiner bedruckter Papierscheinchen, und das ist einfach drollig, weil es im großen und ganzen ja nicht die kleinen bedruckten Papierscheinchen waren, die sich unglücklich fühlten. Und so blieb das Problem bestehen. Vielen Leuten ging es schlecht, den meisten sogar miserabel, selbst denen mit Digitaluhren. Viele kamen allmählich zu der Überzeugung, einen großen Fehler gemacht zu haben, als sie von den Bäumen heruntergekommen waren. Und einige sagten, schon die Bäume seien ein Holzweg gewesen, die Ozeane hätte man niemals verlassen dürfen.

Und eines Donnerstags dann, fast zweitausend Jahre, nachdem ein Mann an einen Baumstamm genagelt worden war, weil er gesagt hatte, wie phantastisch er sich das vorstelle, wenn die Leute zur Abwechslung mal nett zueinander wären, ...“


(Per Anhalter durch die Galaxis - Douglas Adams)

Ein ganz entscheidender Aspekt beim Thema Geld ist die häufige Verwechslung von Geld, Preis und Wert (im Sinne der Welt). Ein Unternehmen ist ein Wert. Der Wert eines Unternehmens setzt sich, unter anderem, aus Grundstücken, Gebäuden, Maschinen und dem Know-How der Mitarbeiter, zusammen. Wenn es sich bei einem Unternehmen um eine Aktiengesellschaft handelt, dann verbrieft eine Aktie dem Eigentümer der Aktie ein Miteigentum am Unternehmen. Wenn also jemand 10% der Aktien eines Unternehmens besitzt, so besitzt er 10% des Unternehmens. Der Wert seiner Aktien beträgt 10% des Unternehmens. Der Kurs der Aktie an der Börse, ist der Preis für eine Aktie, aber nicht deren Wert.

Der Preis für eine Aktie, also der Börsenkurs, kann wesentlich höher sein, als der tatsächliche Wert der Aktie. Wir haben das sehr deutlich erkennen können, als im März 2000 die Dotcom Blase geplatzt ist. Ein Börsenkurs ist also lediglich ein Preis für eine Aktie, er ist aber kein Wert und auch kein Geld! Börsenkurse verändern sich ständig, dies ändert aber absolut nichts an den Werten und nichts an der Geldmenge.

Eine Börse ist ein Marktplatz, dort werden nur Waren gehandelt, aber es wird weder Geld erzeugt, noch Geld vernichtet. Geld erzeugen und wieder vernichten ist nur Banken erlaubt. Wenn wir also nach einem Börsencrash in den Medien lesen, dass soundsoviel Millionen Euro vernichtet wurden, so ist dies falsch. An der Börse wechselt Geld nur den Besitzer, an der Geldmenge ändert das absolut nichts. Im Falle eines Börsencrashs ändert sich also lediglich der Preis, der im Moment für einen Anteil an einem Unternehmen zu bezahlen ist. Der wahre Wert des Unternehmens, also seine Grundstücke, Gebäude, Maschinen und das Know-how der Mitarbeiter, hat sich dadurch aber nicht verändert.

Warum sich ein Börsencrash mit der Zeit auf unsere Realwirtschaft auswirkt liegt wieder allein an der Verwechslung von Wert, Geld und Preis - an unserem Glauben, Geld hätte einen Wert. In unseren Unternehmensbilanzen werden Werte in Form von Preisen, als Geldeinheiten, abgebildet. Wenn sich nun beispielsweise der Preis einer Beteiligung an einem anderen Unternehmen ändert, führt dies zu Problemen, obwohl sich an den wahren Werten und auch an der Geldmenge in unserem Wirtschaftssystem nichts verändert hat.

Ein weiterer entscheidender Punkt warum sich ein Börsencrash auf die Realwirtschaft auswirkt ist, dass es an den Börsen nicht mehr um langfristige Beteiligungen geht, sondern die Börsen fast ausschließlich der reinen Spekulation dienen und auch hier wieder Preise mit Geld verwechselt werden. Wenn ich eine Aktie mit einem hohen Preis besitze, so ist das kein Geld. Es ist ein Anteil an einem Unternehmen. Erst wenn ich ihn an einen anderen Anleger verkaufe, erhalte ich von ihm Geld und der andere den Anteil am Unternehmen. Man kann Geld nicht „anlegen“ - man hat entweder Geld, oder man hat das, was man mit dem Geld gekauft hat – aber das ist dann kein Geld mehr!

Der aktuelle Aufschwung der Vermögenspreise (Immobilien, Rohstoffe, Unternehmen, ...) hat zu neuen und surrealen Höchstständen geführt, insbesondere im Bereich des Virtuellen, wie den Kryptowährungen. Das völlige Fehlen einer vernünftigen Preisfindung, die durch den algorithmischen Handel, passives Indexing und massive Mengen an schuldenbasierter Liquidität unterstützt und gefördert wird, zeigt immer deutlicher, dass „Investieren“ eine Farce ist. Es wird immer offensichtlicher, dass die Idee des Geldwertes an sich eine verrückte Idee ist.

Bei Dogecoin, der seit 2013 existierenden Digitalwährung, sollte es sich ursprünglich um einen Witz handeln. Doch angetrieben von Promis wie Tesla-Chef Elon Musk hat die Währung etwa von Ende 2020 bis April 2021, innerhalb von 6 Monaten, ein Kursplus von rund 20 000 Prozent verbucht - das ist selbst für den boomenden Kryptowährungsmarkt außergewöhnlich.

Hinter all diesen Entwicklungen steckt keine "böse Finanzelite" und eine großangelegte Verschwörung! Unser Wirtschafts- und Finanzsystem bildet lediglich das Gedankensystem des Egos ab und nur das Ego leidet darunter. Mit diesen Ausführungen hier, soll nur gezeigt werden, welche Konsequenzen unser egoisches Denksystem hat. Erst wenn wir erkennen, was wir uns selbst antun, können wir uns bewusst davon abwenden.

Als weiteres Beispiel für die Unterscheidung von Geld, Preis und Wert soll uns das Beispiel eines berühmten Kunstmalers dienen. Wenn der Künstler in seinem Atelier ein Bild malt, so schafft er einen Wert. Durch die Schaffung dieses Wertes hat sich die Geldmenge im Wirtschaftssystem nicht verändert. Durch die Schaffung dieses Wertes wurde kein Geld geschaffen. Wenn das Bild nun in einer Galerie zum Verkauf angeboten wird, so wird für das Bild ein Preis festgelegt. Wenn nun jemand das Bild zum festgesetzten Preis kauft, wechselt das Geld vom Käufer zum Maler und der Wert vom Maler zum Käufer. Bei diesem Vorgang hat sich an der Geldmenge wiederum nichts geändert. Es wurde weder Geld geschaffen, noch Geld vernichtet. Es hat lediglich Geld, das im Wirtschaftskreislauf schon vorhanden war, den Besitzer gewechselt.

Wenn ein Maler ein Bild malt, ein Bauer Erdäpfel erntet, ein Häuslbauer ein Haus baut, eine Firma ein Produkt erzeugt, so werden dabei immer Werte erzeugt und damit Wertschöpfung betrieben, aber es wird kein Geld erzeugt. Die Geldmenge ändert sich dadurch nicht, es findet keine Geldschöpfung statt.

Es ist wichtig zu verstehen, dass eine Änderung von Preisen, wie im Falle eines Börsencrash, nichts an unserer Geldmenge und schon gar nicht an unseren Werten ändert. Unsere Werte, also die Betriebsmittel in den Unternehmen, die Rohstoffe auf unserem Planeten und die auf dem Planeten zur Verfügung stehende menschliche Arbeitskraft, bleiben immer dieselben - egal wie sich die Preise im Moment verändern mögen. Selbst die Geldmenge bleibt von Preisänderungen unberührt.

Sich daran wieder zu erinnern, ist eine wichtige Voraussetzung um zu verstehen, dass sowohl Preise als auch Geld, nicht relevant sind, für unser Leben auf diesem Planeten. Wir müssen uns davon lösen, Preis und Geld, mit Wert zu verwechseln. Es geht darum, dass wir uns wieder auf unsere Werte besinnen. Anders ausgedrückt könnte man auch sagen, wir sollten uns wieder daran erinnern, dass man Geld nicht essen kann und dass Geld nicht arbeitet - es sind Menschen die arbeiten.

Der Begriff Chrematistik, die Kunst Reichtum zu erlangen, die widernatürliche Erwerbskunst, wurde von Aristoteles geprägt, der zwischen Ökonomik (Hausverwaltungskunst) und Chrematistik (Kunst des Gelderwerbs) unterscheidet. Die Ökonomik beschäftigt sich mit der Beschaffung und Bewahrung jener Güter, die für das Haus oder den Staat nützlich und notwendig sind, der natürlichen Erwerbskunst, die auf die grundlegende Bedürfnisbefriedigung des Menschen abzielt. Da die Menge an Werkzeugen bzw. Instrumenten, die den Reichtum der Haus- oder Staatsverwaltung bilden, nach Größe und Zahl nicht unbegrenzt sei, könne auch der Reichtum nicht unbegrenzt sein. Der Ökonomik stellte Aristoteles die Chrematistik als Wirtschaftskunst gegenüber. Hier geht es darum, Geld zu akkumulieren. Der Tausch wird hier nicht zur Bedarfsdeckung betrieben oder um der Autarkie des Hauses und des Staates willen, sondern um Reichtum anzuhäufen. Diese widernatürliche Erwerbskunst kommt in seinem Sinne auch als Folge der Einführung des Geldes als Tauschmittel zum Tragen. Aristoteles gab ihr die Schuld daran, dass man häufig meine, Reichtum und Besitz seien unbegrenzt.

Der Attac Österreich Mitbegründer Christian Felber legt in seinem Buch Gemeinwohl-Ökonomie dar, dass das Gemeinwohl eigentlich schon im Begriff Ökonomie enthalten sei und die derzeitige „Ökonomie“ vielmehr Chrematistik sei. Dass also derzeit im öffentlichen Diskurs betrachtete Ökonomie tatsächlich die Chrematistik ist.

Unser Denken in Geld führt zu den abstrusesten Situationen. Unser Denken in Geld lässt es vernünftig erscheinen, unsere Kleidung von Kindern in Südostasien fertigen zu lassen und sie dann mit großen Containerschiffen, in denen Schweröl verbrannt wird, über den halben Planeten zu uns nach Europa zu transportieren.

Wir reden gerne davon, dass Leistung sich wieder lohnen muss, vergessen dabei aber, dass es die Leistung von Kindern in Afrika und Südostasien ist, die uns billige Kleidung, leistbare Smartphones und billige Akkus beschert. Wenn nicht Kinder in Bangladesch, statt in der Schule, an der Nähmaschine sitzen würden und wenn nicht Kinder im Kongo, statt in die Schule zu gehen, in eine Kobalt-Mine gehen würden, wäre unser Luxus gar nicht möglich. Seit der Kolonialzeit beruht unser Reichtum auf der Armut der Dritten Welt.

Auch unseren Müll überlassen wir der Dritten Welt und ersparen uns damit die Kosten für eine fachgerechte Entsorgung. In Ghanas Hauptstadt Accra liegt eine der größten Elektroschrott-Müllkippen Afrikas. Ein Großteil des Elektroschrotts aus aller Welt landet in Agbogbloshie, einem Slum am Rande der Hauptstadt. Hier verbrennen Kinder und Jugendliche ausgediente Altgeräte aus Europa - Laptops, Handys, Kühlschränke und Fernseher - um an verwertbares Metall zu kommen. Sie verdienen damit etwas Geld, doch zahlen dafür mit ihrer Gesundheit. Die Reste verbrennen sie, dabei dient ihnen Isolierschaum aus Kühlschranktüren als Brennmaterial. Es entstehen gefährliche Gifte, die höchst krebserregend sind. Die Liste reicht von Blei und Cadmium bis Quecksilber und Chrom. Täglich atmen die Kinder und Jugendliche die giftigen Dämpfe ein, vom bestialischen Gestank auf der Deponie einmal ganz zu schweigen.

Nur weil wir in Geld denken, gibt es überhaupt Arbeitslose. Nur weil wir in Geld denken, scheint es Sinn zu machen Arbeitsplätze zu schaffen, egal ob dies für Mensch und Natur gut ist. Unser Denken in Geld und in Folge in Arbeitsplätzen ist Wahnsinn. Gerade wir Europäer haben erfahren, wozu das Denken in Arbeitsplätzen führt. Die Depression der 30er Jahre und die damit verbundene hohe Arbeitslosigkeit, war die Basis für den Aufstieg der Nationalsozialisten. Es wurden Arbeitsplätze geschaffen, indem eine Unmenge an Waffen produziert und ein riesiges Heer geschaffen wurden.

Heutzutage akzeptieren wir das Thema Arbeitsplätze immer noch als Argument für die Zerstörung der Umwelt. Es geht nicht um mehr Arbeit und damit mehr Ressourcenverbrauch – es geht um weniger Arbeit und damit weniger Ressourcenverbrauch, um weniger Wirtschaftswachstum und mehr Zeit für geistiges Wachstum.

Im Falle unserer Rohstoffe zeigt sich besonders deutlich, wie gefährlich und verrückt die Verwechslung von Preis und Wert ist. Der Preis den wir üblicherweise für unsere Rohstoffe verlangen, hängt in erster Linie von den Beschaffungskosten ab. Wenn sich die Ausbeutung einer Rohstoffquelle finanziell rechnet, wird sie erschlossen. Wir berücksichtigen den Wert den dieser Rohstoff für uns als Menschheit hat, überhaupt nicht. Für uns als Menschheit - bedeutet auch das Wohl zukünftiger Generationen zu berücksichtigen. Beim Verbrauch der Rohstoffe berücksichtigen wir dann weder Recyclingkosten noch Umweltschäden.

Der Milliardär Edward Bass lies für 200 Millionen US-Dollar in Arizona, USA das Biosphäre 2 Projekt erbauen. Das Ziel war es ein von der Außenwelt unabhängiges, sich selbst erhaltendes Ökosystem, zu schaffen. Das Projekt gilt nach zwei erfolglosen Versuchen als gescheitert. Nicht einmal mit 200 Millionen US-Dollar ist es also möglich, ein winziges Ökosystem aufzubauen. Dies zeigt uns, welchen Wert unser Ökosystem hat - ein Wert der nicht einmal einen Preis hat - und der daher auch nicht mit Geld zu bezahlen ist.

Geld ist ein Symbol für die Idee der Trennung in der das Ego lebt. Das Geld bildet allerdings nur die Oberfläche des Denkens in Trennung. Dahinter verbirgt sich die Idee des Tauschens. Das wahre Problem ist das Tauschen und nicht das Geld. Geld hat das Tauschen nur vereinfacht. Daher sind Tauschkreise keine Lösung, sondern zerstören nur den einzigen Vorteil des Geldes. Mit Tauschkreisen ist das Leben in unserer arbeitsteiligen Tauschgesellschaft einfach nicht möglich. Mit einem Tauschkreis können wir keine Miete, keinen Strom, kein Gas und keine Steuern bezahlen.

Mit dem Tauschen haben wir uns das Gegenüber zum Feind gemacht und versuchen nun auf seine Kosten Gewinn zu machen. Tauschen ist ein Ausdruck der Trennung. Teilen und schenken sind hingegen Ausdruck der Liebe - Ausdruck der Einheit. Zu Weihnachten, dem Fest der Liebe, beschenken wir einander.

Innerhalb einer Gemeinschaft die sich als Einheit versteht, wird nicht getauscht. In unserer Zeit ist das nur noch die Kleinfamilie, in früheren Zeiten waren dies wesentlich größere Einheiten. Bei sogenannten Naturvölkern ist dies die dörfliche Gemeinschaft oder der Stamm. Innerhalb dieser Gemeinschaft erledigt jeder seine Arbeit und die Ergebnisse werden geteilt. Wenn die Jäger des Dorfes einen Hirsch jagen, bringen sie ihn anschließend nach Hause ins Dorf, um ihn zu teilen und nicht um ihn gegen etwas anderes einzutauschen. Die Indianer haben innerhalb ihres Stammes auch nicht getauscht, die Idee des Tauschens brachten erst die weißen Siedler ins Land. Die Idee man könnte Land besitzen, war im Weltbild der Indianer überhaupt nicht vorhanden.

"Wir brauchen mehr, mehr, wissen nicht mehr, wer
Wir wirklich sind, verlieren die Ehrfurcht
Vor so viel Ding'n, wir haben verlernt
Wie man etwas teilt, obwohl wir alle so entstanden sind"

(Irgendwas - Yvonne Catterfeld feat. Bengio)

Für das Ego ist nur wertvoll, was es nimmt. Und das führt zum vierten Gesetz des Chaos, das wahr sein muss, wenn man die anderen akzeptiert. Dieses scheinbare Gesetz ist die Überzeugung, dass du hast, was du genommen hast. Dadurch wird der Verlust des anderen dein Gewinn, und so wird nicht wahrgenommen, dass du nie jemandem etwas nehmen kannst als dir. Indessen müssen alle anderen Gesetze zu diesem führen. Denn Feinde geben einander nicht bereitwillig, noch würden sie die Dinge mit andern zu teilen suchen, die sie selber schätzen. Das, was deine Feinde dir vorenthalten möchten, muss des Besitzes wert sein, weil sie es vor deinem Blick versteckt halten.
(EKIW: Kapitel 23, II. 9.)

"Jede Wahl in der Welt hängt von diesem ab: Du wählst zwischen deinem Bruder und dir, und du gewinnst soviel, wie er verliert, und das, was du verlierst, ist das, was ihm gegeben wird.
Wie steht das doch der Wahrheit ganz und gar entgegen, wo der ganze Zweck der Lektion der ist, zu lehren, dass das, was dein Bruder verliert, du verloren hast, und dass das, was er gewinnt, dir gegeben ist.
"
(EKIW: Kapitel 31, IV. 8. 4.&5.)

Wir sehen meist nicht wie unfair Tauschen ist. Menschen kommen mit völlig unterschiedlichen geistigen und körperlichen Fähigkeiten auf die Welt und leben unter völlig unterschiedlichen geografischen Bedingungen, so dass Tauschen und damit Wettbewerb einfach nicht fair ist. Wie soll ein Land, dessen Oberfläche in erster Linie aus nackten Felsen besteht, in dem Trinkwassermangel herrscht, und das keine nennenswerten Rohstoffvorkommen aufweist, mit einem Land konkurrieren, durch das große Flüsse, und damit großen Wasserstraßen, fließen, die wiederum mit wirtschaftlich wichtigen Seehäfen verbunden sind, ein Land dessen Böden fruchtbar sind und in dessen Erde wertvolle Rohstoffe lagern.

Plattformen wie geizhals.at oder willhaben.at und Werbeslogans wie "Geiz ist geil" zeigen sehr deutlich, worum es beim Tauschen geht. Geiz ist heutzutage positiv besetzt, obwohl er schon vor Jahrtausenden als ein Grundübel des Egos erkannt wurde. Im Christentum zählt er zu den sieben Todsünden, jenen zum Tod führenden Irrtümern, im Enneagramm zählt er zu den neun Leidenschaften, zu jenen neun Eigenschaften die Leiden schaffen.

Die Idee des Tauschens macht es außerdem notwendig menschliche Arbeit zu bewerten. Wir lassen jemandem der am Computer sitzt und mit Geld an den Börsen spielt, oder jemanden der Fußball spielt, oder jemanden der auf einer Showbühne das Rampenlicht genießt, wesentlich mehr Geld zukommen, als jemanden, der sich um Kinder kümmert, oder alte und kranke Menschen pflegt. Was ist das für eine verrückte Bewertung? Sollte nicht der Mensch, der einem alten, im Sterben liegenden Menschen im Hospiz den Hintern auswischt, wesentlich besser bezahlt werden, als jemand der seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht und vor Publikum Fußball spielt?

Invisible hand“ (unsichtbare Hand) ist ein metaphorischer Ausdruck, mit dem der schottische Ökonom und Moralphilosoph Adam Smith die unbewusste Förderung des Gemeinwohls beschrieb. Adam Smith war nicht der Erfinder dieser Metapher; sie war zu seiner Zeit eine durchaus übliche meist religiös konnotierte Redensart.

Diese Methapher beschreibt in ihrem heutigen Verständnis den Grundgedanken des modernen Kapitalismus, der auf Privateigentum an den Produktionsmitteln und einer Steuerung von Produktion und Konsum über den Markt (Marktwirtschaft) beruht. Der Grundgedanke dahinter lautet: Wenn alle Akteure an ihrem eigenen Wohl orientiert seien, führe eine Selbstregulierung des Wirtschaftslebens zu einer optimalen Produktionsmenge und -qualität und zu einer gerechten Verteilung.

Die Basis des Kapitalismus ist schon von der Theorie her reiner Egoismus, nach dem Motto: Wenn jeder auf sich schaut, ist auf jeden geschaut. Das klingt auf Wirtschafts-Deutsch noch ganz gut, aber praktisch ausgedrückt bedeutet es: Der Stärkere gewinnt, auf Kosten der Schwachen.

Kapitalismus bezeichnet in der marxistischen Tradition „die auf Warenproduktion, Marktwirtschaft, Investition von Kapital, Lohnarbeit und Profit beruhende Produktionsweise“ als auch die „von der Herrschaft des Kapitals bedingten sozialen, politischen, rechtlichen und kulturellen Verhältnisse als Gesellschaftsordnung“.

Kommunismus (lateinisch communis "gemeinsam") ist ein um 1840 in Frankreich entstandener politisch-ideologischer Begriff mit mehreren Bedeutungen. Er bezeichnet Gesellschaftsordnungen, beruhend auf Ideen sozialer Gleichheit und Freiheit aller Gesellschaftsmitglieder, auf der Basis von Gemeineigentum und kollektiver Problemlösung.

Die lebenserhaltenden und fürsorglichen Tätigkeiten in den Privathaushalten, im Non-Profit-Bereich und in der Ressourcenwirtschaft bilden die Basis unserer Wirtschaft, und dennoch fehlen sie sowohl in der kapitalistischen als auch in der sozialistischen Wirtschaftstheorie. Sowohl der Sozialismus als auch der Kapitalismus wurzeln in einer auf Vorherrschaft beruhenden Tradition. Für Adam Smith genauso wie für Karl Marx war die Natur einzig dafür da, um ausgebeutet zu werden. Karl Marx war Vertreter eines „dialektischen Materialismus“ und daher lediglich an einer gerechteren Verteilung von Materie interessiert, aber nicht an einer geistigen Entwicklung der Menschheit.

Der Kapitalismus beruht auf der Idee "There ain't no such thing as a free lunch". Das "kostenlose Mittagessen" in dem Sprichwort bezieht sich auf die früher in amerikanischen Bars übliche Praxis, ein "kostenloses Mittagessen" anzubieten, um Kunden zum Trinken zu verführen und über die Getränkepreise den Profit zu machen. Milton Friedman (1912 - 2006) machte diesen Spruch in den Wirtschaftswissenschaften berühmt. Er war ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, der fundamentale Arbeiten auf den Gebieten der Makroökonomie, der Mikroökonomie, der Wirtschaftsgeschichte und der Statistik verfasste. Er erhielt 1976 den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften für seine Leistungen auf dem Gebiet der Analyse des Konsums, der Geschichte und der Theorie des Geldes und für seine Demonstration der Komplexität der Stabilitätspolitik.

"There ain't no such thing as a free lunch", bedeutet, dass es im Kapitalismus keine Schnäppchen gibt. Alles was dem Kunden als Sonderangebot serviert wird, ist keines, kann gar keines sein, weil es ja immer um möglichst hohe Profite geht - der Kunde merkt es nur nicht - wie ein trinkender Barbesucher.

Friedman war Mentor einer Gruppe von chilenischen Ökonomen, den nach der Chicagoer Schule benannten Chicago Boys. Diese bestimmten unter der Militär-Diktatur Pinochets in Chile maßgeblich eine neue liberale Wirtschaftsordnung, die auf den Ideen Friedmans aufbaute. Die Tatsache, dass eine Militärdiktatur eine liberale Marktwirtschaft einführte, bezeichnete Friedman später als „Wunder von Chile“. In der Entwicklung Chiles zur Demokratie sah er seine Überzeugung, dass freie Märkte eine freie Gesellschaft hervorbringen, bestätigt. Doch in Wahrheit haben die von Friedman empfohlenen Reformen die Situation für die Mehrzahl der Menschen deutlich verschlechtert.

Die dem Kommunismus zugrunde liegende Idee der Gemeinsamkeit ist eine wahrhaft spirituelle, die allerdings in der praktischen Umsetzung auf einer Verwechslung der Ebenen basierte. Eine am Gemeinwohl ausgerichtete Gesinnung lässt sich niemanden aufzwingen, sondern kann nur die Folge eines radikalen Befreiungsprozesses auf der Ebene des Geistes sein. Jeder Versuch auf der Ebene des Verhaltens eine dauerhafte Änderung zu bewirken ist zum Scheitern verurteilt. Wahre Veränderung kann nur auf der Ebene des Geistes vollbracht werden, verändertes Verhalten ist dann lediglich die Folge.

Wenn wir aus zeitgeschichtlicher Sicht Kapitalismus und Kommunismus vergleichen, könnten wir zum Ergebnis kommen, dass der Kapitalismus effizienter wäre als der Kommunismus. Das stimmt aber nicht. Der auf Wettbewerb basierende Kapitalismus ist eine total ineffiziente Wirtschaftsform, die nur deswegen in der Praxis zu mehr wirtschaftlichen Erfolg als der Kommunismus führt, weil sie dem Denksystem des Egos entspricht. Um des eigenen Vorteils wegen sind wir bereit bis zum Burnout zu arbeiten, aber für das Gemeinwohl sind wir es nicht.

Betrachten wir die Entwicklung des Mobilfunks in Österreich als praktisches Beispiel für die tatsächliche Ineffizienz von Wettbewerb. Bis 1996 war Telefonie eine Angelegenheit der "Post". Diese brauchte keine große Marketingabteilung um auf Ihre Angebote hinzuweisen, denn jeder wusste, wenn er ein Telefon benötigt, geht er einfach zur Post. Dies war auch zu Beginn des Mobilfunks noch so.

Im Oktober 1996 ging schließlich das allererste private Mobilfunknetz max.mobil in Betrieb. Einer der bekannteren Werbebotschaften des Anbieters lautete: "Was wäre ein Handy ohne max?" Mit tele.ring wurde 1997 der dritte Netzbetreiber gegründet. Im Mai 2003 startete das Unternehmen Hutchison 3G Austria GmbH als vierter Netzbetreiber.

Dies bedeutete, dass ab 2003 plötzlich vier Netzbetreiber Mobiltelefonie anboten. Für ein und denselben Dienst wurden gleichzeitig vier Mobilfunknetze aufgebaut. Dies führte manchmal dazu, dass an einem Ort gleich drei 36 m hohe Mobilfunkmasten aufgebaut wurden. Die Kooperation der Mobilfunkbetreiber beim Netzaufbau war äußerst gering, denn die Vorgaben des Gesetzgebers waren auf Wettbewerb ausgerichtet.

Es war also der nahezu vierfache Ressourcenaufwand notwendig um ein und denselben Dienst anzubieten. Zusätzlich wurden nun auch vier riesige Marketingabteilungen benötigt, um sich gegenseitig im Wettbewerb am Markt zu verdrängen. Die freie Marktwirtschaft hat damit zu einem riesigen Mehraufwand an materiellen Ressourcen und an menschlicher Arbeitskraft geführt, ohne einen wahren Mehrwert an Leistung zu bieten.

Der ständige Wettbewerb führte zu weiteren Marktveränderungen. Einerseits wurde die mit einem riesigen Marketingaufwand ins Leben gerufene Marke max.mobil durch die Marke T-Mobile ersetzt, die dann einige Jahre später wiederum durch Magenta Telekom ersetzt wurde. Auch die Marke tele.ring verschwand und auch das Mobilfunknetz von Telering wurde aufgelöst und nur teilweise in das T-Mobile Netz übernommen.

Wiederum jede Menge Arbeit, in erster Linie Marketing und Management, für nichts!

Zurzeit gibt es drei Netzbetreiber; A1 Telekom Austria, Hutchison Drei Austria sowie Magenta Telekom und eine unübersehbare Zahl von Mobilfunkprovidern, wie bob, VECTONE, eety, RedBull-Mobile, Yesss!, billitel!, delightmobile, Educom, Freeeway, Ge(-)org!, goood mobile, HoT, joymobile, Kabelplus Mobile, Kronemobile, Kuriermobil, kwikki, Lidl Connect, Liwest Mobil, Lycamobile, m:tel, Rapid Mobil, s-budget-mobile, Simfonie, HELP mobile, spusu, Tchibo Mobil Österreich, VOLmobil, Wowww!, Yooopi!

Für alle diese Provider braucht es Marketing und Management und damit wiederum eine Menge Arbeit für nichts.

Es ist offensichtlich, dass Wettbewerb keine effiziente Art des Wirtschaftens ist, Kooperation wäre wesentlich effizienter. Warum Kooperation in der Praxis nicht entsprechend funktioniert, liegt einzig und allein an der Illusion der Trennung, in der das Ego lebt.


"Das Wesen des Größenwahns ist Konkurrenzdenken, weil er immer Angriff beinhaltet."
(EKIW: Kapitel 9, VIII. 2. 5.)


Die Welt der Wirtschaft ist voll von kriegerischen Symbolen. Militärische Hierarchien sind ein Herrschaftssystem mit fester Rangordnung, genau abgegrenzten Befugnissen und eindeutig festgelegter Weisungs-, Befehls- und Kommunikationsstruktur. Genau diese Form der Hierarchie finden wir in Unternehmen wieder.

Spitzenmanager tragen üblicherweise eine Krawatte, als Symbol für ihren Rang in der Hierarchie. Das Wort „Krawatte“ geht auf französisch „à la cravate“ „nach kroatischer Art“ zurück. Vor allem in Österreich bezeugt die mundartliche Form Kråwåt für „Kroate“ die Wortherkunft. Bei einer Parade für den französischen König Ludwig XIV war auch ein kroatisches Reiterregiment aufmarschiert. Diese Reiter trugen ein Stück Stoff, das am Kragen in Form einer Rosette befestigt wurde und deren Enden über der Brust hingen. Dieser Bestandteil der Uniform der Kroaten zog die Aufmerksamkeit des Königs auf sich, der die Cravate anschließend übernahm und innerhalb des Adels verbreitete. Die Krawatte stand immer, angefangen vom römischen Focale über das Halstuch kroatischer Regimenter bis zur Halsbinde von Offizieren und Generälen des Dreißigjährigen Krieges, in soldatischem Zusammenhang.

In der Welt der Wirtschaft geht es um feindliche Firmenübernahmen, Verdrängungswettbewerb, Preiskämpfe, Handelskriege, aufrüsten von Unternehmensstandorten und das Überleben am Markt. Die Human Resource Abteilung organisiert Full Time Equivalents (FTE's), während Headhunter (Kopfgeldjäger) sich im Krieg um die klügsten Köpfe befinden. Der Chief Executive Officer (CEO) steuert das Unternehmen. Die Übernahme des Officers in die Führung von Organisationen hat ihre Wurzeln im 16ten Jahrhundert, als in Großbritannien die ersten Seehandelsgesellschaften entstanden. Diese hatten auf ihren Schiffen eine streng hierarchisch militärische Struktur. Die CEOs sitzen in der Zentrale, im Headquarter. Hier befehlen sie ihren Stab. Der Begriff Strategie stammt aus dem Griechischen – Strategia ist die Kunst der Heerführung. Taktik ist ebenfalls griechisch und bedeutet: Die Kunst, ein Heer in Schlachtordnung zu stellen.

Die Arbeit ist zum täglichen Kampf geworden. Wir stehen auf Kriegsfuß mit dem einen oder anderen Kollegen, der immer wieder quer schießt, so wie es uns überhaupt insgesamt so scheint, als würde ständig von allen Seiten auf uns geschossen. Deshalb befinden wir uns jetzt auf dem Rückzug. Angesichts unserer überbordenden Bürokratie beklagen wir einen alltäglichen Papierkrieg. Wir führen Argumente ins Feld und lassen uns ungern das Heft aus der Hand nehmen. Wir planen feindliche Übernahmen, weil die Kriegskasse gut gefüllt ist, und wir nehmen die Kundenfront scharf ins Visier, um die Stoßrichtung des geplanten Marketingfeldzugs zu sondieren. Wir geraten schneller zwischen die Fronten, als uns manchmal lieb ist und fahren scharfes Geschütz auf, wenn die freundliche Tour nicht zieht.

Kriegssprache ist nur möglich unter Bedingungen, in denen Krieg als spezifische Form von Gewalt bestimmend ist. Die Existenz von Kriegswörtern im Wirtschaftsleben widerspiegelt diesen Sachverhalt. 1997 wurde in Paris die Ecole de Guerre Economique (auf deutsch: Schule für Wirtschaftskrieg) gegründet. Sie ist die erste europäische Institution, die eine Ausbildung für „Angriffs- und Verteidigungsmethoden“ anbietet, mit denen sich Unternehmen im Kontext der Globalisierung auseinandersetzen müssen.

"Ich habe schon gesagt, dass der Freund des Ego kein Teil von dir ist, weil das Ego sich als im Krieg befindlich wahrnimmt und daher glaubt, Verbündete zu brauchen. Du, der du nicht im Krieg bist, musst nach Brüdern Ausschau halten und alle, die du siehst, als Brüder wiedererkennen, weil nur diejenigen, die gleich sind, in Frieden sind. Weil GOTTES gleiche SÖHNE alles haben, können sie nicht konkurrieren. Wenn sie jedoch in irgendwelchen ihrer Brüder irgend etwas anderes wahrnehmen als ihnen vollkommen Gleichgestellte, hat die Idee der Konkurrenz Einlass in ihren Geist gefunden. Unterschätze nicht, wie nötig es ist, wachsam zu sein gegen diese Idee, weil all deine Konflikte daraus stammen. Sie ist die Überzeugung, dass miteinander in Konflikt stehende Interessen möglich sind, und daher hast du das Unmögliche als wahr akzeptiert. Ist das etwas anderes, als zu sagen, dass du dich selber als unwirklich wahrnimmst?"
(EKIW: Kapitel 7, III. 3.)

Sanskrit ist eine Sprache des alten Indiens mit einer dokumentierten Geschichte von über 3.000 Jahren. Auf Sanskrit bedeutet das Wort für Krieg („Vigrahin“) wenn es wörtlich übersetzt wird: „Verlangen nach mehr Kühen“. Besser könnte man es nicht beschreiben: Krieg bedeutet "Verlangen nach mehr". Früher einmal waren es Kühe, jetzt ist es Geld. Wir befinden uns im Krieg und beschönigen diese Tatsache, indem wir Wettbewerb und freie Marktwirtschaft dazu sagen.

Damit du hast, gib allen alles.
(EKIW: Kapitel 6, V. A.)

Diese Aussage bezieht sich nicht auf die Ebene der Form, sondern auf die Ebene des Geistes. Anders ausgedrückt, geht es dabei nicht um Geld, sondern um eine geistige Haltung - eine geistige Haltung die Geld überflüssig macht, weil nicht mehr getauscht, sondern geteilt wird.

Das Ego andererseits fordert immer gegenseitige Rechte, weil es konkurriert, statt zu lieben. Es ist immer bereit, einen Handel abzuschließen, kann aber nicht verstehen, dass wie ein anderer zu sein bedeutet, dass es nicht möglich ist, einen Handel abzuschließen. Um zu gewinnen, musst du geben, nicht einen Handel abschließen. Einen Handel abschließen heißt, das Geben zu begrenzen, und das ist nicht der WILLE GOTTES. Mit GOTT zu wollen heißt, wie ER zu erschaffen. GOTT begrenzt SEINE Gaben in keiner Weise. Ihr seid SEINE Gaben, und daher müssen eure Gaben wie die SEINEN sein. Eure Gaben an das HIMMELREICH müssen wie SEINE Gaben an euch sein.
(EKIW: Kapitel 7, I. 4.)

Alle besonderen Beziehungen haben Sünde zum Ziel. Denn sie sind ein Handel mit der Wirklichkeit, an den die scheinbare Verbindung angepasst wird. Vergiss nicht: Einen Handel abschließen heißt eine Grenze setzen und jeden Bruder, mit dem du eine begrenzte Beziehung hast, hasst du. Vielleicht versuchst du, den Handel im Namen der Fairness einzuhalten, indem du manchmal die Bezahlung von dir selber forderst, öfter vielleicht vom anderen. So versuchst du, durch die »Fairness« die Schuld zu mildern, die vom Zweck der Beziehung, den du akzeptiert hast, kommt. Und deshalb muss der HEILIGE GEIST ihren Zweck ändern, damit sie für IHN nützlich und für dich harmlos werde.
(EKIW: Kapitel 21, III. 1.)

Alles wird gehandelt, es scheint dabei keine Grenzen zu geben, ob es sich nun um Organe von Menschen handelt, oder überhaupt gleich um Menschen, in erster Linie Frauen und Kinder. Wobei es sich dabei in letzter Zeit immer mehr um Flüchtlinge handelt, die plötzlich verschwinden. Frauen werden zur Prostitution gezwungen und Kinder werden an illegale Sexclubs für Pädophile verkauft. Wer sich's leisten kann fliegt in die Türkei und lässt sich, je nach Bedarf, ein neues Organ einpflanzen, das illegalerweise von einem Moldawier stammt, der dafür nur ein Hundertstel von dem bekommt, was der Kunde dafür bezahlt. Die Türkei ist bemerkenswerterweise eines der weltweit führenden Länder, die Organtransplantationen durchführen.

Es geht hierbei selbstverständlich nicht um Kritik an den "bösen Reichen", sondern einzig und allein darum, die Absurdität des egoischen Gedankensystems sichtbar zu machen. Sowohl der "Reiche" als auch der "Arme" sind lediglich Rollen im egoischen Theater des Lebens und es macht keinen Unterschied mit welcher Rolle wir uns identifizieren. Beides ist Ausdruck des Glaubens an Trennung. Zum Glück sind wir an dieses Gedankensystem nicht gebunden.

Denk an die Freiheit in der Einsicht, dass du an all die sonderbaren und verdrehten Gesetze nicht gebunden bist, die du aufgestellt hast, um dich zu retten. Du meinst tatsächlich, dass du verhungerst, wenn du nicht Stapel farbiger Papierschnipsel und Haufen kleiner Scheiben aus Metall besitzt. Du meinst tatsächlich, dass ein kleines rundes Kügelchen oder eine Flüssigkeit, die durch eine spitze Nadel in deine Adern gedrückt wird, Krankheit und Tod abwendet. Du meinst tatsächlich, du seiest allein, wenn nicht ein anderer Körper bei dir ist.
(EKIW: Lektion 76, 3.)

Um zu erkennen welchen Preis wir für die Idee der Trennung zahlen, stellen wir uns einmal vor, wir wären bereits alle aus der Illusion der Trennung erwacht und würden uns als eine Menschheit in einem globalen Dorf erleben. Wir würden folgende Wirtschaftszweige nicht mehr benötigen und hätten auch diese Arbeit nicht mehr zu erledigen:

Zu der wenigen Arbeit die dann noch notwendig ist, leistet jeder mit großer Freude seinen Beitrag und diese geleisteten Beiträge werden daher auch nicht verglichen. Auch die verrückte Idee einer Work-Life-Balance gehört dann der Geschichte an. Es ist ein typischer Gedanke aus der Illusion der Trennung.

Diese Vision dient einzig und allein dazu den Wahnsinn im Gedankensystem des Egos sichtbar zu machen. Es geht nicht darum zu versuchen die hier aufgezeigte Vision, auf der Ebene der Welt, umzusetzen und damit zu versuchen die Welt zu verbessern! Dies ist nur eine weitere beliebte Strategie des Egos um von der Einfachheit der WAHRHEIT abzulenken und an der linearen Zeit festzuhalten, um so die Erlösung im JETZT zu vermeiden. Es ist immer nur dieser Augenblick, das JETZT, in dem uns die vollständige Erlösung angeboten wird. Es geht nicht darum die Illusion der Welt zu verbessern, sondern darum aus der Illusion der Welt zu erwachen.

Elizabeth “Lizzie” Magie Phillips hat das Spiel The Landlord's Game erfunden, welches die Grundlage des heutigen Monopoly-Spiels (DKT) ist. Sie erhielt das U.S. Patent 748626 für ihr Spiel am 5. Januar 1904. Am 19. März 1935 kaufte ihr die Parker Brothers das Patent für The Landlord's Game ab und machte daraus in Folge das Monopoly-Spiel.

Allerdings wollte Lizzie seinerseits die Erkenntnisse des Ökonomen Henry George den Menschen mit einem Brettspiel nahebringen: Arbeitslose Einkünfte des Grundbesitzers auf der einen Seite, schaffen Armut und Verelendung auf der anderen Seite. Zu diesem Zweck schuf sie zwei Spielvarianten. Die eine ist im Grundprinzip die bis heute bekannte. Bei der Alternative nahm sie die von Henry George vorgeschlagene „single tax“ mit dazu, hob also de facto das Grundeigentum auf. Bei der heute allein bekannten Variante bleibt ein Monopolist übrig, dem als Gewinner alles gehört, während bei der damaligen zweiten Alternative ohne Bodenspekulation die meisten Mitspieler im Spielverlauf immer wohlhabender werden („Freiwirtschaft“).

Wir wissen also seit unser Kindheit, dass unser Geld- und Wirtschaftssystem dazu führt, dass sich Besitz in den Händen weniger sammelt. Wenn das nur zu Lebzeiten einer Person so wäre, wäre es noch gar nicht so schlimm. Wirklich unfair wird es erst, durch die Idee des Erbens, denn damit wird die unfaire Vermögensverteilung auf ewig fortgeschrieben. Auch das Erben ist eine für das Ego typische Idee. Indem es sich mit seinen Kindern und seinem Besitz identifiziert, versucht das Ego dem Tod zu entgehen. Wenn nun sein Besitz in den Händen seiner Kinder weiterbesteht, hat es das Gefühl, auch selbst mit dem Tod nicht ganz zu verschwinden.

Damit sind wir beim zentralen Thema, das sich hinter der Idee des Geldes und hinter der Idee des Tauschens verbirgt - es ist die Idee von Besitz und all dies ist Ausdruck eines Mangelzustands, indem sich das Ego permanent befindet.

„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“
(Markus 10,25)

Dies bedeutet, dass wir nicht in das Reich Gottes gelangen, solange wir an Besitz festhalten, solange wir uns mit Dingen identifizieren. Dies bedeutet nicht, dass wir nur als Bettelmönch Erlösung finden können, sondern dass wir an den Dingen, die uns im Moment zur Verfügung stehen, nicht festhalten, nicht an ihnen anhaften. Dies bedeutet auch, dass wir uns keine Sorgen über scheinbar notwendige Dinge in der Zukunft machen.

"Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte
in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?"

(Matthäus 6,26)

Alles, von dem das Ego sagt, dass du es brauchst, wird dich verletzen. Denn obwohl das Ego dich immer wieder zum Habenwollen drängt, lässt es dir nichts, denn was du bekommst, wird es dir abverlangen. Und ebenjenen Händen, die es ergriffen haben, wird es entwunden und in den Staub geschleudert. Denn wo das Ego Erlösung sieht, da sieht es Trennung, und so verlierst du, was immer du in seinem Namen bekommen hast. Deshalb frage nicht dich selbst, was du brauchst, denn du weißt es nicht, und der Rat, den du dir gibst, wird dich verletzen. Denn was du zu brauchen glaubst, wird lediglich dazu dienen, deine Welt gegen das Licht abzuschirmen und dich unwillens zu machen, den Wert zu hinterfragen, den diese Welt tatsächlich für dich haben kann.
(EKIW: Kapitel 13, VII. 11,)


You damn right, I've got the blues
From my head down to my shoes
You damn right, I've got the blues
From my head down to my shoes
I can't win, 'cause I don't have a thing to lose

(Buddy Guy, 1991)



Der Fehler im Geldsystem

Geld wurde seinerzeit eingeführt, um das Tauschen zu vereinfachen. Das ist auch der einzige nützliche Aspekt des Geldes. Dazu wurden zuerst wertvolle Rohstoffe, insbesondere Edelmetalle wie Gold und Silber, direkt als Zahlungsmittel verwendet. Später wurden daraus Münzen geprägt und erst deutlich später entstand das Papiergeld.

Diejenigen die sich um die Aufbewahrung des Goldes kümmerten, stellten jenen, die ihnen ihr Gold anvertrauten, eine Quittung über das eingelagerte Gold aus. Da es einfacher war gleich diese Quittungen zum Bezahlen zu verwenden, als das physische Gold, entstand so das Papiergeld. Jene, die sich um die Lagerung des Goldes und um das Ausstellen der Quittungen kümmerten, waren die Vorläufer der heutigen Banken. Diese Institutionen begannen auch das bei ihnen eingelagerte Gold zu verleihen und dafür Zinsen zu verlangen.

Lange Zeit war Geld also Gold, oder eine Quittung auf Gold. Eine derartige Währungsordnung nennt man Goldstandard. Ein moderner Goldstandard besteht, wenn eine Notenbank einen festen Umtauschkurs ihrer Währung in Gold garantiert und tatsächlich jederzeit zum Umtausch in der gesamten Menge in der Lage und bereit ist. Beim reinen Goldstandard entspricht die Geldmenge eines Landes dem Wert des monetär genutzten Goldbestandes dieses Landes. Dies bedeutet, dass die Geldmenge von den Banken nicht beliebig erhöht werden kann. Dies bedeutet auch, dass die Wechselkurse zwischen Ländern mit einem reinen Goldstandard fix sind. In unserem aktuellen Geldsystem ist das nicht so, denn sowohl die Geldmenge als auch die Wechselkurse werden von den Notenbanken gesteuert, um das Wirtschaftsgeschehen zu steuern.

Der Goldstandard war ab 1880 in den Industriestaaten das anerkannte System geworden. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde der Goldstandard in vielen Ländern ausgesetzt, da aufgrund der Kriegskosten mehr Geld benötigt wurde, als Gold vorhanden war. Nach einer Phase flexibler Wechselkurse versuchte man halbherzig wieder zum Goldstandart zurück zu kehren, aber durch die Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren gerieten auch diese Versuche wieder ins Wanken.

Der Versuch zum Goldstandard zurück zu kehren, führte zwangsläufig zu einer weltweiten Reduktion der Geldmenge. Diese stark verringerte Geldmenge, und die damit verbundenen hohen Zinsen, waren der Impuls, der die Weltwirtschaftskrise beginnend 1929 auslöste. Diese Weltwirtschaftskrise begünstigte den Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland und war somit der Nährboden für den Zweiten Weltkrieg.

Dass die Weltwirtschaftskrise eine Geldmangelerscheinung war, zeigt das „Wunder von Wörgl“. Während der Nationalsozialismus um sich greift, steht Wörgl vor dem Bankrott. Bürgermeister Michael Unterguggenberger gelingt es im Jahre 1932, die Gemeinde durch die Einführung eines selbtgedruckten Schwundgeldes zu Wohlstand zu führen und die Arbeitslosigkeit gegen Null zu drücken. Er hat das Geld selber drucken lassen und damit alle öffentlichen Ausgaben finanziert. Er ließ damit den ganzen Ort inklusive einer Fabrik wieder neu aufbauen. Die einzige Schwierigkeit bestand darin, die Menschen an dieses selbstgedruckte Geld glauben zu lassen.

Der entscheidende Effekt war, dass dieses Geld vom Bürgermeister aus dem Nichts erzeugt wurde und nicht durch Schulden bei einer Bank. Ein Nebeneffekt war, dass es sich um Schwundgeld handelte, dass es sich also mit der Zeit nicht durch Zinsen vermehrte, sondern dass es mit der Zeit weniger Wert wurde. Umgesetzt wurden diese „Negativzinsen“ in der Form, dass diese Geldscheine in bestimmten Zeitabständen mit Wertmarken beklebt werden mussten, um weiterhin ihre Gültigkeit zu bewahren.

Der Sinn von „Negativzinsen“ ist es zu verhindern, dass Geld gehortet wird und so gleich wieder ausgegeben wird, also dem Wirtschaftskreislauf zugeführt wird. Doch in einer Phase des Geldmangels und bei einem Geld, das sich der Bürgermeister selbst druckt, wäre die Gefahr der Geldhortung ohnedies äußerst gering gewesen.

Das „Wunder von Wörgl“ zieht Kreise. Die Presse berichtet, Gemeinden im Umkreis interessieren sich dafür, führen zum Teil auch selbstgedrucktes Schwundgeld ein, und selbst der französische Premierminister Daladier bekundet sein Interesse. Die Regierung und die Oesterreichische Nationalbank hingegen halten den Bürgermeister mit seinem Geld für eine Bedrohung; sie befürchten, dass er das ganze System zum Einsturz bringen könnte. Unterguggenberger wird vor Gericht gestellt und das selbstgedruckte Schwundgeld verboten.

„Das Wunder von Wörgl“ (Arbeitstitel „Der Geldmacher“) ist auch ein österreichischer Spielfilm aus dem Jahr 2018 von Urs Egger mit Karl Markovics in der Rolle des Bürgermeisters von Wörgl, Michael Unterguggenberger. Die Premiere erfolgte am 15.November 2018 im Cineplexx Wörgl.

Nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1944 entschieden sich die Vertreter von 44 Staaten in der Konferenz von Bretton Woods für ein System mit der US Währung - dem Dollar - als Ankerwährung. Die USA waren durch Waffenverkäufe und Rüstungskredite zum weltweit größten Gläubiger geworden, während der währungspolitische Hauptkonkurrent Großbritannien zum Schuldner geworden war. In den USA lagerten 70 Prozent der Goldreserven.

Die Zentralbanken der Mitgliedsstaaten verpflichteten sich im Vertrag von Bretton Woods dazu, durch Eingriffe an den Devisenmärkten die Kurse ihrer Währungen in festgelegten Grenzen zu halten. Das Tauschverhältnis zwischen Dollar und einer Unze Gold wurde auf 35 Dollar je Unze Feingold festgelegt. Um dies zu gewährleisten, verpflichtete sich die FED und damit die USA, Gold zu diesem Preis unbegrenzt zu kaufen oder zu verkaufen. Der Goldpreis in US-Dollar wurde so für Jahrzehnte festgelegt. Für die anderen Mitgliedstaaten stellte also der Dollar eine Quittung auf Gold dar und konnte so auch als Ersatz für Gold, zur Absicherung der eigenen Währung, verwendet werden.

Die USA benötigten für den Koreakrieg von 1950 bis 1953 und den Vietnamkrieg von etwa 1955 bis 1975 wesentlich mehr Geld, als sie an Goldbeständen zur Verfügung hatten. Der zunehmende Welthandeln ab den 50er Jahren führte auch dazu, dass die an die unter dem Bretton-Woods-System an den Dollar gekoppelten Länder immer mehr Geld benötigten. Erhöhten die Staaten unter diesem System ihre Geldmengen, mussten sie höhere Dollarreserven zur Deckung anlegen. Die USA hatten jedoch keine Möglichkeit, mehr Gold zur Deckung dieser nachgefragten Dollar zu schaffen. Dies führte dazu, dass eine immer größere Dollarmenge nicht mehr durch Gold gedeckt war, und resultierte letztlich in einem Vertrauensverlust gegenüber dem Dollar.

Schon Ende der 1950er Jahre überstiegen die bei ausländischen Zentralbanken befindlichen Dollarbestände die Goldreserven der USA bei weitem. Im Jahre 1966 forderte der französische Staatspräsident de Gaulle die USA auf, die französischen Dollarreserven in Gold umzutauschen und das Gold nach Frankreich zu liefern. Dies löste eine schwere politische Krise aus. Am 15. August 1971 stoppte der damalige US-Präsident Richard Nixon die Goldbindung des Dollar.

Dieser größte Bankraub der Menschheitsgeschichte verlief fast völlig unbemerkt von der Weltöffentlichkeit. Ein wesentlich kleinerer Bankraub, zur gleichen Zeit, erregte im deutschsprachigen Raum eine wesentlich größere Aufmerksamkeit. Am 4. August 1971 überfielen der in München geborene Hans Georg Rammelmayr und der in Graz geborene Dimitri Todorov, zwei „Kinder“ der 68er-Bewegung, eine Filiale der Deutschen Bank in München. Um ihrer Forderung nach zwei Millionen Deutschen Mark und einem Fluchtwagen Nachdruck zu verleihen, nahmen sie die 18 in der Bank anwesenden Personen als Geiseln, ein Novum in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Im Laufe des Abends fanden sich ungefähr 5000 Zuschauer ein, die zum Teil völlig ungeschützt das Geschehen verfolgten. Rammelmayr und die im Fluchtwagen sitzende weibliche Geisel starben gegen Mitternacht direkt vor der Bank im Blitzlichtgewitter der Pressefotografen, vor den Augen von Tausenden Zuschauern, im Kugelhagen der Polizei.

Ungefähr 3 Wochen vorher wurde der größte Bankraub der Menschheitsgeschichte beschlossen. Am 15. August 1971 wurde im Fernsehen der Weltöffentlichkeit davon berichtet. Die damit öffentlich bekannten Täter kamen ungeschoren davon.

Am Abend des 15. August 1971 wurde die beliebte Serie Bonanza im amerikanischen Fernsehen unterbrochen, um eine Rede des Präsidenten Richard Nixon zu übertragen. Er verkündete die Aufhebung der Dollar-Konvertierbarkeit in Gold und damit das Ende des Bretton-Woods-Abkommen aus dem Jahre 1944. Das Abkommen wurde im Juli 1944 von 44 Staaten unterzeichnet und vom Weißen Haus im August 1971 ohne Absprachen mit den anderen Nationen aufgekündigt.

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Dass sich etwas grundsätzlich geändert hatte, zeigt auch die Aufschrift auf den Banknoten. Vor 1971 war folgendes zu Lesen: "This note is legal tender for all debts, public and private, and is redeemable in lawful money at the United States Treasury, or at any Federal Reserve Bank." Übersetzt: "Diese Note ist ein gesetzliches Zahlungsmittel für alle Schulden, öffentlich und privat, und kann in gesetzlichem Geld beim Schatzamt der Vereinigten Staaten oder bei jeder Federal Reserve Bank eingelöst werden." Heute ist darauf nur noch zu lesen: "This note is legal tender for all debts, public and private." Heute ist der Dollar nur noch ein gesetzliches Zahlungsmittel, es wird aber keine Einlösung in Gold mehr garantiert.

Von 1944 bis 1971 entsprachen 35 Dollar einer garantierten Goldmenge von einer Unze. Danach war der Dollar nur noch bedrucktes Papier, dass in Amerika ein gesetzliches Zahlungsmittel darstellt. Für eine nicht-amerikanische Notenbank entsprachen bis 1971 35 Dollar einer von der amerikanischen FED garantierten Goldreserve von einer Unze Gold. Am 21.01.1980 beispielsweise, musste eine Notenbank für eine Unze am Goldmarkt 878,5 Dollar bezahlen. Dies entspricht einem Wertverlust um einen Faktor 25 – der Dollar besaß nur noch ein Fünfundzwanzigstel seines ursprünglichen Wertes, bezogen auf Gold. Das galt natürlich nicht nur für die Notenbanken, sondern für jeden Dollarbesitzer auf der ganzen Welt.

Ein Bankraub vor den Augen der Weltöffentlichkeit, der von kaum jemanden verstanden wurde und die paar Zentralbänker die wussten, was das bedeutet, konnten nicht darüber sprechen, den dies hätte das Vertrauen der Menschen in Geld völlig zerstört und zur wahrscheinlich bis dahin größten Wirtschaftskrise der Geschichte geführt.

Würden die Menschen das Geldsystem verstehen,
hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.
(Henry Ford, 1863 - 1947)

Zur Zeit der Erfindung des Papiergeldes und auch noch im Goldstandard entstand Geld durch Umtausch von Gold in Geld. Wenn also die Zentralbank eines Landes die Geldmenge erhöhen wollte, musste sie Gold ankaufen, um damit ihre Goldreserven zu erhöhen.

Wie entsteht Geld in unserem derzeitigen Geldsystem, wie funktioniert Geldschöpfung derzeit?

Die Zentralbanken steuern mit der Geldmenge die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes. Die zuvor gestellte Frage lässt sich daher auch so formulieren: Wie funktioniert die Erhöhung der Geldmenge? Diese Frage kann kaum jemand richtig beantworten, obwohl selbst auf Wikipedia unter „Geldmenge“ schon im ersten Absatz die Antwort zu finden ist: „Einer bestimmten Geldmenge stehen somit stets korrespondierende Verbindlichkeiten in gleicher Höhe gegenüber.“

Geld entsteht durch die Vergabe von Krediten. Zentralbanken und Geschäftsbanken erschaffen Geld aus dem Nichts durch einen Eintrag in den Computer. Dieser negative Eintrag wird wieder gelöscht, wenn der Kredit zurück gezahlt wird. Geld ist also immer eine Schuld die irgendwann zurück gezahlt werden muss. Wir leben in einem Schuldgeldsystem.

Durch den Wandel im Geldsystem hat sich auch das Geschäftsmodell der Banken grundsätzlich verändert. Ursprünglich einmal konnte eine Bank nur jenes Geld verleihen das Kunden bei ihr zum Sparen eingezahlt hatten. So ergaben sich die Gewinne einer Bank aus der Differenz zwischen Kreditzinsen und Guthabenzinsen. In einem Schuldgeldsystem, in dem ein Kredit lediglich ein Eintrag in einem Computer ist, stellen die gesamten Kreditzinsen den Ertrag der Bank dar, denn es müssen für dieses Geld keine Guthabenzinsen an einen Sparer ausgezahlt werden. Diese Geldverdienen mit Nichts ist zurzeit für die Banken nicht mehr so leicht. Als der Gewinn einer Bank der Differenz von Kredit- und Guthabenzinsen entsprach, war das absolute Zinsniveau nicht so stark von Bedeutung für die Gewinne einer Bank. Jetzt aber, wo fast ausschließlich der Kreditzins den Gewinn einer Bank bestimmt, sind niedrige Zinsen Gift für das Geschäft einer Bank. Einmal ganz abgesehen davon, dass das größte Geschäft der Banken gar nicht mehr Kredite an Private und Unternehmen sind, sondern das Geschäft mit Derivaten - das Wetten auf Nichts mit Nichts.

Das Geld in einem Schuldgeldsystem wird auch als Fiatgeld bezeichnet. Fiatgeld aus dem lateinischen Wort fiat ("Es sei getan! Es geschehe! Es werde!") ist ein Objekt ohne inneren Wert, das als Tauschmittel dient. Das Gegenteil von Fiatgeld ist Warengeld, als das z. B. Tabak, Reis, Gold oder Silber dient, das neben dem äußeren Tauschwert auch einen inneren Wert hat, der unabhängig von Regierungserlassen ist. Der Wert aller heutigen Währungssysteme ist über die Macht der Regierung, die Währung als gesetzliches Zahlungsmittel vorzuschreiben, gesichert und durch die allgemeine Akzeptanz von Handelspartnern.

Man könnte jetzt einwenden, dass nur die in den letzten sieben Jahrzehnten erzeugte Geldmenge Schuldgeld ist und auch immer noch „Gold-Geld“ im System ist. Doch dieser Anteil wurde allein durch die exponentiell wachsende Zinslast, auf die enorm gewachsene Geldmenge seit den 70er Jahren, „aufgezehrt“. Wir leben jetzt auch praktisch in einem Schuldgeldsystem. Dollar Geldmenge Die Geldmenge von Dollar und Euro (bzw. der Vorgängerwährungen) ist seit den 70er Jahren allein bis 2013 um ca. das 15-fache (!) gestiegen. Seit dem Jahr 2014 ist die Geldmenge weltweit nochmals stark erhöht worden, aber auf eine ganz spezielle Weise. Während früher die Kreditvergabe der Geschäftsbanken an Unternehmen das Geldmengenwachstum stark bestimmt hat, ist in diesem Zeitraum der stärkste Zuwachs durch den von den Zentralbanken durchgeführten Ankauf von Anleihen entstanden. Zunächst wurden Staatsanleihen gekauft, anschließend - innerhalb der EZB sogar gegen den Widerstand einiger Mitgliedsstaaten - auch Unternehmensanleihen. Der Ankauf von Anleihen durch eine Zentralbank ist praktisch das Gleiche wie die Ausgabe eines Kredits. Die Bank gibt Geld aus und übernimmt dafür eine Schuldverschreibung - eine Anleihe.

Schon nach der Finanzkrise im Jahr 2008 und auch jetzt in Folge der Corona-Krise folgt ein Rettungspaket dem nächsten. Ein „Rettungspaket“ stellt aber nur weitere Kredite dar – eine Geldmengenerhöhung durch weitere niedrig verzinste Kredite. Auch „Rettungspakete“ sind nur weitere Schulden. Mit weiteren Schulden können wir einem ohnedies schon verschuldeten Unternehmen oder Staat nicht dauerhaft helfen. Wir verschieben seinen Zusammenbruch nur in die Zukunft.

Auch wenn die Zinsen extrem niedrig sind und an eine Rückzahlung der Schulden nicht mehr zu denken ist, so bleibt bei dieser Vorgehensweise die Idee der Schuld bestehen und wird auf ewige Zeiten durch anfallende Zinsforderungen bestraft. Dies ist das perfekte Symbol für den Zustand in dem sich das Ego befindet - in einem Zustand der Schuld, der ein Opfer in Form einer Strafe erfordert. Erst wenn wir Schulden abschreiben, also Schuld vergeben, sind wir frei von Schuld. Aber sind wir bereit auf all unsere Forderungen zu verzichten, sind wir bereit unserem Gegenüber alle "Schuld" zu vergeben, sind wir bereit auf der Idee der Schuld ganz zu verzichten?

Um besser zu verstehen, was wir da seit den 70er Jahren eigentlich tun und welche Konsequenzen unser Tun hat, schauen wir uns einmal die Funktionsweise eines Schuldgeldsystems mit Zinsen genauer an:

1. Geld = Schuld!

Wikipedia: „Einer bestimmten Geldmenge stehen somit stets korrespondierende Verbindlichkeiten in gleicher Höhe gegenüber.“

Unser Glaube an Schuld spiegelt sich in unserem Geldsystem wieder. Diese Schuld ist in einem Schuldgeldsystem nie mehr zu begleichen - denn würden wir tatsächlich alle Bankschulden zurück zahlen - gebe es kein Geld mehr!

Unser Geld bildet unser christliches Schuldbekenntnis ab: Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld.

Um das Ganze besser verstehen zu können, stellen wir uns vor, wir befinden uns am Beginn eines Schuldgeldsystem mit vier Marktteilnehmern und einer Bank. Die dabei erkennbaren Mechanismen gelten natürlich auch für ein fortgeschrittenes Schuldgeldsystem mit vier Milliarden Marktteilnehmern und Millionen von Banken.

Die Bank vergibt an jeden der vier Marktteilnehmer einen Kredit von 100 und erzeugt damit eine Geldmenge von 400. Mit dieser Geldmenge können nun die Marktteilnehmer wirtschaften, dass heißt, versuchen Gewinne zu machen, um in Folge die Schulden auch wieder zurück zahlen zu können.

MarktteilnehmerABCD
Bankschulden100100100100

[In einem Warengeldsystem, wie beispielsweise in einem reinen Goldstandard, funktioniert dies grundsätzlich anders. Dort entsteht Geld durch Ankauf der als Tauschmittel akzeptierten Ware, wie beispielsweise Gold. Wenn also eine Zentralbank die Geldmenge durch den Ankauf von Gold erhöht, entstehen keine Schulden und infolge auch keine Zinsforderungen.]

2. Die Guthaben der Einen sind die nicht zurück zahlbaren Schulden der Anderen!

Nach einer bestimmten Zeit des Wirtschaftens haben sich die Kontostände der Marktteilnehmer verändert, je nachdem wie erfolgreich sie gewirtschaftet haben. Wir gehen weiter davon aus, dass in dieser Zeit die Geldmenge von der Bank nicht erhöht wurde. Eine Erhöhung der Geldmenge würde am grundsätzlichen Mechanismus nichts ändern, würde aber die Übersichtlichkeit verringern.

Nehmen wir an, die Geldmenge von 400 hätte sich folgendermaßen auf die vier Marktteilnehmer verteilt:

MarktteilnehmerABCD
Bankschulden100100100100
Kontostand1607012050
Vermögen60-3020-50

Für Marktteilnehmer A bedeutet dies nach Abzug der Bankschulden ein Guthaben von 60 und für Marktteilnehmer C ein Guthaben von 20. Gleichzeitig bedeutet dies für Marktteilnehmer B, dass ihm 30 fehlen um seine Schuld zurückzahlen zu können und für Marktteilnehmer D, dass ihm 50 fehlen um seine Schuld zurückzahlen zu können. Dies zeigt, dass das Guthaben der einen - also 80 - immer genau der nicht zurück zahlbaren Schuld - auch 80 - der anderen Marktteilnehmer entspricht.

Die Schulden der Staaten sind die Guthaben der Staatsanleihenbesitzer.

In der Corona-Krise wurde, wie schon in der Finanzkrise 2008, die Geldmenge enorm erhöht. Die meisten Menschen haben nach einer solchen Krise aber weniger Geld – was bedeutet das? Da die Geldmengenerhöhung in den letzten Jahren sehr stark über den Kauf von Anleihen durch die Zentralbanken erfolgt ist, ist auch klar wo sich das viele Geld jetzt befindet – in den Händen der ehemaligen Anleihenbesitzer und die spielen damit an der Börse, im Versuch, ihr Guthaben noch weiter zu erhöhen. In der Wirtschaft kommt diese enorme Geldmenge gar nicht mehr an. Wirtschaftlich können wir gar nicht mehr so viel wachsen, wie es die Geldmenge in den letzten zwei Jahrzehnten getan hat.

Wenn Politiker eines reichen Landes, von einem armen Land, verlangen es möge seine Schulden zurückzahlen, dann zeigt dies nur, dass jene Politiker das Geldsystem nicht verstanden haben. Würde es nämlich das wirtschaftlich ärmere Land, trotz seiner im Wettbewerb ungünstigeren geografischen Situation, wirklich schaffen, seine Gewinne zu erhöhen, so würde dies zu Lasten der anderen Marktteilnehmer passieren – auch zu Lasten des reicheren Landes. Irgendwann würde das ehemals reiche Land, das arme Land sein und umgekehrt.

The winner takes it all

The winner takes it all
The loser standing small
Beside the victory
That's her destiny

So the winner takes it all
And the the loser has to fall

(Abba, 1980)


"Es ist nicht gerecht, dass jemand Mangel leiden sollte, weil ein anderer hat. Denn das ist Rache, welche Form sie auch annehmen mag. Die Gerechtigkeit fordert kein Opfer, denn jedes Opfer wird gebracht, damit die Sünde erhalten und bewahrt wird."
(EKIW: Kapitel 25, VIII. 4. 3.-5.)

3. Zinsen im Zuge der Geldschöpfung sind Forderungen nach Geld das es nicht gibt!

Bisher haben wir die Zinsforderungen der Bank nicht berücksichtigt, wenn wir dies nun tun, erkennen wir den zentralen Fehler im System. Wenn die Bank eine Geldmenge von 400 durch die Ausgabe von Krediten erzeugt, so will sie dafür auch Zinsen. Nehmen wir an sie will 5% Zinsen. Sie gibt also 400 aus und will 420 zurück. Wo sollen diese zusätzlichen 20 herkommen?

MarktteilnehmerABCDSumme
Bankschulden105105105105420
Kontostand1607012050400
Vermögen55-3515-55-20

Geld ist eine Schuld und muss zurück gezahlt werden. Zinsen im Zuge der Geldschöpfung sind daher Forderungen nach Geld, das es gar nicht gibt! Dies ist auch der Grund dafür, dass die EZB die Zinsen bei 0% belässt. Auch wenn es die Politiker nicht wissen, die obersten Notenbänker wissen, dass es anders gar nicht mehr geht.

Die Wirtschaft erreicht das Geld aber über die Kredite der Geschäftsbanken und die verlangen sehr wohl Zinsen. Zinsforderungen wachsen an sich schon exponentiell, in Kombination mit einer exponentiell wachsenden Geldmenge, gleichbedeutend mit einer exponentiell wachsenden Schuldenmenge, führt dies zu einem "doppelt exponentiellem" Wachstum an Forderungen nach Geld, das es gar nicht gibt. Diese Zinsforderungen können nur durch neue Schulden bedient werden und so geht das Spiel immer weiter bis es eines Tages kollabiert.

[Zinsen unter den Markteilnehmer, in einem Warengeldsystem, sind eine andere Geschichte. Sie führen lediglich zu Verschiebungen des im Wirtschaftskreislauf vorhandenen Geldes. Hier stellt sich „nur“ die Frage, ob Zinsen grundsätzlich fair sind.]

Der riesige, in den letzten Jahrzehnten aufgebaute, Schuldenberg „versteckt“ sich zurzeit noch hinter den extrem gestiegenen Aktien- und Immobilienpreisen. Diese hohen Bewertungen sind allerdings nur Preise - aber kein Geld! Wenn diese Bewertungen eines Tages in den Keller gehen, wird die Schuldenlast erst sichtbar!

Eine Währung wie Bitcoin vermeidet zwar den Nachteil der Schulden und der damit verbundenen Zinsforderungen im Zuge der Geldschöpfung. Es entstehen also keine Forderungen nach Geld, das es nicht gibt. Ein solches Währungssystem funktioniert im Prinzip wie der Goldstandard, nur dass, anstatt in einem Bergwerk nach Gold zu graben, Geld durch Mining, das heißt durch Rechenleistung, erzeugt wird. Allerdings ist es völlig verrückt Geld durch Ressourcenverbrauch (Herstellung der Rechner, enormer Stromverbrauch durch Rechenzeit) zu erzeugen, wenn es doch ohnedies nur ein Eintrag in einem Computer ist. Eine einzige Überweisung in Bitcoins verbraucht so viel Energie wie ein Schweizer in eineinhalb Monaten - 844 Kilowattstunden!

Davon abgesehen, werden Kryptowährungen dazu benutzt Zahlungen anonym, vorbei an Banken und damit vorbei an staatlicher Kontrolle, vornehmen zu können. Damit dienen sie auch dazu illegale Zahlungen im Darknet durchführen zu können und damit dem Drogen- und Waffenhandel, der Verbreitung von Kinderpornografie und der Finanzierung von Attentätern und Terrororganisationen. Auch die Erpresser hinter Verschlüsselungs-Trojanern fordern gerne Bitcoin als Lösegeld.

Das erinnert uns wieder an das Sanskrit-Wort für Krieg („Vigrahin“). Es bedeutet wörtlich übersetzt: „Verlangen nach mehr Kühen“. Besser könnte man es nicht beschreiben: Krieg bedeutet "Verlangen nach mehr". Früher einmal waren es Kühe - jetzt sind es Geld und Zinsen! Wir befinden uns im Krieg und beschönigen diese Tatsache, indem wir Wettbewerb und freie Marktwirtschaft dazu sagen.

Das Ego hat die Komplexität seines Geldsystems in den letzten fünf Jahrzehnten so erhöht, dass es den grundlegenden Fehler darin, selber nicht mehr erkennen kann. Das Ego ist nicht vernünftig.

4. Zeit = Geld!

Zinsforderungen wachsen nicht linear mit der Zeit, sondern aufgrund des Zinseszinseffekts exponentiell. Der deutsche Schriftsteller Andreas Eschbach beschreibt in seinem 2001 erschienenen Roman "Eine Billion Dollar" wunderbar die Auswirkungen des Zinseszinseffekts:

Der Protagonist des Romans John Salvatore Fontanelli ist ein armer Schlucker, bis er eine unglaubliche Erbschaft macht: Ein Vermögen, das ein entfernter Vorfahr im 16. Jahrhundert hinterlassen hat und das durch Zins und Zinseszins in fast 500 Jahren auf über eine Billion Dollar angewachsen ist. Sein Vorfahre vertraute der Anwaltsfamilie Vacchi vor 500 Jahren 300 Florin an, was heute einem Gegenwert von etwa 10 000 Dollar entspräche. Deren einzige Aufgabe war es dieses Geld zu einem Zinssatz von 4% anzulegen – und allein dadurch wurde 1 000 000 000 000 Dollar daraus.

Die Idee der Zinsen ist ein zentraler Ausdruck des egoischen Denkens in Zeit
– mit katastrophalen Auswirkungen!

Diese Idee führt zu einer Bewertung der Zeit in Geld und somit haben wir uns die Zeit zum Feind gemacht. Anstatt uns von der Illusion der Zeit zu befreien und im JETZT zu ruhen, haben wir uns an die Zeit gekettet und sind gefangen im Hamsterrad der Zeit! Die meisten Unternehmen werden mit Hilfe von Fremdkapital gegründet. Die dafür anfallenden Zinsen müssen an die Kunden weiter gegeben werden, um im Endeffekt einen Gewinn zu erzielen. Dies bedeutet, dass wir sogar, wenn wir selbst keine Schulden haben, beim Kauf der Produkte die Zinsen des Unternehmers mit zahlen. Und selbst wenn wir uns mit unserem Konsum zurückhalten, so tragen wir als Bürger eines Staates die Staatsschulden. Zurückzahlen lassen die sich ohnedies nicht mehr, also zahlen wir auf ewige Zeiten, mit einem immer größeren Betrag an Steuern, die Zinsen für diese Schulden. Dieses Geld müssen wir dann wiederum in der Zeit verdienen – Monat für Monat.

"Der Zins macht Zeit zu Geld. Die Zeit ist der bedeutendste Faktor in der exponentiellen Zinseszinsrechnung, da er im Gegensatz zum Zinssatz bestimmt werden kann: Wenn Schulden rascher abgezahlt werden, sind die Gesamtkosten geringer. Jede zeitliche Verzögerung wäre ein riesiger Verlust. Daher ist jeder Unternehmer, der einen Kredit aufnimmt, dazu gezwungen, möglichst rasch Gewinne zu erwirtschaften und seine Schulden möglichst rasch zurückzuzahlen. Dies führt zur Beschleunigung unseres Wirtschaftens und Lebens. Michael Ende hat dies im Buch Momo beschrieben: Die Grauen Herrn stehlen den Menschen die Zeit. Niemand hat mehr Zeit füreinander. Die Menschen opfern ihre Zeit und ihr Leben und produzieren Geld. Eine Maschine, die Zeit zu Geld macht - doch nicht zum eigenen Nutzen, sondern um die Vermögen anderer zu vergrößern. Wir leben heute tatsächlich um zu arbeiten - und arbeiten nicht mehr um zu leben. Der Zins macht aus der Zeit eine der wichtigsten und immer knapper werdenden Ressourcen. Zeit wird zur Ware. Dadurch können viele langfristige ökologische oder soziale Investitionen nicht umgesetzt werden - die Zeit ist zu ‚teuer‘ geworden. In einem zinsfreien System wäre Zeit im Überfluss vorhanden. Der Unternehmer könnte sich ‚Zeit lassen‘. Entscheidend wären nur die aufgewendeten Ressourcen, also Material und Arbeit. Ob diese über 5 oder 10 Jahre verteilt eingesetzt werden, spielt kaum eine Rolle."
Neues Geld - Neue Welt. Die drohende Wirtschaftskrise - Ursachen und Auswege.
Tobias Plettenbacher, Planet Verlag 2008, ISBN 3-902555-16-5 (2,8 MB), Seite 137

Geld und Religion

Geld hat seinen Ursprung in Tempeln und religiösen Organisationen. Jesus hat seinerzeit die Händler aus dem Tempel vertrieben. Der Name Kreuzer kommt daher, weil auf dieser Münze ein Kreuz war.

Die alten Kulturen waren sich der Nachteile des Schuldenmachens und der Zinsen noch bewusst. So gab es im christlichen Mittelalter ein Zinsverbot. Im Islam gibt es das offiziell immer noch und im Judentum gab es früher nach sechs Jahren ein Sabbatjahr, indem die Schulden gestrichen wurden.

Jesus hat mehrmals das Geldsystem kritisiert. Im Thomas-Evangelium findet man im Vers 95 folgende Aussage: [Jesus sprach:]

"Wenn ihr Geld habt, verleiht es nicht mit Zins,
sondern gebt dem,
von dem ihr es nicht zurückerhalten werdet.“

Auch das Gleichnis von den anvertrauten Talenten ist eine Kritik am bestehenden Geld- und Zinssystem. Dieses Gleichnis wird nur üblicherweise völlig falsch interpretiert. Da der Vatikan immer reich war, ist es kein Wunder, dass auch die Interpretation des Gleichnisses verändert wurde. Der Vatikan versucht ganz offiziell mit Finanz- und Immobilieninvestitionen möglichst hohe Renditen zu erzielen. Gerade die Vatikanbank ist wegen der mangelnden Transparenz seiner Bilanzen, sowie zahlreicher anonymer Nummernkonten, die in Verbindung mit Geldwäsche für die Mafia und Steuerhinterziehung gebracht werden, in den letzten Jahren sehr in Verruf geraten.

Die wesentlich wahrscheinlichere Interpretation des Gleichnisses von den Talenten verdanken wir unter anderem Richard Rohr, einem Franziskaner-Pater und Autor spiritueller Bücher. Von ihm stammt auch eines der bekanntesten Enneagramm Bücher. Seine Interpretation lautet folgendermaßen: Wie jeder gute Prediger stieg Jesus mit einem aktuellen politischen Ereignis ein, bei dem jeder Zuhörer wusste, worum es ging. So bezog er sich in seinem Gleichnis auf Archelaos, den Sohn des Herodes. Jeder wusste damals, dass dieser Herodes Sohn nach seiner Selbsternennung zum König einen dreijährigen Rom-Urlaub angetreten hatte und jeder wusste auch, dass ein Talent die damals größte Währungseinheit war.

Jesus lässt am Ende des Gleichnisses den König sagen. „Ich sage euch: Wer hat, dem wird gegeben werden; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Doch meine Feinde, die nicht wollten, dass ich ihr König werde, bringt sie her und macht sie vor meinen Augen nieder!“ Das ist genau das, was aufgrund unseres Geld- und Wirtschaftssystems passiert: Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer und die Gegner des König Kapitalismus werden nicht gehört.

"Des Himmels Weg ist
die Fülle zu mindern
die Leere zu füllen

Der Menschen Weg
ist jedoch:
denen zu nehmen
die zuwenig haben
und denen zu geben
die zuviel haben

Wer vermag es
genug zu haben
und allen zu geben?

Nur jener
der von Tao erfüllt ist
Darum wirkt der Weise ohne Erwartung
Vollendet sein Werk ohne Anspruch
wunschlos und vortrefflich"

(Tao Te King - Lao-Tse, 6. Jh. v. Chr.)

Der Kapitalismus ist eine Religion, in welcher der Glaube in Form des Kredits an die Stelle des Glaubens an Gottes getreten ist. Da die reine Form des Kredits das Geld ist, ist der Kapitalismus eine Religion, deren Gott das Geld ist. Die Bank, eine Maschine zur Vergabe und Verwaltung von Kredit, hat die Stelle der Kirche eingenommen. Kredit bekommt man, solange die Gläubiger nicht zu Ungläubigen werden. Indem die Bank über den Kredit verfügt, manipuliert und regelt sie den Glauben, den unsere Zeit noch in sich trägt - das knappe, unsichere Vertrauen der Gläubiger. Die kapitalistische Religion lebt von einer ständigen Verschuldung, die nicht getilgt werden kann. Gerade weil der Kapitalismus mit all seiner Kraft nicht zur Erlösung, sondern zur Schuld, nicht zur Hoffnung, sondern zur Verzweiflung strebt, zielt der Kapitalismus als Religion nicht auf die Veränderung der Welt, sondern auf ihre Zerstörung. Er ist Ausdruck des egoischen Todeswunsches.

"Nicht Lebenswille, sondern Todeswunsch ist die Motivation für diese Welt. Ihr einziges Ziel ist, zu beweisen, dass Schuld wirklich ist. Kein weltlicher Gedanke, keine weltliche Handlung und kein weltliches Gefühl haben eine andere Motivation als diese."
(EKIW: Kapitel 27, I. 6. 3.-6.)

Als der Brasilianer Ayrton Senna 1988 Formel 1 Weltmeister wurde, dankte er Gott. Er sah seine Erfolge nicht als seinen alleinigen Verdienst an, sondern als ein Geschenk Gottes. Senna war sich bewusst, dass es da noch etwas Größeres gibt, in das sein Leben und sein Tun eingebettet sind. Viele Sportler, die nicht aus dem Westen im politisch-kulturellen Sinne stammen, sind sich dessen noch bewusst.

Als der Deutsche Sebastian Vettel im Jahre 2013 ein letztes Mal Weltmeister wurde, verneigte er sich in einer religiösen Geste, einer Niederwerfung, vor seinem Auto. Wir, in den großen Industrienationen, vertrauen nicht mehr auf Gott, sondern nur noch auf die Qualität unserer Produkte, also auf Dinge.

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Das Bemerkenswerte an dieser Geschichte ist, dass dies ein wunderbares Symbol dafür ist, wie das Ego ständig die Vergangenheit wiederholt. Das Auto vor dem sich Sebastian Vettel 2013 nieder warf, war ein Auto der Marke Red Bull, also ein roter Bulle mit einer goldenen Schnauze. Am Red Bull Ring in der Steiermark steht ein 15 Meter hoher und 68 Tonnen schwerer Stier aus Stahl mit blattvergoldeten, sieben Meter langen, Hörnern. Ziel der Getränke der Firma Red Bull ist die Steigerung der Leistungsfähigkeit für mehr persönlichen Erfolg im täglichen Wahnsinn unserer Leistungsgesellschaft. Das auf Extremsportarten fokussierte Marketing von Red Bull führt dazu, dass bei Werbeaufnahmen und sonstigen Red-Bull-Veranstaltungen immer wieder Sportler tödlich verunglücken. Shane McConkey beispielsweise, einer der bekanntesten Extremsportler, kam am 26. März 2009 bei einem Stunt für den von Red Bull produzierten Film über sein eigenes Leben um. Seine Tochter war damals gerade einmal 3 Jahre alt. Der Film wurde dennoch fertiggestellt und erfolgreich vermarktet. "Nicht Lebenswille, sondern Todeswunsch ist die Motivation für diese Welt."

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Im Financial District in Manhattan, New York City, steht der Wall Street Bull, eine weltberühmte Bronzestatue. Der Bulle soll den aggressiven finanziellen Erfolg durch seine angriffsbereite Haltung symbolisieren. Wenn die Aktienkurse steigen, heißt es daher auch, die Stimmung an den Märkten sei bullish. Der Bulle, als Symbol für aggressives Geldverdienen, ist zu unserem Gott geworden.

All das ist nicht neu: Schon vor 3000 Jahren haben wir uns vor einem goldenen Kalb verneigt und es angebetet, als Mose auf den Berg Sinai stieg.



Der Himmelsstier ist ein Fabelwesen in mehreren Mythen alter Hochkulturen, das einen Schatz bewacht. Die früheste Überlieferung stammt aus dem Gilgamesch-Epos, das Rainer Maria Rilke das „Epos der Todesfurcht“ nannte. Der Himmelsstier des Gilgamesch-Epos taucht auch in späteren Heldensagen auf - etwa als kretischer Stier und als Vater des Minotauros in der griechischen Mythologie. Eine der Heldentaten des Herakles ist der siegreiche Kampf gegen dieses gewaltige Tier, das er schließlich bändigen kann.

Georg Baudler, ein römisch-katholischer Theologe, schreibt in seinem Buch Erlösung vom Stiergott, dass sich im Alten Testament das Bild des uralten Wildnisgott zu einem absolut transzendenten Schrecken aufbäumt und sich dadurch selbst ad absurdum führt. Jesus löst die alten Bilder des Chaoskampfes, des Lichthelden und der Frau gegen den Wildnisgott, endgültig auf. Dem dualistischen Kampf folgt das Bild vom Ich-bin-da-Gott und Abba (aramäisch: „Vater“) Jesus.

Doch wenn in ein paar tausend Jahren Archäologen bei Ausgrabungen in der Steiermark und New York auf die Stier Statuen stoßen, werden sie sich wundern, dass selbst 2000 Jahre nach Christi Geburt immer noch der Stiergott verehrt wurde. Sie werden auf der ganzen Welt auf Artefakte, in Form kleiner Metalldosen, stoßen, die von der Verehrung des Stiergottes Zeugnis ablegen. Was war das doch noch für eine primitive Kultur am Beginn des 3. Jahrtausend, werden sie sich denken.

Das 2020 erschienene Hörbuch des Theaterstücks Die Liebe Geld von Daniel Glattauer zeichnet ein wunderbares Bild der Welt des Geldes und der Welt an sich. Man sollte dieses Stück hören, um die Verzweiflung zu spüren, die, die Illusion der Trennung erzeugt, für die unser Geldsystem ein so bemerkenswertes Symbol ist.

Wir wollen, dass auch unser eigenes goldenes Kalb Erträge erwirtschaftet. Wir wollen unser Geld verlässlich und sicher angelegt haben, unser Geld muss arbeiten, da wollen wir es natürlich in guten Händen wissen. Um dieses Vertrauen werben die Banken mit folgenden Sprüchen und da wir tatsächlich glauben, Geld könnte arbeiten, glauben wir auch diese Sprüche - genau so, wie wir früher der Kirche geglaubt haben:
Wir haben uns ein völlig verrücktes Geldsystem geschaffen, unter dessen Auswirkungen wir leiden und haben dabei völlig vergessen, warum das so ist - und dass wir die Schöpfer dieses Systems sind. Wir haben uns ein Geldsystem erschaffen, das wunderbar unser egoisches Mangeldenken symbolisiert - ein Schuldgeldsystem mit Zinsen.

Diese Zinsforderungen erfordern ein ständiges Wirtschaftswachstum mit einem konstanten Prozentsatz. Ein konstanter Prozentsatz bedeutet aber nicht lineares Wachstum, sondern exponentielles Wachstum, weil sich der Prozentsatz auf einen immer höheren Ausgangswert bezieht. Auf einem begrenzten Planeten exponentielles Wachstum anzustreben ist Wahnsinn. Wirtschaftswachstum ist nicht die Lösung sondern das Problem.

Dieses System, und das dahinter verborgene Denksystem, ist auf Schuld und exponentielles Wachstum, das nur im Tod enden kann, ausgerichtet und so wird auch unserer Geldsystem eines Tages erschöpft unter der enormen Last der Schulden zusammenbrechen. Das Ego ist nicht vernünftig.

Dir ist das ganze Ausmaß, in welchem die Idee der Trennung die Vernunft behindert hat, nicht klar. Vernunft liegt in dem anderen Selbst, das du von deinem Bewusstsein abgeschnitten hast. Und nichts, dem du erlaubt hast, in deinem Bewusstsein zu verweilen, ist der Vernunft fähig.
(EKIW: Kapitel 21, V. 4. 1.-3.)


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