"Ideen mit anderen teilen heißt sie stärken."
 

Themen

Die folgenden Artikel stellen eine Brücke zu bestehendem Wissen her und verbinden die Aussagen des Kurses mit zentralen menschlichen Erfahrungen. Es ist nicht Ziel des Kurses lediglich neues Wissen anzusammeln, sondern neue Erfahrungen zu machen. Dafür ist es notwendig unser altes, egoisches Gedankensystem genauer zu betrachten, welches die Quelle all unserer leidvollen Erfahrungen ist.

Alles was es zu wissen gibt, lässt sich in 8 Worten - „Nichts Wirkliches kann bedroht werden. Nichts Unwirkliches existiert.“ - ausdrücken und findet sich schon in der Einleitung des Kurses. Es geht bei der Arbeit mit dem Kurs nicht um eine neue Lehre, sondern um Entleerung, im Sinne der Lektionen 3, 10 und 25: "Ich verstehe nichts, was ich sehe." "Meine Gedanken bedeuten nichts." "Ich weiß nicht, wozu irgend etwas dient."

Es geht darum den Geist von all den Irrtümern des Ego-Denksystems zu leeren. Die Tasse muss leer sein, wirklich leer, damit sie mit etwas wirklich Neuem gefüllt werden kann. Schon vor 2500 Jahren verwies Buddha auf die Leerheit und verwies darauf, dass alle Dinge leer von einer inhärenten Existenz sind. Jesus hat auf die geistige Leere vor 2000 Jahren mit einem Gleichnis hingewiesen: “Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.” (Matthäus 5,3, Lutherbibel 2017)


Inhaltsverzeichnis





Entstehung des Kurses

Wir schreiben das Jahr 1965. Amerika ist in Aufruhr. Eine nie dagewesene Infragestellung gesellschaftlicher Normen erschüttert das Land. Mick Jagger schreibt, auf der dritten Amerika Tournee der Rolling Stones, den Song „I Can’t Get No Satisfaction“. Er ist, als junger englischer Revoluzzer, erschüttert von der Kommerzialisierung Amerikas. Prabhupada, ein bescheidener 70-jähriger Swami aus Indien, kommt allein und ohne Unterstützung oder Geld in New York City an. Er hat nur die alten Schriften dabei, die er übersetzt hat, und den festen Glauben an die Bitte seines Lehrers: "Biete den Menschen in der Welt spirituelle Weisheit an!" Einer tiefen Sehnsucht nach Liebe folgend, sind viele junge Menschen begeistert von der Botschaft aus dem Osten, besonders jene aus der zurzeit entstehenden großen gegenkulturellen Bewegung, für die Naturverbundenheit, Konsumkritik sowie der Bruch mit den damals gängigen Lebens- und Moralvorstellungen im Sinne einer friedlicheren und humaneren Welt zentral sind.

Doch Dr. Helen Schucman und Dr. William Thetford, beide Professoren für klinische Psychologie in New York, haben keinen Bezug zum Thema Spiritualität. Ihre Beziehung zueinander ist schwierig und oft angespannt, und es geht ihnen um Anerkennung und Status, persönlich wie beruflich. Helen Schucman beschreibt sich selbst als Psychologin, Pädagogin und als atheistisch. Eines Tages sagt der Direktor der Abteilung von Helen Schucman, William Thetford, er habe die ärgerlichen und aggressiven Gefühle zwischen ihnen satt: „Es muss einen anderen Weg geben.“ Helen Schucman willigt, entgegen ihrer sonstigen Art, ein ihm bei der Suche nach diesem Weg zu helfen. Obschon ihre Absicht ernst ist, haben sie große Schwierigkeiten, mit ihrem gemeinsamen Unterfangen zu beginnen.

Der eigentlichen Niederschrift gehen drei außergewöhnliche Monate voraus, in denen Helen Schucman starke symbolische Träume hat und seltsame innere Bilder empfängt. Eines Tages ist sie selbst sehr erstaunt, als ihr eine innere Stimme folgenden Auftrag gibt: „Dies ist ein Kurs in Wundern - bitte mach Notizen.“ So wird sie mit der STIMME, die sich als Jesus zu erkennen gibt, bekannt. Sie ist tonlos, scheint ihr aber eine Art schnelles inneres Diktat zu geben, das sie in einem Stenoheft aufzeichnet. William Thetford tippt ihre Aufzeichnungen ab und unterstützt sie in ihrer Arbeit. Dieser Prozess dauert insgesamt etwa sieben Jahre, von 1965 bis 1972. Das Buch ist derartig komplex, dass die deutsche Übersetzung mehrere Übersetzerteams benötigt und weitere zehn Jahre Arbeit in Anspruch nimmt.

Inzwischen gibt es den Kurs in 26 unterschiedlichen Sprachen, unter anderem in zwei chinesischen Übersetzungen, in einer Chinese Traditional und einer Chinese Simplified Version. Der größten Beliebtheit erfreut sich zurzeit die spanische Übersetzung, da gerade in Mittel- und Südamerika eine große Begeisterung für den Kurs herrscht. Während im sogenannten Westen die christlichen Religionen ohnedies kaum noch eine Rolle spielen, haben sie in Lateinamerika noch eine Bedeutung und daher ist dort die Freude groß über die Botschaft vom liebenden Gott, die nun die Botschaft vom strafenden Gott ersetzt, die seinerzeit durch die europäischen Eroberer ins Land kam.

Die Namen von Helen Schucman und William Thetford sind auf der Titelseite des Kurses nicht aufgeführt, weil der Kurs für sich stehen soll. Er ist nicht als Grundlage für einen weiteren Kult gedacht. Sein einziger Zweck ist, einen Weg zur Verfügung zu stellen, der es einigen Menschen ermöglichen wird, ihren eigenen INNEREN LEHRER zu finden.

Ein Kurs in Wundern begann mit dem plötzlichen Entschluss zweier Menschen, sich in einem gemeinsamen Ziel zu verbinden und er beginnt mit folgenden Worten:

1. Dies ist ein Kurs in Wundern. Es ist ein Pflichtkurs. Nur die Zeit, in der du ihn machst, steht dir frei. Freier Wille bedeutet nicht, dass du den Lehrplan bestimmen kannst. Es bedeutet nur, dass du wählen kannst, was du zu einer gegebenen Zeit lernen willst. Der Kurs zielt nicht darauf ab, die Bedeutung der Liebe zu lehren, denn das ist jenseits dessen, was gelehrt werden kann. Er zielt vielmehr darauf ab, die Blockaden zu entfernen, die dich daran hindern, dir der Gegenwart der Liebe, die dein angestammtes Erbe ist, bewusst zu sein. Das Gegenteil von Liebe ist Angst, doch was allumfassend ist, kann kein Gegenteil haben.

Epilog

Die Sprache des Kurses, mit ihrer klaren Struktur und dem methodischen Aufbau, ist zwar sehr anspruchsvoll, aber gleichzeitig von einer faszinierenden Schönheit. Wir könnten die ungewohnte Begrifflichkeit, oder auch die Verwendung der christlich-religiösen Begriffe, bemängeln, aber das zugrundeliegende pädagogisch-psychologische Konzept ist absolut überzeugend, hilfreich und vor allem Ego-entlarvend. Das ganze Werk atmet den befreienden Geist der Bergpredigt. Selbst die Verwendung von Shakespeares Versmaß im englischen Original und die Verwendung der christlich-religiösen Begriffe hat einen tieferen Sinn. Sprache verändert sich, doch die zeitlose Eleganz der Sprache Shakespeares, wird noch in Jahrhunderten verstanden werden. Die Verwendung der christlich-religiösen Begriffe dient dazu, sie mit einer neuen Bedeutung zu versehen.

Der Kurs ist allerdings schwer zu verstehen, weil er holografisch aufgebaut ist. Er beschreibt die Dinge nicht in linearer Weise. Der Kurs beginnt mit seinen fortgeschrittensten Grundsätzen. Es ist völlig unmöglich, dass wir, wenn wir das erste Kapitel lesen, irgendeine Idee haben könnten, was sie wirklich bedeuten.

Zunächst wissen wir ja nicht einmal, was ein Wunder überhaupt ist. Der Grund, warum Jesus sein Werk Ein Kurs in Wundern genannt hat, war, dass er die Definition des Wortes Wunder ändern wollte. Anstatt sich ein Wunder als etwas vorzustellen, das da draußen auf der Ebene der Form passiert, die wir die Welt nennen, wollte er, dass wir anfangen, ein Wunder als etwas zu betrachten, das im Geist passiert, also an der Ursache. Das Wunder mag als Symbol auf der Ebene der Form erscheinen oder auch nicht, aber das wahre Wunder findet statt, wenn wir anderen Geistes werden und mit dem Heiligen Geist wahre Vergebung üben, anstatt weiter dem Gedankensystem des Egos zu folgen.

Erst durch ständige Wiederholung und den sich mit der Zeit einstellenden Erfahrungen können wir langsam begreifen, was der Kurs wirklich sagt. Es braucht meist auch noch zusätzliche Erläuterungen, um den Kurs selbst lesen, verstehen und anwenden zu können. Ein Grundverständnis der Metaphysik des Kurses ist notwendig, allerdings ist es nicht wirklich möglich den Kurs zu verstehen, weil die WAHRHEIT dem Verstand nicht zugänglich ist. Ziel des Kurses ist es daher, seine Aussagen selbst zu erfahren. Der Kurs beschreibt sowohl den Heiligen Augenblick, als auch die Offenbarung. Beides ist ohne Erfahrung nicht zu erkennen.

“Selbst in ihrer spirituellsten Form bezieht die Wahrnehmung den Körper ein. Erkenntnis kommt vom Altar im Inneren und ist zeitlos, weil sie gewiss ist. Die Wahrheit wahrnehmen ist nicht dasselbe wie sie erkennen.
(EKIW: Kapitel 3, III. 5. 11.-13.)



Die WAHRHEIT jenseits der Worte

Alles was hier geschrieben steht, sind nur Worte –
es ist nicht die WAHRHEIT!

Der Wahrheitsbegriff in diesen Texten bezieht sich nicht auf die Ebene von richtig und falsch, sondern auf einen Bewusstseinszustand. Die WAHRHEIT - jenes Mysterium, das manchmal auch Gott genannt wird - wartet jenseits der Worte auf uns.

Genau genommen sind dies hier nicht einmal Worte, sondern was du siehst, sind Punkte auf deinem Bildschirm, die als Lichtimpulse auf deiner Netzhaut auftreffen und von dort als elektrische Signale in den Hirn gelangen. Das Gehirn ist allerdings nicht fähig zu fühlen oder gar zu denken. Es wirkt als eine physische Zwischeninstanz für eine nächst höhere Erkenntnisebene. Im Gehirn selbst gibt es keine Bilder oder Farben, sondern wie in einem Computer nur bestimmte neuronale Schaltzustände.

Zwischen einem neuronalen Zustand und einem einfachen Bewusstseinserlebnis, wie etwa einer Farbempfindung, besteht kein offensichtlicher Zusammenhang. Die Kluft zwischen der gemessenen Gehirnaktivität und dem Erlebnis des tatsächlichen Denkvorgangs bleibt unüberbrückbar. Im Rückschluss bedeutet das, der Körper kann nicht sehen, nicht hören, nicht fühlen und alles das nicht, was ihm üblicherweise zugeschrieben wird. Das alles kann einzig der Geist, der diesen durchdringt. Es ist dein Geist, der hier etwas wahrnimmt.

Nur wenn du irgendwann Deutsch gelernt hast, erkennst du hier überhaupt Worte. Dein Geist gibt diesen Worten entsprechend deines Denksystems eine ganz bestimmte Bedeutung und verknüpft sie mit ganz bestimmten persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen. Daher ist das, was du hier liest, nicht das, was ich geschrieben habe. Was du hier „liest“ - im inhaltlichen Sinne und im Sinne eines Verstehens, das über die Worte hinaus geht - hängt von dir ab. Was du hier liest ist dein Text. Von einer bestimmtem Ebene aus betrachtet, hast du dir diesen Text sogar selbst "geschrieben", denn alles was gerade in deinem Bewusstsein erscheint, wie das scheinbare Lesen dieser Zeilen, passiert in deinem Bewusstsein.

Dies hier ist keine Botschaft von mir an dich. Es ist auch keine Botschaft an so etwas abstraktes wie „die Welt“. Es ist eine Botschaft an mich selbst und alles was du hier liest, ist eine Botschaft von DIR an dich. Ich kann dich mit meinen Worten nicht erreichen, weil ich nicht weiß, was Worte wie Gott, Liebe oder Geist für dich bedeuten.

Diese Worte sind der Versuch eines Verweises auf
die WAHRHEIT jenseits der Worte.

Beim Lesen von Texten zu spirituellen Themen geht es nicht darum, dass wir uns vom logischen Denken verabschieden, sondern darum, uns vom Wissen zu verabschieden und bereit zu sein, uns nicht an Worten festzuhalten, sondern uns von der Botschaft hinter den Worten berühren zu lassen.

* * *

Das Gleiche gilt für die Worte spiritueller Lehrer. Spirituelle Lehrer scheinen sich manchmal selbst zu widersprechen. Dafür gibt es drei Gründe:

Erstens - der Lehrer ist selbst noch im Ego gefangen und ist sich dessen nicht bewusst. Das ist zurzeit noch der häufigste Fall. Er ist aber auch in dieser Situation der perfekte Lehrer für den Schüler, denn wer bereit ist eine Lüge zu glauben, wird eine hören.

"Die Rolle des Lehrens und des Lernens ist im Denken der Welt tatsächlich umgekehrt. Die Umkehrung ist bezeichnend. Es scheint, als seien der Lehrer und der Lernende getrennt, wobei der Lehrer dem Lernenden etwas gibt und nicht sich selbst. Außerdem wird der Akt des Lehrens als eine besondere Tätigkeit angesehen, für die man nur einen verhältnismäßig kleinen Teil seiner Zeit aufbringt. Im Kurs wird andererseits betont, dass Lehren Lernen ist, so dass der Lehrer und der Lernende derselbe sind. Es wird außerdem betont, dass das Lehren ein ständiger Prozess ist; es findet jeden Augenblick des Tages statt und setzt sich auch bis in die Gedanken im Schlaf fort."
(EKIW: III. HANDBUCH FÜR LEHRER, EINLEITUNG, 1.)

Der zweite Grund liegt darin begründet, dass sich die Wahrheit nicht in Worte fassen lässt und es daher umso paradoxer wird, je näher wir ihr mit Worten nahe zu kommen versuchen. Dass wir paradoxe Antworten erhalten, je näher wir der Wahrheit kommen, zeigt sich auch in der Wissenschaft. Die Erkenntnisse der modernen Quantenphysik widersprechen völlig dem „gesunden Menschenverstand“.

Ein Reisender kam in ein Kloster, um den Meister zu hören. Nach einer Weile sprach er zu einem der anderen Schüler: „Ich bin weit gereist, um dem Meister zuzuhören. Aber jetzt, wo ich ihn höre, finde ich seine Worte ganz gewöhnlich.“ Der Schüler antwortete: „Höre nicht auf seine Worte. Höre auf seine Botschaft.“ „Und wie macht man das?“ „Halte dich an einen Satz, den er sagt. Schüttle ihn dann gut durch, bis alle Wörter herausfallen. Was übrig bleibt, wird dein Herz entflammen.

Der dritte Grund ist der Folgende:

Die Antwort eines Lehrers ist nicht die Antwort auf eine Frage,
sondern die Antwort auf einen Schüler.

Wie die Antwort ausfällt, hängt davon ab, wo der Schüler gerade steht. Jede Antwort hat nur eine Bedeutung im jeweiligen Moment. Ein anderer Moment verlangt eine andere Antwort.

Die Bücher Gespräche mit Gott von Neal Donald Walsch sind auch ein Beispiel dafür. Walsch ist, zum Zeitpunkt der Gespräche mit seinem Inneren Lehrer, noch so ihm egoischen Denksystem christlicher Prägung gefangen, dass es eine langsame Annäherung an die Wahrheit braucht. Auch wenn diese Bücher Aussagen enthalten die nicht wirklich auf die Wahrheit verweisen, so sind sie trotzdem eine wertvolle Hilfe für all jene, die sich gerade an jenem Punkt des Weges befinden, an dem sich Walsch befand, als er diese Texte niederschrieb. Sie sind eine wunderbare Vorbereitung auf den Kurs in Wundern.

"Lernen ist Veränderung. Die Erlösung sucht nicht, ein Mittel anzuwenden, das deinem Denken immer noch zu fremd ist, um hilfreich zu sein, noch jene Arten von Veränderungen vorzunehmen, die du nicht wahrnehmen könntest. Konzepte werden, solange die Wahrnehmung währt, gebraucht, und Konzepte zu verändern ist die Aufgabe der Erlösung. Denn mit Kontrasten muss sie sich befassen, nicht mit der Wahrheit, die kein Gegenteil hat und sich nicht verändern kann."
(EKIW: Kapitel 31, VII. 1. 1.-4.)

* * *

Spiritualität ist jenes Thema bei dem die größte Verwirrung herrscht. Dies liegt einerseits daran, dass die WAHRHEIT letztendlich mit dem Verstand nicht zu erfassen ist und andererseits daran, dass es naturgemäß das Ego ist, das sich mit Spiritualität beschäftigt.

Bildlich gesprochen können wir uns Worte daher wie Wegweiser nach Rom vorstellen. Rom die ewige Stadt als Symbol für das ewige Leben - die ewige WAHRHEIT. Letztendlich führen alle Wege nach Rom und daher auch alle Wege zu Gott.

Wenn Gott Dein Ziel ist, hast Du Glück,
Gott ist Alles-was-es-gibt und somit nicht zu verfehlen.

Selbst wenn ein Wegweiser scheinbar direkt von Rom weg zeigt, so wird jemand der ihm folgt, trotzdem irgendwann Rom erreichen, nur viel später und von der anderen Seite her. Je näher wir Rom kommen, desto unwichtiger werden die Wegweiser, denn wir können Rom schon riechen und spüren. Nur wer noch weit von Rom entfernt ist, wird verzweifelt nach Wegweisern Ausschau halten und versuchen sich streng nach ihnen zu richten. Wenn wir Rom erreicht haben, gibt es keine Wegweiser mehr und wir brauchen auch keine mehr - wir sind in Rom.

"Hinterher ist man immer klüger" -
und das ist auch gut so - das ist Sinn
und Zweck aller Irr- und Umwege.

Im selben Augenblick erwartet
uns jenseits aller Wege
die WAHRHEIT.

Es ist nicht wichtig, ob du hier das Zitat eines Berühmten liest, oder ob es Worte sind, die scheinbar meinem Geist entsprungen sind. Es ist nicht wichtig was mit diesen Worten in diesen Texten zum Ausdruck gebracht werden will. Das Einzige was von Bedeutung ist, was diese Worte in dir auslösen.

Das Beste was dir passieren kann ist, dass in dir ein Gefühl von Erkenntnis aufsteigt - eine Art tiefer innerer Zustimmung. Dies ist ein Hinweis, dass du dich an etwas wieder erinnerst, das in dir immer schon vorhanden war, das du aber bei der Ankunft auf diesem Planeten vergessen hast, um dich erst langsam und allmählich wieder daran zu erinnern und daran zu erfreuen. Bildlich gesprochen stammst du aus Rom und hast es nur vergessen, um nach langer Irrfahrt Rom neu entdecken zu können.

Bild

Der Kurs versucht die Reise nach „Rom“ auch dadurch zu verkürzen, dass er den Worten eine möglichst eindeutige Bedeutung gibt:

„Wie kann Kommunikation wirklich begründet werden, solange die verwendeten Symbole Unterschiedliches bedeuten? Das Ziel des HEILIGEN GEISTES gibt eine Deutung, die für dich und deinen Bruder von Bedeutung ist. So kannst du mit ihm, und er mit dir, kommunizieren. ...“
(EKIW: Kapitel 30, VII. 6.)

„Es wäre in der Tat sehr sonderbar, wenn man dich bitten würde, über alle Symbole der Welt hinauszugehen und sie für immer zu vergessen, und dich dann doch bitten würde, eine Lehrfunktion zu übernehmen. Es ist für dich nötig, die Symbole der Welt für eine Weile zu benutzen. Doch lasse dich nicht auch von ihnen täuschen. Sie stehen für überhaupt nichts, und wenn du übst, ist es dieser Gedanke, der dich befreien wird von ihnen. Sie werden lediglich zu Mitteln, durch welche du auf eine Weise kommunizieren kannst, die die Welt versteht, von denen du aber begreifst, dass sie nicht die Einheit sind, in der wahre Kommunikation gefunden werden kann.“
(EKIW: Lektion 184, 9.)

„Wir wollen jedoch nicht vergessen, dass Worte nur Symbole von Symbolen sind.
So sind sie zweifach von der Wirklichkeit entfernt.“

(EKIW: Handbuch für Lehrer, 21. 1. 9.&10.)

„Die Kommunikation, unzweideutig und sonnenklar, bleibt unbegrenzt in alle Ewigkeit. Und GOTT SELBST spricht zu SEINEM SOHN, wie auch SEIN SOHN zu IHM spricht. IHRE Sprache kennt keine Worte, denn was SIE sagen, lässt sich nicht in Symbole fassen. Ihre Erkenntnis ist unmittelbar, wird ganz geteilt und ist gänzlich eins. Wie weit davon entfernt bist du, der du an diese Welt gebunden bleibst! Und dennoch, wie nahe bist du, wenn du sie gegen die Welt eintauschst, die du willst!“
(EKIW: Lektion 129, 4.)



Der Kurs im Spiegel der Naturwissenschaften

Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will.
(Albert Einstein)

Physik

Schon in der Schule haben wir gelernt, dass das Universum durch den Urknall entstanden ist und sich seither ausdehnt. Niemand hat uns aber erklärt, worin sich dieses Universum ausdehnt und was vor dem Urknall war. Dies hat einen einfachen Grund: Beide Fragen sind völlig sinnlos, denn das Universum ist durch Raum und Zeit definiert. Nur im Universum gibt es Raum und Zeit. Es gibt kein außerhalb und kein davor.

Auch wenn die oben gestellten Fragen damit wegfallen, so bleiben doch Fragen bestehen: Was bedeutet „es gibt kein außerhalb und kein davor“? Wie kann in einem raum- und zeitlosen absoluten Nichts plötzlich Raum und Zeit entstehen? Wo kam die beim Urknall frei gesetzte ungeheure Menge von Energie plötzlich her?

Das berühmte Doppelspaltexperiment gehört zu den Schlüsselexperimenten der Physik. Es wurde erstmals 1802 von Thomas Young mit Licht durchgeführt und führte zur Ablehnung der damals noch vorherrschenden Korpuskeltheorie des Lichts zugunsten der Wellentheorie. Erst Albert Einsteins Arbeiten zum Photoelektrischen Effekt deckten 1905 auch den Teilchencharakter des Lichts auf. In der Quantenphysik dient das Doppelspaltexperiment häufig dazu, den Welle-Teilchen-Dualismus zu demonstrieren. Mit diesem Experiment wurden unsere Vorstellungen von der Natur der Dinge das erste Mal stark erschüttert und verändert. Damit war schon klar, dass das Ergebnis eines Experiments vom Messvorgang und damit vom Beobachter abhängt und es keine vom Beobachter unabhängige Welt gibt - auch wenn dies erst durch die Quantenphysik deutlich zum Ausdruck gebracht wurde.

Albert Einstein hat im Jahre 1905 mit seiner Speziellen Relativitätstheorie unsere Vorstellung von Raum und Zeit grundlegend verändert. Einstein hat erkannt dass Raum und Zeit miteinander verwoben sind und das ein absolutes zeitliches jetzt nicht existiert. Unser "jetzt" gibt es nur hier. Die Raumzeit ist die Gesamtheit der Vergangenheit und der Zukunft, bezogen auf ein Ereignis, aber auch auf das, was "weder vergangen noch zukünftig" ist.

So, wie die Begriffe von Raum und Zeit und die des elektrischen und des magnetischen Feldes verschmelzen, so gehen auch die Konzepte von Energie und Masse ineinander auf. Einstein erkannte, dass Energie und Masse nur die beiden Seiten von ein und derselben Medaille sind, nur die beiden Seiten derselben Entität darstellen - so wie Raum und Zeit zwei Aspekte derselben Raumzeit sind. Einsteins berühmte Formel E = mc² führte die Menschheit ins sogenannte Atomzeitalter. Sie beschreibt, was in einer Atombombe, oder einem Atomkraftwerk, passiert - es wird Masse in Energie umgewandelt. Ein Gramm beliebiger Materie - etwa ein Gramm Eisen, Wasser, Luft oder Apfelkuchen - liefert, wenn es vollständig vernichtet wird, 25 Millionen Kilowattstunden Energie, soviel wie eine deutsche Stadt mit 25 000 Einwohnern durchschnittlich im Jahr verbraucht.

Einsteins theoretischen Arbeiten spielten - im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung - beim Bau der Atombombe und der Entwicklung der Kernenergie nur eine indirekte Rolle. Einstein war in das Manhattan-Projekt nicht eingeweiht und durfte sogar offiziell keine Kenntnis von der Existenz des streng geheimen Projekts erhalten. Albert Einstein nutzte seine außerordentliche Bekanntheit auch außerhalb der naturwissenschaftlichen Fachwelt bei seinem Einsatz für Völkerverständigung, Frieden und Sozialismus. Als die Entdecker der Kernspaltung gelten Otto Hahn und sein Assistent Fritz Straßmann. Ihnen gelang am 17. Dezember 1938 am Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie der Beweis einer neutroneninduzierten Kernspaltung von Uran durch den radiochemischen Nachweis des Spaltprodukts Barium.

Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren.
(Albert Einstein)

Auch wenn Einstein 1905 mit seiner speziellen Relativitätstheorie großes Aufsehen erregte, ist dies keineswegs sein größter Erfolg. Sein eigentliches Meisterstück bewältigte der mit der zweiten - der Allgemeinen - Relativitätstheorie, die er 10 Jahre später veröffentlichte. Die Allgemeine Relativitätstheorie ist die wahrscheinlich schönste physikalische Theorie und der erste der beiden Eckpfeiler der Quantengravitation, der neuen Physik des 20 Jahrhunderts.

Damit hat Einstein die Konzeption der Welt eindrucksvoll vereinfacht. Der Raum ist von der Materie jetzt nicht mehr geschieden. Er ist ein "materieller" Bestandteil der Welt. Die Raumzeit krümmt sich stärker da, wo sich mehr Materie konzentriert. dies bedeutet beispielsweise, dass die Zeit auf der Erde in der Höhe schneller vergeht als weiter unten. Zeit ist nichts Absolutes und Festes. Wie jede Masse verformt die Erde die Raumzeit und lässt Uhren in ihrer Nähe langsamer ticken. Einstein erkannte dass die Raumzeit und das Gravitationsfeld ein und dasselbe sind.

Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute.
Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden.
Das ist Relativität.

(Albert Einstein)

Einstein erkannte außerdem, dass ein endliches Universum durchaus endlich sein kann und dennoch ohne Grenze auskommt, sowie die Oberfläche der Erde endlich ist, aber an keiner Grenze endet. Voraussetzung dafür ist freilich, dass eine Krümmung vorliegt, und genau dies trifft auf den Raum der allgemeinen Relativitätstheorie zu. Folglich kann unser Universum durchaus endlich, aber unbegrenzt sein.

Zwei Dinge sind unendlich,
das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

(Albert Einstein)

Erwin Schrödinger (1887-1961) hat 1926 eine umfassende Theorie veröffentlicht, die den Welle-Teilchen-Dualismus vereinheitlicht hat, und die als Schrödingergleichung in die Geschichte eingegangen ist. Er gilt als einer der Begründer der Quantenmechanik. Sein wohl bekanntestes Gedankenexperiment ist "Schrödingers Katze", womit er die kontraintuitiven Auswirkungen der Quantenmechanik auf Gegenstände des täglichen Lebens übertrug und so seine Ablehnung der üblichen statistischen Interpretation der Quantenmechanik zum Ausdruck bringen wollte. Schrödingers Konterfei befand sich auf den 1000-Schilling-Banknoten der Serie 1983, den Noten mit dem damals höchsten Nennwert in Österreich.

Schrödinger war für seine Pioniertat, wie auch Einstein, in jeder Hinsicht bestens gerüstet. Man bekommt den Eindruck, dass ihm, von den Interpretationsfragen abgesehen, das meiste regelrecht „zufiel“. Das kommt z. B. in einem Brief, vom 22.02.1926 an Wilhelm Wien, sehr schön zum Ausdruck. Schrödinger schreibt:

Die Zeit vergeht mir im Fluge. Jeder zweite oder dritte Tag bringt wieder eine kleine Neuigkeit – es arbeitet, nicht ich, und dieses Es ist die herrliche klassische Mathematik und die Hilbert-Mathematik, das wundervolle Gebäude der Eigenwerttheorie. Die breiten alles so klar vor einem aus, dass man es nur zunehmen braucht ohne Mühe und ohne Sorge, das Rechte stellt sich zu seiner Zeit, sobald man es braucht, ganz von selbst ein."

Die Schrödingergleichung beschreibt in Form einer partiellen Differentialgleichung die zeitliche Veränderung des quantenmechanischen Zustands eines nichtrelativistischen Systems. Jene Punkte im Raum, wo man ein Elektron wahrscheinlich antrifft, werden in Form einer Wellenfunktion beschrieben. Die Schrödingergleichung zeigt, wie sich diese Wellenfunktion in der Zeit entwickelt. Die Schrödinger-Welle ist keine nützliche Darstellung für die Realität: Sie ist ein mathematisches Hilfsmittel, dass es ermöglicht, mit höherer Präzision vorherzusagen, wo ein Elektron nach einer Kollision wieder auftaucht. Die Realität des Elektron ist aber keine Welle.

Die entscheidende Aussage der Schrödingergleichung ist aber, dass es ohne Beobachter, also ohne Interaktion, keine Realität gibt - erst durch Beziehung entsteht aus reinem Potential Realität.

Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom.
(Albert Einstein)

Die allgemeine Relativitätstheorie ist einer Person entsprungen, dagegen ging die Quantenmechanik, oder Quantentheorie, praktisch aus den Ergebnissen von Versuchen, nach einem Vierteljahrhundert von Forschungen hervor, an denen viele beteiligt waren. Die Theorie hatte zwar einen beispiellosen experimentellen Erfolg und brachte praktische Anwendungen mit sich, die unseren Alltag erneut veränderten, gilt ein Jahrhundert nach ihrer Entstehung aber nach wie vor als rätselhaft und unverständlich.


"Diejenigen, die nicht schockiert sind, wenn sie zum ersten Mal mit Quantenmechanik zu tun haben, haben sie nicht verstanden."

"Nur dadurch, dass man über die merkwürdigen Beziehungen zwischen den formalen Gesetzen der Quantentheorie und den beobachteten Phänomenen immer wieder mit verschiedenen Begriffen spricht, sie von allen Seiten beleuchtet, ihre scheinbaren inneren Widersprüche bewusst macht, kann die Änderung in der Struktur des Denkens bewirkt werden, die für ein Verständnis der Quantentheorie die Voraussetzung ist."

"Nun bedeutet aber das Quantenpostulat, dass jede Beobachtung atomarer Phänomene eine nicht zu vernachlässigende Wechselwirkung mit dem Messungsmittel fordert, und dass also weder den Phänomenen noch dem Beobachtungsmittel eine selbständige physikalische Realität im gewöhnlichen Sinne zugeschrieben werden kann."

"Wir sind gleichzeitig Zuschauer und Schauspieler im großen Drama des Seins."

(Niels Bohr, 1885-1962)


Dank der Quantenmechanik haben wir drei Aspekte des Wesens der Dinge erkannt: die Granularität, den Interdeterminismus und den Relationalismus.

Granularität: Die Information, die im Zustand eines Systems steckt, ist endlich und wird durch die Planck-Konstante begrenzt. Diese Granularität von Materie und Licht (elektromagnetische Welle) bildet die Kernaussage der Quantenmechanik.
Dies bedeutet allerdings auch, dass sich das Universum nicht stärker als auf eine Maximaldichte komprimieren lässt. Ein sich zusammenziehendes Universum stürzt nicht in einem Punkt zusammen, wie es Einsteins Gleichungen vorhersagen, sondern prallt zurück und dehnt sich, wie von einer kosmischen Explosion auseinander getrieben, erneut aus. Die Vergangenheit unseres Universums könnte durchaus das Ergebnis eines solchen Rückpralls sein. Anstatt eines Big Bang, eines "Urknalls", könnte dieses Universum so durch einen gewaltigen Big Bounce, einen "Rückprall“, entstanden sein. Unser Universum könnte das Ergebnis des Kollapses eines anderen Universums sein.

Indeterminismus: Die Zukunft wird nicht eindeutig von der Vergangenheit bestimmt. Selbst die strengsten Gesetze, die wir in der Realität erkennen, sind in Wahrheit statistisch. Zuerst Ursache, dann Wirkung - diese tief in unser Verständnis der Welt eingebettete Abfolge wird nun von der Quantenphysik auf den Kopf gestellt. Denn in der Welt der Quantenmechanik sind Umstände vorstellbar, in denen ein einzelnes Ereignis zugleich Ursache und Wirkung eines anderen Ereignisses sein kann. Genau dies bestätigt auch der Kurs, nämlich, dass es eine zeitliche Ursache-Wirkungs-Beziehung nicht gibt - alles geschieht im JETZT.

Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.
(Albert Einstein)

Relation: Die Ereignisse der Natur sind stets Wechselwirkungen. Alle Ereignisse eines Systems finden in Bezug auf ein anderes System statt. In der Welt, die von der Quantenmechanik beschrieben wird, gibt es keine Realität ohne Beziehung zwischen physikalischen Systemen. Nicht die Dinge treten eine Beziehung zueinander, vielmehr geht aus dem Beziehungen selbst die Vorstellung von den Dingen hervor. Mit dieser Erkenntnis kommt die Quantenmechanik der Wahrheit schon sehr nahe. Der Wahrheit, dass die Welt die wir sehen, die wir „für wahr nehmen“, eine Projektion unseres GEISTES ist!

Die Energie die scheinbar in der Materie steckt, ist in Wahrheit die Macht des Geistes, die Kraft des Geistes, der diese Welt erschafft, es ist die Projektion dieses Geistes im JETZT.

Perception
„Projection makes perception.“
(ACIM, Chapter 21, Introduction)

Die Viele-Welten-Interpretation (VWI) ist in der Physik eine Interpretation der Quantenmechanik. Ein anderer Name für diesen Ansatz ist Viele-Vergangenheiten-Interpretation. Sie geht ursprünglich auf den US-amerikanischen Physiker Hugh Everett zurück und grenzt sich in ihrem grundlegenden Ansatz deutlich von der traditionellen Kopenhagener Deutung (Bohr/Heisenberg) ab. Sein Ansatz ist es, keine weiteren Postulate zu verwenden, und so der Schrödingergleichung eine universelle Rolle zu zuschreiben. Dies bedeutet, dass sich das gesamte Universum entsprechend der Schrödingergleichung entwickelt und nicht nur subatomare Teilchen.

Die VWI enthält keinen Kollaps der Wellenfunktion und erklärt dessen subjektives Erscheinen mit dem Mechanismus der Quanten-Dekohärenz, was die physikalischen Paradoxa der Quantentheorie, wie das Schrödingers-Katze-Paradoxon, auflöst, da jedes mögliche Ergebnis jedes Ereignisses in seiner eigenen "Vergangenheit" oder "Welt" definiert ist und tatsächlich existiert.

Der Begriff "Viele-Welten-Interpretation" oder "Many Worlds Interpretation" geht auf Bryce DeWitt zurück, der einige Aspekte der Arbeit von Everett noch weitergehender auslegt. Während Everett nur von einem Beobachtersystem spricht, dessen Zustand sich immer weiter aufspaltet, deutet DeWitt diese überlagerten Zustände als unterschiedliche Universen. Demnach spaltet sich das Universum bei jedem Messvorgang in eine Vielzahl an Paralleluniversen auf, und jeder mögliche Messausgang wird in einem dieser Universen beobachtet.

Die folgenden sieben Absätze sind eine Weiterführung der physikalischen Konzepte. Die meisten Worte müssten eigentlich unter Anführungszeichen stehen, weil wir uns Erfahrungen in einem Maße nähern, indem Worte kaum noch eine Bedeutung haben. Der leichteren Lesbarkeit aber verzichte ich auf Anführungszeichen. Die folgenden Betrachtungen beziehen sich auf zeitliche Phänomene, also auf die Ebene der Illusion der Zeit.

Das was wir in unserer Alltags Wahrnehmung als ein Leben bezeichnen, ist ein Pfad in einem Raumzeitkontinuum - einem Universum - entlang dessen, sich unser Bewusstsein bewegt. Das Bewusstsein bewegt sich nicht gleichmäßig entlang dieses Pfades, was sich in unserer unterschiedlichen Zeitwahrnehmung äußert. Bei für das Bewusstsein uninteressanten Beschäftigungen vergeht die Zeit wie im Nu, wenn es allerdings für unser Bewusstsein spannend wird, scheint die Zeit still zustehen. In gefährlichen Situationen, wie beispielsweise bei Unfällen, tauchen wir manchmal in eine totale Präsenz ein, in der wir das Geschehen mit allen Sinnen mikroskopisch genau wahrnehmen.

Heilung bedeutet unser Denken über die in unserem Bewusstsein auftauchenden Bilder zu verändern, noch exakter ausgedrückt bedeutet es, unser Denken über die auftauchenden Bilder vom HEILIGEN GEIST berichtigen zu lassen.

Manchmal bei Nahtoderfahrungen, aber auf jeden Fall nach dem Tod des Körpers, läuft unser Leben noch einmal vor unserem Bewusstsein ab, um die wichtigen Erfahrungen noch einmal ganz genau aus allen Perspektiven und im größeren Zusammenhang betrachten zu können, um so die BERICHTIGUNG im GEISTE abschließen zu können. Den letzten Durchlauf aller Erfahrungen, aller Leben, im Gesamtkontext nennt der Kurs das JÜNGSTE GERICHT.

Das LETZTE URTEIL über die Welt enthält keine Verurteilung. Denn es sieht die Welt als eine, der total vergeben ist, ohne Sünde und gänzlich ohne Sinn und Zweck. Ohne eine Ursache und nun ohne Funktion in CHRISTI Sicht entgleitet sie einfach ins Nichts. Dort wurde sie geboren, und dort endet sie auch. Und all die Figuren in dem Traum, in dem die Welt begann, gehen mit ihr. Körper sind jetzt nutzlos und werden deshalb dahinschwinden, weil der SOHN GOTTES grenzenlos ist.
(EKIW: Lektion 310/311, 10. 2.)

Es gibt verschiedenste Methoden mit denen sich tiefere Bewusstseinsebenen erreichen lassen. Dabei treten Inhalte zutage, die eindeutig nicht aus dem aktuellen Leben stammen. Dies zeigt uns, dass Leben ein multidimensionaler Prozess ist, egal ob wir jetzt von Paralleluniversen ausgehen, so ist es auf jeden Fall eine Bewegung durch unterschiedliche Abschnitte der zeitlichen Dimension.

Manchmal weitet sich unser Bewusstsein für einen Moment und wir können die parallelen Bewegungen wahrnehmen. Eine Freundin hat dies folgendermaßen beschrieben. Wichtig beim Lesen dieses Berichts ist es, uns daran zu erinnern, dass die Bilder nur Symbole sind, für die Wahrheit dahinter:

Ich hatte kein Zeitgefühl, ich war unglaublich glücklich, habe sehr viel gelacht ... einfach weil es ein so großartiges Gefühl war! Ich sah eine große, alte, silberne, schimmernde Registrierkasse - wie man sie aus alten Filmen kennt. Da liefen 5 Reihen nebeneinander - dort wo man Zahlen vermutet, sah man aber Bilder. Viele, viele winzige Bilder liefen da ständig rauf und runter und ich hatte das Gefühl sie leben und sprechen. Ich kann es dir nicht anders sagen - ich WUSSTE einfach, dass das meine fünf Leben sind. Ich wusste, dass ich nicht nur dieses eine Leben habe, sondern dass ich noch viel mehr bin, als das was ich gerade bin … Das rührte mich zu Tränen, machte mich glücklich und ich war sehr aufgeregt. Habe meinen Begleitern alles genau erzählt, damit ich es ja nicht vergesse! Dieser Zustand dauerte ungefähr 2 Stunden an, dann begann er immer wieder abzuebben und in leichterer Form wiederzukehren … immer die Wirbelsäule hoch zum Scheitel und wieder runter ... Das Glücksgefühl trug mich noch durch die folgende Nacht und den kommenden Vormittag.

M.C.Escher
(M. C. Escher - Prentententoonstelling, „Kunstdruckgalerie“)

David Bohm, ein US-amerikanischer Quantenphysiker, hatte sich mit seinem Versuch, eine „ganzheitliche“ Deutung der Quantentheorie zu finden, schon früh in seiner Karriere in eine Minderheitenposition manövriert, doch leistete er zeitlebens bedeutende Beiträge zur Physik. 1990, wenige Jahre vor seinem Tod, wurde er in die ehrwürdige Royal Society aufgenommen. Zu dieser Zeit hatte er längst öffentlich bekannt, dass die Physik ihm bei seiner Suche nach Wahrheit keine ausreichenden Antworten geben konnte. Einstein sagte von Bohm, dass er der Einzige sei, der über die Quantenmechanik hinauskommen könne, war aber gleichzeitig nicht überzeugt von dessen deterministischen Deutung der Quantenmechanik.

Bohm war ein Zeitgenosse und Bewunderer von Jiddu Krishnamurti und begründete in England die Krishnamurti-Schule Brockwood-Park mit. Zahlreiche Schriften sind aus dieser Beziehung und Diskussion zwischen dem Physiker und dem Philosophen entstanden. Krishnamurti behauptete, Bohm habe sein Werk verstanden.

Im Folgenden einige Aussagen Bohms:

"Das Universum ist möglicherweise nicht mehr als ein gigantisches, vom Geist erzeugtes Hologramm."

"Der Moment ist atemporal, die Verknüpfung der Augenblicke erfolgt nicht in der Zeit,
sondern in der impliziten Ordnung."

"Eine Illusion kann zu dem, was wahr ist, in keiner Beziehung stehen,
weil der Inhalt der Illusion keine Beziehung zu dem hat, was wahrhaftig ist."

"Man kann annehmen, daß die letzte Quelle unermeßlich ist
und sich nicht von unserem Wissen her fassen läßt."

Nun betreten wir wieder allgemein anerkanntes wissenschaftliches Terrain und beschäftigen uns mit jener bahnbrechenden Theorie, die endlich die beiden großen Theorien des 20. Jahrhunderts, die allgemeine Relativitätstheorie und die Quantenphysik, vereint – die Quantengravitation.

Die Forschung zur Quantengravitation drehte sich jahrelang um Fragen des Raumes, ehe sie den Mut aufbrachte, sich der Zeit zuzuwenden. In den letzten 15 Jahren hat sich das Verständnis der Zeit allmählich geklärt. In gewisser Weise ist der Raum in den Grundlagen der Theorie inexistent geworden: Sowie die Quanten des Gravitationsfeldes nicht im Raum sind, so gibt es in den theoretischen Grundlagen auch keine Zeit mehr: Die Gravitationsquanten entwickeln sich nicht in der Zeit, vielmehr entsteht die Zeit als Folge ihrer Wechselwirkungen.

Schon Newton hatte verstanden, dass die Existenz der Variablen "Zeit" eine Annahme ist und kein Ergebnis einer Beobachtung. In seinem Hauptwerk stellt der ausdrücklich fest, dass wir die "wahre" Zeit t nicht messen können, aber mit der Annahme, dass es sie gibt, ein besonders leistungsfähiges Modell erstellen können, um die Natur zu beschreiben.

Wir müssen lernen, die Welt anders zu denken als eine, die sich in der Zeit verändert. Die Dinge verändern sich nur in ihrer jeweiligen Beziehung zu anderen Dingen. Letztendlich gibt es keine Zeit. Der Eindruck, dass Zeit vergeht, ist eine Näherung die nur für unsere makroskopischen Maßstäbe gilt: Er ergibt sich aus unserer groben Betrachtungsweise der Welt.

Die von der Theorie beschriebene Welt ist weit entfernt von dem, was uns vertraut ist. Es gibt nicht mehr den Raum, der die Welt "enthält", und nicht mehr die Zeit, "an der entlang" die Ereignisse stattfinden. Es gibt nur elementare Prozesse, in denen Raum- und Materiequanten beständig wechselwirken. Die Illusion, dass wir uns in einem Raum-Zeit-Kontinuum befinden, ist nur der unscharfe Blick auf ein dichtes Gewimmel aus elementaren Prozessen. Sowie auch ein stiller, klarer Alpensee in Wahrheit aus einem wirbelnden Tanz von Myriaden winziger Wassermoleküle besteht.

Woraus besteht nun die Welt? Die Welt besteht vollständig aus Quantenfeldern. Der Gegensatz zwischen dem gekrümmten kontinuierlichen Raum aus Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie und den diskreten Quanten der Quantenmechanik, die in einem flachen, gleichförmigen Raum existieren, ist damit vollständig aufgehoben. Der scheinbare Widerspruch ist aufgelöst.

"Matter doesn't matter!"
(David Hoffmeister)

Was bedeutet das nun konkret? Stellen wir uns folgende Alltagssituation vor: Jemand schießt uns einen Ball an den Kopf und wir empfinden Schmerz und geben dem Ballwerfer die Schuld an unserem Schmerz. Nun schauen wir etwas genauer hin und erkennen, dass eine Berührung zwischen Ball und Kopf gar nicht stattgefunden hat, weil Materie nichts Festes ist und es keine getrennten festen Objekte gibt, die einander berühren könnten. Das was wir als Schmerz wahrnehmen ist lediglich ein elektrisches Signal im Gehirn. Sowohl die scheinbare Berührung durch den Ball, als auch die Schmerzen und erst recht die Idee der Schuld, sind lediglich eine Interpretation unseres Geistes, aber keine Wirklichkeit im strengeren Sinne. Absolut jede Wahrnehmung ist Interpretation - ist ein für wahr nehmen.

Paul Davies (* 22. April 1946 in London) ist ein britischer Physiker und Sachbuchautor, der in Großbritannien, Australien und den USA gelehrt hat. Davies beschäftigt sich neben der Kosmologie und Quantenfeldtheorie auch mit Astrobiologie, SETI und Fragen des Ursprungs des Lebens. Seine Forschungsgebiete sind Themen seiner zahlreichen allgemeinverständlich gehaltenen Bücher, in denen er auch weltanschauliche und religiöse Fragen anspricht. In englischsprachigen Ländern ist er für seine Fernseh- und Radiosendungen bekannt, zum Beispiel im Radioprogramm der BBC und im australischen Fernsehen.

Im Folgenden ein paar Zitate von ihm:

"Ein Universum, das im Urknall aus dem Nichts entstand, wird beim Big Crunch im Nichts verschwinden. Seine glorreichen paar Billionen Jahre der Existenz sind nicht einmal eine Erinnerung."

"Die Materie als solche wurde von ihrer zentralen Rolle degradiert und durch Konzepte wie Organisation, Komplexität und Information ersetzt."

"Die Wissenschaft, so glaubt man gemeinhin, hilft uns, ein Bild der objektiven Realität zu entwerfen - der Welt 'da draußen'. Mit dem Aufkommen der Quantentheorie scheint genau diese Realität zerbröckelt zu sein, um durch etwas so Revolutionäres und Bizarres ersetzt zu werden, dass man sich mit den Konsequenzen noch nicht richtig auseinandergesetzt hat."

"Dass das Universum sein eigenes Selbstbewusstsein organisiert hat - ist für mich ein starker Beweis dafür, dass hinter allem 'etwas los ist'. Der Eindruck von Design ist überwältigend. Die Wissenschaft mag alle Prozesse erklären, durch die das Universum sein eigenes Schicksal entwickelt, aber das lässt immer noch Raum dafür, dass es einen Sinn hinter der Existenz gibt."

"Die Wissenschaftler wachen langsam zu einer unbequemen Wahrheit auf - das Universum sieht verdächtig nach einem Fehler aus. Das Problem betrifft die Naturgesetze selbst."

"Die wissenschaftliche Suche ist eine Reise ins Unbekannte."

Viele Forscher vermuten, das in dem Bemühen, weitere Fortschritte in der Physik zu erziehen, grundlegende Bedeutung dem Konzept der "Information" zukommen wird. Dass der Informationsbegriff für das Verständnis der Quantenrealität grundlegend ist, erkannte als Erster John Wheeler, der Vater der Quantengravitation. Um diese Idee auszudrücken, prägte er den Slogan "It from bit". Der Slogan bedeutet ungefähr: "Alles ist Information."

Energie und Materie sind Erscheinungsformen von Information, womit die Information zur eigentlichen "Ursubstanz" des Universums und der Physik wird. Information ist einfach nur Information, Struktur, etwas mit Sinn. Das Bewusstsein nimmt reine Information war. Wenn unser Bewusstsein die Welt beobachtet, die wir über die Sinne wahrnehmen, beobachtet es tatsächlich nichts anderes als die von unserem Gehirn verarbeitete Information. Diese Unterscheidung der Wahrnehmungsebenen ist wichtig um zu erkennen, dass wir nicht unser Körper, nicht unser Gehirn, nicht unser Verstand sind. Das alles gehört zu uns, wie unser Name, unsere Kleidung, aber wir - unser Wesenskern - ist etwas anderes.

Unser Bewusstsein beschränkt durch “Filterfunktionen” seine Wahrnehmung auf einen winzigen Ausschnitt des Multiversums. Indem es sich auf eine Figur im Möglichkeitsraum beschränkt, entsteht der Eindruck einer Person. Indem es sich gleichzeitig durch den Möglichkeitsraum "bewegt", entsteht die Illusion von Zeit und Veränderung.

Mit dem Begriff Information hat sich die Physik der Wahrheit schon sehr weit angenähert - der Wahrheit, dass die Welt eine Projektion des Geistes ist.

Man hat den Eindruck, dass die moderne Physik auf Annahmen beruht,
die irgendwie dem Lächeln einer Katze gleichen, die gar nicht da ist.

(Albert Einstein)

Informatik

Bei der Informatik handelt es sich um die Wissenschaft von der systematischen Darstellung, Speicherung, Verarbeitung und Übertragung von Informationen, wobei besonders die automatische Verarbeitung mit Digitalrechnern betrachtet wird. All unsere modernen elektronischen Geräte basieren auf dieser Wissenschaft.

Bereits Gottfried Wilhelm Leibniz, ein deutscher Philosoph der frühen Aufklärung, hatte sich mit binären Zahlendarstellungen beschäftigt. Das Dualsystem, auch Zweiersystem oder Binärsystem genannt, ist ein Zahlensystem, das zur Darstellung von Zahlen nur zwei verschiedene Ziffern benutzt. Im Dualsystem werden Zahlen nur mit den Ziffern des Wertes null und eins dargestellt. Oft werden für diese Ziffern die Symbole 0 und 1 verwendet. Es gibt nur 0 und 1 und kein Dazwischen.

Das Dualsystem, das unsere moderne Welt dominiert, ist gleichzeitig ein wunderbares Symbol für die beiden Gedankensysteme, für das des reinen Geistes und das des Egos. Es gibt nur diese zwei Gedankensysteme und kein Dazwischen! Wobei das Symbol 0 für GOTT steht und 1 für das, in der Illusion der Trennung „lebende“, Ego, das allein und sich nur selbst Universum ist.

Das, in Folge der Digitalisierung entstandene, Internet ist eine der größten Veränderungen des Informationswesens seit der Erfindung des Buchdrucks mit großen Auswirkungen auf unser alltägliches Leben. Im Jahr 2013 hat der deutsche Bundesgerichtshof erklärt, dass das Internet zur Lebensgrundlage von Privatpersonen gehört. Das Internet ist ein wunder-volles Symbol, für Verbindung und damit für Einheit und für die vollkommene Kommunikation:

"Der heilige Augenblick ist eine Zeit, in der du vollkommene Kommunikation empfängst und gibst. Das bedeutet aber, dass er eine Zeit ist, in der dein Geist offen ist, um sowohl zu empfangen wie zu geben. Er ist die Einsicht, dass jeder Geist mit jedem anderen in Kommunikation steht. Der heilige Augenblick sucht deshalb nichts zu verändern, sondern nur alles anzunehmen."
(EKIW: Kapitel 15, IV. 6. 5.-8.)

Neurowissenschaft

Obwohl viele der neuesten Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften zuerst einmal zur Selbstoptimierung in unserer Leistungsgesellschaft verwendet werden, gibt es immer mehr Aussagen, aus diesem Wissensgebiet, die uns zu denken geben könnten.

Der emeritierte Mediziner Wolf Singer war Direktor der Abteilung für Neurophysiologie des Max Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt. Laut Wolf Singer ist das Gehirn ohne zentrale Instanz organisiert, wie ein "Orchester ohne Dirigent". Bewusste Entscheidungen würden nicht auf freiem Willen beruhen, was aus seiner Sicht auch in der Rechtsprechung relevant werden könnte.

Epilog

Der Körper gesteuert durch das Gehirn kennt keinen Dirigenten, er kennt kein Ich. Der Eindruck dieser Körper zu sein und einen persönlichen, freien Willen zu haben, entsteht nur dadurch, dass sich das Bewusstsein „verengt“ und sich komplett auf den Körper konzentriert. Es hat sich so kontrahiert, dass der Eindruck einer Person entsteht.

Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler.
(William Shakespeare)

Das Ego ist wie ein Schauspieler der sich völlig mit seiner Rolle identifiziert und vergessen hat, wer er wirklich ist. Er glaubt die Figur im Stück zu sein und er glaubt, er könnte das Drehbuch beeinflussen. Doch das Drehbuch ist geschrieben. Erwachen aus dieser Illusion bedeutet zu erkennen, dass wir nicht die Figur im Stück sind, sondern das Bewusstsein, das sich dessen bewusst ist.

Bewusstsein erzeugt Realität.
(Eugene Wigner, Physik-Nobelpreis 1963)

1981 nahm Stephen Hawking an einer Kosmologietagung im Vatikan teil, auf der er sein Konzept vorstellte, laut dem das Universum keine Grenzen hat. In diesem Vortrag stellte er das All zugleich als ein Phänomen dar, das einfach vorhanden ist und dementsprechend keines Schöpfergottes bedarf.

Stephen Hawking hatte vollkommen recht - GOTT hat die Welt nicht erschaffen. Daher ist auf der Ebene der Naturwissenschaften GOTT auch nicht zu finden. Die Welt ist Information, ist virtuell, ist ein Hologramm des Ego-Geistes, das aber, wird in Folge der neusten Erkenntnisse aus der Physik, immer offensichtlicher.

Das Doppelspaltexperiment stellt ein Wunder-volles Symbol dar. Wenn wir einen Licht- oder Materiestrahl (Elektronen, Atome, …) für sich beobachten, verhält er sich wie ein Strom von einzelnen Teilchen. Wenn wir mit Hilfe zweier Spalten zwei Licht- oder Materiestrahlen erzeugen, so verhalten sie sich wie zwei Wellen und interferieren miteinander. Im Zustand der gottlosen Identifikation mit der Person sind wir zersprengt und zerschlagen in zahllose Punkte von Ichs, welche blinken, rinnen, irren, zusammen- und auseinanderfliehen, ohne Einheit und Bestand. Niemand ist im All so sehr allein als ein Geist der den Kontakt zu seinem Vater und damit zu seinem Bruder verloren hat. Erst die Beziehung zu unserem Bruder, im Angesicht des Vaters, erzeugt ein Quantenfeld, ein Feld jenseits der Vorstellungen von Richtig und Falsch, ein Feld indem das Wunder der Heilung geschieht.

Der HEILIGE GEIST ist unsichtbar, du kannst aber die Ergebnisse SEINER GEGENWART sehen, und durch sie wirst du lernen, dass ER da ist. Was ER dich zu tun befähigt, ist eindeutig nicht von dieser Welt, denn Wunder verstoßen gegen jedes Gesetz der Wirklichkeit, wie diese Welt sie beurteilt. Jedes Gesetz von Raum und Zeit, von Größe und von Masse wird transzendiert, denn das, wozu der HEILIGE GEIST dich befähigt, geht eindeutig über sie alle hinaus. Indem du SEINE Ergebnisse wahrnimmst, wirst du verstehen, wo ER sein muss, und schließlich erkennen, was ER ist.
(EKIW: Kapitel 12, VII. 3.)

“Es gibt zwei Arten sein Leben zu leben:
entweder so, als wäre nichts ein Wunder,
oder so, als wäre alles eines.
Ich glaube an Letzteres.“

(Albert Einstein)



Der Kurs im Spiegel der Psychologie

Seit einigen Jahrzehnten lässt sich immer deutlicher ein Unterschied zwischen der akademischen Psychologie, mit mehrjährigen universitären Ausbildungen sowie Spezialisierungen in einem Fachbereich und einer pseudowissenschaftlichen Alltagspsychologie erkennen, die versucht den Wahnsinn des aufgeblähten, egoischen Selbstbildes als Besonderheit erscheinen zu lassen.

Der Markt dieser selbsternannten Psycho-Helfer boomt. Das psychologisch geschulte Ego versucht in diesem Bereich, aus seinem ganz persönlichen Weg, eine einzigartige Methode zu kreieren, um sich dann mit seinem Heilsversprechen an die Welt zu wenden. Es hat häufig eine Lizenz oder ein Diplom bei irgendeinem Online Kurs gemacht. Auf seiner Homepage klingt das dann in etwa so: „Glaube an dein Potenzial, komme in Kontakt mit deiner inneren Energiequelle, alle Antworten liegen in dir selbst.“ Und seinen Mangel an Qualifikationen und wissenschaftlich fundierten Kenntnissen kaschiert es mit der angeblichen Einsicht, dass es, „meine eigene Reise durch das Leben und die Erfahrungen die ich währenddessen sammeln durfte, waren, von denen ich am meisten gelernt habe.“ Das Angebot an Hilfesuchende lautet dann in etwa so: „Ich bin einen schwierigen Weg gegangen und ich habe es geschafft und du kannst es auch schaffen.“

"Erfahrung ist der Name, den die Menschen ihren Irrtümern geben."
(Oscar Wild)

"Wird das Ego mit irgendeinem Aspekt der Situation konfrontiert, der schwierig zu sein scheint, so wird es versuchen, diesen Aspekt anderswohin zu nehmen und ihn dort zu lösen. Und das wird ihm scheinbar gelingen, bloß steht dieser Versuch in Konflikt mit der Einheit und muss das Ziel der Wahrheit verschleiern. Und Frieden wird nicht erfahren werden außer in der Phantasie. Die Wahrheit ist nicht gekommen, weil der Glaube verleugnet wurde, indem er dem vorenthalten wurde, wohin er rechtmäßig gehörte. Somit geht dir das Verständnis für die Situation verloren, welches das Ziel der Wahrheit dir bringen wurde. Denn Phantasielösungen bringen nur die Illusion von Erfahrung, und die Illusion des Friedens ist nicht der Zustand, in den die Wahrheit einkehren kann."
(EKIW: Kapitel 17, VI. 7.)

Wenn wir hinter die Kulissen blicken, merken wir schnell, dass der, in der Rubrik “über mich” präsentierte, eigene “Erfolg” gar nicht so groß ist, dass die “glückliche und lebendige Beziehung zum liebevollen Partner” doch nicht so wundervoll ist, dass die “wunderbare Beziehung zu den Kindern” auch nicht nur wunderbar ist, dass das „Selbstwertgefühl“ nur auf tönernen Füßen steht - in den Worten der Bibel ausgedrückt, dass es sich bei dem prächtigen Haus, das der Welt präsentiert wird, um ein Haus auf Sand handelt, das beim geringsten Sturm in sich zusammenbricht. Wir erkennen dann sehr schnell den enormen Aufwand, den die Aufrechterhaltung des „erfolgreichen“ Selbstbildes erfordert.

Olaf Schubert beschreibt in seinem Buch Wie Dirk B. lernte, den Kapitalismus zu lieben wunderbar wie der Held der Geschichte (der "Held" des Traums) unter Anleitung einer mysteriösen Smartphone-App namens Weltenmeister den Weg nach oben erlernt. Die App coacht ihn mit kapitalistischen Kalendersprüchen zum egomanen Fiesling. Die gegenwärtig so positiv besetzte, totale Konzentration auf sich selbst, lässt sich kaum besser beschreiben: "So - da bin ich also. Mein Name ist Dirk B. Ich hab’s geschafft. Ich bin erfolgreich, beliebt und wohlhabend und zwar allein dadurch, dass ich anderen Menschen erkläre, wie auch sie es werden können. ..."

"Lasst sie, es sind blinde Blindenführer.
Und wenn ein Blinder einen Blinden führt,
werden beide in eine Grube fallen."

(Matthäus 15,14, Bibel Einheitsübersetzung 2016)

Auch wenn all diese Psycho-Konzepte unter klingenden Namen verkauft werden, ist das Gedankengut dahinter immer das Gleiche - die Idee eines persönlichen, „göttlichen“ Selbst, das der Schöpfer seiner Welt ist, die Idee der individuellen Besonderheit.

Besonderheit ist ein Mangel an Vertrauen in irgend jemand anderen als dich. Glaube wird in dich allein investiert.“
(EKIW: Kapitel 24, IV. 1. 1.&2.)

Du bist nicht besonders. Wenn du denkst, du seist es, und deine Besonderheit gegen die Wahrheit dessen verteidigst, was du wirklich bist, wie kannst du die Wahrheit dann erkennen?“
(EKIW: Kapitel 24, II. 4. 1.&2.)

Wenn wir nach Besonderheit, nach Erfolg und nach Anerkennung in der Welt streben, dann verlangen wir nicht zu viel vom Leben - sondern viel zu wenig!

"Du erwartest nicht zu viel vom Leben, sondern viel zu wenig. Wenn du zulässt, dass dein Geist zu körperlichen Belangen hingezogen wird, zu Dingen, die du kaufst, zu Ruhm, wie die Welt ihn schätzt, dann bittest du um Leiden, nicht um Glück. Dieser Kurs versucht nicht, dir das wenige wegzunehmen, das du hast. Er versucht nicht, Befriedigungen, die die Welt enthält, durch utopische Ideen zu ersetzen. Es gibt in der Welt keine Befriedigungen.

Wenn du ein Ding wählst, das nicht ewig währt, dann ist das, was du wählst, wertlos. Ein vorübergehender Wert ist ohne jeden Wert. Die Zeit kann niemals einen Wert wegnehmen, der wirklich ist. Was vergeht und stirbt, das war nie da und bietet dem nichts, der es wählt. Er wird getäuscht durch nichts in einer Form, die er zu mögen glaubt."


(EKIW: LEKTION 133, 2.&6.)

Die Erkenntnisse der akademischen Psychologie verwenden wir seit den 80er Jahren hingegen immer mehr dazu, um uns gegenseitig bewusst zu manipulieren. Im gesamten Bereich Bereich von Marketing und Werbung werden psychologische Erkenntnisse genutzt, um auf Kosten des Gegenübers Gewinn zu erzielen.

"Jede Wahl in der Welt hängt von diesem ab: Du wählst zwischen deinem Bruder und dir, und du gewinnst soviel, wie er verliert, und das, was du verlierst, ist das, was ihm gegeben wird. Wie steht das doch der Wahrheit ganz und gar entgegen, wo der ganze Zweck der Lektion der ist, zu lehren, dass das, was dein Bruder verliert, du verloren hast, und dass das, was er gewinnt, dir gegeben ist."
(EKIW: Kapitel 31, IV. 8. 4.&5.)

Auch wenn die Psychologie (griechisch-lateinisch psychologia, ‚Lehre von der Seele‘) als eigenständiges wissenschaftliches Forschungsgebiet erst seit Ende des 19. Jahrhunderts existiert, hat die Beschäftigung mit dem Erleben und Verhalten des Menschen eine weit zurückreichende Geschichte. Es beschäftigten sich zahlreiche Philosophen und Theologen, Mediziner und Physiologen mit Themen, die nachträglich der Psychologie zugeschrieben werden können. Platon entwickelte die Basis für das Schichtenmodell der Seele, das später Grundlage für Sigmund Freuds Strukturmodell der Psyche werden sollte, und Aristoteles schrieb ca. 350 v. Chr. ein Lehrbuch Über die Seele.

Die bedeutendste Erweiterung des Faches ergab sich aus der Etablierung einer nicht-medizinischen therapierenden Praxis. Ziel war es psychologische Erkenntnisse dazu zu nutzen, die Lebensqualität von Menschen zu verbessern. 1896 verwendete Sigmund Freud erstmalig den Begriff Psychoanalyse. Die Psychoanalyse ist heute ein psychotherapeutisches Verfahren zur Behandlung psychischer Erkrankungen und eine Methode zur Selbsterfahrung.

Mit Ausnahme der transpersonalen Psychologie beschäftigt sich gegenwärtige Psychologie ausschließlich mit dem Ego. Psychologie beschäftigt sich mit einer Illusion, in Form einer Person mit einer persönlichen Geschichte und psychischen Verletzungen. Obwohl dies alles eine Illusion ist, ist es hilfreich sich damit zu beschäftigen, weil die grundlegenden Erkenntnisse der Psychologie die Funktionsweise des Egos sehr genau beschreiben. Nicht zufällig kam der Kurs durch die klinische Psychologin Dr. Helen Schucman in die Welt. Das Leben der klinischen Psychologen Dr. Helen Schucman und Dr. William Thetford, beide Professoren, zeigt sehr deutlich, dass Psychologie zwar sehr genau das Problem beschreibt, aber keine wirkliche Heilung bietet.

Es fällt uns sehr schwer in unserem Bewusstsein das volle Ausmaß an Angst und Schrecken, dieses Ausmaß an Selbsthass und Schuld zu zulassen, und damit zu leben, das die Illusion der Trennung in uns erzeugt. So verfolgen wir ganz automatisch und unbewusst zwei Strategien, ganz entsprechend der Lehre Sigmund Freuds: Verdrängung (=Verleugnung) und Projektion. Das sind die beiden wichtigsten Abwehrmechanismen. Ihre Eigenart ist, dass sie gerade das bewirken, was sie abwehren sollen.

Was wir mit unserer Schuld und unserer furchtbaren Angst machen, ist, so zu tun, als ob es sie nicht gäbe. Wir drängen sie hinunter, aus unserem Bewusstsein hinaus ins Unterbewusste. Doch irgendwann genügt das nicht mehr. Dann greift das Ego zur Projektion: Es nimmt Unangenehmes aus unserem Inneren und behauptet, dass es in Wirklichkeit nicht dort, sondern außerhalb von uns in jemand anderem sei. Das Ego sagt zu diesem Jemand: Nicht ich bin für mein Elend und Unglück verantwortlich, sondern du. Das Ego kümmert sich nicht darum, auf wen wir projizieren, solange wir jemanden finden, auf den wir unsere Schuld abladen können, denn auf diese Weise werden wir laut dem Ego unsere Schuld los.

„Die Argumentation, durch die die Welt gemacht wird, auf der sie beruht und von der sie aufrechterhalten wird, ist einfach diese: »Du bist die Ursache meines Tuns. Deine Gegenwart rechtfertigt meinen Zorn, und du existierst und denkst getrennt von mir. Während du angreifst, muss ich unschuldig sein. Und das, woran ich leide, ist dein Angriff.« Niemand, der genau so auf diese Argumentation schaut, wie sie ist, könnte umhin zu sehen, dass sie nicht folgerichtig ist und keinen Sinn ergibt. Dabei scheint sie vernünftig, weil es so aussieht, als würde dich die Welt verletzen. Und somit sieht es aus, als bräuchte man hinsichtlich der Ursache nicht über das Offensichtliche hinauszugehen.“
(EKIW: Kapitel 27, VII. 3.)

Um aus der Sicht des Egos eine Schuld loszuwerden, müssen wir sie also zuerst verdrängen und sie dann auf jemand anderen projizieren.

Ärger ist ein wichtiger Abwehrmechanismus gegen Schuld, indem er die Aufmerksamkeit im Äußeren gefangen hält. Jede Variante von Ärger stellt immer einen Versuch dar, die Projektion unserer Schuld zu rechtfertigen, egal, was die Ursache unseres Ärgers zu sein scheint. Das Bedürfnis, unsere Schuld zu projizieren, ist der eigentliche Grund allen Ärgers. Es geht immer darum, den eigenen inneren Unfrieden nach außen zu bringen und eine möglichst große Distanz zwischen uns und der Schuld herzustellen.

Beispiele für diese egoische Strategie sind der Hass mancher Esoteriker auf die angeblich jüdische Finanzelite, die Wut mancher Bürger auf den Staat, mancher Wähler auf Politiker, der Zorn der scheinbar Unterdrückten auf die scheinbar Mächtigen, der Umweltaktivisten auf die angeblichen Umweltverschmutzer. Jeder von uns hat seine ganz persönlichen Schuldigen über die er sich ärgert.

Sigmund Freud war noch von viktorianischen Werten geprägt. Das Ausdrücken von Gefühlen stieß bei ihm auf tiefe Abneigung. Seine Lehre zielte zwar darauf ab, Unbewusstes (zum Beispiel Verdrängtes) bewusst zu machen und zu befreien. Verdrängte Gefühle durften analysiert, sublimiert oder verschoben, aber nicht ausagiert werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schwang das Pendel von einem Extrem ins andere. Das Kriterium für seelische Gesundheit war jetzt, Gefühle herauszulassen (Sensitivity-Gruppen, Encounter-Gruppen).

Beide Lösungen sind in Wirklichkeit die Kehrseiten ein und derselben Medaille. Die Grundannahme lautet, dass negative Gefühle wie Ärger oder Eifersucht grundlegende, dem Menschen angeborene Emotionen sind und wir nur die Möglichkeit hätten zu lernen besser damit umzugehen. Diese Grundannahme ist falsch!

Das Ausdrücken des Ärgers, durch spontane oder induzierte Wutausbrüche, fühlt sich zwar gut an, aber wir werden ihn so nicht los. Das, was uns ärgert, wird uns immer wieder ärgern. Denn die grundlegende Emotion des Egos heißt nicht Ärger, sondern Angst, und hinter der Angst steckt ein verdrängtes Schuldgefühl, denn wenn wir uns schuldig fühlen, haben wir Angst vor Bestrafung.

Das Ego sagt uns: Wenn du meine Anweisungen befolgst, werde ich dafür sorgen, dass du von deiner Schuld loskommst. Es sagt uns aber nicht, dass Angriff die beste Methode ist, um schuldig zu bleiben. Es gibt nämlich noch ein weiteres psychologisches Axiom, dem zufolge wir uns zwangsläufig schuldig fühlen, wenn wir jemanden in Gedanken oder Taten angreifen: Wir können niemanden verletzen, ohne dabei Schuldgefühle zu bekommen.

Wenn wir unserem Ärger richtig Luft gemacht haben, fühlen wir uns später elend. Wir erleben dann einen psychologischen „Kater“, bekannt als Trauer oder Depression. Der Grund dafür liegt darin, dass wir uns schuldig fühlen dafür, was wir dem andern angetan haben. Man sagt, Depression sei unausgedrückte Wut. Auf einer Ebene stimmt das, aber unter der Wut liegt Schuld. Die wirkliche Bedeutung von Depression ist Schuld, die sich häufig als Selbsthass zeigt.

Das Ego stellt also sehr geschickt einen Teufelskreis aus Schuld und Angriff auf. Es ist dieser Kreislauf aus Schuld und der damit verbundenen Angst, der die Welt in Gang hält. Alle Abwehrmechanismen verstärken genau das, wovor sie uns schützen sollen - unsere Angst. Die Frage lautet daher nicht „sublimieren oder ausdrücken“ sondern „Angst oder Liebe“.

Vom therapeutischen Standpunkt aus kann das Ausdrücken von Ärger und Wut sinnvoll sein. Wenn uns unser Leben lang gesagt wurde, Ärger (oder Wut) sei böse, dann wurde uns damit beigebracht, Ärger für angsterregend zu halten. Wir glauben, damit dem andern - oder uns selbst - etwas Furchtbares anzutun. In Wirklichkeit passiert überhaupt nichts - das ganze Spiel ist nur ein Traum und dient lediglich der Ablenkung von der WAHRHEIT.

„Nicht du bist so verletzlich und dem Angriff ausgesetzt, dass nur ein Wort, ein kleines Flüstern, das dir nicht behagt, ein Umstand, welcher dir nicht passt, ein Vorfall, den du nicht vorhergesehen hast, deine Welt erschüttert und sie ins Chaos stürzt. Die Wahrheit ist nicht gebrechlich. Von Illusionen bleibt sie gänzlich unberührt und ungestört. Doch die Besonderheit ist nicht die Wahrheit in dir. Sie kann durch alles aus dem Gleichgewicht geworfen werden. Das, was auf nichts gegründet ist, kann nie stabil sein. Wie groß und aufgeblasen es auch zu sein scheint, so muss es dennoch mit jedem Lufthauch wanken, sich drehen und herumgewirbelt werden.“
(EKIW: Kapitel 24, III. 3.)

Für das wankende Bild von sich selbst hat das Ego in den letzten Jahrzehnten eine Unmenge an psychologischen Erklärungen erfunden, um von der WAHRHEIT abzulenken, indem es seine Unsicherheit und seine Gier nach Anerkennung als Besonderheit erscheinen lässt. Besonderheit muss ständig verteidigt werden, denn Illusionen können sie angreifen, und sie tun es auch. Daher wurden Begriffe wie Hochsensibilität und Impostor-Syndrom (eine zentrale Angst des Enneagramm-Typs Drei) erfunden. Dieser ganze Unfug selbsternannter Psycho-Helfer entsteht, wenn das Ego versucht sich selbst zu analysieren.

Das Ego ist stets auf der Hut vor allem, was es als Herabsetzung empfindet. In diesem Fall springen automatisch Reparaturmechanismen an, um die mentale Form des Ego wieder herzustellen. Das Ego ist viel stärker an seiner Selbsterhaltung interessiert, als an der Wahrheit. Wenn das wankende Bild von uns kurzfristig gröber erschüttert wird, ziehen wir uns daher häufig zurück. Unsere Mitmenschen halten wir dann mit Sätzen wie "Ich bin im Prozess" oder "Ich brauche Zeit für mich" von uns fern. Diese Zeiten der Trennung nutzen wir, um unser separates Selbst wieder aufzubauen, von dem wir tatsächlich glauben es werde vermindert, wenn wir unserem Bruder begegnen.

Unzählige Spruchkarten mit der Aufschrift "Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen." verweisen wunderbar auf den Reparaturmechanismus und den Größenwahn des Egos.

Im Bereich der sogenannten Positiven Psychologie gibt es den Begriff des „Reflected Best Self“ mit dem das Ego sein wankendes Bild von sich selbst zu stabilisieren versucht, indem es von Menschen aus seinem engsten Umfeld Komplimente einfordert. Früher nannten wir das "fishing for compliments", heute heißt es positiv formuliert „Reflected Best Self". Dabei wird uns empfohlen uns mit folgenden Fragen an unsere Mitmenschen zu wenden: "Was sind deiner Meinung nach meine Stärken und bitte gib konkrete Beispiele und Situationen an?" „Was schätzt du an mir" „Was liebst du an mir?“ Im Wirtschaftsleben nennt sich diese Strategie "Positive Leadership". Dabei geht es um Folgendes: "Im Rahmen von Positive Leadership werden positive Emotionen gezielt erlebt, modelliert und verstärkt." Wurden noch bis vor kurzem Mitarbeiter in erster Linie mit finanziellen Anreizen dazu motiviert mehr Leistung zu bringen, so sind es nun Komplimente.

Unter dem Deckmantel eines "positiven Menschenbildes" wird eine Ideologie vertreten, die einen Menschen nach den Maßgaben ökonomischer Verwertbarkeit beurteilt und glaubt, Menschen mit positiven Emotionen steuern zu können. Selbst die von Psychologen durchgeführten Studien haben gezeigt, dass positive Psychologie, bei an Depressionen erkrankten Menschen, keine positiven Auswirkungen hat. Wer ökonomisch nicht mehr verwertbar ist und damit auch nicht mehr zum Follower eines positiven Selbstdarstellers in der positiven Psycho-Szene taugt, ist für die "Positiven" aber ohnedies nicht von Interesse. Das positiv self reflected Ego ist nicht daran interessiert sich von "negativ schwingenden" Menschen runter ziehen zu lassen. Mit dieser Art von "positiver" Psychologie steigern wir lediglich unsere Inkompetenzkompensationskompetenz.

Wie bei jeder Sucht ist es auch bei der Sucht nach positiven Feedback so, dass das Suchtmittel ständig benötigt wird, dass es nie genug ist. Auch stoffungebundene Suchtmittel, wie eben positives Feedback, lösen einen rauschähnlichen Zustand aus, der das Erleben und die Gefühle des süchtigen Menschen verändert. Die Erfahrung dieses „besonderen Kicks“ führt dann infolge zur Sucht. In den sozialen Medien wird mit positiven Feedback, in Form von Likes ❤️ und Followern, gedealt. Sie sind, neben den Hochleistungsunternehmen, die zentralen Handelsplätze für das Suchtmittel positives Feedback. Bezüglich der Verbreitung eines Suchtmittels, scheint positives Feedback den Alkohol schön langsam abzulösen.

"Bei Social Media geht es mehr um Soziologie und Psychologie als um Technologie."
(Brian Solis - digitaler Analyst, Redner und Autor)

Positives Feedback ist, genau wie negatives Feedback, ein Aspekt der Wahrnehmung und damit Teil der Illusion der Trennung. Hinter dem Thema Feedback verbirgt sich die Verwechslung von Selbst und SELBST.

Dein Wert liegt jenseits der Wahrnehmung, weil er jenseits des Zweifels liegt. Nimm dich selbst nicht in einem immer wieder anderen Licht wahr. Erkenne dich selbst in dem EINEN LICHT, in dem das Wunder, das du bist, vollkommen klar ist.”
(EKIW: Kapitel 3, V. 10. 7.-9.)

“Dein Wert wird nicht durch Lehren oder Lernen begründet. Dein Wert ist von GOTT begründet. Solange du dies bestreitest, wird alles, was du tust, angstbesetzt sein, besonders jede Situation, die sich für den Glauben an Überlegenheit und Unterlegenheit anbietet. Lehrer müssen geduldig sein und ihre Lektionen so lange wiederholen, bis sie gelernt sind. Ich bin dazu bereit, weil ich kein Recht habe, die Grenzen deines Lernens für dich festzulegen. Noch einmal: Nichts, was du tust oder denkst oder wünschst oder machst, ist nötig, um deinen Wert zu begründen. Dieser Punkt ist - außer in Wahnvorstellungen - unumstritten. Dein Ego steht nie auf dem Spiel, weil GOTT es nicht erschaffen hat. Dein reiner Geist steht nie auf dem Spiel, weil ER ihn schuf. Jegliche Verwirrung in diesem Punkt ist wahnhaft, und keine Art der Hingabe ist möglich, solange dieser Wahn andauert.”
(EKIW: Kapitel 4, I. 7.)

“Wunder ehren dich, weil du liebenswert bist. Sie zerstreuen die Illusionen über dich und nehmen das Licht in dir wahr. Damit sühnen sie deine Irrtümer, indem sie dich von deinen Alpträumen befreien. Indem sie deinen Geist aus der Gefangenschaft deiner Illusionen befreien, stellen sie deine geistige Gesundheit wieder her.”
(EKIW: Kapitel 1, I. 33.)

Ursprünglich war es das Ziel von Psychologie und vor allem von Psychotherapie unsere Muster, unter denen wir leiden, zu erkennen und so unsere dunklen Seiten ans Licht zu bringen, um uns davon zu befreien. Darin besteht auch der einzig wahre Nutzen von Psychotherapie. Für das Ego ist das ein unangenehmer Prozess und so hat es die positive Psychologie erfunden und hat damit den einzig wahren Nutzen von Psychologie und Psychotherapie auch noch eliminiert.

Das Ego vermeidet das wahre SEIN, indem es versucht jemand Besonderer zu „sein“, jemand Besonderer mit möglichst vielen positiven Eigenschaften, um in seiner Welt erfolgreich zu „sein“.

Dementsprechend stellen kritische Worte zur eigenen Person die Gotteslästerung, die Blasphemie des 21. Jahrhunderts dar. Infolgedessen hat das hochsensible, völlig aufgeblähte, individuelle Ego das Konzept der Safe Spaces erfunden, die es nicht nur vor Kritik, sondern generell vor jeder anderen Meinung, schützen sollen. Safe Spaces geben das Versprechen, dass Angehörige marginalisierter Gruppen sich nicht mehr mit allem auseinandersetzen müssen, was nur im Entferntesten Unbehagen und Unwohlsein verursacht. Die Definitionsmacht, was als verletzend und damit Unbehagen auslösend gilt, liegt bei den jeweiligen Individuen selbst.

„Du reagierst mit Angst auf Liebe und weichst vor ihr zurück. Die Angst hingegen zieht dich an, und im Glauben, sie sei Liebe, rufst du sie zu dir herbei. In deiner privaten Welt wimmelt es von Angstgestalten, die du eingeladen hast, und all die Liebe, die deine Brüder dir anbieten, siehst du nicht. Wenn du deine Welt mit offenen Augen ansiehst, muss dir auffallen, dass du dich in den Wahnsinn zurückgezogen hast. Du siehst, was nicht vorhanden ist, und hörst, was kein Geräusch erzeugt. Deine Äußerungen von Gefühlen sind das Gegenteil dessen, was die Gefühle selber sind. Du kommunizierst mit niemandem und bist genauso isoliert von der Wirklichkeit, als wärest du allein im ganzen Universum. In deinem Wahnsinn übersiehst du die Wirklichkeit vollständig und siehst überall, wo du hinschaust, nur deinen eigenen gespaltenen Geist. GOTT ruft dich, und du hörst nicht, denn du bist mit deiner eigenen Stimme beschäftigt. Und die Schau CHRISTI ist nicht in deiner Sicht, denn du schaust nur dich selber an."
(EKIW: Kapitel 13, V. 5. & 6.)

Vertreter der Definitionsmacht und von Safe Spaces, meist ohne wissenschaftlicher psychologischer Ausbildung, arbeiten mit Vokabular aus der Traumaforschung. Insbesondere Trigger ist hier ein zentraler Begriff. Als Trigger gilt alles, was unangenehme Gefühle wie zum Beispiel Wut und Traurigkeit hervorruft, beziehungsweise an solche Erfahrungen erinnert. Sogar einer Auseinandersetzung mit Literatur und andersartigen wissenschaftlichen Ansichten wird Triggerpotenzial zugesprochen. Deshalb fügen nun einige Verlage in den USA bei Neuauflagen von philosophischen Klassikern eine inhaltliche Warnung hinzu, dass dieser Text Ansichten und Begriffe enthält, die verletzen könnten.

Lachen ist die beste Medizin gegen solchen Unfug. Im Juli 2014 erschien ein wunderbarer Artikel auf www.theonion.com, einem satirischen Nachrichtenmagazin: "Psychology Comes To Halt - The field of psychology was brought to an immediate halt this week as disillusioned and weary practitioners of the discipline reportedly concluded that the mind could never possibly hope to study itself."

Psychologie beschreibt das Problem, bietet jedoch keine Heilung.



Der Kurs im Spiegel der Philosophie

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Die Schule von Athen ist ein Fresko des Malers Raffael, das dieser von 1510 bis 1511 im Vatikan anfertigte. Es zeigt unter anderem Sokrates, Heraklit, Platon, Aristoteles und Diogenes. Der Titel des Bilds verweist auf die herausragende philosophische Denkschule des antiken Griechenlands, verkörpert von ihren Vorläufern, Hauptvertretern und Nachfolgern. Im Zentrum stehen die Philosophen Platon und Aristoteles. Das Fresko verherrlicht im Sinne der Renaissance das antike Denken als Ursprung der europäischen Kultur, ihrer Philosophie und Wissenschaften.

„Philosophie ist nichts anderes als Freundschaft mit der Weisheit.“
(Dante Alighieri - Das Gastmahl 3, XI, 6)

Dieses Bild verweist auf Zeiten in denen Philosophie und Wissenschaft geschätzt wurden, auf die Antike und die Renaissance. Renaissance (entlehnt aus französisch renaissance „Wiedergeburt“) beschreibt die europäische Kulturepoche in der Zeit des Umbruchs vom Mittelalter zur Neuzeit im 15. und 16. Jahrhundert. Sie war von dem Bemühen um eine Wiederbelebung der kulturellen Leistungen der griechischen und römischen Antike gekennzeichnet.

Vieles von dem was in der Antike schon bekannt war, war im christlichen Mittelalter wieder vergessen. In manchen esoterischen und pseudospirituellen Kreisen herrscht zurzeit wieder eine Art geistiges Mittelalter. Verschwörungstheorien und andere dubiose esoterische und pseudospirituelle Konzepte erfreuen sich großer Beliebtheit, ohne dass diese näher hinterfragt werden. Große wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Jahrhunderte werden plötzlich wieder geleugnet und gleichzeitig erlebt obskurer Aberglaube einen neuen Höhepunkt. Es wird an der Existenz von Viren gezweifelt und gleichzeitig wird geglaubt, dass ein bunter Aufkleber auf einem Handy vor bösen Strahlen schützt und dass uns beim Corona-Test mit einem Wattestäbchen ein Mikrochip eingepflanzt wird.

Genau genommen ist nicht Unwissen das größte Problem sondern Halbwissen. Wer nichts weiß, macht sich selten etwas vor über seine Fähigkeiten, wer wenig weiß, hingegen schon.

„Ich weiß, dass ich nicht weiß.“
(Sokrates)

Häufig glauben wir Dinge zu verstehen, von denen wir keine Ahnung haben. Dabei ist es nicht so, dass wir bewusst aufschneiden, wir erliegen tatsächlich der Illusion, etwas zu verstehen, was wir nicht verstehen. Erst wenn wir eine genaue Erklärung liefern sollen, bricht unser oberflächliches Wissen in sich zusammen. Erst wenn wir in der Lage sind etwas zu lehren, lernen wir wirklich.

„Du kannst nicht lehren, was du nicht gelernt hast,
und was du lehrst, bestärkst du in dir selbst, weil du es mit andern teilst.
Jede Lektion, die du lehrst, lernst du.“

(EKIW: Kapitel 6, III. 1. 9.&10.)

Ein wunderbares Beispiel ist das Thema Geldschöpfung, fast jeder glaubt zu wissen wie Geld entsteht, kaum jemand kann es aber wirklich erklären. Die instinktive Selbstüberschätzung zeigt sich auch während der Corona-Pandemie. Menschen, die nicht einmal wissen wofür die Abkürzung PCR steht, fühlen sich berufen, ihre Meinung zu den PCR-Tests in die Welt hinauszuposaunen.

Am deutlichsten zeigt sich dieses Phänomen allerdings beim Thema Spiritualität. Dort hat es auch die dramatischsten Auswirkungen, denn unser spirituelles Weltbild beeinflusst unser Leben am stärksten. Aus ein paar Blogeinträgen zusammengeschusterte Weltbilder bestimmen das Leben vieler Menschen am Beginn des 3. Jahrtausends.

„Dir ist das ganze Ausmaß, in welchem die Idee der Trennung die Vernunft behindert hat, nicht klar.
Vernunft liegt in dem anderen Selbst, das du von deinem Bewusstsein abgeschnitten hast.
Und nichts, dem du erlaubt hast, in deinem Bewusstsein zu verweilen, ist der Vernunft fähig.“

(EKIW: Kapitel 21, V. 4. 1.-3.)

Wir halten Zufall und Wahrscheinlichkeit nicht sauber auseinander, tendieren dazu, Einzelfälle, die wir kennen, viel zu stark zu gewichten, wägen Belege nicht rational ab und schließen von Korrelationen zu schnell auf Kausalitäten. Vor allem leuchtet uns das eher ein, wovon wir uns einen Nutzen versprechen oder was wir aus persönlichen Gründen favorisieren. Aber nicht einmal da sind wir konsequent. Fake News, Verschwörungstheorien und postfaktisches Geschwafel entziehen sich jeder Vernunft. Denn ihre Schwäche besteht nicht in der mangelnden Logik. Im Gegenteil, Verschwörungstheorien sind in sich meist bewundernswert schlüssig und raffiniert aufgebaut, sie bieten für alles und jedes eine Erklärung, die Schritt für Schritt entwickelt wird und der man sich nicht entziehen kann - vorausgesetzt, man teilt die vorausgesetzten Meinungen, auf denen sie beruhen. Die sind natürlich falsch, oft sogar haarsträubend falsch. Aber nicht immer ist es ganz einfach, sie zu erkennen.

Wir leben in einer Zeit in der das Meinen über dem Wissen steht. Die Entprofessionalisierung der Information in sozialen Netzwerken hat das Meinen modern gemacht. Professionelle Medien werden als „Lügenpresse“ diffamiert, aber jeder obskuren Meinung in den sozialen Medien wird geglaubt. Eine Meinung, mit fehlender Begründung, kann mit wesentlich weniger Aufwand erworben werden als kompetentes Wissen. Mit ein paar Dutzend Meinungen erschafft sich das Ego ein Bild von sich selbst, das Bild einer besonderen Person, die sich durch ihre ganz besondere Meinung aus der Masse erhebt. Dieses Persönlichkeitsprofil wird dann in den sozialen Medien (mit-)geteilt. Die Newsfeeds des Smartphones liefern einen nie abbrechenden Strom von Meinungen, getarnt als Nachrichten. Eine durch die Meinungsflut verunsicherte Minderheit flieht in soziale „Schutzräume“ von Ideologien, Verschwörungstheorien, Veganismus, Strahlen- und Chemtrails-Phobien, Impfgegnertum, wo sämtliche Lebensfragen einer Leitmeinung unterstellt sind.

Die Aussage aus dem Kurs "Ideen mit anderen teilen heißt sie stärken" hat gerade im Zusammenhang mit dem Internet eine besondere Bedeutung. Das Internet macht Ideen sichtbar. Jetzt geht es darum unsere Ideen zu hinterfragen, uns unseres Bewusstseinsinhalts, also des Gedankensystems, dem unsere Ideen entspringen, bewusst zu werden. Im Internet, wo sich Ideen sehr einfach teilen lassen, ist es umso wichtiger zu hinterfragen, welche Ideen wir teilen wollen. Auf Imageboards oder Foren, wo Ideen anonym geteilt werden und wo vielfach, als »Meinungsfreiheit« getarnte, Menschenverachtung höchstes Gebot ist, werden mehr und mehr scheinbar unschuldige Symbole und Memes von rechtsradikalen Verschwörungstheoretikern okkupiert und verbreitet. Ein Meme ist ein neu geschaffener Bewusstseinsinhalt, der sich zwischen Menschen verbreitet. Meist handelt es sich dabei um einen kleinen Medieninhalt, wie ein Bild mit einer kurzen prägnanten Aussage.

Die modernen Medien sind ein wunderbares Symbol für die Funktionsweise des Egos. Die Filter- oder Informationsblase ist ein Begriff der Medienwissenschaft und sie entsteht, weil soziale Medien und Suchmaschinen versuchen, algorithmisch vorauszusagen, welche Informationen der Benutzer auffinden möchte - dies basierend auf den verfügbaren Informationen über den Benutzer (Benutzerprofil, Standort des Benutzers, Suchhistorie, Klickverhalten, usw.). Daraus resultiert eine Isolation gegenüber Informationen, die nicht dem Standpunkt des Benutzers entsprechen. Maßgeschneiderte Botschaften erzeugen im egoischen Bewusstsein unbewusst ein Gefühl der Kontrolle und zum anderen heben sich personalisierte Nachrichten von dem heutzutage herrschenden Überangebot von Informationen wohltuend ab. Es entsteht der Eindruck alle sind meiner Meinung, Diskussionen gibt es kaum und jeder Nachrichtenartikel untermauert meine These. Wenn Information nur über soziale Medien und Suchmaschinen bezogenen wird, verhindert dies ganz automatisch Weiterentwicklung.

Als Donald Trump 2016 die Wahl zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewann, waren viele Menschen rund um den Globus schockiert: Nichts hatte darauf hingewiesen, dass der politische Außenseiter tatsächlich eine Mehrheit um sich versammeln konnte. So sahen es zumindest Trumps Gegner. Für dessen Anhänger hingegen war die Sache klar: Alle waren doch schließlich gegen Clinton. Beide Seiten hatten im Netz trefflich argumentiert und lautstark die eigene Meinung geäußert, doch davon hatte die Gegenseite nichts mitbekommen. Alle hatten nur innerhalb ihrer Filterblase gelesen und kommentiert.

Das Ganze ist nicht grundsätzlich neu, neu ist nur das Ausmaß und die Symbolkraft dieses Geschehens. Wir umgeben uns sowohl online als auch offline gerne mit Menschen, die uns selbst ähnlich sind. Dadurch entsteht ein soziales Netzwerk, welches aus Individuen mit ähnlichen Ansichten, Einstellungen und Haltungen besteht. Ebenfalls einen großen Einfluss hat die Tatsache, dass wir bewusst und unbewusst Informationen filtern, die wir überhaupt wahrnehmen und lesen.
Das Ego ist nicht an der WAHRHEIT interessiert, es will nur eine Bestätigung seiner Meinung.

Noch dazu scheint sich das Meinen vom Handeln völlig getrennt zu haben. Es ist zur Gewohnheit geworden Meinungen über die Probleme der ganzen Welt zu verbreiten, ohne Zeit darauf zu verwenden, wie man sich in der Politik oder am Arbeitsplatz für deren Lösung einsetzen könnte. Immer mehr Menschen sind wütend auf Politiker, sind aber selbst nicht bereit sich für eine Partei zu engagieren die es besser macht und sind auch nicht bereit selbst eine Partei zu gründen. Daran zeigt sich wieder einmal, dass es dem Ego ja nicht wirklich um Veränderung geht, sondern lediglich darum Schuldige zu finden, die es für seinen eigenen inneren Unfrieden verantwortlich machen kann.

Doch während erzürnte Social Media Nutzer einander so richtig die Meinung sagen, geht das Erarbeiten neuen Wissens zum Glück weiter: Am CERN werden weiterhin physikalische Erkenntnisse gewonnen, die uns der Wahrheit jenseits der Materie, auch von wissenschaftlicher Seite her, näher bringen. Auch wenn die Welt letztendlich eine Illusion ist, so beschreiben die modernen Naturwissenschaften die Gesetze innerhalb der Illusion sehr genau und sind damit in alltagspraktischen Angelegenheiten äußerst hilfreich und nähern sich in den letzten 100 Jahren erstaunlich schnell der Wahrheit jenseits der Welt, wie wir sie wahrnehmen. Die Quantenphysik hat uns in wenigen Jahrzehnten der Wahrheit wesentlich näher gebracht als die großen Religionen in 2000 Jahren.

Aber auch jene Wissenschaft, die über Erkenntnis nachdenkt und über die Welt hinaus denkt, die Philosophie, mit ihren Kerngebieten Erkenntnistheorie, Logik, Ethik und Metaphysik, wird kaum noch geschätzt.

Dem antiken Griechen Xenophanes lag daran, scharf zwischen Meinen und Wissen zu unterscheiden, weil er damit die denkhemmende Allmacht religiöser Mythen um den Gott Zeus zu entkräften hoffte. Ein Kernthema für Platon war die Frage, wie unzweifelhaft gesichertes Wissen erlangt und von bloßen Meinungen unterschieden werden kann. Kant schrieb in Kritik der reinen Vernunft: "Meinen ist ein mit Bewusstsein sowohl subjektiv, als objektiv unzureichendes Fürwahrhalten."

Im „Evangelium der Maria“ berichtet Maria Magdalena von ihren Visionen und Gesprächen mit Jesus. Sie gibt Anweisungen, wie man schrittweise zu wahrer Erkenntnis gelangt und Hindernisse wie das „Nichtwissen“ oder den „Zorn“ überwindet. Ziel aller Bemühungen sei ein Zustand der „Ruhe“, versichert Magdalena. Genau damit sind wir 2000 Jahre später immer noch konfrontiert - mit Nichtwissen und Zorn. Das Ego wiederholt immer nur die Vergangenheit. Wir befinden uns gerade wieder in einem geistigen Mittelalter des Nichtwissens und des Zorns der Nichtwissenden.

Das “spirituelle” Ego will weder von den Zusammenhängen innerhalb der Illusion, noch von der WAHRHEIT jenseits der Illusion, etwas wissen. Es ist sich nur noch selbst das Maß aller Dinge, schafft sich seine eigene kleine Welt, versucht diese mit allen Mitteln zu verteidigen und lebt so in ständiger Angst, dass sie zusammenbrechen könnte. Diese ständige Angst führt zu Zorn, Depression und Erschöpfung. Besonderheit muss ständig verteidigt werden, denn Illusionen können sie angreifen, und sie tun es auch.

Im Folgenden einige Aussagen bedeutender Philosophen der letzten 2500 Jahre. Diese Aussagen und deren Verbindung zu den Aussagen des Kurses sollen zeigen, dass es sich beim Kurs in Wundern, nicht um blinden mittelalterlichen Gottesglauben handelt, sondern um einen Kurs der zu wahrer Erkenntnis führt und - dass es eine Verbindung von Erfahrung und Einsicht ist - die zum Göttlichen führt.

„Die WIEDERKUNFT CHRISTI ist lediglich die Rückkehr von Sinn und Verstand.“
(EKIW: Kapitel 9, IV. 9. 4.)


Sokrates (469 v. Chr. - 399 v. Chr., Athen)

Zu den Kernbereichen sokratischen Philosophierens gehören neben dem auf Dialoge gegründeten Erkenntnisstreben die näherungsweise Bestimmung des Guten als Handlungsrichtschnur und das Ringen um Selbsterkenntnis als wesentliche Voraussetzung eines gelingenden Daseins. Im Folgenden einige Zitate Sokrates und zum Vergleich Zitate aus dem Kurs:

"Wie der Mensch, so seine Rede."

"Dieser meint etwas zu wissen, obwohl er nicht weiß, ich aber, der ich nichts weiß,
glaube auch nicht zu wissen. Ich scheine also um dieses wenige doch weiser zu sein als er,
weil ich, was ich nicht weiß, auch nicht glaube zu wissen."


"Der Beginn der Weisheit ist die Definition der Begriffe."

„Wie kann Kommunikation wirklich begründet werden, solange die verwendeten Symbole Unterschiedliches bedeuten? Das Ziel des HEILIGEN GEISTES gibt eine Deutung, die für dich und deinen Bruder von Bedeutung ist. So kannst du mit ihm, und er mit dir, kommunizieren.“
(EKIW: Kapitel 30, VII. 6. 1-3)

„Ein Leben, das nicht kritisch untersucht wird, ist es nicht wert, gelebt zu werden.“

"Rechtes Handeln folgt dem rechten Denken."

„Rechtgesinntheit führt von selbst zum nächsten Schritt, weil richtige Wahrnehmung
durchweg angriffslos ist, und daher wird die Falschgesinntheit ausgelöscht.“
(EKIW: Kapitel 4, II. 10. 2.)

"Lernen besteht in einem Erinnern von Informationen,
die bereits seit Generationen in der Seele des Menschen wohnen."

„Die WIEDERKUNFT CHRISTI ist lediglich die Rückkehr von Sinn und Verstand.“
(EKIW: Kapitel 9, IV. 9. 4.)

„O Gott, was für mich nicht gut ist, das versage mir,
auch wenn ich dich darum bitte;
was für mich gut ist, das gib mir,
auch wenn ich dich nicht darum bitte.“

„ER führt mich, und ER kennt den Weg, den ich nicht kenne.
Doch wird ER mir nie vorenthalten, was ich nach SEINEM Willen lernen soll.
Und so vertraue ich darauf, dass ER mir alles mitteilt, was ER für mich erkennt.“
(EKIW: Kapitel 14, III. 19. 2-4)

Zu seinem Nachruhm trug wesentlich bei, dass er zwar die Begründung des gegen ihn verhängten Todesurteils nicht akzeptierte, jedoch aus Respekt vor den Gesetzen darauf verzichtete, sich der Vollstreckung durch Flucht zu entziehen. Bis zur Hinrichtung durch den Schierlingsbecher beschäftigten ihn und die zu Besuch im Gefängnis weilenden Freunde und Schüler philosophische Fragen.

„Ängstigt euch nicht vor dem Tod, denn seine Bitterkeit liegt in der Furcht vor ihm.“

„Es gibt keinen Tod, aber es gibt einen Glauben an den Tod.“
(EKIW: Kapitel 3, VII. 5. 11.)

Platon (428/427 v. Chr. - 348/347 v. Chr., Athen)

Er war Schüler des Sokrates, dessen Denken und Methode er in vielen seiner Werke schilderte. Die Vielseitigkeit seiner Begabungen und die Originalität seiner wegweisenden Leistungen als Denker und Schriftsteller machten Platon zu einer der bekanntesten und einflussreichsten Persönlichkeiten der Geistesgeschichte. Das geistige Erbe Platons beeinflusste zahlreiche jüdische, christliche und islamische Philosophen auf vielfältige Weise. Im literarischen Dialog, der den Verlauf einer gemeinsamen Untersuchung nachvollziehen lässt, sah er die allein angemessene Form der schriftlichen Darbietung philosophischen Bemühens um Wahrheit.

In seiner Erkenntnistheorie unterscheidet Platon streng zwischen Meinung oder Glauben ohne Wissen einerseits und wahrem Wissen andererseits. Sinneswahrnehmungen reichen nicht zum Erlangen der Wahrheit aus, sondern erzeugen lediglich Meinungen. Auch wenn eine Meinung zutrifft, ist sie von prinzipiell anderer Beschaffenheit und anderen Ursprungs als Einsicht. Ein Zugang zur Wahrheit und damit Wissen erschließt sich der Seele nur im Denken, das sich möglichst von der Sinneswahrnehmung emanzipiert hat.

„Berichtigendes Lernen beginnt immer mit dem Erwachen des reinen Geistes und der Abkehr vom Glauben an die körperliche Sicht. Das bringt oft Angst mit sich, weil du dich vor dem fürchtest, was deine geistige Sicht dir zeigen wird.“
(EKIW: Kapitel 2, V. 7. 1.&2.)

Jede Erkenntnis, jedes Lernen vollzieht sich nach Platons Ansicht als Wiedererinnerung an Ideen, welche die Seele vor ihrem Eintritt in den Körper an einem „überhimmlischen“ Ort geschaut hat und an die sie sich daher im Prozess der Erkenntnis erinnert.

"Abstraktes Denken bezieht sich auf Erkenntnis, weil Erkenntnis völlig unpersönlich ist und Beispiele unerheblich für ihr Verständnis sind. Die Wahrnehmung jedoch ist stets spezifisch und daher ganz konkret."
(EKIW: Kapitel 4, II. 1. 3.)

"Wahrnehmung ist nicht Erkenntnis, aber sie kann in Erkenntnis übertragen werden oder in sie übergehen. Es könnte hier sogar hilfreicher sein, buchstäblich von »hinübergetragen werden« zu sprechen, da der letzte Schritt von GOTT getan wird."
(EKIW: Kapitel 5, I. 6. 5.)

"Wie wir bereits betonten, beginnt jede Idee im Geist des Denkenden. Daher liegt das, was sich vom Geist her ausdehnt, weiterhin in ihm, und durch das, was er ausdehnt, erkennt er sich selbst. Das Wort »erkennen« ist hier zutreffend, weil der HEILIGE GEIST die Erkenntnis durch seine unparteiische Wahrnehmung weiterhin sicher in deinem Geiste erhält."
(EKIW: Kapitel 6, III. 1. 3.)

Ein Kernthema ist für Platon die Frage, wie unzweifelhaft gesichertes Wissen erlangt und von bloßen Meinungen unterschieden werden kann. In den Schriften seiner mittleren Schaffensperiode versucht er, mit seiner Ideenlehre eine zuverlässige Basis für echtes Wissen zu schaffen. Solches Wissen kann sich nach seiner Überzeugung nicht auf die stets wandelbaren Objekte der Sinneserfahrung beziehen, sondern nur auf unkörperliche, unveränderliche und ewige Gegebenheiten einer rein geistigen, der Sinneswahrnehmung unzugänglichen Welt, die „Ideen“, in denen er die Ur- und Vorbilder der Sinnendinge sieht.

„Ideen verlassen ihre Quelle nicht, und ihre Wirkungen sind nur dem Scheine nach getrennt von ihnen. Gedanken sind vom Geist. Das, was nach außen projiziert wird und scheinbar außerhalb des GEISTES ist, ist überhaupt nicht außen, sondern eine Wirkung dessen, was innen ist und seine Quelle nicht verlassen hat.“
(EKIW: Kapitel 26, VII. 4. 7-9)

Der Seele, deren Unsterblichkeit Platon plausibel machen will, schreibt er Teilhabe an der Ideenwelt und damit einen Zugang zur dort existierenden absoluten Wahrheit zu. Wer sich durch philosophische Bemühungen dieser Wahrheit zuwendet und ein darauf ausgerichtetes Bildungsprogramm absolviert, kann seine wahre Bestimmung erkennen und damit Orientierung in zentralen Lebensfragen finden.

Jenes Bildungsprogramm, dass Platon schon vor 2400 Jahren gesucht hatte, steht uns jetzt mit Ein Kurs in Wundern zur Verfügung.

Das Höhlengleichnis von Platon ist eines der bedeutendsten Gleichnisse der antiken Philosophie. Es zeigt den Weg des Philosophen zu echter Einsicht: Den Weg von den Schattenbildern in der dunklen Höhle hin zum Licht der Erkenntnis. Von den unklaren Vorstellungen der Welt hin zu den wirklichen Ideen hinter der Existenz. Ziel ist es, den Unterschied zwischen Schein und wahrer Wirklichkeit zu erkennen.

Platon beschreibt das Höhlengleichnis als Gespräch seines Lehrers Sokrates mit Glaukon. Darin fordert Sokrates Glaukon zu einem Gedankenexperiment auf, in dem er sich folgende Situation vorstellen sollte: Menschen, die zeitlebens in einer unterirdischen Höhle wohnen, von der aus ein breiter Gang zur Erdoberfläche führt. Sie sind alle mit Ketten an Nacken und Beinen gefesselt, sodass sie weder ihren Kopf zur Seite bewegen, geschweige denn sich umdrehen können.

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Sie können ihren Blick weder dem Ausgang zuwenden, noch dem Feuer, das weit hinter ihnen flackert. Das einzige, das sie wahrnehmen können, ist die Felswand vor Ihnen. Dort sehen sie lediglich die Schatten von Gegenständen, die hinter ihnen vorüber getragen und vom Schein eines Feuers als Schattenbilder an die Wand geworfen werden. Sie halten die Schattenbilder für die Wirklichkeit.

Was geschähe, bittet Sokrates Glaukon sich vorzustellen, wenn nun einer der Gefangenen plötzlich losgebunden und dazu gezwungen würde, aufzustehen und sich umzudrehen? Dieser Mensch würde zunächst schmerzhaft vom Licht geblendet und total verwirrt werden. Da das Feuer ihn blendet und seine Augen schmerzt, möchte er lieber wieder ins vertraute Dunkel der Höhle zurück.

Treat me like a prisoner,
Treat me like a fool.
Treat me like a loser,
Use me as a tool.

Face me 'till I'm hungry,
Push me in the cold.
Treat me like a criminal,
Just a shadow on the wall!

Shadow on the wall!
Shadow on the wall!
Shadow on the wall!
Shadow on the wall!

(Shadow on the wall - Mike Oldfield)

Wenn jemand wirklich am Licht interessiert ist, gewöhnen sich seine Augen langsam an den neuen Anblick. Nachdem er nun die wahre Wirklichkeit erkannt hat und schätzt, würde ihn nichts mehr zurück in die finstere Schattenwelt der Höhle ziehen.

Das Ziel ist der Aufstieg aus der sinnlich wahrnehmbaren Welt der vergänglichen Dinge, die mit einer unterirdischen Höhle verglichen wird, in die rein geistige Welt des unwandelbaren Seins. Den Aufstieg vollzieht zwar jeder für sich, aber da man dabei Hilfe benötigt, ist es zugleich auch ein gemeinschaftliches Bemühen.

Platon will mit seinem Höhlengleichnis den Menschen dazu motivieren aus der Dunkelheit des Vergänglichen zur Helligkeit des vollkommenen Seienden zu gehen. Demnach hat sich der unwissende Mensch von seinem wahren göttlichen Ursprung abgewandt und hält nur die äußeren Erscheinungen für die Wahrheit. Er ist davon überzeugt, dass nur die Erkenntnisse aus der Schattenwelt die einzige Wahrheit darstellen. Aus der Höhle herauszukommen bedeutet für Platon, zur Erkenntnis der unveränderlichen Ideen und letztendlich zur höchsten Idee des Guten zu gelangen.

Wenn wir das, was Platon die „höchste Idee des Guten“ nennt, mit LIEBE und damit mit GOTT übersetzen, so beschreibt das Gleichnis wunderbar das Erwachen aus dem Traum der Trennung, den Übergang von der körperlichen Wahrnehmung zur wahren Wahrnehmung der Welt.

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„Projection makes perception.“
(ACIM, Chapter 21, Introduction)

Eine weitere Aussage Platons im Höhlengleichnis besteht darin, dass der sokratische Dialog, mit dem der Gesprächspartner in Widersprüche verwickelt wird, in der Schattenwelt scheitern muss, da es dort keine Widersprüche gebe, sondern nur eine Folge von Erscheinungen, deren Vorhersage den Höhlenbewohnern Lustgewinn verschaffe. In der Höhle gebe es weder die Neugierde auf das Draußen noch die Disposition der Belehrbarkeit. Daher ist es eine Sisyphos-Arbeit, wenn wir jemanden vom Kurs in Wunder zu überzeugen versuchen, der noch keinen wachen Moment erlebt hat, weil der Mensch nicht wissen kann wovon wir sprechen.

Platon verweist darauf, dass wenn jemand vom Licht zurückkehren würde, um den Höhlenbewohner davon zu erzählen, dann würden sie ihn auslachen und für verrückt erklären und in Folge meinen, es könne sich offenbar nicht lohnen, die Höhle auch nur versuchsweise zu verlassen. Wenn jemand versuchte, die Höhlenbewohner zu befreien und nach oben zu führen, würden sie ihn umbringen. Genau das ist, etwa 400 Jahre später, Jesus passiert. Die Botschaft vom Licht war für die "Höhlenbewohner" so bedrohlich, dass sie ihn nach dreijähriger Lehrtätigkeit ermordet haben.

Aristoteles (384 v. Chr. - 322 v. Chr.)

„Freude ist die Gesundheit der Seele.“
(Aristoteles)

Aristoteles war ein griechischer Universalgelehrter. Sein Lehrer war Platon, doch hat Aristoteles zahlreiche Disziplinen entweder selbst begründet oder maßgeblich beeinflusst, darunter Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie, Logik, Biologie, Physik, Ethik, Staatstheorie und Dichtungstheorie.

Der Begriff Chrematistik, die Kunst Reichtum zu erlangen, die widernatürliche Erwerbskunst, wurde von Aristoteles geprägt, der zwischen Ökonomik (Hausverwaltungskunst) und Chrematistik (Kunst des Gelderwerbs) unterscheidet. Die Ökonomik beschäftigt sich mit der Beschaffung und Bewahrung jener Güter, die für das Haus oder den Staat nützlich und notwendig sind, der natürlichen Erwerbskunst, die auf die grundlegende Bedürfnisbefriedigung des Menschen abzielt. Da die Menge an Werkzeugen bzw. Instrumenten, die den Reichtum der Haus- oder Staatsverwaltung bilden, nach Größe und Zahl nicht unbegrenzt sei, könne auch der Reichtum nicht unbegrenzt sein. Der Ökonomik stellte Aristoteles die Chrematistik als Wirtschaftskunst gegenüber. Hier geht es darum, Geld zu akkumulieren. Der Tausch wird hier nicht zur Bedarfsdeckung betrieben oder um der Autarkie des Hauses und des Staates willen, sondern um Reichtum anzuhäufen. Diese Art der Wirtschaftskunst kommt in seinem Sinne auch als Folge der Einführung des Geldes als Tauschmittel zum Tragen. Aristoteles gab ihr die Schuld daran, dass man häufig meine, Reichtum und Besitz seien unbegrenzt.

Aristoteles hat sich mit so vielen Wissensgebieten beschäftigt und sich sehr stark auf die Form konzentriert, so dass seine Beiträge zur Metaphysik hier nicht von besonderer Bedeutung sind. Im Mittelalter standen Aristotelismus und Platonismus einander gegensätzlich gegenüber.

Wichtigster Vertreter der christlichen Mystik des Mittelalters war Meister Eckhart, der sich als „Lebensmeister“ sah und die Bedeutung der praktischen Umsetzung philosophischer Erkenntnis im eigenen Lebensvollzug betonte.

Meister Eckhart (1260 - 1328)

Meister Eckhart, ein einflussreicher thüringischer Theologe und Philosoph des Spätmittelalters, hat schon vieles erkannt und zu Papier gebracht, was die Metaphysik des Kurses betrifft.

Wichtig ist für ihn die auf Vernunft und Erfahrung gestützte Einsicht. Er hält seine Einsichten für universal gültig und will seinem Publikum den Nachvollzug auch anspruchsvoller Inhalte ermöglichen. Allerdings erfordert der Nachvollzug viel mehr als ein rein gedankliches Erfassen der Schlüssigkeit der Darlegungen. Jeder, der Eckharts zentrale Aussagen wirklich verstehen und beurteilen will, hat erst in sich selbst die erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen: „Denn, solange der Mensch dieser Wahrheit nicht gleicht, solange wird er diese Rede nicht verstehen; denn dies ist eine unverhüllte Wahrheit, die da gekommen ist aus dem Herzen Gottes unmittelbar. Dass wir so leben mögen, dass wir es ewig erfahren, dazu helfe uns Gott.“ Sind die Voraussetzungen geschaffen, so kann die Wahrheit als solche mit Gewissheit erkannt werden.

Aus seiner Sicht fundamental ist, für das Verhältnis des Menschen zu Gott, der Unterschied zwischen Glauben und Erkennen; der Glaube verhält sich zum vollkommenen Erkennen wie eine Meinung zum Beweis, wie etwas Unvollkommenes zum Vollkommenen. Es gilt also nicht beim Glauben zu bleiben, sondern vom Glauben zum Erkennen voranzuschreiten.

Gott als Person mit persönlichen Eigenschaften (im Kurs der HEILIGE GEIST in der Gestalt Jesus), die in seinen Namen ausgedrückt werden, existiert auf einer Ebene, die von derjenigen der Gottheit abgetrennt und ihr untergeordnet ist. Wenn er sich seinem eigenen unpersönlichen Aspekt zuwenden wollte, so müsste er - ebenso wie ein Mensch, der dies tut - alles beiseitelassen, was seine Besonderheit ausmacht.

„Du bist nicht besonders. Wenn du denkst, du seist es, und deine Besonderheit gegen die Wahrheit dessen verteidigst, was du wirklich bist, wie kannst du die Wahrheit dann erkennen?“
(EKIW: Kapitel 24, II. 4. 1.&2.)

Daher ist die Gottheit (im Kurs GOTT) auch kein Erkenntnisobjekt, weder für sich selbst noch für andere, denn wo ein erkennendes Subjekt von einem erkannten Objekt geschieden ist, handelt es sich nicht um die Ebene der Gottheit. In der Gottheit haben die platonischen Ideen ihren Ort. Eckhart nennt sie deutsch „Urbilder“, wobei er ausdrücklich auf Platon Bezug nimmt. Sie sind ungeschaffen wie die Gottheit selbst; die Ideen existieren in der Gottheit, aber nicht als Einzeldinge, sondern ungeschieden, da die Einheit der Gottheit keine Differenzierung zulässt. Im Sinne des Kurses würden wir sagen: CHRISTUS ist eine vollkommene Idee im GEIST GOTTES.

Aufgrund seiner Vergänglichkeit weist das Geschaffene kein „Sein“ im eigentlichen Sinne, im Sinne einer absoluten, überzeitlichen Existenz auf. So gesehen existiert es nicht wirklich. Verwendet man den Begriff „Sein“ im Sinne des absoluten Seins Gottes, so „sind“ die Dinge nicht; verwendet man ihn in dem Sinne, in dem er auf die Dinge angewendet wird, so „ist“ Gott nicht.

Verständnis der Schöpfung bedeutet somit Verständnis des Phänomens Zeit. Der überzeitlich existierende Gott schafft in einer permanenten Gegenwart, im „Jetzt“ oder „Nun“ seiner Zeitlosigkeit (Ewigkeit). Die Überzeitlichkeit des Ewigen wird in Eckharts Sprache als „Augenblick“ („nun“) wiedergegeben, doch ist dieser „Augenblick“ nicht mit einem Zeitpunkt zu verwechseln, sondern er umfasst „alle Zeit“, also die Gesamtheit dessen, was in aller Zeit gegeben ist. Die Gegenwärtigkeit des ewigen „Jetzt“ unterscheidet sich vom Zeitpunkt dadurch, dass sie nicht der vergangenen und künftigen Gegebenheiten beraubt ist, sondern diese in sich einschließt. Auf dieses JETZT bezieht sich auch der wohl bekannteste spirituelle Lehrer Eckhart Tolle, dessen selbst gewählter Vorname ein Verweis auf den deutschen Mystiker Meister Eckhart darstellt.

„SEINE Betonung liegt daher auf dem einzigen Aspekt der Zeit, der sich zur Unendlichkeit ausdehnen kann, denn jetzt ist die dichteste Annäherung an die Ewigkeit, die diese Welt zu bieten hat. In der Wirklichkeit des »Jetzt« - ohne Vergangenheit oder Zukunft - beginnt die Würdigung der Ewigkeit. Denn nur »jetzt« ist hier, und nur »jetzt« bietet die Gelegenheit für die heiligen Begegnungen, in denen die Erlösung gefunden werden kann.“
(EKIW: Kapitel 13, IV. 7. 5.-7.)

Meister Eckharts Verständnis von Sünde weicht vom Kirchlichen deutlich ab. Sünde ist für ihn eine willentliche Abkehr von Gott. Philosophisch ausgedrückt ist sie „immer ein Zurückschreiten vom Einen zu den vielen Dingen“. Das bedeutet, dass „die Ordnung der Dinge aufgehoben wird und das Obere dem Niederen unterworfen wird“. Dies wird rückgängig gemacht, indem man sich Gott wieder zuwendet. Man soll zwar nicht sündigen, aber man soll auch eine begangene Sünde nicht bereuen in dem Sinne, dass man wünscht, sie wäre nicht geschehen. Ein solcher Wunsch wäre Ausdruck eines Eigenwillens, der sich gegen den Willen Gottes richtet.

"SOHN GOTTES, du hast nicht gesündigt, aber du hast dich sehr geirrt. Das kann jedoch berichtigt werden, und GOTT wird dir helfen, wohl wissend, dass du nicht gegen IHN sündigen könntest."
(EKIW: Kapitel 10, V. 6. 1.&2.)

Die Hinwendung zu Gott soll zu einer Erfahrung führen, die in Eckharts Lehre eine zentrale Rolle spielt. Er nennt sie Gottesgeburt in der Seele. Gemeint ist, dass die Seele die Göttlichkeit ihrer eigenen Natur wahrnimmt und so Gott in sich selbst findet. Sie wird nicht etwas, was sie vorher nicht war, sondern erkennt das, was sie überzeitlich ist. Die Gottesgeburt geht vom Seelengrund des einzelnen Menschen aus und erfasst die Seele in ihrer Gesamtheit. Darin besteht für Eckhart der Sinn und Zweck der Schöpfung. Es handelt sich nicht um ein punktuelles Ereignis, das zum Abschluss kommt, sondern um einen fortdauernden Vorgang ohne Ende. Die Betonung der Prozesshaftigkeit des Geschehens ist ein besonderes Merkmal von Eckharts Denken. Im Kurs finden wir dafür die Begriffe Erwachen und Erleuchtung.

Die Gottesgeburt in der Seele geschieht, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, zwangsläufig. Sie zu veranlassen ist für Gott eine Naturnotwendigkeit, er folgt dabei seiner eigenen Natur, könnte also gar nicht anders wollen und handeln.

"Wenn du zulässt, dass du nur das in deinem Geist hast, was GOTT in ihn legte, erkennst du deinen Geist so an, wie GOTT ihn schuf. Daher nimmst du ihn so an, wie er ist. Da er ganz ist, lehrst du Frieden, weil du an ihn glaubst. Den letzten Schritt wird immer noch GOTT für dich tun, durch den dritten Schritt aber hat der HEILIGE GEIST dich für GOTT bereit gemacht. ER bereitet dich vor auf die Übersetzung von Haben in Sein, und zwar durch die Natur der Schritte selbst, die du mit IHM tun musst."
(EKIW: Kapitel 6, V. C. 5. 4.-7.)

Voraussetzung für die Gottesgeburt ist, dass sich die Seele von dem reinigt, was nicht zu ihr gehört, und dadurch ihre wahre Natur hervortreten lässt. Gott kann nur in der Seele geboren werden, wenn der Mensch ihm dafür Raum schafft und das entfernt, was im Wege steht. Das sind nicht nur Sünden und Laster im herkömmlichen Sinn, sondern schlechthin alles Ungöttliche und daher Vergängliche. Dazu gehören insbesondere die „Bilder“ der Sinnesobjekte, die man aufgenommen hat, denn sie binden und behindern den Menschen. In dem Maße, wie der Mensch die Hindernisse beiseiteschafft, wird er für Gott empfänglich. Was dabei in der Praxis zu beachten ist, erläutert Eckhart ausführlich.

Die Hinwendung zu Gott ist mit einem auf die Welt gerichteten Wollen und Begehren unvereinbar. Daher ist die erste Aufgabe des Menschen, der eine Einigung mit Gott erstrebt, sich von allen solchen Bestrebungen zu reinigen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass er vergöttlicht wird. Das Ergebnis der Abtrennung von der Welt nennt Eckhart „Abgeschiedenheit“.

Zu den „Dingen“, von denen der Mensch sich befreien soll, gehört in erster Linie er selbst: Richte dein Augenmerk auf dich selbst, und wo du dich findest, da lass von dir ab; das ist das Allerbeste.

„Lass mich nicht vergessen, dass mein Selbst nichts ist, dass aber mein SELBST alles ist.“
(EKIW: Lektion 358, 7.)

Der Mensch soll seine persönliche Hauptschwäche herausfinden und seinen Fleiß darauf richten, sie zu überwinden. Dafür steht uns 700 Jahre später das Enneagramm zur Verfügung. Befreiung von sich selbst bedeutet aber mehr als das: Wer sich für Gott empfänglich machen will, hat alle Hoffnungen, Wünsche und Ziele, die sein eigenes Wohlergehen im Diesseits oder Jenseits bezwecken, aufzugeben. Er vergisst sich selbst und alle Dinge. Damit verzichtet er auf seinen Eigenwillen. Alle Erwartungen und alle damit verknüpften Empfindungen verschwinden gänzlich. Dadurch werden Gemütsbewegungen wie Hoffnung, Furcht und Jammer verunmöglicht. Alles Leid endet, denn es ist ausnahmslos eine Folge der Hinwendung zu den geschaffenen Dingen. In der Seele tritt an die Stelle des Weggeräumten die Leere und geistige Armut. So erlangt man die „Gelassenheit“.

Die Lebensweise, für die Eckhart eintritt, ist ein Leben „ohne Warum“ (mittelhochdeutsch sunder warumbe). Diese Formulierung war schon im frühen 13. Jahrhundert verwendet worden. Gott hat kein „Warum“ außer und neben sich, und auch seine Liebe ist grundlos. Ebenso sind auch göttliche Werke des Menschen dadurch gekennzeichnet, dass sie ohne Grund vollbracht werden. Was einen Grund hat, besteht um des Grundes willen und ist ihm somit untergeordnet. Das Grundlose ist sein eigener Grund und Zweck und damit höherrangig als das, was einer Begründung durch etwas anderes bedarf.

Eckhart fordert Abwendung von allem, was in der Welt ist, und ausschließliche Konzentration auf den eigenen Seelengrund, wo Gott zu finden ist. Die damit erreichte Abgeschiedenheit äußert sich aber nicht als Gleichgültigkeit gegenüber der Welt. Der Mensch hat sich zwar auf der Suche nach Gott konsequent von der Welt abgewendet, aber Gott, den er in seinem Seelengrund gefunden hat und dem er die Herrschaft über sich restlos überlassen hat, ist den Menschen zugewandt. Das äußert sich darin, dass der Abgeschiedene und Gelassene kein zurückgezogenes Leben führt, sondern ein aktives und soziales. Er vollbringt Werke, die seinen Mitmenschen zugutekommen. Im Unterschied zu denen, welche die Gottesgeburt nicht erlebt haben, verfolgt er damit nicht weltliche Ziele, sondern göttliche.

Eckhart betont, dass die Heiligkeit niemals auf ein Tun gegründet ist, sondern ausschließlich auf ein Sein. Der Sozialpsychologe Erich Fromm bezieht sich in seinem populären gesellschaftskritischen Werk aus dem Jahr 1976 Haben oder Sein unter anderem auf Buddha, Jesus und Meister Eckhart. Er deutete Eckharts ontologische Aussagen allerdings psychologisch um, was zwar dem Zeitgeist entsprach, wodurch aber die Essenz verloren ging.

Eckharts Hochschätzung der von einem göttlichen Impuls geleiteten sozialen Aktivität führt ihn zu einer unkonventionellen Auslegung der biblischen Erzählung von den Schwestern Maria und Martha, die dem herkömmlichen Verständnis völlig widerspricht. Er folgt nicht der traditionellen Interpretation der Darstellung im Lukasevangelium (Lk 10,38–42 EU), wonach Christus dort den Vorrang der rein kontemplativen Haltung Marias gegenüber der aktiven Marthas feststellt. Vielmehr steht nach Eckharts Deutung die äußerlich aktive Martha höher als die nur Christus zuhörende Maria. Martha war zwar mitten in den Sorgen der Welt tätig, aber unbekümmert, auf besonnene Weise und ohne dabei Gott aus dem Auge zu verlieren. So verband sie in ihrer Haltung die Vorzüge von Kontemplation und Aktion. Maria hingegen beschränkte sich auf die Kontemplation, da sie das rechte Handeln noch nicht gelernt hatte. Martha war die ältere der beiden Schwestern und hatte daher mehr Erkenntnis gewinnen können als die noch unerfahrene, auf kontemplativen Genuss ausgerichtete Maria. Das Lob, das Christus Maria spendete, bezieht sich nach Eckharts Auslegung auf eine Einsicht, die Maria damals noch nicht hatte, sondern die ihr noch bevorstand. Eckharts Ablehnung einer weltflüchtigen Haltung ergibt sich aus seiner Überzeugung, dass nicht die Dinge an sich Hindernisse sind, sondern nur ein verkehrtes Verhältnis des Menschen zu ihnen.

Eckhart betont, dass die menschliche Natur Christi keine andere sei als die jedes anderen Menschen. Alle Menschen haben die menschliche Natur mit Christus gemeinsam, und zwar in gleichem Sinn und auf die gleiche Weise. Da Eckhart überdies jedem Menschen eine in der Seele liegende Göttlichkeit zuspricht, besteht aus seiner Sicht auch hinsichtlich der göttlichen Natur kein prinzipieller Unterschied zwischen Christus und anderen. Christus ist zwar ein unerreichtes Vorbild, nicht aber von Natur aus von anderen Menschen prinzipiell verschieden. Grundsätzlich ist jeder befähigt, das zu verwirklichen und zu vollbringen, was Christus verwirklicht und vollbracht hat.

„In seiner vollständigen Identifikation mit dem CHRISTUS - dem vollkommenen SOHN GOTTES, SEINER einen Schöpfung und SEINEM Glück, für immer wie ER SELBST und eins mit IHM - wurde Jesus zu dem, was ihr alle seid. Er ging auf dem Weg voran, auf dass ihr ihm folgt. Er führt dich zu GOTT zurück, weil er die Straße vor sich sah und ihr folgte. Er traf eine klare Unterscheidung, die für dich immer noch verschleiert ist, zwischen dem Falschen und dem Wahren. Er hat dir eine endgültige Demonstration geboten, dass es unmöglich ist, GOTTES SOHN zu töten; noch kann sein Leben in irgendeiner Weise durch Sünde und das Übel, Böswilligkeit, Angst oder Tod verändert werden.“
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, Begriffsbestimmung, 5. 3.)

Die Reaktion der Kirche auf die Aussagen Eckharts ist nicht überraschend: Nach dem Tod Eckharts stellte Papst Johannes XXII im Jahre 1328 in seiner Bulle ausdrücklich fest, Eckhart sei vom Teufel verführt worden. Die päpstliche Bulle verbietet jede Verteidigung oder Verbreitung der verurteilten Lehren und droht bei Zuwiderhandlung ein Häresieverfahren an. Der Papst hebt hervor, seine Sorge gelte besonders der Gefahr einer Irreführung der einfachen Gläubigen. Dennoch wurden im Spätmittelalter die deutschen Werke weiterhin im deutschen und niederländischen Sprachraum verbreitet und die lateinischen Schriften zum Teil in die Volkssprache übersetzt, allerdings gewöhnlich ohne Nennung des Verfassernamens oder mit Zuschreibung an einen anderen Autor.

Im Benediktinerkloster Melk wurden im 15. Jahrhundert deutsche Predigten und Sprüche Eckharts abgeschrieben, wobei der Name des Autors sogar angegeben wurde. In einer bearbeiteten, entschärften Fassung sollten sie zur Belehrung der Laienbrüder dienen. Auch in anderen österreichischen Klöstern waren im Spätmittelalter Texte Eckharts bekannt.

Im folgenden einige Zitate, ohne vergleichbarer Zitate aus dem Kurs, da sie ohnedies direkt auf die Aussagen des Kurses verweisen:

„Alles Gestürme und Unfriede stammt nur aus Eigenwillen, ob man es merke oder nicht.“

„Wenn die Seele etwas erfahren möchte, dann wirft sie ein Bild der Erfahrung
vor sich nach außen und tritt in ihr eigenes Bild ein.“

„Der gegenwärtige Augenblick ist das Fenster, durch das Gott in das Haus meines Lebens schaut.“

„Immer ist die wichtigste Stunde die gegenwärtige; immer ist der wichtigste Mensch,
der dir gerade gegenübersteht; immer ist die wichtigste Tat die Liebe.“

„Es gibt keinen besseren Maßstab der Liebe als das Vertrauen.“

„Gott aber, hat man ihn überhaupt, so hat man ihn allerorten; auf der Straße und
unter den Leuten so gut wie in der Kirche oder in der Einöde oder in der Zelle.“

„Der Mensch soll nicht die Dinge fliehen und sich in eine Einöde begeben, sondern er muss lernen,
durch die Dinge hindurchzubrechen und seinen Gott darinnen zu ergreifen.“

„Wer werden will, was er sein sollte, der muss lassen, was er jetzt ist.“

„Die Liebe beginnt da, wo das Denken aufhört. Wir brauchen aber die Liebe von Gott nicht zu erbitten, sondern wir müssen uns für sie nur bereit halten.“

„Das ewige Wort wird nur in der Stille laut.“


Von der Lichtgestalt Meister Eckharts einmal abgesehen, war das Mittelalter eine eher dunkle Epoche. Im Mittelalter war die Selbstwahrnehmung stark von kollektiven Aspekten, wie der Zugehörigkeit zu einem Volk und der Zugehörigkeit zu einem der drei Stände (Klerus, Adlige, Bauern und einfache Bürger), geprägt. Der Theozentrismus des Mittelalters sieht Gott im geistigen Zentrum der Welt.

In der Renaissance (15. und 16. Jahrhundert), dem Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, wurde das theozentrische Weltbild durch eine stärker anthropozentrische Sicht der Dinge abgelöst. Es fand ein wichtiger Übergang von einem Irrtum zum Nächsten statt.

René Descartes (1596–1650)

René Descartes war jener Philosoph der den zentralen Irrtum des Egos in drei Worten auf den Punkt brachte. Von ihm stammt der bekannte Ausspruch „cogito ergo sum“ („Ich denke, also bin ich.“), welches die Grundlage seiner Metaphysik bildet.

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Die Identifikation mit Gedanken ist die Ursache allen Leids. Die Befreiung liegt in der Erlösung aus dieser Identifikation und der Erkenntnis, dass wir SEIN jenseits von Gedanken sind.

In der dritten Meditation, seiner sechs Meditationes de prima philosophia, geht Descartes zu einer Theorie des Absoluten über. Auch wenn Descartes die Existenz Gottes postulierte, wurden seine Schriften 1663 von der Kirche verboten.

Mit der Renaissance wurde immer mehr der Mensch und seine Selbstwahrnehmung als getrenntes Individuum, als Ich, zum geistigen Zentrum der Welt. Dies war die Geburtsstunde jenes Individualismus dessen Höhepunkt wir gerade erleben. Das Ich hat sich im Laufe der Zeit auf den Thron Gottes gesetzt und hat sich selbst zum Gott gemacht. Wir können dieses Phänomen auch als „spirituelles“ Ego bezeichnen, ein Begriff der auf die Verwechselung von individuellem Selbst und wahrem SELBST verweist.

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 greg. - 1716)

Leibniz war ein deutscher Philosoph, Mathematiker, Jurist, Historiker und politischer Berater der frühen Aufklärung.

Mit dem berühmten Satz von der „besten aller möglichen Welten“ weist Leibniz auf einen notwendigen Zusammenhang zwischen Gutem und Üblem hin: Es gebe nämlich Gutes, das nur zum Preis der Existenz von Übel zu haben ist. Die wirkliche Welt ist die beste u. a. in dem Sinne, dass das Gute in ihr auch von Gott nicht mit einem geringeren Maß an Übel verwirklicht werden kann.

Gott die Erschaffung dieser Welt zu zutrauen wäre an sich schon Gotteslästerung, wenn Gotteslästerung möglich wäre. Diese von Gott erschaffene Welt auch noch für die beste aller möglichen zu halten ist der Gipfel der Verrücktheit. Vernünftig wäre der Umkehrschluss: Der Zustand der Welt ist der Beweis, dass sie nicht von Gott erschaffen wurde. Die vom Ego erschaffene Welt kennt nur „Glück“, dass im Gegensatz zum Übel existiert. Wahres Glück kennt kein Gegenteil.

Immanuel Kant (1724 - 1804)

Immanuel Kant war ein deutscher Philosoph der Aufklärung. Kant zählt zu den bedeutendsten Vertretern der abendländischen Philosophie. Sein Werk Kritik der reinen Vernunft kennzeichnet einen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie.

Kant hat erkannt, dass allein die Absicht, die Maxime, über den moralischen Wert einer Handlung entscheidet. Aus diesem Grund bezeichnete er religiöse Rituale ebenso wie soziales Engagement aus religiösen Motiven als Afterdienst. Diese Formulierung hat zwei Bedeutungen. Die erste Bedeutung könnte als Hinterher-Dienst bezeichnet werden. Wenn zum Beispiel ein religiöser Mensch den Armen hilft, um auf diese Weise Gott zu gefallen, dann bleibt die Handlung wünschenswert. Sein Motiv ist jedoch second best. Er tut etwas, was auch die Vernunft gebietet, sein Motiv ist aber in Wahrheit egoistisch. Er handelt gemäß der Pflicht aber nicht aus Pflicht.

Die Vernunft gebietet, eigenverantwortlich und aus Pflicht zu handeln. Blinde Rituale, Unterwerfungen und Fetischdienste lehnt die Vernunft ab. Besonders verwerflich ist es, wenn diese Handlungen mit dem egoistischen Motiv betrieben werden, sich einzuschmeicheln oder Pluspunkte für ein Jenseits zu sammeln. In diesem Kontext bedeutet Afterdienst nicht Hinterher-Dienst, sondern bezieht sich auf ein Körperteil, wir würden heute Arschkriecherei dazu sagen.

Damit hat Kant etwas Grundsätzliches erkannt, auch der Kurs spricht von der Rückkehr der Vernunft, aber Kant ist nicht über die Vernunft hinaus gelangt. Kant ist nicht wirklich über die Idee der Moral hinaus gelangt. Die Verbindung des Menschen zum Göttlichen und göttliche Offenbarung hat Kant nie erfahren und hat sie daher auch abgelehnt.

Das Leben von Kant zeigt, dass reines Denken allein, uns nicht wirklich weiter bringt, selbst wenn wir, wie Kant, 80 Jahre damit verbringen. Es geht nicht darum Gott philosophisch zu postulieren, sondern um Gotteserfahrung. Die Idee moralischer Gebote, wie sie seit Menschengedenken existiert und wie sie auch Kant vertrat, hat uns nicht den Frieden gebracht und wird es auch nie tun, da die dahinter liegende Grundannahme einer frei handelnden Person der zentrale Irrtum ist. Moral ist nicht die Lösung, sondern das Problem.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 - 1831)

Als Voraussetzung für alles wahrhafte Philosophieren gilt es laut Hegel das „absolute Wissen“ zu gewinnen. Der Weg zum „absoluten Wissen“ ist dabei für Hegel das Begreifen des Absoluten selbst. Auch für das Absolute ist die Zugangsweise zu ihm nicht gleichgültig. Es umschließt auch den Prozess seiner Erkenntnis. Der Zugang zum Absoluten ist zugleich dessen Selbstäußerung. Die Auslegung des Absoluten kann nicht in eine ihm äußere Reflexion fallen, sondern muss vielmehr seine eigene Auslegung sein: „In der Tat aber ist das Auslegen des Absoluten sein eigenes Tun, und das bei sich anfängt, wie es bei sich ankommt.“ Wahre Wissenschaft ist letztlich nur in dieser Perspektive des Absoluten möglich.

Hegel definiert die Natur als „die Idee in der Form des Andersseins“. Naturgesetze sind nicht sinnlich wahrnehmbar, sondern haben ihrerseits eine logische Existenz; sie existieren im Denken des die Natur erkennenden Geistes. Im Unterschied zur frühen Naturphilosophie Schellings sieht Hegel das Verhältnis zwischen Idee und Natur nicht als gleichgewichtig an; vielmehr steht für ihn die Natur unter dem Primat der Idee. Die Natur ist nicht schlechthin „Idee“ oder „Geist“, sondern das „Andere“. Es ist für Hegel sinnlos, der Natur ein über das Bewusstsein hinaus bestehendes, „wahres“, jedoch nicht erkennbares Sein zuzusprechen.

Raum und Zeit sind für Hegel nichts völlig Verschiedenes, sondern eng miteinander verzahnt: „Der Raum ist sich selbst widersprechend und macht sich zur Zeit.“ „Das eine ist das Erzeugen des Anderen.“ Zeit ist für Hegel überhaupt nur dadurch feststellbar, dass etwas im Wechsel zugleich auch erhalten bleibt und so das „Jetzt als seiend fixiert“. Eine solche Fixierung ist aber nur in räumlicher Form möglich. Insofern bleibt der Zeitbegriff essentiell auf den Raumbegriff zurückbezogen.

Die drei Zeitmodi, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, nennt Hegel „Dimensionen der Zeit“.
Im eigentlichen Sinne seiend ist davon nur das Jetzt der Gegenwart, das allerdings ständig zum Nichtsein wird. Vergangenheit und Zukunft haben dagegen überhaupt kein Bestehen. Sie sind nur in der subjektiven Erinnerung bzw. in Furcht und Hoffnung. Von der Zeit als Totalität von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft muss die Ewigkeit unterschieden werden. Hegel fasst die Ewigkeit nicht als etwas Jenseitiges auf, das nach der Zeit kommen müsste; denn auf diese Weise „würde die Ewigkeit zur Zukunft, einem Momente der Zeit, gemacht“: „Die Ewigkeit ist nicht vor oder nach der Zeit, nicht vor der Erschaffung der Welt, noch wenn sie untergeht; sondern die Ewigkeit ist absolute Gegenwart, das Jetzt ohne Vor und Nach.“

Hegel zeigt auf, dass der empirische Wirklichkeitsbegriff notwendig ein Selbstbewusstsein voraussetzt, das das sinnlich Wahrgenommene als solches interpretiert. Aber auch das Selbstbewusstsein ist nicht das eigentlich Wirkliche. Das zur Vernunft entwickelte Selbstbewusstsein beharrt auf seiner eigenen Substantialität, erkennt aber zugleich, dass es sich zu einer natürlichen Wirklichkeit verhält, die ebenfalls substantiell ist. Dies lässt sich nur miteinander versöhnen, wenn das Selbstbewusstsein seine Substantialität in der Substantialität der natürlichen Wirklichkeit wiedererkennt. Nur dann lässt sich der Widerspruch, den zwei Substanzen mit sich bringen, vermeiden.

Die Philosophie des subjektiven Geistes hat das Bewusstsein bzw. dessen „Subjekt“, das Ich, zum Gegenstand. Die Seele wird zum Ich, indem sie in sich reflektiert und eine Grenze zwischen sich und dem Gegenstand zieht. Während die Seele noch nicht in der Lage ist, sich aus ihren Inhalten, den Empfindungen, herauszureflektieren, ist das Ich gerade durch das „Sich-von-sich-Unterscheiden“ definiert. Aufgrund dieser Abstraktionsfähigkeit ist das Ich leer und einsam - denn jeder objektive Inhalt ist außerhalb seiner. Doch das Ich bezieht sich zugleich auf das, was es ausschließt, indem der Verstand „die Unterschiede als selbständig annimmt und zugleich auch ihre Relativität setzt“, aber „diese Gedanken nicht zusammenbringt, sie nicht zum Begriffe vereint“.

Das Bewusstsein ist daher „der Widerspruch der Selbständigkeit beider Seiten und ihrer Identität, in welcher sie aufgehoben sind“. Die Angewiesenheit des Ich auf sein Objekt beruht gerade darauf, dass es das Objekt von sich „abstoßen“ muss, um Ich zu sein. Dies zeigt sich in der Entwicklung des Bewusstseins darin, dass einer Änderung seines Objekts eine Änderung seiner selbst - und umgekehrt - entspricht. Das Ziel der Entwicklung ist, dass das Ich den an sich immer schon mit ihm identischen Gegenstand auch ausdrücklich als solchen erkennt, dass es auch in dem Inhalt des Gegenstandes, der ihm zunächst fremd ist, sich selbst begreift. Die abschließende Stufe des Bewusstseins, in der eine „Identität der Subjektivität des Begriffs und seiner Objektivität“ erreicht ist, ist die Vernunft - der „Begriff des Geistes“.

Während die Seele noch an die Natur, das Bewusstsein an ein ihm äußerliches Objekt gebunden war, unterliegt der Geist keinen ihm fremden Bindungen mehr. Es geht ab jetzt in Hegels System nicht mehr um das Wissen eines „Gegenstandes“, sondern um das Wissen des Geistes von sich selbst: „Der Geist fängt daher nur von seinem eigenen Sein an und verhält sich nur zu seinen eigenen Bestimmungen.“ Er wird zunächst zum theoretischen, praktischen und freien Geist, später schließlich zum objektiven und absoluten Geist.

Der Begriff des absoluten Geistes lässt sich als der Begriff der Wirklichkeit selbst verstehen, so dass die Religion in das absolute Wissen übergeht. Damit ist der Standpunkt gewonnen, von dem aus erst Wissenschaft im eigentlichen Sinn betrieben werden kann.

Die vielgestaltige Auseinandersetzung mit dem Thema Religion und besonders mit dem Christentum begleitet Hegels gesamtes philosophisches Denken. Die Aufgabe der ganzen Philosophie ist nach ihm keine andere als Gott zu begreifen: „Der Gegenstand der Religion wie der Philosophie ist die ewige Wahrheit in ihrer Objektivität selbst, Gott und nichts als Gott und die Explikation Gottes.“ Insofern ist für Hegel die ganze Philosophie selbst Theologie: „In der Philosophie, welche Theologie ist, ist es einzig nur darum zu tun, die Vernunft der Religion zu zeigen.“

Die Religion ist „das Selbstbewußtsein des absoluten Geistes“. Gott wirkt im religiösen Glauben selbst, der Glaubende hat umgekehrt im Glauben an Gott teil. Gott ist nicht nur als Objekt des Glaubens, sondern vor allem in dessen Vollzug präsent. Das Wissen von Gott muss zu einem Sich-Wissen in Gott werden. Die Geschichte der Religionen stellt für Hegel eine Lerngeschichte dar, an deren Abschluss das Christentum steht. Er unterscheidet drei Grundformen von Religion: Naturreligionen, „Religionen der geistigen Individualität“ und die „vollendete Religion“. Im Christentum der „vollendeten Religion“ zeigt sich am auferstandenen Christus, „dass Gott es ist, der den Tod getötet hat“, einen Tod, der Ausdruck seines radikal Anderen, des Endlichen ist.

Den Anfang der Logik muss für Hegel ein Begriff machen, der sich durch „reine Unmittelbarkeit“ auszeichnet. Dies wird im Begriff des Seins ausgedrückt, der keinerlei Bestimmungen aufweist. Doch der Verzicht auf jede weitere Differenzierung macht die Bestimmung „Sein“ völlig inhaltsleer. Somit ergibt sich für das Sein immerhin die Bestimmung des „Nichts und nicht mehr noch weniger als Nichts“. Jede Bestimmung ist eine Grenzziehung, wobei zu jeder Grenze auch etwas gehört, was jenseits von ihr vorhanden ist.

In der absoluten Idee schließlich - als der Kulmination des philosophischen Denkens - sieht das Bewusstsein die Identität von Subjektivem und Objektivem ein. Das Subjekt erkennt sich selbst als Objekt und das Objekt ist darum das Subjekt.

Arthur Schopenhauer (1788 - 1860)

Arthur Schopenhauer war ein Einzelgänger. Er hielt sich zeitlebens einen Pudel, den er häufig mit „Atman“ ansprach, dem Sanskrit-Wort für Lebenshauch, Atem, in der Tradition der Upanishaden die Essenz des Selbst bzw. die Einzelseele als Teil des Brahman, der „Weltseele“. Wenn ein Hund starb, was etwa alle zehn Jahre vorkam, erwarb er jeweils einen ähnlich aussehenden Pudel. Schopenhauer war der philosophischen Auffassung, dass jeder Hund gleichzeitig jeden anderen Hund enthalte. „Des Pudels Kern“ (Goethe) ging also nie verloren.

Schopenhauer lehnte die Philosophie Hegels ab, die er selbst abwertend als „Hegelei“ und als „Scharlatanerei“ bezeichnete. Er verfasste drastische Polemiken gegen Hegel, Schelling, Fichte und den zunächst verehrten Schleiermacher. Schopenhauer ist uns auf dem Weg zu Gott keine große Hilfe.

Karl Marx (1818 - 1883)

Karl Marx, ein deutscher Philosoph, Ökonom, Protagonist der Arbeiterbewegung sowie Kritiker des Kapitalismus und der Religion, zählt sicher zu den radikalsten Denkern "made in Germany". Nachdem seine Theorie vom Kommunismus nach dem Ende des Kalten Krieges von vielen als großer Irrtum ad acta gelegt worden war, ist er inzwischen für eine neue Generation von Philosophen, Künstlern und politischen Aktivisten wieder interessant. Sie suchen nach Alternativen zum Kapitalismus.

Georg W. F. Hegel, der 1831 starb, hatte seinerzeit einen starken Einfluss auf das geistige Leben in Deutschland. Die Linkshegelianer, zu denen Karl Marx gehörte, erwarteten im Fortgang historischer Prozesse weitere fundamentale Änderungen, nicht zuletzt eine Weiterentwicklung der preußischen Gesellschaft, die sich mit Problemen wie massenhafter Armut, staatlicher Zensur, fehlender politischer Partizipation der breiten Bevölkerungsmehrheit und Diskriminierung von Menschen, die sich nicht zum christlichen Glauben bekannten, auseinanderzusetzen hatte. Nachdem Marx zum Doktor der Philosophie promovierte ging er nach Bonn, in der Hoffnung auf eine Professur. Die akademische Laufbahn wurde ihm allerdings verwehrt, galt Marx doch als ein führender Kopf der oppositionellen Linkshegelianer.

Im Jahre 1849 ging Marx mit seiner Familie ins Exil nach London. Fast zehn Jahre lang zerbricht sich Marx, mit finanzieller Unterstützung seines besser betuchten Freundes, dem Fabrikantensohn Friedrich Engels, nun den Kopf darüber, wie der Kapitalismus als ökonomisches System funktioniert. Die industrielle Revolution hatte die Gesellschaft und Lebensverhältnisse total verändert: Die Fabrikbesitzer wurden reicher, die große Masse der Arbeiter aber blieb arm.

1867 war es dann vollbracht. Das Kapital, Karl Marx' Hauptwerk, war gedruckt: Das Kapital Band 1. ist ein Wälzer, ein akademisches Werk von 995 Seiten. Im Oktober 1867 verkündete Marx in einem Brief triumphierend: "Es ist sicher das furchtbarste Geschoss, das den Bürgern noch an den Kopf geschleudert worden ist." Die Resonanz hielt sich allerdings in Grenzen.

Das Privateigentum an Produktionsmitteln ist nach Marx dabei die Quelle allen Übels. Sie führt zur sogenannten Klassengesellschaft und schafft nur dem Besitzer einen Mehrwert, von dem der Arbeiter nichts hat. Nur ein gewaltsamer Umsturz kann nach Marx den Kreislauf beenden. Aber der Autor lässt nicht erkennen, wie es weiter gehen kann in Richtung Kommunismus, wenn der Kapitalismus einmal abgeschafft sein sollte. Über dieses rätselhafte "Danach" ist nichts Konkretes zu lesen, statt dessen vage Spekulationen und Andeutungen. Von der "Diktatur des Proletariats" als Übergangsphase ist die Rede und diese fatale Idee von der "Diktatur des Proletariats" hat zu den bekannten Diktaturen des kommunistischen Ostens geführt. Lenin war der Erste, der Ernst machte, mit der "Diktatur des Proletariats".

Marx übernahm von Hegel die Annahme einer Gesetzmäßigkeit der Geschichte. Diese führte er jedoch anders als Hegel nicht auf die Entfaltung eines „Weltgeistes“ zurück, sondern auf materielle, soziale Bedingungen und Auseinandersetzungen innerhalb der Gesellschaft. Hier wird Marx’ zweiter bedeutender philosophischer Einfluss sichtbar: der Materialismus. So versuchte Marx, die hegelsche Dialektik (laut Hegel „das treibende Moment des Vernünftigen innerhalb des Verstandesdenkens, durch das sich der Verstand schließlich selbst aufhebt“) durch eine Verbindung mit dem Materialismus in Form eines „dialektischen Materialismus“ um 180 Grad zu drehen.

Marx vertrat die Meinung, die Religion sei die „Mystifikation“ einer Welt, die selbst quasi-mystische Züge trage. Da Marx über die Kritik der Religionen nicht hinaus gelangte, hatte er auch keine wirkliche Vision des Kommunismus. Die Erfahrung von Einheit lässt sich nicht diktatorisch erzwingen, sondern kann nur die Folge eines inneren Prozesses der Berichtigung sein. Marx erkannte sowohl die Fehler des Kapitalismus, als auch der Religionen, er hatte aber keine Ahnung von der WAHRHEIT. Religion im Sinne eines Glaubens an religiöse Dogmen, ohne individuelle Erfahrung des Göttlichen und Religion, als Hoffnung auf eine Belohnung im Jenseits, lehnte Marx aber zurecht ab:

"Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks. Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusion über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist." (Karl Marx, Studienausgabe Philosophie Bd.1)

Friedrich Nietzsche (1844 - 1900)

Friedrich Wilhelm Nietzsche war ein deutscher klassischer Philologe und Philosoph. Nietzsche, der im Nebenwerk auch Dichtungen und musikalische Kompositionen schuf, sprengte mit seinem eigenwilligen Stil bis dahin gängige Muster und ließ sich kaum einer klassischen Disziplin zuordnen.

Ab seinem 45. Lebensjahr litt er unter zunehmenden psychischen Störungen, die ihn arbeits- und geschäftsunfähig machten. Seinen Anfang der 1890er Jahre einsetzenden Ruhm hat er nicht mehr bewusst erlebt. Den Rest seines Lebens verbrachte er als Pflegefall in der Obhut zunächst seiner Mutter, dann seiner Schwester, und starb 1900 im Alter von 55 Jahren.

Bekannt sind sein Ausspruch „Gott ist tot“ und seine Idee des „Übermenschen“, wie sie vor allem im Zarathustra dargestellt wird: „Todt sind alle Götter: nun wollen wir, dass der Übermensch lebe.“ Dies wäre an sich eine wunderbare Beschreibung des modernen Ego-Wahns, da sich aber Nietzsches Denken auf viele unterschiedliche Weisen interpretieren lässt, ist er auch nicht wirklich hilfreich.

Ludwig Josef Johann Wittgenstein (1889 - 1951)

Wittgenstein war einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Wittgenstein entstammt der österreichischen, früh assimilierten jüdischen Industriellenfamilie Wittgenstein. Wittgenstein wurde katholisch erzogen. Wittgensteins intellektuelle Erziehung begann mit häuslichem Privatunterricht in Wien. Ab 1903 bis 1906 besuchte er die K. k. Staats-Realschule in der Steingasse in Linz. Diese Schule hatte zwei Schüler, welche später in unterschiedlicher Weise Karriere machten. Der Zweite war Adolf Hitler, der 1900 im Alter von 11 Jahren in die erste Klasse eintrat. Wegen ungenügender Leistungen in Mathematik und Naturgeschichte wiederholte er im Schuljahr 1901/02 die erste Klasse. Als 1904 die Wiederholung der dritten Klasse drohte, wechselte Hitler an die Staats-Realschule in Steyr.

Im Jahre 1939 wurde Wittgenstein zum Philosophieprofessor in Cambridge berufen; er behielt die Professur bis 1947. Kurz nach seiner Berufung erwarb er die britische Staatsbürgerschaft. Dies war insbesondere dem Umstand geschuldet, dass nach dem Anschluss Österreichs an NS-Deutschland am 12. März 1938 Wittgenstein nun deutscher Staatsbürger war und im Sinne der Nürnberger Gesetze als Jude galt.

Wittgenstein starb 1951 an Krebs. Da Wittgenstein es ablehnte, ins Krankenhaus zu gehen, verlebte er die letzten Wochen im Hause seines Arztes, der ihn bei sich aufgenommen hatte. Als dessen Frau Wittgenstein am Tag vor seinem Tod mitteilte, seine englischen Freunde würden ihn am nächsten Tag besuchen, soll er gesagt haben: „Sagen Sie ihnen, dass ich ein wundervolles Leben gehabt habe.“

«Die Welt ist alles, was der Fall ist.» Mit diesen berühmten Worten beginnt die vor hundert Jahren erschienene «Logisch-philosophische Abhandlung» von Ludwig Wittgenstein. Mit «Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.» endet sie. Außerdem schreibt er: «Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig versteht, wenn er durch sie - auf ihnen - über sie hinausgestiegen ist. Er muss diese Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig.»

Bildlich gesprochen bedeutet dies: Wir müssen sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem wir auf ihr hinaufgestiegen sind. In den Worten des Kurses bedeutet es: Worte sind nur Symbole von Symbolen und so hilfreich sie am Beginn des Weges auch sein mögen, die WAHRHEIT erreichen wir nur, indem wir über sie hinausgehen. Wittgenstein litt daran, dass die Logik ihm keine Hilfe bieten konnte bei den Lebensfragen. Er hat diese Unmöglichkeit stets aufs Neue thematisiert.

Wittgenstein hat das Hauptproblem der modernen Philosophie auf den Punkt gebracht. Er entwarf ein völlig neues Verständnis von Sprache, die er als ein unüberschaubares Konglomerat einzelner „Sprachspiele“ begriff. Dabei behandle die Philosophie nur „Scheinprobleme“, d. h. sie heile lediglich ihre eigenen „Sprachverwirrungen“. Philosophieren sei also keine „erklärende“, sondern eine „therapeutische“ Tätigkeit:

„Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes
durch die Mittel unserer Sprache.“

(Ludwig Wittgenstein - Philosophische Untersuchungen)

Jean-Paul Sartre (1905 - 1980)

Der größte Philosoph der Neuzeit Jean-Paul Sartre betrat erst etwas später als Wittgenstein die Bühne der Welt. Er war ein französischer Romancier, Dramatiker, Philosoph, Religionskritiker und Publizist. Es dauerte fast dreihundert Jahre, bis er in der Aussage von Descartes etwas erkannte, was alle anderen übersehen hatten. Er ging Descartes Feststellung "ich denke, also bin ich" auf den Grund und kam zu der jähen Erkenntnis: "Das Bewusstsein, das ’ich bin’ sagt, ist nicht das Bewusstsein, das denkt. Wenn wir uns bewusst sind, dass wir denken, so ist dieses Bewusstsein nicht Teil des Denkens. Vielmehr handelt es sich um eine andere Dimension des Bewusstseins. Und es ist dieses Bewusstsein, das sagt: 'Ich bin'." Dabei handelt es sich um jenes “ICH BIN” von dem auch Jesus gesprochen hatte.

„Jesus erwiderte ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Noch ehe Abraham wurde, bin ich.“
(Bibel Einheitsübersetzung, Joh. 8,58)

In dem philosophischen Essay Die Transzendenz des Ego, welcher 1936/37 erschien, zeigt sich Sartre als selbständiger Philosoph. Hier bearbeitete Sartre Themen, die ihn von nun an wiederkehrend beschäftigten: Wie ist das Ego beschaffen? Das ICH und das Psychische als Objekte. Das transzendentale Bewusstsein. Sartres Einsicht ist von tiefgreifender Bedeutung, doch er selbst identifizierte sich noch zu sehr mit seinem Denken, um die volle Tragweite seiner Erkenntnis zu überblicken.

„Wenn Sie einsam sind, wenn Sie allein sind, befinden Sie sich in schlechter Gesellschaft.“

„Der sensible Mensch leidet nicht aus diesem oder jenem Grunde, sondern ganz allein,
weil nichts auf dieser Welt seine Sehnsucht stillen kann.“

(Jean-Paul Sartre)



Der Kurs im Spiegel der Religionen

Der liebende, allmächtige und allwissende Gott hat Menschen und ein Paradies erschaffen. Obwohl er die Menschen als seine Kinder bezeichnet und sie liebt, hat er sie mit Schwächen und Fehlern erschaffen - zur Sünde fähig. Er hat ihnen außerdem einen verbotenen Baum ins Paradies gesetzt, um sie in Versuchung zu führen. Obwohl er als Schöpfer für ihre Eigenschaften verantwortlich ist, und obwohl er in seiner Allwissenheit genau wusste, wie das Experiment mit den verbotenen Früchten ausgehen wird, hat er seine geliebten Menschen ins Verderben laufen lassen.

Nachdem die Menschen, den von Gott erschaffenen Kriterien entsprechend, gesündigt hatten, vertrieb Gott sie aus seinem Paradies. Die Frau hat er außerdem mit Mühsal und Schmerzen bei der Geburt bestraft. Als Strafe für den Mann hat er den Erdboden verflucht und dafür gesorgt, dass die Menschen von nun an unter Mühsal ihr Essen dem Boden abgewinnen müssen, bis sie zum Erdboden zurückkehren werden, um wieder zu dem Staub zu werden, aus dem sie entstanden sind.

Um den von ihm erschaffenen und von ihm geliebten Menschen ihre Sünden wieder vergeben zu können, hat der liebende Gott seinen eigenen geliebten Sohn auf die Erde geschickt, um ihn auf grausamste Art und Weise ermorden zu lassen. Nur durch dieses grausame Menschenopfer war es dem liebenden und gütigen Gott möglich, den von ihm erschaffenen Menschen, zu vergeben. Ohne grausames Opfer war es dem allmächtigen Gott nicht möglich, zu verzeihen, denn der liebende Gott ist nicht zu bedingungsloser Liebe fähig. Der allmächtige Gott verlangt von seinen Menschen, dass sie ihn lieben – weil er offensichtlich selbst bedürftig ist und somit auf die Liebe der Menschen angewiesen.

Diese völlig wahnsinnige Geschichte hat das Ego erfunden und es glaubt daran. Auch wenn nur noch wenige Menschen konkret an diese Geschichte glauben, so ist das Prinzip, auf das diese Geschichte verweist, die zentrale Idee des Ego-Denksystems. Es ist der Ausdruck seiner eigenen Idee vom Verhältnis zu seinen Mitmenschen - im Besonderen vom Verhältnis zwischen Eltern und Kindern.

In all unseren besonderen Beziehungen bringen wir Opfer und erwarten uns Opfer von unserem Gegenüber und erzeugen damit Schuldgefühle im Gegenüber. Wir fühlen uns außerdem selbst schuldig, wenn wir wieder einmal unser Gegenüber enttäuscht haben. Wenn wir enttäuscht werden, bestrafen wir unsere „geliebten“ Menschen. Es geht dabei immer um eine Form des Liebesentzugs.

Gegenüber Kindern halten wir auch ganz konkrete Strafmaßnahmen für erforderlich und gerechtfertigt. Wir verhalten uns wie der strenge Gott in der Geschichte aus dem alten Testament. Zuerst setzten wir ihnen einen verbotenen Baum ins Paradies, um sie damit in Versuchung zu führen. Dann verbieten wir ihnen davon zu naschen. Wir kaufen ihnen beispielsweise ein Handy, erlauben ihnen dann aber nicht damit zu spielen. Wenn sie dann, gegen die von uns aufgestellten Regeln, verstoßen, müssen sie eine Strafe über sich ergehen lassen, also ein Opfer bringen, damit wir sie wieder „lieben“ können - wir „kreuzigen“ sie - auch wenn wir das dann scheinbar harmlos Fernsehverbot oder Taschengeldentzug nennen. Liebe mit Bedingungen ist keine Liebe - wahre Liebe ist bedingungslos.

So ist die Vorstellung von Gott, eine Projektion unseres Ego-Denksystems. Diese Geschichte vom strafenden Gott spiegelt die zentralen Elemente des Ego-Wahns wieder - der Idee von Schuld, Strafe und Opfer - und dem Glauben daran, ein Körper zu sein, der ein Leben voller Mühsal lebt und dann zu Staub zerfällt. Darin besteht kein Unterschied zwischen Christentum und anderen Religionen. Im Buddhismus und Hinduismus versteckt sich die Idee von Schuld, Strafe und Opfer im Konzept von Karma.

Alle ungeheilten Heiler folgen auf die eine oder andere Weise dem Vergebungsplan des Ego. Handelt es sich um Theologen, so ist wahrscheinlich, dass sie sich selbst verurteilen, Verurteilung lehren und für eine angsterfüllte Lösung eintreten, indem sie die Verurteilung auf GOTT projizieren, lassen sie IHN als rachsüchtig erscheinen und fürchten SEINE Vergeltung.
(EKIW: Kapitel 9, V. 3. 3.-5.)

Die jüdische Religion ist die älteste der monotheistischen abrahamitischen Religionen. Sie entstand vor mehr als 3000 Jahren. Vor 2000 Jahren, zurzeit Jesus, war das Judentum eine äußerst moderne Religion. Die meisten Griechen der Antike verehrten zwölf olympische Hauptgottheiten und diverse andere Gottheiten. Die Götter der Griechen waren unsterblich, aber weit davon entfernt, allgütig oder gar allmächtig zu sein. Sie unterstanden dem Schicksal und verhielten sich wie Menschen und hatten menschliche Laster. Sie verkehrten mit Menschen und zeugten manchmal sogar Kinder mit ihnen. Bei den Römern der Antike war es nicht viel anders.

Es ist daher kein Zufall, dass Jesus als Jude geboren wurde und nicht als Grieche oder Römer. Doch wie bei allen Religionen, wenn Sie einmal zur Dogmatik erstarrt sind, ist auch im Judentum keine nennenswerte Entwicklung mehr erkennbar. In Jesus sehen die meisten Juden auch nicht den Messias, sondern einen falschen Propheten, da er nicht die endgültige Verwandlung der Welt gebracht habe, die die Juden nach biblischer Prophetie vom Messias erwarten. Sie warten immer noch.

Dabei wäre gerade die Idee vom Bund Gottes mit seinem auserwählten Volk und dem orthodoxen Verständnis von Gott als Schöpfer des Universums, der auch heute noch aktiv in der Welt handelt (Theismus), angesichts der letzten 100 Jahre jüdischer Geschichte, einmal gründlich zu hinterfragen.

Ezechiel oder Hesekiel heißt einer der großen Schriftpropheten und der ihm zugeschriebene Text bzw. das gleichnamige Buch ist Teil des jüdischen Tanach und christlichen Alten Testaments. In seinem Buch finden sich die sogenannten DROHSPRÜCHE GEGEN DIE FREMD­VÖLKER, gegen die unmittelbaren Nachbarn der Israeliten, die Ammon, Moab, Edom und die Philister.

"Ich lege meine Rache an Edom in die Hand meines Volkes Israel. Sie werden an Edom meinem Zorn und meinem Grimm entsprechend handeln. Dann werden sie meine Rache kennenlernen - Spruch GOTTES, des Herrn."
(Hesekiel 25,14 )

"So spricht GOTT, der Herr: Weil die Philister rachsüchtig gehandelt haben und voll Verachtung Rache nahmen, um aus uralter Feindschaft Vernichtung zu bringen, darum - so spricht GOTT, der Herr: Siehe, ich will jetzt meine Hand gegen die Philister ausstrecken, ich will die Kereter ausrotten und den Rest an der Küste des Meeres vernichten. Ich nehme an ihnen gewaltige Rache, mit grimmigen Strafen. Dann werden sie erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich mich an ihnen räche."
(Hesekiel 25, 15.-17.)

Wie soll jemals Frieden herrschen unter Menschen, denen dies, als die Botschaft Gottes gilt? Wir sehen tagtäglich welche Feindschaft zwischen Völkern herrscht, die einem religiösen Glauben anhängen, in dem sie sich für das von Gott auserwählte Volk halten. Einem Glauben - in dem sie das Volk mit dem einzigen wahren Glauben sind und alle anderen Ungläubige. Die Idee vom „auserwählten Volk“ spiegelt sich in der Welt in Form von Verschwörungstheorien wieder. Seit Menschengedenken wird so immer wieder, nach dem selben Muster, eine Unmenge an Leid verursacht und auf ewige Zeiten die Vergangenheit wiederholt.

Am Konflikt zwischen Juden und Muslimen können wir wunderbar erkennen wie das Ego funktioniert. Es ist immer das gleiche Spiel, Schuld wird nach außen projiziert und dadurch der andere zum Täter gemacht, während wir uns selbst als Opfer erleben. Jeder der sich als Opfer erlebt, ist gleichzeitig in der Wahrnehmung von jemand anderen der Täter, diese Rollen wechseln ständig und hängen lediglich vom Standpunkt des Betrachters ab.

Abdel-Hakim Ourghi ist Islamwissenschafter und vertritt einen liberal-aufgeklärten Islam. Voraussichtlich im Dezember 2021 erscheint sein neues Buch, «Die Juden im Koran. Eine historische Tragödie mit fatalen Folgen». In einem Artikel der NZZ.CH vom 12.06.2021 schreibt er unter anderem folgendes:

"Mit dreiundzwanzig Jahren kam ich 1992 als indoktrinierter Antisemit nach Deutschland. Nur ein Grundsatz galt für mich: Die Juden sind die Täter, und die Muslime sind die Opfer. Schuld an der Misere der Muslime in der ganzen Welt, so dachte ich, tragen die Juden. Und somit werden die Juden zum Inbegriff des Anderen, zum ewigen Feind, der die Muslime bedroht. Bei Beschimpfungen oder Beleidigungen gehörte das Wort «Jude» zum Alltag. Bei Streitereien zwischen Kindern bezeichneten die Eltern sie immer wieder als jüdische «Rachsüchtige». Man sagte auch: «Du bist wie die Juden. Du suchst nur Probleme.» Alles, was böse ist, wird mit Juden in Verbindung gebracht. Schon während meiner Jugend verinnerlichte ich die Gleichsetzung von geldgierigen Menschen mit «den Juden». Auch die Beschimpfung «geldgierige Juden» ist geläufig. Als ich siebzehn Jahre alt war, erzählte uns unsere Geschichtslehrerin auf dem Gymnasium, dass die Juden die Welt durch ihren Reichtum beherrschten und kontrollierten. Jeden Freitag beendete unser Imam, der mein Onkel mütterlicherseits ist, seine Predigt auf der Kanzel der Moschee mit dem Bittgebet: «Möge Allah die ungläubigen Feinde des Islam und der Muslime allesamt vernichten. Möge Allah die verfluchten Juden erniedrigen und zerstören! Möge Allah die Muslime im Kampf gegen die Juden unterstützen.» Heute scheint es mir, dass die islamische Kultur ohne Feindbilder nicht überlebensfähig ist. Sie müssen aufbewahrt und aufrechterhalten werden, um zu verhindern, dass sie sich mit den eigenen, hausgemachten Problemen auseinandersetzen muss. Israel und die Juden als Feind intensivieren nicht nur den Opferstatus der Muslime, sie machen auch die Verschwörungstheorien salonfähiger, die seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der muslimischen Sozialisation sind."

Wie können Völker die, in ihren das Leben bestimmenden Religionen, einander so ähnlich sind wie Judentum und Islam ständig im Krieg sein? Die Antwort ist einfach - Projektion - die jeweils andere Religion ist ein Spiegel der eigenen unerlösten Themen.

Gemeinsamkeiten von Judentum und Islam:

Im Talmud, einem der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums, steht geschrieben: „Wenn jemand kommt, dich zu töten, steh auf, und töte ihn zuerst.“ Das ist an sich die klassische Definition von Notwehr, wie sie auch in unseren Grundgesetzen verankert ist. Der entscheidende Unterschied besteht allerdings darin, dass es sich bei staatlichen Grundgesetzen um eine weltliche Ordnung handelt und beim Talmud um eine religiös motivierte Botschaft. Das ist ein Unterschied, der einen Unterschied macht.

Frauenfeindlichkeit ist in allen Religionen ein zentrales Thema, so auch im vom Hinduismus dominierten Indien. In Indien sind selbst im 21. Jahrhundert massenhaft selektive Abtreibungen, Mädchentötungen, Mitgiftmorde und Vergewaltigung an der Tagesordnung. Immer noch kommt es vor, dass Väter oder Brüder ihre Tochter oder Schwester töten, weil sie Sex vor der Ehe hatte.

Die Beschneidung von Frauen kommt bei Muslimen, Christen, bei Juden und bei Animisten vor. Sie wird aber weder von der Bibel noch vom Koran verlangt, auch wenn das von einigen religiösen Führern manchmal so begründet wird.

Das wahrlich Verrückte an den Religionen ist, dass sie sich nicht einmal innerhalb ihrer Religionsgemeinschaft einig sind. Die abrahamitischen Religionen stehen sich seit ihrer Gründung feindlich gegenüber, obwohl sie sich alle auf Abraham, den Stammvater der Israeliten, beziehen und alle monotheistisch sind. Doch damit nicht genug des Unfugs, sie sind sich selbst innerhalb ihrer Gemeinschaften in grundsätzlichen Glaubensfragen uneinig.

Im Christentum gibt es einerseits die große Spaltung in die östlichen und in die westlichen Traditionen. Innerhalb dieser Traditionen gibt es weitere Spaltungen. In der westlichen Tradition handelt es sich dabei um die römisch-katholische Tradition, die evangelische Tradition und die Tradition evangelischer Freikirchen. Weiters gibt es apostolische Gemeinschaften und neureligiöse Gemeinschaften. Die drei Hauptkonfessionen sind die Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche, zu den orthodoxen Kirchen oder den evangelischen Kirchen. Neben den Konfessionen gibt es auch konfessionsübergreifende theologische Richtungen, beispielsweise liberal, evangelikal oder charismatisch.

Die römisch-katholische Kirche, die größte Gruppe der Christen, ist ein besonders merkwürdiger Verein. Sie ist selbst im 21. Jahrhundert nicht in der Lage die Gleichheit von Mann und Frau anzuerkennen und hält sich gleichzeitig für unfehlbar. Das Zweite Vatikanische Konzil ergänzte das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit (1870) um die Aussage: „Die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen haben, kann im Glauben nicht irren.“ Eine Gemeinschaft in der, selbst im Kreis der geistlichen Führung, von Finanzskandalen bis zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger alles vorkommt, kann im Glauben nicht irren - kann das sein? Ungefähr Tausend Jahre lang, vom 9. bis ins 19. Jahrhundert, nutzten die Päpste zuerst eine gefälschte Urkunde - die sogenannte Konstantinische Schenkung - und dann unwahre Behauptungen, um ihre Vormacht in der Christenheit und territoriale Ansprüche zu begründen.

Im Islam, der zweitgrößten Weltreligion, ist es nicht viel anders. Es handelt sich auch dabei um eine in sich gespaltene Religion. Es gibt einerseits die beiden großen Gruppen der Sunniten und Schiiten und andererseits eine spezielle Gruppe von Sunniten die Wahhabiten. Die Wahhabiten leben fast ausschließlich in Saudi Arabien. Sie nehmen für sich in Anspruch, als einzige die islamische Lehre authentisch zu vertreten. Sie bezeichnen gerne ihre anderen muslimischen Brüder als Ungläubige und werden von diesen wiederum selbst als Ungläubige bezeichnet.

Der große Mystiker Dschalal ad-Din Muhammad Rumi griff sein eigenes islamisches Establishment mit dem Spruch an: „Erst wenn die Schule und die Moschee und das Minarett abgerissen sind, können die Derwische [Sufis] ihre Gemeinschaft gründen.

"Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks. Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusion über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist."
(Karl Marx, Studienausgabe Philosophie Bd.1)

Die Entstehung einer Religion, im klassischen Sinn, läuft immer nach den gleichen Prinzipien ab. Ein Einzelner oder eine kleine Gruppe haben eine tiefe mystische Erfahrung. Jene die diese Erfahrung hatten, berichten ihren Brüdern davon. Dann fällt der vom Ego beherrschte Verstand über diese mystische Erfahrung her und fängt an, sie zu interpretieren. An diesem Punkt beginnt die religiöse Doktrin. Da sich die Wahrheit einer mystischen Erfahrung aber nicht mit Doktrin einfangen und festhalten lässt, entfernt sich das religiöse Glaubenssystem immer mehr von der Wahrheit, auf die es ursprünglich durchaus verwiesen hatte. Der Glaube verliert sich immer mehr in starren, bedeutungslosen Ritualen und in der starren Einhaltung von, in Stein gemeißelten, Regeln. Eine zu Beginn noch lebendige Doktrin versteinert zur Dogmatik.

War Religion die letzten Tausende von Jahren in erster Linie ein kollektives Phänomen, in Form der großen Religionsgemeinschaften, so entwickelt sich Religion seit den 60er Jahren immer mehr zu einem individuellen Phänomen. Jeder strickt sich aus Versatzstücken der unterschiedlichsten Religionen und esoterischer Konzepte sein ganz persönliches religiöse Weltbild zusammen. Es hat sich aus der kollektiven religiösen Sichtweise ein, dem allgemeinen Trend zur Individualisierung folgender, Trend zum individuellen "spirituellen" Ego entwickelt.

Die Jünger der individuellen Spiritualität nennen sich “spirituell” und wollen als solche anerkannt werden, aber theologische Substanz gibt es kaum. Genau genommen besteht die sogenannte Lehre nur aus einem Mischmasch religiöser und anderer Vorstellungen, ein bisschen New Age und Spiritualität, etwas Besonderheit, etwas verquere “Toleranz”, antikapitalistisch sowieso und zurück zur Natur natürlich auch, das alles gewürzt mit einer Prise esoterischen Okkultismus, so sieht die Sache aus, aber einen richtigen Inhalt gibt es nicht. Die Substanzlosigkeit ist sozusagen die Substanz dieser Konzepte - um es mit McLuhan zu sagen: “Das Medium ist die Botschaft”. Wenn man sagt, etwas ist spirituell, dann ist es auch spirituell.

In der alltäglichen Praxis besteht interessanterweise kein Unterschied zwischen den großen Religionsgemeinschaften und dem individuellen ”spirituellen” Ego. In beiden Fällen wird Einheit gepredigt, aber Trennung gelebt. Es heißt, „wir sind alle Kinder Gottes“, oder in der modernen Variante, „alles ist eins“, aber gelebt wird Trennung, indem Schuld nach außen projiziert wird. Die Erinnerung an die Wahrheit wird entweder gar nicht praktiziert, oder in klar abgegrenzten Zeiteinheiten. Im Falle der Religionsgemeinschaften ist dies der sogenannte “Gottesdienst” einmal in der Woche, im Falle des ”spirituellen” Egos, ist dies die Yogastunde, der Wohlfühl-Satsang, oder das gemeinsame Mantren singen. Nach dieser kurzen Zeit der inneren Einkehr stürmt der “Gläubige” wieder hinaus in eine feindliche Welt und kämpft um sein Überleben.

Wenn sowohl der Irrtum des Kollektivs, als auch der des Individuums erkannt werden, folgt im ungünstigen Fall die totale Abkehr vom Thema Spiritualität und im günstigen Fall die Hinwendung zu wahrhaftiger Spiritualität und in Folge das Erwachen aus der Illusion des getrennten Individuums zur Einheit im Geiste Gottes.

Jedes Ego aber - egal ob religiös oder nicht - glaubt an Schuld, Strafe und Opfer. Atheismus, als Ablehnung des Glaubens an einen Gott, ist ohnedies verrückt, denn um etwas ablehnen zu können, müssen wir eine Vorstellung davon haben. Wir können also einzig und allein an unsere eigene Vorstellung von Gott nicht glauben. An GOTT selbst können wir weder glauben, noch nicht glauben. Wir können seine Wirkung erfahren oder eben nicht. Wenn wir seine Wirkung nicht erfahren ist lediglich eine agnostische Haltung "vernünftig". Aber in diesem Fall sind wir wiederum auf das Konzept einer Moral angewiesen, um nicht in völligem Chaos zu versinken. Aber woraus könnte sich eine Moral rechtfertigen, wenn nicht aus einem höheren Ziel, das nicht von dieser Welt ist? Es ist offensichtlich, dass das Ego nicht vernünftig ist:

Dir ist das ganze Ausmaß, in welchem die Idee der Trennung die Vernunft behindert hat, nicht klar. Vernunft liegt in dem anderen Selbst, das du von deinem Bewusstsein abgeschnitten hast. Und nichts, dem du erlaubt hast, in deinem Bewusstsein zu verweilen, ist der Vernunft fähig.
(EKIW: Kapitel 21, V. 4. 1.-3.)

Verrücktheit ist ein Angriff auf die Vernunft, der sie aus dem Geist vertreibt und ihren Platz einnimmt. Die Vernunft greift nicht an, sondern nimmt ruhig den Platz der Verrücktheit ein und ersetzt die Verrücktheit, wenn der Wahnsinnige die Wahl trifft, auf sie zu hören.
(EKIW: Kapitel 21, VI. 4. 1.-2.)

Trotz aller Verrücktheiten, die sich in den erstarrten Weltreligionen finden lassen, gibt es in all diesen religiösen Traditionen kleine Gruppen, die die Wahrheit noch kennen. Dazu gehören die christlichen Mystiker, Teile der christlichen und jüdischen Gnosis, Teile der Sufis im Islam und Advaita-Vedanta in der indischen Philosophie. Sie alle verweisen auf die WAHRHEIT in ihren - dem kulturellen Umfeld entsprechenden - Worten und Bildern.

Die Qualitäten der Weltreligionen

Die Weltreligionen wirken so unterschiedlich, dass sie sich zu widersprechen scheinen. Doch tatsächlich ergänzen sie sich mit ihren verschiedenen Schwerpunkten zum Ganzen. Dabei sind die grundlegenden Qualitäten alle gleichermaßen wichtig.

Speziell das Christentum beschäftigt sich mit Schuldgefühlen und Vergebung und erfasst damit die zentrale Grundproblematik des Menschen. Die kollektive Sichtweise der stellvertretenden Sühne entspricht dem vorherrschenden Bewusstseinsniveau. Diese Weltanschauung wird aber immer mehr durch die Individualität des Egos in Frage gestellt. Immer mehr taucht die individuelle Sichtweise von Schuld im Bewusstsein auf (z.B.: #MeToo). Zurzeit sind es noch sehr wenige Menschen, die sich der radikalen Auflösung der Idee Schuld durch Vergebung zuwenden, aber es werden immer mehr.

Am heutigen Übergang, in ein neues Bewusstsein, gilt es die Schuldgefühle aufzulösen und Liebe zu leben, um die Blockade zwischen Gott und der Welt zu beseitigen. Dadurch wird der Liebesfluss von Göttlich zu irdisch in die eigene irdische Persönlichkeit hinein zugelassen.

Die christliche Trinitätslehre beschreibt zudem die drei wichtigen Aspekte der Einheit. Mit dem „Vater“ ist die universelle Einbettung in das Ganze gemeint. Der "Sohn" ist jenes göttliche SEIN, mit dem der individuelle Bewusstseinsanteil eines transzendenten Menschen in Verbindung steht. Es ist dies der Zustand der Erleuchtung, wie er in Jesus seinen vollständigen Ausdruck fand. Der „heilige Geist“ entspricht der von Göttlich zu irdisch fließenden Liebesenergie. Dieser Liebesfluss ist im derzeitigen Normalzustand der Menschen durch die Idee der Schuld gestört.

Im Kurs wird die Trinität folgendermaßen beschrieben:

GOTT Vater ist zuerst in dem Sinn, dass ER der ERSTE in der HEILIGEN DREIEINIGKEIT SELBST ist. ER ist der URSCHÖPFER, weil ER SEINE Mitschöpfer erschaffen hat. Der SOHN GOTTES – die einzige Schöpfung GOTTES - ist Teil der HEILIGEN DREIEINIGKEIT, doch die DREIEINIGKEIT SELBST ist eins. Der HEILIGE GEIST ist der einzige Teil der HEILIGEN DREIEINIGKEIT, der symbolische Funktion hat. ER wird als der HEILER, TRÖSTER und FÜHRER bezeichnet. Der HEILIGE GEIST ist der Erkenntnis so nahe, dass ER sie hervorruft oder, besser, zulässt, dass sie eintritt. Der HEILIGE GEIST ist der CHRISTUSGEIST, der sich der Erkenntnis bewusst ist, die jenseits der Wahrnehmung liegt.

Das Christentum lehrt die Liebe des universellen Ursprungs. Diese kann insbesondere in der Weihnachtszeit, trotz aller Kommerzialisierung, kollektiv wahrgenommen werden.

Der Buddhismus vermittelt an sich die Liebesfülle, welche in meditativer Zentrierung gefunden wird. Der Buddhismus hat seine wertvolle Aufgabe, karmisches Verständnis und meditative Praktiken zu vermitteln, so gut erfüllt, dass es spirituelles Allgemeinwissen geworden ist. Insofern bleiben die buddhistischen Werte erhalten. Der buddhistische Umgang mit den Gefühlen und dem Ego hingegen ist nicht entwicklungsfördernd, sodass der Buddhismus seine Aufgabe bereits erfüllt hat. Der Film Samsara zeigt sehr deutlich das Dilemma des Buddhismus im Umgang mit den Gefühlen und der Welt.

Genau wie sich die Abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) bei ihrer Sinnsuche auf das Wort konzentrieren und die Buddhisten auf das Schweigen, so konzentrieren sich die Hindus auf das Verstehen. Verstehen ist der Prozess, in dessen Verlauf das Schweigen ins Wort findet und das Wort ins Schweigen wieder heimfindet.

Yoga, im Sinne hinduistischer Spiritualität, in all seinen verschiedenen Formen - Dienst, Einsicht, Frömmigkeit, Askese, usw. - ist die Handlung, bei der Wort und Schweigen durch verstehen miteinander verbunden werden. Im Hinduismus weiß man, dass dieses Verstehen nur durch Tun zustande kommt. In der Bhagavad-Gita kommt dies wunderbar zum Ausdruck, wenn Krishna dem Prinzen Arjuna den Rat gibt: Tu deine Pflicht, und im Tun wirst du verstehen.

Im Folgenden eine Zusammenfassung der zentralen Symbole unterschiedlicher spiritueller Traditionen, die alle auf ein und denselben Prozess verweisen:

IllusionErlösung(-sweg)Wirklichkeit, Ziel
BuddhismusSamsaraAchtfacher PfadErleuchtung (Bodhi), Nirwana
Sufismusniedere Seele (tyrannisches Ego)Sterben des Egoreine Seele
Advaita-Vedanta („Nicht-Dualität")MayaMokshaAtman (absolutes Selbst, ewige Essenz des Geistes)
mystische Deutung der AlchemieSchwärzung (Fäulnis)Transmutation (Verwandlung)Weißung: Vergeistigung, Erleuchtung
GnosisDemiurg (Schöpfer des Dualismus)Rückweg zu geistiger VollkommenheitPneuma
(Funke oder Samenkorn)
christliche Mystikdas vergänglich GeschaffeneHinwendung zu Gottunio mystica
(Einswerdung mit Gott)
EKIWEgo, IllusionSühne (Berichtigung)reiner Geist, SELBST

Der Kurs

Die ernsthaften Sucher in allen großen Weltreligionen haben erkannt, dass der Frieden Gottes im Treiben dieser Welt nicht zu finden ist und haben auf diese Erkenntnis mit Rückzug von der Welt reagiert. Im Christentum und im Buddhismus ist dies das Leben in den Klöstern und im Hinduismus das Leben im Ashram zu Füßen des Gurus. Jesus hat uns mit dem Kurs noch einmal auf einen ganz speziellen Weg hingewiesen. Er hat uns gezeigt wie wir die Welt, in der Gott nicht zu finden ist, als Mittel zur Erlösung nutzen können, indem wir ihr einen neuen Zweck geben. Das Mittel stellt die Heilige Beziehung dar, der Zweck ist das Erwachen aus der Illusion dieser Welt.

Der Kurs ist keine Religion - der Kurs ist ein Kurs - ein zu tiefst lebendiger noch dazu. Diese Lebendigkeit und dieser Gegensatz zur strengen Dogmatik einer Religion, kommen im Kurs ganz klar im Epilog des Übungsbuches zum Ausdruck:

„Dieser Kurs ist ein Beginn, kein Ende.“
(EKIW: ÜBUNGSBUCH, Epilog, 1. 1.)

Der Kurs ist eine Hilfestellung seinen eigenen INNEREN LEHRER zu finden und dann gilt es auch den Kurs wieder loszulassen und über ihn hinauszugehen. Wenn der direkte Kontakt mit GOTT wieder hergestellt ist, braucht es keinen Kurs mehr.

Die zentralen Inhalte vieler Strömungen innerhalb der Gnosis entsprechen im Wesentlich den Aussagen des Kurses, man braucht nur das Wort „Demiurg“ durch das Wort „Ego“ zu ersetzen.

Meister Eckhart (1260 - 1328) - ein einflussreicher thüringischer Theologe und Philosoph des Spätmittelalters, von der breiteren Öffentlichkeit als Mystiker wahrgenommen - hat vieles erkannt und zu Papier gebracht, was die Metaphysik des Kurses betrifft. Eckhart betont, dass das Geschaffene aufgrund seiner Vergänglichkeit kein „Sein“ im eigentlichen Sinne aufweist, im Sinne einer absoluten, überzeitlichen Existenz. So gesehen existiert es nicht wirklich. Verwendet man den Begriff „Sein“ im Sinne des absoluten Seins Gottes, so „sind“ die Dinge nicht; verwendet man ihn in dem Sinne, in dem er auf die Dinge angewendet wird, so „ist“ Gott nicht.

Adi Shankara (ca. 788 - 820 n. Chr.) - ein religiöser Lehrer und Philosoph des Hinduismus - systematisierte die Philosophie des Advaita Vedanta („Nicht-Dualität“). Eines seiner wichtigsten Werke heißt Viveka Chudamani („Kleinod der Unterscheidung“). Mit Unterscheidung meint Shankara die Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Nicht-Wirklichkeit. Die äußere Welt mit ihren Erscheinungen bewertet Shankara als Illusion. Durch Hingabe an die rechte Unterscheidung wird der Mensch die höchste Stufe der Vereinigung mit dem Brahman erreichen. „So mag er seine eigene Seele retten, die in den Fluten von Leben und Tod (Samsara) versunken ist“.

Das Konzept der Maya, in der indischen Philosophie, vereint alle Dualität in sich und umfasst das positive Wissen (vidya) ebenso wie die negative Unwissenheit (avidya) des Menschen. Der Kurs spricht in diesem Zusammenhang von „Rechtgesinntheit“ und „Falschgesinntheit“, zwischen welchen zu unterscheiden ist.

Die Bhagavad Gita (ca. 5. - 2. Jahrhundert v. Chr., „Der Gesang des Erhabenen“) ist eine der zentralen Schriften des Hinduismus. Sie hat die Form eines spirituellen Gedichts und enthält folgende Aussage:
Krishna: … Was unwirklich ist, kann niemals sein, was wirklich ist, kann niemals enden. Diese Wahrheit haben die Seher erkannt.
(Bhagavad Gita, Übersetzung Ralph Skuban, Seite 42)

Im Kurs klingt das folgendermaßen:
„Dieser Kurs kann daher ganz einfach so zusammengefasst werden:
                        Nichts Wirkliches kann bedroht werden.
                        Nichts Unwirkliches existiert.
Hierin liegt der Frieden G O T T E S .“
(EKIW: EINLEITUNG, 2.)

Folgende Metapher soll die Essenz all der vorhergehenden Aussagen veranschaulichen:
Gott ist wie eine liebende Mutter, die ihr schlafendes Kind sicher und geborgen im Arm hält, das gerade einen Alptraum hat. Die Mutter kennt den Inhalt des Alptraum ihres Kindes nicht, aber sie weiß, dass es nur ein Traum ist und in Wahrheit alles in Ordnung ist. Sie wünscht sich für ihr Kind nichts sehnlicher, als dass es aus dem Alptraum erwachen möge, um wieder in Freude zu erstrahlen.



Der Kurs im Spiegel des Lebensrades

Der Ausdruck Lebensrad (auch: Rad des Werdens) bezeichnet unter anderem ein Symbol der buddhistischen Meditation. Kurz vor seiner Erleuchtung (Bodhi) hat Buddha den ewigen Kreislauf des Lebens gesehen und den Weg der Befreiung erkannt. Die Ursprünge des Lebensrades als Symbol der buddhistischen Sicht weltlicher Existenz liegen in der Frühzeit des indischen Buddhismus. Mit seiner Hilfe können wir einen ersten Eindruck der buddhistischen Lehre erfahren. Wichtig ist bei der Beschäftigung mit Symbolen nicht den Verstand als letzte Konsequenz zu sehen, sondern als ein Werkzeug, mit dem wir unsere Bewusstheit aufschließen um (uns) zu verstehen.

Im Radkranz des Lebensrades findet sich eine zwölfteilige, bildliche Darstellung der Kette des Bedingten Entstehens, die den ewigen Kreislauf der Wiedergeburt zur Folge hat. Das Rad der Wiedergeburten wird vom Dämon Yama, dem Herrn über den Tod, umklammert, wodurch die Zeit mit ihrem verschlingenden und ewigen Aspekt symbolisiert werden soll. Bisweilen wird dieser Dämon auch als Mara angesehen und figuriert als „Versucher“, beispielsweise in den Darstellungen von Buddhas Leben. In dieser Rolle entspricht Mara dem christlichen Teufel. Yama entspricht in der Sprache des Kurses dem Ego, das die Welt des bedingten Entstehens projiziert und dessen Stimme uns in Versuchung führt.

Außerhalb des Rades, frei von der Wiedergeburt, sitzen vor einem Tempel oben rechts der Buddha Gautama und oben links der transzendente Bodhisattva Avalokiteshvara. Gautama Buddha ist mit der Almosenschale als Ordensgründer dargestellt, seine rechte Hand führt die Erdberührungsgeste aus als Zeichen dafür, dass er die Erde als Zeugin für die Wahrheit seiner Lehre anruft. Im Christentum sind der Religionsgründer und der transzendente Sohn Gottes in Jesus Christus vereint. Im Kurs spielt Religion keine Rolle mehr und CHRISTUS steht für den SOHN GOTTES. Auf unserem Weg zur WAHRHEIT dient uns die Welt als Mittel, das die Trennung heilt.

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Das Rad des Werdens besteht aus vier konzentrischen Kreisen:

Erster Kreis (Radnabe)

Hahn, Schlange und Schwein jagen sich im Zentrum des Rades. Sie symbolisieren die Drei Wurzelgifte:
Diese drei Wurzelgifte binden nach der Weltanalyse des Buddha die Wesen an den Wiedergeburtenkreislauf (Samsara). Gier, Haß und Verblendung halten das Rad in Bewegung. Allein durch die Überwindung und Vernichtung dieser Kräfte ist es möglich, dem Samsara zu entrinnen und die Erlösung (Nirwana) zu erreichen.

Aus der Sicht des Kurses handelt es sich um Identifikation, Schuldprojektion und Unvernunft.

Im Enneagramm entspricht dies den drei Grundfixierungen, entsprechend den elementaren Mangelerfahrungen hinsichtlich eines der drei psychischen Bedürfnisse nach Selbstbestimmung (Autonomie), Anerkennung (Liebe) und Sicherheit. Dies führt zu Zorn („Bauch“ = Schlange), Hysterie und Bedürftigkeit („Herz“ = Hahn) sowie Angst und Zweifel („Kopf“ = Schwein).

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Zweiter Kreis

Im angrenzenden Ring wird in der rechten, dunklen Hälfte der karmische Abstieg, in der linken, hellen der karmische Aufstieg angedeutet. Üble Taten begehen oder dem Dharma folgen und Gutes tun, zwischen diesen beiden Möglichkeiten hat jeder zu wählen. Im Kurs heißt es dazu: „In dieser Welt ist die einzig verbleibende Freiheit die Freiheit der Wahl - immer zwischen zwei Wahlmöglichkeiten oder zwei Stimmen. Das Bewusstsein ist der Empfangsmechanismus, der Botschaften von oben oder unten empfängt - vom HEILIGEN GEIST oder vom Ego.“

In obigem Bild vom zweiten Kreis findet sich auch ein wunderbares Symbol für die besondere Beziehung - ein nackter Mann und eine nackte Frau sind mit einem Ring aus Eisen aneinander gefesselt.

Doch sind die Wesen im Dunklen Halbkreis nicht verloren. Sie haben immer die Möglichkeit die Buddhanatur zu entdecken. Und auch in ihrer Nähe ist Buddha, nur sie erkennen ihn noch nicht. Wenn wir an dieser Stelle Nahtoderfahrungen betrachten fallen einige Parallelen auf. Häufig wird eine anwesende Person bei Verstorbenen beschrieben. Zum Teil sind diese aber so in ihrer alten und für sie vergangene Welt verhaftet, dass sie immer noch dem alten Tagesablauf hinterher rennen. Doch die Lichtperson, für einen Buddhisten Buddha, für einen Kursschüler Jesus, ist immer da und versucht mit ihrer Liebe den nun im Jenseits lebenden zu begrüßen und heraus- oder hereinzuholen.

Dritter Kreis

Im breiteren, anschließenden Ring sind die nach buddhistischem Verständnis sechs Bereiche, Welten oder Existenzformen dargestellt, in denen die Wesen je nach der Qualität ihrer Taten (Karma) und Tatabsichten (samskara) wiedergeboren werden. Nämlich der Bereich der Götter, der eifersüchtigen Götter, der Menschen, der Tiere, der hungrigen Geister (Pretas), und der Höllenwesen. Jeder wird in der Existenzform wiedergeboren, die er durch die selbst gelegten karmischen Ursachen verdient hat. In jedem der Sechs Bereiche ist Buddha bemüht, den Wesen Erleichterung ihres Loses und die Kenntnis seiner Lehre zu bringen.

Über jeden dieser Bereiche ließe sich noch viel sagen, aber hier sei nur kurz auf drei Bereiche verwiesen:

Der Bereich der Menschen

Obwohl großen Leiden unterworfen (Geburt, Altern, Krankheit, Tod, Trauer, Trennung) ist die Menschenwelt der günstigste Bereich, da es den Menschen am ehesten möglich ist, die Lehre des Buddha zu hören und gemäß der Lehre zu leben. Die Chance, aus dieser Existenzform die Erlösung vom Leiden und der Wiedergeburt zu erreichen, ist höher als in jedem anderen Bereich. Das Dasein als Mensch ist deshalb allen anderen Existenzformen vorzuziehen.

Unter „Menschen“ in diesem Sinne könnten wir uns verstehen, wenn wir uns unseres Leidens bewusst sind und uns nach Erlösung sehnen. Osho hat es einmal folgendermaßen ausgedrückt: „Der Schmerz ist dazu da, dich wacher zu machen. Die Menschen wachen nur auf, wenn der Pfeil tief ins Herz geht und sie verwundet. Ansonsten wacht man nicht auf. Wenn das Leben einfach, bequem und problemlos ist, wer macht sich dann die Mühe? Wer will schon wach werden?“

Der Bereich der eifersüchtigen Götter

Wir kennen dieses Bild auch aus der griechischen und römischen Mythologie der Antike. Die eifersüchtigen Götter hadern beständig mit den Göttern und versuchen ihren Platz einzunehmen, was ihnen aber nicht gelingt. Es herrscht ein ständiger Kampf. Sie haben keine Zeit, die buddhistischen Lehren zu praktizieren. Ihre charakteristische Emotion ist Eifersucht.

Paranoia ist eines der wirksamsten Radarsysteme die das Ich haben kann. Es nimmt die unscheinbarsten und winzigsten Objekte wahr und verdächtigt ein jedes. Jede Erfahrung wird als etwas bedrohliches angesehen. Dies ist auch die Ebene des Neides und der Eifersucht, aber es ist fundamentaler. Intrigen und Verschwörungstheorien spielen hier eine zentrale Rolle. Sie sind Hauptbeschäftigung und Unterhaltung zugleich.

Diese eifersüchtigen Götter sind ein wunderbares Symbol für das ”spirituelle” Ego. Das falsche Selbst versucht sich selbst zum Gott zu machen und verteidigt eifersüchtig seine Besonderheit.

Der Bereich der Götter (Devas)

Die Daseinsform als ein Gott ist nicht Erlösung; auch die Devas sind von Leiden und Tod nicht frei und unterliegen noch den Zwängen des Samsara. Weil das Dasein als Gott aber relativ glücklich ist, ist es umso schwieriger, die Notwendigkeit der Erlösung einzusehen; sie sind durch ihren temporären Glückszustand borniert und daher nicht empfänglich für die Belehrung des Buddha. Ihre charakteristische Emotion ist Stolz. Dies ist der Bereich in dem sich zurzeit die meisten „erwachten“ Lehrer der esoterischen Spiri-Szene befinden.

Vierter Kreis

Im Außenring des Lebensrades sind die verschiedenen Daseinsfaktoren dargestellt, die das Leben jedes Menschen bestimmen. Sie werden als zwölf Glieder (nidana) einer Kette beschrieben, die den Menschen immer wieder hineinzieht in den Kreislauf von Geburt und Tod. Jedes der zwölf Glieder ist nicht alleinige Ursache, sondern eine von mehreren Bedingungen dafür, dass das nächste Glied entsteht.

Dinge sind keine undurchlässigen, für sich existierende Einheiten, sondern Prozesse, die sich mit anderen Prozessen verweben. Aus diesen wird dann die Wirklichkeit gebildet. Wir können sogar sagen, jedes einzelne Geschehen sei das Werk des gesamten Kosmos. Der Buddhismus nennt dieses Geschehen: Bedingtes Entstehen. Jedes Lebewesen entsteht aus einem Geflecht von Bedingungen. Jedes einzelne Ereignis tritt demnach in Abhängigkeit eines weiten Netzwerkes von Bedingungen auf, das letztlich das gesamte Universum umspannt. Dies wird mit dem Begriff »Konditionalität« umschrieben. In der Sprache des Kurses bedeutet dies, dass das gesamte Universum, das sichtbare und unsichtbare, eine einzige Projektion des Egos - des Gedankens der Trennung - ist. Individualität und ein freier persönlicher Wille auf der Ebene der Welt sind eine Illusion.

Aber in der Art und Weise, wie unser Geist denkt und fühlt, wie er auf die Leere, die ihn umgibt reagiert, ergibt sich ein neues Leben. In der Sprache des Kurses bedeutet dies: Freiheit oder einen freien Willen gibt es in diesem Traumleben für uns nur insofern, als wir bei allem zwischen der Interpretation des HEILIGEN GEISTES und der des Egos wählen können. Inwieweit wird das tun und wahre Heilung erleben, entscheidet über die Qualität unserer Erfahrung in diesem Leben, im Zwischenleben ebenso, wie darüber, welches Leben wir danach erfahren. Darum ist es so wichtig, dass wir Vergebung nicht aufschieben. Unsere Zukunft wird genau JETZT von uns bestimmt und sie hängt von unserer einzigen Wahlmöglichkeit ab: Ob wir für das, was wir sehen, die Interpretation des HEILIGEN GEISTES wählen oder die des Egos!

Die Beschreibung der zwölf Stationen beginnt oben in der Mitte und geht im Uhrzeigersinn weiter.
  1. Eine blinde Greisin mit Topf und Stock, die aus der Sicherheit des Hauses dem Abgrund zutappt, symbolisiert die Unwissenheit, die daran schuld ist, dass die meisten Menschen dem Wiedergeburtenkreislauf verhaftet bleiben. Als Folge der Unwissenheit entwickeln sie Tatabsichten (samskara) und schaffen Karma, das sich als zukünftige Wiedergeburt auswirkt.

  2. Im Sinne des Kurses ist „Karma“ als ein Irrtum in unserem Geist im JETZT zu verstehen. Es gibt keine Vergangenheit, wenn wir einen Irrtum nicht JETZT begehen würden, gebe es ihn überhaupt nicht. Wenn wir nicht JETZT glauben würden ein Körper zu sein, würden wir augenblicklich aus dem Alptraum der Trennung erwachen. Die Irrtümer, darüber was wir sind, gilt es dem HEILIGEN GEIST zur Berichtigung zu übergeben. Dies entspricht in der buddhistischen Symbolik der Auflösung von Karma.

  3. Die Tatabsichten werden durch einen Töpfer dargestellt, der Schalen und Krüge für den zukünftigen Gebrauch herstellt.

  4. Von den Tatabsichten programmiert, ergreift das Bewusstsein nach dem Tode eine neue Existenzform, wie ein Affe, der sich von einem Ast zum anderen schwingt.

  5. Die neue Existenzform beginnt mit der Entstehung von Name und Körper, worunter die geistigen und physischen Komponenten der Person zu verstehen sind. Diese sind wie zwei Männer in einem Boot aufeinander angewiesen und müssen solange zusammen bleiben, bis der Strom überquert ist.

  6. Die Sechs Sinne des Menschen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten und Denken) sind vergleichbar mit einem Haus mit sechs Fenstern. Hier finden wir wieder einmal das Haus als Symbol für das Ich, wie es auch Jesus vor 2000 Jahren verwendet hat. Jesus kannte die buddhistische Lehre und auch den Hinduismus und hat auch darauf aufgebaut. Er kannte diese Lehren aus früheren Leben und war sich in seinem letzten Leben als Jesus von Nazareth dieses Wissens bewusst.

  7. Durch die Fenster des Hauses schaut der Mensch in die Welt, so dass Berührung mit den wahrgenommenen Objekten zustande kommt, symbolisiert durch ein Liebespaar.

  8. Aus der Berührung erwächst Empfindung, oft schmerzhafte wie der Pfeil im Auge, noch öfter verlockende.

  9. So entsteht Begierde oder Durst (Tanha), dargestellt durch die Kanne, die mit Gerstenbier gefüllt ist. Die Begierde veranlasst die Wesen, nach dem Tode wiederum eine neue Existenzform zu ergreifen.

  10. Aus der Begierde, die nur kurzfristig befriedigt wird, erwächst eine noch stärkere Form der Gier. Der Mensch ist nun Sklave seiner Leidenschaften. Diese Daseinsform symbolisiert der Mensch (manchmal auch ein Affe), der einen Ast gepackt hat, um Früchte zu pflücken.

  11. Das Werden des neuen Wiedergeburtswesens versinnbildlicht das Paar bei der Zeugung bzw. die schwangere Frau.

  12. Die Geburt in eine neue Daseinsform ist die nächste Station und wird durch eine Gebärende veranschaulicht.

  13. Alter und Tod schließen das Werdensrad. Eingeschnürt in ein Tuch, wird die Leiche von einem Träger auf dem Rücken zur Leichenstätte getragen, um dort zerstückelt und von Geiern und Schakalen gefressen zu werden.





Der Kurs im Spiegel der Huna-Prinzipien

Die Hawaianische Huna-Philosophie (nach Serge King) kennt sieben Grundprinzipien, die das Leben und Handeln eines Menschen beschreiben.

1. Ike - Die Welt ist so, wie du sie siehst

EKIW: Kapitel 21, Einleitung 1.:
"Wahrnehmung wird durch Projektion erzeugt. Die Welt, die du siehst, ist das, was du ihr gegeben hast, nicht mehr als das. Doch wenn sie auch nicht mehr als das ist, ist sie auch nicht weniger. Deswegen ist sie für dich wichtig. Sie ist das Zeugnis für den Zustand deines GEISTES, das äußerliche Bild eines inneren Zustands. Wie ein Mensch denkt, so nimmt er wahr. Suche deshalb nicht, die Welt zu ändern, sondern entscheide dich, dein Denken über die Welt zu ändern. Die Wahrnehmung ist eine Folge und nicht eine Ursache. Das ist der Grund, weswegen eine Rangordnung der Schwierigkeit bei Wundern bedeutungslos ist. Alles, was mit der Schau betrachtet wird, ist geheilt und heilig. Nichts, was ohne sie wahrgenommen wird, bedeutet irgend etwas. Und wo keine Bedeutung ist, da ist Chaos."

2. Kala - Es gibt keine Grenzen

EKIW: Kapitel 8, II. 7.:
"Als ich sagte: »Alle Kraft und Herrlichkeit sind dein, weil das REICH SEIN ist«, wollte ich damit sagen: Der WILLE GOTTES ist grenzenlos, und alle Kraft und Herrlichkeit liegen in IHM. Seine Kraft, seine Liebe und sein Frieden sind unbegrenzt. Er hat keine Grenzen, weil seine Ausdehnung grenzenlos ist, und er umfasst alle Dinge, weil er alle Dinge schuf. Indem er alle Dinge schuf, hat er sie zu einem Teil von sich gemacht. Du bist der WILLE GOTTES, weil du auf diese Weise erschaffen wurdest. Und weil dein SCHÖPFER nur nach SEINEM EBENBILD erschafft, bist du wie ER. Du bist Teil von IHM, DER alle Kraft ist und alle Herrlichkeit, und bist deshalb genauso unbegrenzt wie ER.

3. Makia - Energie folgt der Aufmerksamkeit

EKIW: Kapitel 7, III. 4.:
"Im HIMMELREICH sein heißt lediglich, deine ganze Aufmerksamkeit darauf zu richten. Solange du glaubst, du könntest auf das achten, was nicht wahr ist, nimmst du den Konflikt als deine Wahl an. Ist er denn wirklich eine Wahl? Es sieht so aus, doch Schein und Wirklichkeit sind wohl kaum dasselbe. Dich kümmert der Schein nicht, der du das HIMMELREICH bist. Die Wirklichkeit ist dein, weil du die Wirklichkeit bist. So werden Haben und Sein schließlich versöhnt, nicht im HIMMELREICH, sondern in deinem Geist. Der Altar, der sich dort befindet, ist die einzige Wirklichkeit. Der Altar ist vollkommen klar im Denken, weil er eine Spiegelung des vollkommenen DENKENS ist. Dein rechtgesinnter Geist sieht nur Brüder, weil er nur in seinem eigenen Licht sieht."

4. Manawa - Jetzt ist der Augenblick der Macht

EKIW: Kapitel 13, IV. 7.:
"Es ist offensichtlich, dass die Wahrnehmung, die der HEILIGE GEIST von der Zeit hat, genau das Gegenteil der Wahrnehmung des Ego ist. Der Grund dafür ist ebenso klar, denn sie nehmen den Zweck der Zeit diametral entgegengesetzt wahr. Der HEILIGE GEIST deutet den Zweck der Zeit so, dass sie den Bedarf an Zeit unnötig macht. ER betrachtet die Funktion der Zeit als eine vorübergehende, die nur SEINER Lehrfunktion dient, und diese ist definitionsgemäß vorübergehend. SEINE Betonung liegt daher auf dem einzigen Aspekt der Zeit, der sich zur Unendlichkeit ausdehnen kann, denn jetzt ist die dichteste Annäherung an die Ewigkeit, die diese Welt zu bieten hat. In der Wirklichkeit des »Jetzt« - ohne Vergangenheit oder Zukunft - beginnt die Würdigung der Ewigkeit. Denn nur »jetzt« ist hier, und nur »jetzt« bietet die Gelegenheit für die heiligen Begegnungen, in denen die Erlösung gefunden werden kann."

5. Aloha - Lieben heißt, glücklich sein mit

LEKTION 103:
"GOTT, DER die LIEBE ist, ist auch das Glück.
1. Glück ist eine Eigenschaft der Liebe. Es kann nicht losgelöst von ihr sein. Auch kann es nicht erfahren werden, wo keine Liebe ist. Die Liebe hat keine Grenzen, da sie überall ist. Und deshalb ist auch Freude überall. Und dennoch kann der Geist verleugnen, dass dies so ist, und glauben, dass es Lücken in der Liebe gibt, in die Sünde eindringen kann, um Schmerz statt Freude zu bringen. Dieser sonderbare Glaube setzt dem Glück Grenzen, indem er Liebe als begrenzt neu definiert und einen Gegensatz in das einführt, was keine Grenzen hat und kein Gegenteil.
"

6. Mana - Alle Macht kommt von Innen

EKIW: Kapitel 11, V. 3.:
"Wir wollen diese Lektion in der »Dynamik des Ego« damit beginnen, dass wir verstehen, dass der Begriff an sich nichts bedeutet. Er enthält genau den inneren Widerspruch, der ihn bedeutungslos macht. »Dynamik« impliziert die Macht, etwas zu tun, und der ganze Trugschluss der Trennung beruht auf dem Glauben, dass das Ego die Macht hat, etwas zu tun. Das Ego flößt dir Angst ein, weil du das glaubst. Die Wahrheit aber ist ganz einfach:

                        Alle Macht ist von GOTT.
                        Was nicht von IHM ist, hat keine Macht, irgend etwas zu tun.
"

7. Pono - Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit

EKIW: II. ÜBUNGSBUCH: Einleitung, 9.:
"Denke nur an dies: Du brauchst die Gedanken nicht zu glauben, du brauchst sie nicht anzunehmen, du brauchst sie nicht einmal willkommen zu heißen. Einigen darunter wirst du dich vielleicht aktiv widersetzen. Nichts von alledem spielt eine Rolle, noch wird es ihre Wirksamkeit vermindern. Erlaube dir aber nicht, bei der Anwendung der Gedanken, die das Übungsbuch enthält, Ausnahmen zu machen, und wende sie an, was auch immer deine Reaktionen auf diese Gedanken sein mögen. Nicht mehr als das ist erforderlich."



Die Bibel

Alle Bibel-Zitate stammen, wenn nicht anders angegeben, aus der Einheitsübersetzung 2016.

Altes Testament

Als Altes Testament bezeichnet die christliche Theologie seit etwa 180 n. Chr. die Heiligen Schriften des Judentums, die dort seit etwa 100 v. Chr. als Tanach bezeichnet werden, sowie einige weitere aus der seit 250 v. Chr. entstandenen Septuaginta.

Die Septuaginta, auch griechisches Altes Testament genannt, ist die älteste durchgehende Übersetzung der hebräisch-aramäischen Bibel in die altgriechische Alltagssprache. Die Übersetzung entstand ab etwa 250 v. Chr. im hellenistischen Judentum, vorwiegend in Alexandria.

Der Tanach entstand als Sammlung verschiedener religiöser und profaner jüdischer Schriften in einem komplexen Prozess von ca. 1200 Jahren innerhalb der Geschichte Israels. Seine ältesten Bestandteile sind mündlich überlieferte Sagen und sinnstiftende Erzählungen einzelner Sippen und Stämme. Diese wuchsen allmählich zusammen, wurden später aufgezeichnet, in eine theologisch konzipierte Heilsgeschichte integriert und erhielten so gesamtisraelitische Bedeutung.

Der Konsonantentext des Tanach wurde um 135 festgelegt. Nach Festlegung des Konsonantentextes begann die 1000-jährige philologische Arbeit jüdischer Schriftgelehrter in Palästina, die mit dem Sammeln, Kopieren und Redigieren von biblischen Handschriften befasst waren. Zu ihren Aufgaben gehörten die Punktierung des festgelegten Konsonantentextes durch Vokalzeichen, Akzente, Satzzeichen und Verseinteilungen. Ferner mussten nach ihren strengen Vorschriften ältere, von der als gültig vereinbarten Textversion abweichende Abschriften vernichtet werden. Bis etwa zum Jahr 1000 vereinheitlichten sie den Text des Tanach.

Im Christentum wurden alle Bücher des Tanach zusammen mit einigen weiteren der Septuaginta seit etwa 190 als Altes Testament dem Neuen Testament gegenübergestellt und um 400 endgültig kanonisiert. Der Tanach blieb somit vollgültiger Teil des Bibelkanons und damit normatives Wort Gottes. Damit lehnten die Kirchenväter die Trennung des Schöpfergottes der Bibel von Jesus Christus, dem Erlöser, als Häresie ab.

Im Christentum werden die fünf Bücher Mose hauptsächlich als geschichtliche Zeugnisse des Volkes Israel gelesen und weniger als aktuelle Lehre oder Unterweisung, abgesehen von den Zehn Geboten, frühen Verheißungen an die Erzväter und messianischen Weissagungen der Propheten Israels. Die Kirchenväter setzten die Aufnahme des Alten Testaments in den christlichen Bibelkanon durch, deuteten aber viele prophetische Verheißungen, Psalmgebete und Schöpfungserzählungen allegorisch oder typologisch als Hinweise auf das Kommen Jesu Christi.

Die meisten Geschichten im Alten Testament sind Geschichten von einem rachsüchtigen und strafenden Gott und haben mit der WAHRHEIT wenig zu tun. Doch die Aussage von der Nächstenliebe, auf die sich auch Jesus bezieht, findet sich schon im Alten Testament.

"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!"
(3. Mose 19,18)

Diese Aussage ist somit Teil der Tora, dem ersten Teil des Tanach, die zur Grundlage für die religionsgesetzliche Auslegung des rabbinischen Judentums wurde.

Das Kreuz mit dem Alten Testament ist seine fast beliebige Auslegbarkeit in Folge seines Alters. Dies zeigt sich einerseits in den unterschiedlichen Übersetzungen und andererseits in einer Ausdrucksweise die sehr unterschiedlich interpretiert werden kann. Schauen wir uns drei sehr berühmte Zeilen aus den Sprüchen Salomos an - die Sprüche 3,11-13.

Einheitsübersetzung 2016:

"11 Mein Sohn, verachte nicht die Erziehung des HERRN und werde seiner Zurechtweisung nicht überdrüssig. 12 Denn wen der HERR liebt, den züchtigt er, wie ein Vater seinen Sohn, den er gern hat. 13 Selig der Mensch, der Weisheit gefunden, der Mensch, der Einsicht gewonnen hat."

Lutherbibel 2017:

"11 Mein Sohn, verwirf die Zucht des HERRN nicht und sei nicht unwillig, wenn er dich zurechtweist; 12 denn wen der HERR liebt, den weist er zurecht, und hat doch Wohlgefallen an ihm wie ein Vater am Sohn. 13 Wohl dem Menschen, der Weisheit erlangt, und dem Menschen, der Einsicht gewinnt!"

Neues Leben. Die Bibel 2006:

"11 Mein Sohn, lehne dich nicht dagegen auf, wenn der Herr dich zurechtweist, und lass dich dadurch nicht entmutigen. 12 Denn der Herr weist die zurecht, die er liebt, so wie ein Vater seinen Sohn zurechtweist, an dem er Freude hat. 13 Glücklich ist der Mensch, der Weisheit findet und Einsicht gewinnt!"

Die Sprüche waren an Menschen gerichtet die noch sehr im kollektiven Ego verhaftet waren, sollten ihnen aber trotzdem eine Hilfe auf ihrem Weg sein. Nun bedeutet „züchtigen“ aber etwas anderes als „zurechtweisen“. Wenn wir die „Zurechtweisung“ mit „Berichtigung durch den HEILIGEN GEIST“ übersetzen und die Folgen eines Verstoßes nicht als Strafe Gottes deuten, sondern als Konsequenz des egoischen Denksystems, dann verweisen die Sprüche durchaus in Richtung der WAHRHEIT.

Das Problem mit dem Alten Testament ist das gleiche wie mit dem Koran. Es lässt sich damit einfach jeder Unfug rechtfertigen. Im 3. Buch Mose findet sich beispielsweise der „göttliche“ Auftrag Behinderte auszugrenzen: „Der HERR sprach zu Mose: Sag zu Aaron: Keiner deiner Nachkommen, auch in den kommenden Generationen, der ein Gebrechen hat, darf herantreten, um die Speise seines Gottes darzubringen. Denn keiner mit einem Gebrechen darf herantreten: kein Blinder oder Lahmer, kein im Gesicht oder am Körper Entstellter, kein Mann, der einen gebrochenen Fuß oder eine gebrochene Hand hat, keiner mit Buckel, kein Kleinwüchsiger, keiner mit Augenstar, Ausschlag, Flechte oder Hodenquetschung. Keiner der Nachkommen Aarons, des Priesters, der ein Gebrechen hat, darf herantreten, um die Feueropfer des HERRN darzubringen. Er hat ein Gebrechen, er darf nicht herantreten, um die Speise seines Gottes darzubringen. Doch darf er von der Speise seines Gottes, von den hochheiligen und heiligen Dingen, essen. Aber er darf nicht zum Vorhang kommen und sich nicht dem Altar nähern; denn er hat ein Gebrechen und darf meine heiligen Gegenstände nicht entweihen; denn ich bin der HERR, der sie geheiligt hat. Das sagte Mose zu Aaron, zu dessen Söhnen und zu allen Israeliten.“ (3.Mose 21,16-24)

Das Buch Kohelet

Betrachten wir das Buch Kohelet, ein Buch des Tanach, etwas genauer. Im christlichen Alten Testament wird es zu den Büchern der Weisheit gezählt. In der Lutherbibel trägt das Buch den Titel Der Prediger Salomo.

Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet,
Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch.

(Koh 1, 2.)

Es ist alles sinnlos und bedeutungslos", sagt der Lehrer,
"unnütz und bedeutungslos - ja, es ist alles völlig sinnlos.

(Neues Leben Die Bibel: Der Prediger Salomo 1, 2.)

Ich beobachtete alle Taten, die unter der Sonne getan wurden.
Das Ergebnis: Das ist alles Windhauch und Luftgespinst.

(Koh 1, 14.)

So habe ich mir vorgenommen zu erkennen, was Wissen wirklich ist,
und zu erkennen, was Verblendung und Unwissen wirklich sind.
Ich erkannte, dass auch dies ein Luftgespinst ist.

(Koh 1, 17.)

Ich dachte mir: Auf, versuch es mit der Freude, genieß das Glück!
Das Ergebnis: Auch das ist Windhauch.

(Koh 2, 1.)

Doch dann dachte ich nach über alle meine Taten, die, die meine Hände vollbracht hatten,
und über den Besitz, für den ich mich bei diesem Tun angestrengt hatte. Das Ergebnis:
Das ist alles Windhauch und Luftgespinst. Es gibt keinen Vorteil unter der Sonne.

(Koh 2, 11.)

Kohelet erkennt sehr gut die Bedeutungslosigkeit der Welt. Im Übungsbuch des Kurses geht es in den ersten 26 Lektionen um nichts anderes:

Meine bedeutungslosen Gedanken zeigen mir eine bedeutungslose Welt.
(EKIW: Lektion 11)

Weiter ist der Lehrer Kohelet allerdings nicht gekommen, die Transzendenz der Welt hat sich ihm nicht erschlossen. Er war auf der Ebene des Egos gefangen und obwohl Kohelet zu Beginn Freude, Genuss und das eigene Tun als Windhauch erkannt hat, macht er zum Schluss eine Kehrtwendung und empfiehlt Freude, Genuss und Tun. Kohelet empfiehlt: "Iss freudig dein Brot und trink vergnügt deinen Wein. Trag jederzeit frische Kleider und nie fehle duftendes Öl auf deinem Haupt! Mit einer Frau, die du liebst, genieß das Leben alle Tage deines Lebens." Dies ist die Botschaft eines Privilegierten an Privilegierte, doch was soll das für eine Botschaft an all die unterprivilegierten, hungernden und kranken Menschen sein? Es ist eine menschenverachtende Botschaft und es ist eine der Strategien mit denen das Ego auf die Bedeutungs- und damit Sinnlosigkeit der Welt reagiert - es flüchtet in Genuss und Zeitvertreib. Jesus verwies schon vor 2000 Jahre mit einem Gleichnis auf das genaue Gegenteil:

"Dann werde ich zu meiner Seele sagen: Seele, nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freue dich! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast? So geht es einem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber bei Gott nicht reich ist." (Lukas 12,19-21)

Sich der Sinnlosigkeit der Welt bewusst zu werden, ist allerdings schon ein erster wichtiger Schritt am Weg zurück ins Paradies. Die Sinnlosigkeit ist eines der vier existentiellen Themen, wie sie in der existentiellen Psychotherapie beschrieben werden, denen das Ego möglichst zu entkommen versucht. Eine weitere Strategie im Umgang mit dem Thema Sinnlosigkeit ist Ärger und Angriff:

Ich rege mich auf, weil ich eine bedeutungslose Welt sehe.
(EKIW: Lektion 12)


Palästina zur Zeit Jesu aus religiöser Sicht

Als Jesus vor 2000 Jahren mit seiner neuen Botschaft in Erscheinung trat, traf er damit auf antikes, religiöses Gedankengut. In erster Linie natürlich auf das Judentum mit all seinen Strömungen. Des Weiteren gab es da die Religion der römischen Besatzer, eine polytheistische Volksreligion.

Das Judentum zur Zeit Jesus war in erster Linie von vier Strömungen bestimmt. Jerusalem selbst war von der Priesteraristokratie der Sadduzäer beherrscht, die hauptsächlich vom Wallfahrtstourismus lebte. Verschiedene Untergrundorganisationen schlossen sich zur Partei der Zeloten (Eiferer) zusammen. Sie proklamierten die „Alleinherrschaft Gottes“, die gewaltsame Vertreibung der römischen Besatzer und die Absetzung der einheimischen Könige, die mit den Römern kollaborierten. Sowohl die Zeloten als auch die Jerusalemer Elite hatten religiös argumentierende „Parteiprogramme“; doch standen Machtfragen deutlich im Vordergrund. Zwei andere Gruppen erwarteten die Wende wirklich von einer religiösen Erneuerung: die Essener und die Pharisäer.

Neben dem, einigermaßen klar abgrenzbaren, Judentum gab es noch den Zoroastrismus als klar abgrenzbare Religion. Der Zoroastrismus ist eine Religion, die von Zarathustra gestiftet wurde. Der zoroastrische Glaube, der auf älteren indo-iranischen Traditionen fußt, entstand zwischen 1800 und 600 v. Chr. im östlichen iranischen Hochland. Bis ins späte 1. Jahrtausend n. Chr. war der Zoroastrismus eine Weltreligion mit Millionen Anhängern, die erheblichen Einfluss auf andere Glaubenssysteme wie das Christentum oder den Islam hatte.

Wir müssen bedenken, dass die meisten antiken Religionen nicht so exklusiv waren wie unsere heutigen monotheistischen Religionen, die für sich in Anspruch nehmen, allein wahr zu sein. Insofern gab es auch keine geschlossenen Religionsgemeinschaften. Viele Städte des Nahen Ostens hatten eine Lokalgottheit, die sie ganz besonders verehrten, die aber - teilweise über eine Gleichsetzung mit anderen Gottheiten - auch überregional verehrt wurde. Andere ursprünglich regionale Kulte wurden geradezu universal, so z. B. der Kybelekult aus Phrygien, der auch in Griechenland und Rom zahlreiche Anhänger fand und in Rom sogar offiziell eingeführt wurde, oder der Isiskult aus Ägypten.

Kybele (griechisch: die große Göttermutter) ist eine Göttin, die zusammen mit ihrem Geliebten Attis ursprünglich in Phrygien, in Kleinasien, und später in Griechenland, Thrakien und Rom verehrt wurde. Nach dem überlieferten Mythos schlief Zeus einmal auf dem Berg Agdos in Phrygien ein und ließ dabei seinen Samen zu Boden fallen. An dieser Stelle wuchs sofort der zwitterhafte Agdistis aus dem Felsen empor. Er hatte ein furchterregendes Wesen und wurde deshalb von den übrigen Göttern kastriert. Der so von seiner Männlichkeit befreite Agdistis wurde zur Großen Mutter Kybele, aus den abgetrennten Genitalien aber entstand Attis. Da Kybele und Attis ursprünglich eine Person waren, zogen sie sich gegenseitig an. Der Kybele- und Attiskult war bis in die Spätantike - ähnlich wie der Mithraskult - ein im ganzen römischen Reich verbreiteter Mysterienkult mit orgiastisch-ekstatischen Zügen.

Der Kult überstand alle politischen Wirren der spätrömischen Zeit und konnte auch noch eine Zeit lang dem Christentum trotzen. Das hartnäckige Festhalten von Teilen der Bevölkerung des römischen Reiches an ihrer Göttin gilt als einer der Gründe, die die Mehrheitsentscheidung von 431 n. Chr. auf dem Konzil von Ephesos stützten, mit der Maria zur Mutter Gottes (Gottesgebärerin) erklärt wurde. Manche Autoren sehen darin eine Fortsetzung der Verehrung der Großen Gottesmutter Kybele. Am erstaunlichsten ist jedoch die Übereinstimmung der Großen Mutter Kybele mit der Großen Mutter des indischen Tantrismus, Kali/Durga/Ganga.

Was manche Quellen zu belegen scheinen, und was sich auch als nachvollziehbar darstellt, ist, dass Maria Magdalena vom Isiskult aus Ägypten geprägt war. Sie wurde in den Geheimnissen Ägyptens unterwiesen, in der Alchemie des Horus und in der Sexualmagie des Isis Kultes. Die Evangelien berichten von ihr als einer Hure, denn alle Eingeweihten ihres Ordens trugen ein goldenes Schlangen-Armband, und man wusste, dass sie sich mit sexueller Magie befassten. In den Augen der Hebräer war sie damit eine Hure.

Jesus war für die ersten jüdischen Christen ganz selbstverständlich Teil ihrer religiösen Tradition, der erhoffte Messias, der „Sohn Davids“. Die wahrhaft neue Botschaft Jesus haben nur ganz wenige verstanden und so stellen die christlichen Kirchen bis heute lediglich ein etwas verbessertes Judentum dar. Das gleiche gilt für den im 7. Jahrhundert n. Chr. von Mohammed gegründeten Islam. Auch er ist lediglich eine arabische Variante des Judentums. Daher werden diese drei Religionen üblicherweise unter dem Sammelbegriff abrahamitische Religionen zusammengefasst.

Neues Testament

Das Neue Testament ist eine Sammlung von 27 Schriften. Diese lassen sich in vier Textgattungen unterscheiden: Erstens die vier Evangelien, die Jesu Leben, Sterben und Auferstehen erzählend entfalten, zweitens die Apostelgeschichte, drittens 21 Briefe an christliche Gemeinden und Mitarbeiter sowie viertens eine Apokalypse, die Johannesoffenbarung.

Die formale Kanonisierung des Neuen Testaments fand im vierten Jahrhundert statt. Der ganze Prozess der Kanonisierung war stark vom römischer Kaiser Konstantin I. (Kaiser von 306 bis 337) und seinen Beratern beeinflusst, der das Christentum förderte und das Erste Konzil von Nicäa einberief, um innerchristliche Streitigkeiten beizulegen. Als wichtigstes Schreiben in der Geschichte des neutestamentlichen Kanon gilt dabei der 39. Osterfestbrief des Bischofs Athanasius von Alexandria aus dem Jahr 367, der die bis heute in allen christlichen Kirchen anerkannten 27 Schriften des Neuen Testaments aufzählt und als für die Kirche verbindlich einstuft. Es erkennt bestimmte Schriften an, zählt sie aber nicht zum Kanon und scheidet andere definitiv aus.

Das Evangelium der Maria gehört zu den Apokryphen (altgr. apokryphos ,verborgen‘, ‚dunkel‘) und wurde nicht in den biblischen Kanon aufgenommen. Es handelt sich um eine Schrift, die auf etwa 160 n. Chr. datiert wird. Bei der Maria, die dem Evangelium den Namen gegeben hat, handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um Maria Magdalena. Das Evangelium besteht im ersten Teil aus Dialogen zwischen dem auferstandenen Jesus und seinen Jüngern und Jüngerinnen. Es enthält außerdem im zweiten Teil eine Vision Marias. Maria besitzt danach ein besonderes Vertrauen zum Erlöser und kennt besondere Offenbarungen, die die Jünger nicht kennen, und sie teilt diese mit als Mittlerin und Verkündigerin der Offenbarung, worauf besonders Petrus mit Eifersucht reagiert.

Evangelium nach Maria Magdalena

Spätantike Texte belegen, dass sie als „Zeugin“ Jesu vielerorts verehrt wurde. Doch Papst Gregor I, auch Gregor der Große genannt, zerstörte Maria Magdalenas Ruf nachhaltig, indem er sie zur Sünderin machte. Papst Gregor I zeichnete sich auch durch eine besondere Intoleranz gegenüber Nichtchristen aus und wollte, dass sie "durch körperliche Qual der erwünschten geistigen Gesundheit zugeführt werden.“

Ebenso mahnte Gregor, der Papst aristokratischer Abstammung, die anderen Bischöfe, dass der Darbende nur dann für die Predigt empfänglich sei, wenn ihm zuvor eine „helfende Hand“ gereicht worden sei. Er schuf eine Armenfürsorge durch die Kirche. Er ließ dafür die riesigen Ländereien der Kirche in Süditalien und Sizilien neu organisieren und bewirtschaften, aber auf die Idee die Ländereien an die Armen zu verteilen, damit sie selbst für sich sorgen könnten, ist er nicht gekommen. Das ist eine beliebte Strategie des Egos, den Armen zu spenden, um sich als Wohltäter fühlen zu können und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass der Unterschied zwischen arm und reich bestehen bleibt. Diese Strategie steckt hinter all den Charity-Events unserer Zeit. Dabei lassen sich die Profiteure eines ungerechten und menschenverachtenden Systems, das auf weltlichen Besitz begründet ist, auch noch als Wohltäter feiern.

Das Thomasevangelium ist eine apokryphe Sammlung von 114 Logien (Jesus-Worten) und kurzen Dialogen. Der Text dieser Sammlung liegt in einer koptischen Version vor, die um 350 n. Chr. niedergeschrieben wurde. Sie enthält Übereinstimmungen zu Jesusworten, die im Neuen Testament bekannt sind, aber auch mehrere sonst unbekannte Jesusworte.

Das Neue Testament der Bibel beginnt mit den vier kanonischen Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Obwohl die Evangelien am Anfang moderner Bibelausgaben stehen, sind sie doch erst nach den Paulusbriefen entstanden. Inhaltlich wollen sie der „guten Nachricht„ oder „frohen Botschaft“ (Evangelium) von der Versöhnung der Menschen mit Gott Ausdruck geben. Einzig und allein diese vier Schriften enthalten eine größere Sammlung von Jesus Worten. Alles andere sind Erzählungen über die Apostel und eine größere Anzahl an Briefen - also persönliche Ansichten und Auslegungen der Aposteln.

In dem in der Bibel als ersten angeführten Brief Paulus an die Römer ist von Anfang an die Botschaft Paulus offensichtlich: „Denn der Zorn Gottes wird vom Himmel herab offenbart ...“ (Römer 1, 18). Bereits in den ersten Sätzen dieses Briefes ist der Größenwahn und versteckte Stolz des Paulus zu erkennen, der Jesus selbst nie begegnet ist: „Paulus, Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert, das Evangelium Gottes zu verkünden, ...“ (Römer 1, 1) „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht: Es ist eine Kraft Gottes zur Rettung für jeden, der glaubt, zuerst für den Juden, aber ebenso für den Griechen.“ (Römer 1, 16).

Ich empfehle daher jedem der sich für die Bibel interessiert eine Red Letter Bible. Red Letter Editionen sind solche, in denen die von Jesus gesprochen Wörter in roter Tinte gedruckt sind. Im Jahre 1899 konzipierte Louis Klopsch, damals Herausgeber der Zeitschrift The Christian Herald, die Idee und veröffentlichte die erste moderne Red Letter-Ausgabe des Neuen Testaments. Der Herausgeber, Louis Klopsch, schrieb dazu: "Es zieht einen in Gottes Gegenwart hinein, ihm - Jesus - von seinen eigenen Lippen abzulesen, wie er seine Sendung in die Welt versteht und wie er den Vater offenbart.“ Durch die rot gedruckten Jesus-Worte lädt diese Bibel dazu ein, sich von Jesus unmittelbar ansprechen zu lassen, so wie er selbst es gesagt hat: "Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben." (Johannes 6, 63).

Seit einigen Jahren gibt es nun auch gute deutsche Übersetzungen, die noch dazu in einem aktuellen Deutsch geschrieben und damit lebensnah und leicht verständlich sind.

Auch wenn man sich auf die Jesus-Worte konzentriert ist beim Lesen der Bibel immer noch Vorsicht geboten, weil ganz natürlich, sowohl bei der Aufzeichnung, als auch bei den diversen Übersetzungen, grundsätzliche Fehler passiert sind:

Der Satz »Denn also hat GOTT die Welt geliebt, dass ER SEINEN eingeborenen SOHN gab, damit alle, die an IHN glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben« bedarf nur einer geringfügigen Berichtigung, um in diesem Zusammenhang bedeutungsvoll zu sein: »dass ER sie SEINEM eingeborenen SOHN gab«.
(EKIW: Kapitel 2, VII. 5. 14.)

Der zweite Grund warum das Lesen der Bibel allein meist nicht reicht um Erlösung zu erlangen, besteht in der Interpretation der Jesus-Worte. Wir haben die unterschiedlichsten Interpretationen der diversen christlichen Religionsgemeinschaften verinnerlicht und brauchen zuerst einmal eine Berichtigung dieser alten Gedankensysteme, um Jesus Worte in einem neuen Licht betrachten und somit wahrhaft verstehen zu können. Als ein Beispiel für den verirrten Geist der kirchlichen Würdenträger, die für die Auslegung der Bibel verantwortlich sind, sei das Konzil von Konstanz erwähnt.

Konzil von Konstanz

Das Konzil von Konstanz, von November 1414 bis April 1418, war eine Versammlung der Kirchenführung in Konstanz, die auf Betreiben des römisch-deutschen Königs Sigismund von dem Gegenpapst Johannes XXIII. einberufen wurde. Die Versammlung sollte die seit 1378 andauernde Große Abendländische Glaubensspaltung innerhalb der lateinischen Kirche mit drei konkurrierenden Papstansprüchen beenden und damit die Einheit der Kirche wiederherstellen. Bei Amtsantritt König Sigismunds stritten sich die drei Päpste Gregor XII. (Rom), Benedikt XIII. (Avignon) und Johannes XXIII. (Pisa) um die Herrschaft in der Kirche.

Während des Konzils stand Konstanz für vier Jahre im Mittelpunkt des kirchenpolitischen Interesses in Europa. König, Papst und Kirchenfürsten hielten sich mit ihrem jeweiligen Gefolge in Konstanz und den umliegenden Orten auf. Man zählte 33 Kardinäle, 346 Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe, 2148 weltliche Doktoren sowie 546 Vorsteher und Mitglieder der Mönchsorden. Einem zeitgenössischen Bericht zu Folge kamen zur Befriedigung der weltlichen Bedürfnisse der Teilnehmer „offene Frauen in den Frauenhäusern und sonst Frauen, die Häuser gemiethet hatten, und in den Ställen lagen oder sonst wo Platz fanden, seien gegen 700 da gewesen, ohne die heimlichen“. 1993 wurde im Hafen von Konstanz die Imperia aufgestellt, die Figur einer üppigen Kurtisane, die an die weltlichen Bedürfnisse der Konzilsbesucher erinnert. Auf ihren erhobenen Händen trägt sie zwei zwergenhafte nackte Männlein - einen König und einen Papst.

Das Konzil verurteilte die Lehren der Reformatoren John Wyclif, Jan Hus und Hieronymus von Prag. Es wurden Dekrete mit Aufzählung und Verurteilung deren „Irrtümer“ erstellt. Die Zusage des freien Geleits wurde gebrochen und Jan Hus und Hieronymus von Prag wurden verhaftet und verbrannt. John Wyclif war zur Zeit des Konzils bereits seit drei Jahrzehnten tot. Seine Gebeine wurden in der Folge dennoch ausgegraben und ebenfalls verbrannt.

In der katholischen Kirche ist die Unfehlbarkeit des Papstes eine immer noch gültige Eigenschaft, die dem Papst zukommt, wenn er eine Glaubens- oder Sittenfrage als endgültig entschieden verkündet. Damit ist eine Überprüfung alter Bibelauslegungen und der darauf beruhenden Entscheidungen auf ewige Zeit unmöglich.

So verstößt die katholische Kirche, 70 Jahre nach Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen, noch immer gegen den Artikel 1: "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren." Noch immer sind Frauen und Männer in der katholischen Kirche nicht gleich an Würde und Rechten.

Die WIEDERKUNFT CHRISTI ist lediglich die Rückkehr von Sinn und Verstand.
(EKIW: Kapitel 9, IV. 9. 4.)

Offenbarung

Betrachten wir ein Buch des Neuen Testaments das immer noch für große Missverständnisse sorgt etwas genauer: Die Offenbarung des Johannes oder die Apokalypse ist das letzte Buch des Neuen Testaments. Es ist das einzige prophetische Buch des Neuen Testaments und wurde für unterdrückte Christen eine Trost- und Hoffnungsschrift während der Christenverfolgungen im Römischen Reich.

Der Verfasser Johannes, der nicht mit dem Evangelisten gleichen Namens ident ist, richtet sich als Ich-Erzähler in Form eines Briefes zunächst in den Sieben Sendschreiben innerhalb der Offenbarung an sieben Gemeinden in Kleinasien im östlichen Hinterland von Ephesus. Diese wurden vom Apostel Paulus theologisch geprägt und litten nun unter Verfolgung oder zumindest unter starken Einschränkungen.

Der Verfasser gilt heute mehrheitlich als frühchristlicher Prophet, der sich zu einer Gruppe von Propheten zählt; so spricht er von seinen „Brüdern, den Propheten“. Sprache und Gedankenwelt weisen auf eine Herkunft aus dem palästinischen Judenchristentum hin. Im Text selbst beschreibt er, dass er auf der Insel Patmos vor Ephesus in der Verbannung lebe. Daher heißt dieser Johannes der Offenbarung im englischen Sprachraum auch Johannes von Patmos (John of Patmos).

Die Apokalypse ist eine zusammenhängende bildgewaltige Komposition, die sich der zeitgenössisch etablierten, aber nicht notwendigerweise biblischen Symbolwerte von Tieren, Farben und Zahlen bedient. Der Autor greift auf die alttestamentliche Prophetie und ihre Bildersprache zurück. Auch frühjüdische apokalyptische Motive sind vielerorts präsent. Da der Autor ein Gefangener der Römer war, und somit davon ausgehen musste, dass seine Briefe kontrolliert werden, war er gezwungen sich der Symbolik zu bedienen.

Die Deutung der einzelnen Bilder oder Erzählungen ist oftmals umstritten. Beispielsweise wären die folgenden Bezüge möglich: 666 ist der Zahlenwert, der den Namen des „Tieres“ verschlüsselt. Der Drache steht für Satan. Das „Tier“ aus dem Meer kann auf die „totalitäre Staatsmacht“ bezogen werden und das „Tier“ vom Land kann als „Personifizierung des politischen Propagandaapparats“ verstanden werden.

Die „Zahl des Tieres“, 666, ist heutzutage sehr bekannt und beliebt insbesondere in Verbindung mit Satanismus und Darstellungen von Dämonismus. In der Exegese hat die Auffassung, das „Tier“ mit der Zahl 666 sei mit Kaiser Nero zu identifizieren, die weiteste Verbreitung gefunden. Zählt man die Zahlenwerte der hebräischen Buchstaben seines Namens zusammen, kommt man auf 666. Nur so war es Johannes möglich seine Briefe vor der Zensur durch die Römer zu schützen. Eine offene Kritik an Nero wäre ihm nicht möglich gewesen.

In der Ostkirche wurde die Apokalypse wenig beachtet, in der Westkirche war die Ansicht über die Schrift positiver. Dennoch diskutiert die Theologie die Bedeutung der Offenbarung des Johannes bis heute. Auch Martin Luther wusste mit ihr wenig anzufangen: „Mein Geist will sich in dies Buch nicht schicken.

Die Bildersprache der Offenbarung hat über die Jahrhunderte hinweg nicht nur Kirchenväter und Theologen verschiedener Kirchen und Sekten, sondern auch weltliche Schriftsteller und Künstler angeregt, nach Interpretationen zu suchen. Der Interpretationsrahmen wird dabei sehr weit gefasst, aufgrund der Annahme, dass eine wissenschaftliche Erklärung reinen Prophetien ohnehin nicht gerecht werden könne. Bei der futuristischen Auslegung wird das Buch ab Kapitel 4 als Bericht von heute noch nicht eingetroffenen Ereignissen interpretiert. Doch die Fakten sind eindeutig. Der Autor selbst weist gleich am Beginn des Textes darauf hin, dass er sich auf aktuell bestehende und kurz bevorstehende Ereignisse bezieht:

Selig, wer die Worte der Prophetie vorliest, und jene, die sie hören und das halten, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe.
(Offb 1, 3.)

Die Apokalypse gleichsam als Rückfall vom Dasein und Wirken Jesu sieht Georg Baudler, ein römisch-katholischer Theologe, in Erlösung vom Stiergott:

Die Geheime Offenbarung hat dieses Charakteristikum des Wirkens Jesu wieder aufgelöst in den alten Bildern des Chaoskampfes, den Lichtheld und Frau gegen den Wildnisgott führen. [...] Der Ich-bin-da-Gott oder gar der Abba Jesus ist nirgends mehr zu spüren. Es gibt nur noch den obsolet dualistischen Kampf. [...] In all diesen Stellen treten jene alten Schichten des Alten Testaments hervor, wo das Dämonische noch eine Dimension Gottes ist.

Insofern zähle die Offenbarung des Johannes zu den „Rückfällen in der Wirkungsgeschichte der Jesuanischen Gottesoffenbarung“. „Erst eine Interpretation des Evangeliums“ – so Baudler –, „die nicht mehr am Opfergedanken und der Bestrafung des Bösen, orientiert ist, kann die Befreiungs- und Erlösungskraft freisetzen und zur Geltung bringen, die in ihm liegt.

Epilog

Viele der wichtigen Aussagen Jesus sind nicht ins Neue Testament aufgenommen worden und viele der aufgenommenen Aussagen sind nicht richtig wiedergegeben. Im Laufe der Zeit sind außerdem noch ein Menge an Korrekturen vorgenommen worden. Selbst die im Dezember 1945 in Nag Hammadi gefundenen dreizehn Papyrus-Kodizes in koptischer Sprache, inklusive dem Thomasevangelium, sind nicht mehr die Orginaltexte.

Maria Magdalena war Jesus Partnerin und eine begnadete Rednerin, aber sie wurde von den männlichen Kirchengründern ignoriert. Lange Zeit wurde Maria Magdalena als „Sünderin“ und „Prostituierte“ dargestellt. Erst 2016 hat der Vatikan, auf ausdrücklichen Wunsch von Papst Franziskus, die Rolle der heiligen Maria Magdalena erneut aufgewertet und sie liturgisch den Aposteln gleichgestellt.

So wurde das Christentum in erster Linie auf Paulus Theologie von Leiden-und-Opfern begründet, als Ausdruck eines rachsüchtigen zornigen Gottes, anstatt auf den Lehren Jesus - obwohl Paulus Jesus nie persönlich begegnet ist. Das Christentum ist die von Paulus gegründete Religion, die an Stelle ‚des‘ Evangeliums Jesu ein Evangelium ‚von‘ Jesu setzt.

In seinem Brief an die Römer präsentiert Paulus einen Entwurf einer grundlegenden Thematik der vier Evangelien. Als Grundlage diente ihm dabei meist das Griechische Alte Testament. Die Form der Auslegung verrät seine theologische Prägung sowohl durch das hellenistische Judentum als auch durch die Pharisäer in Jerusalem. "Übt nicht selbst Vergeltung, Geliebte, sondern lasst Raum für das Zorngericht Gottes; denn es steht geschrieben: Mein ist die Vergeltung, ich werde vergelten, spricht der Herr." (Römer 12, 19)


Der Kurs in Wundern erinnert uns wieder an das Evangelium Jesus:

„Die Botschaft der Kreuzigung ist vollkommen klar:

Lehre nur Liebe, weil du nur Liebe bist.

Wenn du die Kreuzigung auf irgendeine andere Weise deutest, benutzt du sie als Angriffswaffe statt als Friedensaufruf, als der sie gedacht war. Die Apostel haben sie oft missverstanden, und zwar aus demselben Grund, aus dem auch andere sie missverstehen. Ihre eigene unvollkommene Liebe machte sie für die Projektion anfällig, und aus ihrer eigenen Angst heraus sprachen sie vom »Zorn GOTTES« als SEINER Waffe der Vergeltung. Auch konnten sie von der Kreuzigung nicht völlig ohne Ärger reden, weil ihr Gefühl der Schuld sie ärgerlich gemacht hatte.

Das sind einige der Beispiele eines auf den Kopf gestellten Denkens im NEUEN TESTAMENT, obschon das Evangelium in Wirklichkeit nur eine Botschaft der Liebe ist. Hätten die Apostel sich nicht schuldig gefühlt, hätten sie mich nie so zitieren können: »Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.« Das ist eindeutig das Gegenteil all dessen, was ich lehrte. Ebenso wenig hätten sie meine Reaktionen Judas gegenüber so beschreiben können, wie sie es taten, wenn sie mich wirklich verstanden hätten. Ich hätte nur sagen können: »Verrätst du den MENSCHENSOHN mit einem Kuss?«, wenn ich an Verrat geglaubt hätte. Die ganze Botschaft der Kreuzigung war ja, dass ich das nicht tat. Die »Strafe«, die ich auf Judas herabbeschworen haben soll, war ein ähnlicher Fehler. Judas war mein Bruder und ein SOHN GOTTES und ebenso ein Teil der SOHNSCHAFT wie ich. Ist wohl anzunehmen, dass ich ihn verurteilen würde, wenn ich bereit war, aufzuzeigen, dass Verurteilung unmöglich ist?

Wenn du die Lehren der Apostel liest, denke daran, dass ich selbst ihnen sagte, sie würden vieles später verstehen, weil sie in jener Zeit noch nicht voll und ganz bereit waren, mir nachzufolgen. Ich will nicht, dass du der Angst Einlass in das Denksystem gewährst, zu dem ich dich hinführe. Ich rufe nicht nach Märtyrern, sondern nach Lehrern. Niemand wird für Sünden bestraft, und die SÖHNE GOTTES sind keine Sünder. Jedes Konzept von Strafe beinhaltet die Projektion von Schuldzuweisung und verstärkt den Gedanken, dass Schuldzuweisungen gerechtfertigt sind. Die Folge ist eine Lektion in Schuldzuweisung, denn jedes Verhalten lehrt die Überzeugungen, die es motivieren. Die Kreuzigung war die Folge einander klar entgegengesetzter Denksysteme, das vollkommene Symbol des »Konflikts« zwischen dem Ego und dem SOHN GOTTES. Dieser Konflikt erscheint jetzt genauso wirklich, und seine Lektionen müssen jetzt genauso wie damals gelernt werden.“


(EKIW: Kapitel 6, I. 13.-16.)

Die Verfasser des Neuen Testaments lassen Jesus als seine letzten Worte sagen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mt 27,46 ) Jesus würde so etwas niemals sagen. Diese Worte wurden aus dem alten Testament übernommen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bleibst fern meiner Rettung, den Worten meines Schreiens?“ (Psalm 22, 2) Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Verfasser nicht nur versuchte, es so aussehen zu lassen, als sei Jesus Gottes einziger Sohn, sondern in der Absicht, eine Brücke zwischen dem Judentum und der aufkeimenden neuen Religion zu bauen, auch noch die alten Lehren nahm und sie Jesus überstülpte. Diese erfundenen letzten Worte stehen im völligen Widerspruch zur zentralen Aussage Jesus gesamten Wirkens: "Ich und der Vater sind eins." (Joh 10,30)

"Deine Auferstehung ist dein Wiedererwachen. Ich bin das Vorbild für die Wiedergeburt, aber die Wiedergeburt selbst ist nur das Heraufdämmern dessen in deinem Geist, was bereits in ihm liegt. GOTT hat es SELBST in ihn hineingelegt, und somit ist es ewig wahr. Ich habe an es geglaubt und es deshalb für mich als wahr angenommen. Hilf mir, es unsere Brüder im Namen von GOTTES REICH zu lehren, glaube aber zuerst daran, dass es für dich wahr ist, sonst lehrst du verkehrt. Meine Brüder schliefen, während ich angeblich »auf dem Ölberg mit dem Tode rang«, aber ich konnte ihnen nicht zürnen, weil ich wusste, dass ich gar nicht verlassen werden konnte."
(EKIW: Kapitel 6, I. 7.)



Die Metaphysik des Kurses

GOTT ist reine Abstraktion.

Wir sind seine SOHNSCHAFT und als das sind wir eine SOHNSCHAFT, ein CHRISTUS, ein SELBST und eins mit GOTT. GOTTES SOHN ist GOTTES Schöpfung und dies ist die einzige wirkliche Schöpfung. GOTT und sein SOHN sind die einzige Wirklichkeit. CHRISTUS ist eine vollkommene Idee im Geist GOTTES und kann seine Quelle nicht verlassen. In WAHRHEIT gibt es keine Trennung. Das wahre SELBST ist nicht persönlich, ist nicht individuell!

Die Trennung ist eine Illusion. Die erste Ebene dieser Illusion ist das Bewusstsein, es ist der erste Schritt in die Trennung. Im Bewusstsein findet die Illusion der Welt statt, sie ist eine Projektion des Ego-Geistes. Durch die Kontraktion des Bewusstseins auf einen Körper und eine damit verbundene Geschichte entsteht der illusionäre Eindruck einer Person - auch als Ich oder Selbst bezeichnet.

Lass mich nicht vergessen, dass mein Selbst nichts ist, dass aber mein SELBST alles ist.
(EKIW: Lektion 358, 7.)

Das häufigste Missverständnis bei der Beschäftigung mit Spiritualität besteht darin, zu glauben, mit Hilfe von Spiritualität ein besseres Leben als Selbst - also als Person - in der linearen Zeit erreichen zu können. Anders ausgedrückt: Die Person versucht eine bessere Illusion innerhalb der Illusion zu erreichen. Doch darum geht es nicht, es geht darum aus der Illusion zu erwachen. Auch die meisten Menschen, die sich zurzeit mit dem Kurs in Wundern beschäftigen, unterliegen diesem Irrtum.

Das Selbst ist die Figur im Traum, der “Held” des Traums. Das Bewusstsein ist der Träumer. Das wahre SELBST ist der SOHN GOTTES. Erwachen aus dem Traum bedeutet sich des Träumens bewusst zu sein, es bedeutet sich aus der Identifikation mit der Figur im Traum zu lösen und aus der Position des Träumers heraus zu leben. Damit beginnt der glückliche Traum und die Erleuchtung. Diese findet ihr Ende im Ende des Traums und der endgültigen "Rückkehr" des SOHNES zu seinem VATER.

"So wird der Menschensohn zum SOHNS GOTTES. Es ist nicht wirklich eine Veränderung, es ist ein Geisteswandel. Nichts Äußerliches ändert sich, doch alles Innere spiegelt jetzt nunmehr die LIEBE GOTTES wider."
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 12. 2. 1.-3.)

Die Verbindung der Figur im Traum, dem egoischen, illusionären Selbst, zur Quelle zum CHRISTUS, zum wahren SELBST, bezeichnet der Kurs als HEILIGER GEIST. Hameed Ali, besser bekannt als A. H. Almaas, bezeichnet sie als „die optimierende Schubkraft der Realität“. Wie wir „die optimierende Schubkraft der Realität“ nennen, ist nicht entscheidend. Wir können sie Gott, Vater, Allah, Heiliger Geist, Jesus, Buddha, Krishna, Bhagavan oder Höheres Selbst nennen. Entscheidend ist, dass wir wissen, dass es eine höhere Kraft gibt, die uns unterstützt, wenn Erlösung, Befreiung, Erwachen, Erleuchtung, Unio Mystica, oder wie wir auch immer dazu sagen wollen, unser Ziel ist. Worte sind nur Symbole von Symbolen und sollten uns nicht von unserem Bruder im Geiste trennen.

Der HEILIGE GEIST weilt in dem Teil deines Geistes, der Teil des CHRISTUS-GEISTES ist. ER stellt dein SELBST und deinen SCHÖPFER dar, DIE eins sind. ER spricht für GOTT und auch für dich, da ER verbunden ist mit BEIDEN. Und des wegen ist ER es, DER beweist, dass SIE eins sind. ER scheint eine STIMME zu sein, denn in dieser Form spricht ER GOTTES WORT zu dir. ER scheint ein FÜHRER durch ein fernes Land zu sein, denn du brauchst diese Form der Hilfe. ER scheint all das zu sein, was den Bedürfnissen entspricht, von denen du denkst, du habest sie. Aber ER lässt sich nicht täuschen, wenn du dein Selbst als in Bedürfnissen gefangen wähnst, die du nicht hast. Von ebendiesen möchte ER dich befreien. Vor ebendiesen möchte ER dich sicher machen.
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, Begriffsbestimmung, 6. 4.)

Im Kurs wird die Trinität folgendermaßen beschrieben:

GOTT Vater ist zuerst in dem Sinn, dass ER der ERSTE in der HEILIGEN DREIEINIGKEIT SELBST ist. ER ist der URSCHÖPFER, weil ER SEINE Mitschöpfer erschaffen hat. Der SOHN GOTTES - die einzige Schöpfung GOTTES - ist Teil der HEILIGEN DREIEINIGKEIT, doch die DREIEINIGKEIT SELBST ist eins. Der HEILIGE GEIST ist der einzige Teil der HEILIGEN DREIEINIGKEIT, der symbolische Funktion hat. ER wird als der HEILER, TRÖSTER und FÜHRER bezeichnet. Der HEILIGE GEIST ist der Erkenntnis so nahe, dass ER sie hervorruft oder, besser, zulässt, dass sie eintritt. Der HEILIGE GEIST ist der CHRISTUSGEIST, der sich der Erkenntnis bewusst ist, die jenseits der Wahrnehmung liegt.

Die Verwendung von Begriffen wie Wahres SELBST oder Höheres SELBST anstatt CHRISTUS oder SOHN GOTTES birgt eine große Gefahr in sich, denn es führt sehr häufig zu Verwechslungen. Das illusionäre Selbst - das Ego - glaubt bei der Verwendung dieser Begriffe häufig das Wahre SELBST zu sein. Wenn wir uns an unser Wahres SELBST um Hilfe wenden, so suggeriert dies unserem egoischen Selbst, dass wir uns selber um Hilfe fragen. Wenn wir uns hingegen an den HEILIGEN GEIST oder JESUS wenden, ist die Gefahr dieser Verwechslung nicht gegeben.

Solange Individualität erfahren wird, solange etwas wahrgenommen wird, solange Wissen existiert und Begriffe eine Bedeutung haben, ist dies nicht das SELBST. Daher ist es hilfreich in diesem Zustand keine Begriffe zu verwenden die auf uns selbst verweisen, weil wir selbst nicht das SELBST sind.

Der Begriff Seele wird außer in Zitaten so gut wie nie verwendet, weil damit die unterschiedlichsten, völlig kontroversen, Konzepte verbunden werden. Fast alle dieser Konzepte beinhalten die Faktoren Zeit und Individualität und beziehen sich daher auf die Illusion und nicht auf die WAHRHEIT. Im alltäglichen Gebrauch des Begriffs Seele wird meist auf den, mit dem Astralkörper identifizierten Geist, im Leben zwischen den ”Leben” verwiesen. Würde man den Begriff auf die WAHRHEIT beziehen, so wäre die Seele als gleichbedeutend mit dem reinen Geist zu verstehen, in dem Sinne, dass sie, da sie von GOTT ist, ewig ist, nie geboren wurde und EINHEIT ist.

Die historische Figur Jesus von Nazaret war ein Mensch dessen Geist den Weg zurück zum VATER zu Ende gegangen ist. In ihm hat sich der GEIST als CHRISTUS wiedererkannt. Sein GEIST ist dem HEILIGEN GEIST sehr nahe und steht uns als Hilfe und Begleitung zur Verfügung.

"Ehrfurcht sollte der Offenbarung vorbehalten sein, denn auf diese trifft sie vollkommen und richtiger Weise zu. Für Wunder ist sie nicht angemessen, weil ein Zustand der Ehrfurcht anbetungsvoll ist, was implizit besagt, dass jemand einer geringeren Ordnung vor seinem SCHÖPFER steht. Du bist eine vollkommene Schöpfung und solltest Ehrfurcht nur in Gegenwart des SCHÖPFERS der Vollkommenheit empfinden. Das Wunder ist daher ein Zeichen der Liebe zwischen Ebenbürtigen. Ebenbürtige sollten keine Ehrfurcht voreinander haben, weil Ehrfurcht Ungleichheit impliziert. Sie ist daher eine unangemessene Reaktion mir gegenüber. Ein älterer Bruder hat Anspruch auf Achtung um seiner größeren Erfahrung und auf Gehorsam um seiner größeren Weisheit willen. Er hat auch Anspruch auf Liebe, weil er ein Bruder ist, und auf Hingabe, wenn er hingebungsvoll ist. Nur meine Hingabe gibt mir ein Anrecht auf die deine. Ich habe nichts an mir, was du nicht erreichen kannst. Ich habe nichts, was nicht von GOTT kommt. Der jetzige Unterschied zwischen uns ist, dass ich nichts anderes habe. Dadurch bin ich in einem Zustand, der in dir nur potenziell vorhanden ist."
(EKIW: Kapitel 1, II. 3.)

Jesus von Nazaret ist eine Figur im Lebenstraum mit einer vorher bestimmten und ganz speziellen Rolle. Jesus war der Erste, der seinen eigenen Teil in SEINEM Plan vollkommen erfüllte. Jesus hat sich nicht geopfert und Jesus hat nicht gelitten - ganz im Gegenteil:

In seiner vollständigen Identifikation mit dem CHRISTUS - dem vollkommenen SOHN GOTTES, SEINER einen Schöpfung und SEINEM Glück, für immer wie ER SELBST und eins mit IHM - wurde Jesus zu dem, was ihr alle seid. Er ging auf dem Weg voran, auf dass ihr ihm folgt. Er führt dich zu GOTT zurück, weil er die Straße vor sich sah und ihr folgte. Er traf eine klare Unterscheidung, die für dich immer noch verschleiert ist, zwischen dem Falschen und dem Wahren. Er hat dir eine endgültige Demonstration geboten, dass es unmöglich ist, GOTTES SOHN zu töten; noch kann sein Leben in irgendeiner Weise durch Sünde und das Übel, Böswilligkeit, Angst oder Tod verändert werden.
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, Begriffsbestimmung, 5. 3.)

Jesus ist nicht geflohen, obwohl er von seiner bevorstehenden Verhaftung wusste. Jesus hat sich vor Pontius Pilatus nicht verteidigt, obwohl ihm dieser Gelegenheit dazu gab. Jesus hat sich geißeln und kreuzigen lassen, einzig und allein, um uns zu zeigen, dass der Sohn Gottes nicht gekreuzigt werden kann. Es wird Zeit, dass wir die Bilder vom toten Jesus am Kreuz durch Bilder vom lebenden, vom auferstandenen, Jesus ersetzen. Im Europakloster Gut Aich im Salzkammergut befindet sich schon eine derartige Darstellung:

Bild

„Diese Welt ist ein Bild der Kreuzigung von GOTTES SOHN. Und solange dir nicht klar ist, dass GOTTES SOHN nicht gekreuzigt werden kann, ist das die Welt, die du sehen wirst. Doch wird dir dies erst dann klar werden, wenn du die ewig gültige Tatsache akzeptiert hast, dass GOTTES SOHN nicht schuldig ist. Er verdient nur Liebe, weil er nur Liebe gegeben hat. Er kann nicht verurteilt werden, weil er niemals verurteilt hat. Die SÜHNE ist die letzte Lektion, die er zu lernen hat, denn sie lehrt ihn, dass er der Erlösung nicht bedarf, weil er nie gesündigt hat.“
(EKIW: Kapitel 13, EINLEITUNG, 4.)

Zuerst braucht es eine Berichtigung unserer Wahrnehmung damit Erkenntnis möglich ist. Erkenntnis ist Gewissheit. Erkenntnis ist Macht, weil sie gewiss ist, und Gewissheit ist Stärke.

Wahrnehmung ist etwas vorübergehendes. Wahrnehmung ist entweder der Angst oder der Liebe unterworfen. Wahrnehmung ist die Folge des zugrunde liegenden Gedankensystems. Jedes Gedankensystem hängt von der ersten Annahme ab. Wenn die erste Annahme Trennung ist, folgt daraus eine Welt von Schuld, Opfer, Strafe und Krieg. Wenn die erste Annahme Einheit ist, folgt daraus die wahre Wahrnehmung. Wahre Wahrnehmung nimmt eine Welt wahr der vergeben ist. Wahre Wahrnehmung ist die Grundlage für die Erkenntnis, erkennen liegt aber jenseits aller Wahrnehmungen.

Denn wahre Wahrnehmung ist ein Heilmittel mit vielen Namen. Vergebung, Erlösung, SÜHNE, wahre Wahrnehmung - sie sind alle eins. Sie sind der eine Anfang mit dem Ziel und Ende, zum EINSSEIN weit jenseits ihrer selbst zu führen. Wahre Wahrnehmung ist das Mittel, durch das die Welt erlöst wird von der Sünde, denn Sünde existiert nicht. Und das ist es, was die wahre Wahrnehmung sieht.
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, Begriffsbestimmung, 4. 3. 5.-9.)

Die Welt des Egos, ist eine Welt der Trennung. Sie ist eine Projektion des Ego-Geistes. Diese Welt ist nicht von GOTT. Was GOTT erschaffen hat, ist wie er selbst - ist GOTTES SOHNSCHAFT - jenseits der Welt von Zeit und Raum. Da eine wirkliche Trennung von GOTT nicht möglich ist, ist die Welt eine Illusion.

Nondualität, Nicht-Zweiheit als Essenz von Advaita-Vedanta wird im Westen häufig völlig missverstanden. GOTT ist transzendent, absolut, ist eins, ist nondual, also ungeteilt. Das bedeutet allerdings nicht, dass GOTT und die Welt eins sind! Das Missverständnis drückt sich darin aus, dass geglaubt wird, alles sei eins und mit diesem "alles" sei auch die Welt gemeint. Die Welt ist eine Illusion, GOTT kennt keine Welt, er kann daher auch nicht eins mit ihr sein. Die Welt ist nicht göttlich! Die Welt ist der Traum des Egos und nicht wirklich. Anders ausgedrückt: Alles was wirklich ist, ist EINS, aber die Welt ist nicht wirklich.

Das zentrale Gefühl, genau genommen das einzige Gefühl, des Egos ist Angst. Der zentrale Irrtum des Egos besteht darin zu glauben, dass Trennung wirklich ist. Aus diesem Erb-Irrtum folgt die Idee der Schuld und Schuld wiederum ist die Basis der besonderen Beziehung. Das Ganze ist nicht nur ein Teufelskreis, sondern der Teufelskreis. Jener “Teufelskreis”, auch Lebensrad genannt, aus dem es ohne der Hilfe des HEILIGEN GEISTES kein Entrinnen gibt.

Die Welt die wir wahrnehmen - das gesamte Universum - sowohl das mit den Augen des Körpers sichtbare als auch das unsichtbare, stellt einzig und allein eine Ablenkung von der WAHRHEIT dar, eine gigantische Show die einzig und allein dazu dient die Trennung von GOTT als wirklich erscheinen zu lassen. Es ist mit all seinen darin enthaltenen Geschichten eine ständige Einladung zur Identifikation, zur Identifikation mit Tätern, mit Opfern, mit Gewinnern, mit Verlierern, mit Richtern, mit Schuldigen, mit Belohnung und Strafe. Es ist, vom Anbeginn der Zeit bis zu ihrem Ende, die immer gleiche Geschichte nur in immer neuen Kleidern, ein Kaleidoskop bunter Bilder von dem wir uns wie kleine Kinder faszinieren lassen und uns so vom Schmerz ablenken lassen. Bewegte bunte Bilder gaukeln uns Leben vor, obwohl seine Basis der Glaube an den Tod ist. Wenn wir an die Welt glauben, glauben wir an den Tod. Wenn wir wollen, dass die Welt wirklich ist, wollen wir den Tod. Das Ego ist der Todeswunsch.

"Nicht Lebenswille, sondern Todeswunsch ist die Motivation für diese Welt. Ihr einziges Ziel ist, zu beweisen, dass Schuld wirklich ist. Kein weltlicher Gedanke, keine weltliche Handlung und kein weltliches Gefühl haben eine andere Motivation als diese."
(EKIW: Kapitel 27, I. 6. 3.-5.)

Die Schuld in den Geist des GOTTESSOHNES anzunehmen war der Anfang der Trennung, genauso wie die SÜHNE anzunehmen ihr Ende ist. Die Welt, die du siehst, ist das Wahnsystem derjenigen, die die Schuld verrückt gemacht hat. Sieh dir diese Welt sorgfältig an, dann wird dir klar, dass es so ist. Denn diese Welt ist das Symbol der Strafe, und alle Gesetze, die sie zu regieren scheinen, sind die Gesetze des Todes. Kinder werden unter Schmerzen und durch Schmerzen in sie hineingeboren. Von Leiden begleitet wachsen sie auf und lernen, was Kummer, Trennung und Tod sind. Ihr Geist scheint in ihrem Gehirn gefangen zu sein, und seine Kräfte scheinen abzunehmen, wenn ihr Körper verletzt wird. Sie scheinen zu lieben, doch sie verlassen und werden selbst verlassen. Sie scheinen zu verlieren, was sie lieben; das ist vielleicht die wahnsinnigste aller Überzeugungen. Und ihr Körper welkt dahin und röchelt, wird in die Erde gelegt und ist nicht mehr. Und keinen gibt es unter ihnen, der nicht gedacht hat, dass GOTT grausam ist.“
(EKIW: Kapitel 13, EINLEITUNG, 2.)

Doch wir können uns aus der Identifikation mit der Figur im Theaterstück des Lebens lösen, indem wir uns von der Show nicht weiter beeindrucken lassen, sondern das Schauspiel zur Erlösung vom Gedanken der Trennung nutzen. Wir können dieser Traumwelt einen neuen Zweck geben, den Zweck des Aufwachens, der Erlösung, aus diesem Traum. Wir können das allerdings nicht irgendwann tun, sondern nur JETZT. Das JETZT ist der Augenblick der Macht. Im JETZT wird uns die vollständige Erlösung angeboten.

Der Gedanke der Trennung, die Welt aus Zeit und Raum, tauchte im JETZT auf und wurde im selben Augenblick vom HEILIGEN GEIST korrigiert. Der Traum wurde im JETZT geträumt, dem JETZT das „alles“ enthält - jenes „alles“, das nichts ist. Alles ist parallel “geschehen”. Der Eindruck einer linearen Zeit entsteht dadurch, dass sich der Geist entlang eines Pfades in diesem Raum-Zeit-Kontinuum, welches im JETZT erscheint, scheinbar "bewegt".

“Und ich, der ich euch sage, dass ihr träumt, bin selbst ein Traum.”
(Chuan Xi)

Die Trennung existiert nicht wirklich, das bedeutet, dass es aus Sicht der WAHRHEIT keinen Lehrer und keinen Schüler gibt und niemanden der von irgendetwas erlöst oder befreit werden müsste. Das bedeutet auch, dass es keine Vergebung gibt, weil es nichts zu vergeben gibt, dass es keine Führung gibt und keinen Weg der gegangen werden müsste.

"So, wie das Nichts nicht abgebildet werden kann, so gibt es kein Symbol für die Totalität.
Die Wirklichkeit wird letztlich ohne Form erkannt, unabgebildet und ungesehen.
"
(EKIW: Kapitel 27, III. 5. 1.-2.)

"Vergebung schwindet, Symbole verblassen, und nichts, was Augen je gesehen haben oder Ohren je gehört, kann noch wahrgenommen werden. Eine gänzlich grenzenlose MACHT ist gekommen, nicht um zu zerstören, sondern um IHR EIGEN zu empfangen. ... Heiße die MACHT willkommen, die jenseits der Vergebung und jenseits der Welt der Symbole und der Begrenzungen ist. ER möchte einfach sein, und somit ist ER einfach."
(EKIW: Kapitel 27, III. 7.)

Diese Wahrheit zu kennen ist wichtig, aber allein nutzlos für die Figur im Traum. Für die Figur im Traum gibt es einen Weg und scheinbar auch einen freien Willen der auch dazu genutzt werden kann, sich von diesem persönlichen Willen zu verabschieden. Das sind einfach die Spielregeln innerhalb der Illusion. Dies ist der Lehrplan dessen Inhalt nicht persönlichen Präferenzen unterliegt, der Lehrplan der für das Erwachen aus der Illusion zu absolvieren ist.

In dieser Welt ist die einzig verbleibende Freiheit die Freiheit der Wahl - immer zwischen zwei Wahlmöglichkeiten oder zwei Stimmen. Der Wille ist auf keiner Ebene an der Wahrnehmung beteiligt und hat mit der Wahl nichts zu tun. Das Bewusstsein ist der Empfangsmechanismus, der Botschaften von oben oder unten empfängt - vom HEILIGEN GEIST oder vom Ego. Das Bewusstsein hat Ebenen, und das Gewahrsein kann ziemlich drastisch wechseln, aber es kann den Wahrnehmungsbereich nicht transzendieren. Höchstenfalls wird es der wirklichen Welt gewahr, und es kann darin geschult werden, dies immer mehr zu tun. Doch schon die Tatsache, dass es Ebenen hat und geschult werden kann, zeigt auf, dass es nicht die Erkenntnis erreichen kann.
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, Begriffsbestimmung, 1. 7.)

"Das Ego wird viele Antworten fordern, die dieser Kurs nicht gibt. Er begreift das, was nur die Form einer Frage hat und worauf eine Antwort unmöglich ist, nicht als Fragen. Das Ego mag etwa fragen: »Wie ist das Unmögliche geschehen?«, »Was ist es, dem das Unmögliche geschehen ist?« und mag das in vielen Formen fragen. Doch gibt es keine Antwort, nur eine Erfahrung. Suche nur diese, und lass dich nicht von der Theologie aufhalten."
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, Begriffsbestimmung, EINLEITUNG, 4.)

Ein Suchender fragte einst Ramana Maharshi: Wie ist das Unwirkliche entstanden? Kann das Unwirkliche vom Wirklichen herrühren?”
Ramana antwortete: Finde heraus, ob es überhaupt entstanden ist. Von einem anderen Standpunkt aus betrachtet gibt es kein Unwirkliches. Nur das SELBST existiert. Wenn du versuchst das Ego zurückzuverfolgen, aufgrund dessen die Welt und alles andere existiert, findest du heraus, dass das Ego überhaupt nicht existiert, und damit existiert auch diese ganze Schöpfung nicht.”
(Tagebuch der Gespräche mit Ramana Maharshi)

In diesem Zusammenhang ist es hilfreich, uns daran zu erinnern, dass Fragen grundsätzlich nur innerhalb der Illusion existieren. Das Bemerkenswerte an einem heiligen Augenblick, oder einer Offenbarung, ist das Ausbleiben jeglicher Fragen. Es gibt in solchen Momenten keine Fragen, es ist dies der Zustand von ICH BIN.

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Die Illusion besteht aus dem Verlassen des VATERS und der Rückkehr zu IHM. Diese Rückkehr folgt einem ganz bestimmten Lehrplan. Der Kurs ist eine Hilfestellung um die Absolvierung des Lehrplans innerhalb der Illusion der Zeit zu verkürzen. Die Vergebung können wir als eine Art glücklichen Traum bezeichnen, eine Art und Weise, in der wir, die nicht Erkennenden, den Graben zwischen unserer Wahrnehmung und der Wahrheit überbrücken können.

Die Geschichte vom Verlassen des VATERS und der Rückkehr nach Hause wird in der Bibel wunder-voll im Gleichnis vom verlorenen Sohn beschrieben.

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn

Der jüngere Sohn verlangt von seinem Vater sein Erbe. Sobald er es erhalten hat, zieht er fort und verprasst das Geld im Ausland. Zum Bettler herabgesunken, arbeitet er als Schweinehirte und hungert dabei so sehr, dass er sich reumütig nach dem Haus seines Vaters zurücksehnt und sich vornimmt, dem Vater seine Sünde zu bekennen und ihn um eine Stelle als geringer Tagelöhner zu bitten. Als er dann tatsächlich nach Hause zurückkehrt, ist der Vater so froh über die Rückkehr seines Sohnes, dass er ihn kaum ausreden lässt und sofort wieder bei sich aufnimmt. Er kleidet ihn festlich ein und veranstaltet ein großes Fest.

Als sich der ältere Sohn, der dem Vater die ganze Zeit über treu gedient hat, über das Verhalten des Vaters beklagt, entgegnet dieser: „Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden“ (Bibel, Einheitsübersetzung, Lk 15,31).

Der ältere Sohn spiegelt die selbstgerechte Haltung derjenigen, die sich für besonders spirituell und „heilig“ halten und er symbolisiert den Versuch sich sein angestammtes Erbe durch entsprechendes Verhalten zu verdienen. Unser Erbe, also etwas für das wir nichts leisten müssen, ist unsere SOHNSCHAFT. Daher ist auch der Versuch durch „gottgefälliges“ Verhalten das Heil zu erlangen eine Form der Ignoranz der WAHRHEIT. Der ältere Sohn ist das Symbol für jene die glauben sie wären schon beim Vater, nur weil sie die heiligen Schriften auswendig kennen. Es gibt im Gleichnis keinen Hinweis darauf, dass der selbstgerechte Sohn an der Feier der Rückkehr, an der Feier der Auferstehung, teilgenommen hat, oder ob er allein am Feld geblieben ist.

Das Gleichnis ist eine Kritik von Jesus an den Pharisäern und Schriftgelehrten, die glauben Gott schon gefunden zu haben und die den Glauben vertreten, wir müssten uns die Teilnahme an der Feier der Rückkehr ins väterliche Paradies hart verdienen, während der Vater in Wahrheit die ganze Zeit mit offenen Händen auf uns wartet, um mit uns die Rückkehr zu feiern.

Die Einheit mit Gott als dem Vater ist das eigentliche Lebensziel beider Söhne. Wir verpassen dieses Ziel wesentlich leichter, wenn wir versuchen auf der Ebene der Person keinen Fehler zu machen, weil wir dann blind für unsere Fehler sind und nicht in der Lage sind unseren Mitmenschen ihre Fehler zu vergeben. Unsere Fehler sind es, die unser Herz öffnen, und die uns erst in die Lage versetzen zu vergeben. Gott kann nur jemanden Liebe zukommen lassen der Liebe braucht.

Ring the bells that still can ring
Forget your perfect offering
There is a crack in everything
That's how the light gets in

(Leonard Cohen, 1992)

Das Weggehen von Zuhause ist genauso ein Symbol für die Ignoranz der WAHRHEIT, dass wir GOTTES SOHNSCHAFT sind. Von Zuhause weggehen bedeutet die WAHRHEIT außer acht lassen. Von Zuhause weggehen heißt so leben, als hätten wir noch kein Zuhause und müssten erst lang und breit suchen, um eines zu finden. Das ist was man als spirituelle Suche bezeichnen könnte.

Das Gleichnis beschreibt anschaulich die Metaphysik des Lebens - die scheinbare Trennung von GOTT und die Rückkehr in die EINHEIT GOTTES.

Dass sich der Vater in der Geschichte über die Rückkehr seines Sohnes bedingungslos freut und sofort wieder in seinem Stand aufnimmt ist der Hinweis darauf, dass die Trennung eine Illusion und Sünde lediglich ein Irrtum ist. Im Irrtum zu leben ist die Hölle, aber dies ist keine Strafe des Vaters, sondern lediglich die Konsequenz des Irrtums. Wir sind nicht verantwortlich für den Irrtum, unsere einzige Verantwortung besteht darin die Berichtigung des Irrtums zu akzeptieren.

Niemand kann GOTTES LETZTEM URTEIL entrinnen. Dieses URTEIL über den SOHN GOTTES lautet:

"Heilig bist du, ewig, frei und ganz, für immer in Frieden im HERZEN GOTTES."
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 15. 1. 11.)


„You're not trapped or tamed
Without a care and without grief
You shall be free

Give up the fight and learn to surrender
All you′ve gotta do is
Give up the fight and learn to surrender
You know there's nothing to it

Let this be the start of something
The start of something true

Don't wanna keep this heart imprisoned
Let me fly away with you
You dont always need a reason
For all the things you do
When you′ve got something to believe in
You know there′s no turning back

Give up the fight and learn to surrender
All you've gotta do is
Give up the fight and learn to surrender
You know there′s nothing to it
Theres nothing to it

Let there be no scales
To weigh your unknown treasure
It is when you give of yourself
That you truly give“

(Unknown Treasure - Blank & Jones)




Der Kurs in 42 Worten

Einzig LIEBE ist wirklich!
Um von der Illusion der Trennung,
zur Wirklichkeit der LIEBE zu erwachen,
brauchen wir GOTT lediglich bitten,
dass er all jenes, in unserem Geist,
das nicht LIEBE ist, berichtigen möge
und einzig LIEBE, unser wahres SELBST,
bleibt übrig.




Urteilen

Wir haben das JÜNGSTE GERICHT bereits besprochen, aber noch nicht ausführlich genug. Nach dem JÜNGSTEN GERICHT wird es kein Urteil mehr geben. Urteilen ist symbolisch, weil es jenseits der Wahrnehmung kein Urteilen gibt. Wenn in der Bibel steht: »Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet«, heißt das, dass du es nicht vermeiden kannst, über deine eigene Wirklichkeit zu urteilen, wenn du über die Wirklichkeit anderer urteilst.

Die Entscheidung, zu urteilen, statt zu erkennen, ist die Ursache für den Verlust des Friedens. Urteilen ist der Prozess, auf dem die Wahrnehmung, nicht aber die Erkenntnis, beruht. Ich habe dies bereits erörtert, als von der Selektivität der Wahrnehmung die Rede war, und habe darauf hingewiesen, dass Bewertung ihre offensichtliche Voraussetzung ist. Urteilen beinhaltet immer Zurückweisung. Es betont niemals nur die positiven Aspekte dessen, was beurteilt wird, egal ob bei dir oder anderen. Was wahrgenommen und zurückgewiesen oder beurteilt und als ungenügend befunden wurde, das bleibt in deinem Geist, weil es wahrgenommen worden ist. Eine der Illusionen, an denen du leidest, ist der Glaube, dass das, was du abgeurteilt hast, keine Wirkung hat. Das kann nicht wahr sein, außer du glaubst auch, dass das, worüber du geurteilt hast, nicht existiert. Das glaubst du offensichtlich nicht, sonst hättest du es nicht abgeurteilt. Letztlich spielt es keine Rolle, ob dein Urteil richtig oder falsch ist. So oder so setzt du deinen Glauben in das Unwirkliche. Das ist bei jeder Art von Urteil unvermeidlich, weil es die Überzeugung voraussetzt, es stehe dir frei, aus der Wirklichkeit auszuwählen.

Du hast keine Ahnung von der außerordentlichen Befreiung und dem tiefen Frieden, die eintreten, wenn du dir selber und deinen Brüdern völlig ohne jedes Urteil begegnest. Sobald du begreifst, was du bist und was deine Brüder sind, wirst du einsehen, dass es bedeutungslos ist, sie in irgendeiner Weise zu beurteilen. Tatsächlich ist ihre Bedeutung für dich verloren, gerade weil du über sie urteilst. Jede Ungewissheit kommt von dem Glauben, dass du unter dem Zwang des Urteilens stehst. Du brauchst nicht zu urteilen, um dein Leben zu organisieren, und du brauchst es ganz gewiss nicht, um dich selber zu organisieren. In der Gegenwart der Erkenntnis wird jedes Urteil von selbst eingestellt, und das ist der Prozess, der ermöglicht, dass das Wiedererkennen die Wahrnehmung ersetzt.


(EKIW: Kapitel 3, VI. 1.-3.)

Epilog

Bei jenen Urteilen auf denen die Wahrnehmung beruht und die unsere Freiheit und unseren Frieden begrenzen, handelt es sich um Urteile über Aspekte der als fragmentiert wahrgenommenen Welt. Es sind dies Urteile wie die Folgenden: Amazon ist schlecht, der Bioladen ums Eck ist gut, die Pharmaindustrie ist böse, Homöopathie ist gut, die Fleischesser sind die Bösen, wir Veganer sind die Guten, Hollywood Filme sind schlecht, esoterische Dokumentationen sind gut, professionelle Medien lügen, der Blog meiner Yogalehrerin ist ganz besonders, alte weiße Männer sind das Letzte, junge transsexuelle Schwarze sind ganz besonders tolle Menschen, Politiker sind macht- und geldgierig, meine Freunde aus der Kursgruppe sind ganz besonders liebe Menschen, Schuld sind die Reichen und Mächtigen, die guten Armen sind die Opfer, usw. usw. Diese Urteile sind die Ursache für den Verlust des Friedens.

Die Welt, mit all ihren Erscheinungen und Geschichten, ist eine einzige gewaltige Einladung zu urteilen. Dies ist die große Versuchung, der es zu widerstehen gilt. Unser Bitte an den HEILIGEN GEIST lautet daher: Erlöse mich von meinen Urteilen.

Die Welt, also die Form, enthält an sich kein Urteil. Jedes Urteil findet einzig und allein in unserem Geist statt. Es gibt keine “Reichen”, es gibt keine “gierigen Politiker”, all dies sind lediglich Gedanken, also Urteile, in unserem Geist. Daher heißt es im Kurs:

Wie ein Mensch denkt, so nimmt er wahr. Suche deshalb nicht, die Welt zu ändern, sondern entscheide dich, dein Denken über die Welt zu ändern."
(EKIW: Kapitel 21, Einleitung 1.)

Die Aussagen des Kurses über das Urteilen lassen sich allerdings auch missverstehen. Es geht darum, nicht über die Erscheinungen der Welt im moralischen Sinne, im Sinne von gut oder schlecht zu urteilen, im Wissen, dass ein derartiges Urteil gar nicht möglich ist. Doch bis wir endgültig im Heiligen Augenblick ruhen, braucht es ein Urteil hinsichtlich der Unterscheidung von WAHRHEIT und Illusion, eine Unterscheidung zwischen dem Gedankensystem des reinen Geistes und dem Gedankensystem des Egos, damit wir die einzige Wahl die wir haben auch treffen können. In dieser Welt ist die einzig verbleibende Freiheit die Freiheit der Wahl - immer zwischen zwei Wahlmöglichkeiten oder zwei Stimmen, der vom HEILIGEN GEIST oder der vom Ego.

Hinsichtlich dieser Unterscheidung spricht der Kurs eine ganz klare Sprache. Wir finden das Wort „Wahnsinn (insanity)“ 272 mal im Kurs.

Selbst die Führung durch den HEILIGEN GEIST ist eine Form des Urteils, allerdings eine sehr hilfreiche Form. Sie ist ein Weg zurück in den Heiligen Augenblick, ein Weg zu wahrer Erkenntnis jenseits der Wahrnehmung.

Alle, die in meinen Texten namentlich erwähnten öffentlichen Personen, sind daher auch nur als Persona, als Maske, und damit als Symbol für ein Gedankensystem zu verstehen und nicht als "guter" oder "schlechter" Mensch im Sinne eines moralischen Urteils. Es gibt keine "Guten" und es gibt keine "Schlechten", es gibt keine Moral - es gibt nur WAHRHEIT und scheinbar die Illusion von Irrtum. Es gibt keine "Guten" und keine "Schlechten" weil es überhaupt keine "Anderen" gibt. All die scheinbar "Anderen" sind nur ein Teil unseres eigenen Traumes, den wir weggegeben haben, lediglich Ideen in unserem Geist, von denen wir so tun, als wären sie außerhalb von uns. In Wahrheit schreibe ich nur von mir selbst, bekannte Namen sind lediglich Symbole um Aussagen nachvollziehbarer zu machen.

Es ist nötig, die Symbole der Welt für eine Weile zu benutzen. Doch dürfen wir uns nicht von ihnen täuschen lassen. Sie stehen für überhaupt nichts, und wenn wir üben, ist es dieser Gedanke, der uns befreien wird von ihnen. Sie werden lediglich zu Mitteln, durch welche wir auf eine Weise kommunizieren können, die die Welt versteht, von denen wir aber begreifen, dass sie nicht die Einheit sind, in der wahre Kommunikation gefunden werden kann.

In spirituell gesinnten Gemeinschaften - und dazu gehören auch Kurs-Gruppen - führt der oft vorhandene, keine Abweichungen duldende, Versuch keine Urteile und damit keine negativen Gefühle zu zulassen, dazu, dass Widersprüche innerhalb der Gemeinschaft nicht mehr angesprochen werden. Das führt zu Komplexitätsverdrängung, gemeinschaftsspezifischer Gefallsucht ("people pleasing"), dann Selbstzensur ("private thoughts") und letztlich zu einem von Doppelmoral durchdrungenen Freund-und-Feind-Denken, im Sinne von: "Wir sind die Guten, die Bösen sind die Anderen außerhalb der Gemeinschaft." Das Denken in Trennung dient dazu unser wankendes Bild von uns selbst - das egoische Selbstbild, die Idee eines separaten Selbst - aufrecht zu erhalten.

Sehr beliebt in diesem Kontext ist auch das "liebevolle" Abgrenzen. Dies klingt dann beispielsweise so: “Lieber Abel, danke für dein Mail. Ich bitte dich trotzdem zu respektieren, dass ich keinen weiteren Kontakt mehr wünsche. Alles Gute und Liebe, Kain.“ Wenn wir uns von anderen Menschen abgrenzen, indem wir ihnen sogar weitere Kontaktversuche untersagen, um unser Selbstbild nicht zu gefährden - denn dies ist der einzig wahre Grund - so hat das nichts mit Liebe zu tun. Wir errichten eine Mauer und bestrafen uns damit selbst, denn wir sind es, die sich in Folge um die Erhaltung der Mauer kümmern müssen. Wir sind es, die im Geiste die Mauer erhalten, indem wir uns belügen, dadurch dass wir unsere Feindschaft Selbstliebe nennen. Wenn wir glauben uns, aus welchen Gründen auch immer, von jemanden abgrenzen zu müssen, dann sollten wir es nicht Liebe sondern Konflikt nennen. Solange wir auf dem Weg sind, werden wir nicht jeden Konflikt vermeiden können, aber solange wir uns über diesen Zustand belügen, sind wir noch nicht einmal auf dem Weg.

Ein Nichtangriffspakt ist ein Nichtangriffspakt, aber kein Frieden.

Wenn in der Kommunikation mit einem Bruder im Geiste, mit einem anderen Kursschüler, etwas als "angriffig" erlebt wird, so ist es wichtig, dies nicht als unerlaubte Aktion abzuqualifizieren, sondern genau diese Situation als Mittel zur Heilung zu nutzen. Der „Angreifer“ kann sich ehrlich die Frage stellen: “Was projiziere ich?” Der „Angegriffene“ kann sich ehrlich die Frage stellen: "Was verteidige ich?" Denn nur wenn wir etwas verteidigen, gibt es etwas das angegriffen werden kann. Das Einzige das angegriffen werden kann und das wir daher verteidigen können, ist unser falsches Selbstbild - unser wahres SELBST ist nicht angreifbar.

"Besonderheit ist der große Diktator, der falsche Entscheidungen diktiert. Hier ist die imposante Illusion über das, was du bist und was dein Bruder ist. Und hier ist, was den Körper lieb und teuer und der Erhaltung wert macht. Besonderheit muss verteidigt werden. Illusionen können sie angreifen, und sie tun es."
(EKIW: Kapitel 24, I. 5. 1.-5.)

Wenn wir unsere Urteile ins Unterbewusstsein verdrängen, werden sie als Projektionen wieder an der Oberfläche erscheinen. Es ist immer die gleiche Idee: Wir und die Anderen. Auch ein islamischer Terrorist der in Europa andersgläubige Menschen in die Luft sprengt, ist zu Hause ein hilfsbereiter Mensch, der seine Mutter liebt und alles für sie tut.

Es ist wichtig uns immer wieder daran zu erinnern, dass die Arbeit mit dem Kurs immer noch aus der Position der egoischen Identifikation mit der Person heraus geschieht. Wenn dem nicht so wäre, bräuchten wir den Kurs nicht. Das gesamte Denken basiert auf Glaubenskonzepten, die wie tausende Gefängnisse in uns wirken. Selbst besonders komplexes oder logisches Denken ist unbewusst, da es auf dem komplexen Glauben, eine getrennte Person zu sein, basiert. Daher beinhaltet der spirituelle Befreiungsprozess das Befreien vom Glauben an die eigene Person, um in die höhere Bewusstseinsebene zu gelangen, in die Position des Träumers des Traums, aus der dann fortan betrachtet wird.

Die Stimme der Angst macht uns jedoch ständig Vorschläge, wie wir uns verhalten sollten, damit wir die Kontrolle über unsere persönliche Lebenssituation behalten können und dabei spielt die Gruppe eine wichtige Rolle. Jenen, tief in unserem Unterbewusstsein schlummernden, Teil des Ego-Denksystems nennen wir üblicherweise Sozialtrieb - den Kampf ums Überleben als akzeptierter Teil der Gruppe.

Es besteht ein Unterschied zwischen "einer Freundschaft in Freiheit und einer in Gefangenschaft". Das ausbruchsicherste Gefängnis ist die Gefangenschaft im egoischen Glaubenssystem - besonders dann, wenn es sich als "spirituell" tarnt.

Auch die Kunst der Selbstinszenierung in den sozialen Medien ist in Wahrheit der verzweifelte Versuch vor “seinen Menschen” gut da zu stehen und damit Teil der, wenn auch nur virtuellen, Gruppe zu sein. Für Menschen deren Persönlichkeitsstruktur vom Sozialtrieb dominiert wird, ist die Zugehörigkeit zur Gruppe und ihr Ansehen in der Gruppe besonders wichtig, sie werden daher besonders intensiv bemüht sein, nur ja nicht ihre Urteile im Geiste über Gruppenmitglieder auszusprechen.

Das "spirituelle" Ego versucht die vollkommene Kommunikation zu verleugnen, die den heiligen Augenblick zu dem macht, was er ist, indem es Gedanken für sich allein behält. Es versucht mit privaten Gedanken ein spirituelles Selbstbild von völliger Urteilslosigkeit aufrechtzuerhalten, um damit all die Urteile im Innersten zu verbergen. Mit Konzepten von "wir haben uns alle lieb" und "alles darf sein" wird Scheinheiligkeit inszeniert. Es macht allerdings für unser Seelenheil keinen Unterschied, ob wir einen Gedanken aussprechen, oder für uns behalten. Es ist der Gedanke an sich, der darüber entscheidet ob in uns Krieg oder Frieden herrscht.

"... Der heilige Augenblick ist eine Zeit, in der du vollkommene Kommunikation empfängst und gibst. Das bedeutet aber, dass er eine Zeit ist, in der dein Geist offen ist, um sowohl zu empfangen wie zu geben. Er ist die Einsicht, dass jeder Geist mit jedem anderen in Kommunikation steht. Der heilige Augenblick sucht deshalb nichts zu verändern, sondern nur alles anzunehmen.

Wie kannst du das tun, wenn du es vorziehst, private Gedanken zu haben und sie zu behalten? Die einzige Weise, wie du dies tun könntest, wäre, die vollkommene Kommunikation zu verleugnen, die den heiligen Augenblick zu dem macht, was er ist. Du glaubst, du könntest Gedanken hegen, die du nicht teilen möchtest, und die Erlösung liege darin, Gedanken für dich allein zu behalten. Du glaubst nämlich, du könntest mit privaten Gedanken, die nur dir allein bekannt sind, einen Weg finden, das zu behalten, was du für dich haben möchtest, und das zu teilen, was du teilen möchtest. Dann fragst du dich, wie es wohl kommt, dass du nicht in voller Kommunikation mit denen stehst, die um dich sind, und mit GOTT, DER euch alle zusammen umgibt.


(EKIW: Kapitel 15, IV. 6.&7.)



Sünde

Der griechische Ausdruck hamartia des Neuen Testaments und das hebräische Wort chata’a oder chat'at des Tanach bedeuten Verfehlen eines Ziels - konkret und im übertragenen Sinn - und werden in deutschen Bibelübersetzungen mit Sünde wiedergegeben. Eine volksetymologische Deutung führt das Wort Sünde auf das germanische sund zurück, weil Sund eine Trennung zweier Landmassen bezeichnet. Das Wort lässt sich nach einer anderen Erklärung allerdings auch vom altnordischen Verb sundr herleiten. Es bedeutet „trennen“ oder „aufteilen“.

„Verfehlen eines Ziels“ und „Trennung“ beschreiben sehr gut, worauf der Begriff Sünde ursprünglich verwiesen hat. Erst die Verknüpfung dieser Begriffe mit Urteilen wie Gut und Böse und der damit verbundenen Vorstellung von Schuld und Strafe, machen aus dem Begriff Sünde ein Konzept des Egos, ein Konzept, welches sich auch hinter dem Begriff Moral versteckt. Moral ist eine Illusion. Moral ist lediglich der verzweifelte Versuch des Egos die unangenehmen Auswirkungen des zentralen Trennungsgedanken auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, ohne den zentralen Irrtum aufgeben zu müssen. Es gibt keinen Teil im egoischen Gedankensystem, der heftiger verteidigt wird, als die Idee, dass Sünde wirklich ist.

Beim Thema Sünde geht es nicht um ein Thema das nur ein paar ewig gestrige Kirchgänger betrifft. Auch wenn das Wort selbst alt ist, das Thema ist stets aktuell. Der Moralismus unserer Zeit ist Ausdruck des Denkens in Sünde. Wer nicht biologisch, fairtrade, CO2-neutral und gendergerecht konsumiert sündigt und wird in den sozialen Medien mit Verachtung und Hass bestraft. Es herrschen diffuse Ressentiment gegen die bösen Reichen und mit ähnlichem moralischem Rigorismus wird in der Klimadebatte argumentiert. Verantwortungslos sei es, heißt es etwa mit erhobenem Zeigefinger, unseren Kindern eine Welt zu hinterlassen, in der sie bald nicht mehr atmen könnten. Überall und jederzeit werden Umweltsünden angeprangert. Es wird immer schwieriger einzukaufen, ohne zu sündigen. Bei Amazon etwas zu bestellen gehört ohnedies zu den sieben Todsünden des neuen Moralismus.

Die christlichen Glaubensgemeinschaften behaupten mehrheitlich Jesus, der Sohn Gottes, hätte durch seinen Tod am Kreuz, die Sünden der Welt auf sich genommen. Gleichzeitig wird aber weiter daran geglaubt, dass Sünde möglich ist. Was für ein kurioser Widerspruch. Dieser eigenartige Widerspruch kam in erster Linie durch Paulus ins "Neue" Testament. Er schreibt in seinem Brief an die Korinther: "Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden." (1.Korinther 15, 3.&4.) Paulus bezieht sich selbst auf die "Schrift", also auf das Alte Testament. Paulus war nicht in der Lage die radikal neue Botschaft Jesu, der Erlösung von der Idee der Sünde, zu begreifen.

Wenn wir unser Ziel verfehlen, und in der Illusion der Trennung leben, so verursacht dies automatisch Leid, aber dies ist keine Strafe Gottes, sondern lediglich die Folge der Illusion, die Folge des Irrtums.

Es ist sehr wichtig, den Irrtum nicht mit Sünde zu verwechseln, und es ist diese Unterscheidung, die die Erlösung möglich macht. Denn Irrtum kann berichtigt und das Falsche richtig gestellt werden. Die Sünde aber, wäre sie möglich, ließe sich nicht mehr rückgängig machen. Der Glaube an die Sünde fußt notwendig auf der festen Überzeugung, dass der Geist, und nicht der Körper, angreifen kann. So ist der Geist denn schuldig und wird es ewig bleiben, außer wenn ihm ein Geist, der kein Teil von ihm ist, die Absolution erteilen kann. Die Sünde verlangt nach Strafe, wie der Irrtum nach Berichtigung verlangt, und die Überzeugung, Strafe sei Berichtigung, ist eindeutig wahnsinnig.

Die Sünde ist kein Irrtum, denn die Sünde bringt eine Arroganz mit sich, die der Idee des Irrtums fehlt. Sündigen hieße gegen die Wirklichkeit verstoßen und darin erfolgreich sein. Die Sünde verkündigt, dass Angriff wirklich und Schuld gerechtfertigt ist. Sie geht davon aus, dass der SOHN GOTTES schuldig ist und dass es ihm demnach gelungen ist, seine Unschuld zu verlieren und sich selbst zu etwas zu machen, was GOTT nicht erschaffen hat. So wird die Schöpfung als nicht ewig gesehen und der WILLE GOTTES als dem Widerstand und der Niederlage ausgesetzt betrachtet. Die Sünde ist die größenwahnsinnige Illusion, die dem gesamten Größenwahn des Ego zugrunde liegt.
Denn durch sie wird GOTT SELBST verändert und unvollständig gemacht.

Der SOHN GOTTES kann im Irrtum sein, er kann sich selber täuschen, er kann sogar die Macht seines GEISTES gegen sich selber richten. Aber er kann nicht sündigen. Es gibt nichts, was er tun könnte, das seine Wirklichkeit in irgendeiner Weise wirklich verändern oder ihn wirklich schuldig machen würde. Das ist es, was die Sünde tun möchte, denn das ist ihr Zweck. Doch trotz der ganzen wilden Verrücktheit, die der gesamten Idee der Sünde innewohnt, ist sie unmöglich. Denn der Sold der Sünde ist der Tod und wie können die Unsterblichen denn sterben?

Ein wichtiger Glaubenssatz in der wahnsinnigen Religion des Ego ist, dass Sünde nicht Irrtum ist, sondern Wahrheit und dass es die Unschuld ist, die täuscht. Reinheit wird als Arroganz gesehen, und das Selbst als sündig zu akzeptieren wird als Heiligkeit wahrgenommen. Es ist diese Doktrin, die die Wirklichkeit des GOTTES SOHNES ersetzt, wie ihn sein VATER schuf und wollte, dass er ewig sei. Ist das Demut? Oder ist es vielmehr ein Versuch, die Schöpfung der Wahrheit zu entreißen und sie getrennt zu halten?

Jeder Versuch, Sünde in Irrtum umzudeuten, ist für das Ego immer unentschuldbar. Die Idee der Sünde ist für sein Denksystem gänzlich sakrosankt und völlig unnahbar, es sei denn mit Ehrfurcht und Verehrung. Sie ist das »allerheiligste« Konzept im Denksystem des Ego, schön und mächtig, gänzlich wahr und notwendigerweise durch jede ihm zur Verfügung stehende Abwehr geschützt. Denn hier liegt seine »beste« Abwehr, der jede andere dient. Hier liegt sein Panzer, sein Schutz und der fundamentale Zweck der besonderen Beziehung, wie es sie deutet.


(EKIW: Kapitel 19, II. 1.-5.)

Wenn wir den Begriff Sünde richtigerweise als Irrtum verstehen, dann verstehen wir auch den Begriff Erbsünde richtig. Es ist dies der zentrale Irrtum dem die Welt zugrunde liegt. Die Welt ist eine Projektion des Ego-Geistes und somit Ausdruck der Illusion der Trennung von GOTT. Zu glauben eine frei handelnde, von Gott getrennte, Person zu sein, ist Ausdruck des Erbirrtums.

„Dies ist kein Kurs in philosophischer Spekulation, noch befasst er sich mit einer präzisen Terminologie. Er befasst sich nur mit der SÜHNE oder der Berichtigung der Wahrnehmung. Das Mittel der SÜHNE ist die Vergebung. Die Struktur eines individuellen Bewusstseins ist im wesentlichen unerheblich, weil es ein Konzept ist, das den Erbirrtum oder die Erbsünde darstellt. Den Irrtum selbst zu untersuchen führt nicht zur Berichtigung, wenn es dir fürwahr gelingen soll, den Irrtum zu übersehen. Und es ist genau dieser Prozess des Übersehens, auf welchen der Kurs abzielt.“
(EKIW: BEGRIFFSBESTIMMUNG, EINLEITUNG, 1.)

Symbolik des „Sündenfalls“

Der „Sündenfall“ beschreibt die Illusion des Ego‘s - die Illusion eines von GOTT getrennten Menschen. Alle folgenden Bibelzitate stammen aus 1. Mose 3 Der Fall des Menschen der Bibel Einheitsübersetzung 2016:

„1 Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der HERR, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? 2 Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; 3 nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.“

Das Ego ist der Gefangene und das Gefängnis, der in Versuchung geführte Mensch und der Versucher, das Opfer eines strafenden Gottes und der Teufel. An sich ist die Schlange das Symbol für Heilung, aber das Ego hat daraus den Teufel gemacht. In der Ego-Illusion zu leben, bedeutet in der Illusion des Todes zu leben.

„4 Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. 5 Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.“

Das Ego stellt sich an die Stelle Gottes und glaubt es könnte entscheiden und selber getrennt von GOTT das Glück finden. Die Dualität ist geboren. Das Ego-Denksystem beruht auf der Unterscheidung von Gut und Böse. GOTT kennt kein Gut und Böse, Gott ist LIEBE ohne Gegenteil.

„6 Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und begehrenswert war, um klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. 7 Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz. 8 Als sie an den Schritten hörten, dass sich Gott, der HERR, beim Tagwind im Garten erging, versteckten sich der Mensch und seine Frau vor Gott, dem HERRN, inmitten der Bäume des Gartens. 9 Aber Gott, der HERR, rief nach dem Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du? 10 Er antwortete: Ich habe deine Schritte gehört im Garten; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich.“

Die Idee der Schuld ist geboren und ihre Quelle die Angst. Die Illusion der Trennung erzeugt Angst.

„11 Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, davon nicht zu essen? 12 Der Mensch antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben. So habe ich gegessen.“

Die zentrale Strategie des Egos um mit dem Thema Schuld zurecht zu kommen ist die Projektion der Schuld nach Außen - Schuld sind immer die Anderen. Der Kampf der Geschlechter ist ein weiteres Symbol für die Idee der Trennung.

„13 Gott, der HERR, sprach zu der Frau: Was hast du getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt. So habe ich gegessen.“

Wieder die Projektion der Schuld nach Außen. Das Ego übernimmt nicht die Verantwortung sondern fühlt sich als Opfer des Bösen - des Teufels. Doch in Wahrheit ist das Ego selbst der „Teufel“.

„14 Da sprach Gott, der HERR, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch wirst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. 15 Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse. 16 Zur Frau sprach er: Viel Mühsal bereite ich dir und häufig wirst du schwanger werden. Unter Schmerzen gebierst du Kinder. Nach deinem Mann hast du Verlangen und er wird über dich herrschen. 17 Zum Menschen sprach er: Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem ich dir geboten hatte, davon nicht zu essen, ist der Erdboden deinetwegen verflucht. Unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens. 18 Dornen und Disteln lässt er dir wachsen und die Pflanzen des Feldes wirst du essen. 19 Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst; denn von ihm bist du genommen, Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.“

Das Denksystem des Egos produziert Feindschaft, Mühsal, Schmerzen und die Illusion des Todes. Das Ego ist die Identifikation mit dem Körper, der eines Tages zu Staub zerfallen wird und somit lebt das Ego in ständiger Angst vor dem Tod.

„20 Der Mensch gab seiner Frau den Namen Eva, Leben, denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen. 21 Gott, der HERR, machte dem Menschen und seiner Frau Gewänder von Fell und bekleidete sie damit. 22 Dann sprach Gott, der HERR: Siehe, der Mensch ist wie einer von uns geworden, dass er Gut und Böse erkennt. Aber jetzt soll er nicht seine Hand ausstrecken, um auch noch vom Baum des Lebens zu nehmen, davon zu essen und ewig zu leben.“

In der Illusion vom strafenden Gott, in der das Ego lebt, will Gott nicht, dass der Mensch zum ewigen Leben erwacht.

„23 Da schickte Gott, der HERR, ihn aus dem Garten Eden weg, damit er den Erdboden bearbeite, von dem er genommen war. 24 Er vertrieb den Menschen und ließ östlich vom Garten Eden die Kerubim wohnen und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten.“

Das Ego produziert Wächter vor der WAHRHEIT, um die Illusion der Trennung aufrecht erhalten zu können. Der angsterregendste „Wächter“ ist die Idee der Sünde.

„Die Reise, die wir gemeinsam unternehmen, ist der Austausch der Dunkelheit gegen das Licht, der Unwissenheit gegen das Verstehen. Nichts, was du verstehst, ist angsterregend. Nur in der Dunkelheit und Unwissenheit nimmst du das Beängstigende wahr und weichst vor IHM zurück in noch tiefere Dunkelheit. Und doch ist es nur das Verborgene, das erschrecken kann, und nicht um dessentwillen, was es ist, sondern um seiner Verborgenheit willen. Das Verschleierte ist beängstigend, weil du seine Bedeutung nicht verstehst. Tätest du es, so wäre es klar, und du wärst nicht länger im Dunkeln. Nichts hat einen verborgenen Wert, denn was verborgen ist, kann man nicht teilen, und daher ist sein Wert unerkannt. Verborgenes wird getrennt gehalten, Wert aber liegt immer in gemeinsamer Würdigung. Was verheimlicht wird, kann nicht geliebt werden, deshalb muss es gefürchtet werden.

Das stille Licht, in dem der HEILIGE GEIST in deinem Inneren wohnt, ist lediglich vollkommene Offenheit, in der nichts verborgen und deshalb nichts angsterregend ist. Angriff weicht der Liebe immer, wird er der Liebe überbracht und nicht vor ihr verborgen. Es gibt keine Dunkelheit, die das Licht der Liebe nicht auflösen würde, es sei denn, sie wird vor der Mildtätigkeit der Liebe geheimgehalten. Was von der Liebe ferngehalten wird, kann ihre heilende Kraft nicht teilen, weil es abgetrennt und in der Dunkelheit gehalten wurde. Die Wächter der Dunkelheit bewachen es sorgfältig, und du, der du diese Wächter der Illusionen aus dem Nichts gemacht hast, hast jetzt Angst vor ihnen.


(EKIW: Kapitel 14, VI. 1.&2.)



Leiden

„Dies tut zu meinem Gedächtnis“ (Lukas 22,19) wird von religiösen Christen als Aufforderung verstanden, uns an das Leiden Jesu zu erinnern. Wenn wir wirklich glauben Jesus hätte für unsere Sünden gelitten und wäre für unsere Sünden gestorben und wir müssten uns auch noch ständig daran erinnern, wie sollen wir da je ein freudvolles und glückseliges Leben führen? Im Angesicht der für unsere Sünden erlittenen Leids Jesu glücklich zu sein, wäre wahrlich Sünde und unser eigenes Leid wäre eine folgerichtige Bedingung.

Weil Jesus vergeben konnte, hat er mit seinem Beispiel eine neue Hoffnung und eine neue Weltsicht geschaffen, die - die Menschen damals und heute - von der Angst befreit für ewig verdammt zu sein. Auch wenn die Botschaft, dass Jesus die Sünden der Welt auf sich genommen hätte, falsch ist, wären die Menschen vor 2000 Jahren, ohne dieser Botschaft, weiterhin in der Hoffnungslosigkeit versunken.

„Nein, nein, nein, Christus litt niemals. Der Mensch erblickte ihn als leidend. …
So sah der Mensch von der Ebene des eigenen Leidens, dass sein Erlöser litt.
Aber Christus in sich selbst hat niemals gelitten.“

(Maharishi Mahesh Yogi, 1918–2008)

Wenn wir aus der Wahrnehmung des Egos heraus die Bilder der Kreuzigung Jesus betrachten, sehen wir einen leidenden Jesus, egal ob vor 2000 Jahren oder jetzt. Weil die körperliche Sicht der Welt automatisch eine Kreuzigung als leidvoll wahrnimmt. Das hat allerdings nichts mit dem GEIST Jesus zu tun, sondern ist eine Projektion des Egos.

Im Gedächtnis Jesu zu leben bedeutet in Liebe, Frieden und Glückseligkeit zu leben!

"Und es geschah, als Jesus alle diese Reden beendet hatte, sagte er zu seinen Jüngern: Ihr wisst, dass in zwei Tagen das Paschafest ist; da wird der Menschensohn ausgeliefert, um gekreuzigt zu werden" (Matth. 26, 1.&2.). Jesus hat seine Kreuzigung angekündigt, aber er hat nie gesagt, dass er für die Sünden der Menschen leiden müsste. Er hat daher auch ganz klar zwischen Menschensohn und Gottessohn unterschieden. Die Idee vom Leiden für die Sünden der Welt ist lediglich eine Geschichte aus dem alten Testament, die von ein paar Aposteln übernommen wurde. „Denn es hat ja Christus einmal für Sünden gelitten“ (1. Petrus 3,18). Damit begann die Verherrlichung des Leidens Jesu.

Leiden ist ein zentrales Element der Ego-Illusion, als Folge der Idee der Schuld. Im Gedankensystem des Egos muss Schuld durch Leiden kompensiert werden. Wenn wir im Alter unter körperlichen Gebrechen leiden, so schreiben wir das gerne unseren Jugendsünden zu. Diese wahnsinnige Idee sitzt tief in unserem Unterbewusstsein. Die endgültige Strafe ist der Tod. „Denn der Lohn der Sünde ist der Tod“ (Römer 6,2). Der Glaube an Schuld, Leid und Strafe geht einher mit dem Glauben an den Tod. Das Glaubenssystem des Egos ist in sich geschlossen.

Den Gipfel der Verrücktheit stellen die sogenannten 15 geheimen Leiden und Schmerzen Jesus dar. Einer Legende nach erfüllte Christus den Wunsch einer Ordensschwester, die etwas von seinen heimlichen Leiden zu wissen begehrte, indem er erschien und ihr fünfzehn Schmerzen, die er in der Nacht vor seinem Tode ausgestanden hatte, offenbarte. Christus sprach angeblich zu ihr: „Die Juden hielten mich für den schlimmsten Menschen, der damals auf Erden war. Darum (1.) banden sie mir mit einem Seil meine Füße und rissen mich über die Stiege hinab in einen unsauberen, stinkenden Keller, (2.) entblößten sie mich meiner Kleider und zerstachen meinen Leib mit eisernen Spitzen; …“ Ihr Gedächtnis galt in der katholischen Volksfrömmigkeit des 17. und 18. Jahrhunderts als besonders wirksam zur Vergebung der Sünden.

Kasteiung oder Selbstkasteiung (von lat. castigatio, ‚Züchtigung‘) bezeichnet freiwillige Entbehrungen und Leiden um eines höheren Gutes willen. Im Christentum kann Kasteiung auch im Sinne des körperlichen Mit- oder Nachvollzugs des Leidens Christi, erfolgen. Catharina von Gebsweiler (1250–1330) beschreibt in ihren Lebensbeschreibungen den Klosteralltag: "Einige müheten sich in häufigen Kniebeugungen und schlugen sich selber unter dem Anbeten der Majestät des Herrn. ... Andere geißelten sich und zerrissen auf’s Heftigste sich an einzelnen Tagen das Fleisch durch Ruthentstreiche, andere mit knotenreichen Riemen, welche zwei oder drei Ausläufer hatten, noch andere aber mit Dornengeißeln."

Auch im Hinduismus und im Islam gibt es die Selbstkasteiung. Ein Beispiel bei den Schiiten sind die Trauer- und Bußrituale anlässlich der schiitischen Passionsspiele, insbesondere am Märtyrer-Gedenktag Aschura.

Hinter dem Ritual der Selbstkasteiung steht einerseits die Idee von Schuld und Strafe, aber auch die irrige Annahme, dass es bei Askese und Kasteiung darum ginge etwas Wünschenswertes aufzugeben. In Wahrheit aber geht es auf dem spirituellen Weg darum, zu erkennen, dass das, was einst als wünschenswert erschien, nur eine Illusion, eine Ablenkung von der WAHRHEIT ist und dass das Aufgeben des scheinbar Wünschenswerten eine große Befreiung ist.

„Die dritte Stufe, die der Lehrer GOTTES durchlaufen muss, kann als »eine Phase des Aufgebens« bezeichnet werden. Wenn dies als Aufgeben von Wünschenswertem gedeutet wird, wird es enorme Konflikte erzeugen. Wenige Lehrer GOTTES entrinnen völlig dieser Not. Es hat allerdings keinen Sinn, das Wertvolle vom Wertlosen zu trennen, wenn nicht der nächste offensichtliche Schritt getan wird. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass »die Phase der Überschneidung «eine Zeit ist, in der der Lehrer GOTTES sich dazu aufgerufen fühlt, das, was zu seinem Besten ist, für die Wahrheit zu opfern. Es ist ihm bis jetzt noch nicht klargeworden, wie gänzlich unmöglich eine solche Forderung wäre. Er kann das nur lernen, indem er das Wertlose tatsächlich aufgibt. Dadurch lernt er, dass er dort, wo er Gram erwartete, statt dessen eine glückliche Unbeschwertheit findet, und dort, wo er dachte, etwas werde von ihm verlangt, eine Gabe findet, die ihm verliehen wird.
(EKIW: III. HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. I. 5.)

Auch in modernen esoterischen Gedankensystemen finden wir die Verherrlichung des Leidens wieder. Da muss ständig etwas durchgearbeitet werden, Karma abgearbeitet werden, Leid muss durchlitten werden, weil das angeblich „reinigt“ und dann wird irgendwann alles besser. Mit diesen Gedanken halten wir an der Illusion der Zeit und damit am Leid fest.

Nicht Leiden heilt, sondern die Erlösung vom Leid ist die Heilung.

Die Erlösung wartet im JETZT auf uns. Jesus hat nicht gelitten, weil er zum Zeitpunkt seiner Kreuzigung erleuchtet und nicht mehr mit seinem Körper identifiziert war. Und schon gar nicht hat er für die Sünden von jemanden gelitten. Gott zu unterstellen, dass das Leiden Christi Gottes Plan für die Erlösung der Welt war, wäre Gotteslästerung, wenn Gotteslästerung möglich wäre. Das ist für religiöse Christen nicht einfach anzuerkennen, weil Sünden und Leiden die Basis des religiösen Christentums bilden.

Leiden entsteht durch die Unwilligkeit, durch Ausrichtung auf das unvermeidliche Sosein des gegenwärtigen Augenblicks, eins mit dem Leben zu sein:

Leiden
ist Widerstand gegen Heilung,
ist Widerstand gegen die WAHRHEIT.

„Die Reise zum Kreuz sollte die letzte »nutzlose Reise« sein. Halte dich nicht damit auf, sondern lass sie als vollbracht hinter dir. Wenn du sie als deine letzte nutzlose Reise annehmen kannst, dann steht es dir auch frei, dich meiner Auferstehung anzuschließen. Solange du das nicht tust, ist dein Leben in der Tat verschwendet. Es inszeniert bloß aufs neue die Trennung, den Verlust der Macht, die vergeblichen Wiedergutmachungsversuche des Ego und schließlich die Kreuzigung des Körpers beziehungsweise den Tod. Solche Wiederholungen sind endlos, bis sie aus freien Stücken aufgegeben werden. Begehe nicht den mitleiderregenden Fehler, dich an das alte rauhe Kreuz zu klammern. Die einzige Botschaft der Kreuzigung ist die, dass du das Kreuz überwinden kannst. Bis dahin steht es dir frei, dich so oft zu kreuzigen, wie du willst. Das ist nicht das Evangelium, das ich dir anbieten wollte. Wir haben eine andere Reise zu unternehmen, und wenn du diese Lektionen sorgfältig liest, werden sie dir helfen, dich auf sie vorzubereiten.
(EKIW: Kapitel 4, Einleitung, 3)

Viele der Mittel, die auf die Zukunft ausgerichtet sind, um die Befreiung von einem Zustand gegenwärtiger Unwürdigkeit und Unzulänglichkeit zu erlangen, sind mühsam und sehr zeitaufwendig. Der Weg den der Kurs beschreibt ist ein anderer, nicht was das Ziel, sondern was die Mittel betrifft. Eine heilige Beziehung ist ein Mittel, um Zeit einzusparen. Ein heiligen Augenblick, den wir gemeinsam mit einem Bruder verbringen, gibt uns beiden das Universum wieder.

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, heißt es und so ist es: Erst wenn wir uns von der Hoffnung, als Idee in der Zeit, verabschieden und im JETZT ruhen, sind wir frei von Leid. Hoffnung richtet sich immer auf die Zukunft, doch dort ist Erlösung nicht zu finden, Erlösung vom Leid ist nur im Heiligen Augenblick - im JETZT - zu finden.

Suche nicht nach deiner Hoffnung außerhalb deines VATERS. Denn Hoffnung auf das Glück ist nicht Verzweiflung.“   (EKIW: Kapitel 29, VII. 10. 6.&7.)



Opfer

„Komm raus aus deiner Opferrolle! Pack dein Leben aktiv an und bastel dir dein Traumleben. Und wie dir das gelingt, erfährst du hier“, so oder so ähnlich klingen die Rezepte diverser Lifestyle-Blogs. Dabei geht es meist darum sich von der Idee der persönlichen Unfreiheit zu befreien und sich seinen Ego-Trip möglichst schön zu reden. Das ist eine Erfahrung die gerne gemacht wird, hat aber nichts mit dem zu tun worum es im Kurs geht.

Im Kurs geht es darum zu erkennen und in Folge zu erfahren, dass ein Opfer in Wahrheit unmöglich ist. Es gilt zu erkennen, dass die Opferrolle eine Illusion ist und dass der Wechsel von der Opfer- in die Macher-Rolle auch nur ein Aspekt dieser Illusion ist und somit keine wirkliche Befreiung darstellt. Schuld und Opfer bilden die Basis des Traumlebens, daher ist innerhalb des Traumlebens keine Befreiung davon möglich.

VATER, für DICH bleibt jedes Opfer ewig unvorstellbar. So kann ich denn nicht opfern außer in Träumen. So wie Du mich schufst, kann ich nichts aufgeben, was Du mir gegeben hast. Was Du nicht gabst, hat keine Wirklichkeit. Welchen Verlust kann ich erwarten als den Verlust der Angst und die Wiederkehr der Liebe in meinen Geist?“
(EKIW: LEKTION 322, 2.)

Solange wir noch nicht von der wahnsinnigen Idee des Opferns befreit sind, sitzt tief im individuellen und kollektiven Unbewussten diese ganz zentrale Idee des Ego-Denksystems, von der wir uns selbst nicht befreien können - aber wir können den HEILIGEN GEIST bitten unseren Geist zu berichtigen. Ausdruck der egoischen Idee des Opferns ist auch die Geschichte, dass Jesus sich für die Sünden der Menschen geopfert hätte. Gott, wie er im alten Testament und in den Paulusbriefen beschrieben wird, verhält sich wie die antiken Götter, deren Zorn durch ein Opfer besänftigt werden musste. Paulus hat einfach die alten Ideen übernommen, da sich im die radikal neue Botschaft Jesu nicht erschlossen hat.

„Ein weiterer Punkt muss völlig klar sein, bevor der letzte Rest von Angst, die immer noch mit Wundern assoziiert wird, verschwinden kann. Nicht die Kreuzigung begründete die SÜHNE, sondern die Auferstehung. Viele aufrichtige Christen haben dies missverstanden. Niemand, der vom Glauben an Mangel frei ist, könnte diesen Fehler überhaupt begehen. Betrachtet man die Kreuzigung in einer Sichtweise, die auf dem Kopf steht, so erscheint es tatsächlich so, als hätte GOTT erlaubt, dass einer SEINER SÖHNE leidet, weil er gut war, und als hätte ER ihn sogar dazu ermutigt. Diese besonders unglückselige Deutung, die aus der Projektion entstand, hat dazu geführt, dass viele Menschen bitterliche Angst vor GOTT haben. Solch antireligiöse Vorstellungen gehen in viele Religionen ein. Der wirkliche Christ aber sollte innehalten und fragen: »Wie ist das möglich?« Ist es denn anzunehmen, dass GOTT SELBST einer Art von Denken fähig wäre, das SEINE EIGENEN Worte klar als SEINES SOHNES unwürdig bezeichnet haben?“
(EKIW: Kapitel 3, I. 1.)

In unserem persönlichen Alltag drückt sich diese Geschichte in der Vorstellung aus, dass eine Beziehung ein Opfer von uns verlangt. Egal ob wir in einer Paarbeziehung ein Opfer bringen, oder ob wir uns für unsere Kinder aufopfern.

Auf die eine oder andere Weise fußt jede Beziehung, die das Ego eingeht, auf der Idee, es werde größer, indem es sich selbst opfert. Das »Opfer«, welches es als Läuterung betrachtet, ist eigentlich die Wurzel seines bitteren Grolls. Es würde nämlich lieber direkt angreifen und vermeiden, das zu verzögern, was es wirklich will. Doch erkennt das Ego die »Wirklichkeit« so an, wie es sie sieht, und begreift, dass niemand den direkten Angriff als Liebe deuten könnte. Schuldig machen aber ist ein direkter Angriff, auch wenn es nicht so aussieht. Denn die Schuldigen erwarten Angriff, und da sie ihn erbeten haben, zieht er sie an.“
(EKIW: Kapitel 15, VII. 6.)

Leid und Opfer sind die Gaben, mit denen das Ego alle Verbindungen »segnen« möchte. Und die, die an seinem Altar vereint sind, akzeptieren Leid und Opfer als den Preis der Vereinigung. In ihren ärgerlichen Bündnissen - aus Angst vor Einsamkeit geboren und dennoch dem Fortbestand der Einsamkeit verschrieben - sucht jeder nach Entlastung von der Schuld, indem er sie im andern mehrt. Denn jeder glaubt, dass das die Schuld in IHM vermindert. Der andere scheint ihn immer anzugreifen und zu verletzen, viel leicht in kleinen Dingen, vielleicht »unbewusst«, doch nie, ohne ein Opfer zu fordern. Die Wut derjenigen, die am Altar des Ego verbunden sind, ist weitaus größer, als du gewahr wirst. Denn was das Ego wirklich will, das merkst du nicht.“
(EKIW: Kapitel 15, VII. 9.)

„Die Idee ist einfach folgende: Du glaubst, dass es möglich ist, Gastgeber des Ego zu sein oder Geisel GOTTES. Das ist die Wahl, die du zu haben glaubst, und die Entscheidung, die du nach deiner Ansicht treffen musst. Du siehst keine anderen Alternativen, denn du kannst die Tatsache nicht akzeptieren, dass Opfern nichts bringt. Opfern ist für dein Denksystem so wesentlich, dass Erlösung von Opfer unabhängig dir nichts bedeutet. Deine Verwechslung von Opfern und Liebe geht so tief, dass du dir Liebe ohne Opfer nicht vorstellen kannst. Und genau das musst du dir ansehen: Opfern ist Angriff, keine Liebe. Wenn du nur diese eine Idee akzeptieren wolltest, deine Angst vor der Liebe würde schwinden. Schuld kann nicht andauern, wenn die Idee des Opferns beseitigt worden ist. Denn wenn es Opfer gibt, dann muss jemand bezahlen und jemand bekommen. Und die einzige Frage, die dann noch bleibt, ist die, wie hoch der Preis ist und was man dafür bekommt.“
(EKIW: Kapitel 15, X. 5. 4.-13.)

Du denkst, dass jeder außerhalb von dir dein Opfer fordert, siehst aber nicht, dass du allein ein Opfer forderst, und das nur von dir selbst. Indessen ist die Forderung nach Opfern so brutal und derart furchterregend, dass du sie nicht dort akzeptieren kannst, wo sie ist. Der wirkliche Preis, dies nicht zu akzeptieren, war so hoch, dass du GOTT weggegeben hast, statt es dir anzusehen. Wenn GOTT dir nämlich ein totales Opfer abverlangen wollte, scheint es sicherer, IHN nach außen und weg von dir zu projizieren und nicht SEIN Gastgeber zu sein. IHM hast du den Verrat des Ego zugeschrieben und hast es eingeladen, SEINEN Platz einzunehmen, um dich vor IHM zu schützen. Und du merkst nicht, dass ebendas, was du eingeladen hast, dich zerstören möchte und in der Tat ein totales Opfer von dir fordert. Kein partielles Opfer wird diesen brutalen Gast beschwichtigen, denn er ist ein Eindringling, der nur so tut, als biete er Güte an, aber stets nur, um das Opfer vollständig zu machen.“
(EKIW: Kapitel 15, X. 8.)

Fürchte dich nicht, zu begreifen, dass die ganze Idee des Opferns nur von dir gemacht ist. Und suche keine Sicherheit, indem du versuchst, dich vor dem, wo sie nicht ist, zu schützen. Deine Brüder und dein VATER sind für dich sehr angsterregend geworden. Auch möchtest du mit ihnen um ein paar besondere Beziehungen handeln, in denen du einige Reste Sicherheit zu sehen glaubst. Versuche nicht länger, deine Gedanken und den GEDANKEN, der dir gegeben wurde, getrennt zu halten. Wenn sie zusammengebracht und da wahrgenommen werden, wo sie sind, dann ist die Wahl zwischen ihnen nicht mehr als ein sanftes Erwachen und so einfach wie das Öffnen deiner Augen für das Licht des Tages, wenn du keinen Schlaf mehr brauchst.“
(EKIW: Kapitel 15, XI. 1.)

"Das Problem liegt nicht darin, ob das, was der HEILIGE GEIST sagt, wahr ist, sondern ob du hören willst, was ER sagt. Du begreifst ebenso wenig, was schmerzhaft ist, wie du erkennst, was Freude bereitet, und neigst in der Tat sehr dazu, beides zu verwechseln. Die Hauptfunktion des HEILIGEN GEISTES besteht darin, dich zu lehren, sie zu unterscheiden. Was dir Freude bereitet, ist schmerzhaft für das Ego, und solange du Zweifel darüber hegst, was du bist, wirst du Freude und Schmerz verwechseln. Diese Verwechslung ist die Ursache der ganzen Idee des Opferns. Gehorche dem HEILIGEN GEIST, und du wirst das Ego aufgeben. Dabei wirst du aber nichts opfern. Im Gegenteil, du wirst alles gewinnen. Wenn du das glaubtest, gäbe es keinen Konflikt."
(EKIW: Kapitel 7, X. 3.)



Dienen

Das Ego versteht unter Dienen so etwas wie, sich in abhängiger Stellung jemand anderen unterzuordnen und sich für ihn aufzuopfern. Daran zeigt sich wieder einmal, wie diametral entgegengesetzt die Gedankensysteme des Egos und das des reinen Geistes sind. Mit Opfern hat wahres Dienen nichts zu tun.

Dienen ist ganz einfach etwas zu kennen und zwar etwas so zu kennen, wie es ist. Der Ausdruck Demut kommt von althochdeutsch diomuoti (‚dienstwillig‘, also eigentlich ‚Gesinnung eines Dienenden‘). Die Bestandteile des Wortes lassen sich weiter herunterbrechen in die beiden Wörter „dienen“ (dionōn) und „Mut“ (muot). Demut ist die Geisteshaltung mutigen Dienens, Dienen nicht aus Angst, sondern aus Liebe. Betrachten wir das Wort Dienen mit Hilfe zweier Metaphern einmal genauer.

Was ist die Bedienung in einem Lokal? Nun, da ist der Gast, der kommt mal eben rein, trinkt seinen Kaffee und geht wieder raus. Er hat nicht wirklich einen Blick für dieses Lokal, aber die Bedienung hat ihn. Sie weiß wie es läuft. Sie kann die Kaffeemaschine bedienen, sie weiß wie man Kaffee richtig serviert, sie weiß wie die Heizung im Lokal funktioniert, sie kennt sich im Lager aus. Der Gast hat von alldem keine Ahnung.

Nehmen wir noch eine andere Figur, einen Bodyguard. Nehmen wir also denjenigen der einem anderen Menschen dient und das, am Ende des Tages, vielleicht sogar mit seinem Körper und seinem Leben, indem er sich vor den Menschen wirft, den er zu beschützen hat. Was macht dieser Bodyguard? Was macht der, der einen Menschen beschützt? Er sieht alles, er kennt die ganze Situation. Wenn er in eine Situation kommt, schaut er überall hin, wie ist die Situation hier, wie sind die Räumlichkeiten hier. Es ist dies eine Art auf die Welt zu schauen - so ist das alles hier. Was macht dieser Diener, der unter Umständen sogar mit seinem Leben dient? Auf der einen Seite sagt er, das Leben ist gut wie es ist und er schützt Leben und auf der anderen Seite, liebt er den, den er beschützt, so sehr, dass er alles gibt, sogar sich selber.

Das wundervollste Beispiel für wahrhaftiges Dienen finden wir in der Bibel: "Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung. [...] Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? Jesus sagte zu ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen. [...] Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe. Amen, amen, ich sage euch: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr und der Abgesandte ist nicht größer als der, der ihn gesandt hat. Wenn ihr das wisst - selig seid ihr, wenn ihr danach handelt. [...] Amen, amen, ich sage euch: Wer einen aufnimmt, den ich senden werde, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat." (Johannes 13,1-20, Bibel Einheitsübersetzung 2016)

Unser vom Ego getriebener Verstand ist die meiste Zeit mit Fragen beschäftigt, die darauf abzielen etwas zu bekommen: "Wie kann ich erfolgreicher werden?", "Wie erreiche ich mehr Glück und Zufriedenheit?" "Wie mache ich mein Wissen zu Geld?" "Wie schöpfe ich mein volles Potential aus?" "Wie finde ich endlich einen liebevollen Partner?" All diese Fragen können durch eine einzige Frage ersetzt werde. Anstatt Gott um etwas zu bitten, können wir ihm diese eine Frage stellen und alles andere wird sich fügen:

"Wie kann ich wahrhaft hilfreich sein?"

„Das Ego andererseits fordert immer gegenseitige Rechte, weil es konkurriert, statt zu lieben. Es ist immer bereit, einen Handel abzuschließen, kann aber nicht verstehen, dass wie ein anderer zu sein bedeutet, dass es nicht möglich ist, einen Handel abzuschließen. Um zu gewinnen, musst du geben, nicht einen Handel abschließen. Einen Handel abschließen heißt, das Geben zu begrenzen, und das ist nicht der WILLE GOTTES. Mit GOTT zu wollen heißt, wie ER zu erschaffen. GOTT begrenzt SEINE Gaben in keiner Weise. Ihr seid SEINE Gaben, und daher müssen eure Gaben wie die SEINEN sein. Eure Gaben an das HIMMELREICH müssen wie SEINE Gaben an euch sein.“
(EKIW: Kapitel 7, I. 4.)

„Damit du hast, gib allen alles“, heißt es im Kurs. Dienen ist jenes großartige Wissen um den einzig wahren Zweck des Lebens - den der Erlösung aus der Illusion der Trennung und des Wiedererinnerns an die Liebe. Dienen bedeutet getragen sein von der Liebe. Dienen ist geben aus Kenntnis und Liebesfülle.

Dienen ist eine wissende Form von Lieben, mit der Kraft der Erkenntnis.

“Der Wunsch zu sehen ruft die Gnade GOTTES auf deine Augen herab und bringt die Gabe des Lichts, welche die Sicht möglich macht. Möchtest du deinen Bruder schauen? GOTT lässt dich mit Freuden auf ihn blicken. ER will nicht, dass dein Erlöser von dir unerkannt bleibt. Noch will ER, dass er ohne die Funktion bleibt, die ER ihm gab. Lass ihn nicht länger einsam sein, denn die Einsamen sind diejenigen, die keine Funktion in der Welt erblicken, die sie ausfüllen können, und weder einen Ort, wo sie gebraucht sind, noch ein Ziel, das nur sie perfekt erfüllen können.

Das ist die gütige Wahrnehmung des HEILIGEN GEISTES von der Besonderheit; so verwendet ER das, was du gemacht hast, zum Heilen statt zum Schaden. Jedem gibt ER eine besondere Funktion in der Erlösung, die er allein erfüllen kann, eine Rolle nur für ihn. Und der Plan ist nicht vollständig, so lange er seine besondere Funktion nicht findet und die Rolle nicht erfüllt, die ihm zugewiesen wurde, um sich in einer Welt, in der Unvollständigkeit herrscht, vollständig zu machen.

Der HEILIGE GEIST braucht deine besondere Funktion, damit die SEINE erfüllt werde. Denke nicht, es mangle dir hier an einem besonderen Wert. Du wolltest ihn, und er ist dir gegeben. Alles, was du gemacht hast, kann leicht und gut der Erlösung dienen. Der GOTTESSOHN kann keine einzige Wahl treffen, die der HEILIGE GEIST nicht zu seinen Gunsten nutzen könnte anstatt gegen ihn. Nur in der Dunkelheit sieht deine Besonderheit wie Angriff aus. Im Licht siehst du sie als deine besondere Funktion im Plan, den GOTTESSOHN von jedem Angriff zu erlösen und ihm verständlich zu machen, dass er sicher ist, wie er es immer war und in der Zeit als auch in Ewigkeit gleichermaßen bleiben wird. Das ist die Funktion, die dir für deinen Bruder gegeben ist. So nimm sie daher sanft aus deines Bruders Hand, und lass die Erlösung in dir vollkommen erfüllt werden. Tu dieses eine, damit alles dir gegeben werde.


(EKIW: Kapitel 25, VI. 3.&4.&7.)

"Was ist das Ziel von Seva (Dienst)? Warum dienst du den Armen, Bedürftigen und der leidenden Menschheit im allgemeinen? Warum dienst du der Gesellschaft und dem Land? Ja, durch Dienen reinigst du dein Herz. Egoismus, Hass, Eifersucht, die Vorstellung von Überlegenheit und alle ähnlichen negativen Eigenschaften werden verschwinden. Demut, reine Liebe, Mitgefühl, Toleranz und Barmherzigkeit entwickeln sich.

Das Gefühl des Nicht-Einseins wird vernichtet und Selbstsucht wird zerstört. Du erhältst einen umfassenden und freien Blick auf das Leben und beginnst, Einklang und Einheit zu spüren. Schließlich erfährst du das Selbst. Du wirst „eines in allem“ und „alles in einem" verwirklichen und fühlst grenzenlose Freude. Was bedeutet Gesellschaft schließlich? Sie ist nichts weiter als eine Ansammlung von Einheiten und Individuen. Dienst an der Menschheit ist in der Tat nichts weniger als Dienst an Gott. Dienen ist Anbetung. Aber man sollte mit Bhava (mit der richtigen Einstellung und mit Hingabe) dienen, denn nur dann kann man zu einer schnellen Erkenntnis gelangen und sein Herz reinigen.

Entwickle große Begeisterung für unvoreingenommenes, selbstloses Dienen. Sei freundlich zu allen. Liebe alle und diene allen. Sei tolerant und großzügig gegenüber jedermann. Diene Gott in allem. So erreichst du das Ziel.


(Swami Sivananda, indischer Yoga-Meister und Lehrer des Vedanta, 1887-1963)

Der Leitspruch von Swami Sivananda: „Diene, liebe, gib, reinige dich, meditiere, verwirkliche“ beginnt mit dem Wort Diene - dem Yoga des Handelns: Karma Yoga. Handeln wir selbstlos, mit der richtigen Einstellung und ohne Anhaftung an die Ergebnisse, müssen wir nicht befürchten auszubrennen - ganz im Gegenteil - wir werden aufblühen. Selbstloses Handeln schenkt uns einen klaren Geist und die Stimme des Egos wird immer leiser.

Wir können mit einem offenen Herzen durch die Welt gehen und uns gegenseitig daran erinnern, dass wir eins sind. Wir können uns in jedem Moment dafür entscheiden immer mehr in Richtung Liebe - in Richtung Einheit - zu gehen. Dienen ist ein Geisteszustand, der keine körperliche Betätigung erfordert, sondern nur die Bereitschaft zum Handeln - um den Rest kümmert sich der HEILIGE GEIST - ER kennt die einzigartige Funktion eines Jeden.

"Lass dich keineswegs beunruhigen von Gedanken, wie ER die Rolle von Mittel und Zweck so leicht verändern kann in dem, was GOTT liebt und von dem ER möchte, dass es ewig frei sei. Sei vielmehr dankbar, dass du das Mittel sein kannst, um SEINEM Zweck zu dienen. Das ist der einzige Dienst, der zur Freiheit führt. Um diesem Zweck zu dienen, muss der Körper als sündenlos gesehen werden, weil Sündenlosigkeit das Ziel ist. Der Mangel an Widerspruch macht den sachten Übergang vom Mittel zum Zweck so leicht, wie es der Wechsel von Hass zu Dankbarkeit vor Augen, die vergeben, ist. Du wirst geheiligt sein durch deinen Bruder und deinen Körper nur benutzen, um den Sündenlosen zu dienen. Und du wirst unmöglich hassen können, was dem dient, den du heilen möchtest."
(EKIW: Kapitel 22, VI. 3.)


Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

(Gebet des heiligen Franziskus, auch Friedensgebet genannt)




Ego

Im Alltag wird unter Ego meist so etwas wie Selbstbewusstsein verstanden - also etwas das wir haben. In der Psychologie gibt es für Ego, Ich und Selbst eine Unmenge verschiedenster Definitionen. Im spirituellen Sinne ist Ego aber nicht etwas das wir haben, sondern es ist die Erfahrung eine individuell und frei handelnde Person zu sein, die in einer von ihr getrennt existierenden Welt lebt.

Als Persona wird in der Psychologie die nach außen hin gezeigte Einstellung eines Menschen bezeichnet, die seiner sozialen Anpassung dient und manchmal auch mit seinem Selbstbild identisch ist. Der Begriff entspricht dem griechischen prosopon was Gesicht bedeutet, der sich wie auch das lateinische persona bereits in der Antike auf die Bedeutungen 'Schauspielermaske', wie im antiken Theater, 'Rolle' im Schauspiel oder Leben, 'Amtsstellung' und allgemein 'Person' bzw. 'Persönlichkeit' auffächerte. In jüngster Zeit wird "Persona" auch für im Internet gezeigte Schein-Identitäten verwendet und in diversen Computerspielen wird versucht diese Scheinidentität zu verbessern. Zwischen den Computerspielen und der „Realität“ besteht kein wirklicher Unterschied.

Das Ego versucht mit allen Mitteln seine illusionäres Selbstbild, seine Persona, die Identifikation mit seiner Rolle, seiner Maske, am Leben zu erhalten. Gleichzeitig versucht es ständig sein Selbstbild zu optimieren und zu verbessern, weil es sich für den Schöpfer seiner selbst hält. Wir haben uns aber nicht selbst erschaffen - GOTT hat uns erschaffen, als ein reiner Geist, als seine SOHNSCHAFT - der Versuch ein egoisches Selbstbild zu kreieren und am Leben zu erhalten ist Größenwahn. Wenn das Ego in diesem aussichtslosen Versuch auf dramatische Art und Weise scheitert, sucht es die Erlösung im Tod. Doch der Tod ist keine Lösung, weil es keinen Tod gibt. Die individuelle Erfahrung ist mit dem biologischen Tod des Körpers nicht zu Ende, sie geht solange weiter, bis wir endgültig aus dem Traum der Trennung erwacht sind.

Für Menschen aus dem ostasiatischen Kulturkreis ist „das Gesicht wahren“ sehr stark mit Tradition und Kultur verwoben. Die extremste Form davon ist Seppuku. In Europa und Amerika wird dafür meist der Begriff Harakiri benutzt. Seppuku bezeichnet eine ritualisierte Art des männlichen Suizids, die etwa ab der Mitte des 12. Jahrhunderts in Japan innerhalb der Schicht der Samurai verbreitet war und 1868 offiziell verboten wurde. Doch noch im Jahre 1970 beging ein japanischer Schriftsteller, Poet, Regisseur und nationalistischer politischer Aktivist, Seppuku. Ein Mann, der wegen einer Pflichtverletzung sein Gesicht verloren hatte, konnte durch Seppuku die Ehre seiner Familie wiederherstellen.

Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass Animes und Mangas, eine ganz eigene Art von Zeichentrickfilmen und Comics, von Japan ausgehend, einen Siegeszug um die ganze Welt angetreten haben. So ist es mittlerweile normal, dass nicht nur Jugendliche, sondern auch Personen des öffentlichen Lebens, bei ihren Auftritten als Manga-Figur verkleidet erscheinen.

Das Ego ergeht sich immer mehr in seinen Rollenspielen, was aber gleichzeitig die Absurdität dahinter immer sichtbarer macht. Erst wenn sich das Ego in einem unerträglichen Ausmaß aufgebläht hat, werden wir beginnen uns davon abzuwenden und auf die Stimme für GOTT hören.

Das einzige Ziel der Welt ist, zu beweisen, dass eine von Gott getrennte Identität möglich ist, dass es möglich ist, uns selbst eine von Gott getrennte Identität zu erschaffen. Dies steckt hinter der Idee der "Selbstverwirklichung" auf der Ebene der Psychologie - es ist die "Verwirklichung" von nichts. Wahre SELBST-Verwirklichung ist das Erwachen aus der Illusion der Trennung, aus der Illusion eines individuellen von Gott getrennten Selbst.

Es gibt keinen Teufel, aber wenn wir das Symbol „Teufel“ als Synonym für das Ego betrachten, dann stimmen die alten Geschichten über den „Teufel“ wieder. Es ist unser Ego, dass um sein Überleben kämpft und uns immer wieder scheinbar in „Versuchung“ führt und damit erscheint es als Gegenspieler Gottes. In Wahrheit hat GOTT keinen Gegenspieler - er ist alles was ist - und wir sind ein Teil davon. Das Ego ist eine Illusion.

Das Ego ist die tief in unserem Unterbewusstsein verwurzelte Stimme die uns sinngemäß einflüstert: Wenn du Gott dem Schöpfer folgst, bist du als sein Sohn, als seine Schöpfung, nur die Nummer zwei. Wenn du mir folgst, bist du der Schöpfer und die Nummer eins. Also hat sich der individuelle Ausdruck des Egos - die Person - auf den Thron Gottes gesetzt und betrachtet sich nun selbst als göttlich.

Dieser individuelle Größenwahn steuert gerade einem Höhepunkt entgegen. Jeder ist sich selbst Gesetz und glaubt der Welt seinen Stempel aufdrücken zu müssen - glaubt der Schöpfer seiner Welt zu sein. Es ist der Glaube an die eigene Besonderheit, ein Mangel an Vertrauen in irgend jemand anderen als an sich selbst. Glaube wird in sich selbst allein investiert. Ganz nach dem Motto: „Better to reign in Hell than serve in Heaven.“ (Paradise Lost - John Milton)

"Besonderheit ist der große Diktator, der falsche Entscheidungen diktiert. Hier ist die imposante Illusion über das, was du bist und was dein Bruder ist. Und hier ist, was den Körper lieb und teuer und der Erhaltung wert macht. Besonderheit muss verteidigt werden. Illusionen können sie angreifen, und sie tun es."
(EKIW: Kapitel 24, I. 5. 1.-5.)

Wenn wir noch nicht in der ewigen WAHRHEIT ruhen gibt es zwei Stimmen in uns. Die Stimme für GOTT, den HEILIGEN GEIST, und die Stimme des Egos. Solange wir uns des Unterschiedes nicht bewusst sind, solange wir also noch nicht gelernt haben die Geister zu unterscheiden, ist das so beliebte "rein-spüren" sinnlos. Die Stimme des Egos ist die Stimme der Angst und sie ist die lauteste Stimme in uns. Wenn wir also der Stimme, die beim "Rein-spüren" zu hören ist, auch noch eine besondere Bedeutung geben, im Sinne von Tiefe und Wichtigkeit, sind wir Gefangene, ohne uns der Gefangenschaft bewusst zu sein.

Die Stimme der Angst ist diejenige, die wir am häufigsten und am lautesten hören. Und viele, wenn nicht die meisten unter uns, verwechseln die Stimme der Angst - die Ratschläge, die diese Stimme gibt - mit dem, was andere ihre innere Stimme oder ihre Intuition nennen. Die Stimme der Angst wird uns ununterbrochen suggerieren, was als nächstes zu tun oder zu lassen sei, damit wir uns wohl fühlen und uneingeschränkt entfalten können. Sie wird uns auch sagen, wo wir Schutz vor der Stimme für GOTT finden. Sie wird uns Vorschläge machen, wie wir uns verhalten sollten, damit wir die Kontrolle über unsere Lebenssituation behalten können. Die Stimme der Angst ist dann am lautesten, wenn wir glauben, keine Angst zu haben. Sie schmeichelt und lobt. Sie gibt sich freundschaftlich und schützend, und oft nimmt sie gerade den Ton an, der eigentlich derjenige anderer Instanzen ist. Die Stimme der Angst ist flexibel und anpassungsfähig wie ein Chamäleon.

Manche spirituelle Lehrer, wie beispielsweise der Benediktinermönch und Mystiker David Steindl-Rast verwenden den Begriff Ego für die Rolle im großen Theater des Lebens, also für die Persona. Der Kurs geht weit darüber hinaus. Im Sinne des Kurses wird unter Ego nicht nur die Rolle, sondern vor allem die Identifikation mit der Rolle, sowie das gesamte Theaterstück an sich, verstanden - also die gesamte Illusion der Trennung.

Das egoische Ich-Empfinden drückt sich darin aus, dass wir uns als getrennt von unseren Mitmenschen und letztendlich von Gott erleben. Wir können uns zwar mit alldem, auf eine Art, verbunden fühlen, aber Verbindung braucht immer noch Zwei.

Du, der du zur ERSTEN URSACHE gehörst, erschaffen bist von IHM nach SEINEM Ebenbild und Teil von IHM, du bist mehr als nur schuldlos. Der Zustand der Schuldlosigkeit ist nur die Bedingung, in der das, was nicht da ist, aus dem ungeordneten Geist entfernt worden ist, der dachte, es sei da. Diesen Zustand, und nur diesen, musst du erlangen, mit GOTT an deiner Seite. Denn bis dahin denkst du immer noch, du seist von IHM getrennt. Vielleicht kannst du SEINE GEGENWART in deiner Nähe fühlen, doch kannst du nicht erkennen, dass du eins mit IHM bist. Das kann auch nicht gelehrt werden. Das Lernen gilt nur der Bedingung, unter welcher dies von selbst geschieht.
(EKIW: Kapitel 14, IV. 2. )

Namaste ist in Indien, sowie einigen weiteren asiatischen Ländern, eine unter Hindus verbreitete Grußformel und Grußgeste. Dieser Gruß ist mittlerweile auch im Westen, bei Menschen die sich mit Spiritualität beschäftigen, sehr verbreitet. Namaste bedeutet soviel wie: "Die Göttlichkeit in mir verneigt sich vor der Göttlichkeit in dir." Das ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung, aber es geht nicht weit genug.

Wenn wir sagen: "Die Göttlichkeit in mir verneigt sich vor der Göttlichkeit in dir", dann begrenzen wir die betreffende Person auf einen winzigen Ausschnitt von Zeit und Raum. Wir machen Individualität war. Und wir stellen auch eine Trennung zwischen uns beiden her - ein Subjekt und ein Objekt. Was Jesus dagegen getan hat, war über den Körper hinwegzusehen.

Die WAHRHEIT ist Einheit - die Einheit mit allem was ist, die Einheit mit Gott. Jesus hat schon vor zweitausend Jahren darauf hingewiesen mit den Worten: „Ich und der Vater sind eins.“ Und er hat immer wieder auch darauf hingewiesen, dass wir genau wie er Söhne und Töchter Gottes sind. Er war sich seiner SOHNSCHAFT bewusst, wir sind es in der Illusion des Egos nicht. Aber die Auferstehung - das Erwachen aus dem Ego-Traum - wartet auch auf uns. Die gute Nachricht ist, dass wir das Aufwachen gar nicht verhindern können. Wir können es nur verzögern - innerhalb der Illusion der Zeit.

Auch Zeit ist Teil der Ego-Illusion. Zeit ist nur eine Art zu denken und keine Wirklichkeit. Die Psychotherapeuten verweisen darauf, wenn sie sagen: Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.

Elizabeth Loftus, Professorin an den Instituten für Psychologie, Kriminologie und Rechtswissenschaft der University of California in Irvine, eine der einflussreichsten Psychologen des 20. Jahrhunderts, sagt: "Das Gedächtnis sei suggestiv, subjektiv und formbar." Nachdem es der Psychologin gelungen war, Erinnerungen zu verändern, versuchte sie in weiteren Studien etwas, das bis dahin selbst von Experten für unmöglich gehalten wurde: das Einpflanzen kompletter Lebensereignisse, die nie geschehen waren. Mithilfe von angeblichen Berichten der Eltern und manipulierten Kinderfotos motivierte sie 1992 in einer Studie Probanden sich an Ereignisse zu erinnern die nie passiert waren. Schon einige Tage später entwickelten zwischen 25 und 30 Prozent der Teilnehmer Pseudoerinnerungen an die nie stattgefundenen Ereignisse. Wenn diese Erinnerungen in größeren Abständen weiter abgefragt wurden, erhöhte sich der Prozentsatz noch weiter. Die Probanden konnten plötzlich ganz genau Ort und Umstände beschreiben - also etwas das nie passiert war und von dem ihnen auch nichts erzählt wurde.

Dass das Gedächtnis so flexibel ist, hat einen ganz einfachen Grund, erklärt Loftus: Neue Informationen und Erlebnisse müssen nicht nur sinnvoll in alte Erinnerungen eingefügt und angepasst werden, die Erinnerungen müssen darüber hinaus auch wichtige persönliche Entwicklungen mitmachen. Und damit immer ein Gefühl von Identität bestehen bleibt, ordnen sich die Erinnerungen und Gefühle bei jedem Abrufen neu. "Unser Gedächtnis wird jeden Tag neu geboren", sagt Loftus. Aus Sicht des Kurses können wir sagen: Unsere Erinnerung wird in jedem Moment neu geboren.

Das zentrale Element der Ego-Illusion ist die Identifikation mit dem Körper und somit ist das Ego die Quelle der Angst - dem Gegenteil von Liebe. Das Ego sieht überall Symbole seiner Angst. Es hat Angst vor anderen Menschen, es hat Angst vor Worten, weil es tatsächlich glaubt Worte könnten es verletzen, es hat Angst vor Krankheiten, vor Medikamenten, vor Amalgam, vor Lebensmitteln, vor Chemtrails, vor Strahlen, vor 5G und vor allem, vor dem Tod. Da es glaubt ein Körper zu sein, fühlt es sich verletzlich und ständig vom Tod bedroht. Durch diese Identifikation erhält es die Illusion der Trennung von Gott aufrecht.

Der Körper ist die Wohnstatt des Ego durch seine eigene Wahl. Dies ist die einzige Identifikation, bei der das Ego sich sicher fühlt, weil die Verletzlichkeit des Körpers sein bestes Argument dafür ist, dass du nicht von GOTT sein kannst. Das ist die Überzeugung, die das Ego eifrig fördert.
(EKIW: Kapitel 4, V. 4. 1.-3.)

Auch das Gehirn, das Denken und alle Gefühle sind Teil der Körper-Illusion. Sie sind nur äußere Bilder eines inneren, geistigen Zustandes. Ebenso sind alle körperlichen Sinne lediglich dazu gemacht, die Ego-Welt und den Körper zu bezeugen und können daher niemals die Wahrheit abbilden.

Deswegen wird der Teufel, jenes alte Symbol für das Ego, auch als "Leibhaftiger" oder "Fürst dieser Welt" bezeichnet. Das Ego ist die Verhaftung mit dem Leib, die Anhaftung an die Welt.

"Die Wurzel unserer Angst
liegt im Selbst
Wenn wir selbstlos sind
wovor sollten wir Angst haben?
"
(Tao Te King - Lao-Tse)

Angst ist das illusionäre Gegenteil von Liebe und tritt an der Oberfläche in den unterschiedlichsten Formen auf - als Zorn, Hass, Stolz, Bedürftigkeit, Täuschung, Neid, Scham, Geiz, Angst vor der Angst, Gier, Wollust, Trägheit. Wenn wir an allen Gefühlen vorbei in die Tiefe gehen, stoßen wir irgendwann auf die Angst. Die Angst bildet den Kern des Egos und wenn wir in die Freiheit wollen, müssen wir da durch. Daher spricht man im spirituellen Kontext, in diesem Zusammenhang, auch oft von der dunklen Nacht der Seele.

Das Ego ist sowohl der Gefangene als auch das Gefängnis. Es löst daher den zentralen Konflikt nicht, wenn wir uns das Gefängnis schön gestalten und bunte Bilder an die Wand malen, um uns von den grauen Wänden abzulenken - mit Bildern von uns als erfolgreiche Figur im Traum, oder von uns als Opfer im Traum. Beides ist Illusion - die Erlösung liegt im Erwachen aus dem Traum.

„Identität in Träumen ist bedeutungslos, weil nämlich Traum und Träumer eins sind.“
(EKIW: Kapitel 28, IV. 5. 4.)

Ego Gefängnis

Wir können uns nicht aus der Illusion befreien, indem wir von der Rolle des Opfers in die Rolle des Täters, also in die Rolle des Machers, wechseln. Beides ist Teil der Dualität und somit ist das eine ohne dem anderen nicht möglich. Die wahre Befreiung wartet jenseits der Dualität auf uns.

Es gibt kein großes oder kleines Ego. Es gibt keine Grade. Ob jetzt jemand selbstbewusst und extrovertiert, oder ängstlich und schüchtern ist - beides ist das Ego. Es sind nur zwei Seiten der selben Medaille. Der Versuch selbstbewusst und erfolgreich zu sein, ist ein sehr beliebter Weg des Egos - aber nicht der Weg zur Befreiung.

Im Jahr 1965 bekam Helen Schucman in Amerika den Kurs diktiert und genau in diesem Jahr schrieb Mick Jagger, auf der dritten Amerika Tournee der Rolling Stones, den Song „I Can’t Get No Satisfaction“. Er war damals, als junger englischer Revoluzzer, erschüttert von der Kommerzialisierung Amerikas. Der Song stand 1965 an der Spitze der Charts in Amerika, Deutschland und Großbritannien. Dieser Song ist die Hymne des Egos. Das Ego findet nie wirklich Befriedigung, sosehr es das auch versucht und versucht („And I try, and I try, and I try, and I try, I can't get no satisfaction ...“). Das Ego singt "I did it my way" (Frank Sinatra) - die Stimme für GOTT singt "DEIN WILLE geschehe".

Viele von uns wählen den Weg des Erfolgs, denn durch das Scheitern auf diesem Weg, entsteht meist erst die Bereitschaft für die Umkehr. Erfolg verändert den Menschen nicht - er entlarvt ihn.

"Was geschmälert werden soll
muss zuvor ausgedehnt werden
Was geschwächt werden soll
muss zuvor verstärkt werden
Was gestürzt werden soll
muss zuvor erhöht werden
Was genommen werden soll
muss zuvor gegeben werden
Dies erkennen heißt
die tiefen Zusammenhänge erkennen
"
(Tao Te King- Lao-Tse)

Viele erfolgreiche Musiker sind wunderbare Symbole dafür, wie das Ego auf Dauer zum Scheitern verurteilt ist. Amy Winehouse (27), Jimi Hendrix (27), Jim Morrison (27), Janis Joplin (27), Falco (40), Elvis Presley (42), Whitney Houston (48), Michael Jackson (50), Prince (57) starben alle an den Folgen von Drogensucht und Medikamentenmissbrauch. Durch diese Menschen wurden wunder-volle Werke geschaffen, das Problem war nur, dass sie sich mit den Werken als Person identifiziert hatten. Diese Identifikation ist auch ein "kollektives" Phänomen, denn wir alle ordnen die entsprechenden Songs den entsprechenden Personen zu und vergöttern sie.

God Is the Bigger Elvis ist ein US-amerikanischer Dokumentar-Kurzfilm der die Lebensgeschichte von Dolores Hart erzählt. Dolores Hart war das Mädchen, das Elvis Presley seinen ersten Filmkuss gab und damit berühmt wurde. Dolores Hart ist eine ehemalige amerikanische Filmschauspielerin, die zwischen 1956 und 1962 in zehn Filmen mitwirkte, bevor sie sich mit 25 Jahren dazu entschloss, in ein Kloster der Benediktinerinnen einzutreten, wo sie heute Priorin ist. Sie löste 1963 ihre Verlobung mit dem Geschäftsmann Don Robinson, der danach nie heiratete und sie bis zu seinem Tod 2011 jährlich an Ostern und Weihnachten besuchte und ihr bis zu seinem Tod ein treuer Freund war.

Während der Dreharbeiten zu ihrem fünften Film Die Plünderer im Jahr 1959 kamen ihr ernsthafte Zweifel an ihrem bisherigen Lebensweg als Schauspielerin. Als sie sich in ihrer Kabine gerade die Haare gekämmt und in den Spiegel gesehen habe, habe sie in ihrem Kopf die folgenden Worte vernommen: „Du weißt, dass das nicht ist, was du willst.“ Diese mahnende „Stimme“ sei in den folgenden zwei Jahren immer wieder gekommen. Dolores ist rechtzeitig zurück getreten und nicht dem Todeswunsch des Egos, sondern der Stimme für GOTT, gefolgt.

"Der Stolz auf Ehre und Ruhm
ist der Beginn des Unheils
Ist das Werk getan
tritt der Weise zurück
Das ist der Weg des Himmels
"
(Tao Te King - Lao-Tse)

Erinnere dich jedes Mal, wenn du in Versuchung kommst, eine nutzlose Reise zu unternehmen,
die dich vom Licht wegführen würde, an das, was du wirklich willst, und sage dir:
Der HEILIGE GEIST führt mich zu CHRISTUS, und wohin sonst will ich denn gehen?
Welch anderes Bedürfnis habe ich, als in IHM zu erwachen?“
(EKIW: Kapitel 13, VII. 14.)


Das Lied „Out of the Dark“ von Falco beschreibt in ergreifender Weise den Todeswunsch des Egos. Der jahrzehntelange Drogenkonsum des Künstlers ist Ausdruck dieses Wunsches auf der Ebene der Form. Das Lied beschreibt aber auch, in sehr berührender Weise, die dahinter liegende Sehnsucht nach dem Licht - nach der WAHRHEIT.

Out of the Dark

Ich krieg' von dir niemals genug
Du bist in jedem Atemzug
Alles dreht sich nur um dich
Warum ausgerechnet ich?
Zähl' die Stunden, die Sekunden
Doch die Zeit scheint still zu steh'n
Hab' mich geschunden, gewunden
Lass mich gehen, was willst Du noch?
Willst Du meine Tage zählen?
Warum musst Du mich mit meiner Sehnsucht quälen?
Deine Hölle brennt in mir
Du bist mein Überlebenselixier
Ich bin zerrissen
Wann kommst Du meine Wunden küssen?

Out of the dark
Hörst Du die Stimme, die dir sagt
Into the light
I give up and close my eyes
Out of the dark
Hörst Du die Stimme, die dir sagt
Into the light
I give up and you waste your tears to the night

Ich bin bereit, denn es ist Zeit
Für unser'n Pakt über die Ewigkeit
Du bist schon da, ganz nah
Ich kann Dich spür'n
Lass mich verführ'n
Lass mich entführ'n
Heute Nacht zum letzten Mal
Ergeben deiner Macht
Reich mir die Hand, mein Leben
Nenn mir den Preis
Ich schenk' Dir gestern, heut' und morgen
Dann schließt sich der Kreis
Kein Weg zurück
Das weiße Licht kommt näher, Stück für Stück
Will mich ergeben
Muss ich denn sterben, um zu leben?

Out of the dark
Hörst Du die Stimme, die dir sagt
Into the light
I give up and close my eyes
Out of the dark
Hörst Du die Stimme, die dir sagt
Into the light
I give up and you waste your tears to the night

(Falco, 1996)

Am 6. Februar 1998 starb Falco bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik. Bei der Ausfahrt vom Parkplatz der „Turist Disco“ rammte ein Bus seinen Geländewagen. Falco war sofort tot. Bei der Obduktion wurden bei ihm ein Blutalkoholwert von 1,5 ‰ und große Mengen an Kokain sowie THC nachgewiesen. In der Folgezeit kam das Gerücht auf, Falco habe sich selbst getötet. Dies lag in erster Linie an der entsprechend interpretierten Textzeile „Muss ich denn sterben, um zu leben?“ aus dem Titel „Out of the Dark“. Allerdings entstand das Lied bereits einige Jahre vor Falcos Tod und wurde von Torsten Börger geschrieben. Es ist ein Lied das nicht von ihm, sondern für ihn geschrieben wurde.

Am 20. März 1986 erreichte "Rock Me Amadeus" für drei Wochen Platz 1 in den US-amerikanischen Billboard-Charts, was zuvor keinem anderen deutschsprachigen Titel gelungen war. "Rock Me Amadeus" wurde wenige Wochen später auch noch in Großbritannien auf dem 1. Platz gelistet. Als Falco von seinem Nummer 1 Platz in Amerika erfahren hatte, wollten seine Freunde mit ihm feiern, doch er war zutiefst erschüttert. Er feierte nicht mit ihnen, sondern ging nach Hause und zertrümmerte einige seiner goldenen Schallplatten. Ihm war das alles viel zu schnell gegangen und er wusste auf einer tieferen Ebene, das hiermit der Höhepunkt seines Egotrips, und der damit verbundene Spaß, erreicht war und es jetzt, nur noch abwärts gehen kann - denn das liegt in der Natur eines Höhepunkts.

Wenn sich das Ego anstelle Gottes auf den Thron setzt, wird irgendwann der Druck so groß, dass das Ego die Erlösung im Tod sucht. Wir arbeiten uns zu Tode, wir stressen uns zu Tode, wir fürchten uns zu Tode, wir fressen uns zu Tode, wir saufen uns zu Tode, wir bringen uns mit Drogen und Medikamenten um - wir „kreuzigen“ uns, um unserer eigenen Idee von Schuld zu entgehen. Aber der Tod löst den Konflikt nicht. Nur die Erlösung, die gleichbedeutend mit Vergebung ist, löst den Konflikt und befreit den Ego-Geist aus seiner eigenen Illusion der Trennung. Der Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ ist ein wunderbares Anschaungsbeispiel für diesen Prozess.

Die Reise zum Kreuz sollte die letzte »nutzlose Reise« sein. Halte dich nicht damit auf, sondern lass sie als vollbracht hinter dir. Wenn du sie als deine letzte nutzlose Reise annehmen kannst, dann steht es dir auch frei, dich meiner Auferstehung anzuschließen. Solange du das nicht tust, ist dein Leben in der Tat verschwendet. Es inszeniert bloß aufs neue die Trennung, den Verlust der Macht, die vergeblichen Wiedergutmachungsversuche des Ego und schließlich die Kreuzigung des Körpers beziehungsweise den Tod. Solche Wiederholungen sind endlos, bis sie aus freien Stücken aufgegeben werden. Begehe nicht den mitleiderregenden Fehler, dich an das alte rauhe Kreuz zu klammern. Die einzige Botschaft der Kreuzigung ist die, dass du das Kreuz überwinden kannst. Bis dahin steht es dir frei, dich so oft zu kreuzigen, wie du willst. Das ist nicht das Evangelium, das ich dir anbieten wollte. Wir haben eine andere Reise zu unternehmen, und wenn du diese Lektionen sorgfältig liest, werden sie dir helfen, dich auf sie vorzubereiten.
(EKIW: Kapitel 4, Einleitung, 3)

Das Ego glaubt in seinem Tod, also im körperlichen Tod, die Erlösung zu finden. Was in spirituellem Kontext als „Ego-Tod“ bezeichnet wird, ist aber nicht der Tod des Körpers - sondern das „Sterben“ der Illusion eine Person zu sein. Was stirbt ist eine Illusion und somit ist auch der Tod eine Illusion. Nichts Wirkliches ist je geboren worden und nichts Wirkliches ist je gestorben.

Das Ego nutzt Esoterik und „Spiritualität“ gerne zur Selbstinszenierung. Es macht damit genau das Gegenteil von dem, worum es bei Spiritualität in Wahrheit geht. Das „spirituelle“ Ego versucht die WAHRHEIT in die Illusion zu bringen. Das kann nicht funktionieren, da das Gedankensystem des Egos und das des reinen Geistes einander komplett widersprechen. Beide sind allerdings in sich geschlossen und logisch. Wenn jemand nur an die Welt der Trennung glaubt, lebt er zwar im Irrtum, aber in einem geschlossenen und in sich logischem Gedankensystem. Beim Übergang, von einem Gedankensystem in das andere, befinden wir uns zeitweilig in einem Zustand der Verwirrung und einem Zustand der Widersprüche. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Menschen die komplett im Gedankensystem des Egos verhaftet sind, sich über die „esoterische Szene“ lustig machen. Sie machen das zurecht! Sich in einer esoterischen Wir-haben-uns-alle-lieb-Blase zu suhlen und gleichzeitig auf Politiker zu schimpfen ist ein Widerspruch in sich. Entweder Einheit, oder Trennung, ist die Wahrheit - es gibt kein Dazwischen.

Es ist daher wichtig, dass wir diesen Zustand der Verwirrung möglichst schnell überwinden und nicht daraus noch ein Konzept machen. Wir befinden uns in diesem Moment auf der Brücke zwischen Irrtum und WAHRHEIT und sollten diese Brücke möglichst schnell überschreiten und nicht aus der Brücke - aus der Krücke - ein „spirituelles“ Konzept machen. Eine Brücke ist nur eine Übergangslösung - im wahrsten Sinne des Wortes.

"Wer auf dem rechten Weg ist
hält sich nicht damit auf
"

(Tao Te King - Lao-Tse)

Auch wenn es von der Erfahrung her ein Prozess, innerhalb der Illusion der Zeit, ist, so dürfen wir uns, was die innere Ausrichtung angeht, keine Halbwahrheiten erlauben. Im Geist gibt es kein Dazwischen - zwischen WAHRHEIT und Irrtum.

„Die Einführung der Vernunft in das Gedankensystem des Ego ist der Anfang von dessen Aufhebung, denn die Vernunft und das Ego widersprechen einander. Auch können sie in deinem Bewusstsein nicht nebeneinander existieren.“
(EKIW: Kapitel 22, III, 1. 1.&2.)

Das „spirituelle“ Ego lebt in der Illusion selbst göttlich zu sein. Der zentralste und folgenschwerste Irrtum des „spirituellen“ Egos besteht darin, dass es glaubt, es könnte sich selbst befreien und so dauerhaft glücklich werden.

Das Ego ist die Illusion und es ist daher grundsätzlich nicht in der Lage sich daraus zu befreien. Diese irrige Idee von „Selbstbefreiung“ stärkt das Ego nur noch mehr. Es gibt eine Unzahl an „Lehrern“ die genau diesen Weg der „Selbstbefreiung“ lehren. Diese Lehrer erfreuen sich großer Beliebtheit, weil sie genau das lehren, was das Ego hören will. Es will seinen Platz am Thron Gottes behalten und auf diesem Weg auch noch Glückseligkeit erreichen. Den Widerspruch in diesem Versuch kann es nicht erkennen.

Der Widerspruch zeigt sich auch in der Idee ein „Ego“ zu haben. Dies führt zu Aussagen wie: „Da bin ich meinen Ego wieder auf den Leim gegangen.“ „Mein Ego war stolz.“ Wer ist das, der das sagt? Unser wahres SELBST ist von all dem völlig unberührt, also muss es scheinbar noch jemand Dritten in uns geben der ein Ego besitzt. Wer soll das sein? Das Ganze ist ein beliebter Trick des Egos, um einerseits von der Wahrheit abzulenken und andererseits sich selbst noch zu erhöhen, indem es alles Negative, in etwas projiziert, das es „Ego“ nennt und ist somit selber wieder fein raus.

Diese Art von egoischen Lehrern erkennt man leicht an - der für das Ego typischen - Identifikation mit Rollen und Erfolgen in der Welt. Wir lesen oder hören dann oft Dinge wie „Ich bin Yogini.“, „Ich bin Tantriker.“, „Ich bin einen schwierigen Weg gegangen und ich habe es geschafft und du kannst es auch schaffen.“, „Ich bin Mutter ganz besonderer Kinder.“

Die Aussagen wahrhaft wacher Lehrer klingen anders:

Self realization is the ending of ignorance, ignorance at its root has ignore, it is a state of ignoring something, it is not a state of knowing something, it is a state of ignoring what is primary, what is closer then any knowledge, ignoring that - for some suffering, for some problems, for some identification and that ignorance is the root of all suffering.
Ignoring your own self, ignoring the presence of god, the eternal presence of god, the limitless truth of yourself, ignoring that - is the source of all tragedy.

(Gangaji)

Gangaji ist eine 1942 in Texas geborene spirituelle Lehrerin. Sie ist mit Eli Jaxon-Bear verheiratet. Beide kommen regelmäßig für Seminare und Retreats auch nach Österreich, Deutschland und in die Schweiz. Sie arbeiten in ihren Seminaren auch mit dem Enneagramm.

"Ich habe drei Schätze
die ich hüte und bewahre:
Der erste ist: Liebe
Der zweite ist: Genügsamkeit
Der dritte ist: Demut
Wer liebt, kann mutig sein
Wer genügsam ist, kann großzügig sein
Wer demütig ist, kann vorangehen
Wer mutig ist ohne Liebe
wer großzügig ist ohne Genügsamkeit
wer vorangeht ohne Demut
geht ins Verderben
"
(Tao Te King - Lao-Tse)

Im Kurs finden wir zum Thema Ego unter anderem Folgendes:

Wir können nicht wirklich eine Definition dessen geben, was das Ego ist, aber wir können sagen, was es nicht ist. Und das wird uns mit vollkommener Klarheit gezeigt. Und eben daraus leiten wir alles ab, was das Ego ist. Schau auf sein Gegenteil, und du kannst die einzige Antwort sehen, die von Bedeutung ist.
(EKIW: Begriffsbestimmung, 2. 4.)

Gleichzeitig können wir ein paar Dinge benennen die ganz sicher nicht die WAHRHEIT sind. Das Ego ist jedes Urteil über die Welt. Das Ego ist der Glaube an Schuld, Strafe, Opfer, gut, böse, Erfolg, Misserfolg, an Ursache und Wirkung in der Zeit - der Glaube an die Dualität. Das Ego ist die Identifikation mit Aussehen, Geschlecht, sexueller Orientierung, Lebensstil, Ernährungsgewohnheiten, Beruf, Besitz, gesellschaftlichem Ansehen, Familie, Kultur, Volksgruppe, Religion, Wissen, Fähigkeiten, Besonderheit - selbst eine Krankheit, von einer Nahrungsmittelunverträglichkeit, einer psychischen Besonderheit wie Hochsensibilität, bis zu Krebs, kann dem Ego zur Identifikation und damit zur Aufrechterhaltung des falschen Selbstbildes dienen.

Das Ego ist das Un-Authentischste was es gibt und wenn das nun auch noch versucht authentisch zu sein, kriegt es einen ganz besonders lieblosen Beigeschmack. Diesen „authentischen Auftritt“ präsentieren wir der ganzen Welt mit Hilfe sozialer Medien. Wir sprechen zwar von „teilen“, aber es geht in Wahrheit ums „mitteilen“, im Sinne einer Präsentation unseres egoischen Selbstbildes. Wir fotografieren unser Essen und nennen es imagegerecht „Food Blogging“. Aber es ist ein Unterschied, ob wir unser Essen auf Facebook „teilen“, oder ob wir einen Obdachlosen zu uns nach Hause einladen und unser Essen wirklich mit ihm teilen - und das ohne ihn dabei zu fotografieren, um es anschließend zu posten.

Die Millennial-Autorin Lea Hagmann beschreibt es wunderbar: "Eigentlich sind wir Millennials mit dem Ideal aufgewachsen, ganz wir selbst zu sein. Doch die Angst, im Netz wegen Fehlverhaltens bestraft zu werden, hat uns zu einer Generation von Anpassern gemacht. Wenn ich in den letzten Jahren etwas perfektioniert habe, dann ist es die Kunst der Selbstinszenierung. Das mag jetzt vielleicht narzisstisch klingen, aber es geht hier um viel mehr. Hinter all den Fotos im Vintage-Pullover, mit Velo oder davon, wie ich gerade «We Should All Be Feminists» von Chimamanda Ngozi Adichie lese, steckt in Wahrheit der verzweifelte Versuch, zu demonstrieren, wie ich mich sozial bemühe."

Bild Bild
(Echo and Narcissus - John William Waterhouse) (Narziss 2.0)
(griechische Mythologie)


Aber der Eitle überhörte ihn.
Eingebildete Menschen wollen immer nur Lobreden hören.

»Bewunderst du mich wirklich sehr?«, fragte er den kleinen Prinzen.

»Was bedeutet ›bewundern‹?«

»Bewundern heißt erkennen, dass ich der beste Mann,
der am besten gekleidete, der reichste und intelligenteste auf der Welt bin.«

»Aber du bist doch allein auf deinem Planeten!«

»Mach mir bitte die Freude, bewundere mich irgendwie!«

»Ich bewundere dich«, sagte der kleine Prinz und zuckte leicht mit den Schultern,
»aber warum ist dir das so wichtig?«

Und der kleine Prinz machte sich davon.

»Die großen Leute sind wirklich sehr sonderbar«, sagte er sich auf seiner Reise.

(Der kleine Prinz - Antoine de Saint-Exupéry)


Dieser ständige Drang zur Selbstdarstellung, der immer groteskere Formen annimmt, führt immer mehr dazu, dass wir uns gegenseitig nicht mehr aushalten und uns narzisstisch gekränkt ins Private zurückziehen. Es ist völlig egal, in welche Rolle das Ego schlüpft, es führt immer zum gleichen Wahnsinn - zu narzisstischer Nabelschau und zur Verstärkung der Trennung, indem es sich anders und vor allem als besser als Andere wahrnimmt.

"Auf mich schauen." "Mich abgrenzen." "Meinen Weg gehen." "Muss erst rein spüren, ob das für mich passt." "Ich brauch Zeit für mich." "Mich selbst lieben." "Mir Gutes tun." "Hilfe, mir wird Energie entzogen." "Das muss ich mir nicht bieten lassen." "Das erwarte ich mir." "Der Weg zu mir." "Ich schaffe das." "Hier bin ich Mensch." "Die Marke ich." "Ganz ich."

Meist ist es das Ego, das aus uns spricht, wenn wir „ich“ sagen. Es geht immer um uns als Person - von Gott, Gnade und Demut ist meist nichts zu hören und zu spüren. Was als „ich“ begriffen wird, ist ohne den Begriff des „Anderen“ nicht lebensfähig. Das Ego lebt von Identifikation und Trennung.

Wir leben in einer Zeit in der die Präsentation des egoischen Selbstbildes auch mit dem Tod kein Ende mehr hat. Die Präsentation des egoischen Selbstbildes hat mit Facebook ganz neue Dimensionen erreicht, nimmt aber jetzt mit der eigenen Trauerrede zur Selbstverherrlichung eine völlig absurde Form an. Ein ehemaliger österreichischer Spitzenpolitiker hielt seine Grabesrede selbst - per vorab aufgenommener Audiobotschaft - und pries sich darin ein letztes mal selbst. Im Folgenden der gesamte Wortlaut der Rede, weil man die Weltsicht des Egos kaum besser zusammenfassen könnte. Zusätzlich ist diese Rede ein wunderbares Beispiel für das Enneagramm-Muster Eins:

“Liebe Familie, liebe Freundinnen und Freunde, meine Damen und Herren. Man stirbt wie man lebte. Jetzt, wo der letzte Vorhang gefallen ist, jetzt, wo das, was von mir übrig geblieben ist und in dem Gefäß da vorne steht, gerade jetzt, möchte ich mich nicht still und heimlich verabschieden, sondern zum allerletzten Mal das Wort ergreifen, um mich für all das zu bedanken, was ihr für mich getan habt. Ich habe diese Form gewählt, weil ich der Meinung bin, oder besser gesagt war, dass niemand sonst die richtigen Worte finden könnte, über mich zu sprechen, weil jeder sein eigenes Bild von mir mitbringt und ich mich aber wahrscheinlich am besten kenne. Wem es gegönnt war der Allgemeinheit zu dienen und mit Freude einen Dienst zu erweisen, hat es nicht nötig von der Nachwelt gepriesen zu werden. Wer mit mir alles miterlebt hat, der wird so eine Rede vielleicht unzulänglich finden, verglichen mit dem was er weiß und ausgesprochen hören möchte. Die Übrigen werden Übertreibung wittern, einfach aus der natürlichen Eifersucht heraus, die uns Menschen befällt, wenn jemand gelobt wird. Ich habe ein erfülltes Leben gelebt. Ich habe so ziemlich jede Erfahrung gemacht und mehr, viel mehr als das. Ich habe es auf meine Art getan. Ich tat was ich tun musste. Ich habe alles, ohne Ausnahme, zu Ende gemacht. Ich plante jedes Vorhaben sorgfältig bis ins Detail und mehr, viel mehr als das. I did it my way. Yes, I did it my way. It was my way. Es war mein Leben. Abschied nehmen sollte das Anliegen einer solchen Veranstaltung sein. Wenn man es sich aber richtig überlegt, kann dies aber auch nicht der Sinn sein. Wie kann man sich von jemanden verabschieden der zwangsläufig passiv in einer Urne liegt? Man sollte auch von den Formulierungen wie Abschied nehmen, oder die letzte Ehre erweisen, wegkommen. Es müsste heißen, wir erinnern uns an ihn. Ich bin also tot. Ich vermeide bewusst Euphemismen, wie, aus dem Leben geschieden, oder von uns gegangen. Ich bestehe darauf gestorben zu sein. Ich bin also tot und glücklich mit dem Gedanken daran. Es gibt keinen Grund zu trauern. Trauern wir nicht das ganze Leben nur weil wir uns bewusst sind, dass wir seit der Geburt nichts anderes tun als langsam sterben. Ist es nicht im Gegenteil ein fröhliches Ereignis, jenes Lebensziel, welches wir mit Sicherheit erreichen, endlich erlangt zu haben. Ich habe ein erfülltes Leben gelebt. Ich habe so ziemlich jede Erfahrung gemacht und mehr, viel mehr als das. Ich habe es auf meine Art getan. I did it my way. Ich habe mein Ziel erreicht. Lebt wohl und erinnert euch öfter an mich.”

Jean Paul (1763 - 1825), war ein deutscher Schriftsteller, der in der deutschen Literatur eine Sonderstellung einnimmt und der das Lesepublikum schon immer gespalten hat. Bei den einen erntete er höchste Verehrung, bei anderen Kopfschütteln und Desinteresse. Große Bekanntheit erlangte seine, in starker Metaphorik zu Papier gebrachte, Vision mit dem Titel Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei, indem er die atheistische Vorstellung von der Nichtexistenz eines Gottes als einen Albtraum darstellt, aus dem es zum Glück ein Erwachen gibt. Er beschreibt darin schon im 18. Jahrhundert wunderbar den Höhepunkt dessen, was wir gerade im 21. Jahrhundert erleben. Im Folgenden ein paar ausgewählte Zeilen:

"Das ganze geistige Universum wird durch die Hand des Atheismus zersprengt und zerschlagen in zahlenlose quecksilberne Punkte von Ichs, welche blinken, rinnen, irren, zusammen- und auseinanderfliehen, ohne Einheit und Bestand. Niemand ist im All so sehr allein als ein Gottesleugner - er trauert mit einem verwaiseten Herzen, das den größten Vater verloren.
Ach wenn jedes Ich sein eigner Vater und Schöpfer ist, warum kann es nicht auch sein eigner Würgengel sein?
Euer kleines Leben ist der Seufzer der Natur oder nur sein Echo - ein Hohlspiegel wirft seine Strahlen in die Staubwolken aus Totenasche auf euere Erde hinab, und dann entsteht ihr bewölkten, wankenden Bilder."


Das „spirituelle“ Ego gibt, seinem bewölkten, wankendem Bild von sich selbst, gerne einen sogenannten spirituellen Namen. Ein spiritueller Name kann durchaus hilfreich sein, als Symbol auf dem Weg, wie im Falle von Gangaji. Beim „spirituellen“ Ego geht es aber um Selbsterhöhung - um Besonderheit. Das Ego kommt sich nun besser vor als früher und will mit seinem alten Leben und seinem alten Namen nichts mehr zu tun haben und vor allem nicht mit den ganzen „unspirituellen“, „nieder schwingenden“ Menschen. Jetzt wo es „spirituell“ ist, ist es ja was Besonderes und das will mit dem spirituellen Namen zum Ausdruck gebracht werden.

Für das wankende Bild von sich selbst hat das Ego in den letzten Jahrzehnten eine Unmenge an psychologischen Erklärungen erfunden, um von der WAHRHEIT abzulenken, indem es seine Unsicherheit und seine Gier nach Anerkennung als Besonderheit erscheinen lässt. Besonderheit - die zentrale Idee der Trennung - muss ständig verteidigt werden, denn Illusionen können sie angreifen, und sie tun es auch.

„Nicht du bist so verletzlich und dem Angriff ausgesetzt, dass nur ein Wort, ein kleines Flüstern, das dir nicht behagt, ein Umstand, welcher dir nicht passt, ein Vorfall, den du nicht vorhergesehen hast, deine Welt erschüttert und sie ins Chaos stürzt. Die Wahrheit ist nicht gebrechlich. Von Illusionen bleibt sie gänzlich unberührt und ungestört. Doch die Besonderheit ist nicht die Wahrheit in dir. Sie kann durch alles aus dem Gleichgewicht geworfen werden. Das, was auf nichts gegründet ist, kann nie stabil sein. Wie groß und aufgeblasen es auch zu sein scheint, so muss es dennoch mit jedem Lufthauch wanken, sich drehen und herumgewirbelt werden.
(EKIW: Kapitel 24, III. 3.)

Das Gleichnis, vom Löwen der glaubte ein Schaf zu sein, oder vom Adler der glaubte ein Huhn zu sein, wird meist völlig missverstanden, indem es vom Ego zu wörtlich genommen wird. Das Ego glaubt, es müsste sich vom Huhn zum Adler entwickeln, um wahrhaft frei zu sein. Das Ego kann nicht erkennen, dass damit nicht viel gewonnen ist, sondern, dass es dabei immer ein Vogel bleibt. Dieses egoische Verständnis der Entwicklung vom Huhn zum Alpha-Vogel beschreibt lediglich die Entwicklung vom kollektiven Selbstverständnis zum individuellen Selbstverständnis. Es handelt sich in beiden Fällen immer noch um das illusionäre Selbst und nicht um das wahre SELBST. Diese scheinbare, egoische "Entwicklung" ist genau das, was zurzeit im großen Stile passiert. Aber das ist keine spirituelle Entwicklung. Bildlich gesprochen bedeutet spirituelle Entwicklung, nicht die Entwicklung vom Huhn zum Adler, sondern die Erlösung von der Idee ein Vogel zu sein. Es bedeutet, sich auch von der Idee ein Adler zu sein, der allein durch die Lüfte schwebt, zu lösen und stattdessen in die Wahrheit der Einheit zurückzukehren.

Wir können das Gleichnis vom Adler und den Hühnern auch im Sinne der Wahrheit interpretieren:
Es verweist dann darauf, sich von der Illusion ein Körper (Huhn) zu sein, zu lösen, um sich als reinen Geist (Adler) zu erkennen. Anders ausgedrückt: Sich von der Anhaftung an das Irdische zu lösen, um sich als reiner, grenzenlos freier Geist wieder zu erkennen.

Der Ausdruck “kollektiv” im Zusammenhang mit dem Ego ist nur ein unzulänglicher Begriff zur Beschreibung des Unbeschreibbaren, ist aber genau genommen falsch. Es gibt keine einzelnen Egos und es gibt daher auch kein kollektives Ego, es "gibt" nur den einen Gedanken der Trennung - das Ego.

"Der Graben zwischen Wirklichkeit und Träumen liegt nicht zwischen dem Träumen der Welt und dem, was du insgeheim träumst. Sie sind eins. Das Träumen der Welt ist nur ein Teil deines eigenen Traumes, den du weggegeben und so gesehen hast, als wäre er zugleich ihr Anfang und ihr Ende."
(EKIW: Kapitel 27, VII. 11. 4.-6.)

Das Ego ist ein irriger Gedanke, der sich gegen die WAHRHEIT wehrt. Daher erzeugen die Aussagen des Kurses bei vielen Menschen extreme Widerstände. Für das Ego stellt der Kurs eine existenzielle Bedrohung dar - und ist es auch.

Sicher ist unterdessen klar geworden, weshalb das Ego den reinen Geist als seinen »Feind« betrachtet. Das Ego ist aus der Trennung hervorgegangen, und die Fortdauer seiner Existenz hängt von deinem fortgesetzten Glauben an die Trennung ab. Das Ego muss dir irgendeine Belohnung für die Aufrechterhaltung dieses Glaubens bieten. Alles, was es bieten kann, ist ein Gefühl vorübergehender Existenz, die mit seinem eigenen Anfang anfängt und mit seinem eigenen Ende endet. Es sagt dir, dass dieses Leben deine Existenz ist, weil es seine ist. Gegenüber diesem Gefühl vorübergehender Existenz bietet dir der reine Geist die Erkenntnis der Dauerhaftigkeit und des unerschütterlichen Seins. Niemand, der je diese Offenbarung erfahren hat, kann jemals wieder ganz an das Ego glauben. Wie könnte sein dürftiges Angebot an dich gegen die herrliche Gabe GOTTES obsiegen?
(EKIW: Kapitel 4, II. 3.)

Das war das Ego: all der grausame Hass, das Bedürfnis nach Rache und die Schmerzensschreie, die Angst zu sterben und der Drang zu töten, die bruderlose Illusion und das Selbst, das allein zu sein schien im ganzen Universum. Diesen schrecklichen Fehler über dich berichtigt das Wunder so sanft, wie eine liebende Mutter ihr Kind zur Ruhe singt. Ist es nicht ein Lied wie dieses, was du hören möchtest? Würde es nicht all das beantworten, was du zu fragen gedachtest, und sogar die Frage bedeutungslos machen?
(EKIW: Begriffsbestimmung, 2. 8.)

Epilog

Eckhart Tolle empfiehlt in seinem Buch Eine neue Erde eine spirituelle Übung um sich von der eigenen Besonderheit zu lösen. Er nennt sie "Die Herabsetzung des Ego zulassen".

Das Ego ist stets auf der Hut vor allem, was es als Herabsetzung empfindet. In diesem Fall springen automatisch Reparaturmechanismen an, um die mentale Form des Ego wieder herzustellen. Wenn uns jemand tadelt oder kritisiert, empfindet das Ego dies als persönliche Kränkung und versucht sein angeschlagenes Selbstwertgefühl sofort durch Rechtfertigung, Verteidigung oder Schuldzuweisungen wieder zu reparieren. Ob die andere Person recht hat oder nicht, ist für das Ego irrelevant. Es ist viel stärker an seiner Selbsterhaltung interessiert als an der Wahrheit. Damit wird für den Erhalt der psychologischen Form unseres Ichs gesorgt.

Eine besonders kraftvolle spirituelle Übung besteht darin, die Herabsetzung des Ego zuzulassen, wenn sie geschieht, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Tolle empfiehlt uns, von Zeit zu Zeit damit zu experimentieren. Wenn uns zum Beispiel jemand kritisiert, tadelt oder beschimpft, tun wir einfach gar nichts, statt sofort all unsere Abwehrmechanismen zu mobilisieren und auf Rache zu sinnen. Wir lassen zu, dass unser Selbstbild schrumpft, und achten darauf, wie sich das in unserem tiefsten Inneren anfühlt. Ein paar Sekunden lang wird es uns unangenehm sein, so, als wären wir kleiner geworden. Dann aber spüren wir eine innere Weite. Wir sind überhaupt nicht kleiner geworden. In Wahrheit haben wir uns ausgedehnt. Jetzt machen wir vielleicht eine erstaunliche Entdeckung: Wenn wir in irgendeiner Weise herabgesetzt werden und absolut nicht darauf reagieren - nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich -, geht uns auf, dass nichts Wirkliches davon berührt wurde und wir eigentlich durch das "Erniedrigtwerden” gewachsen sind. Sobald wir die Form, das Ego, nicht mehr verteidigen oder zu stärken versuchen, lösen wir uns von der Identifikation mit dieser Form, dem mentalen Selbstbild.

Aufgeben ist Aufgabe genug. Den Versuch, das egoische Selbstbild aufrechtzuerhalten, aufgeben und uns dem Willen Gottes hingeben ist unsere einzige Aufgabe - jene Aufgabe die sich Hingabe nennt.

Es ist völlig egal was andere Menschen über uns denken. Entscheidend ist, was wir über andere Menschen denken - das ist es was über unser (Er)Leben der Welt entscheidet und damit unsere Lebensqualität bestimmt. Sehen wir Brüder und Schwestern, oder sehen wir Feinde, je nachdem werden wir uns fühlen.

Der Kurs bezeichnet dieses Verhalten als Wehrlosigkeit, eine der Eigenschaften der Lehrer GOTTES. Dies meinte Jesus, als er sagte, man solle "sich selbst verleugnen" oder "auch die andere Backe darbieten". Jesus hat sich sogar, als er völlig zu unrecht zum Tode verurteilt wurde, nicht gewehrt.

Natürlich lässt sich auch diese Übung vom Ego missverstehen. Diese Übung bedeutet nicht, dass wir uns opfern sollten - auch Jesus hat sich nicht geopfert! Diese Übung bedeutet auch nicht, dass wir nicht in manchen Situationen “Nein” sagen dürften. Falls nötig, können wir jemanden auch mit aller Bestimmtheit ein klares "Nein" sagen, und das wird ein "Nein von hoher Qualität" sein, wenn es frei von aller Negativität ist, frei von jeglichem Urteil.

Wenn wir uns damit zufrieden geben, niemand Besonderer zu sein, uns also nicht hervortun, richten wir uns auf die Kraft des HEILIGEN GEISTES aus. Was dem Ego wie Schwäche vorkommt ist in Wirklichkeit die einzig wahre Stärke.



Körper

Den Juden wurden in den Konzentrationslagern des Nationalsozialismus Nummern eintätowiert. Wachpersonal und SS-Angehörige erhielten eine Tätowierung der Blutgruppe unter dem linken Oberarm. Bis 1890 wurden in Bosnien katholische Mädchen tätowiert, um einen Übertritt zum Islam zu verhindern. Koptische Christen in Ägypten tragen ein Kreuz an der Innenseite des rechten Handgelenkes, um sich vom Islam zu distanzieren. Zu Beginn der Edo-Zeit in Japan waren Tätowierungen unter anderem bei Prostituierten und Arbeitern sehr beliebt. Ab 1720 wurde die Tätowierung als eine Art Brandmarkung für Kriminelle eingesetzt, weshalb sich „anständige“ Japaner nicht mehr tätowieren ließen. Wer als Krimineller gezeichnet war, konnte sich nicht mehr in die Gesellschaft eingliedern, was zur Bildung einer eigenen Schicht führte - den Yakuza - der japanischen Mafia.

Tätowierungen dienten seit jeher der Markierung und Auszeichnung von Körpern. Jetzt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, sind Tattoos wieder sehr verbreitet, denn der Körper ist die Kathedrale des 21. Jahrhunderts. Der Körperkult ist zu einer Diesseitsreligion geworden und Schönheitschirurgie ist eine technologische Möglichkeit um diese Kathedrale zu perfektionieren. Die Gesellschaft ist säkularisierter denn je, dafür sehen Wellnessanlagen heute aus wie Kirchen. Was das über die Bedeutung der modernen Körperkultur sagt: Der Körperkult hat Spiritualität ersetzt, es herrscht ein Kult um das eigene illusionäre Selbst, das Ego wird zum Heiligtum, wird sakral initiiert.

Der Körper ist Ausdrucksmittel und Präsentationsfläche des Egos. Sich tätowieren zu lassen ist ein Beispiel für die Identifikation mit dem Körper. Dabei besteht kein Unterschied zwischen den Tattoos eines Fußballspielers und den Henna Tattoos einer Yoga-Lehrerin - beides ist Ausdruck dieser Identifikation. Für die Erlösung aus der Identifikation, ist es natürlich völlig bedeutungslos, ob ein Körper tätowiert ist oder nicht.

Der Körper ist die Hauptfigur im Traum der Welt. Es gibt keinen Traum ohne ihn, noch existiert er ohne den Traum, in dem er handelt, als wäre er eine Person, die zu sehen und die glaubhaft wäre. Er nimmt den Mittelpunkt in jedem Traum ein, der die Geschichte schildert, wie er von anderen Körpern gemacht und in die Welt außerhalb des Körpers geboren wurde, wie er eine kleine Weile lebt und stirbt, um im Staub mit anderen Körpern vereint zu werden, die sterben wie er selbst. In der kurzen Zeit, die ihm zu leben zugemessen ist, sucht er nach anderen Körpern, die ihm Freunde sind und Feinde. Seine Sicherheit ist sein Hauptanliegen. Seine Behaglichkeit ist seine Richtschnur. Er versucht, nach Lust auszuschauen und die Dinge zu vermeiden, die schmerzhaft wären. Vor allem versucht er, sich selbst zu lehren, dass sein Schmerz und seine Freuden unterschiedlich sind und auseinandergehalten werden können.“
(EKIW: Kapitel 27, VIII. 1.)

Eine Überbetonung des Körperlichen zeigt sich in manchen Religionen auch in rigiden Reinheitsgeboten. Im Islam heißt es (Quelle: https://islamfatwa.de):
Die entsprechende religiöse Gruppe des 21. Jahrhundert bezeichnen wir als Hipster. Sich die Achsel- und Schambehaarung nicht zu schneiden, gilt mittlerweile schon generell als absolutes No-Go. Auch wenn wir uns vor dem sogenannten politischen Islam fürchten, so haben wir doch schon längst die islamischen Reinheitsgebote übernommen.

Die Intimrasur ist ein seltsamer, verdrehter Trend, der unsere sexuelle Unreife zeigt. Erwachsene versuchen die Unreife von Kindern zu imitieren, um sexuelle Signale auszusenden. Die weichen, seidigen, empfindlichen Schamhaare sind zum Schutz des empfindsamen Gewebes da; sie vollkommen auszumerzen heißt, man verliert an Sensibilität. Jedes einzelne dieser Haare stellt eine Verbindung mit der inneren Gefühlswelt dar, weil es über seine Wurzeln mit unseren sensorischen Nervenbahnen verbunden ist. Bei Männern dient die Intimrasur meist dazu den Penis größer und eindrucksvoller erscheinen zu lassen. Letztlich lenkt uns diese Form der Zurschaustellung der Genitalien von der eigenen Quelle unserer Bewusstheit ab.

Auch die Mode des Piercens verschiedener Körperteile wie zum Beispiel Hoden, Penis, Klitoris, Nabel oder Brustwarzen steht für ein extrovertierte Sexualität. Ein anderer Ausdruck der Suche nach Stimulation und Sensation an der Peripherie - im Gegensatz zum Zentrum unserer angeborenen Sensibilität.

Im Jahre 2015 löste der Film Fifty Shades of Grey einen regelrechten BDSM-Boom aus. Das Buch war plötzlich auf den Nachttischen junger Mädchen ebenso zu finden, wie in den Schubladen „braver“ Eheleute. Wenn man im Jahre 2015 beim Baumax ein Gaffa-Band und ein Abschleppseil kaufen wollte, wurde man zweideutig belächelt. Fifty Shades of Grey ist nichts weiter als eine Kombination aus "Blümchensex", "Vanilla-Latte-Sadomasochismus" mit reaktionärem Weltbild und modernem Hygienewahn, aber es hat auf ein wichtiges Thema verwiesen.

Das Ego ist grundsätzlich nicht dauerhaft zufrieden und so ist auch der Sex, der rein auf persönlicher Anziehung beruht, auf Dauer unbefriedigend. Es braucht eine immer größere Show um die Sache irgendwie am Laufen zu halten. Der BDSM-Boom ist der verzweifelte Versuch des Egos den Reiz am Sex noch zu erhöhen oder zumindest zu erhalten. Es ist der Versuch den Sex, der rein auf der Reibung von Körperteilen beruht, durch noch stärkere „Reibung“ zu verstärken.

„Schmerz zeigt auf, dass der Körper wirklich sein muss. Er ist eine laute, verschleiernde Stimme, deren Schreie das, was der HEILIGE GEIST sagt, übertönen und SEINE Worte von deinem Bewusstsein fernhalten. Schmerz erzwingt Aufmerksamkeit, indem er sie IHM entzieht und auf sich selber konzentriert. Sein Zweck ist derselbe wie der der Lust, denn sie sind beide Mittel, um den Körper wirklich zu machen. Das, was einen gleichen Sinn und Zweck hat, ist dasselbe. Das ist das Gesetz des Zwecks, das alle, die ihn teilen, in sich vereint. Lust und Schmerz sind gleich unwirklich, weil ihr Zweck nicht erreicht werden kann. So sind sie denn Mittel für nichts, denn sie haben ein Ziel ohne Bedeutung. Und sie teilen die Bedeutungslosigkeit ihres Zweckes.

Die Sünde wechselt vom Schmerz zu Lust und wieder hin zum Schmerz. Denn beide Zeugen sind dasselbe und überbringen eine Botschaft nur: Du bist hier in diesem Körper, und du bist verletzlich. Du kannst Lust auch haben, aber nur zum Preis des Schmerzes.« Diesen Zeugen schließen sich noch viele andere an. Jeder scheint anders zu sein, weil er einen anderen Namen hat, und scheint daher auf einen anderen Laut zu reagieren. Davon abgesehen sind der Sünde Zeugen alle gleich. Nenne Lust Schmerz, so wird sie dich verletzen. Nenne den Schmerz Lust, und der Schmerz hinter der Lust wird nicht mehr empfunden. Der Sünde Zeugen wechseln nur von einem zu dem anderen Namen, während der eine vortritt und ein anderer zurück. Doch welcher vornan ist, ändert nichts. Der Sünde Zeugen hören nur den Ruf des Todes.“


(EKIW: Kapitel 27, VI. 1.&2.)

Schmerz und Lust sind die stärksten Hilfsmittel des Egos,
um den Körper - und damit die Trennung von GOTT -
als wirklich erscheinen zu lassen.

Der HEILIGE GEIST sieht den Körper nur als ein Kommunikationsmittel an, und weil Kommunizieren Miteinanderteilen ist, wird es zur Kommunion. Sex ist ein körperlicher Aspekt und kann daher auch ein Kommunikationsmittel sein. Wenn wir uns Zeit nehmen für Sex, um uns bewusst mit dem Partner zu verbinden, um jeden Moment und jede Berührung bewusst wahrzunehmen, so transformieren wir die Partnerschaft und machen Sex zu einem wirklichen Akt der Kommunikation - zur Kommunion.

Wir entkommen dem Sex nicht, indem wir ihn unterdrücken. 2000 Jahre lang hat insbesondere die katholische Kirche sehr eindrucksvoll bewiesen, dass es so nicht funktioniert. Laut dem, im September 2021, erschienenen Bericht einer unabhängigen Untersuchungskommission zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in Frankreich haben sich zwischen 1950 und 2020 in Frankreich rund 3.000 Priester und Ordensleute an rund 216.000 Kindern vergangen. 80 Prozent der Opfer waren männlich und zur Tatzeit zwischen 10 und 13 Jahre alt. Gerade wenn wir die natürliche Entwicklung unserer Sexualität durch Unterdrückung stören, verfolgt uns der Sex in pervertierter Form ein Leben lang.

In der sexuellen Entwicklung eines Menschen gibt es Phasen (autosexuell, homosexuell, heterosexuell) und wenn eine davon massiv unterdrückt wird, wird daraus leicht eine lebenslange Obsession. Wobei natürlich auch dabei nicht wirklich die Umwelt Schuld ist, sondern das woran wir bereit sind zu glauben, das was in unserem Geist noch unerlöst ist, ist entscheidend. Auf dem Weg in die Freiheit müssen wir durch den Sex hindurch. Dann verschwindet er ganz von selbst und wird durch eine Glückseligkeit ersetzt, die weit über alles Körperliche hinausgeht. Unterdrückung ist unmöglich, aber Transformation ist möglich.

Sobald ihr beim Sexakt meditiert, öffnet sich eine neue Tür. Ihr betretet eine neue, völlig unbekannte Dimension, von der ihr bisher noch nie etwas gehört habt. Eine höhere Seligkeit strömt in euch ein. Ihr werdet etwas so Beseligendes erleben, dass der Sex daneben völlig verblasst und von selbst unwichtig wird. Dann wird eure Energie nicht mehr in seine Richtung fließen.”
(Osho)

Sex kann dumpf erlebt werden, und dabei kann Befriedigung entstehen. Sex kann aber auch lichtvoll und bewusst erlebt werden. Jesus und Meister vieler Zeiten, hatten ihre Sexualität transformiert, in eine andere, höhere Ebene an Energie umgewandelt. Es geht dabei um einen Übergang von der rein physischen Vereinigung zur Vereinigung der Energie-Körper, hin zur Vereinigung im Geiste. Am Beginn steht der Übergang vom Sex, der rein auf mechanischer Reibung von Körperteilen beruht, zur stillen, bewegungslosen Vereinigung ohne Orgasmus im klassischen Sinn, was nicht bedeutet, dass es dabei nicht zu einer orgastischen Erfahrung der ganz anderen Art kommen kann. Diese Technik ist im Buch Slow Sex: Zeit finden für die Liebe von Diana Richardson wunderbar beschrieben.

Tantrischer Sex ist gar kein Sex - er ist Meditation. Meditation sollte euer ganzes Leben durchziehen. Was auch immer ihr tut, tut es auf meditative Weise: Geht meditativ, esst meditativ. Und wenn ihr Sex habt, dann meditativ. Meditation muss zu eurem ganzen Leben werden, vierundzwanzig Stunden am Tag; nur dann wird Transformation möglich. Dann werdet ihr über den Sex, über den Körper, über den Verstand hinausgelangen. Dann werdet ihr zum ersten Mal der Göttlichkeit innewerden, der Ekstase, Seligkeit, Wahrheit, Befreiung.”
(Osho)

Tantra stellt sich hauptsächlich als spiritueller und mystischer Weg dar, der, wie der Kurs, auf metaphysischen Annahmen beruht. Tantra ist ein Weg der Achtsamkeit und darum geht es auch bei den im Buch der Geheimnisse von Osho angeführten 112 tantrischen Übungen. In diesem Buch kommentiert Osho eine alte tantrische Schrift, das „Vigyan Bhairav Tantra“. Nur 3 von diesen 112 Methoden haben etwas mit Sex zu tun. In der westlichen Welt wird Tantra allerdings hauptsächlich verkürzt auf sexuelle Aspekte. Bei dem im Westen angebotenen, sogenannten Neo-Tantra, geht es meist nur noch um ein Streben nach „sexuell-spiritueller“ Wellness.

Die in Tantra Seminaren gelehrten sexuellen Praktiken wären - wenn sie nicht zu oft missbraucht würden - lustvolle und ungewöhnliche Techniken, aber auch nicht mehr. Der echte Tantrismus hingegen ist ein Weg der absoluten LIEBE, der zur Freiheit des Seins führt. Warum Tantra hier im Westen so missverstanden wird, liegt daran dass die Menschen im Westen Dinge mögen, die schnell und leicht gehen. So wie Tantra hier im Westen meist praktiziert wird, stellt es das vollkommene Gegenteil zu ursprünglichen Tradition des Tantra dar.

Desto mehr wir uns auf das zusammen SEIN konzentrieren, anstatt auf ein zielgerichtetes Tun, desto kommunikativer - im Sinne GOTTES - werden unsere Begegnungen werden. Je näher wir GOTT kommen, desto mehr verlieren Körper und Sex an Bedeutung und werden durch eine Freude und Glückseligkeit ersetzt, die weit darüber hinaus gehen.

Die Verherrlichung des Körpers macht auch vor esoterischen und „spirituellen“ Kreisen nicht halt. Dort wird unter dem völlig falsch verstanden Bild vom „Körper als Tempel der Seele“ dem Körper gehuldigt. Er wird mit Yoga, veganer Ernährung und Power-Smoothies gehegt und gepflegt und wie ein Gott verehrt. Dies ist der Versuch des Egos sein „Leben“ zu verbessern und zu verlängern, obwohl das unausweichliche Ende des Körpers durch Krankheit, Verfall und letztendlich dem Tod, von Anfang an fest steht.

"Wann immer du versuchst, ein Ziel zu erreichen, bei welchem die Verbesserung des Körpers zum Hauptnutznießer wird, versuchst du, deinen Tod herbeizuführen. Dann glaubst du nämlich, dass du Mangel leiden kannst, und Mangel ist Tod. Opfern heißt aufgeben und damit ohne sein und Verlust erlitten haben. Und durch dies Aufgeben wird dem Leben entsagt. Suche nicht außerhalb von dir. Die Suche beinhaltet, dass du in deinem Inneren nicht ganz bist und Angst hast, auf deine Verwüstung zu schauen, und vielmehr lieber außerhalb von dir nach dem suchst, was du bist."
(EKIW: Kapitel 29, VII. 4.)

Das moderne westliche Yoga hat kaum noch etwas mit dem ursprünglichen, spirituellen Verständnis von Yoga zu tun. Es dient, als eine hippe New-Age-Lebenseinstellung, meist nur noch der verstärkten Identifikation des Egos mit dem Körper und der Verherrlichung von Äußerlichkeiten, mit Yoga Posing in den sozialen Medien, mit schicken Yoga-Klamotten und der inflationären Verwendung hinduistischer Begrifflichkeiten. Anstatt der Anbetung von Schutzheiligen im traditionellen Christentum, wie Blasius oder Christophorus, werden nun hinduistische Gottheiten, wie Lakshmi oder Ganesha angebetet.

Yoga im spirituellen Sinn ist eine Geistesschulung, die den Körper als Mittel nutzt. Das Ego macht genau das Gegenteil, es macht den Körper zum Zweck und nutzt Yoga als Mittel zur Optimierung des Körpers.

“We are nobodies,
wanna be somebodies.
We're dead,
know just who we are.”
(The Nobodies - Marilyn Manson)

Anders ausgedrückt: We try to be somebody, because we have forgotten that we are not a body.

Der sogenannte „Tempel der Seele“ ist nur ein Gebäude, er ist nur Mittel und nicht Zweck. Das - worum es geht - ist das Allerheiligste im Tempel. Diese Verwechslung hat sich sehr deutlich nach dem Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame im Jahr 2019 gezeigt. Die Erschütterung darüber war weltweit sehr groß und wenige Monate nach dem Großbrand betrugen die Spendenzusagen für ihren Wiederaufbau 922 Millionen Euro. Aber es geht nicht um das Gebäude, es geht um die WAHRHEIT am Altar. Die WAHRHEIT ist durch einen Brand nicht zu zerstören. Die zentrale Botschaft des Kurses lautet: „Nichts Wirkliches kann bedroht werden“.

"Der nächste Schritt indessen ist die Einsicht, dass ein Tempel gar kein Gebäude ist. Seine wahre Heiligkeit liegt im inneren Altar, um welchen das Gebäude aufgebaut ist. Die Schönheit von Gebäuden zu betonen ist ein Zeichen der Angst vor der SÜHNE und ein Unwille, zum Altar selber zu gelangen. Die wirkliche Schönheit des Tempels kann mit dem leiblichen Auge nicht gesehen werden. Andererseits kann die geistige Sicht das Gebäude überhaupt nicht sehen, weil sie vollkommene Schau ist. Hingegen kann sie den Altar mit vollkommener Klarheit sehen."
(EKIW: Kapitel 2, III. 1. 7.-12.)

"Die Leere in der Mitte
macht das Haus
"
(Tao Te King – Lao-Tse)

Du setzt noch immer zu viel Glauben in den Körper als eine Quelle der Stärke. Welche Pläne schmiedest du, in denen es nicht in irgendeiner Weise um seine Behaglichkeit, seinen Schutz oder sein Vergnügen geht? Das macht den Körper in deiner Deutung zu einem Zweck und nicht zu einem Mittel, und das heißt immer, dass du die Sünde nach wie vor als attraktiv empfindest.
(EKIW: Kapitel 18, VII. 1. 1.-3.)

In diesem Reich herrscht das Ego, und zwar grausam. Um dieses kleine Staubkorn zu verteidigen, gebietet es dir, gegen das Universum anzukämpfen. Dieses Fragment deines Geistes ist ein so winziger Teil davon, dass du - könntest du nur das Ganze würdigen - augenblicklich sehen würdest, dass es wie der kleinste Sonnenstrahl im Vergleich zur Sonne ist oder wie das schwächste Kräuseln auf der Meeresoberfläche. In seiner erstaunlichen Arroganz hat dieser winzige Sonnenstrahl beschlossen, er sei die Sonne, und dieses kaum wahrnehmbare Kräuseln rühmt sich selbst als Meer. Bedenke, wie einsam und verängstigt dieser kleine Gedanke ist, diese unendlich kleine Illusion, die sich selbst getrennt hält wider das Universum. Die Sonne wird zum Feind des Sonnenstrahls, der ihn verschlingen möchte, das Meer versetzt das kleine Kräuseln in Entsetzen und möchte es verschlucken.
(EKIW: Kapitel 18, VIII.3.)

Eine den Körper verhüllende einheitliche Kleidung ist wunderbar, wenn sie eine innere Haltung zum Ausdruck bringt, in der die “die Belanglosigkeit des Körpers eine annehmbare Idee” ist und Besonderheit als Irrtum erkannt wurde. Der Habit (vom lateinischen habitus „Haltung”), die Tracht einer Ordensgemeinschaft, bringt die innere Einstellung zum Ausdruck und verstärkt zugleich das Gefühl der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft.

Wenn sich allerdings hinter einer bestimmten Kleidung der Zwang zur Einhaltung religiöser Gesetze verbirgt oder der Versuch das eigene körperliche Verlangen zu unterdrücken, so bringt dies eine Menge Leid mit sich, aber nicht die Erlösung. Wenn unser Geistesfrieden durch aufreizend präsentierte Körper gestört wird, ist dies nicht ein Problem der Kleidung, sondern ein Problem unseres Geistes. Von unserer eigenen körperlichen Sicht der Welt, kann uns keine Kleidung befreien, sondern einzig und allein die Berichtigung in unserem Geist.

Man kann unmöglich Lust durch den Körper suchen und nicht Schmerz finden. Es ist ganz wesentlich, dass diese Beziehung verstanden wird, denn sie ist eine, die das Ego als Beweis der Sünde sieht. Sie hat in Wirklichkeit überhaupt nichts mit Strafe zu tun. Sie ist bloß die unvermeidliche Folge davon, dass du dich mit dem Körper gleichgesetzt hast, und das ist die Einladung an den Schmerz. Denn es lädt die Angst ein, einzutreten und dein Ziel zu werden. Und mit ihr muss die Anziehungskraft der Schuld eintreten und alles, was die Angst den Körper zu tun anweist, ist deshalb schmerzvoll. Es wird den Schmerz aller Illusionen teilen, und die Illusion der Lust wird dasselbe sein wie Schmerz.
(EKIW: Kapitel 19, IV. B. 12.)


Glückseligkeit

Ein Leben des Wachstums geht über das profane
Leben der Genüsse hinaus. Genüsse haben keine allzu
große Bedeutung: Es ist, wie wenn man sich kratzt -
ganz angenehm, aber nur für kurze Zeit. Kratzt man
weiter, dann kommt Blut, und der Genuss verwandelt
sich in Schmerz. Ihr alle kennt es nur zu gut, wie sich
Genuss in Schmerz verwandelt!

Ein intelligenter Mensch macht sich auf die Suche
nach etwas, das nicht zu Schmerz und Angst, Leiden
und Qual wird. Was ich mit Glückseligkeit meine,
ist nicht Genuss, denn Glückseligkeit kann sich nicht
ins Gegenteil verwandeln - sie hat kein Gegenteil.
Man sollte das Unvergängliche suchen, und jeder
besitzt die Fähigkeit, das Unvergängliche zu erfahren.
Aber die Genüsse des Körpers - die biologische
Anziehung, die Gaumenfreuden - halten die
Menschen beschäftigt und nehmen die kurze Zeit
in Anspruch, die Ihnen hier auf Erden für das
Wachstum bleibt.

(Osho)



Krankheit

Der Äskulapstab ist ein von einer Schlange umwundener Stab und wird auch als Schlangenstab bezeichnet. Ursprünglich war er ein Attribut des Asklepios (deutsch: Äskulap), des Gottes der Heilkunde in der griechischen Mythologie. Heute ist er das Symbol des ärztlichen und pharmazeutischen Standes. In vielen Kulturen weltweit wurden Schlangen mit Göttern in Verbindung gebracht. Seit Menschengedenken gilt die Schlange als ein bedeutendes mystisches Wesen; so entwendet etwa der Gottkönig Gilgamesch im gleichnamigen Epos einer Schlange das lebenspendende Zauberkraut. Im Altertum wurde sie schließlich zum Symbol der Heilkunde. Ihre Charakteristika „Verjüngung durch Häutung“, „Scharfsichtigkeit wie Wachsamkeit“ sowie „Heilkraft“ machten sie zum Sinnbild heilberuflicher Tugenden.
Bild

„Verjüngung durch Häutung“ bedeutet sich Schritt um Schritt von Identifikationen zu lösen, wozu es „Scharfsichtigkeit wie Wachsamkeit“ braucht und darin besteht die „Heilkraft“.

„Nur von der Erlösung kann man sagen, dass sie heilt.“
(EKIW: Lektion 140)

Ein erleuchteter Geist kennt keine Krankheit, denn erleuchtet sein, bedeutet heil sein. Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Körper frei von Aspekten ist, die die Medizin als Krankheit beurteilt. Erleuchtet sein, bedeutet nicht mehr mit dem Körper identifiziert zu sein, daher gibt es, ganz unabhängig von körperlichen Zuständen, niemanden mehr der krank sein könnte.

"Frieden ist eine Eigenschaft in dir.
Du kannst ihn nicht außen finden
Krankheit ist eine Form der äußeren Suche.
Gesundheit ist innerer Frieden."
(EKIW: Kapitel 2, I. 5. 8.-11.)

Ramana Maharshi starb aus medizinischer Sicht an Krebs, aber er versicherte den Zurückbleibenden mit einem gütigen Lächeln auf den Lippen:

„Das was ich bin, kann nicht sterben, weil es nie geboren wurde.“

Ramanas Gesundheit war nie besonders stabil. 1949 wurde ein Krebsgeschwür an seinem linken Arm entdeckt. Als ein Arzt Ramana vorschlug, den Arm zu amputieren, weigerte er sich mit den Worten:
”Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung. Der Körper selbst ist eine Krankheit. Lass ihn sein natürliches Ende nehmen.”

Unter Bhakti versteht Ramana Maharshi das bedingungslose Ergeben an das Schicksal. Das funktioniert nur, wenn wir jeglichen Glauben an Individualität und einen freien Willen loslassen:

Der andere Weg ist, das Ego zu töten, indem man sich völlig dem Herrn unterwirft, seine Hilflosigkeit erkennt und immerzu sagt: ‚Nicht ich, sondern Du, oh Herr!’, jeden Gedanken an ‚ich’ und ‚mein’ aufgibt und es völlig dem Herrn überlässt, was er mit einem tun mag. Die Hingabe ist nicht vollständig, solange der Verehrer dieses und jenes von dem Herrn will. Wahre Hingabe ist die Gottesliebe um der Liebe willen und um nichts anderes, nicht einmal um Erlösung zu erlangen.
(Zitiert in Devaraja Mudaliar: Tagebuch der Gespräche mit Ramana Maharshi).

An anderer Stelle heißt es:

Weihe Ihm all deine Taten, wie immer du Ihn auch nennen magst. Bewahre Ihn immerwährend im Hintergrund. Dann wird das Empfinden ‚Ich bin der Handelnde’ wegfallen und dafür das Empfinden ‚Ich bin das Instrument des Herrn’ an seine Stelle treten.
(Ramana Maharshi).

Ramana Maharshi hat den Körper für dessen einzig wahren Zweck genutzt - als Kommunikationsmittel - um Zeugnis dafür abzulegen, dass wir nicht der Körper sind!

Bild
(Ramana Maharshi, 1879 - 1950)

Der Weg zur Heilung beginnt damit, zu erkennen, dass es nicht um die körperliche Heilung geht, sondern um die Heilung des Geistes. Solange wir die Heilung des Körpers suchen, werden wir auf verschiedenste Methoden treffen, die das eine oder andere Symptom beseitigen, aber neue Symptome werden auftauchen und die verzweifelte Suche, nach einem heilen Körper, endet auf jeden Fall im Tod.

Krankheit ist, als Teil des Ego - die Idee der Trennung - ein Irrtum. Die Unterscheidung zwischen "Krankheit" und "Gesundheit" auf der Ebene der Form ist ein Teil dieses Irrtums. Allein der altersbedingte Verfall des Körpers ist Krankheit. Wir sterben nur so langsam, dass wir es lange Zeit gar nicht bemerken. Bei den sogenannten Krankheiten noch zwischen körperlichen und psychosomatischen Krankheiten zu unterscheiden, bedeutet dem zentralen Irrtum, weitere Irrtümer hinzuzufügen, um durch diese Komplexität die Wahrheit noch besser zu verschleiern.

"Die falsche Heilung nimmt lediglich einen armseligen Tausch einer Illusion gegen eine "schönere" vor, eines Traums von Krankheit gegen einen Traum von Gesundheit. Das kann bei niedrigeren Formen des Gebets geschehen, in Verbindung mit einer gut gemeinten, aber noch nicht vollständig verstandenen Vergebung. Nur falsche Heilung kann der Angst stattgeben, so dass die Krankheit frei wird, wieder zuzuschlagen. Falsche Heilung kann für wahr eine Form von Krankheit und von Schmerz entfernen. Doch die Ursache bleibt, und sie wird der Wirkungen nicht ermangeln. Die Ursache ist nach wie vor der Wunsch, zu sterben und denn CHRISTUS zu überwinden. Und mit diesem Wunsch ist der Tod eine Gewissheit, denn das Gebet wird erhört. Es gibt hingegen eine Art scheinbaren Todes, der eine andere Quelle hat. Er kommt nicht aufgrund von verletzenden Gedanken und rasender Wut dem Universum gegenüber. Er bekundet nur, dass das Ende der Nützlichkeit des körperlichen Funktionierens gekommen ist. Und somit wird er abgelegt aus freier Wahl, so wie man ein Gewand ablegt, das inzwischen abgetragen ist."
(Die Ergänzungen zu EKIW: DAS LIED DES GEBETS, 3. II. 1.)

Die französische Schriftstellerin Christiane Singer (Gräfin Thurn-Valsassina) starb am 4. 4. 2017 an Krebs. Sie war eine gelernte Therapeutin in Initiatischer Leibtherapie nach Karlfried Graf Dürckheim, dessen Adeptin sie lange Jahre war, und sie gab kostenlose Therapiestunden „für alle, die kommen mögen“. Singer heiratete 1967 den Architekten Georg Thurn-Valsassina, den sie in der Schweiz kennengelernt hatte, und zog zu ihm auf dessen Familiensitz Burg Rastenberg im Waldviertel in Niederösterreich. Gemeinsam bauten sie auf einer radiästhetisch ausgependelten Lichtung auf dem Burggelände das Seminarhaus Die Lichtung. In ihren letzten Tagen schrieb sie noch ein Buch über ihre Krankheit - „Alles ist Leben. Letzte Fragmente einer langen Reise.“ - in dem sie folgendes schreibt: "Wenn man das Abenteuer mit Begriffen wie Krankheit und Heilung beschreibt, ist man auf einem völlig falschen Weg. Ich habe keine Krankheit bekommen und ich werde von nichts geheilt. Ich habe einen heftigen alchemistischen Prozess durchschritten. Das ist alles. Und ich durchschreite ihn weiter."

Ein Hauptschritt im Plan der SÜHNE ist, den Irrtum auf allen Ebenen aufzuheben. Krankheit oder »Nicht-Rechtgesinntheit« ist das Ergebnis einer Verwechslung der Ebenen, weil sie immer mit der Überzeugung einhergeht, dass das, was auf einer Ebene nicht stimmt, eine andere nachteilig beeinflussen kann. Wir haben von Wundern als dem Mittel gesprochen, das die Verwechslung der Ebenen berichtigt, denn alle Fehler müssen auf der Ebene berichtigt werden, auf der sie auftreten. Nur der Geist ist des Irrtums fähig. Der Körper kann nur dann falsch handeln, wenn er auf Fehlgedanken reagiert. Der Körper kann nicht erschaffen, und die Überzeugung, er könne es - ein grundlegender Irrtum -, bringt alle körperlichen Symptome hervor. Physische Krankheit stellt einen Glauben an Magie dar. Die ganze Verzerrung, durch die Magie gemacht wurde, beruht auf der Überzeugung, es gebe eine schöpferische Fähigkeit in der Materie, über die der Geist keine Kontrolle hat. Dieser Irrtum kann zwei Formen annehmen: Man kann entweder glauben, der Geist könne im Körper fehlerschaffen oder der Körper könne im Geist fehlerschaffen. Wenn verstanden wird, dass der Geist, der die einzige Ebene der Schöpfung ist, nicht über sich hinaus erschaffen kann, braucht keine der beiden Arten der Verwechslung mehr aufzutreten.
(EKIW: Kapitel 2, IV. 2.)

Alle materiellen Mittel, die du als Heilmittel für körperliche Gebrechen akzeptierst, sind erneute Bestätigungen magischer Grundsätze. Das ist der erste Schritt im Glauben, der Körper mache seine eigene Krankheit. Ein zweiter Fehlschritt ist der Versuch, diese durch nichtschöpferische Mittel zu heilen. Hingegen folgt daraus nicht, dass die Verwendung solcher Mittel zum Zwecke der Berichtigung böse ist. Manchmal hat die Krankheit den Geist fest genug in der Gewalt, um einen Menschen vorübergehend für die SÜHNE unzugänglich zu machen. In diesem Falle mag es klug sein, dem Körper und Geist gegenüber einen Kompromissansatz anzuwenden, bei dem der Glaube an Heilung vorübergehend etwas Äußerem geschenkt wird. Das letzte, was den Nichtrechtgesinnten oder Kranken nämlich helfen kann, ist eine Mehrung der Angst. Sie sind bereits in einem angstgeschwächten Zustand. Werden sie vorzeitig einem Wunder ausgesetzt, werden sie womöglich in Panik gestürzt. Dies geschieht mit großer Wahrscheinlichkeit, wenn eine auf dem Kopf stehende Wahrnehmung zur Überzeugung geführt hat, dass Wunder furchterregend sind.
(EKIW, Kapitel 2, IV. 4.)

Magie ist die geistlose oder fehlschöpferische Anwendung des Geistes. Physische Arzneimittel sind eine Art von »Zauber«; wenn du aber Angst hast, den Geist zur Heilung zu verwenden, solltest du es auch nicht versuchen. Gerade die Tatsache, dass du Angst hast, macht deinen Geist für Fehlschöpfungen anfällig. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass du jede Heilung, die eintreten mag, missverstehen wirst, und weil Ichbezogenheit und Angst gewöhnlich zusammen auftreten, bist du möglicherweise nicht fähig, die wahre QUELLE der Heilung anzunehmen. Unter diesen Umständen ist es für dich sicherer, dich vorübergehend auf physische Heilmethoden zu verlassen, weil du sie nicht fälschlich als deine eigenen Schöpfungen wahrnehmen kannst. Solange dein Gefühl der Verletzlichkeit andauert, solltest du nicht versuchen, Wunder zu wirken.
(EKIW: Kapitel 2, V. 2.)

Die Angst vor Medikamenten - ist wie der Glaube an Medikamente - der Glaube an Magie. Wenn wir glauben Medikamente könnten uns schaden, glauben wir genau so ein Körper zu sein, wie wenn wir glauben, sie könnten uns heilen. Es gibt keine Grade, sondern nur Illusion oder Wahrheit, daher besteht kein Unterschied zwischen klassischer Schulmedizin und Homöopathie und sonstigen Arzneien und Ritualen. Der ganze Konflikt zwischen den unterschiedlichen „Heilversprechen“, ist nur ein Streit zwischen unterschiedlichen Formen von Magie und hat mit wahrer Heilung nichts zu tun.

Denk an die Freiheit in der Einsicht, dass du an all die sonderbaren und verdrehten Gesetze nicht gebunden bist, die du aufgestellt hast, um dich zu retten. Du meinst tatsächlich, dass du verhungerst, wenn du nicht Stapel farbiger Papierschnipsel und Haufen kleiner Scheiben aus Metall besitzt. Du meinst tatsächlich, dass ein kleines rundes Kügelchen oder eine Flüssigkeit, die durch eine spitze Nadel in deine Adern gedrückt wird, Krankheit und Tod abwendet. Du meinst tatsächlich, du seiest allein, wenn nicht ein anderer Körper bei dir ist.

Es ist der Wahnsinn, der diese Dinge denkt. Du sagst, dass sie Gesetze sind, und reihst sie unter verschiedenen Bezeichnungen in einen langen Katalog von Ritualen ein, die nutzlos sind und keinen Zweck erfüllen. Du denkst, du müsstest den »Gesetzen« der Medizin, der Wirtschaft und Gesundheit folgen. Schütze den Körper, und du bist gerettet.

Dies sind keine Gesetze, sondern es ist Wahnsinn. Der Körper wird durch den Geist gefährdet, der sich selbst verletzt. Der Körper leidet bloß, damit der Geist nicht sieht, dass er sein eigenes Opfer ist. Des Körpers Leiden ist eine Maske, die vom Geist emporgehalten wird, um das zu verbergen, was wirklich leidet. Er will nicht verstehen, dass er sein eigener Feind ist; dass er sich selber angreift und sterben will. Das ist es, wovor deine »Gesetze« den Körper schützen wollen. Das ist der Grund, weshalb du meinst, du seiest ein Körper.

(EKIW, Übungsbuch, Lektion 76, 3.-5.)

Eine psychische Traumatisierung, eine massive Erschütterung unseres egoischen Selbstbilds, zeigt uns, welch dramatische Auswirkungen der Glaube an die Illusion haben kann. Jedes Psychotrauma ist daher auch eine Gelegenheit über den Glauben dahinter nachzudenken und sich der Frage zu stellen - wer bin ich?

Bei Menschen mit multiplen Persönlichkeiten ändern sich, beim Wechsel der Persönlichkeit, auch die körperlichen Symptome. Diese sogenannte Dissoziative Identitätsstörung führt dazu, dass ein und derselbe Mensch, beispielsweise in einer Persönlichkeit einen niedrigen Blutdruck hat und in einer anderen Persönlichkeit einen hohen. Damit ist offensichtlich, dass Krankheit nichts Körperliches ist, sondern etwas Geistiges. Man kann auch das Ego an sich, als eine einzige Dissoziative Identitätsstörung betrachten - die Illusion 8 Milliarden unterschiedlicher Identitäten.

Es besteht auch kein Unterschied zwischen psychischen Krankheiten und körperlichen Krankheiten. Manchmal schämen wir uns für psychische Krankheiten, erzählen aber gerne von unseren körperlichen Krankheiten. Manchmal machen wir hingegen aus unseren psychischen Krankheit ein persönliches Alleinstellungsmerkmal und einen Ausdruck unserer Besonderheit, wie im Falle der sogenannten „Hochsensibilität“ oder dem Asperger-Syndrom. In all diesen Fällen ist die Krankheit ein Teil des Egos geworden, ein weiterer Teil der Identifikation. Da die Medizin immer größere Fortschritte macht, stehen die körperlichen Krankheiten nicht mehr so im Fokus und die psychischen Krankheiten wie Depression gewinnen immer mehr unsere Aufmerksamkeit.

Es gibt für einen Schüler nichts Entmutigenderes als einen Lehrplan, dem er nicht folgen kann. Sein Gefühl der Zulänglichkeit leidet darunter, und er muss sich deprimiert fühlen. Mit einer unmöglichen Lernsituation konfrontiert zu sein, ist die deprimierendste Sache der Welt. Das ist in der Tat letztendlich der Grund dafür, weshalb die Welt selbst deprimierend ist. Der Lehrplan des HEILIGEN GEISTES ist niemals deprimierend, weil es ein Lehrplan der Freude ist. Jedes Mal, wenn Depression die Reaktion auf Lernen ist, liegt das daran, dass das wahre Lernziel aus den Augen verloren wurde.
(EKIW: Kapitel 8, VII. 8.)

Das Gegenteil von Freude ist Depression. Fördert dein Lernen Depression statt Freude, so hörst du sicher nicht GOTTES freudigen LEHRER und lernst nicht SEINE Lektionen. Einen Körper als irgend etwas anderes als ein Mittel zur Kommunikation zu sehen, heißt deinen Geist begrenzen und dich selbst verletzen. Gesundheit ist deshalb nichts anderes als ein geeinter Zweck. Wenn der Körper dem Zweck des Geistes unterstellt wird, wird er ganz, weil der Zweck des Geistes eins ist. Angriff kann nur ein angenommener Zweck des Körpers sein, weil der Körper unabhängig vom Geist gar keinen Zweck hat.
(EKIW: Kapitel 8, VII. 13.)

Wir können jede Form von Erschöpfung (Depression, Burnout, CFS, Long Covid, …) als Symbol für den enormen Aufwand begreifen, den die Aufrechterhaltung unseres falschen Selbstbilds verursacht. Wenn wir auf eine Erschöpfung mit Rückzug von der Welt reagieren, ohne uns gleichzeitig GOTT zu zuwenden, wird daraus ein todbringender Prozess.

Jede Form einer chronischen Erkrankung zwingt uns Abschied zu nehmen von unserem Ehrgeiz und unserer Willenskraft. Wir werden lernen müssen, Schwäche und Hilflosigkeit zu akzeptieren. Wir werden uns öffnen für die Gnade, die bisher in unserem Weltbild keinen Platz hatte.

Das Ichgefühl für etwas Gutes zu halten, ist eine Illusion, und es ist zu hoffen, dass die Arbeit mit dem Kurs uns hilft, das zu erkennen. Wenn wir erkennen, dass existentielle Hilflosigkeit die Basis des egoischen Ichgefühls ist, verstehen wir, dass wir uns nicht dafür verurteilen und ablehnen müssen. Stattdessen können wir uns mit Demut und Hingabe annehmen. Das ist eine Chance, die Situation, in der wir sind, endlich korrekt einzuschätzen.

Obwohl dieses Gefühl der Hilflosigkeit schmerzhaft ist, erkennen wir irgendwann, dass es auf der Ebene der Person sehr wahrhaftig und sehr echt ist, weil wir uns nicht länger belügen. Allein diese Erkenntnis kann zu einem egolosen Zustand führen, ohne dass wir etwas tun müssten. So öffnet diese Hilflosigkeit das Tor für das Handeln des HEILIGEN GEISTES.

Wenn wir diese Hilflosigkeit akzeptieren, heißt das, dass wir aufgehört haben, uns anzustrengen. Wenn wir unser ständiges Streben durchschauen, wird uns bewusst, wie müde unser Herz ist, wie müde der Geist ist, wie müde der Körper ist, wie müde die Seele ist.

„Du bist am Ende einer uralten Reise angelangt und merkst noch nicht, dass sie vorüber ist. Noch bist du müde und erschöpft, der Wüstenstaub scheint noch deine Augen zu umwölken und dich blind zu machen. Doch ER, DEN du willkommen hießest, ist zu dir gekommen und möchte dich willkommen heißen. ER hat lange darauf gewartet, dir dies zu geben. Empfange es nun von IHM, denn ER möchte, dass du IHN erkennst. Nur eine kleine Staubwand steht noch zwischen dir und deinem Bruder. Hauche sie leicht an mit einem frohen Lachen, und sie fällt weg. Und gehe in den Garten ein, den die Liebe für euch beide vorbereitet hat.“
(EKIW: Kapitel 18, VIII. 13.)

Dabei ist es wichtig, dass wir uns daran erinnern, dass das Denksystem des Egos zum größten Teil unbewusst ist. Einfaches „positives Denken“ bringt uns nicht die Erlösung - die Heilung im Geiste. Es ist ein Weg tief in den „Kaninchenbau“ des Egos („down the Rabbit Hole“) - in jene Tiefen unseres Unterbewusstseins, wo unsere zentralen Glaubenssätze verborgen sind. UND es ist wichtig, dass wir uns daran erinnern, dass wir die Berichtigung nicht machen können. Von uns braucht es die Bereitschaft - die Berichtigung erfolgt zu gegebener Zeit durch den HEILIGEN GEIST.

Besonders dann, wenn wir uns mit Spiritualität beschäftigen, ist die Versuchung groß beim Thema Krankheit wieder in Schuld zu denken. Im Irrtum zu leben, völlig egal ob mit oder ohne "Krankheit", ist die Hölle, aber dies ist keine Strafe Gottes und nicht unsere Schuld. Wir sind nicht verantwortlich für den Irrtum, unsere einzige Verantwortung besteht darin die Berichtigung des Irrtums zu akzeptieren.

Solange wir eine Situation beurteilen, ist es nicht die WAHRHEIT. Daher ist es genau so kontraproduktiv zu einer Krankheit Ja zu sagen - wie Nein zu sagen. Krankheit ist eine gute Gelegenheit uns der Anstrengung, die durch ständiges Urteilen entsteht, bewusst zu werden. Die Entscheidung, zu urteilen, statt zu erkennen, ist die Ursache für den Verlust des Friedens. Letztlich spielt es keine Rolle, ob unser Urteil richtig oder falsch ist. So oder so setzen wir unseren Glauben in das Unwirkliche.

Zu behaupten Krankheit wäre ein Geschenk, ist eine weitere wahnsinnige Idee des Egos. „Krankheit ist eine Methode, im Wahnsinn ersonnen, um GOTTES SOHN auf seines VATERS Thron zu setzen.“ und „Heilung wird in dem Augenblick vollbracht, in dem der Leidende keinerlei Wert mehr im Schmerz sieht.“ Wenn wir in Krankheit ein Geschenk sehen, sehen wir einen Wert in der Krankheit.

Nicht zu urteilen bedeutet, dass wir uns von der fragmentierten Wahrnehmung der Welt, die zwischen “Krankheit” und “Gesundheit” unterscheidet, lösen und daher eine "Krankheit" weder leugnen, noch ihr eine besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen, sondern alles einfach so sein lassen, wie es sich gerade zeigt. Teil dieses Soseins kann am Beginn des Weges auch eine medizinische Behandlung sein, aber auch daraus machen wir nichts Besonderes und wir beurteilen die Behandlung nicht. Es ist wie essen und trinken, es geschieht einfach, aber wir machen daraus nichts Besonderes, wir machen darum kein Theater und wir erwarten uns davon nicht inneren Frieden und Glück, denn auf dieser Ebene sind innerer Friede und Glück nicht zu finden.

„Krankheit ist eine Abwehr gegen die Wahrheit.“

(EKIW, Übungsbuch, Lektion 136)

„Slip sliding away
Slip sliding away
You know the nearer your destination
The more you're slip sliding away“
(Slip Slidin’ Away, Simon & Garfunkel)

Wenn wir uns der WAHRHEIT nähern, wenn also die Wahrheit einen Augenblick lang in unserem eigenen irregeführten Geist aufsteigt und unsere ganze Welt zu wanken scheint und sich anschickt zu zerfallen, löst dies im Ego eine Angstreaktion aus. Diese Angst erschafft dann Umstände, in denen wir wesentlich leichter bereit sind, wieder den trennenden Ideen des Egos zu folgen. Diese Umstände können eine Krankheit sein - und das ist es - worauf der Begriff Schamanenkrankheit“ oder „Initiationskrankheit (wörtlich: "die Krankheit, die einen auf den Weg bringt") hinweist.

Gerade dieses schnelle Vergessen der Rolle, die du beim Erzeugen deiner »Wirklichkeit« spielst, macht es aus, dass deine Abwehrmechanismen jenseits deiner eigenen Kontrolle zu sein scheinen. Doch an das, was du vergessen hast, kannst du dich wieder erinnern, vorausgesetzt, du bist willens, die Entscheidung zu überdenken, die durch Vergessen doppelt abgeschirmt ist. Dass du dich nicht erinnerst, ist nur das Zeichen, dass diese Entscheidung immer noch in Kraft ist, was deine Wünsche angeht. Sieh das nicht fälschlich als Tatsache an. Abwehrmechanismen müssen Tatsachen unkenntlich machen. Darauf zielen sie ab, und genau das tun sie.

Krankheit ist eine Entscheidung. Sie ist nicht ein Ding, das dir geschieht, völlig ungebeten, etwas, was dich schwächt und was dir Leiden bringt. Sie ist eine Entscheidung, die du triffst, ein Plan, den du entwirfst, wenn die Wahrheit einen Augenblick lang in deinem eigenen irregeführten Geist aufsteigt und deine ganze Welt zu wanken scheint und sich anschickt zu zerfallen. Jetzt bist du krank, damit die Wahrheit weggehen möge und deine Einrichtungen nicht länger bedrohe.

Wie, glaubst du, dass Krankheit es vermöchte, dich von der Wahrheit abzuschirmen? Weil sie beweist, dass der Körper nicht von dir getrennt ist, also musst du von der Wahrheit getrennt sein. Du leidest Schmerz, weil dein Körper das tut, und in diesem Schmerz wirst du eins mit ihm gemacht. So wird deine »wahre« Identität bewahrt, und der sonderbare, quälende Gedanke, du könntest etwas jenseits dieses kleinen Häufchens Staubes sein, wird zum Schweigen gebracht und beschwichtigt. Denn sieh, dieser Staub kann dich leiden machen, deine Glieder verrenken und dein Herz anhalten, kann dir befehlen, dass du stirbst und aufhörst zu sein.

Die Wahrheit hat eine Macht, die jede Abwehr bei weitem übersteigt, denn Illusionen können nicht bestehen bleiben, wo der Wahrheit Einlass gewährt worden ist. Und sie kommt zu jedem Geist, der seine Waffen niederlegt und aufhört, mit der Torheit zu spielen. Sie wird zu jeder Zeit gefunden - heute, wenn du beschließen willst zu üben, der Wahrheit das Willkommen zu entbieten.

Jetzt ist der Körper geheilt, weil die Quelle der Krankheit der Linderung geöffnet wurde. Und du wirst aus dem Folgenden ersehen, dass du richtig geübt hast: Der Körper sollte gar nicht fühlen. Wenn du erfolgreich warst, dann wird keine Empfindung da sein, dich schlecht oder dich wohl zu fühlen, von Schmerz oder von Lust. Im Geist ist überhaupt keine Reaktion auf das, was der Körper tut. Seine Nützlichkeit bleibt übrig, sonst nichts.

Vielleicht wird dir nicht klar, dass dies die Grenzen aufhebt, die du dem Körper auferlegtest durch die Zwecke, die du ihm gegeben hattest. Werden diese weggelegt, so wird des Körpers Stärke stets genügen, um allen wahrhaft nützlichen Zwecken zu dienen. Für des Körpers Gesundheit besteht vollkommene Gewähr, weil er nicht durch die Zeit, das Wetter oder Müdigkeit, durch Essen oder Trinken oder irgendwelche Gesetze begrenzt ist, denen du ihn vordem dienen hießest. Du brauchst jetzt nichts mehr zu tun, um ihn gesund zu machen, denn Krankheit ist unmöglich geworden.

Doch dieser Schutz muss durch sorgsame Wachsamkeit erhalten werden. Wenn du zulässt, dass dein Geist Angriffsgedanken hegt, dem Urteilen nach gibt oder Pläne gegen zukünftige Ungewissheiten schmiedet, dann hast du dich wieder falsch eingeordnet und eine körperliche Identität gemacht, die den Körper angreift, denn der Geist ist krank.


(EKIW, Übungsbuch, Lektion 136, 5./7./8./14./17./18./19.)

Was ist das einzige Erfordernis für diesen Wechsel in der Wahrnehmung? Es ist einfach dies: die Einsicht, dass Krankheit vom Geist ist und mit dem Körper nichts zu tun hat. Was kostet diese Einsicht? Sie kostet die ganze Welt, die du siehst, denn die Welt wird nie wieder so erscheinen, als beherrsche sie den Geist. Denn mit dieser Einsicht wird die Verantwortung dem gegeben, wo sie hingehört, nicht der Welt, sondern ihm, der auf die Welt schaut und sie sieht, wie sie nicht ist. Er schaut auf das, was er zu sehen wählt. Nicht mehr und nicht weniger. Die Welt tut ihm nichts. Er dachte nur, sie täte es. Auch tut er der Welt nichts, weil er sich in dem irrte, was sie ist. Hierin liegt die Befreiung sowohl von Schuld als auch von Krankheit, denn sie sind eins. Doch um diese Befreiung anzunehmen, muss die Belanglosigkeit des Körpers eine annehmbare Idee sein.
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 5. II. 3.)


Wenn wir uns also der WAHRHEIT nähern, taucht Angst auf, Todesangst und auch die Angst verrückt zu werden, sind meist ein Teil dieser Erfahrung. Im Kern ist es reine nackte Angst - ganz ohne Geschichte.

"Im Angesicht des Todes wird das Selbst des Menschen geboren."
(Augustinus)

Wenn uns die Angst nicht gleich in Form konkreter Angst zu sterben, oder einer Nahtoderfahrung, begegnet, sondern in Form einer Krankheit, besteht die größte Herausforderung darin, wieder aus der Angst herauszufinden, denn dabei kann uns der HEILIGE GEIST nicht unterstützen, dafür sind wir selbst verantwortlich.

Für die Berichtigung der Angst bist du verantwortlich. Wenn du um Befreiung von der Angst bittest, sagst du damit, dass du es nicht bist. Statt dessen solltest du in jenen Umständen um Hilfe bitten, die die Angst verursacht haben. Diese Umstände bringen stets eine Bereitschaft, getrennt zu sein, mit sich. Auf dieser Ebene kannst du etwas ändern. Du bist viel zu nachsichtig gegenüber dem Umherschweifen von Gedanken und entschuldigst stillschweigend die Fehlschöpfungen deines Geistes. Das jeweilige Ergebnis ist nicht von Belang, der grundlegende Irrtum jedoch ist es. Die Berichtigung ist immer dieselbe. Bevor du beschließt, irgend etwas zu tun, frage mich, ob deine Entscheidung mit der meinen in Einklang ist. Wenn du sicher bist, dass das der Fall ist, wird keine Angst da sein.
(EKIW: Kapitel 2, VI. 4.)


Kummer
Dieser Schmerz soll dich nicht traurig machen, denk daran.
Diese Lektion wird immer wieder missverstanden.
Der Schmerz ist dazu da, dich wacher zu machen.
Die Menschen wachen nur auf, wenn der Pfeil tief ins Herz geht und sie verwundet.
Ansonsten wacht man nicht auf. Wenn das Leben einfach, bequem und problemlos ist,
wer macht sich dann die Mühe? Wer will schon wach werden?
Wenn du in deiner Einsamkeit weinst - das sind Gelegenheiten, die du nutzen kannst,
um bewusst zu werden. Tiefer Kummer kann uns eine große Transformation bringen.
Dafür müssen wir an die Wurzeln unserer Schmerzen gehen und sie so spüren wie sie sind,
ohne Selbstmitleid und ohne andere zu beschuldigen.
(Osho)


"Du bist, wie GOTT dich schuf, und so auch jedes Lebewesen, auf das du schaust, der Bilder ungeachtet, die du siehst. Was du als Krankheit und als Schmerz, als Schwäche, Leiden und Verlust erblickst, ist nur die Versuchung, dich als wehrlos und in der Hölle wahrzunehmen. Gib dem nicht nach, dann wirst du jeden Schmerz in jeder Form, wo er auch immer auftritt, einfach verschwinden sehen wie Nebel vor der Sonne. Ein Wunder ist gekommen, um GOTTES SOHN zu heilen, die Türe hinter seinen Schwächeträumen zuzumachen und den Weg zu seiner Erlösung und Befreiung ihm zu öffnen. Wähle noch einmal, was du möchtest, dass er sei, indem du dich erinnerst, dass jede Wahl, welche du triffst, deine eigene Identität begründet, wie du sie sehen wirst und glauben wirst, dass sie sei."
(EKIW: Kapitel 31, VIII. 6.)



Das Enneagramm im Spiegel des Kurses

"Lernen ist Veränderung. Die Erlösung sucht nicht, ein Mittel anzuwenden, das deinem Denken immer noch zu fremd ist, um hilfreich zu sein, noch jene Arten von Veränderungen vorzunehmen, die du nicht wahrnehmen könntest. Konzepte werden, solange die Wahrnehmung währt, gebraucht, und Konzepte zu verändern ist die Aufgabe der Erlösung. Denn mit Kontrasten muss sie sich befassen, nicht mit der Wahrheit, die kein Gegenteil hat und sich nicht verändern kann."
(EKIW: Kapitel 31, VII. 1. 1.-4.)

Die immer wieder auftauchende Idee von der „Konzeptlosigkeit“ ist auch nur ein Konzept. In dem Moment, in dem wir den Mund aufmachen, sprechen wir ein Konzept aus. Wie können aber frei von Konzepten sein, in dem Sinne, dass wir nicht an ihnen haften, dass wir uns nicht mit ihnen identifizieren, sie aber gleichzeitig verwenden. In diesem Sinne wollen wir uns dem Enneagramm zuwenden.

Das Enneagramm wird meistens als psychologische Typenlehre verstanden. Hier hingegen wird das Enneagramm als Fenster zur wahren Realität benutzt, so, wie sie ein erwachtes Bewusstsein erfährt. Wir entdecken, dass unsere Charakterfixierungen auf der Tatsache beruht, dass wir von unserer wahren Natur - unserer SOHNSCHAFT - abgetrennt sind.

Am Weg der Selbsterkenntnis - der Erkenntnis unseres wahren SELBST - zeigt uns das Enneagramm sehr genau unser falsches Selbstkonzept. Das Enneagramm beschreibt also sehr genau, was wir in Wahrheit nicht sind. Das Enneagramm beschreibt unsere Rolle im Schauspiel des Lebens. Es beschreibt also keine Fehler, sondern lediglich neun Alpträume.

"So long ago
Was it in a dream?
Was it just a dream?
I know, yes I know
It seemed so very real
Seemed so real to me"
(#9 Dream - John Lennon)

Es geht nicht darum unseren Alptraum zu verbessern, sondern darum, aus dem Alptraum zu erwachen. Wenn wir versuchen uns, auf der Ebene der Psychologie des Enneagramms, zu verbessern, verstärken wir die Identifikation mit der Persona, der Maske - wir verstärken die Illusion, anstatt uns der WAHRHEIT zu nähern.

"Der Schlüssel zur Erkenntnis Gottes ist die Selbsterkenntnis."
(Abu Hamid al-Ghazali, persischer Theologe des Islam)

Das Enneagramm hilft uns zu erkennen, dass unser Leben eine ständige Wiederholung ein und desselben Musters ist. Nur an der Oberfläche erscheint das Leben als ständige Veränderung und möglicherweise sogar als Weiterentwicklung, aber wenn wir genauer hinsehen, erkennen wir, dass dem nicht so ist. Das Enneagramm beschreibt unser zentrales Muster sehr genau und hilft uns dadurch die Auswirkungen dieses Musters in unserem Leben zu erkennen.

Wir wiederholen immer wieder das gleiche Beziehungsmuster, egal wie oft wir den Partner wechseln. Wir haben immer wieder die gleichen Probleme mit unserem Vorgesetzten und unseren Mitarbeitern beziehungsweise Kollegen, egal wie oft wir den Job wechseln. Solange wir dies nicht erkennen, befinden wir uns in einer Endlosschleife. Die sich ständig ändernden Bilder auf der Ebene der Form, sind lediglich eine Ablenkung von der WAHRHEIT. Solange wir diesen Taschenspielertrick des Egos nicht durchschauen, sind wir gefangen in der Zeit.

Selbst wenn wir uns immer wieder als die erleben, die keine Probleme haben, als die Erfolgreichen, die Guten, die Glücklichen, so können wir mit Hilfe des Enneagramms das dahinter liegende Muster erkennen und die damit verbundene Anstrengung, die notwendig ist, um unsere Illusion von Glück und Erfolg aufrechtzuerhalten. Meist werden wir uns des verborgenen Aufwandes erst bewusst, wenn wir im Burnout landen, weil die egoische Illusion von Glück und Erfolg die perfekte Ablenkung von der WAHRHEIT ist.

Bei der Verwendung komplexer und damit aussagekräftiger Enneagramm Tests ergibt sich sehr häufig ein Bild in dem zwei Typen als wahrscheinlich erscheinen. Oft handelt es sich dabei um den zutreffenden Typ und um das Bild, das sich aufgrund unserer Wunschvorstellungen ergibt - also ein Abbild von dem, was wir gerne wären. Ob wir unsere Persönlichkeitsstruktur im Enneagramm erkennen oder nicht, ist ein wichtiger Hinweis auf den Grad unserer Bewusstheit und auf unsere Bereitschaft der Wahrheit über unser zentrales Muster ins Gesicht zu sehen.

Wenn wir die Welt - das Spiel des Lebens - betrachten, ist es wichtig uns immer daran zu erinnern, dass es ist, wie als würden wir einen Film betrachten. Wir alle spielen in diesem Film eine Rolle. Wenn wir uns also über den Inhalt des Films unterhalten und die einzelnen Rollen betrachten, den Perfektionisten, den Helfer, den Macher, den Außergewöhnlichen, den Beobachter, den Loyalen, den Enthusiasten, den Boss oder den Friedliebenden, gilt es uns immer daran zu erinnern, dass zwischen der Rolle und dem Schauspieler ein entscheidender Unterschied besteht. Auch wenn sich Bewusstsein scheinbar völlig mit seiner Rolle identifiziert, gilt es für uns an der Rolle vorbei zu sehen und die Einheit dahinter zu erkennen. Denn letztendlich spielt sich der ganze Film nur im Bewusstsein ab.

Solange wir noch nicht erwacht sind, versuchen wir uns des Alptraums, in dem wir uns befinden, mit Hilfe des Enneagramms, so gut als möglich gewahr zu werden, ohne ihn für wahr zu nehmen. Wir versuchen daher auch nicht, ihn zu verbessern, weil das nur unsere Motivation schwächen würde, daraus aufwachen zu wollen.

Auch wenn wir versuchen den Wahnsinn in einem unserer Brüder zu berichtigen, sprechen wir dem jeweiligen Alptraum Realität zu, die er aber nicht hat. Bildlich gesprochen: Es ist verrückt, wenn wir uns als Kinobesucher über das Verhalten einer Filmfigur beschweren und aus Ärger darüber beginnen an der Leinwand rum zu kratzen, um den Charakter der Figur zu verändern. Das Drehbuch ist geschrieben und wir sind nicht der Regisseur. Wir können lediglich den HEILIGEN GEIST darum bitten, dass ER unser Denken über den Film korrigiert.

Es geht dabei nicht darum die Rolle unseres Gegenübers zu lieben, sondern darum unserem Gegenüber die Rolle zu vergeben - im Wissen, dass sie in Wahrheit eine Illusion ist.

Verhält sich also ein Mitmensch wahnsinnig, wie im Enneagramm beschrieben, so können wir ihn nur dadurch heilen, dass wir die wahre Natur, die völlige geistige Gesundheit, in ihm wahrnehmen und damit für wahr nehmen - im Wissen, dass genau das, was das Enneagramm so wunderbar beschreibt, nur ein böser Alptraum, ein Irrtum, eine Illusion ist.

Fehler stammen vom Ego, und die Berichtigung von Fehlern liegt darin, das Ego aufzugeben. Auch wenn dein Bruder unvernünftig ist, wenn er aus dem Ego spricht. Deine Aufgabe bleibt es aber dennoch, IHM zu sagen, dass er recht hat. Das Ego irrt sich immer, gleichgültig, was es sagt oder tut.
(EKIW: Kapitel 9, III. 2. Auszug)

Verhält ein Bruder sich wahnsinnig, so kannst du ihn nur dadurch heilen, dass du die geistige Gesundheit in IHM wahrnimmst. Wenn du seine Fehler wahrnimmst und sie akzeptierst, dann akzeptierst du deine.
(EKIW: Kapitel 9, III. 5. 1.-2.)

Es liegt nicht bei dir, deinen Bruder zu verändern, sondern lediglich, ihn so anzunehmen, wie er ist. Jeder Versuch, den du unternimmst, um einen Bruder zu berichtigen, bedeutet, dass du glaubst, Berichtigung durch dich sei möglich, und das kann nur die Arroganz des Ego sein. Berichtigung stammt von GOTT, DER von Arroganz nichts weiß.
(EKIW: Kapitel 9, III. 6.4. & 7.8)

Enneagramm Symbol

Zahlensymbolik

Mit seinen 3 x 3 Typen verweist das Enneagramm auch auf eine bekannte Zahlensymbolik. Dantes (1265–1321) berühmte Göttliche Komödie ist ein Werk in 3 Teilen. Das Formschema der aus 3 Versen bestehenden Terzine wird herkömmlich auf die 3 als Zahl der Trinität bezogen, während die 3 x 33 Gesänge und ein Prolog, auch einen Bezug zu den Lebensjahren Jesu darstellen, da Jesus nach einer der im Mittelalter gängigen Deutungen mit 33 Jahren den Kreuzestod starb. Auch in der Untergliederung der Jenseitsbezirke, die im Text als 9 Kreise des Inferno und 9 Himmel des Paradiso erscheinen, können wir das zahlhafte Ordnungsprinzip erkennen, wie es sich auch im Enneagramm wieder findet. Das Enneagramm beschreibt 9 Leidenschaften, also 9 egoische Eigenschaften die Leiden schaffen, und die entsprechende Erlösung in Form von 9 Heiligen Ideen.

Schon im Weltbild Pythagoras (570 - 510 v. Chr.) spielten - wie in der späteren jüdischen Kabbala - die Zahlen von 1 bis 9 eine entscheidende Rolle, während die Zahl 10 den Kosmos als Ganzes bezeichnete. Diese Zahlen hatten für Pythagoras sowohl eine quantitative Bedeutung als auch einen qualitativen, symbolischen Sinn. Auch wenn bisher meist vermutet wurde, die Ursprünge des Enneagramms finden sich bei asiatischen Sufis, so zeigen neueste Forschungen, dass die Quellen wahrscheinlich viel älter und christlichen Ursprungs sind. Schon bei Evagrius Ponticus (345 - 399), einem altchristlichen Wüstenvater, lassen sich die ersten Spuren finden. Nachdem das Christentum zur Staatsreligion aufgestiegen war und Opportunisten die Macht übernommen hatten, sahen sich ernsthafte Christen zum Rückzug gezwungen. Sie zogen aus dem städtischen Zentren in die Wüste, um in kleinen Gemeinschaften oder als Einsiedler zu leben. Das Leben in der Wüste diente der Auseinandersetzung mit den Leidenschaften, die sich insbesondere in Gestalt von Fantasien und Gedanken des Eremiten bemächtigten. Sie galt es zu überwinden - oder zu “integrieren”, wie wir in heutiger psychologische Sprache sagen würden.

Evagrius entwickelte eine Liste von acht und an einer anderen Stelle sogar von 9 Lastern bzw. ablenkenden “Gedanken”, die den Weg zu Gott und zu leidenschaftsloser Herzensruhe behindern. Papst Gregor I. hat diese Liste später auf die bis heute gängige Liste der sieben klassischen Hauptsünden reduziert, bei der Eitelkeit (Täuschung, 3) und Furcht (Zweifel, 6) wegfallen, sodass Zorn (1), Hochmut (Stolz, 2), Traurigkeit (Neid, 4), Habsucht (Geiz, 5), Völlerei (Unersättlichkeit, 7), Wollust (8) und Trägheit (9) übrig bleiben. Die Leidenschaften im Enneagramm werden im christlichen Kontext auch als Wurzelsünden bezeichnet. Es sind dies jene neun Irrtümer die uns von der Wahrheit trennen.

Am Ende des Johannesevangeliums wird berichtet, wie Jesus nach seiner Auferstehung an Ostern seinen Jüngern gebietet, das Fischernetz im See Genezareth auszuwerfen. Sie gehorchten ihm und fingen 153 große Fische. Warum nennt das Evangelium diese Zahl? Das Johannesevangelium ist voll von hintergründigen und mehrdeutigen Redewendungen mit "doppelten Boden". Es ist offenkundig, dass diese Zahlenangaben nicht willkürlich ist, sondern einen symbolischen Sinn hat.

Die Ziffernsumme von 153 ergibt die 9, die Anzahl der Leidenschaften. Auch Evagrius interpretiert die Zahl - und zwar mit Rückgriff auf die pythagoräische Zahlentheorie. Die Zahl 153 ist nach pythagoräischer Interpretation "dreieckig" und zugleich "sechseckig". Deshalb hat diese Zeit Zahl zugleich "dreieckige" (trinitarische) und "sechseckige" Qualität; das Dreieck bezeichnet nach Evagrius die göttliche Wirklichkeit (drei göttliche Tugenden) und das Sechseck die sechs Schöpfungstage und somit die geschaffene Welt. Das Enneagramm setzt sich zusammen aus dem inneren Dreieck und einem Sechseck.

Das mystisch-kontemplative Wissen der Wüstenväter ist offenkundig in die Spiritualität der Sufis eingeflossen. Schon etwa 100 Jahre nach Mohammeds Tod gab es fromme Muslime, die ein einfaches Leben führen wollten. Sie verzichteten oftmals auf jeglichen Besitz und trugen als Zeichen der Askese grobe Wollgewänder (arabisch "suf"). Der Sufismus meditiert die 99 Namen Gottes, um durch die Meditation dem unaussprechlichen Gott selbst immer näher zu kommen. Die Sufis wurden von Seiten des offiziellen Islam heftig bekämpft. Beim einfachen Volk wurden sie aber bald als Heilige verehrt.

Bei den Sufis gab es, ähnlich wie bei den Wüstenvätern, eine Tradition der Seelenführung, die das Ziel verfolgte, Menschen auf dem Weg zu Gott behilflich zu sein. Jene Weisheit, deren Essenz sich auch in heutiger Enneagrammkunde wieder findet, war offenbar eine streng mündliche Tradition, die über die Jahrhunderte hin vom Meister an den Schüler weitergegeben wurde.

Psychologie des Enneagramms

Die individuelle Lebensgeschichte eines Menschen ist einzigartig. Und dennoch: Wir weisen bei näherem Hinsehen auch viel Typisches auf, das uns anderen ähnlich macht. Menschen lassen sich also auch Typen zuordnen. Warum ist das so?

Es liegt daran, dass die Grundstruktur des Egos auf der Illusionen von Trennung und Mangel beruht und dies für jeden Menschen gleich ist. Die Bedürfnisse des Egos sind deswegen so zentral, weil sie seinem Überleben dienen. Neben den physischen Bedürfnissen wie Essen und Trinken, zählen dazu die psychischen Bedürfnisse nach Selbstbestimmung (Autonomie), Anerkennung (Liebe) und Sicherheit.

In der Tiefe sind all die scheinbar individuellen Egos gleich, aber an der Oberfläche zeigt sich, dass es unterschiedliche Facetten der zentralen Trennungs- und Mangelerfahrung gibt und in Folge unterschiedliche Charakterfixierungen existieren - die neun Typen des Enneagramms. Es lassen sich also ganz spezifische Beweggründe für unser Handeln erkennen, die unser Leben bestimmen.

Somit ist das - was üblicherweise als freier Wille erlebt wird - schon allein aus psychologischer Sicht eine Illusion. Solange wir unsere Charakterfixierung nicht erkannt und transformiert haben, sind wir Marionetten unserer Muster.

Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.
(Arthur Schopenhauer)

Solange wir vollständig mit der Figur im Traum identifiziert sind, erleben wir unser vorprogrammiertes Wollen - indem wir gefangen sind - als freien Willen. Das Ego ist der Gefangene und das Gefängnis, der "Held" des Traums und der Traum. Ein entscheidender Aspekt der Ego-Illusion ist es, dass sich der Gefangene, der "Held" des Traums, als der mit einem freien Willen ausgestattete Handelnde erlebt.

Um unsere Charakterfixierung zu erkennen, ist es hilfreich sich mit der psychologischen Dimension der neun Typen des Enneagramms zu beschäftigen. Ein Enneagramm-Skriptum, das sich mit den psychologischen Aspekten beschäftigt, kannst du dir hier runter laden. Auch wenn dieses Skriptum vor einem wirtschaftlichen Hintergrund und nicht in einem spirituellen Kontext geschrieben wurde, so ist die jeweils eine Seite, über die psychologischen Aspekte der neuen Typen, durchaus hilfreich beim Erkennen des eigenen Typs:

Enneagramm Skriptum

Das beste Hilfsmittel um unseren Ennegrammtyp zu erkennen ist das Buch Die Weisheit des Enneagramms von Don Richard Riso und Russ Hudson. Es bietet eine wunderbare Beschreibung der neun Persönlichkeitsstrukturen und auch deren Varianten. Don Richard Riso (1946 - 2012) war Spezialist auf dem Gebiet der Enneagramm-Lehre und Mitbegründer dieser speziellen Forschungsrichtung. Über 25 Jahre lang schrieb er erfolgreiche Bücher zu diesem Thema und hielt Vorträge sowie Seminare. Außerdem war Don Riso 13 Jahre lang Mitglied des Jesuitenordens. Russ Hudson (russhudson.com) ist Geschäftsführer der "Enneagramm Personality Types Inc.", Mitbegründer des Enneagramm-Instituts sowie Gründer der Internationalen Enneagramm Gesellschaft.

Aus psychologischer Sicht sieht es so aus, als handelt es sich um elementare Mangelerfahrungen in der Kindheit, aus denen sich diese prägenden Verhaltensmuster (Charakterfixierungen) gebildet hätten. Das ist nicht die Wahrheit aus ganzheitlicher Sicht. Die rein psychologische Sichtweise führt leicht zu Schuld und Opfer Szenarien. Wir fühlen uns dann als Opfer, irgend eines Fehlverhaltens, unserer Eltern und damit stärken wir die Ego-Illusion, anstatt uns davon zu lösen.

In Wahrheit bringen wir unseren Enneagramm-Typ schon mit in die Welt. Die deutlichen Unterschiede in der Persönlichkeitsstruktur von Geschwistern und im Besonderen von Zwillingen lassen sich nicht durch unterschiedliche Sozialisation erklären. Die Enneagramm Struktur ist keine Notlösungsstrategie, die in der Kindheit entsteht, sondern eine Struktur, die "angeboren" ist, eine spezifische strukturelle seelische Beschaffenheit, die sowohl die Psyche prägt als auch im Körper repräsentiert ist.

Das Ego - die Illusion der Trennung von GOTT - ist an sich eine Mangelerfahrung. Das Enneagramm beschreibt neun Facetten dieses grundlegenden Mangels. Erst durch die vom Enneagramm-Typ beschriebene Grundthematik, und der damit verbundenen ganz speziellen Wahrnehmung der Welt, ergeben sich die sogenannten Prägungen der Kindheit und nicht umgekehrt. Die im Folgenden beschriebene psychologische Erklärung ist keine Wirklichkeit, sondern lediglich ein Hilfsmittel um psychologisch geschulten Menschen den Zugang zum Enneagramm zu erleichtern.

In Wahrheit gibt es keine Zeit und daher auch keine zeitlichen Ursache-Wirkungs-Mechanismen. Unsere Vergangenheit ist nur ein Aspekt unseres Ego-Denksystems. Es geht darum unser Denken über die Welt zu ändern und nicht darum, zu versuchen die Welt zu ändern. Alles was wir an Bildern, über unsere Vergangenheit, in unserem Geist finden und all das was in Aufstellungen, oder schamanischen Reisen sichtbar wird, sind nur Bilder - also Symbole unseres Denksystems. Es gilt diese Bilder als Symbole zu verstehen und unser Denken zu verändern und nicht zu versuchen die Symbole selbst zu ändern. Nicht unser Vater oder unsere Mutter müssen sich ändern, sondern wir müssen unser Denken über unsere Eltern ändern. Ansonsten bleiben wir, ein Leben lang, ein von unseren Eltern abhängiges Kind.

Die drei Grundfixierungen aus Sicht der drei Grundbedürfnisse

Eine dominante Mangelerfahrung hinsichtlich eines der drei psychischen Bedürfnisse nach Selbstbestimmung (Autonomie), Anerkennung (Liebe) und Sicherheit spiegelt sich in einer der drei Grundfixierungen, die im Enneagramm üblicherweise mit Bauch-(8, 9, 1), Herz-(2, 3, 4) und Kopf-(5, 6, 7)Typen beschrieben werden.

Auf diese drei Mangelerfahrungen wird mit wiederum drei unterschiedlichen Strategien reagiert und somit ergeben sich die neun Typen des Enneagramms:

Sicherung der Selbstbestimmung (Autonomie):

Macht (8): Handeln, Kontrolle und die Durchsetzung des eigenen Willens sollen die Selbstbestimmung (Autonomie) bewahren.

Konsens (9): Verständnis, Ausgleich und Verzicht auf Egoismus sollen die Selbstbestimmung (Autonomie) bewahren.

Prinzipien (1): Regeleinhaltung, Fehlervermeidung und Selbstkontrolle sollen die Selbstbestimmung (Autonomie) bewahren.

Sicherung von Anerkennung (Liebe):

Beziehungen (2): Geben, Helfen und andere beraten bringen Anerkennung (Liebe).

Wettbewerb (3): Leistung und Erfolg im Wettbewerb sorgen für Anerkennung (Liebe).

Gefühle (4): Authentizität und ein unverwechselbarer Stil verschaffen Anerkennung (Liebe).

Sicherung von Sicherheit:

Gedanken (5): Beobachten, Denken und Abstand halten geben Sicherheit.

Probleme (6): Probleme, Risiken, Gefahren aufspüren und bewältigen geben Sicherheit.

Genuss (7): Optimismus, positives Denken und Wahlmöglichkeiten geben Sicherheit.

Die Grundfixierungen

Eine elementare Mangelerfahrung hinsichtlich eines der drei psychischen Bedürfnisse nach Selbstbestimmung (Autonomie), Anerkennung (Liebe) und Sicherheit führt zu den emotionalen Reaktionen von Zorn, Hysterie und Bedürftigkeit, sowie Angst und Zweifel.

Hierbei wird die Grundenergie von Bauch, Herz und Kopf entweder gegen sich selbst (1, 4, 5), oder nach außen (8, 2, 7) gerichtet, oder es besteht überhaupt kein Kontakt (9, 3, 6) dazu.


Grundfixierungen


Die drei Triebvarianten

Das Enneagramm ist ein sehr komplexes System. Darin liegt seine Qualität und gleichzeitig stellt dies eine Falle dar, denn das Ego liebt Komplexität. Es ist wie jedes Modell, und auch wie der Kurs selbst, nur ein Hilfsmittel auf dem Weg. Das Enneagramm ist, zu Beginn der Beschäftigung mit dem Thema Ego, ein ganz besonderes Hilfsmittel, es kommt aber auch der Zeitpunkt, wo es dieses wunderbare Hilfsmittel wieder los zu lassen gilt.

Die Komplexität des Enneagramms besteht darin, dass es neben den neun Typen, noch Flügeln und Triebvarianten beschreibt. Die Triebvarianten sind ein äußerst hilfreicher Aspekt. Natürlich gibt es Triebe nicht wirklich, sie sind genau wie der Körper, nur eine Projektion des Ego-Geists, aber als Symbol sind sie äußerst hilfreich. Sie symbolisieren die zentralen Gedanken des egoischen Gedankensystem, jene Gedanken die sich um das Überleben der Figur im Traum drehen. Beim Selbsterhaltungstrieb geht es um die Sicherung von Nahrung und Unterschlupf, beim Sexualtrieb um das Überleben der Spezies durch Reproduktion und beim Sozialtrieb um das Überleben als akzeptierter Teil der Gruppe.

Das Leben eines jeden Tieres wird von diesen drei Urinstinkten gelenkt und bestimmt. Diese Urtriebe sorgen für die Arterhaltung. Solange unser Bewusstsein mit dem Körper identifiziert ist, wird auch das Leben eines Menschen von diesen drei Trieben gelenkt. Die ganze Ausbeutung und Zerstörung des Planeten kann man als Folge dieser drei Triebe betrachten. Diese drei Triebe werden in der egobezogenen Suche nach Glück sublimiert und durch die Leidenschaft der jeweiligen Fixierung ausgelebt.

Im Hindu-Yoga-System haben die drei Triebe einen direkten Bezug zu den drei untersten Chakren des feinstofflichen Körpers. Im Yoga-System des Erwachens soll die Kundalini, die Lebenskraft, von der man sagt, sie befindet sich am unteren Ende des Rückgrats, unmittelbar ins Herzchakra aufsteigen. Es ist dieses Durchdringen des Herzens, dass die Erleuchtung Christi meint. Das persönliche Ego löst sich im allumfassenden Einssein auf. Diese Transzendenz des Ego ist das wahre menschliche Potenzial, und es ist die Forderung der jetzigen Zeit.

Es kam selten vor, dass ein Individuum bereit war, das höchste "Opfer" darzubringen und sich dem ausagieren der Fixierung zu verweigern. Aus diesem Grund werden Buddha und Jesus noch nach Jahrtausenden verehrt. Es liegt auf der Hand, dass das Erwachen einer seltenen Seele in einer Generation nicht ausreicht. Jeder von uns, einer um den anderen, musst gewillt sein, den Sprung vom Tierischen zum Göttlichen zu wagen. Aufgrund des Enneagramms ist das kein Konzept, sondern ein sehr konkreter Prozess, der es uns ermöglicht, über die Selbstsucht hinauszugehen.

Selbstsucht wird nicht dadurch transzendiert, dass etwas Bestimmtes getan wird, sondern durch die vollständige Bereitschaft, selbstsüchtiges Tun ganz aufzugeben. Nichts kann durch Verdrängung oder Verleugnung überwunden werden. Wir können nicht über die Fixierung hinaus gelangen, indem wir sie weg wünschen oder sie spiritualisieren oder indem wir uns denken: "Sie existiert ja nicht wirklich." Selbstsucht lässt sich nur überwinden, wenn wir uns im Angesicht der Fixierung, während sie mit der Kraft einer Flutwelle über uns hereinbricht, nicht bewegen.

Solange das Leben auf der Grundlage von Überleben, Sex und sozialem Status gelebt wird, ist es ein Leben, das dem Ego dient. Es ist bemerkenswert, das vollständige Erfüllung, tiefer Frieden und wahre Liebe in einem selbstlosen Leben gefunden werden. In einem selbstlosen Leben wird überall das wahre SELBST gefunden.

Die Leidenschaft einer Fixierung speist sich vorrangig aus einem der drei Triebe. Auf dem Weg der Selbsterkenntnis ist es wichtig, diesen dominanten Trieb zu erkennen, weil von ihm das Ego am stärksten angetrieben wird.

Facetten der Einheit

Die Begriffe Heilige Idee, spezifische Verblendung, spezifische Schwierigkeit und spezifische Reaktion stammen aus dem Buch Facetten der Einheit von A. H. Almaas. Eine persönliche Zusammenfassung zum privaten Gebrauch kannst du dir hier herunterladen:

Facetten der Einheit - Zusammenfassung

Was im Kurs als Falschgesinntheit und Rechtgesinntheit bezeichnet wird, nennt A. H. Almaas die egoische Sicht und die objektive Sicht.

In der Sicht eines Menschen auf dem spirituellen Weg besteht die Wahrnehmung, dass sich der schöpferische Fluss als optimierende Schubkraft manifestiert, die ihn in die Harmonie bringt. Wenn wir der Realität erlauben, sich zu entfalten, ohne uns einzumischen, sehen wir, dass sich unsere Erfahrung der Realität spontan zur Harmonie und zum Gewahrsein der Harmonie entwickelt. Die optimierende Schubkraft der Realität bewegt unsere Erfahrung unseres Selbst und der Welt zum erleuchteten Zustand, das heißt, zur Wahrnehmung der objektiven Realität, wie sie in den neun Heiligen Ideen enthüllt wird, und zum Verweilen in ihr. Das was A. H. Almaas als „die optimierende Schubkraft der Realität“ bezeichnet, ist das was der Kurs HEILIGER GEIST nennt.

Ein heiliger Augenblick - eine ganz besondere Möglichkeit, das Heilige Gesetz zu erfahren - ermöglicht uns ein vollständigeres Verständnis von ihm. Hier erfahren wir das Sein als inhärent dynamische Präsenz. Die Dynamik ist absolut untrennbar vom Sein. Es verändert seine Erscheinung ständig, ohne dass es einen Veränderten oder einen Verändernden gibt. Das Sein als eine lebendige, überschäumende, dynamische, energievolle Präsenz, deren Dynamik und Bewegung nie von ihrer Stille ablenken. Den Selbstoffenbarenden Aspekt des Seins zu sehen bedeutet, die Tiefe des Gewahrseins, das als die Formen der Manifestation erscheint, intim zu würdigen und wahrzunehmen, dass das Göttliche Gewahrsein nie verlassen wird, wenn Form auftaucht.

Die drei theologischen Tugenden des Christentums - Glaube, Liebe, Hoffnung - werden von den Heiligen Ideen der Enneagramm Typen Sechs, Neun und Drei repräsentiert. Es sind dies die drei Punkte des inneren Dreiecks im Enneagramm. Sie bilden das jeweilige Zentrum der Kopf-, Bauch- und Herz-Bereiche.

Der folgende Abschnitt enthält eine Auflistung der zentralen Themen der neun Charakterfixierungen, ohne Berücksichtigung der drei Triebvarianten. Wenn wir die drei Triebvarianten mit den neun Fixierungen kombinieren, haben wir ein Modell mit 27 Typen.

Acht

Heilige Idee: Wahrheit (alles ist eins)
Spezifische Verblendung: Dualität
Spezifische Schwierigkeit: schuldig sein
Spezifische Reaktion: beschuldigen => Rache üben
Hauptmerkmal: Vergeltung
Leidenschaft: Wollust
Selbstbild: Ich bin stark.

Neun

Heilige Idee: Liebe
Spezifische Verblendung: Lokalisierte Liebe
Spezifische Schwierigkeit: Minderwertigkeit
Spezifische Reaktion: die Wirklichkeit verschlafen (oberflächliches Leben)
Hauptmerkmal: Trägheit
Leidenschaft: Bequemlichkeit
Selbstbild: Ich bin zufrieden.

Eins

Heilige Idee: Vollkommenheit
Spezifische Verblendung: Endgültigkeit von Werturteilen (richtig und falsch)
Spezifische Schwierigkeit: falsch (unvollkommen) sein
Spezifische Reaktion: uns selbst und anderen beweisen, dass wir richtig sind
Hauptmerkmal: Groll
Leidenschaft: Zorn
Selbstbild: Ich habe recht.

Zwei

Heilige Idee: Wille (Gott), Freiheit (Mensch)
Spezifische Verblendung: getrennte Wesen mit eigenen Willen
Spezifische Schwierigkeit: gedemütigte Kastration (in Folge der Erfahrung nicht seinen Willen zu bekommen)
Spezifische Reaktion: eigenmächtiges Handeln
Hauptmerkmal: Schmeichelei
Leidenschaft: Stolz
Selbstbild: Ich helfe.

Drei

Heilige Idee: Hoffnung
Spezifische Verblendung: Glaube an einen getrennten, unabhängigen Handelnden
Spezifische Schwierigkeit: durch Selbstverurteilung charakterisierte Hilflosigkeit
Spezifische Reaktion: "Streben" (ständiges, besessenes und zwanghaftes Bedürfnis aktiv zu sein und etwas zu tun, zu erreichen und erfolgreich zu sein)
Hauptmerkmal: Effizienz
Leidenschaft: Täuschung
Selbstbild: Ich habe Erfolg.

Vier

Heilige Idee: Ursprung
Spezifische Verblendung: der Glaube, ein originelles, einzigartiges und unabhängiges Ich zu sein
Spezifische Schwierigkeit: sich unverbunden, entfremdet, ausgestoßen und verlassen zu fühlen
Spezifische Reaktion: der Versuch, seine eigene Erfahrung zu kontrollieren, um das Gefühl von Abgetrenntheit nicht zu spüren
Hauptmerkmal: Melancholie
Leidenschaft: Neid
Selbstbild: Ich bin anders.

Fünf

Heilige Idee: Allwissen, Transparenz (Teil eines Ganzen sein, weil Grenzen transparent, ein Kind Gottes sein)
Spezifische Verblendung: isoliertes Individuum mit trennenden Grenzen
Spezifische Schwierigkeit: defizitäre Isolation
Spezifische Reaktion: sich zurückziehen
Hauptmerkmal: Zurückgezogenheit
Leidenschaft: Habsucht
Selbstbild: Ich blicke durch.

Sechs

Heilige Idee: Glaube
Spezifische Verblendung: Zynismus (mangelnder Glaube an das grundlegende Gutsein des Menschen)
Spezifische Schwierigkeit: ängstliche Unsicherheit und Misstrauen
Spezifische Reaktion: defensives Misstrauen
Hauptmerkmal: Paranoia
Leidenschaft: Zweifel
Selbstbild: Ich tue meine Pflicht.

Sieben

Heilige Idee: Plan
Spezifische Verblendung: der Glaube, man könne seine eigene Entfaltung dirigieren
Spezifische Schwierigkeit: die Heilige Arbeit nicht zu verstehen
Spezifische Reaktion: den Heiligen Plan nicht zu verstehen
Hauptmerkmal: Planen
Leidenschaft: Unersättlichkeit
Selbstbild: Ich bin glücklich.



Das Zwölf-Schritte-Programm im Spiegel des Kurses

Das Zwölf-Schritte-Programm ist ursprünglich ein Programm der Anonymen Alkoholiker, das Alkoholikern zur Abstinenz vom Alkohol und zu einem neuen Lebensstil verhelfen soll.

Das Programm wurde in den 1930er Jahren von William Griffith Wilson und Robert Holbrook Smith als Blaues Buch festgehalten und erläutert. Zielgruppen waren sowohl Alkoholiker als auch Ärzte, Therapeuten und Vertreter religiöser Gruppen, die Trunksüchtigen helfen wollten.

Zwölf-Schritte-Gruppen, Anonyme Gruppen oder A-Gruppen sind Selbsthilfegruppen, die sich nach dem Zwölf-Schritte-Programm richten. Nach dem Vorbild der Anonymen Alkoholiker haben sich auch Gruppen zu anderen Problemen gebildet und das Programm inhaltlich entsprechend angepasst.

Die zwölf Schritte

Mitgliedern in Zwölf-Schritte-Gruppen wird empfohlen, auf freiwilliger Basis die Zwölf Schritte durchzuarbeiten, eine Bedingung für die Teilnahme an den Treffen ist das nicht.

Die Zwölf Schritte sind im Originalwortlaut urheberrechtlich geschützt, deshalb hier eine von Wikipedia vorgenommene textliche Abwandlung:
  1. Anerkennen, dass man seinem eigenen Problem gegenüber machtlos ist. Das können beispielsweise Substanzabhängigkeit oder, je nach Thematik der Gruppe, auch andere Problematiken sein. Zugeben, dass man sein „tägliches Leben“ nicht mehr bewältigen kann.
  2. Zum Glauben kommen, dass nur eine Macht, die größer als man selbst ist, die eigene geistige Gesundheit wiederherstellen kann. Ursprünglich wurde hier für „Macht, größer als man selbst“ das Wort „Gott“ eingeführt. Um die Gruppen aber auch nichtreligiösen Personen zu öffnen, wählte man die neue Formulierung.
  3. Den Entschluss fassen, seinen Willen und sein Leben der Sorge Gottes, wie ihn jeder für sich versteht, anzuvertrauen.
  4. Eine gründliche und furchtlose Inventur seiner selbst machen.
  5. Vor sich selbst und gegenüber einem anderen Menschen sein begangenes Fehlverhalten eingestehen.
  6. Die Bereitschaft, Verhaltensweisen, die das Leben behindern, von Gott entfernen zu lassen.
  7. Demütig darum bitten, dass Gott sämtliche persönliche „chronische das Leben behindernde Verhaltensweisen“ beseitigt.
  8. Auflistung aller Personen, denen man Unrecht getan und Schaden zugefügt hat, und die Bereitschaft und den Willen zur Wiedergutmachung entwickeln.
  9. Wo immer möglich, diese Personen entschädigen, außer, wenn sie oder andere dadurch verletzt würden.
  10. Die „innere Inventur“ fortsetzen und zugeben, wenn man im Unrecht ist.
  11. Durch „Gebet und Besinnung“ versuchen, eine tiefe bewusste Beziehung zu Gott, wie ihn jeder für sich selbst versteht, zu verbessern und um die Erkenntnis beten, seinen Willen zu sehen und die Kraft, ihn umzusetzen.
  12. Nach der nun erfahrenen „spirituellen Erweckung“ versuchen, die Botschaft (wie der Einzelne die Schritte für sich genutzt hat und weiter danach lebt) an andere Betroffene weiterzugeben und seinen Alltag nach den Grundsätzen der jeweiligen Zwölf-Schritte-Gruppe auszurichten.

Zusammenkünfte

Die Gruppen dienen der Selbsthilfe. Alkoholiker helfen Alkoholikern, Angehörige Angehörigen. Sie treffen sich regelmäßig, meist wöchentlich zu gemeinsamen Zusammenkünften, in den Gruppen werden diese Treffen als Meetings bezeichnet. Es bleibt jedem Teilnehmer überlassen, ob und wie häufig er die Treffen besucht.

Die Treffen werden ausschließlich von den Betroffenen selbst organisiert. Ein Vorsitzender moderiert. Dieser Dienst wird entweder durch Wahl oder nach Rotationsprinzip besetzt und kann von jedem Teilnehmer übernommen werden. Weder der Vorsitzende noch andere Dienste haben eine hierarchische Sonderstellung. Es gibt kein Therapeuten-Klienten-Verhältnis.

Die Gruppen bestimmen den Ablauf der Gruppentreffen selbst. Der typische Ablauf enthält folgende Elemente: Vorstellungsrunde („Ich heiße Bill, ich bin Alkoholiker.“ – „Hi, Bill!“); Vorlesen von Präambel, Zwölf Schritten und Zwölf Traditionen; gemeinsames Sprechen des Gelassenheitsgebets. Häufig werden auch Texte aus der Literatur vorgelesen. Je nach Gruppe kommen weitere Elemente hinzu.

Den größten Raum bei den Treffen nimmt das „Teilen von Erfahrung, Kraft und Hoffnung“ ein. Die Teilnehmer sprechen über ihre Erfahrungen. Sie können frei über alles sprechen, was sie bewegt. Die anderen Teilnehmer dürfen weder Feedback noch ungefragte Ratschläge geben.

Epilog

Die Grundhaltung hinter diesem Programm ist auch die Grundhaltung hinter der Arbeit auf persönlicher Ebene mit dem Kurs. Der Kurs geht nur über das Ziel des Zwölf-Schritte-Programms hinaus und darin besteht ein grundsätzlicher Unterschied. Ziel des Kurses ist es nicht auf der persönlichen Ebene wieder ein glückliches Leben zu führen, sondern aus der Illusion einer Person zu erwachen. Ein sich auf diesem Weg einstellender glücklicher Traum ist nur ein Nebeneffekt, aber nicht das Ziel selbst.

Die Grundhaltung und Organisation des Zwölf-Schritte-Programms sind auch Teil der auf dieser Homepage erwähnten WunderGruppe.

Aus Sicht der neun Typen des Enneagramms könnten die einleitenden Worte folgendermaßen lauten:
  1. Ich lebe in der Illusion recht zu haben.
  2. Ich lebe in der Illusion zu helfen.
  3. Ich lebe in der Illusion Erfolg zu haben.
  4. Ich lebe in der Illusion anders zu sein.
  5. Ich lebe in der Illusion den Durchblick zu haben.
  6. Ich lebe in der Illusion meine Pflicht zu tun.
  7. Ich lebe in der Illusion glücklich zu sein.
  8. Ich lebe in der Illusion stark zu sein.
  9. Ich lebe in der Illusion zufrieden zu sein.



The Work of Byron Katie im Spiegel des Kurses

Byron Katie, die vor allem als Gründerin der Methode The Work bekannt ist, wuchs in Südkalifornien auf. Als erfolgreiche Geschäftsfrau und Mutter dreier Kinder lebte sie auch in Kalifornien. Ab Mitte der 1970er Jahre litt sie an schweren psychischen Problemen (Alkoholismus, Depressionen, Esssucht, Nikotin- und Medikamentenabhängigkeit, Gewalttätigkeit) und war in therapeutischer Behandlung. Seit 1986 entwickelte sie aus ihrer eigenen, überwundenen Krise heraus die Methode The Work, die sie auf Vortrags- und Workshop-Reisen in vielen Ländern vermittelt. Bekannt wurde sie mit dem Buch
Lieben was ist – Wie vier Fragen Ihr Leben verändern können.

Eines Morgens, in ihrer tiefsten Verzweiflung, hatte Sie eine alles im Leben verändernde Erkenntnis. Katie entdeckte, dass sie litt, wenn sie ihre Gedanken glaubte und dass sie nicht litt, wenn sie diese Gedanken nicht glaubte. Die Ursache für ihre Depression war nicht die Welt um sie herum, sondern ihre Überzeugungen über die Welt um sie herum. In einem Geistesblitz erkannte sie, dass wir uns in unserer Suche nach Glück in die falsche Richtung begeben. Anstatt den hoffnungslosen Versuch zu starten, die Welt so verändern zu wollen, wie sie unseren Gedanken gemäß sein “sollte”, können wir diese Gedanken hinterfragen, und indem wir der Wirklichkeit so begegnen, wie sie ist, erfahren wir unvorstellbare Freiheit und Freude. Infolgedessen wurde eine bettlägerige, selbstmordgefährdete Frau von Liebe erfüllt für alles, was das Leben bringt.

Wahrnehmung wird durch Projektion erzeugt. Die Welt, die du siehst, ist das, was du ihr gegeben hast, nicht mehr als das. Doch wenn sie auch nicht mehr als das ist, ist sie auch nicht weniger. Deswegen ist sie für dich wichtig. Sie ist das Zeugnis für den Zustand deines GEISTES, das äußerliche Bild eines inneren Zustands. Wie ein Mensch denkt, so nimmt er wahr. Suche deshalb nicht, die Welt zu ändern, sondern entscheide dich, dein Denken über die Welt zu ändern. Die Wahrnehmung ist eine Folge und nicht eine Urs ache. Das ist der Grund, weswegen eine Rangordnung der Schwierigkeit bei Wundern bedeutungslos ist. Alles, was mit der Schau betrachtet wird, ist geheilt und heilig. Nichts, was ohne sie wahrgenommen wird, bedeutet irgend etwas. Und wo keine Bedeutung ist, da ist Chaos.
(EKIW: Kapitel 21, Einleitung, 1.)

The Work macht also genau das, was auch das Ziel des Kurses ist - eine Umkehrung im Denken um 180° und sie dient dazu sich seiner Urteile und ihrer Konsequenzen bewusst zu werden! The Work bietet allerdings kein geschlossenes Weltbild, keine in sich geschlossene Metaphysik, an, vor deren Hintergrund diese Umkehr im Denken stattfinden soll. The Work kann den Kurs nicht ersetzen, aber sie ist eine wunder-volle Hilfe am Beginn des Weges.

The Work

Die vier Fragen

The Work ist eine Methode, die aus vier Standardfragen, bezogen auf die Überzeugung des psychisch Leidenden, besteht. Diese lauten:
  1. Ist das wahr?
  2. Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
  3. Wie reagierst du, was passiert in dir, wenn du diesen Gedanken glaubst?
  4. Wer wärst du ohne den Gedanken?
Byron Katie unterstützt die dritte Frage üblicherweise durch weiteres Nachfragen wie beispielsweise: Die Umkehrung

Die Umkehrungen stellen den wichtigsten Schritt der Arbeit dar. Es gilt die ursprüngliche Aussage umzukehren. Die Umkehrungen sind eine Möglichkeit, das Gegenteil von dem zu erfahren, was wir für wahr halten. Es geht darum, eine Möglichkeit zu entdecken, die uns Frieden bringt.

Beispiel: Der Drängler auf der Autobahn

Ich fahre auf der Autobahn, dicht hinter mir ein Drängler, der die Lichthupe eifrig bedient. Meine Reaktion? Ärger, Herzklopfen, Bauchschmerzen, Gedanken wie: "Dieser Idiot! Der Wahnsinnige sollte das nicht tun! Niemand sollte mich so bedrängen!"

1. Ist es wahr, dass er das nicht tun sollte?

Es ist nicht wahr, denn Menschen tun so etwas, immer wieder. Egal, was ich darüber denke, sie ändern sich nicht. Ich sehe den Widerspruch zwischen dem, was ist, und dem, was ich denke, wie es sein sollte.

2. Kann ich wirklich wissen, dass das wahr ist, dass er das nicht tun soll?

Nein, das kann ich nicht hundertprozentig wissen. Vielleicht will er mich auf etwas aufmerksam machen? Vielleicht hat der eine schwangere Frau im Auto? Vielleicht ist er auf dem Weg ins Spital zu seinem in Lebensgefahr schwebenden Kind?

3. Wie reagiere ich, wenn ich denke, dass er das nicht tun soll?

Ich spüre Herzklopfen, Unruhe, ein unangenehmes Gefühl in der Magengrube. Ich spüre Hass. Ich konzentriere mich nicht mehr auf mein eigenes Fahrverhalten, ich sehe die schöne Landschaft nicht mehr. Ich genieße die Fahrt nicht mehr. Ich würde den Mann am liebsten auffahren lassen, indem ich plötzlich bremse. Ein vielleicht sogar selbstmörderische Gedanke. Gäbe es einen Grund, diesen Gedanken festzuhalten? Nein. Gäbe es Gründe ihn loszulassen? Jede Menge.

4. Wer wäre ich, wenn ich den Glaubenssatz "Niemand sollte mich so bedrängen!" fallen lassen würde? Wie ginge es mir dann?

Ich wäre gelassen, ruhig, ich würde nach rechts fahren und den Mann vorbeilassen, ich würde mich körperlich wohler fühlen, ich könnte meine Fahrt wieder genießen. Während ich die kleine Übung absolviere, spüre ich schon deren Wirkung. Indem ich mir das letztere vorstelle, entspanne ich mich, es kommt mir vor, als ob mein Körper dankbar die Gelegenheit ergreift, diese Vorstellung zu verwirklichen; ich schwenke nach rechts, ich atme tief ein und aus, lehne mich zurück, lächle.

Während der Mann vorbei zieht und mir den Vogel zeigt, normalisiert sich mein Herzschlag und wahrscheinlich auch mein Blutdruck. Ich denke: "Der Mensch spiegelt mir mein eigenes Verhalten.“ Denn auch ich habe schon gemacht, was er gemacht hat. Manchmal in Wirklichkeit, manchmal in Gedanken.

Die Umkehrung: „Ich sollte niemanden bedrängen!"

Das ist meine Philosophie, so sollte ich leben. Ich sollte niemanden bedrängen – nicht auf der Autobahn und nicht in Diskussionen und Gesprächen. Der Mann hat mich daran erinnern. Ich danke ihm.

Hilfreiche Arbeitsblätter von https://thework.com/sites/de/

Little Book German
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Führung

Das Ego hat enorme Angst vor Führung. Das Ego erlebt dies als Autonomieverlust. Das Ego will nicht, dass sich Gott in sein Leben einmischt, es will seinen eigenen Willen durchsetzen und ist am Willen Gottes nicht interessiert. Das Ego ist der Glaube an persönliche Autonomie und daher verfolgt es paranoid alles, was es in seiner eingebildeten Autonomie beschränken könnte. Das was wir wirklich sind, ist nicht autonom von GOTT und seinen Brüdern - es ist eins mit ihnen.

Selbst Egos die in einer religiösen Tradition leben, wollen vom Willen Gottes in konkreten Situationen ihres Lebens nichts wissen. Sie versuchen ihre Autonomie mit Hilfe des Konzepts vom Gewissen aufrecht zu erhalten. Ganz nach dem Motto: Der liebe Gott hat mit der Erschaffung der Welt, und seinen in Stein gemeißelten Gesetzen, seinen Job erledigt und jetzt kümmere ich mich selbst um mein Leben. Der liebe Gott hat sich da nicht einzumischen, der darf erst nach meinem Tod seinen Kommentar dazu abgegeben.

Dies bedeutet aber auch, dass das Ego eine enorme Verantwortung auf seinen Schultern trägt und bis zu seinem Tod in der Angst vor der Strafe Gottes lebt. Es lebt in der Illusion der Schuld und ist schwer beladen.

Das Gefährliche an dem Konzept Gewissen ist, dass sich mit dem Verweis auf das eigene Gewissen jede Art von Handlung sehr einfach rechtfertigen lässt. Nichts anderes tut ein Attentäter der im Namen "Gottes" tötet.

Istanbul

Auf einer Reise durch die Türkei im Sommer 1983, habe ich mich in Istanbul mit zwei Jugendlichen angefreundet. Diese Beiden haben mir dann Istanbul und das türkische Leben näher gebracht. Am Abend haben wir uns immer mit ein paar Flaschen Bier auf mein Hotelzimmer zurückgezogen und uns über Gott und die Welt unterhalten. Eines Abends habe ich sie gefragt, warum sie mit mir Alkohol trinken, obwohl das im Islam verboten ist. Daraufhin haben sie mir erklärt: "Allah ist ein alter Mann, wenn es dunkel ist, dann sieht er nichts mehr." Wir lassen Gott gerne einen alten Mann sein, der sich gefälligst nicht in unsere Alltagsangelegenheiten einzumischen hat.

Das „spirituelle“ Ego hingegen hält sich selbst für das Wahre Selbst und damit für Gott - aber dies ist der selbe Irrtum, wie die Idee vom Gewissen, oder die Ignoranz Gottes - nur in anderer Form. Das „spirituelle“ Ego hat eine Menge Stress „sein Leben“ am Laufen zu halten und sein „spirituelles“ Image aufrecht zu halten und ja nicht durch die Worte seiner Mitmenschen „verletzt“ zu werden.

Erst wenn wir den Fluss des Lebens nicht versuchen zu kontrollieren, wenn wir uns vom Vertrauen in Gott tragen lassen, statt uns ängstlich, immer mit den gleichen Verhaltensmustern, strampelnd über Wasser zu halten, beginnt unser Leben zu fließen, als würden wir im Sommer einen ruhigen Weg entlang getragen.

"If you really want to be happy and to see how easy things can flow,
you let Jesus run the show!"

(David Hoffmeister)

Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
(Bibel, Einheitsübersetzung, Mt 6,26)

Jesus hat schon vor zweitausend Jahren darauf hingewiesen und er spricht diesbezüglich auch im Kurs klare Worte:

Ich bin der Einzige, der Wunder unterschiedslos wirken kann, weil ich die SÜHNE bin. Du hast eine Rolle in der SÜHNE, die ich dir diktieren werde. Frage mich, welche Wunder du wirken sollst. Das erspart dir unnötige Mühe, weil du auf direkte Kommunikation hin handeln wirst. Der unpersönliche Charakter des Wunders ist ein wesentlicher Bestandteil, weil er mir ermöglicht, seine Anwendung zu lenken, und unter meiner Anleitung führen Wunder zur höchst persönlichen Erfahrung der Offenbarung. Ein Führer kontrolliert nicht, aber er leitet und überlässt es dir, nachzufolgen. »Führe uns nicht in Versuchung« bedeutet: »Sieh deine Fehler, und entscheide dich, sie aufzugeben, indem du meiner Führung folgst.«
(EKIW: Kapitel 1, III. 4.)

Du weißt nichts von der Erlösung, denn du verstehst sie nicht. Triff keine Entscheidungen darüber, was sie ist oder wo sie liegt, sondern frage den HEILIGEN GEIST alles, und überlasse alle Entscheidungen SEINEM sanften Rat.
(EKIW: Kapitel 14, III. 12.)

"Also macht nun weiter. Fragt mich, was auch immer. Was auch immer. Ich werde mir etwas ausdenken, um euch die Antwort zu bringen. Dazu werde ich mich des ganzen Universums bedienen. Also seid wachsam. Dieses Buch ist bei weitem nicht mein einziges Mittel. Ihr könnt eine Frage stellen und dann das Buch niederlegen. Aber haltet die Augen offen. Hört zu: den Worten des nächsten Liedes, dem ihr lauscht. Achtet auf die Information im nächsten Artikel, den ihr lest. Das Thema des nächsten Films, den ihr euch anschaut. Die beiläufige Äußerung der nächsten Person, die ihr trefft. Oder das Flüstern des nächsten Flusses, des nächsten Ozeans, der nächsten Brise, die euer Ohr liebkost - all das sind meine Mittel-, all diese Wege stehen mir offen. Ich werde zu euch sprechen, wenn ihr zuhört. Ich werde zu euch kommen, wenn ihr mich einladet. Ich werde euch dann zeigen, dass ich immer da war. Überall."
(Gespräche mit Gott - Neale Donald Walsch, Band 1, 1, Seite 99)

Epilog

Die Broschüre Die Ergänzungen zu EIN KURS IN WUNDERN war eine Reaktion auf etwas, dass in den Kreisen von "Ein Kurs in Wundern" damals bereits zu beobachten war, nämlich die Verwirrung der Kursschüler über drei wesentliche Bereiche der Kurslehre: Gebet, Vergebung und Heilung. Im Folgenden geht es um das Thema Gebet, weil diese eng mit dem Thema Führung verbunden ist.

Eines der zentralen Themen des ersten Kapitels der Broschüre "Das Lied des Gebets" ist, was es bedeutet, zum Heiligen Geist zu beten, oder ihn um Hilfe zu bitten. Typischerweise scheint es so zu sein, dass Kursschüler in der frühen Phase der Arbeit mit dem Kurs Wucher treiben, dass sie den Heiligen Geist um ganz spezifische Hilfe bitten. Beispielsweise, welchen Job soll ich annehmen, soll ich diese Beziehung eingehen, soll ich die Beziehung ändern, soll ich die Beziehung verlassen. Es geht sogar so weit, dass manchmal gefragt wird: Wo soll ich mein Auto parken? Was soll ich anziehen? usw. Aus dieser Phase kann, wenn kein Interesse für ein tieferes Verständnis des Kurses vorhanden ist, ein Dauerzustand werden. So wird der Kurs zu einem Hilfsmittel zur Wunscherfüllung degradiert, was aber der Intention des Kurses total widerspricht.

Die ganze Idee, um spezifische Hilfe zu bitten, verstärkt genau das Gedankensystem des Egos, das wir ja durch das Bitten um Hilfe eigentlich aufzulösen versuchen. Wenn wir nämlich beschließen, dass wir ein spezifisches Problem haben und deshalb eine spezifische Antwort vom Heiligen Geist brauchen, dann tun wir in Wirklichkeit arrogant so, als wüssten wir, was das Problem ist, das immer ein Ausdruck der physischen Welt und unserer körperlichen oder psychologischen Erfahrungen in der physischen Welt sein wird, und dann verlangen wir auch noch, dass der Heilige Geist uns in der Form antwortet, die wir gerade festgelegt oder eingerichtet haben. Was der Kurs wirklich meint, wenn wir den Heiligen Geist um Hilfe bitten, ist, dass wir um Hilfe bitten, um das wahre Problem zu lösen, das in der Entscheidung unseres Verstandes besteht, sich mit dem Ego zu verbinden, anstatt mit IHM. Die Entscheidung des Verstandes, sich mit dem Ego-Gedankensystem der Trennung, der Schuld, des Urteils und des Angriffs zu identifizieren, statt mit dem System des Heiligen Geistes, das Vergebung, das Wunder und Heilung beinhaltet.

Wenn wir uns unserer urteilenden Gedanken bewusst werden, wenn wir uns bewusst werden, dass wir uns vor irgendetwas in dieser Welt fürchten, wenn wir uns bewusst werden, dass wir uns wieder im Netz des Egos verfangen haben, bitten wir darum, dass wir so schnell wie möglich erkennen mögen, dass unsere Gefühle der Unruhe und des Aufruhrs von unserer falsch verstandenen Wahl herrühren - und wählen neu. Den Heiligen Geist oder Jesus um Hilfe zu bitten, bedeutet also, um Hilfe zu bitten, damit wir uns daran erinnern, wer wir wirklich sind.

Natürlich kann es in einer gegebenen Situation auch durchaus sinnvoll sein den Heiligen Geist um eine ganz spezifische Entscheidung zu bitten. Entscheidend dabei ist das Ziel der Bitte. Es ist absolut nicht im Sinne der Erlösung, um eine konkrete Entscheidung zu bitten, in der Hoffnung das "Richtige" innerhalb der Illusion der Welt zu tun. Im Sinne der Erlösung ist die einzig wahrhaft hilfreiche Bitte, jene um die Entscheidung die unserer Erlösung am Besten dienen möge.

Undoing the Do-er - Living a Life of True Inspiration - David Hoffmeister - Miracle Mornings #11



Entscheidungsregeln

Prolog

Wu Wei ist eine Handlungsanweisung. Sie stammt aus dem Daoismus. Schon vor über dreitausend Jahren wurde in China diese Handlungsanweisung schriftlich aufgeführt. Kurz gefasst sagt sie:

„Tue nicht, alles ist getan“

Er wird verstanden als Nichthandeln im Sinne von „Enthaltung eines gegen die Natur gerichteten Handelns“. Weitere Übersetzungen des Begriffes Wu Wei wären „Nicht-Eingreifen“, „tätiges Nichthandeln“ bzw. „Handeln durch Nicht-Handeln“.

Ein paar Jahrhunderte später etablierte sich die Lehre des Siddhattha Gotama, dem historischen Buddha. Er wurde wahrscheinlich 563 v. Chr. in Indien geboren. Der Begründer des Buddhismus schuf eine ähnlich formulierte Grundlage. In diesem steht das Gewahrsein im Mittelpunkt.

Auf dem Weg zum Erwachen, aus der Illusion des Handelnden, zum Zustand des Wu Wei, zum einfach SEIN, bietet uns der Kurs ein eigenes Kapitel - die Entscheidungsregeln. Im Folgenden eine kurze Zusammenfassung.

Entscheidungsregeln

Das Leben in dieser Welt scheint ständig Entscheidungen von uns zu fordern - eine Unmenge an Entscheidungen. Doch in Wahrheit ist es nur eine einzige Entscheidung die erforderlich ist, alles andere ergibt sich ganz von selbst. Diese einzige Entscheidung ist die Entscheidung SEINER Führung zu folgen. Genau genommen ist dies nicht einmal eine Entscheidung, weil es keine Alternative gibt.
Alles, was als Alternative dazu erscheint, ist eine Illusion.

Um eine Entscheidung treffen zu können, braucht es ein klares Ziel. Wenn wir uns auf einer Wanderung an einer Weggabelung befinden, müssen wir eine klare Vorstellung von unserem Ziel haben, um uns für eine der Richtungen entscheiden zu können. Daher ist die erste Frage am Beginn jeder Wanderung - „wo will ich hin, welchen Ort will ich erreichen“?

Es geht im Kurs allerdings nicht um die Ebene der Form, sondern um die Ebene des Geistes. Wir überlegen uns daher jeden Tag nach dem Aufwachen welche Art von Tag wir haben möchten, und sagen uns, dass eine Möglichkeit besteht, dank welcher dieser Tag gerade so verlaufen kann. Beispielsweise könnte dies ein Tag voll Liebe sein, oder ein Tag voll inneren Friedens.

Die erste Regel lautet nun:

(1) Heute will ich keine Entscheidungen selber treffen.

Das bedeutet, dass wir beschließen, nicht Richter über das zu sein, was wir tun sollen und dass wir nicht über die Situationen urteilen, in denen eine Reaktion von uns gefordert wird.

Tagsüber erinnern wir uns in jedem Moment der Ruhe und Besinnung an unser Ziel und an Regel zwei:

(2) Wenn ich keine Entscheidung selber treffe, ist dies der Tag, der mir zuteil wird.

Diese zwei Vorgehensweisen werden dazu dienen, dass wir uns furchtlos führen lassen, denn dadurch wird erst gar kein Widerstand aufkommen, der dann selber zum Problem wird.

Doch wird es weiterhin noch Zeiten geben, in denen wir bereits geurteilt haben. Jetzt wird die Antwort Angriff provozieren. Als Gegenreaktion erinnern wir uns jetzt nochmals an den Tag, wie wir ihn haben wollen, und werden uns darüber klar, dass etwas vorgefallen ist, das nicht Teil von ihm ist.

Wir werden uns dann klar darüber, dass wir von uns aus eine Frage formuliert haben und eine Antwort nach eigenem Ermessen vorgegeben haben mussten. Wir antworten darauf mit der dritten Regel:

(3) Ich habe keine Frage. Ich habe vergessen, was ich entscheiden soll.

Wir versuchen, dieser Regel ohne Zögern nachzukommen, trotz unseres Widerstandes. Denn wir sind schon ärgerlich geworden. Und unsere Angst, die Antwort sehe anders aus, als unsere Version der Frage es erfordert, wird immer größer werden, wenn wir nicht schnell reagieren.

Wenn wir so unwillig sind, zu empfangen, dass wir noch nicht einmal von unserer Frage lassen können, dann können wir mit dem Folgenden beginnen, uns anders zu besinnen:

(4) Wenigstens kann ich entscheiden, dass ich nicht mag, was ich gerade jetzt empfinde.

Soviel steht fest, und damit wird der Weg geebnet für den nächsten leichten Schritt. Wenn wir entschieden haben, dass wir nicht mögen, wie wir uns fühlen, was könnte leichter sein, als dann so fortzufahren:

(5) Und ich hoffe deshalb, dass ich unrecht hatte.

Das wirkt dem Gefühl des Widerstands entgegen, das wir empfinden, und erinnert uns daran, dass die Hilfe uns nicht aufgedrängt wird, sondern etwas ist, was wir wollen und brauchen, weil wir nicht mögen, wie wir uns fühlen. Diese winzig kleine Hoffnung wird genügen, uns die paar wenigen Schritte vorwärts tun zu lassen, die wir brauchen, um uns helfen zu lassen.

Dies winzig kleine Körnchen Weisheit ist genug, um uns weiterzubringen. Wir werden nicht gezwungen, vielmehr hoffen wir, etwas zu bekommen, das wir wollen. Und wir können völlig ehrlich sagen:

(6) Ich möchte dies auf andere Weise sehen.

Der letzte Schritt ist lediglich die Anerkennung, dass wir keinen Widerstand dagegen leisten, Hilfe anzunehmen. Er ist die Aussage eines offenen Geistes, der noch nicht sicher, aber Willens ist, dass ihm der Weg gezeigt wird:

(7) Vielleicht gibt es eine andere Weise, dies anzusehen.
Was kann ich dabei verlieren, wenn ich frage?

So können wir nun eine sinnvolle Frage stellen, und damit wird die Antwort gleichfalls Sinn ergeben. Wir werden auch nicht gegen sie kämpfen, denn wir sehen, dass wir derjenige sind, dem durch sie geholfen wird.
* * *

Es ist wohl klar, dass es einfacher ist, einen glücklichen Tag zu verleben, wenn wir von vornherein das Unglücklichsein daran hindern, einzutreten. Doch dazu braucht es Übung in den Regeln, die uns vor den Verheerungen der Angst beschützen werden. Ist dies erreicht, so ist der jämmerliche Traum des Urteilens für immer aufgehoben. Doch in der Zwischenzeit ist es notwendig, dass wir die Regeln für seine Aufhebung üben.

Wenn unser Widerstand gegen Führung nicht mehr allzu groß ist, genügen die beiden ersten Regeln!

Epilog

Beim Thema Führung und Entscheidungsregeln, geht es nicht darum vom HEILIGEN GEIST konkrete Handlungsanweisungen einzufordern, um dann das „Richtige“ tun zu können, sondern darum immer mehr aus der Illusion eines Handelnden zu erwachen. Dies bedeutet, die ganze Zeit über in einer inneren Hinwendung an Gott zu verweilen und Handlung einfach geschehen zu lassen, im bedingungslosen Vertrauen darauf, dass wir geführt und geliebt sind und im Wissen, dass Entscheidungen auf der Ebene der Form ohnedies eine Illusion sind.

Die einzige Entscheidung die notwendig ist, ist die Entscheidung nicht mehr zu entscheiden!



Schuld und Vergebung

Dies ist eines der ganz großen Themen des Menschseins und alle Aussagen dazu, können auf der Ebene des Egos leicht missverstanden werden. Es braucht daher unsere absolute Bereitschaft zur Erlösung, wenn wir uns diesem Thema nähern.

Die egoische Idee der Schuld drückt sich am besten im christlichen Mantra von der Schuld - dem Schuldbekenntnis - aus: "Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld."

Wenn wir an Schuld glauben, sind wir schwer beladen. Die Schuld sitzt uns auf der Brust wie ein Stein und erdrückt uns. Sie lässt uns nicht mit den Engeln tanzen. Wenn wir meinen, wir oder einer unserer Mitmenschen mache etwas falsch im moralischen Sinn, sind wir mit Schuldgefühlen beladen, tot vor unserem Tod, bereits ins Grab gestiegen.

Der Teufelskreis von Schuld, Strafe und Opfer arbeitet meist unbewusst in uns. Wir fühlen uns schuldig und infolge bestrafen wir uns, indem wir ein Opfer bringen. Das Opfer ist immer eine Form von Leid. Wir nehmen irgendeine Form von Leid auf uns. Dieses Leid kann auf der Ebene der Form eine Krankheit, ein sogenanntes schweres Schicksal, oder auch der Tod sein. Allein der Alterungsprozess des Körpers ist eine subtile Form von Strafe. Daher sprechen wir auch davon, dass sich unsere Jugendsünden im Alter rächen. Der Tod ist auf jeden Fall das Ende dieser sich ständig wiederholenden Geschichte von Schuld und Strafe. Das Ego lebt von diesem Teufelskreis aus Schuld und Angriff.

Auf der psychischen Ebene äußert sich Schuld im Falle der Projektion in Form von Ärger, Wut, Zorn und im Falle der Introjektion in Form von Trauer, Schwermut, Depression - aber immer ist es irgend eine Art von psychischen Schmerz, an dem wir festhalten. Wenn wir unser Leid, und damit unser Opfer, auch noch verklären, sitzen wir endgültig in der Falle! Der einzige Weg raus aus diesem Gefängnis ist bedingungslose Vergebung.

Ein unschuldiges Lachen befreit die Welt,
bittere Tränen machen sie echt
und halten uns gefangen.

Das Ego glaubt es könnte sich mit einer Form von Strafe von seiner Schuld befreien. Dahinter steckt die wahnsinnige Idee von Ausgleich innerhalb der Dualität. Eine Schuld, an die geglaubt wird, kann nicht wirklich vergeben werden, das Lebensrad aus Schuld und Strafe dreht sich so ewig weiter. Viele Strafgefangene sehen ihre Tat und ihre Schuld mit der verbüßten Haftstrafe als erledigt an. Im Christentum sind es die drei Vaterunser nach der Beichte mit der dieser Ausgleich hergestellt werden soll. Es ist dies der verzweifelte Versuch das schlechte Gewissen schnell wieder los zu werden, aber wahren Frieden erlangen wir so nicht.

Im November 2015 beging ein Passauer Pfarrer Selbstmord, weil er sich nicht von Pornos lösen konnte. Die Details hat der Passauer Bischof bei der Trauerfeier verlautbart. In Briefen habe der Pfarrer geschrieben, "im Internet immer intensiver Bilder und Filme gesucht zu haben, die seinem priesterlichen Gelübde der Keuschheit deutlich widersprechen", sagte der Bischof und sprach in diesem Zusammenhang von einer "sehr großen moralischen Schuld", der sich der Pfarrer bewusst gewesen sei.

Die moralische Entrüstung über die Pornosucht des Priesters ist noch dazu eine besonders skurrile Heuchelei, angesichts der vielen Missbrauchsfälle in der Kirche. Die autoritär und streng hierarchisch geführte Kirche fördert soziale, psychische und selbstverständlich auch sexuelle Formen von Gewalt. Diese Strukturen, in Kombination mit dem Versuch Sexualität generell zu unterdrücken, machen sie zu einem "Biotop" für pädophil Veranlagte. Minderjährige und Schutzbefohlene in kirchlichen Internaten werden subtil zu Mittätern und damit zu Mitschuldigen erzogen, indem ihnen erlaubt wird, über die jeweils jüngeren Mitschüler zu bestimmen. Diese Informationen stammen von jemanden der diese Strukturen in den 80er Jahren am eigenen Leib erlebt hat.

Eine Strategie des Egos, um seine Schuld loszuwerden, ist es die Schuld auf sich zu nehmen und sich selbst zu bestrafen. Die zweite Strategie besteht darin die eigene Schuld zu verdrängen und sie auf jemand anderen zu projizieren. Doch selbst wenn wir scheinbar die Schuld nicht auf uns nehmen, sondern sie nach außen projizieren und jemand anderen bestrafen, so bestrafen letztendlich immer uns selbst - es gibt keine Trennung.

Gute, psychologisch fundierte, Kriminalromane beschreiben das Phänomen von Schuld, Strafe und Opfer mikroskopisch genau und können uns so helfen diese Dynamik in uns selbst besser zu durchschauen. Beispiele dafür sind "Das falsche Urteil", "Die Frau mit dem Muttermal" und "Die Fliege und die Ewigkeit" von Håkan Nesser oder die Hulda-Trilogie von Ragnar Jónasson. Letztere beschreibt auch mikroskopisch genau das Denksystem des Typs Acht im Enneagramm. Ein bemerkenswerter Roman ist auch "Seelenmesse" von Geir Tangen. Tangen beschreibt in diesem Roman wie das Ego über seinen Tod hinaus versucht seine Geschichte am Leben zu erhalten. Außerdem beschreibt er mikroskopisch genau die zerstörerische Wirkung des Glaubens an Schuld und die Psyche und Denkweise der handelnden Personen, an denen man klar die Enneagramm-Typen erkennen kann. Einmalig ist das Denksystem einer zwanghaften Eins beschrieben, wie es in der Polizeibeamtin Lotte Skeisvoll in Erscheinung tritt. Wir können ihr beim Denken zuhören. Der Autor Geir Tangen gibt seinen Geschichten immer wieder neue Wendung und lässt plötzlich alles wieder ganz anders erscheinen. Ein faszinierendes Spiel mit Wahrheit und Illusion innerhalb der Illusion.

Die Schuld lauert hinter der Idee der Person und deren auf freien Willen basierenden Handlungen. Wenn wir uns als der Handelnde erleben, fühlen wir uns für unsere Handlungen auch moralisch verantwortlich und damit schuldig, wenn es mal nicht so läuft wie wir uns das vorstellen. Die Scham ist die Oberfläche der Schuld, aber die Schuld sitzt noch viel tiefer - sie sitzt an der Basis des Egos.

Ohne Alkohol oder sonstige Drogen ist es uns kaum möglich zu feiern. So schwer lastet die Schuld auf unseren Schultern, dass wir uns betäuben müssen, um das Leben zumindest ein bisschen feiern zu können.

Frank Piekert - Guilt (Music Video)

Wenn du dich schuldig fühlst, erinnere dich, dass das Ego in der Tat gegen die Gesetze GOTTES verstoßen hat, du aber nicht. Überlasse die »Sünden« des Ego mir. Dafür ist die SÜHNE da. Solange du aber dein Denken über die, die dein Ego verletzt hat, nicht änderst, kann die SÜHNE dich nicht befreien. Solange du dich schuldig fühlst, führt dein Ego das Kommando, weil nur das Ego Schuld empfinden kann. Das muss nicht sein.
(EKIW: Kapitel 4, IV. 5.)

Unser Glaube an die Schuld ist meist nicht so offensichtlich, wenn es um unsere eigene Schuld geht, sondern viel offensichtlicher, wenn es um die Schuld der Anderen geht. Aber was wir in anderen sehen, sehen wir in uns. Wenn einem Anderen ein Unglück widerfährt und wir das Gefühl haben, dies geschieht ihm zu recht - dann glauben wir an Schuld. Wenn beispielsweise ein Politiker heimlich gefilmt wird und so seine wahren Absichten ans Tageslicht kommen, er darauf hin seinen Job verliert und wir uns darüber freuen - dann glauben wir an Schuld - und an die Konsequenz von Schuld, die Strafe.

Ärger ist ein wichtiger Abwehrmechanismus gegen Schuld, indem er die Aufmerksamkeit im Außen gefangen hält. Jede Variante von Ärger stellt immer einen Versuch dar, die Projektion unserer Schuld zu rechtfertigen, egal, was die Ursache unseres Ärgers zu sein scheint. Das Bedürfnis, unsere Schuld zu projizieren, ist der eigentliche Grund allen Ärgers. Es geht immer darum, den eigenen inneren Unfrieden nach außen zu bringen und eine möglichst große Distanz zwischen uns und der Schuld herzustellen.

Hinter den subtilen Äußerungen des Glaubens an Schuld und Strafe im Alltag verbergen sich die großen kollektiven Schuld-Themen. Das Thema kollektive Schuld zwischen Frauen und Männern, zwischen reich und arm, zwischen alt und jung, zwischen den Nachfolgegenerationen von Nationalsozialisten und Juden und generell zwischen Opfern und Tätern. Um dieses heikle Thema nicht misszuverstehen, ist es wichtig sich daran zu erinnern, worum es im Kurs geht - es geht um die Erlösung aus der Illusion der Welt und nicht um moralische Themen innerhalb der Illusion.

Vielleicht werden einige unserer Konzepte klarer und für den Einzelnen bedeutungsvoller, wenn die Art, wie das Ego die Schuld verwendet, erhellt wird. Das Ego verfolgt einen Zweck, genau wie der HEILIGE GEIST es tut. Der Zweck des Ego ist Angst, weil nur die Angsterfüllten egozentrisch sein können.
(EKIW: Kapitel 5, V. 1.)

Alles, was Angst erzeugt, schafft Teilung, weil es dem Gesetz der Teilung gehorcht. Wenn das Ego das Symbol der Trennung ist, ist es auch das Symbol der Schuld. Schuld ist mehr als einfach nicht von GOTT. Sie ist das Symbol des Angriffs auf GOTT. Das ist eine total bedeutungslose Vorstellung, außer für das Ego, aber unterschätze nicht die Macht des Glaubens, den das Ego in sie setzt. Das ist der Glaube, dem alle Schuld in Wirklichkeit entstammt.
(EKIW: Kapitel 5, V. 2.)

Jede Reaktion auf das Ego ist ein Aufruf zum Krieg, und Krieg entzieht dir unweigerlich den Frieden. Doch gibt es keinen Gegner in diesem Krieg. Dies ist die Neudeutung der Wirklichkeit, die du vornehmen musst, um den Frieden zu sichern, und zwar die einzige, die du je vorzunehmen brauchst. Diejenigen, die du als Gegner wahrnimmst, sind Teil deines Friedens, den du dadurch aufgibst, dass du sie angreifst.
(EKIW: Kapitel 8, I. 3.)

Eckhart Tolle - The Nature of Forgiveness

Das Thema Vergebung lässt sich sehr leicht missverstehen. Wenn wir der Welt total vergeben haben, wird das Leben zu einem glücklichen Traum und Themen wie sich-schützen oder sich-verteidigen tauchen einfach gar nicht mehr auf.

This is a thing I've never known before
It's called easy livin'
This is a place I've never seen before
And I've been forgiven

Easy livin' and I've been forgiven
Since you've taken your place in my heart

Somewhere along the lonely road I had tried to find you
Day after day on that windy road I had walked behind you
Easy livin' and I've been forgiven
Since you've taken your place in my heart

Waiting, watching
Wishing my whole life away
Dreaming, thinking
Ready for my happy day
And some easy livin'

Somewhere along the lonely road I had tried to find you
Day after day on that windy road I had walked, walked behind you
Easy livin' and I've been forgiven
Since you've taken your place in my heart

Easy livin' and I've been forgiven
Since you've taken your place in my heart

(Easy Livin' - Uriah Heep)

Der Weg zur absoluten Vergebung muss allerdings nicht von völliger Gewaltlosigkeit geprägt sein. Sollten wir uns beispielsweise in einer Situation wiederfinden in der ein Gewalttäter versucht einem Kind Gewalt anzutun, dann ist es ein Gebot der Liebe zum Kind und zum Gewalttäter die Gewalttat zu verhindern. Denn würden wir den Gewalttäter nicht stoppen, würde er sich in eine schwer auf ihm lastende Situation von Schuld bringen.

Das Einzige was in einer derartigen Situation entscheidend ist, ist mit welcher inneren Haltung wir Gewalt anwenden - ist es ein Ausdruck von Liebe zu beiden an der Aktion beteiligten Menschen, oder ist es Hass auf den Attentäter. Solange wir auch im Attentäter einen Bruder sehen, werden unsere Reaktionen zielgerichtet und nicht übertrieben sein. Es sollte beim Einsatz von Gewalt immer nur darum gehen größere Gewalt - und vor allem die Idee der Schuld - zu verhindern und nie darum für vergangene Gewalt Rache zu üben. Wenn eine Gewalttat einmal geschehen ist geht es nur noch um Vergebung.
"Ein guter Krieger
kämpft ohne Zorn
"
(Tao Te King - Lao-Tse)

Ein großes Missverständnis in diesem Zusammenhang stellt das kirchliche Beichtgeheimnis dar. Ein Priester ist selbst dann an sein Beichtgeheimnis gebunden, und darf vor Gericht nicht darüber Auskunft geben, wenn damit weitere Morde, oder weiterer Kindesmissbrauch, verhindert werden könnten. Es geht also der Kirche nicht darum weiteres Leid der Opfer und weitere Schuld der Tätern zu verhindern, sondern darum an völlig veralteten Dogmen festzuhalten. Einen Attentäter weitere Morde, oder weiteren Missbrauch von Kindern, zu ermöglichen, um ihm dann diese Sünden wieder zu vergeben ist nicht im Sinne der WAHRHEIT. Dahinter steckt der Größenwahn des religiösen Egos das glaubt seine Vertreter könnten Sünden vergeben.

Vergebung ist ein Prozess in uns selbst, bei dem wir unseren Irrtum wahrhaftig bekennen und ihn vom HEILIGEN GEIST berichtigen lassen. Dies kann uns nicht von einem Priester abgenommen werden.

Das religiöse Ego scheint zur Introjektion der Schuld zu neigen und das weltliche Ego zur Projektion. Aber das Eine ist ohne das Andere nicht möglich - es gibt keine Trennung:

"Nur Selbstankläger verurteilen. Während du dich vorbereitest, eine Wahl zu treffen, die andere Ergebnisse zur Folge haben wird, gibt es zuerst etwas, was es intensiv zu lernen gilt. Es muss zu einer Gewohnheit des Reagierens werden, die so typisch ist für alles, was du tust, dass sie zu deiner ersten Reaktion auf jegliche Versuchung und auf jede Lage wird, die sich ergibt. Lerne das, und lern es gut, denn hier wird die Verzögerung des Glücks um eine ungeahnte Spanne Zeit verkürzt. Du hasst deinen Bruder nie um seiner Sünden, sondern nur um deiner eigenen willen. Welche Form seine Sünden auch anzunehmen scheinen, sie verschleiert nur die Tatsache, dass du glaubst, sie seien deine und verdienten deshalb den gerechten Angriff."
(EKIW: Kapitel 31, III. 1.)

Die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA - auch kurz als Nine-Eleven oder 9/11 bezeichnet - sind ein ganz besonderes Symbol für die egoische Idee der Schuld. Wir nehmen üblicherweise immer nur die Oberfläche war und auch die nur gefärbt, durch unsere vorgefertigten Glaubenssätze. Wir übersehen die Symbolik und die Botschaft dahinter, die uns helfen könnten, mehr über uns, Gott und die Welt zu erfahren. Die US-amerikanischen Notrufnummer lautet seit 1964 und auch weiterhin 911 - welch ein wunderbares Symbol.

9/11 ist eine Hilferuf - ein Ruf nach Liebe!

Nicht Lebenswille, sondern Todeswunsch ist die Motivation für diese Welt. Ihr einziges Ziel ist, zu beweisen, dass Schuld wirklich ist. Kein weltlicher Gedanke, keine weltliche Handlung und kein weltliches Gefühl haben eine andere Motivation als diese.
(EKIW: Kapitel 27, I. 6. 3.-5.)

Wenn wir wirklich frei sein wollen und aus der Illusion erwachen wollen, so müssen wir bereit sein uns und unseren Brüdern Opferschaft und Täterschaft zu vergeben und wir müssen aufhören unsere unbewussten Schuldgefühle in die Welt zu projizieren.

Das Ego liebt einfache Botschaften die es, ohne genauer darüber nachzudenken zu müssen, wie ein Mantra wiederholen kann. Die einfachste Botschaft der Welt - ist die Botschaft von der Schuld der Anderen. Die Figur Adolf Hitler und die damit verbundene Geschichte sind ein wunderbares Symbol dafür. Einerseits hat Hitler seinen Erfolg auf die Projektion der Schuld nach außen aufgebaut - mit der simplen Botschaft von der Schuld der Juden und der Bolschewisten und andererseits ist Hitler heute selbst das Ziel der Schuldprojektion. Die ganzen Gräueltaten während der nationalsozialistischen Herrschaft werden in Hitler und einige hohe Offiziere projiziert, aber es wird völlig vergessen, dass diese Gesinnung von einem ganzen Volk getragen wurde. Hitler und ein paar Nazis hätten keinen Weltkrieg führen können.

Adolf Hitler ist nur ein Symbol für unser egoisches Denken in Schuld. Adolf Hitler war nur der symbolische Ausdruck einer Gesinnung des egoischen Denkensystems seiner Zeit. Adolf Hitler hat das egoische Denksystem in den Menschen nicht ausgenutzt oder verstärkt, er war lediglich der zentrale Ausdruck dieses Denksystems. Jenes Bewusstsein, das sich mit der Person Adolf Hitler identifiziert hat, ist, seiner wahren Natur nach, genau so ein SOHN GOTTES, wie jeder von uns.

Wir haben uns alle gemeinsam die Figur Hitler erschaffen und ein individuelles Bewusstsein hat diese Rolle übernommen. Vergebung bedeutet uns selbst und all unseren Mitmenschen die Rolle in diesem Theaterstück zu vergeben. Das Theaterstück handelt von der scheinbaren Trennung von Gott. Darauf, dass dies in Wahrheit nicht möglich ist, beruht wahre Vergebung.

Aus der einigermaßen skandalträchtigen Ehe zwischen Alois Hitler und Klara Pölzl, formell seine Nichte und möglicherweise auch blutsverwandt, ging Adolf als drittes Kind hervor. Adolf Hitler war ein vom Vater unterdrücktes und geschlagenes Kind. Der Vater, als kaum gebildeter Aufsteiger, der stolz auf das sich selbst angeeignete Wissen gewesen war, hatte Adolf früh eine Skepsis gegenüber jeglichem Schulwissen vermittelt.

Adolf besuchte ab 1900 die K. k. Staats-Realschule Linz, wo er sich lernunwillig zeigte und zweimal wegen Verfehlung des Leistungszieles nicht in die nächstfolgende Klasse aufsteigen konnte. Den Religionsunterricht verachtete er, nur der Geografie- und der Geschichtsunterricht interessierten ihn.

Bild
(schon damals ganz rechts außen - der kleine Adolf)

Hitlers Weltanschauung entwickelte sich vor allem während seiner Realschulzeit in Linz. Hitler fand hier ein nationalistisches Umfeld, mit dem er sich identifizierte. Sein Geschichtslehrer führte ihn in die germanischen Heldensagen ein, die ihn nie mehr loslassen sollten.

Ab 1907 hatte die oberösterreichische Hauptstadt mit Franz Dinghofer zudem einen Bürgermeister, der, ähnlich wie Karl Lueger in Wien, das Feindbild der Juden und Tschechen als Schlüssel zum politischen Erfolg nutzte. „Ich war damals der Meinung, es müsse alles in die Luft gesprengt werden!“, fasste Adolf Hitler später seinen Gemütszustand als Jugendlicher zusammen. Hitler war ein ungebildeter Wutbürger - das kommt uns doch irgendwie bekannt vor.

Im Oktober 1907 bewarb er sich erfolglos für ein Kunststudium an der Allgemeinen Malerschule der Wiener Kunstakademie. Die Kunstakademie lehnte ihn ab, weil er keine Menschen zeichnen konnte.
Er war als Kunstmaler gescheitert und lebte im Jahre 1910 in einem Obdachlosenasyl in Wien. Von Liebesbeziehungen ist in seinen jungen Jahren nichts bekannt. Ganz im Gegenteil äußerte er sich in Wien verächtlich über weibliche Sexualität und floh vor Annäherungsversuchen von Frauen.

1913 floh Hitler vor der militärischen Dienstpflicht in Österreich und zog nach München. Wie viele andere begrüßte Adolf Hitler im August 1914 begeistert den Beginn des Ersten Weltkriegs und ließ sich als Österreicher in die Bayerische Armee eingliedern.

Am 9. November 1923 scheiterte Hitler auch politisch. Er und seine NSDAP Anhänger versuchten in München einen politischen Umsturz zu erzwingen. Sie scheiterten, Hitler flüchtete und wurde zwei Tage später verhaftet. Hitler kam ins Gefängnis und schrieb seine berühmtes Buch Mein Kampf. Darin stand nichts Neues, sondern nur alte, deutschnationale, antisemitische und von germanischen Heldentum gespeiste, Ideen, die er auf seine ganz persönliche Art und Weise zusammenfasste. Er brachte nur vorhandenes Gedankengut neu aufgewärmt zum Ausdruck.

Der erste Band von Mein Kampf war ein Bestseller und wurde durch viele Rezensionen in öffentlichen Konflikten weithin bekannt. Damit begann sein Aufstieg. Nur weil sein gesammeltes Gedankengut Ausdruck des kollektiven Gedankensystems seiner Zeit war, konnte er von jemanden, der bis dahin auf allen Ebenen gescheitert war, zur großen Hoffnung von Millionen Menschen werden. Adolf Hitler hatte keinen jüdischen Mitmenschen vergast, keinen polnischen Soldaten erschossen und keine russische Frau vergewaltigt. All dies, und noch viel mehr, "geschah" - im Lebenstraum, in der Illusion - durch die Generation unserer Großeltern.

Genau so ist es auch bei all den Politikern unserer Zeit - sie sind Projektionen unseres eigenen Gedankensystems - unseres Glaubens an Trennung. Alles was uns an einem Politiker ärgert, ist nur ein Teil unseres eigenen Traumes, den wir weggegeben haben, lediglich Ideen in unserem Geist, von denen wir so tun, als wären sie außerhalb von uns.

Zu erkennen, dass das, was wir im Außen wahrnehmen, nur ein Spiegel unseres Innersten ist, ist der erste Schritt zu erkennen, dass das, was scheinbar außerhalb von uns erscheint, nur ein Gedanke in unserem Geist ist. Aber es ist nicht die Vergebung an sich. Vergebung übersieht die Illusion vollständig. Wir sind weder unser Gegenüber, noch sind wir unsere eigene Person, wir sind reiner Geist jenseits der Illusion dieser Welt.

Wenn wir beispielsweise in unserem Gegenüber Hass oder Gier wahrnehmen, so erkennen wie im ersten Schritt unseren eigenen Hass, unsere eigene Gier. Vergebung aber bedeutet die totale Befreiung von der Wahrnehmung, bedeutet zu erkennen, dass Hass oder Gier selbst eine Illusion sind. Diese Befreiung können wir allerdings nicht selber machen, sie geschieht durch den HEILIGEN GEIST, wenn wir ihn um die Erlösung aus der falschen Wahrnehmung bitten.

Die Vergebung nimmt wahr, dass das, wovon du dachtest, dein Bruder habe es dir angetan, nicht geschehen ist. Sie verzeiht keine Sünden und macht sie nicht wirklich. Sie sieht, dass es keine Sünde gab. Und in dieser Sicht sind alle deine Sünden dir vergeben. Was ist Sünde außer einer falschen Idee über GOTTES SOHN? Die Vergebung sieht einfach ihre Falschheit und lässt sie deshalb los. Was dann frei ist, ihren Platz einzunehmen, das ist der WILLE GOTTES.

Ein unversöhnlicher Gedanke ist ein Gedanke, der ein Urteil fällt, das er nicht in Zweifel zieht, auch wenn es nicht wahr ist.

Derjenige, der nicht vergeben will, muss urteilen, denn er muss sein Versagen, zu vergeben, rechtfertigen.


(EKIW: Lektionen Teil II, Einleitung, 1. 1-4.)

"Du könntest deine »bösen« Gedanken so lange nicht wahrnehmen, wie du einen Wert im Angriff siehst. Manchmal wirst du sie wahrnehmen, doch wirst du sie nicht als bedeutungslos sehen. Und so kommen sie in Furcht erregender Form, mit noch verborgenem Inhalt, um dein jämmerliches Konzept deiner selbst zu erschüttern und es mit einem weiteren »Verbrechen« noch zu schwärzen. Deine Unschuld kannst du dir nicht selber geben, denn du bist bezüglich deiner selbst zu verwirrt. Sollte jedoch ein Bruder deiner Sicht als der Vergebung gänzlich wert aufdämmern, dann wird dein Konzept deiner selbst gänzlich verändert. Deine »bösen« Gedanken sind vergeben mit den seinen, weil du dich von ihnen allen nicht berühren ließest. Du wählst nicht länger, das Symbol des Bösen und der Schuld in ihm zu sein. Und indem du dein Vertrauen dem schenkst, was gut in ihm ist, schenkst du es dem Guten in dir."
(EKIW: Kapitel 31, VII. 2.)

Dass Ego hält es nicht für möglich, dass die Liebe, nicht die Angst, in Wirklichkeit von der Sünde angerufen wird und dass sie immer Antwort gibt. Das Ego überbringt die Sünde nämlich der Angst und fordert Strafe. Strafe ist jedoch nur eine weitere Form des Schutzes für die Schuld, denn das, was Strafe verdient, muss wirklich getan worden sein. Die Strafe ist immer der große Erhalter der Sünde, der sie mit Respekt behandelt und ihre Ungeheuerlichkeit ehrt. Was bestraft werden muss, muss wahr sein. Und das, was wahr ist, muss ewig sein und wird endlos wiederholt. Denn das, wovon du denkst, es sei wirklich, das willst du, und du wirst es nicht loslassen.
(EKIW: Kapitel 19, III. 2.)

* * *

Wie wir einem Täter vergeben können und wie dies zur eigenen Freiheit führt, hat uns Natascha Kampusch gezeigt, auch wenn sie selbst häufig missverstanden und danach stark angefeindet wurde. Aber genau diese Anfeindungen zeigen uns, dass sich das Ego massiv gegen Vergebung wehrt und wie schwer es ihm fehlt, die Idee der Schuld und damit die Idee der Strafe aufzugeben.

Natascha Kampusch beschreibt in ihrer Autobiografie, mit dem Titel 3096 Tage, wunder-voll wie sie ihrem Täter vergeben hat und das trotz der grausamen Behandlung während ihrer mehr als acht Jahre dauernden Gefangenschaft. Ein paar Zitate aus ihrem Buch:

Entführt zu werden war in meinen kindlichen Augen eine realistische Möglichkeit aber im tiefsten Inneren doch etwas, das im Fernsehen stattfand. Und nicht in meiner Nachbarschaft. Als ich mich dem Mann bis auf etwa zwei Meter genähert hatte, sah er mir in die Augen. In diesem Moment schwand meine Angst. Er hatte blaue Augen und wirkte mit seinen etwas zu langen Haaren wie ein Student in einem alten Fernsehfilm aus den 1970er Jahren. Sein Blick ging auf seltsame Weise ins Leere. Das ist ein armer Mann, dachte ich, denn er strahlte so etwas Schutzbedürftiges aus, dass ich den spontanen Wunsch hatte, ihm zu helfen.
...
Was eben noch außerhalb des Denkbaren erschien, war nun eine Tatsache: Ich war im Keller eines Verbrechers eingesperrt, und ich würde zumindest an diesem Tag nicht mehr freikommen. Ein Ruck ging durch meine Welt, die Realität verschob sich um ein kleines Stück. Ich akzeptierte, was passiert war, und anstatt verzweifelt und empört gegen die neue Situation anzukämpfen, fügte ich mich.
...
Als der Täter später [am ersten Tag] noch einmal ins Verlies kam, bat ich ihn, bei mir zu bleiben, mich ordentlich ins Bett zu bringen und mir eine Gute-Nacht-Geschichte zu erzählen. Ich wünschte mir von ihm sogar einen Gute-Nacht-Kuss, wie meine Mutter ihn mir gab, bevor sie leise die Tür zu meinem Kinderzimmer hinter sich zuzog. Alles, um die Illusion der Normalität zu wahren. Und er spielte mit. Aus meiner Schultasche, die er irgendwo vor dem Verlies abgestellt hatte, holte er ein Leseheft mit Märchen und kleinen Geschichten, legte mich auf die Matratze, deckte mich mit einer dünnen Decke zu und setzte sich auf den Boden. Dann begann er zu lesen: »Die Prinzessin auf der Erbse«. Anfangs geriet er immer wieder ins Stocken, es wirkte beinahe schüchtern, wie er mit leiser Stimme vom Prinzen und der Prinzessin erzählte. Am Ende gab er mir einen Kuss auf die Stirn.


Im Kurs steht geschrieben:

Der HEILIGE GEIST kann Sünde nicht bestrafen. Fehler sieht ER und möchte sie alle berichtigen, wie GOTT IHM auftrug, es zu tun. Die Sünde aber kennt ER nicht, noch kann ER Fehler sehen, die nicht berichtigt werden können. Denn ein Fehler, der nicht berichtigt werden kann, ist für IHN bedeutungslos. Fehler sind da, um berichtigt zu werden, und sie verlangen nach nichts anderem. Was nach Strafe verlangt, muss nach nichts verlangen. Jeder Fehler muss ein Ruf nach Liebe sein. Was also ist die Sünde? Was könnte sie anderes sein als ein Fehler, den du versteckt halten, ein Ruf nach Hilfe, den du ungehört und somit unbeantwortet lassen möchtest?
(EKIW: Kapitel 19, III. 4.)

Natascha Kampusch schreibt in ihrem Buch folgendes:

Für mich war das ein Schlüsselerlebnis, auch wenn mir das damals vielleicht nicht so klar gewesen ist. Ich hatte Stärke gezeigt, und der Täter hatte sich zurückgezogen. ... Übrig geblieben war ein Mensch, der eine böse Tat begangen hatte, von dessen Gemütsverfassungen ich existentiell abhängig war, der aber in gewisser Weise auch von mir abhängig war. Es fiel mir in den folgenden Wochen und Monaten leichter, mit ihm umzugehen, wenn ich ihn mir als armes ungeliebtes Kind vorstellte. ... Aus heutiger Sicht war es ein überlebenswichtiger Schutzmechanismus, dass ich versuchte, den Täter als Menschen zu sehen, der nicht von Grund auf böse war, sondern der es erst im Laufe seines Lebens geworden war. Das relativierte keineswegs die Tat an sich, aber es half mir, ihm zu verzeihen. Indem ich mir einerseits vorstellte, dass er vielleicht als Waisenkind im Heim schreckliche Erfahrungen gemacht hatte, unter denen er heute noch litt. Und indem ich mir andererseits immer wieder sagte, dass er sicher auch seine guten Seiten hatte. Dass er mir meine Wünsche erfüllte, mir Süßigkeiten brachte, mich versorgte. Ich denke, dies war in meiner völligen Abhängigkeit die einzige Möglichkeit, die lebenswichtige Beziehung zum Täter aufrechtzuerhalten. Wäre ich ihm ausschließlich mit Hass begegnet, hätte mich dieser Hass so zerfressen, dass ich nicht mehr die Kraft gehabt hätte, zu überleben. Weil ich in jenem Augenblick hinter der Maske des Täters den kleinen, fehlgeleiteten und schwachen Menschen erkennen konnte, war ich in der Lage, auf ihn zuzugehen. Und es gab auch tatsächlich den Moment, in dem ich ihm das mitteilte. Ich sah ihn an und sagte: »Ich verzeihe dir, weil jeder einmal Fehler macht.«

Frank Piekert - Forgiveness (Music Video)

"Du, der du dich gelehrt hast, GOTTES SOHN sei schuldig, sag nicht,
du könntest die einfachen Dinge nicht erlernen, die dich die Erlösung lehrt!
"
(EKIW: Kapitel 31, I. 4. 6.)



Krieg und Frieden

Zu Beginn ein paar Zitate des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi. Sein Werk „Krieg und Frieden“ gilt als eines der bedeutendsten Werke der Weltliteratur und wurde mehrfach verfilmt. Die Sinnsuche Leo Tolstois erstreckte sich auf weite Bereiche. So verzichtete er auf Rauchen, Alkohol und die Jagd. Er ernährte sich vegetarisch und erklärte, der Mensch müsse die Fleischnahrung aufgeben, wenn er sich moralisch weiterentwickeln wolle.

Er hatte eine starke Abneigung gegenüber der ihm begegnenden rituellen Form der Religiosität in den vorherrschenden Kirchen. Dieser und auch der in westlichen Kirchen praktizierten, den Kriegsdienst bejahenden Glaubensausübung, stellte er die schlichten Lehren Jesu gegenüber. Hierzu übersetzte er die Evangelien erneut ins Russische. Als deren Kern betonte er dabei die Nächstenliebe sowie den Appell, dem Bösen ohne Gewalt zu widerstehen.

„Alle denken nur darüber nach, wie man die Menschheit ändern könnte,
doch niemand denkt daran, sich selbst zu ändern.“

„Es ist jedoch für einen Unzufriedenen schwer, einem anderen, und namentlich dem,
der ihm am nächsten steht, keine Schuld an seiner Unzufriedenheit zuzuschreiben.“

„Das Leben lieben, heißt: Gott lieben.“

Leo Tolstoi hat das Wesen von Krieg und Frieden genau erforscht und viel Wahres erkannt. Er hat aber die Ebene der Form nicht verlassen, Frieden war für ihn immer noch das Gegenteil von Krieg. Er wollte seine Mitmenschen vom Frieden überzeugen, weil er ihn in sich selbst noch nicht gefunden hatte. Der Frieden GOTTES ist ein Zustand der nicht das Gegenteil von Krieg ist, sondern ein Zustand jenseits der Dualität dieser Welt - ein Zustand den wir aber hier auf Erden erreichen können.

Fighting for peace is like fucking for virginity.

Jeder Kampf für den Frieden ist lediglich eine Projektion unseres eigenen Unfriedens - in die Welt da draußen - von der wir uns als getrennt erleben. Auch innerhalb der Flower-Power-Kommunen kam es immer wieder vor, dass der eigene Krieg im Herzen der Kommunenmitglieder in die Welt außerhalb projiziert wurde.

1981 trat Bhagwan nach einer Krankheit in eine Phase des Schweigens ein und Sheela wurde Leiterin der Kommune in Oregon. Sheela führte zusammen mit ihrem weiblichen Zirkel die Kommune autoritär. Im Laufe der Zeit gab es immer mehr Konflikte mit der umliegenden Gesellschaft und es wurden Anschläge geplant und teilweise auch ausgeführt. Sheela führte die Religion Rajneeshismus ein und begann sich als Hohepriesterin zu kleiden. Die Wachen in der Kommune trugen Uniformen die jenen der Nationalsozialisten unter Hitler verblüffend ähnlich sahen.

Wir können gegen einen Krieg ankämpfen, werden aber dadurch niemals Frieden erlangen, oder wir können uns von diesem illusionären Spektakel nicht beeindrucken lassen und selbst dieses Geschehen nutzen, um uns der Liebe zuzuwenden. Darum geht es auch in der berühmten Bhagavad Gita („Gottes Gesang“) - einem spirituellen Lehrgespräch am Vorabend eines verheerenden Krieges. Krishnas Antwort auf Arjunas Verzweiflung vor dem Krieg lautet folgendermaßen:

"Du versuchst zwar wie ein Weiser zu sprechen, doch weinst du um jene, um die du nicht weinen solltest. Wirklich weise Menschen weinen weder um die Toten noch um die Lebenden. Denn nie war eine Zeit, in der ich nicht war noch du, noch irgendeiner dieser Könige. Und keine Zeit wird je kommen, da wir aufhören zu sein.

Was Friede wirklich bedeutet beschreibt der Kurs folgendermaßen:

"Erstens, wie kann der Friede GOTTES erkannt werden? Der Friede GOTTES wird zuerst nur durch eines erkannt: Er ist in jeder Weise total anders als alle vorhergehenden Erfahrungen. Er erinnert an nichts, was vorher war. Er bringt keine vergangenen Assoziationen mit sich. Er ist etwas völlig Neues. Es gibt zwar einen Kontrast zwischen ihm und der ganzen Vergangenheit. Doch sonderbarerweise ist es kein Kontrast von wahren Unterschieden. Die Vergangenheit entgleitet einfach, und an ihrer Stelle ist immerwährende Stille. Nur das. Der anfangs wahrgenommene Kontrast ist lediglich vergangen. Stille hat sich ausgedehnt, um alles zu bedecken."
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 20. 2.)

"Finde die Stille in Dir"
(Eckhart Tolle)

Selbst Mahatma Gandhi war sich bewusst, das sein gewaltloser, politischer Kampf für die Befreiung Indiens, noch nicht der Frieden ist, indem Ramana Maharshi ruhte. Obwohl Gandhi und Ramana Maharshi in der gleichen Zeit lebten, sind sie sich trotz mehrerer Versuche nie begegnet. Gandhiji soll sogar dreimal erfolglos versucht haben, den Heiligen während seines Besuchs in Tamil Nadu zu treffen.

Ein Journalist fragte einst Mahatma Gandhi:
“Mister Gandhi, are you a saint trying to become a politician?”
Mahatma Gandhi antwortete:
“No, I am a politician trying to become a saint.”

Die Aussage mancher spiritueller Lehrer „bewahre deinen inneren Frieden im Angesicht eines Krieges" ist keine Aussage im Sinne des Kurses. Die WAHRHEIT kennt keine Trennung und daher ist es nicht möglich, dass in uns Frieden herrscht, während außerhalb von uns Krieg herrscht. Dies ist ein Widerspruch in sich. Wenn wir wirklich im Frieden GOTTES weilen, gibt es keinen Krieg.

Was das Ego hingegen als “Frieden” bezeichnet ist nicht wirklich Frieden, sondern lediglich eine Erholungsphase zwischen den Phasen die es Krieg nennt. Es handelt sich dabei um eine Wellenbewegung der Aufladung und der Entladung, die sich als Entwicklung und Zerstörung zeigt. Seit es Gesellschaft gibt, atmet sie in dualen Wellen von Aufladung und Entladung, Zeiten von Krieg und scheinbarem Frieden.

Wir befinden uns zurzeit im Krieg, in einer Entladungsphase. Dieser Krieg wird im europäischen und US-amerikanischen Kulturkreis zurzeit nur anders geführt. Überall und besonders in den sozialen Medien wird überdimensional Hass entladen. Der Hass der Wutbürger auf den Staat, der Hass auf „die da oben“, auf die „Mächtigen“, der Hass mancher Esoteriker auf die angeblich jüdische Finanzelite, der Hass der Umweltaktivisten auf die angeblichen Umweltverschmutzer, der Hass der Inländer auf Migranten, der Hass auf die Hater (engl. für „Hasser“, ein Subkultur-Phänomen). Der Hass der Frauen auf die Männer scheint nicht nur gerechtfertigt zu sein, sondern sogar ein Gebot der Stunde, wie Pauline Harmange in ihrem 2020 erschienenen und sehr erfolgreichen Buch “Ich hasse Männer” meint.

Wie stark wir zurzeit im Hass gefangen sind, wie stark wir somit in der Illusion der Trennung gefangen sind, und wie schon unsere Kinder davon infiziert sind, zeigt folgendes Beispiel. Dieses Beispiel ist ein wunderbares Symbol dafür, dass Hass immer gleich Selbsthass ist, weil Trennung eine Illusion ist:

Ein 13-jähriges Mädchen erhielt im Herbst 2020 plötzlich mehrere Hassnachrichten über die Social-Media-Plattform Instagram. Die Nachrichten wurden alle von offensichtlich erkennbaren Fake-Accounts gesendet. In den Nachrichten wurde das Mädchen beschimpft, beleidigt und sogar eine Vergewaltigung und der Tod wurden ihr angedroht. Einige dieser Nachrichten waren mit einem Namen unterzeichnet. Dadurch fiel der Verdacht sofort auf eine Mitschülerin des Mädchens, die genau diesen Namen hatte.

Die Mutter des betroffenen Mädchens brachte die Vorfälle zur Anzeige, und es wurde publik, dass eine Klassenkameradin mit Migrationshintergrund als Verfasserin der Nachrichten angenommen werde. Das beschuldigte Mädchen wurde vor der gesamten Klasse von einer Lehrerin bloßgestellt und daraufhin für vier Wochen von der Schule suspendiert. Erst nach umfangreicher Intervention habe die Schülerin wieder am Onlineunterricht teilnehmen dürfen. Allerdings in einer anderen Klasse.

Der Vorfall machte in der Schule die Runde - und die Familie des beschuldigten Mädchens wurde bedroht, Unbekannte hätten vor der Haustüre randaliert und sogar eine Matratze angezündet. Die noch jüngeren Geschwister seien sogar von Autos verfolgt worden.

Das Mädchen stritt die Vorwürfe gegen sie ab, woraufhin die Staatsanwaltschaft eine Hausdurchsuchung in der Wohnung der Familie durchführte. Dabei wurden elektronische Geräte beschlagnahmt, doch auf keinem der Geräte konnten irgendwelche Hinweise festgestellt werden. Die Staatsanwaltschaft forderte daraufhin von verschiedenen Mobilfunkbetreibern und der Social-Media-Plattform Instagram IP-Adressen sowie Stamm- und Zugangsdaten der Fake-Accounts, von denen die Nachrichten geschrieben wurden, an.

Und was dabei herauskam, war kaum zu glauben. So gut wie alle IP-Adressen, von denen die Hassnachrichten gesendet wurden, kamen vom Internetanschluss des vermeintlichen Opfers. Bei einer anschließend durchgeführten Hausdurchsuchung wurden zwei Smartphones gefunden, die beide dem 13-jährigen Mädchen gehörten. Auf einem der beiden Smartphones wurden die gesendeten Hassnachrichten gefunden. Für die Staatsanwaltschaft war somit klar, dass das Mädchen die Hassnachrichten selbst geschrieben hatte und die Straftaten ihrer Klassenkameradin in die Schuhe schieben wollte.

Auch wenn Hass in allen Religionen und spirituellen Richtungen schon immer als Irrweg erkannt wurde, herrscht zurzeit eine Stimmung, in der die "Guten" die "Bösen" hassen dürfen, und zwar mit gutem Gewissen. Die Logik dahinter ist ganz simpel: Wir sind die Guten, die Anderen sind die Bösen.

"Sei ehrlich: Fällt es dir nicht schwerer zu sagen: »Ich liebe« als: »Ich hasse«? Du assoziierst Liebe mit Schwäche und Hass mit Stärke, und deine eigene wirkliche Macht erscheint dir als deine wirkliche Schwäche. Denn du könntest deine freudige Reaktion auf den Ruf der Liebe nicht kontrollieren, wenn du ihn hörtest, und die ganze Welt, die du gemacht zu haben glaubtest, würde verschwinden. Der HEILIGE GEIST scheint also deine Festung anzugreifen, denn du möchtest GOTT ausschließen, und ER will nicht ausgeschlossen werden.”
(EKIW: Kapitel 13, III. 3.)

Wirklicher Frieden ist in der Welt nicht zu finden,
denn wirklicher Frieden ist das Ende der Welt.

Wir haben die Wahl, richten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Illusion - auf die Stimme der Angst - oder richten wir unsere Aufmerksamkeit auf die WAHRHEIT - die Stimme der LIEBE - völlig unabhängig von scheinbar äußeren Umständen. Betrachten wir beispielsweise einen „Kriegsschauplatz“. Wir können hier verheerende Explosionen sehen, sterbende Menschen, Angriff, Zerstörung und Tod, oder wir können sehen, wie ein Soldat sein Leben riskiert, um einen verletzten Kameraden aus der Schusslinie zu bringen und damit einen Akt der Liebe. Wir können sehen, wie eine Mutter ihre Arme schützend um ihre Kinder hält und sie in den nächsten Luftschutzkeller bringt - wir sehen die Liebe einer Mutter zu ihren Kindern. Wir können sehen, wie die Menschen im Luftschutzkeller ihre mitgebrachten Vorräte teilen - wir sehen Nächstenliebe. Große Katastrophen sind immer großartige Möglichkeiten zu lieben. Wir können also Liebe sehen, oder den Ruf nach Liebe - und keinen Krieg. Es geht nicht darum, Positives an einem Krieg zu sehen, sondern darum, an der Illusion Krieg vorbei, auf die Wirklichkeit Liebe, zu sehen.

* * *

Etty Hillesum (1914- 1943) war eine niederländisch-jüdische Intellektuelle. Im Mai 1940 wurden die Niederlande und Belgien von der deutschen Wehrmacht überfallen. Im März 1941 begann sie eine Psychotherapie und begann ein Tagebuch zu schreiben. Ihre postum veröffentlichten Tagebücher aus den Jahren 1941–1943 machten sie international bekannt.

Die Beziehung zu ihrem Therapeuten Julius Spier nahm über die Therapie hinaus die Form einer Freundschaft, einer spirituellen Lehrer-Schülerin-Beziehung und schließlich auch einer Liebesbeziehung an. Er machte ihr auch Lektürevorschläge. Hillesum war von Jugend an literarisch und philosophisch belesen. Sie war einerseits besonders vertraut mit der russischen Literatur, vor allem mit Dostojewski, andererseits auch mit Rilke. Spier schlug ihr vor, die Bibel, Augustinus, Thomas a Kempis, Meister Eckart, aber auch C.G. Jung zu lesen.

Der Verstand genügte ihr bald nicht mehr, um die Fragen an Welt und Leben, die sich ihr stellten, zu beantworten. Es ergab sich, dass sie - fast unbewusst - Zugang zu ihren kontemplativen Fähigkeiten bekam. Sie ließ sich von dem, was sie zuvor lediglich rational zu analysieren versucht hatte, emotional und spirituell berühren. In den von ihr scherzhaft „buddhistische Viertelstunde“ genannten Phasen des in sich Hineinhorchens versuchte sie jeden Morgen, ihren Kopf von allem Überflüssigen und Zerstreuenden zu befreien und in ihrem Inneren „weite leere Flächen“ entstehen zu lassen, so dass sie zum Transzendentem Kontakt aufnehmen konnte.

Ausgehend von ihren Bildern innerer „Seelenlandschaften“, wendete sie sich dem zu, was sie das „Allertiefste und Allerreichste“ in sich nannte, und dem sie schließlich den Namen „Gott“ gab. Es drückte sich aus in ihrer Verbundenheit mit Spier, mit ihren Mitmenschen, mit allen Menschen, mit der ganzen Welt. Mit dem Allertiefsten in sich, mit Gott, trat sie in einen „inneren Dialog“. Sie begann, in ihren Tagebüchern Gott direkt anzusprechen. Sie sprach von ihrer Liebe zum Leben, trotz der zunehmenden Verfolgung. Im Lauf der Entwicklung ihres Glaubens begann sie zu beten.

Zunehmend suchte sie, selbst in der verzweifelten und chaotischen Situation im Lager Westerbork, inneren Rückzug und Stille. Dies bedeutete für sie, ganz im Augenblick zu sein, der ihr heilig erschien und in dem immer wieder der Raum entstand für ihre tiefe Dankbarkeit für das Leben und für ihre Überzeugung, dass trotz allem das Leben schön und sinnvoll sei. Gleichzeitig strebte sie immer größere Einfachheit an. Sie war überzeugt, dass sie selbst Worte schließlich hinter sich lassen und sich nur noch auf das Sein konzentrieren würde.

Am 7. September 1943 wurde sie gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem Bruder Mischa vom Durchgangslager Westerbor in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Kurz nach der Abfahrt hatte sie eine Postkarte aus dem Zug geworfen, die von Bauern gefunden und abgeschickt wurde. Auf der Postkarte schrieb sie:

"Ich schlage die Bibel an einer willkürlichen Stelle auf und finde: Der Herr ist meine starke Burg. Ich sitze mitten in einem überfüllten Güterwagen auf meinem Rucksack. Vater, Mutter und Mischa sitzen einige Waggons entfernt. Die Abfahrt kam doch noch recht unerwartet. Ein plötzlicher Befehl für uns aus Den Haag. Singend haben wir dieses Lager verlassen, Vater und Mutter sind tapfer und ruhig. Mischa ebenfalls. Wir werden drei Tage auf der Reise sein ... Auf Wiedersehen von uns vieren. Etty."

1943 schrieb sie im KZ Auschwitz-Birkenau folgende Zeilen in Ihr Tagebuch:

"Mir kann man nicht so leicht Angst machen. Nicht weil ich tapfer wäre, sondern weil ich weiß, dass ich es mit menschlichen Wesen zu tun habe und dass ich so intensiv wie nur möglich versuchen muss, alles was ein jeder tut zu verstehen Und darum ging es genau heute morgen: Es war nicht wichtig, dass ich von einem missmutigen Gestapo-Offizier angeschrien wurde, sondern dass ich darüber keine Entrüstung empfand und stattdessen echtes Mitgefühl mit ihm hatte. Ich hätte ihn gerne gefragt: "Hatten sie eine sehr unglückliche Kindheit, hat ihre Freundin sie im Stich gelassen?" Ja, er sah mitgenommen und angespannt aus, finster und dünnhäutig. Am liebsten hätte ich ihn gleich in psychologische Behandlung genommen, denn ich weiß, dass solch bedauernswerte junge Männer gefährlich werden, wenn man sie auf die Menschheit loslässt."

Als Todesdatum von Etty Hillesum wurde vom Roten Kreuz der 30. November 1943 angegeben.

* * *

Am 02.11.20, dem letzten Abend vor einer Corona-bedingten nächtlichen Ausgangssperre, erschoss ein 20-jähriger Attentäter in der Wiener Innenstadt mehrere Menschen. Was es bedeutet seine Aufmerksamkeit, auch in einer solchen Situation, auf die Liebe zu richten, haben unzählige Kommentare in den sozialen Medien gezeigt:

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Besonders deutlich kommt die Ausrichtung auf die Liebe im Nachruf der Schwester, einer der getöteten Frauen, zum Ausdruck. Der Nachruf wurde am 06.11.20 in einer österreichischen Tageszeitung veröffentlicht. Hier ein Ausschnitt daraus:

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* * *

"Die wirkliche Welt birgt ein Gegenstück für jeden unglücklichen Gedanken, der in deiner Welt gespiegelt wird, eine sichere Berichtigung für die Anblicke der Angst und für das Schlachtgetöse, die deine Welt enthält. Die wirkliche Welt zeigt eine Welt, die anders gesehen wird, mit ruhigen Augen und mit einem Geist, der in Frieden ist. Dort ist nichts als Ruhe. Keine Schreie des Schmerzes und des Kummers sind zu hören, denn dort bleibt nichts außerhalb der Vergebung. Und die Anblicke sind sanft. Nur glückliche Anblicke und Geräusche können den Geist erreichen, der sich selbst vergeben hat."
(EKIW: Lektion 290/291, 8. 2.)

Vergesslichkeit und Schlaf bis hin zum Tod werden zum besten Rat des Ego, um mit dem wahrgenommenen harschen Eindringen der Schuld in den Frieden einzugehen. Doch niemand sieht sich in Konflikt und von einem grausamen Krieg verwüstet, wenn er nicht glaubt, dass beide Gegner in dem Krieg wirklich sind. Weil er das glaubt, muss er entrinnen, denn ein solcher Krieg würde seinem Geistesfrieden sicherlich ein Ende setzen und ihn so zerstören. Wenn er doch bloß begreifen könnte, dass es ein Krieg zwischen wirklichen und unwirklichen Mächten ist, könnte er auf sich selber schauen und seine Freiheit sehen. Niemand hält sich für verwüstet und geschunden in endlosen Schlachten, wenn er selbst sie als gänzlich bedeutungslos wahrnimmt.

GOTT möchte nicht, dass SEIN SOHN sich zum Kampfe rüstet, und deshalb ist der eingebildete »Feind« SEINES SOHNES total unwirklich. Du versuchst nur, einem bitteren Kriege zu entrinnen, dem du schon längst entronnen bist. Der Krieg ist nicht mehr da. Denn du hast den Lobgesang der Freiheit in den HIMMEL steigen hören. Freude und Frohlocken über deine Befreiung stehen GOTT zu, denn du hast sie nicht gemacht. Doch ebenso wie du die Freiheit nicht gemacht hast, hast du auch keinen Krieg gemacht, der die Freiheit gefährden könnte. Nichts Zerstörerisches war je oder wird je sein. Der Krieg, die Schuld und die Vergangenheit sind als eins in die Unwirklichkeit fortgegangen, aus der sie kamen.

(EKIW: Kapitel 13, XI. 1.-2.)

Bruder, der Krieg gegen dich selbst ist fast vorüber. Die Reise endet an dem Ort des Friedens. Möchtest du nicht jetzt den Frieden akzeptieren, der dir hier angeboten wird? Dieser »Feind«, den du als einen Eindringling in deinen Frieden bekämpft hast, wird hier vor deinen Augen in denjenigen verwandelt, der dir deinen Frieden gibt. Dein »Feind« war GOTT SELBST, DEM aller Konflikt, Triumph und Angriff jeder Art unbekannt ist. ER liebt dich vollkommen, vollständig und auf immer. Der GOTTESSOHN im Krieg mit seinem SCHÖPFER ist ein Zustand, so lächerlich, als brüllte die Natur wütend den Wind an und verkündete, er sei nicht länger Teil von ihr. Wäre es denn möglich, dass die Natur dies festlegen und wahr machen könnte? Ebenso wenig liegt es bei dir, zu sagen, was Teil von dir sein soll und was getrennt gehalten wird.

Der Krieg gegen dich selbst ist unternommen werden, um den GOTTESSOHN zu lehren, dass er nicht er selbst ist und nicht der SOHN seines VATERS. Dazu muss die Erinnerung an seinen VATER in Vergessenheit geraten. Sie ist vergessen in des Körpers Leben, und wenn du denkst, du seist ein Körper, wirst du auch glauben, dass du sie vergessen hast. Die Wahrheit aber kann sich selber nie vergessen, und du hast nicht vergessen, was du bist. Nur eine sonderbare Illusion von dir, ein Wunsch, aber das zu triumphieren, was du bist, erinnert sich nicht daran.

Der Krieg gegen dich selbst ist nichts als eine Schlacht zwischen zwei Illusionen, die darum kämpfen, sich voneinander zu unterscheiden, im Glauben, dass diejenige wahr sein wird, welche die andere bezwingt. Es gibt keinen Konflikt zwischen ihnen und der Wahrheit. Auch sind sie voneinander nicht verschieden. Beide sind nicht wahr. Und deshalb spielt es keine Rolle, welche Form sie annehmen. Was sie gemacht hat, ist wahnsinnig, und sie bleiben Teil dessen, das sie gemacht hat. Verrücktheit stellt keine Bedrohung für die Wirklichkeit dar und hat keinen Einfluss auf sie. Illusionen können nicht über die Wahrheit triumphieren, noch können sie sie irgendwie bedrohen. Und die Wirklichkeit, die sie verleugnen, ist kein Teil von ihnen.

Das, woran du dich erinnerst, ist ein Teil von dir. Denn du musst sein, wie GOTT dich schuf. Die Wahrheit kämpft nicht gegen Illusionen, noch kämpfen Illusionen gegen die Wahrheit. Illusionen kämpfen nur gegen sich selbst. Da sie fragmentiert sind, fragmentieren sie. Die Wahrheit jedoch ist unteilbar und liegt weit jenseits ihrer kleinen Reichweite. Du wirst dich an das, was du weist, erinnern, wenn du gelernt hast, dass du gar nicht in Konflikt sein kannst. Eine Illusion, die du über dich hegst, kann eine andere bekämpfen, doch ist der Krieg zwischen zwei Illusionen ein Zustand, in dem nichts geschieht. Da gibt es keinen Sieger, und es gibt keinen Sieg. Und die Wahrheit steht strahlend da, abseits des Konflikts, unberührt und still im Frieden GOTTES.

(EKIW: Kapitel 23, I. 4.-7.)


Let it be (Lass es geschehen)

When I find myself in times of trouble, Mother Mary comes to me
Speaking words of wisdom, let it be
And in my hour of darkness she is standing right in front of me
Speaking words of wisdom, let it be
Let it be, let it be, let it be, let it be
Whisper words of wisdom, let it be

And when the broken hearted people living in the world agree
There will be an answer, let it be
For though they may be parted, there is still a chance that they will see
There will be an answer, let it be
Let it be, let it be, let it be, let it be
There will be an answer, let it be
Let it be, let it be, let it be, let it be
Whisper words of wisdom, let it be
Let it be, let it be, let it be, let it be
Whisper words of wisdom, let it be

And when the night is cloudy there is still a light that shines on me
Shine until tomorrow, let it be
I wake up to the sound of music, Mother Mary comes to me
Speaking words of wisdom, let it be
Let it be, let it be, let it be, yeah, let it be
There will be an answer, let it be
Let it be, let it be, let it be, yeah, let it be
Whisper words of wisdom, let it be

(Paul McCartney, 1969)



Liebe

Bei Amazon finden sich einige hunderttausend Filme, Lieder und Bücher zum Thema Liebe. Es finden sich Songs wie „Ich liebe nur dich“, „Dich für immer“, „Beweg Dich mit Mir“, „Ohne Dich (schlaf' ich heut Nacht nicht ein)“, „Ein Lied auf Dich“, „Only You“, „For You“, „I Was Made For Lovin' You“, „I Need Your Loving“, „Lose You To Love Me“, „Crazy to Love You“, „Nothing Left to Love“. Es geht dabei fast immer um die Liebe zwischen zwei ganz bestimmten Personen - zwei ganz bestimmten Körpern.

"Love, love will tear us apart again" sangen Joy Division 1980. Die ”Liebe” des Egos ist sogar in der Lage zwei Menschen auseinander zu reißen.

In „Reality“ von Richard Sanderson heißt es: “Dreams are my reality, the only kind of real fantasy, Illusions are a common thing, I try to live in dreams, It seems as if it's meant to be
Von Macy Gray stammt ein Lied mit dem Titel "Gimme All Your Lovin' or I Will Kill You".
Was sind das für eigenartige Vorstellungen von Liebe?

Diese beiden Lieder beschreiben auf wunderbare Weise, in wenigen Worten, die Welt des Egos:
Die Welt des Egos ist ein Traum und diesen Traum versucht es mit aller Macht am Leben zu erhalten. Illusionen sind für das Ego die Normalität. Liebe ist für das Ego etwas, dass es von anderen Menschen bekommen will und dafür ist es bereit zu töten. Die Geschichte ist voll von Morden aus “Liebe” und Eifersucht. Bestenfalls ist es bereit einen Tauschhandel abzuschließen, nach dem Motto: Wenn du mich liebst, dann liebe ich dich auch und wenn du mich eines Tages nicht mehr liebst, dann hasse ich dich dafür. Das Ego glaubt, als Folge seiner dualistischen Sicht der Welt, Hass sei das Gegenteil von Liebe.

"Der Kern der Trennungsillusion liegt einfach in der Phantasie von der Zerstörung der Bedeutung der Liebe. Und solange die Bedeutung der Liebe dir nicht zurückerstattet ist, kannst du, der du ihre Bedeutung teilst, dich nicht erkennen. Die Trennung ist nur die Entscheidung, dich selbst nicht zu erkennen. Dieses gesamte Denksystem ist eine sorgfältig ausgeklügelte Lernerfahrung, dazu bestimmt, von der Wahrheit weg und in die Phantasie hineinzuführen. Doch für jegliches Lernen, das dich verletzt, bietet dir GOTT Berichtigung und vollständiges Entrinnen aus allen seinen Folgen an."
(EKIW: Kapitel 16, V. 15.)

Seit Jahrtausenden erzählen wir uns immer das gleiche Ego-Drama - von dem - was wir „Liebe“ nennen und ergötzen uns daran. In berühmten Opern, wie Carmen und Tosca, geht es um nichts anderes, als um jenes todbringende Drama, das wir in völliger Verblendung „Liebe“ nennen.

Was das Ego als Liebe bezeichnet, ist ein Handel, im besten Fall eine Win-Win-Situation, in der jeder etwas davon hat. Liebe wird verwechselt mit dem Bedürfnis nach Sicherheit, Harmonie, Anerkennung, Wertschätzung und Zugehörigkeitsgefühl. Aus dieser Vorstellung heraus entstehen dann Sätze wie „Ohne Dich schlaf' ich heut Nacht nicht ein“ oder „I Need Your Loving“.


I Want to Know What Love Is

I gotta take a little time
A little time to think things over
I better read between the lines
In case I need it when I'm older

In my life there's been heartache and pain
I don't know if I can face it again
Can't stop now, I've traveled so far
To change this lonely life

I wanna know what love is
I want you to show me
I wanna feel what love is
I know you can show me

(Mick Jones, 1984)


Erich Fromm schrieb in seinem 1956 erschienenen Klassiker "Die Kunst des Liebens" folgendes:

"Die Liebe ist etwas, das man in sich entwickelt,
nicht etwas, dem man verfällt."

Im Alten Testament steht geschrieben:

"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!"
(3. Mose 19,18)

Im Thomasevangelium, Logion 25, 1&2 heißt es:

Jesus spricht:
„Liebe deinen Bruder wie dein Leben!
Behüte ihn wie deinen Augapfel!“

Es besteht offensichtlich ein entscheidender Unterschied zwischen diesen Aussagen und den Aussagen der meisten Liebeslieder und Liebesromane.

Seit Jahrtausenden verweisen spirituelle Lehrer aus allen Kulturen, Religionen und spirituellen Richtungen auf jene Liebe, die über die besondere Person hinausgeht. Vom persischen Sufi-Mystiker Rumi, der als Mitbegründer der islamischen Mystik gilt, ist folgende Aussage überliefert:

"Wo die Liebe erwacht, stirbt das Ich, der dunkle Despot."

Meister Eckhart der bekannte christliche Mystiker hat gesagt:

"Immer ist die wichtigste Stunde die gegenwärtige;
immer ist der wichtigste Mensch, der dir gerade gegenübersteht;
immer ist die wichtigste Tat die Liebe."

Wahre Liebe macht frei. Das Glück des Geliebten ist unser Glück, das Ich löst sich im Gegenüber auf. LIEBE ist kein Gefühl das spontan kommt und geht - LIEBE ist unser natürlicher Seinszustand. LIEBE hat kein Gegenteil. Wahre Liebe dehnt sich nach außen aus, einfach weil sie nicht zurückgehalten werden kann. Es ist wie der Duft einer Rose. Die Rose verströmt ihren Duft, weil sie ihn nicht zurückhalten kann, aber sie verschwendet keinen Gedanken daran, ob jemand an ihr riecht oder nicht.

Der Kurs zielt nicht darauf ab, die Bedeutung der Liebe zu lehren, denn das ist jenseits dessen, was gelehrt werden kann. Er zielt vielmehr darauf ab, die Blockaden zu entfernen, die dich daran hindern, dir der Gegenwart der Liebe, die dein angestammtes Erbe ist, bewusst zu sein.
(EKIW: Einleitung, 1.)

"And if you listen very hard
The tune will come to you at last
When all is one and one is all, that's what it is."

(Stairway to Heaven - Led Zeppelin)

Liebe kann nicht gelehrt werden, weil sie nicht gelernt werden kann. Liebe kann nur erfahren werden. Was wir allerdings lernen können, ist was die Liebe in uns blockiert und wir können ein Verständnis davon entwickeln, was Liebe alles nicht ist.

Von einem anderen Menschen geliebt werden wollen, ist nicht Liebe. Beim Geliebt-werden-wollen geht es uns um unser eigenes, kleines egoisches Glück und wir sind abhängig vom Geliebten wie ein Suchtkranker von seiner Droge. In der Welt des Egos ist Liebe daher immer mit Angst verbunden, mit der Angst den geliebten Menschen zu verlieren. Dies führt in Folge zu völlig wahnsinnigen Fragen wie: „Wieso muss Liebe so weh tun?“ Etwas das weh tut, ist nicht Liebe! Diese egoischen Vorstellungen von Liebe und Beziehung nennt der Kurs die besonderen Beziehungen - im Gegensatz zu den heiligen Beziehungen.

"Jenseits der armseligen Anziehungskraft der besonderen Liebesbeziehung, und durch diese stets verschleiert, liegt die mächtige Anziehungskraft des VATERS auf SEINEN SOHN. Es gibt keine andere Liebe, die dich befriedigen kann, weil es keine andere Liebe gibt. Das ist die einzige Liebe, die voll geschenkt und voll erwidert wird. Da sie vollständig ist, verlangt sie nichts. Da sie gänzlich rein ist, hat jeder alles, der in ihr verbunden ist. Das ist nicht die Basis irgendeiner Beziehung, in die das Ego Einlass findet. Denn jede Beziehung, welche das Ego eingeht, ist besonders.

Das Ego stellt Beziehungen nur her, um etwas zu bekommen. Und es möchte den Gebenden durch Schuld an sich gebunden halten. Es ist für das Ego unmöglich, eine Beziehung ohne Ärger einzugehen, denn das Ego glaubt, dass Ärger Freunde schafft. Das sagt es nicht, aber das ist sein Sinn und Zweck. Denn das Ego glaubt tatsächlich, dass es bekommen und behalten kann, indem es schuldig macht. Das ist seine einzige Anziehungskraft - eine Anziehungskraft, die so schwach ist, dass sie keinerlei Macht hat; nur nimmt sie niemand wahr. Denn das Ego scheint immer durch Liebe anzuziehen und übt überhaupt keine Anziehung auf jemanden aus, der wahrnimmt, dass es durch Schuld anzieht."


(EKIW: Kapitel 15, VII. 1.&2.)

Ein Teilnehmer an einem Satsang hat einmal einen spirituellen Lehrer mit der Aussage "Ich erdrücke meine Frau mit meiner Liebe" konfrontiert. Der Lehrer hat ihm dann sehr liebevoll erklärt, wie verrückt seine Aussage ist, denn erdrücken ist nicht Liebe. Dies ist nur eines von vielen Beispielen, wie abstrus unsere Vorstellungen von Liebe sind.

Das Motto der Flower Power Generation "make love not war" war eine Verwechslung von Liebe mit Sex. Liebe kann man nicht machen und Sex, mit ständig wechselnden Partnern, ist nicht Liebe, sondern lediglich ein Mangel an Verbindlichkeit, ein Mangel an Bereitschaft über den Sex, und damit über die Illusion ein Körper zu sein, hinauszugehen. Liebe - und die damit einhergehende Erfahrung von Verbundenheit - erzeugen eine ganz natürliche Art von Verbindlichkeit, eine konsequente Bereitschaft gemeinsam mit einem anderen Menschen die Illusion der Trennung zu überwinden, jenseits aller Konzepte von Paarbeziehung.

Heiraten hat Jahrtausende lang in erster Linie der Erhaltung von Macht und Besitz gedient und hatte daher auch immer standesgemäß zu erfolgen. Die Idee der Liebesheirat ist relativ neu. Wenn die Illusion einer “Liebesheirat” sich auflöst, dann lösen wir dieses Problem üblicherweise mit einer Scheidung. Wenn wir noch sehr tief in der Illusion stecken, projizieren wir die Schuld an dem Problem einfach in unseren Ex-Partner. Wenn wir schon ein gewisses Maß an Bewusstheit erreicht haben, flüchten wir uns gerne in die Illusion, der andere wäre einfach nur der Falsche gewesen und wir haben unseren Seelenpartner noch nicht gefunden und beginnen das Spiel mit einem anderen Partner aufs Neue. Das Ego glaubt sich im anderen Menschen getäuscht zu haben, aber in Wahrheit, hat es sich in seiner Vorstellung von Beziehung getäuscht.

Eine Hochzeit ist eine wunderbare Geschichte, wenn sie als das verstanden wird, was sie nur sein kann - ein feierliches Ja zur Liebe - im Moment! Das ist es auch, was uns bei einer Liebesheirat so berührt - dieses absolute und bedingungslose Ja in diesem Moment. Kein noch so feierliches Ritual kann allerdings eine Aussage über die Zukunft sein, weil es eine Zukunft nicht gibt. Es gibt nur diesen Moment. Anders ausgedrückt könnten wir sagen: Liebe bedeutet ein Ja, zu jedem Gegenüber, in jedem Moment.

„Selbstliebe“ ist ein sehr beliebtes Konzept des „spirituellen" Egos. Wer liebt da wenn? Es ist ein Konzept, das der Illusion der Trennung entspringt. Das Ego liebt sich selbst - Egoismus auf höchster Stufe - nur positiv formuliert. Das Ego - die Person - ist eine Illusion, die das wahre Glück verschleiert und braucht daher nicht geliebt zu werden, sondern es geht darum, seinen illusionären Charakter zu erkennen und darüber hinaus zu gehen. Das wahre SELBST hingegen, kann gar nicht geliebt werden, weil es niemanden gibt der das tun könnte. Das wahre SELBST ist Liebe - jenseits der Illusion der Trennung.

„Selbsthass“ ist das gleiche Konzept wie „Selbstliebe“ nur die andere Seite der Medaille - der Dualität des Egos.

Was Liebe nicht ist und gleichzeitig die Sehnsucht nach wahrer Liebe, besingt Robbie Williams wunderbar in seinem Lied „Feel“:

Come and hold my hand
I wanna contact the living
Not sure I understand
This role I've been given
I sit and talk to God
And he just laughs at my plans
My head speaks a language
I don't understand

I just wanna feel
Real love feel the home that I live in

Cos I got too much life
Running thru my veins
Going to waste
I don't wanna die
But I ain't keen on living either
Before I fall in love
I'm preparing to leave her

Scare myself to dead
That's why I keep on running
Before I arrive
I can see myself coming

I just wanna feel
Real love feel the home that I live in

Cos I got too much life
Running thru my veins
Going to waste
And I need to feel
Real love and the love ever after
I can not get enough

I just wanna feel
Real love feel the home that I live in

I got too much life
Running thru my veins
To go to waste

I just wanna feel
Real love and the love ever after
There's a hole in my soul
You can see it in my face
It's a real big place

Come and hold my hand
I wanna contact the living
Not sure I understand
This rope I've been given
Not sure I understand
Not sure I understand
Not sure I understand
Not sure I understand


Der Rausch der Verliebtheit ist, wie alles auf der Ebene der Person, eine Projektion, allerdings eine äußerst angenehme Projektion, weil es eine positive Projektion ist. Wenn wir verliebt sind, projizieren wir positive Anteile von uns selbst, die wir an uns selbst noch nicht entdeckt haben, in eine andere Person. Verlieben ist ein wunder-voller Ausgangspunkt auf dem Weg zur Liebe, weil es uns eine Ahnung von der göttlichen Liebe vermittelt und somit die Sehnsucht nach SEINER LIEBE in uns weckt. Wenn wir uns wirklich ganz auf das Verlieben einlassen, befindet sich das Ego für einige Zeit im Standbymodus. Dann gilt es tiefer zu gehen, denn sonst meldet sich die Stimme der Angst - das Ego - wieder und Probleme tauchen auf.

„Did you know that true love asks for nothing
Her acceptance is the way we pay
Did you know that life has given love a guarantee
That last through forever“
(As - George Michael)

“Mit dem universellen in Kontakt zu treten, ist schwierig. Es ist so groß und unermesslich, ohne Anfang und Ende. Wo soll man anfangen? Von wo soll man ausgehen? Das Individuum ist die Tür. Verliebt euch, aber macht keinen Kampf daraus. Lasst es eine tiefe Bejahung des anderen sein, eine Einladung. Und erlaubt dem anderen bedingungslos, in euch hineinzukommen. Dann wird der andere eines Tages plötzlich verschwinden, und Gott wird da sein. Wenn nicht deine Liebste, dein Geliebter für dich göttlich werden kann, dann kann nichts auf dieser Welt göttlich werden. Dann ist euer ganzes religiöses Gerede nur Unsinn.”
(Osho)

Ich segne dich, mein Bruder, mit der LIEBE GOTTES, die ich mit dir teilen möchte. Denn ich möchte die freudige Lektion erlernen, dass es keine Liebe außer der LIEBE GOTTES und der deinen und der meinen und der eines jeden gibt.
(EKIW: Lektion 127, 12)

„Es gibt keine Liebe außer der LIEBE GOTTES.

Du denkst vielleicht, dass verschiedene Arten von Liebe möglich sind. Du denkst vielleicht, dass es eine Art von Liebe für dieses, eine andere für jenes gibt; eine Art, den einen zu lieben, und eine andere Art, jemand anderen zu lieben. Die Liebe ist eins. Sie kennt keine getrennten Teile und keine Grade, keine Arten noch Ebenen, keine Abweichungen noch Unterschiede. Sie ist sich selber gleich, durch und durch unverändert. Sie verändert sich nie je nach Mensch oder Umstand. Sie ist das HERZ GOTTES und ebenso das SEINES SOHNES.
(EKIW: Lektion 127, 1)


I'm gonna look twice at you
Until I see the Christ in you

When I'm lookin through the eyes of love
When I'm lookin through the eyes of love
When I'm lookin through the eyes of love
When I'm lookin through the eyes of love

I'm gonna look twice at you
Until I see the Christ in you


(The Waterboys)



Beziehungen

„Ich hab keine Energie für eine Beziehung.“ „Ich brauche Zeit für mich.“ „Ich muss mich abgrenzen.“ Auf die unterschiedlichste Art und Weise halten wir unsere Mitmenschen auf Distanz. Es scheint dabei immer auch um körperliche Distanz zu gehen. Wir fühlen uns müde und erschöpft und fordern Abstand ein, um uns wieder zu erholen. Doch der Wunsch nach Distanz hat überhaupt nichts mit dem Körper zu tun, das körperliche Empfinden ist nur Ausdruck unseres Geisteszustandes.

Die Aussage "Ich brauche Zeit für mich selbst." verweist sehr deutlich darauf, worum es wirklich geht - es geht um unser separates Selbst, das nur in Trennung lebensfähig ist.

Der Graben zwischen uns und unserem Bruder ist nicht ein Raum zwischen zwei separaten Körpern sondern es ist der Ausdruck der Trennung im Geiste. Er ist das Symbol eines Versprechens, uns zu begegnen, wenn wir es wollen, und uns zu trennen, bis wir und er beschließen, einander wieder zu begegnen. Die Zeiten zwischen den Begegnungen schützen uns vor dem "Opfer" der Liebe. Diese Zeiten der Trennung nutzen wir, um unser separates Selbst wieder aufzubauen, von dem wir tatsächlich glauben es werde vermindert, wenn wir unserem Bruder begegnen.

Der Körper passt sich unserem Geisteszustand einfach nur an. Er wird scheinbar nur begrenzt erlauben, dass wir in der "Liebe" schwelgen, mit Intervallen von Distanz, oder Intervallen von Hass dazwischen. Und er wird scheinbar das Kommando darüber übernehmen, wann wir "lieben" und wann es sicherer ist, in die Angst zurück zu weichen. Er wird schwach und krank sein, weil wir nicht wissen was lieben heißt.

Wenn wir uns von anderen Menschen zurückziehen, oder versuchen innige Beziehungen zu vermeiden, ist dies Ausdruck von Angst vor der WAHRHEIT, Angst vor GOTT - eine Flucht vor der WAHRHEIT, eine Flucht vor GOTT. Es ist der verzweifelte Versuch das Unerlöste in uns zu verbergen - der Versuch uns vor GOTT, vor der Liebe, zu verstecken. Es ist der verzweifelte Versuch unser falsches, separates Selbstbild aufrecht zu erhalten, getreu dem verrückten Motto: Solange mir meinen Wahnsinn niemand spiegelt, gibt es ihn nicht.

Wir haben Angst vor wahrhaftiger Nähe und emotionaler Intimität, weil dies unser separates Selbstbild gefährdet.

Solange wird der Idee Glauben schenken, dass eine Beziehung ein Opfer von uns verlangt, werden wir Angst vor Beziehungen haben. Wir werden dann entweder in Beziehungen leiden, oder ihnen ganz aus dem Weg gehen, um scheinbar Leid zu vermeiden, werden dann aber unter Einsamkeit und unserer Distanz leiden.

"Auf die eine oder andere Weise fußt jede Beziehung, die das Ego eingeht, auf der Idee, es werde größer, indem es sich selbst opfert. Das »Opfer«, welches es als Läuterung betrachtet, ist eigentlich die Wurzel seines bitteren Grolls. Es würde nämlich lieber direkt angreifen und vermeiden, das zu verzögern, was es wirklich will. Doch erkennt das Ego die »Wirklichkeit« so an, wie es sie sieht, und begreift, dass niemand den direkten Angriff als Liebe deuten könnte. Schuldig machen aber ist ein direkter Angriff, auch wenn es nicht so aussieht. Denn die Schuldigen erwarten Angriff, und da sie ihn erbeten haben, zieht er sie an.

In solchen wahnsinnigen Beziehungen scheint die Anziehungskraft dessen, was du nicht willst, viel stärker zu sein als die Anziehungskraft dessen, was du willst. Denn jeder glaubt, dem anderen etwas geopfert zu haben, und dafür hasst er ihn. Das aber ist es, was er zu wollen glaubt. Er ist gar nicht in den anderen verliebt. Er glaubt nur, er sei ins Opfern verliebt. Und er verlangt, dass der andere für dieses Opfer, das er sich selber abverlangt, die Schuld annimmt und sich auch opfert. Vergebung wird unmöglich, denn das Ego glaubt, einem anderen vergeben heiße ihn verlieren. Nur durch Angriff ohne Vergebung kann das Ego die Schuld sicherstellen, die all seine Beziehungen zusammenhält.

Doch scheinen sie nur zusammenzusein. Denn für das Ego bedeuten Beziehungen nur, dass Körper zusammen sind. Das Ego verlangt stets nur das und hat nichts dagegen einzuwenden, wohin der Geist geht oder was er denkt, denn das erscheint unwichtig. Solange der Körper da ist, um sein Opfer zu empfangen, ist es zufrieden. Für das Ego ist der Geist privat, und nur der Körper lässt sich mit andern teilen. Ideen sind grundsätzlich nicht von Belang, außer insofern, als sie den Körper eines andern näher bringen oder in die Ferne rücken. In diesem Sinn bewertet es Ideen als gut oder schlecht. Was einen andern schuldig macht und ihn durch Schuld festhält, ist »gut«. Was ihn von Schuld befreit, ist »schlecht«, weil er dann nicht mehr glauben würde, dass Körper miteinander kommunizieren, und somit wäre er »fort«."


(EKIW: Kapitel 15, VII. 6.-8.)

Es ist nicht Liebe, die ein Opfer fordert - es ist Angst. In unseren Beziehungen wird die Angst vor GOTT am deutlichsten sichtbar. Wir lassen ihn nicht zu nahe kommen, und lassen einen Graben zwischen uns und SEINER LIEBE übrig.

Wenn wir den Graben zwischen uns und unserem Bruder schließen erwartet uns ewiger Frieden.

Der entscheidende Zweck von Beziehungen, ist es unser unbewusstes Gedankensystem sichtbar zu machen und uns eine Gelegenheit zur Vergebung zu geben. Jedes Gegenüber ist ein Spiegel und darin liegt das Geschenk jeder Begegnung mit einem anderen Menschen begründet.

Jeder Mensch, und alle Ereignisse in unserem Leben sind da, weil wir sie selbst auf anderer Ebene so gewählt haben, um unserer Erlösung optimal zu dienen. Wie sehr wir diese Gelegenheiten dann tatsächlich zur Erlösung nutzen, entscheidet sich im JETZT.

Die Lehrer GOTTES haben keine festgelegte Ebene des Lehrens. Jede Lehr- und Lern-Situation bringt am Anfang eine andere Beziehung mit sich, obwohl das letztendliche Ziel immer dasselbe ist, nämlich aus der Beziehung eine heilige Beziehung zu machen, in der beide auf den SOHN GOTTES als sündenlos schauen können. Es gibt niemanden, von dem ein Lehrer GOTTES nicht lernen könnte, also gibt es niemanden, den er nicht lehren kann. Allerdings kann er von einem praktischen Gesichtspunkt aus gesehen nicht jedem begegnen, noch kann ihn jeder finden. Deswegen schließt der Plan ganz konkrete Kontakte ein, die für jeden Lehrer GOTTES hergestellt werden müssen. Es gibt keine Zufälle in der Erlösung. Diejenigen, die einander begegnen sollen, werden einander begegnen, weil sie gemeinsam das Potential für eine heilige Beziehung haben. Sie sind füreinander bereit.

Die einfachste Ebene des Lehrens scheint ziemlich oberflächlich zu sein. Sie besteht aus Begegnungen, die anscheinend ganz zufällig sind: Zwei offenbar Fremde treffen zufällig im Fahrstuhl zusammen; ein Kind, das nicht auf seinen Weg achtet, rempelt einen Erwachsenen aus »Versehen« an; zwei Studenten gehen »zufällig« zusammen nach Hause. Das sind keine zufälligen Begegnungen. Jede von ihnen hat das Potential, eine Lehr- und Lern-Situation zu werden. Vielleicht werden die scheinbar Fremden im Fahrstuhl einander gegenseitig anlächeln, vielleicht wird der Erwachsene das Kind nicht dafür schelten, dass es ihn angerempelt hat, vielleicht werden die Studenten Freunde. Selbst auf der Ebene der beiläufigsten Begegnung ist es für zwei Menschen möglich, ihre separaten Interessen aus den Augen zu verlieren, und sei es nur für einen Augenblick. Dieser Augenblick wird genügen. Die Erlösung ist gekommen.

Jede Lehr- und Lern-Situation ist maximal in dem Sinne, dass jede beteiligte Person das meiste lernen wird, was sie zu diesem Zeitpunkt von der anderen Person lernen kann. In diesem - und nur in diesem - Sinne können wir von Ebenen des Lehrens sprechen. Gebraucht man den Begriff in dieser Weise, dann ist die zweite Ebene des Lehrens eine länger anhaltende Beziehung, in der zwei Personen eine Zeitlang eine ziemlich intensive Lehr- und Lern-Situation eingehen und sich dann zu trennen scheinen. Wie auf der ersten Ebene sind diese Begegnungen nicht zufällig, noch ist das, was wie das Ende der Beziehung erscheint, ein wirkliches Ende. Wiederum hat jeder das meiste dessen, was er zu jenem Zeitpunkt lernen kann, gelernt. Doch alle, die einander begegnen, werden einander eines Tages wieder begegnen, denn es ist das Schicksal aller Beziehungen, heilig zu werden. GOTT irrt sich nicht in SEINEM SOHN.

Die dritte Ebene des Lehrens tritt in Beziehungen auf, die, sind sie einmal eingegangen worden, lebenslänglich währen. Das sind Lehr- und Lern-Situationen, in denen jeder Person ein ausgewählter Lernpartner gegeben wird, der ihm unbegrenzte Gelegenheiten zum Lernen bietet. Von diesen Beziehungen gibt es im allgemeinen wenige, weil ihre Existenz voraussetzt, dass die daran Beteiligten gleichzeitig ein Stadium erreicht haben, in dem das Gleichgewicht von Lehren und Lernen tatsächlich vollkommen ist. Das bedeutet nicht, dass sie das notwendigerweise begreifen - in der Tat erkennen sie es im allgemeinen nicht. Sie mögen einander sogar für einige Zeit oder vielleicht ein Leben lang feindlich gesinnt sein. Doch sollten sie sich dafür entscheiden, sie zu lernen, dann liegt die vollkommene Lektion vor ihnen und kann gelernt werden. Und wenn sie sich entscheiden, diese Lektion zu lernen, werden sie zu den Erlösern der Lehrer, die straucheln und vielleicht sogar zu versagen scheinen. Jeder Lehrer GOTTES wird die Hilfe finden, die er braucht.


(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 3. 1.&2.&4.&5.)

Menschen mit denen wir im Streit verbunden sind, sind unsere größten Lehrer. Gerade sie bieten uns die größte Chance zur Vergebung, die größte Chance zur Berichtigung unserer Irrtümer im Geist. Doch meist nutzen wir diese Chance nicht, sondern zögern die Trennung vom ungeliebten Partner nur hinaus um Argumente für die Trennung zu sammeln und versuchen damit, vor uns und der Welt, ein Bild von uns als dem unschuldigen Opfer zu zeichnen.

Die Argumentation, durch die die Welt gemacht wird, auf der sie beruht und von der sie aufrechterhalten wird, ist einfach diese: »Du bist die Ursache meines Tuns. Deine Gegenwart rechtfertigt meinen Zorn, und du existierst und denkst getrennt von mir. Während du angreifst, muss ich unschuldig sein. Und das, woran ich leide, ist dein Angriff.« Niemand, der genau so auf diese Argumentation schaut, wie sie ist, könnte umhin zu sehen, dass sie nicht folgerichtig ist und keinen Sinn ergibt. Dabei scheint sie vernünftig, weil es so aussieht, als würde dich die Welt verletzen. Und somit sieht es aus, als bräuchte man hinsichtlich der Ursache nicht über das Offensichtliche hinauszugehen.
(EKIW: Kapitel 27, VII. 3.)

Der Kurs unterscheidet ganz klar zwischen besonderen Beziehungen und heiligen Beziehungen. Die besonderen Beziehungen sind immer von Schuld und Opfer geprägt. Im Fokus steht, was ein anderer getan, oder nicht getan hat und es geht immer um Körper. Mit einem Körper zusammensein ist noch nicht Kommunikation im Sinne GOTTES. Das Ego sucht Sicherheit, Liebe und Anerkennung in besonderen Beziehungen, erfährt aber am Ende immer Enttäuschungen. Es glaubt vom anderen Menschen enttäuscht zu werden, aber in Wahrheit hat es sich in seiner Vorstellung von Beziehung getäuscht.

Mathematisch ausgedrückt:

Besondere Beziehung
1/2 + 1/2 = 1 (Eins)

Heilige Beziehung
1 x 1 = 1 (EINS)

Wir suchen einen Partner der nur uns wahrhaftig und ganz besonders liebt, weil wir an die Illusion unterschiedlicher Arten von Liebe und an Besonderheit glauben. Wir suchen einen Partner der uns so akzeptiert wie wir sind, damit wir uns nicht ändern müssen und an unserem Wahnsinn ungestört festhalten können. Wir suchen einen Partner auf den wir uns hundertprozentig verlassen können, weil wir nicht auf Gott vertrauen. Wir suchen einen Partner der genau weiß was wir uns wünschen und das ohne, dass wir es ihm sagen müssen, weil wir uns von der Befriedigung unserer Bedürfnisse das Glück erwarten. Wir suchen einen Partner mit dem eine harmonische Beziehung möglich ist, weil wir uns vor unseren eigenen „negativen“ Gefühlen fürchten. Wir suchen einen Partner für den wir die einzige sexuelle Attraktion darstellen, weil wir uns mit unserem Körper identifizieren. Wir werden diesen Partner nie finden und so entweder allein bleiben, oder immer nur unsere alten Beziehungsmuster wiederholen.

Die Wahrheit kennt keine Grade und daher wird im Kurs auch nicht wirklich zwischen unterschiedlichen Formen von Beziehung unterschieden. Im Folgenden Abschnitt werde ich mich aber speziell auf die besondere Paar-Beziehung konzentrieren, denn sie ist es, die uns die meisten Schwierigkeiten zu bereiten scheint. Alles was wir hier betrachten gilt auch für jede andere Form von Beziehung, es tritt nur in der Paar-Beziehung ganz besonders deutlich in Erscheinung.

Die besondere Paar-Beziehung

"Es war einmal ..." ist eine typische Einleitungsphrase für Märchen, Sagen und ähnliche Geschichten. Das Gegenstück dazu bildet die Schlussphrase "Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute" oder "Und sie lebten glücklich bis an ihr Ende." Das sogenannte "Happy End" ist also gar nicht das Ende einer Geschichte, sondern das Ende einer Liebesgeschichte ist der Tod.

Jeder sogenannte "Liebesfilm" endet damit, dass sich die Beiden, die von Anfang an füreinander bestimmt waren, endlich gefunden haben und sich in den Armen liegen. Der Kuss vor dem Abspann ist dennoch eine Lüge - er ist der als Ende getarnte Beginn. Denn mit dem Ende des Films, beginnt erst die Beziehung, die - im Falle einer glücklichen Beziehung - mit dem Tod endet, ansonsten endet sie schon früher. Meistens endet sie schon früher, weil viele ihrem Partner erst kurz vor der Trennung begegnen. Weil viele einen Prinzen suchen und auch finden, aber dabei völlig übersehen, dass wenn man einen Prinzen küsst - ein Frosch daraus wird.

"Liebesschlösser" sind individuell beschriftete Vorhängeschlösser, auf denen Liebespaare ihre Namen und ein für sie besonderes Datum eingravieren lassen. Das Ritual mit dem Liebesschwur sieht vor, dass die glücklich Verliebten das Schloss an der Brücke befestigen und den Schlüssel in den Fluss werfen, ihr Wunsch ist dabei, dass ihre Liebe ewig hält. Diese Schlösser sind ein wunderbares Symbol für die besondere Paarbeziehung - für das Aneinanderketten und sich gemeinsam an die Materie, an Raum und Zeit, binden. Wenn wir uns für einen Partner entschieden haben, sprechen wir davon, dass es etwas Ernstes ist. Aus der unerträglichen Leichtigkeit des Seins ist Ernst geworden - was für ein Glück ;-).

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“Die romantische Liebe ist die Kehrseite des reinen Körpersex. Es ist keine Liebe. Und beides ist krank. Was ihr Sex nennt, ebenso wie die romantische Liebe, sind beides krankhafte Zustände.”
(Osho)

Durch den Versuch den Graben zwischen uns und unserem Bruder, auch in einer Beziehung, aufrecht zu erhalten, entsteht eine Art Beziehungsspirale. Dabei werden immer wieder die gleichen Phasen durchlaufen:

I. Phase:
Wir sind allein, fühlen uns allein, fühlen uns mit uns alleine unvollkommen und hoffen auf die Erfüllung durch das Gegenüber.

II. Phase:
Plötzlich finden wir ein mögliches Gegenüber, wir verlieben uns, idealisieren den Partner, stellen ihn auf ein Podest - wir projizieren Positives in den Partner. Alle unsere Gefühle richten sich auf ihn, wir kommen in einen Zustand von Hochstimmung und Glücksrausch.

III. Phase:
Wenn der Partner die Gefühle erwidert, entsteht nach einiger Zeit eine innige Symbiose. Beide Partner verschmelzen, und es kann zu einer tiefen sexuellen Erfüllung und auch Abhängigkeit kommen. Jede freie Minute wird gemeinsam gelebt, das Leben scheint vollkommen und erfüllt.

IV. Phase:
Erste Unzufriedenheit entsteht, erste Vorwürfe führen zu ersten Auseinandersetzungen oder Machtkämpfen. Je nach persönlichem Grundmuster sind die Vorwürfe: "Gib mir mehr, du gibst mir zu wenig .", "Du schränkst mich ein.", "Du zeigst zu wenig Gefühl.", "Du gibst mir zu wenig Sicherheit." oder "Du bist mir zu viel." Die Unzufriedenheit verschwindet wieder, taucht aber erneut auf.

V. Phase:
Langsam wächst die Unzufriedenheit. Durch ständiges Einfordern von nicht befriedigten Bedürfnissen wird der Kampf immer heftiger. Alle Register werden gezogen. Das Gegenüber wird zum Monster, das einen daran hindert, das eigene Glück zu leben. Alle negativen Gefühle werden auf den Partner projiziert, Schuldweisungen und Hass entstehen.

VI. Phase:
Nach mehrmaligen Versuchen kommt es zur "endgültigen" Trennung. Einer oder beide Partner sind erleichtert, dass sie das Gegenüber losgeworden sind.

VII. Phase:
Nach einer Phase der Verzweiflung im Alleinsein kann die Einsicht entstehen, dass das Alleinsein nach einer Beziehung auch eine Chance ist, meist wird eine Erklärung für das Scheitern gesucht und auch gefunden.

VIII. Phase:
Auf dieser Ebene kann eine neue Beziehung mit dem gleichen Partner oder, falls dies nicht mehr möglich ist, mit einem anderen Menschen entstehen. Damit beginnt die Spirale wieder von neuem.

Diese Beziehungsspirale läuft aber nicht nur in dem oben beschriebenen großen Rahmen ab, sondern auch im kleinen. Diese Spirale wird auch im Beziehungsalltag immer wieder durchlaufen, selbst innerhalb eines Dialogs kann diese Spirale in abgeschwächter Form durchlaufen werden.

Bei der Betrachtung der besonderen Beziehung ist es notwendig, erst einmal zu merken, dass sie ein großes Maß an Schmerz beinhaltet. Beängstigung, Verzweiflung, Schuld und Angriff, sie alle gehen in sie ein und sind von Phasen unterbrochen, in denen es so aussieht, als seien sie nicht mehr da. Sie alle müssen als das verstanden werden, was sie sind. Welche Form sie auch immer annehmen mögen, sie sind immer ein Angriff auf das Selbst, um den anderen schuldig zu machen. Ich habe schon früher davon gesprochen, aber es gibt einige Aspekte in dem, was da wirklich versucht wird, auf die ich noch nicht eingegangen bin.
(EKIW: Kapitel 16, V. 1.)

Sieh in der besonderen Beziehung nichts weiter als einen bedeutungslosen Versuch, andere Götter neben IHN zu stellen und durch ihre Anbetung ihre Winzigkeit und SEINE Größe zu verschleiern. Im Namen deiner Vollständigkeit willst du das nicht. Denn jeder Götze, den du errichtest, um ihn vor IHN zu stellen, steht vor dir anstelle dessen, was du bist.
(EKIW: Kapitel 16, V. 13.)

In der Phase der Verliebtheit „vergöttern“ wir unseren Partner und wollen von unserem Partner vergöttert werden. Wir stellen damit uns - unser falsches Selbst - und unseren Partner an die Stelle Gottes. Aus Sicht der Wahrheit ist dies verrückt. Unser wahres SELBST ist göttlich und außer Gott gibt es nichts, was wirklich ist, also gibt es keinen Grund, irgend eine Art von Besonderheit anzustreben.

Genau genommen sind ja nie die Beziehungen selbst das Problem, sondern unsere Vorstellungen von Beziehung - unsere Beziehungskonzepte. Gerade moderne Beziehungskonzepte sind der Versuch Tiefe und wahre Intimität zu vermeiden. Bei wahrer Intimität geht es nicht um nackte Körper, sondern um psychische Nacktheit, um Intimität auf psychisch, seelischer Ebene, darum sich ganz mit all seinen Fehlern, Schwächen und Ängsten zu zeigen, darum alle Masken abzulegen. Es geht um die Bereitschaft mit einem Menschen über den Sex, und damit über die Illusion ein Körper zu sein, hinauszugehen. Es geht um die Einswerdung mit dem Geliebten und damit mit GOTT.

Eine Ehe und sexuelle Treue können auf dem Weg zur heiligen Beziehung eine gute Geistesschulung in Verbindlichkeit sein. Verbindlichkeit braucht es auf dem spirituellen Weg und so auch beim Kurs in Wundern. Es braucht Verbindlichkeit um ein Jahr lang jeden Tag, im Abstand von zehn Minuten bis einer Stunde, die jeweilige Übung zu machen und es braucht Verbindlichkeit ein und dem selben Menschen immer wieder zu vergeben - wirklich zu vergeben - im Wissen, dass er das was wir ihm vorwerfen nicht getan hat.

Das alles wirst du freudig tun, wenn du nur zulässt, dass ER den Funken vor dir herträgt, um deinen Weg zu erhellen und ihn klar für dich zu machen. GOTTES SOHN ist eins. Wen GOTT als eins verbunden hat, den kann das Ego nicht scheiden. Der Funke der Heiligkeit mag in allen Beziehungen sicher sein, wie verborgen er auch immer sein mag. Denn der SCHÖPFER der einzigen Beziehung hat keinen Teil davon ohne SICH SELBST gelassen. Das ist der einzige Teil der Beziehung, den der HEILIGE GEIST sieht, weil ER erkennt, dass nur dieser wahr ist. Du hast die Beziehung unwirklich und deshalb unheilig gemacht, da du sie dort gesehen hast, wo sie nicht ist, und so, wie sie nicht ist. Übergib IHM die Vergangenheit, DER für dich dein Denken für sie ändern kann. Versichere dich aber zuerst, dass du voll und ganz begreifst, was du die Vergangenheit hast darstellen lassen, und warum.
(EKIW: Kapitel 17, III. 7.)

Diese Aussage von der göttlichen Verbindung wird in der kirchlichen Eheschließung verwendet, dort aber missverstanden. Es wird angenommen die Einheit würde durch das Sakrament der Ehe erzeugt und beziehe sich nur auf diese beiden Menschen. Doch GOTTES SOHN ist eins und die SOHNSCHAFT schließt alle mit ein! GOTT hat nur Einheit erschaffen - das kann kein Mensch verbessern.

Eine besondere Beziehung ist keine Beziehung. Sie ist ein Zustand der Isolation, der etwas zu sein scheint, was er nicht ist. In einer besonderen Beziehung herrschen drei Zustände vor: Verlangen, frustriertes Verlangen (Wut, Groll, Schuldzuweisungen, Klagen) und Gleichgültigkeit. Die besondere Beziehung ist der verzweifelte Versuch des Egos, die Liebe in einem anderen Körper zu finden - anstatt in GOTT.

Besondere Beziehungen sind „Täter-Opfer-Beziehungen“. Die Täter und Opfer Rolle kann immer wieder wechseln, oder es kann zu einer Fixierung auf eine der beiden Rollen kommen. Das Opfer hält genau so an der Schuld fest wie der Täter. Es ist ein Tanz zwei verirrter Geister. Keiner von ihnen ist besser oder schlechter, denn es handelt sich nur um zwei unterschiedliche Rollen in ein und demselben Ego-Drama.

Das Drama folgt unterschiedlichen sich immer wiederholenden Mustern. Auch wenn in unseren Beziehungen die im Folgenden beschrieben Beziehungs-Archetypen nie so plakativ und eindeutig auftauchen, so lässt sich häufig eine persönliche Tendenz zu einem dieser archetypischen Muster erkennen.

Acht Varianten von Beziehungsdynamik – acht Beziehungsarchetypen:

1. Shiva & Shakti
Ideal der Verschmelzung (nach dem altindischen Schöpfungsmythos): „Wir gehören einander, sind ganz und gar eins.“ Der Kontakt mit der Außenwelt ist Störung und Erlösung zugleich, da man sich trennt. Dieses Beziehungsmuster stellt den egoischen Versuch dar, eine „Heilige“ Beziehung mit nur einem Menschen einzugehen. „Liebe“ nur zu einem Menschen ist aber keine Heilige Beziehung, sondern eine besondere Beziehung in Extremform.

2. Tristan & Isolde
Ideal des Nicht-Zueinanderkommens (nach dem mittelalterlichen Epos), die romantische Liebe und das Sich-Verzehren in nicht stillbarer Sehnsucht. Themen: Kontaktvermeidung, Projektion. Dieses Beziehungsmuster stellt den Versuch dar, durch Kontaktvermeidung die egoische Vorstellung - von der Vollkommenheit des ersehnten Partners - aufrecht zu erhalten.

3. Pygmalion
Ideal des einen Partner nach seinem Bilde Formens (nach Ovid): "Ich forme Dich nach meinem Bilde, auf dass Du lebendig wirst." Themen: Doppelbotschaft von Verehrung und Abwertung lähmt das Gegenüber, Macht, Kontrolle, Sadismus.

4. Isthar & Tammuz (bzw. Marschallin und Oktavian im Rosenkavalier)
Ideal der alten Frau und dem jungen Liebhaber (der Sohngeliebte), Thema: Einweihung; Er: Jugend, Kraft, Hingabe, Abhängigkeit von der Mutterfrau; Sie: Alter, Reife, Weisheit, Gelassenheit, besitzergreifende und verschlingende Mutterfrau.

5. Zeus & Hera
Ideal der Rivalität (Streitehe, nach Homers Ilias), Energie durch Reibung, Kontakt durch Auseinandersetzung, Konflikt und Streit als Hauptmuster der Begegnung; Wechsel von ständiger gegenseitiger Demütigung und nachfolgender Rache, Siegen als einziger klarer Wert: "Ich mach' Dich fertig!" Jeder versucht stets der Gewinner zu sein (Beziehungsidee des Über-den-anderen-Dominierens). Es gilt das Prinzip, dass man nie verlieren darf (symmetrisch-rivalisierende Machtkollusion). Meist ist das Einzige was für Entspannung sorgt der Versöhnungssex in den Kampfpausen.

6. Merlin & Viviane
Ideal des alten Weisen und des jungen Mädchens, er gibt ihr Weisheit und Erfahrung, sie gibt ihm Lebendigkeit und Vitalität. Themen: Abhängigkeit, Verhindert die Entwicklung der Frau, Verlust der Würde des Alters.

7. Bruder Mann & Schwester Frau
Ideal der Gleichberechtigung, der solidarischen und gleichgewichtigen Partnerschaft; Geben und Nehmen im Dialog, Beziehung als Tauschhandel. Dies bedeutet häufig, dass sich mit der Zeit eine Erfahrung von mangelnder gegenseitiger sexueller Anziehung einstellt. Manchmal dressieren wir unser Gegenüber solange in Richtung Dialog und reden so viel über Gefühle, bis uns das Gegenüber langweilig wird und wir mit einem „wilden“ Mann oder einer „wilden“ Frau fremd gehen.

8. Carmen & Don José
Ideal der Zerstörung, Ideal von Anziehung und Abweisung, der gedemütigte José will Carmen besitzen, wird immer wieder abgewiesen und tötet sie schließlich aus Eifersucht. Egozentriert geht es mehr um das Erobern als um die Person selbst. Zuerst versucht sie ihn auf sich aufmerksam zu machen und ihn zu erobern und nachdem er ihr endgültig verfallen ist, verliert sie das Interesse und weist ihn ab. Darauf hin versucht er sie zurück zu erobern. Nachdem er von ihr verspottet und abgewiesen wird, tötet er sie, während er gleichzeitig beteuert sie zu lieben und anzubeten.

Das Ego benutzt besondere Beziehungen um seinen bewussten oder unbewussten Zustand des Mangels zu kompensieren. Die Fünf Sprachen der Liebe ist ein Begriff der Paartherapie, den der amerikanische Paar- und Beziehungsberater Gary Chapman prägte. Er bezieht sich auf fünf verschiedene Beziehungssprachen, die in Partnerschaften gelebt werden und die für ein "Sich-geliebt-Fühlen" verantwortlich sind. Dieses Modell beschreibt sehr gut die Liebesmangelerfahrung des Egos und seine daraus folgende Bedürftigkeit nach seiner ganz besonderen Vorstellung von „Liebe“. Unter „Liebe“ versteht das Ego etwas, was es vom Partner haben will, weil es sich selbst innerlich leer fühlt, als Folge der Trennung von der Liebe Gottes. Diese fünf „Sprachen“ sind: Jeder von uns hat eine „Muttersprache“ und nur wenn unser Gegenüber genau unsere Bedürftigkeit abdeckt, fühlen wir uns geliebt. Da aber Partner häufig unterschiedliche "Sprachen" haben, „lieben“ wir meist aneinander vorbei.

Denn eine unheilige Beziehung fußt auf Unterschieden, bei denen jeder denkt, der andere habe das, was er nicht hat. Sie kommen zusammen, jeder, um sich selber zu vervollständigen und den andern zu bestehlen. Sie bleiben so lange, bis sie denken, es gebe nun nichts mehr zu stehlen, und dann ziehen sie weiter. So wandern sie durch eine Welt von Fremden, die anders sind als sie, leben vielleicht mit ihren Körpern unter einem gemeinsamen Dach, das weder einen noch den anderen schützt, im selben Raum und doch in einer Welt für sich.
(EKIW: Kapitel 22, Einleitung, 2. 5.-8.)

Eine besondere Beziehung lässt sich auch mit folgendem Bild beschreiben: Treffen sich zwei Bettler, greifen sich gegenseitig in die Tasche und sind enttäuscht das die Tasche des Gegenübers leer ist. Beim Treffen herrscht noch Freude, über die Begegnung mit einem Gleichgesinnten. Aber sobald bemerkt wird, dass beim Anderen nichts zu holen ist, herrscht Enttäuschung.

Als weiteres Beispiel für die ständige Mangelerfahrung und Konfliktbereitschaft des Egos sei die Konfliktlösungsstrategie eines bekannten Paar-Therapeuten Ehepaars angeführt:

Der Ehemann dreht beim Kochen die Musik etwas lauter auf. Die Ehefrau will in der Wohnküche an ihren Unterlagen arbeiten und fühlt sich durch die Musik gestört. Die Ehefrau eröffnet einen Dialog und das therapeutisch geschulte Ehepaar beginnt seine traumatischen Kindheitserfahrungen aufzuarbeiten, um damit ihre jetzigen Bedürfnisse zu rechtfertigen. Er hatte einen lauten Vater, nur wer laut war wurde gehört, daher hört er gerne Musik etwas lauter. Sie hatte einen kranken Vater und musste aus Rücksicht auf ihn immer leise sein, daher hat sie es gerne leise. Die von den Paar-Therapeuten vorgeschlagene Lösung besteht einerseits in der beschriebenen biografischen Aufarbeitung und andererseits darin, dass der Ehemann beim Kochen die Musik etwas leiser dreht.

Das ist ein wunderbares Beispiel für den Unfug des psychologisch geschulten Egos. Eine Beziehung wird zur ständigen Arbeit und zu einem ständigen Dialogisieren. Schauen wir uns die Situation etwas genauer an:

1. Einfordern von Dialog und die Haltung dahinter.

Wer Dialog einfordert, tut es immer in der Vorfreude auf den Genuss des eigenen Sprechens.
(Roger Willemsen)

Die, die in einer Beziehung den Dialog einfordern, fühlen sich bei den Themen Beziehung, Dialog und Gefühlen ihrem Partner meist überlegen. Damit ist wahre Begegnung, die über Worte weit hinaus geht, gar nicht mehr möglich. Die Voraussetzung für wahre Begegnung ist Gleichheit und nicht Überlegenheit.

Dialog an sich ist schon ein ungünstiger Zugang. Dialog ist eine abwechselnd geführte Rede und Gegenrede. Es geht in einer Beziehung lediglich darum die eigenen Gefühle und Empfindungen nicht für sich zu behalten, sondern sie dem Partner mitzuteilen, ohne Selbstmitleid und ohne dem Partner dafür die Schuld zu geben und zu erkennen, dass der eigene, noch nicht berichtigte Geist, die Ursache aller Probleme ist. Dafür braucht es keine biografische Geschichte und keine Forderungen an den Partner.

Wenn wir den Großteil unserer Worte durch gemeinsame Stille ersetzen würden, würden wir uns wesentlich besser verstehen! Wenn wir dabei auch noch den HEILIGEN GEIST um die Berichtigung unserer Irrtümer über den Zweck unserer Beziehung bitten, kann nichts mehr schief gehen.

2. Festhalten an der Vergangenheit.

Die persönliche Geschichte, eine Summe aus mentalen und emotionalen Erinnerungen, wird fortwährend wiederbelebt, anstatt sich davon zu lösen. Indem wir die persönliche Geschichte glauben, machen wir sie erst wahr. Die Geschichte ist eine Illusion, die scheinbaren Inhalte dieser Geschichte sind nur Symbole für unseren Geisteszustand. Es geht nicht darum die Geschichte zu verbessern, sonder darum sich von der Geschichte zu lösen. Die Heilung findet im heiligen Augenblick statt.

In besonderen Beziehungen missbrauchen wir unsere Biografie um unseren persönlichen Wahnsinn dem Partner gegenüber zu rechtfertigen. Anstatt Gott um Berichtigung unserer Irrtümer zu bitten, bauen wir uns aus unseren Irrtümern eine unüberwindbare Festung, deren Burggraben unüberbrückbar ist.

Es ist unmöglich, die Vergangenheit loszulassen, ohne die besondere Beziehung aufzugeben. Denn die besondere Beziehung ist ein Versuch, die Vergangenheit aufs neue zu inszenieren und zu verändern. Eingebildete Kränkungen, erinnerter Schmerz, vergangene Enttäuschungen, wahrgenommene Ungerechtigkeiten und Entbehrungen gehen alle in die besondere Beziehung ein, die zu einer Weise wird, wie du deine verletzte Selbstachtung wiederherzustellen suchst. Welche Basis hättest du ohne die Vergangenheit, um einen besonderen Partner auszuwählen? Jede derartige Wahl wird wegen etwas Bösem in der Vergangenheit getroffen, an das du dich klammerst und wofür jemand anders sühnen muss.
(EKIW: Kapitel 16, VII. 1.)

3. Durch Komplexität ein Problem erzeugen wo es gar keines gibt.

Diese ganze Komplexität beim Thema Beziehung ist nicht von Gott. Komplexität ist vom Ego und nichts anderes als der Versuch des Ego, das Offensichtliche zu verschleiern. Das Ego liebt Komplexität und lebt von Identifikation und Trennung.

Die ganz einfache Lösung in obiger Situation wäre es, wenn der Partner der mental zu arbeiten hat, dies nicht in der Küche tut. Diese Lösung ist dem Ego zu einfach - es redet lieber darüber und erfindet eine Scheinlösung.

Alle Lösungen auf der Ebene der Form sind Scheinlösungen, denn das wahre Problem ist ja nicht die Wohnsituation, sondern ein Irrtum auf der Ebene des Geistes. An einer mongolischen Großfamilie, die gemeinsam in einer Jurte lebt, sehen wir sehr deutlich, dass Zusammenleben kein räumliches Problem, sondern ein geistiges ist.

4. Widerstand gegen die Form die das JETZT annimmt, durch Forderungen an den Partner.

Das Ego lebt in der Zeit und ist daher grundsätzlich nicht in der Lage dauerhaft Frieden zu erfahren. Wenn ein Bedürfnis befriedigt ist, taucht nach kurzer Zeit das nächste auf. Bekommen zu wollen, was wir uns wünschen, ist eine der zentralen Quellen für Leid. Es ist eine Art von Unreife, es ist das Verhalten eines Kleinkindes - ein Widerstand gegen Reife. Dieses Spiel - der Suche von dem, was wir wollen und der Vermeidung von dem, was wir nicht wollen - ist die Geschichte des persönlichen Leidens. Mit Wünschen an unseren Partner fesseln wir uns an die Illusion der Zeit und verpassen den heiligen Augenblick absoluter Vollkommenheit. Mit Wünschen an unseren Partner fesseln wir uns an die Illusion der Schuld.

Wir haben schon gesagt, dass das Ego Schuld aufrechtzuerhalten und zu mehren versucht, aber so, dass du nicht begreifst, was es dir antut. Denn es ist die Grunddoktrin des Ego, dass du dem entronnen bist, was du andern antust. Das Ego wünscht niemandem Gutes. Sein Überleben hängt jedoch von deinem Glauben ab, du seist von seinen bösen Absichten ausgenommen. Es rät dir deshalb, dass es, wenn du sein Gastgeber bist, dich in die Lage versetzen wird, seinen Ärger nach außen zu lenken und dich so zu schützen. So geht es eine endlose und unbefriedigende Kette besonderer Beziehungen ein - aus Ärger geschmiedet und nur einem einzigen wahnsinnigen Glauben hingegeben, nämlich dass du desto sicherer wirst, je mehr Ärger du außerhalb von dir investierst.
(EKIW: Kapitel 15, VII. 4.)

Die Ungeheilten können nicht verzeihen. Denn sie sind Zeugen dafür, dass Verzeihen ungerecht ist. Sie möchten die Folgen der Schuld, die sie übersehen, beibehalten. Doch niemand kann eine Sünde, die er für wirklich hält, vergeben. Und das, was Folgen hat, muss wirklich sein, weil das, was es bewirkt hat, vorhanden und zu sehen ist. Vergebung ist nicht Mitleid, das nur zu verzeihen sucht, was es für die Wahrheit hält. Böses kann nicht mit Gutem vergolten werden, denn die Vergebung schafft nicht erst die Sünde, um sie dann zu vergeben. Wer kann sagen und wirklich meinen: »Mein Bruder, du hast mich verletzt - und doch, weil ich der Bessere von uns beiden bin, verzeihe ich dir meine Verletzung.«? Verzeihung für ihn und deine Verletzung können nicht nebeneinander existieren. Das eine leugnet das andere und muss es zu etwas Falschem machen.

Die Sünde zu bezeugen und sie dennoch zu vergeben ist ein Paradox, das die Vernunft nicht sehen kann. Denn damit wird behauptet, dass das, was dir getan ward, Verzeihung nicht verdient. Und indem du sie gibst, gewährst du deinem Bruder Barmherzigkeit, hältst aber den Beweis zurück, dass er nicht wirklich unschuldig ist.


(EKIW: Kapitel 27, II. 2. 3.1.-3.)


Lass los - dann hast Du beide Hände frei.

Wenn du versuchst, fließendes Wasser in einem Eimer einzufangen, so zeigt das, dass du es nicht verstehst und du immer enttäuscht sein wirst, denn im Eimer fließt das Wasser nicht. Um fließendes Wasser zu haben, musst du es loslassen, musst du es fließen lassen.
(Weisheit des ungesicherten Lebens (1951), Alan W. Watts)

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Die heilige Beziehung

Eine besondere Beziehung kostet Kraft, eine heilige Beziehung hingegen macht stark. Wahre Liebe macht frei. Das Glück des Geliebten ist unser Glück, das Ich löst sich im Gegenüber auf. Liebe - und die damit einhergehende Erfahrung von Verbundenheit - erzeugen eine ganz natürliche Art von Verbindlichkeit, eine konsequente Bereitschaft gemeinsam mit einem anderen Menschen die Illusion der Trennung zu überwinden, jenseits aller Konzepte von Paar-Beziehung.

Peter Makena beschreibt in seinem Lied "You and I" eine heilige Beziehung:

Happy is the moment when we sit together
with two forms, two faces, yet one soul …
you and I.
The flowers they will sing forever,
the birds will sing their eternal song,
the moment we enter the garden …
you and I.
The stars of heaven will come out to watch us
and we will show them the light of the full moon …
you and I.
No more thought of you,
no more thought of I, just this precious Moment.
No more thought of you,
no more thought of I, no more thought.
Joyous alive ... free of mind,
you and I.
All the bright winged birds of heaven
will swoop down to drink from our sweet water:
The tears of our laughter …
you and I.
What a miracle of fate: us sitting here,
even at the opposite end of the earth
we are still together …
you and I.


Die heilige Beziehung ist der Ausdruck des heiligen Augenblicks, solange wir in dieser Welt leben. Da sie im JETZT stattfindet, kennt sie keine Vergangenheit und keine Zukunft, kann nicht arrangiert und geplant werden, ist nicht von Konzepten begrenzt und hängt nicht von bestimmten Personen ab. Einen heiligen Augenblick, den wir gemeinsam mit unserem Bruder verbringen, gibt uns beiden das Universum wieder. Wenn wir in LIEBE verbunden sind, haben wir keine gemeinsame Zukunft, denn die heilige Beziehung findet jenseits der Zeit statt.

Jenseits der armseligen Anziehungskraft der besonderen Liebesbeziehung, und durch diese stets verschleiert, liegt die mächtige Anziehungskraft des VATERS auf SEINEN SOHN. Es gibt keine andere Liebe, die dich befriedigen kann, weil es keine andere Liebe gibt. Das ist die einzige Liebe, die voll geschenkt und voll erwidert wird. Da sie vollständig ist, verlangt sie nichts. Da sie gänzlich rein ist, hat jeder alles, der in ihr verbunden ist. Das ist nicht die Basis irgendeiner Beziehung, in die das Ego Einlass findet. Denn jede Beziehung, welche das Ego eingeht, ist besonders.
(EKIW: Kapitel 15, VII. 1.)

Durch den heiligen Augenblick wird das unmöglich Scheinende vollbracht, und dabei tritt zutage, dass es nicht unmöglich ist. Im heiligen Augenblick übt die Schuld keine Anziehung aus, da die Kommunikation wiederhergestellt ist. Und die Schuld - deren einziger Zweck ist, die Kommunikation zu stören - hat hier keine Funktion. Hier gibt es kein Verbergen und keine privaten Gedanken. Die Bereitwilligkeit zu kommunizieren zieht die Kommunikation zu sich an und überwindet die Einsamkeit vollständig. Hier ist vollständige Vergebung, denn da ist kein Verlangen, irgend jemanden aus deiner Vollständigkeit auszuschließen, in jähem Erkennen des Wertes seines Teils darin. Im Schutze deiner Ganzheit werden alle eingeladen und willkommen geheißen. Und du verstehst, dass deine Vollständigkeit diejenige GOTTES ist, DER nur ein einziges Bedürfnis hat: dass du vollständig seist. Denn durch deine Vollständigkeit wirst du gewahr, dass du SEIN bist. Und hier erfährst du dich selbst so, wie du erschaffen wurdest und wie du bist.
(EKIW: Kapitel 15, VII. 14.)

Eine heilige Beziehung schließt nichts aus. Das bedeutet auch, dass auf der Ebene der Form alles möglich ist. Wir können die Liebe feiern, wir können mit jemanden zusammen wohnen, wie können Sex haben, wir können Kinder kriegen - nur dass dies alles nicht mit Erwartungen an die Zukunft verbunden ist. Wir versuchen, keine Probleme zu lösen, außer in der Sicherheit des heiligen Augenblicks. Denn dort wird das Problem beantwortet und gelöst. Außerhalb dessen gibt es keine Lösung, denn dort ist keine Antwort, die zu finden wäre.

Die heilige Beziehung findet im JETZT statt, in welcher Form sich dieses JETZT auch immer darstellen mag. Dies bedeutet das Ende der Beschäftigung des Egogeistes mit Vergangenheit und Zukunft, und seiner Unwilligkeit, durch Ausrichtung auf das unvermeidliche Sosein des gegenwärtigen Augenblicks, eins mit dem Leben zu sein.

Wenn das Ziel zweier Menschen die Heilige Beziehung ist, dann ist dafür die innere Haltung von „keine privaten Gedanken“ die Basis.

Dieser Kurs ist deswegen einfach, weil die Wahrheit einfach ist. Komplexität ist vom Ego und nichts anderes als der Versuch des Ego, das Offensichtliche zu verschleiern. Du könntest für immer im heiligen Augenblick leben, der jetzt beginnt und bis in alle Ewigkeit reicht - wenn nicht ein ganz einfacher Grund dich hinderte. Verschleiere die Einfachheit dieses Grundes nicht, denn tust du das, dann nur deswegen, weil du es vorziehst, ihn nicht wahrzunehmen und ihn nicht loszulassen. Der einfache Grund ist, einfach ausgedrückt, der folgende: Der heilige Augenblick ist eine Zeit, in der du vollkommene Kommunikation empfängst und gibst. Das bedeutet aber, dass er eine Zeit ist, in der dein Geist offen ist, um sowohl zu empfangen wie zu geben. Er ist die Einsicht, dass jeder Geist mit jedem anderen in Kommunikation steht. Der heilige Augenblick sucht deshalb nichts zu verändern, sondern nur alles anzunehmen.

Wie kannst du das tun, wenn du es vorziehst, private Gedanken zu haben und sie zu behalten? Die einzige Weise, wie du dies tun könntest, wäre, die vollkommene Kommunikation zu verleugnen, die den heiligen Augenblick zu dem macht, was er ist. Du glaubst, du könntest Gedanken hegen, die du nicht teilen möchtest, und die Erlösung liege darin, Gedanken für dich allein zu behalten. Du glaubst nämlich, du könntest mit privaten Gedanken, die nur dir allein bekannt sind, einen Weg finden, das zu behalten, was du für dich haben möchtest, und das zu teilen, was du teilen möchtest. Dann fragst du dich, wie es wohl kommt, dass du nicht in voller Kommunikation mit denen stehst, die um dich sind, und mit GOTT, DER euch alle zusammen umgibt.


(EKIW: Kapitel 15, IV. 6.&7.)

"Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, um sie zu begehren,
hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen."

(Mt 5,28 - Bibel Einheitsübersetzung 2016)

Es gilt zu verstehen, dass private Gedanken in Wahrheit eine Illusion sind. Einfach ausgedrückt bedeutet dies, dass alles was wir über unseren Partner denken, unsere Beziehung beeinflusst. Etwas exakter formuliert bedeutet es, dass unsere Gedanken unsere Beziehung erschaffen, weil Beziehung nur in unserem Geist existiert. WAHRHEIT ist Einheit, in ihr gibt es nichts, was sich auf etwas anderes beziehen könnte.

Wenn wir erwacht sind, erkennen wir außerdem, dass wir nicht die Denker "unserer" Gedanken sind. Gedanken erscheinen im individuellen Bewusstsein und wenn ihnen keine Bedeutung, kein Glaube geschenkt wird, haben sie keine Wirkung. Dies ist das, was der Kurs den glücklichen Traum nennt. Wenn wir uns hingegen mit Gedanken identifizieren, fühlen wir uns entweder besser als der Andere, oder schuldig.

Solange wir noch nicht im JETZT ruhen, braucht die Haltung von „keine privaten Gedanken“ einerseits einen gewissen Grad an Berichtigung im eigenen Geist, wir können dafür auch den alten Begriff Herzensbildung verwenden, und andererseits die Zustimmung des Gegenübers. Die Zustimmung des Gegenübers ist entscheidend, wird aber gerne übersehen und wir werfen dann unserem Gegenüber unsere ganzen Projektionen an den Kopf, obwohl es uns gar nicht darum gebeten hat.

Es ist in diesem Zusammenhang ganz wichtig zu verstehen, dass es bei der Haltung „keine privaten Gedanken“ nicht darum geht über den anderen zu urteilen und vielleicht noch zu versuchen diese Urteile zu rechtfertigen. Es geht darum die eigenen Gefühle und Empfindungen nicht für sich zu behalten, sondern sie dem Partner mitzuteilen, ohne Selbstmitleid und ohne dem Partner dafür die Schuld zu geben, sondern zu erkennen, dass der eigene, noch nicht berichtigte Geist, die Ursache aller Probleme ist. Dabei ist es wichtig bei allem, was es zu sagen gibt, mikroskopisch genau die Wahrheit zu sagen.

Die Basis, um mikroskopisch genau die Wahrheit sagen zu können, bildet einerseits die Fähigkeit zwischen Wahrheit und Urteil unterscheiden zu können und andererseits die Fähigkeit eigene unterschwellige verbale oder nonverbale Absichten erkennen zu können. Im Folgenden ein paar Beispiele für unterschwellige Absichten:
Verborgene Absichten werden oft von nonverbalen Hinweisen begleitet, wie Seufzen, zu Boden sehen, mit den Schultern zucken, mit den Fingern trommeln oder die Lippen verziehen. Wenn wir etwas sagen und darauf nicht die gewünschte Reaktion erhalten, sollten wir uns über unsere zugrundeliegende Absicht klar werden. Die Wahrheit ausschließlich zu dem Zweck zu sagen, das innere Erleben mitzuteilen, ist die einzige Absicht, die befreit.

"I swear to tell the truth, the whole truth and nothing but the truth, so help me God."
(Eid in den USA)


Ein Ausdruck von Engagement und Verbindlichkeit in einer Paarbeziehung von Kursschülern könnte folgendermaßen lauten:
Ich liebe dich JETZT. (*)
Ich vertraue dir bedingungslos.
Ich bin bereit mikroskopisch genau die Wahrheit zu sagen.
Ich bin bereit alle Vorstellungen von Besonderheit loszulassen.
Ich erwarte mir nichts von dir, aber ich bin bereit ALLES zu geben.
Ich bin bereit alle Vorstellungen einer gemeinsamen Zukunft aufzugeben.
Ich versuche nicht, dir zu gefallen, sondern ich will mich dir mit all meinen Irrtümern zeigen,
während ich gleichzeitig bereit bin sie loszulassen, ohne Selbstmitleid, ohne dir die Schuld zu geben.

((*) JETZT bedeutet nicht "in diesem Moment und morgen ist vielleicht schon wieder alles anders", sondern verweist auf den Heiligen Augenblick und soll uns daran erinnern, dass LIEBE kein zeitliches Phänomen ist. "Liebe" mit einem zeitlichen Aspekt ist nicht wirklich LIEBE. Wenn wir sagen "Ich werde dich immer lieben", so bedeutet dieses "immer" "die ganze Zeit lang", bezieht sich somit auf die Zeit und ist daher nicht wirklich LIEBE.)

Die heilige Beziehung - ein Hauptschritt zur Wahrnehmung der wirklichen Welt - wird erlernt.
Sie ist die alte, unheilige Beziehung, die umgewandelt und neu gesehen wird. Die heilige Beziehung ist eine phänomenale Leistung des Lehrens. In all ihren Aspekten - ihrem Anfang, ihrer Entwicklung und Vollendung - stellt sie die Umkehrung der unheiligen Beziehung dar. Tröste dich: Das einzige schwierige Stadium ist der Anfang. Denn hier wird das Ziel der Beziehung unvermittelt genau ins Gegenteil dessen verschoben, was sie war. Das ist die erste Folge davon, dass die Beziehung dem HEILIGEN GEIST angeboten wurde, damit ER sie für SEINE Zwecke nutze.

Es wäre nicht freundlicher, das Ziel langsamer zu ändern, denn dann würde der Kontrast verschleiert, und dem Ego würde Zeit gegeben, jeden langsamen Schritt nach seinem Gutdünken umzudeuten. Nur ein radikaler Wechsel des Zweckes der Beziehung kann einen vollständigen Geisteswandel darüber herbeiführen, wozu die ganze Beziehung da ist. Während diese Veränderung sich entwickelt und schließlich vollendet wird, gestaltet die Beziehung sich zunehmend wohltuend und froh. Aber am Anfang wird die Situation als sehr prekär erlebt. Eine Beziehung, die von zwei Menschen um ihrer unheiligen Zwecke willen eingegangen worden ist, hat plötzlich Heiligkeit zum Ziel. Wenn diese beiden ihre Beziehung vom Gesichtspunkt dieses neuen Zieles aus betrachten, ist es unvermeidlich, dass sie entsetzt sind. Ihre Wahrnehmung der Beziehung mag sogar ziemlich desorganisiert werden. Und doch dient die bisherige Organisation ihrer Wahrnehmung dem Zweck nicht mehr, den zu erfüllen sie übereingekommen sind.


(EKIW: Kapitel 17, V. 2.&5.)

Eine heilige Beziehung ist eine gemeinsame Geistesverfassung, in der beide ihre Fehler froh der Berichtigung übergeben, damit beide glücklich als eins geheilt sein mögen.

Der HEILIGE GEIST bittet dich nur um diese kleine Hilfe: Jedes Mal, wenn deine Gedanken zu einer besonderen Beziehung abschweifen, die dich noch immer anzieht, tritt mit IHM in einen heiligen Augenblick ein und lass IHN dich dort befreien. ER braucht nur deine Bereitwilligkeit, SEINE Perspektive zu teilen, um sie dir vollständig zu gehen. Und deine Bereitwilligkeit braucht nicht vollständig zu sein, weil die SEINE vollkommen ist. Es ist SEINE Aufgabe, durch SEINEN vollkommenen Glauben deine fehlende Bereitwilligkeit zu sühnen, und es ist SEIN Glaube, den du dort mit IHM teilst. Wenn du deinen Unwillen, befreit zu werden, erkennst, wird dir SEINE vollkommene Bereitwilligkeit zuteil. Rufe IHN an, denn der HIMMEL ist IHM zu Diensten. Und lasse IHN den HIMMEL für dich anrufen.
(EKIW: Kapitel 16, VI. 12.)


Jenseits der Vorstellungen von Richtig und Falsch liegt ein Ort.
Dort werde ich Dich treffen.

(Rumi, Sufi-Mystiker)



Eltern-Kind-Beziehung

Viele Erwachsene spielen Rollen, wenn sie mit kleinen Kindern reden. Sie benutzen alberne Worte und Laute. Sie reden von oben herab mit dem Kind. Sie behandeln das Kind nicht als ebenbürtig. Wenn wir Eltern werden ist die entscheidende Frage nun: Sind wir in der Lage, unsere Funktion als Elternteil zu übernehmen und sie gut zu erfüllen, ohne uns mit ihr zu identifizieren, das heißt ohne in eine Elternrolle zu verfallen?

Zur notwendigen Funktion von Eltern gehört unter anderem, die Bedürfnisse des Kindes zu befriedigen, das Kind vor Gefahren zu schützen und im ab und zu zu sagen, was es darf und was es nicht darf. Wenn Elternschaft hingegen zur Identität wird und das Selbstgefühl ganz oder weitgehend daraus bezogen wird, erfährt die Funktion schnell eine Überbewertung, wird übertrieben und beherrscht uns schließlich vollkommen. Dies führt zu Überfürsorglichkeit, die verhindert, dass das Kind die Welt selbst erkunden und eigenständig etwas ausprobieren kann.

Eltern ohne Gottvertrauen, die völlig mit ihrer Elternrolle identifiziert sind, leben in der Illusion selbst „Gott“ zu sein und glauben sich die Welt - und damit auch ihre Kinder - untertan machen zu können. Sie vertrauen niemanden mehr außer sich selbst, nicht der Gemeinschaft und nicht Gott. Sie greifen zu stark in das Leben ihrer Kinder ein und lassen ihnen wenig Freiraum, um die Welt selbst entdecken zu können.

Die Pubertät stellt an sich das Ende der Eltern-Kind-Beziehung dar, wie wir auch am Beispiel Jesus erkennen können, ist es aber heutzutage oft nicht mehr. Viele Eltern können nicht vom Elternspielen ablassen, selbst wenn das Kind erwachsen geworden ist. Sie wollen unbedingt auch weiterhin gebraucht werden von ihrem Kind. Die Eltern-Kind-Beziehung ist meist eine besondere Beziehung, doch spätestens mit der Pubertät ist es an der Zeit daraus eine Heilige Beziehung auf allen Ebenen werden zu lassen.

„Jedes Jahr zum Passahfest zogen seine Eltern nach Jerusalem hinauf. Als Jesus zwölf Jahre alt war, nahmen sie auch wieder am Fest teil. Nach den Feierlichkeiten machten sie sich auf den Heimweg nach Nazareth, doch Jesus blieb in Jerusalem zurück. Zuerst vermissten seine Eltern ihn nicht, weil sie annahmen, dass er sich bei Freunden unter den anderen Reisenden befand. Doch als er am Abend immer noch nicht erschien, begannen sie, bei ihren Verwandten und Freunden nach ihm zu fragen. Da sie ihn nirgends finden konnten, kehrten sie nach Jerusalem zurück, um dort nach ihm zu suchen. Nach drei Tagen endlich entdeckten sie ihn. Er saß im Tempel inmitten der Lehrer, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, staunten über sein Verständnis und seine klugen Antworten. Seine Eltern wussten nicht, was sie davon halten sollten. »Kind!«, sagte seine Mutter zu ihm. »Wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich waren in schrecklicher Sorge. Wir haben dich überall gesucht.« »Warum habt ihr mich gesucht?«, fragte er. »Ihr hättet doch wissen müssen, dass ich im Haus meines Vaters bin.« Doch sie verstanden nicht, was er damit meinte.
(Lukas 2,41-50, Neues Leben. Die Bibel)

Es ist Teil einer gesunden Entwicklung bei Kleinkindern zu lernen, wie man mit Frustrationen umgeht. Spätestens mit der Einschulung sollten Kinder gelernt haben, mit kleineren Rückschlägen umzugehen. Experten beobachten jedoch, dass es zunehmend auch ältere Kinder sind, denen diese Fähigkeit fehlt. Das liegt zu einem großen Teil daran, dass Kinder heute oft unter einem übermäßig kontrollierenden Erziehungsstil der Eltern leiden und gleichzeitig einem immensen Leistungsdruck ausgesetzt sind.

Kinder sind von Natur aus kreativ. Doch wir gestehen ihnen Ihre Kreativität nicht zu, wir stürzen uns auf sie und vernichten ihre Kreativität. Wir beginnen sie zu lehren, wie man die Dinge "richtig" macht. Ein kreativer Mensch probiert andauernd falsche Wege aus. Wenn wir die Dinge stets auf dem "richtigen" Weg erledigen, werden wir nie kreativ sein, denn der "richtige" Weg ist der Weg, der bereits von anderen unzählige mal gegangen wurde. Der "richtige" Weg des Egos ist lediglich die ständige Wiederholung der Vergangenheit.

Viele Eltern mischen sich, durch häufiges, gemeinsames für die Schule lernen, stark in das Leben der Kinder ein. Mit ihrem Verhalten setzen sie das Kind unbewusst unter Druck und vermitteln ihm das Gefühl, dass sie etwas Besseres von ihm erwarten und dass die Schule eine enorme Bedeutung hat. Das ist etwas, das viele Kinder heute nicht aushalten können. Das ist für sie einfach unerträglich, weil die Mutter oder der Vater so intensiv mit ihnen gearbeitet haben und trotzdem ist nichts draus geworden. Viele Kinder haben das Gefühl, dass sie sich keinen Fehltritt leisten dürfen, weil sie sonst ihre Eltern verletzen und enttäuschen könnten.

Ein Kind muss spüren, dass es um seiner selbst willen geliebt wird. Und nicht, weil es irgendetwas leistet.

Wenn dies nicht der Fall ist - etwa, weil das Kind spürt, dass seine Eltern bessere Noten oder ein anderes Verhalten von ihm erwarten - werden seine Grundbedürfnisse nach Verbundenheit auf der einen und Autonomie auf der anderen Seite verletzt. Wenn wir ein Kind zum Objekt unserer Kritik, oder unserer Belehrungen, unserer Ziele und Absichten oder gar Maßnahmen machen, werden beide Grundbedürfnisse gleichzeitig verletzt.

Was Kinder brauchen, um Rückschläge hinnehmen zu können, sind eine sichere Bindung auf der einen und viel Freiraum zur Entfaltung auf der anderen Seite.

Vertrauen in unsere Kinder bedeutet auch, dass wir sie grundsätzlich nicht bestrafen, egal wie das Ergebnis ihrer eigenverantwortlichen Handlungen aussieht! Die Bindung zu den Eltern muss garantiert sein, nur so können sie sich mutig neuen Herausforderungen stellen. Dies ist die Basis um sie möglichst gut vor der egoischen Idee von Schuld zu schützen. Natürlich können wir das nicht vollständig, denn Schuld ist die Basis der Welt, aber wir können unseren Beitrag gering halten indem wir selbst die Bereitschaft entwickeln uns von der Idee der Schuld erlösen zu lassen.

Dabei ist es wichtig, sich des Unterschieds zwischen moralischer Schuld und Verantwortung bewusst zu sein. Wir sind für unsere Handlungen verantwortlich im Sinne, dass wir dazu stehen, dass dies und jenes durch uns geschehen ist, aber es gibt keine moralische Schuld und auch keine moralische Besonderheit. Wenn wir mit dieser inneren Haltung unseren Kindern begegnen, werden sie ganz von selbst auf uns zu kommen, wenn sie unsere Hilfe brauchen und wir brauchen nicht ständig wie eine Drohne über ihnen zu schweben.

Als der kleine Willi im Dorf ein Schaufenster einschlägt,
macht er sich schnell und unerkannt aus dem Staub und kommt erst spät Abends nach Hause.
Zuhause erwartet ihn schon sein Vater, der mittlerweile von dem eingeschlagen Fenster erfahren hat.
Der Vater traut seinem Sohn diese Tat durchaus zu und fragt ihn daher sofort:
„Hast du das Schaufenster eingeschlagen?“
Sein Sohn erwidert: „Vater, wirst du die Wahrheit bestrafen?“

Wenn wir Kinder bestrafen zwingen wir sie förmlich zu lügen. Niemand will eine Strafe und schon gar nicht ein Kind. Für ein Kind sind Eltern wie Gott, es ist von ihnen abhängig.

Dass Ego hält es nicht für möglich, dass die Liebe, nicht die Angst, in Wirklichkeit von der Sünde angerufen wird und dass sie immer Antwort gibt. Das Ego überbringt die Sünde nämlich der Angst und fordert Strafe. Strafe ist jedoch nur eine weitere Form des Schutzes für die Schuld, denn das, was Strafe verdient, muss wirklich getan worden sein. Die Strafe ist immer der große Erhalter der Sünde, der sie mit Respekt behandelt und ihre Ungeheuerlichkeit ehrt. Was bestraft werden muss, muss wahr sein. Und das, was wahr ist, muss ewig sein und wird endlos wiederholt. Denn das, wovon du denkst, es sei wirklich, das willst du, und du wirst es nicht loslassen.
(EKIW: Kapitel 19, III. 2.)

Manchmal fällt es uns als Eltern schwer zwischen einer Strafe und einer klaren Grenze zu unterscheiden. Eine Strafe bezieht sich immer auf vergangenes Verhalten und ist mit Ärger, von Seiten der Eltern, verbunden. Eine klare Grenze ist ein mit Liebe ausgesprochenes Verbot im Moment. Hier gilt es als Eltern genau auf unsere eigenen Gefühle zu achten. Ist es wirklich die Liebe zum Kind, aus der heraus ein Verbot ausgesprochen wird, oder ist es nur unsere eigene Angst vor der Unwägbarkeit des Lebens.

Eine mit Liebe ausgesprochene Grenze gibt dem Kind die Möglichkeit eine gesunde Frustrationstoleranz zu entwickeln, ohne grundsätzlich an der Liebe seiner Eltern zweifeln zu müssen. Das Kind spürt sehr genau, ob seine Eltern aus Angst oder aus Liebe handeln.

In esoterischen Kreisen gibt es wiederum das gegenteilige Phänomen, indem Kindern gar keine Grenzen mehr gesetzt werden und sie als Besonderheit der Welt präsentiert werden. Die eigenen Kinder sind natürlich Indigo-Kinder, Kristallkinder, Regenbogenkinder oder Kinder des Lichts. Dass diese ganz “besonderen” Kinder meist ein sehr unsoziales Verhalten aufweisen, wird dann auch noch als Beweis für ihre Besonderheit betrachtet.

Mit ihrem Angebot gelingt es der Esoterik Szene, verschiedene Bedürfnisse und Ängste des modernen Egos aufzugreifen. Sie schafft eine esoterische Wohlfühlatmosphäre und spricht Sehnsüchte an. Mit der Indigo Thematik gelingt es ihr, ein ernstes und weit verbreitetes Problem von Eltern mit verhaltensauffälligen Kindern aufzugreifen. Das erschütterte Vertrauen in die herkömmliche Medizin, aber auch der Wunsch, dass das eigene Kind nicht krank, sondern etwas Besonderes, Außergewöhnliches sein soll, genau an diesen Sehnsüchten setzen die Esoterik Ratgeber an.

In der Welt der Besonderen müssen natürlich auch die Kinder der Besonderen ganz besonders sein. Doch die besonderen Eltern geben meist nur ihre eigen Ängste an ihre Kinder weiter. Diese Eltern haben Angst vor der modernen Medizin, vor bestimmten Nahrungsmitteln, vor Chemtrails, vor Strahlen, vor dem System ganz allgemein und dem Schulsystem im Besonderen. Dass in dieser Wolke diffuser Ängste Kinder verhaltensauffällig werden ist kein Wunder.

„Besonderheit ist ein Mangel an Vertrauen in irgend jemand anderen als dich. Glaube wird in dich allein investiert.“
(EKIW: Kapitel 24, IV. 1. 1.&2.)

„Du bist nicht besonders. Wenn du denkst, du seist es, und deine Besonderheit gegen die Wahrheit dessen verteidigst, was du wirklich bist, wie kannst du die Wahrheit dann erkennen?“
(EKIW: Kapitel 24, II. 4. 1.&2.)

Nur wenn das, was wir unseren Kindern vorleben, zu Liebe, Glück und wahrer Freude führt, werden es uns unsere Kinder abnehmen, dass sie von uns was lernen können. Wenn uns unsere Kinder als gestresste Väter erleben, denen der Job wichtiger ist als ihre Kinder, oder als dominante Mütter, die ständig am Kämpfen für eine „bessere“ Welt sind, aber nicht merken welche Auswirkungen ihr Kampf auf das Wohl ihrer Kinder hat, dann werden sie sich zurecht von uns abwenden. Weil die meisten Eltern allerdings nicht vor Liebe und Freude strahlen, haben die meisten jungen Menschen ein ganz klares Ziel: Nur ja einmal nicht so werden wie die eigenen Eltern.

Kinder wenden sich an ihre Eltern nur dann um Hilfe, wenn sie in ihrem tiefsten Innersten davon überzeugt sind, dass ihnen ihre Eltern auch wirklich helfen können. Da dies häufig mit dem Eintritt ins Schulalter schon nicht mehr der Fall ist, sind Eltern immer wieder überrascht, wenn sie eines Tages mit Problemen im Zusammenhang mit ihren Kindern konfrontiert werden, die sie nie und nimmer geahnt hätten.

Das ständig kontrollierende Eingreifen in das Leben der Kinder, ohne über ihre wahren Bedürfnisse Bescheid zu wissen, geschweige den darauf einzugehen, wird auch dadurch beschleunigt, dass Eltern heutzutage häufig nur ein Kind haben, auf das sie all ihre eigenen Wünsche und Erwartungen projizierten. Diesem Kind werden dann alle vermeintlichen „Hindernisse“ aus dem Weg geräumt, weil es einmal mehr erreichen soll als die Eltern selbst.

Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass nicht die Eltern allein und schon gar nicht ein Elternteil allein das Leben eines Kindes bestimmt. Die Eltern sind die Koordinationspersonen für den ganzen Betreuungs- und Bildungsprozess eines Kindes, aber sie können es alleine nicht schaffen - es braucht eine Gemeinschaft, es braucht auch Lehrer die ein Kind länger begleiten als nur ein Schuljahr, damit sich auch zwischen Lehrer und Schüler eine tragfähige Beziehung bilden kann. Die menschliche Beziehung, die innige Verbindung und die Liebe, die miteinander hergestellt und entwickelt wird, ist wichtiger als irgendwelche Fakten.

"Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen, um ein Kind stark zu machen."
(afrikanische Sprichwort)

Gerade weil sich unser Schulsystem zurzeit fast ausschließlich auf Faktenwissen konzentriert, ist es wichtig, dass wir als Eltern dem Themenkomplex Schule, Ausbildung, Job und Leistung, nicht so viel Bedeutung geben, sondern uns auf die Vermittlung von Weisheit konzentrieren. Wir können unseren Kindern beispielsweise von friedlicher Konfliktlösung, von den Elementen liebender Beziehungen, vom Umgang mit Kreativität, vom freudvollen Ausdruck von Sexualität, vom Zusammenhang von Wissenschaft und Spiritualität, von Bewusstheit und Wachsamkeit und von der der Einheit allen Seins berichten. Und wir können ihnen lehren, was es bedeutet, wahrhaft hilfreich zu sein.

Wenn wir unsere Kinder wirklich lieben, werden wir ihnen daher auch helfen, mutig zu sein - sogar gegen uns selbst. Wir helfen ihnen, stark zu sein, helfen ihnen, fähig zu sein, sich auf der Suche nach dem Unbekannten zu begeben. Beobachten wir einmal kleine Kinder und staunen, was für einen klaren Blick sie haben.

Mutter: "Jimmy, bist du etwa mit den neuen Hosen hingefallen?"
Jimmy: „Ja, Mami, es ging so schnell, ich konnte sie nicht mehr ausziehen."

Wenn wir verstehen, dass wir unserem Kind am besten helfen, wenn wir ihm gestatten, so zu sein, wie es ist und nicht versuchen, es nach unserer alten Vorstellungen von Glück und Erfolg zu formen, werden die Kinder von ganz allein ihre Selbstständigkeit entwickeln. Denn dann lernen und arbeiten sie aus eigenem Antrieb.

Es ist ganz natürlich, dass ein Kind zuerst ein stabiles Ego entwickeln muss, um dann mit Hilfe des Illusionären das Wirkliche zu erkennen. Wir müssen durch das Ego hindurchgehen - dies ist ein äußerst intensiver Wachstumsprozess - dafür braucht es mutige Abenteurer und keine den egoischen Vorstellungen ihrer Eltern angepasste Kinder, die nur die Vergangenheit wiederholen.

Für Kleinkinder sind wir Eltern das Symbol für Gott. Wir können für sie die Idee eines strafenden Gottes symbolisieren, der autoritär in ihr Leben eingreift, oder die eines liebenden Gottes, der einfach nur da ist, wenn wir ihn um Hilfe bitten. Ein vor Gottvertrauen und Liebe strotzender Siebenjähriger wird sich auch in unserem Schulsystem zu recht finden.

Wie bei allem im Leben geht es auch bei bewusster Elternschaft weniger um das Tun, sondern in erster Linie um das SEIN. Formlose Aufmerksamkeit ist untrennbar von der Dimension des SEINS, der Dimension des Göttlichen. Während wir unser Kind anschauen, ihm zuhören, es streicheln oder ihm bei diesem oder jenem helfen, sind wir wach, still und vollkommen präsent und wünschen uns nichts anderes als den Augenblick, so wie er ist. Auf diese Weise schaffen wir Raum für das SEIN, für GOTT. In dem Augenblick, in dem wir gegenwärtig sind, sind wir weder Vater noch Mutter. Wir sind die Wachsamkeit, die Stille, die Präsenz, die zuhört, schaut, streichelt oder auch spricht. Wir sind das SEIN hinter dem Tun.

Die Sehnsucht nach Liebe, die jedes Kind in sich trägt, ist das Verlangen nach Anerkennung, nicht auf der Ebene der Form, sondern auf der Seinsebene. Wenn wir Eltern nur die menschliche Dimension zu würdigen wissen, dass SEIN, die göttliche Ebene, jedoch vernachlässigen, spürt dass das Kind, dass die Beziehung unerfüllt bleibt, dass etwas absolut Entscheidendes fehlt.

Dazu ist es auch notwendig, dass wir uns als Eltern nicht so wichtig nehmen - und selber auf Gott, anstatt auf unser kleines Selbst vertrauen. Wenn wir mit unseren Kindern vor dem Einschlafen gemeinsam ein Gebet sprechen und ihnen von ihrem Freund Jesus erzählen, werden sie wesentlich besser schlafen, als wenn wir sie spät Abends noch mit dem Thema Schule konfrontieren.

„ER führt mich, und ER kennt den Weg, den ich nicht kenne.
Doch wird ER mir nie vorenthalten, was ich nach
SEINEM Willen lernen soll.
Und so vertraue ich darauf, dass ER mir alles mitteilt,
was ER für mich erkennt.“
(EKIW: Kapitel 14, III. 19.)

Unsere Rolle als Eltern nicht zu überschätzen, bedeutet auch uns immer wieder daran zu erinnern, dass der getrennte Geist bei der Inkarnation in einem Körper seine Welt schon mitbringt. Die scheinbare Unschuld der Kinder, geht nicht dadurch verloren, dass sie mit der Welt in Kontakt kommen. Wenn die Trennung im Geiste schon aufgehoben wäre, würde keine Inkarnation mehr erfolgen. Die Inkarnation passiert nur weil der Geist noch Erfahrungen, in der Illusion der Trennung, auf seinem Plan hat, die gemacht werden wollen, auf seinem Weg zur Erlösung. Das größte Geschenk, dass wir „unseren“ Kindern daher machen können, ist unsere eigene Befreiung aus der Angst.

Unsere Kinder sind nicht unsere Kinder. Ein Kind ist keine Sache. Ein Kind kann man nicht besitzen. Das Leben lässt sich niemals besitzen. Wir können es mit offenen Händen halten, doch in dem Augenblick, in dem wir unsere Hände schließen, ist uns das Leben schon entschlüpft. Fast alle Eltern auf dieser Welt machen ihren Kindern das Leben schwer, weil sie Besitzansprüche stellen. Kinder sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Das Kind, das durch uns zur Welt gekommen ist, kam davor schon durch viele andere Menschen. Es hat hinter sich die Ewigkeit und vor sich die Ewigkeit. Es ist in vielen Häusern gewesen, in vielen Städten, an vielen fremden Plätzen. Unter diesen Millionen von Passagen sind auch wir nur eine. Daher sollten wir bescheiden sein und unserem Kind unseren Respekt erweisen.
(Osho)



Zeit

Kleine Kinder und erwachte Lehrer sind die größten Lehrmeister in Sachen Zeitlosigkeit. Gerade in den ganz ersten Lebensjahren, in denen Kindern noch in der Zeitlosigkeit ruhen und noch nicht mit ihrem Körper identifiziert sind, sollten wir nicht versuchen, ihnen unsere illusionäre Welt zu lernen, sondern wir sollten diese Zeit nutzen, um von ihnen zu lernen. Sie sind der WAHRHEIT noch sehr nahe. Im Spiel mit einem Kleinkind, ganz ins JETZT einzutauchen, ist eine zu tiefst heilsame Erfahrung.

Jeder Tag sollte Wundern gewidmet sein. Der Zweck der Zeit ist, dir die Möglichkeit zu geben, zu lernen, wie du die Zeit konstruktiv verwenden kannst. So ist sie denn eine Lehreinrichtung und ein Mittel zum Zweck. Die Zeit wird aufhören, wenn sie nicht mehr nützlich ist, um das Lernen zu erleichtern.
(EKIW: Kapitel 1, I. 15.)

Wunder sind Abkürzungen in der Zeit hinsichtlich des Lernens.
Eine Offenbarung ist eine Form der Erkenntnis jenseits der Zeit.

Das Wunder ist die einzige Einrichtung, die dir zur Kontrolle der Zeit unmittelbar zur Verfügung steht. Nur die Offenbarung transzendiert es, da diese mit der Zeit gar nichts zu tun hat.
(EKIW: Kapitel 1, I. 48.)

Das Wunder verringert den Bedarf an Zeit auf ein Minimum. Auf der Längs- oder Horizontalebene scheint die Einsicht in die Gleichheit der Mitglieder der SOHNSCHAFT eine beinahe endlose Zeit zu umfassen. Das Wunder jedoch hat eine plötzliche Verschiebung von der horizontalen zur vertikalen Wahrnehmung zur Folge. Das führt eine Zeitspanne ein, in deren Folge sich der Gebende und der Empfangende weiter voraus in der Zeit wiederfinden, als sie es sonst gewesen wären. Das Wunder hat also die einzigartige Eigenschaft, die Zeit insofern abzuschaffen, als es die Zeitspanne überflüssig macht, über die es sich hinzieht. Zwischen der Zeit, die ein Wunder dauert, und der Zeit, über die es sich erstreckt, besteht keine Beziehung. Das Wunder ersetzt Lernen, das möglicherweise Tausende von Jahren in Anspruch genommen hätte. Das tut es durch die ihm zugrundeliegende Einsicht in die vollkommene Gleichheit des Gebenden und des Empfangenden, auf der das Wunder beruht. Das Wunder verkürzt die Zeit, indem es sie in sich zusammenfallen lässt und auf diese Weise bestimmte Zeitabschnitte in ihr eliminiert. Es tut dies jedoch innerhalb der größeren zeitlichen Abfolge.
(EKIW: Kapitel 1, II. 6.)

Zeit ist eines der zentralen Elemente der Ego-Illusion. Die Vergangenheit als Erinnerung, als Geschichte, ist nicht das Problem. Nur Gedanken an die Vergangenheit die von uns Besitz ergreifen, sodass sie zur einer Last werden, sind problematisch und fließen in unser Selbstgefühl ein. Diese Identifikation mit der Vergangenheit ist unser Gefängnis. Denn unsere Erinnerungen sind mit Selbstgefühl befrachtet, und aus unserer Geschichte beziehen wir unsere Identität.

Unsere Geschichte setzt sich allerdings nicht nur aus mentalen, sondern auch aus emotionalen Erinnerung zusammen - aus alten Empfindungen, die fortwährend wiederbelebt werden. So schränken wir uns selbst durch Klagen, Bedauern, Hass und Schuldgefühle ein. Unser emotionales Denken ist zu unserem Selbst geworden, und so halten wir an den alten Emotionen fest, weil diese unsere Identität stärken.

Als mir die Zeit entgegenkam,
erschien sie mir hübsch wundersam
und angenehm und lecker.
Sie ging vorüber, und o weh!
Nun, da ich sie von hinten seh,
bemerk ich ihren Höcker.

(Wilhelm Busch)

"Die Zeit ist eine Droge, zuviel davon kann tödlich sein."
(Einfach Göttlich - Terry Pratchett)


Das Ego hat eine seltsame Auffassung von der Zeit, und du könntest dein Infragestellen wohl mit dieser Auffassung beginnen. Das Ego investiert sehr stark in die Vergangenheit und glaubt am Ende, dass die Vergangenheit der einzige bedeutungsvolle Aspekt der Zeit ist. Denke daran, dass die Betonung, die das Ego auf die Schuld legt, es IHM ermöglicht, seine Kontinuität zu sichern, indem es die Zukunft der Vergangenheit gleichmacht und so die Gegenwart vermeidet. Durch die Auffassung, dass man für die Vergangenheit in der Zukunft bezahlen muss, wird die Vergangenheit zum bestimmenden Faktor für die Zukunft, der die beiden ohne eine dazwischenliegende Gegenwart zu etwas Kontinuierlichem macht. Denn das Ego betrachtet die Gegenwart nur als einen kurzen Übergang in die Zukunft, in der es die Vergangenheit der Zukunft dadurch überbringt, dass es die Gegenwart aus der Perspektive der Vergangenheit deutet.
(EKIW: Kapitel 13, IV. 4.)

Das Ego hat die Zeit erfunden und benutzt sie geschickt, um uns von der WAHRHEIT, von der Erfahrung des Heiligen Augenblicks, vom JETZT, abzulenken. Ahnenforschung, Nostalgie, Maturatreffen, Zukunftsplanung, Ansparpläne, Kreditfinanzierung, jede Art von Versprechen, sei es nun ein Eheversprechen oder das Versprechen unter Freunden, einander in schwierigen Zeiten beizustehen, sind beliebte Ablenkungen vom JETZT. Die beliebteste Strategie des Egos ist die Betrachtung der Vergangenheit. Die Stimme des Egos folgt einem immer gleichen Muster: “Schau wie du der geworden bist, der du bist, schau was du getan hast, betrachte doch deine Vergangenheit in deinen Fotoalben, deine Geschichte ist es die dich ausmacht.” Sollte sich die Vergangenheit nicht zur Verklärung eignen, so benutzt das Ego die Zukunft zur Ablenkung vom JETZT: “Lerne aus der Vergangenheit, lerne aus deinen Fehlern und mach es in Zukunft besser, du hast bisher einfach noch nicht den richtigen Partner gefunden, aber dein Seelenpartner wartet schon auf dich, du musst durch den Schmerz durchgehen, dann wird alles gut, Zukunft entsteht wo jemand an sich glaubt und dieser jemand bist Du, verwirkliche deine Träume, usw., usw.”

Daher geht es am spirituellen Weg darum, uns von der Anhaftung an die Vergangenheit zu lösen, um damit die Zukunft zu befreien und so die Voraussetzung für den heiligen Augenblick - das JETZT - zu schaffen.

Es ist offensichtlich, dass die Wahrnehmung, die der HEILIGE GEIST von der Zeit hat, genau das Gegenteil der Wahrnehmung des Ego ist. Der Grund dafür ist ebenso klar, denn sie nehmen den Zweck der Zeit diametral entgegengesetzt wahr. Der HEILIGE GEIST deutet den Zweck der Zeit so, dass sie den Bedarf an Zeit unnötig macht. ER betrachtet die Funktion der Zeit als eine vorübergehende, die nur SEINER Lehrfunktion dient, und diese ist definitionsgemäß vorübergehend. SEINE Betonung liegt daher auf dem einzigen Aspekt der Zeit, der sich zur Unendlichkeit ausdehnen kann, denn jetzt ist die dichteste Annäherung an die Ewigkeit, die diese Welt zu bieten hat. In der Wirklichkeit des »Jetzt« - ohne Vergangenheit oder Zukunft - beginnt die Würdigung der Ewigkeit. Denn nur »jetzt« ist hier, und nur »jetzt« bietet die Gelegenheit für die heiligen Begegnungen, in denen die Erlösung gefunden werden kann.
(EKIW: Kapitel 13, IV. 7.)

Das JETZT ist kein Zeitpunkt zwischen der Vergangenheit und der Zukunft, sondern ist ein Zustand jenseits der linearen Zeit. Indem wir in den heiligen Augenblick, das JETZT, eintreten, kollabiert die Zeit. Wir können uns in der Mechanik des heiligen Augenblickes üben. Das „Buch der Geheimnise“ von Osho bietet gute Übungen dafür.

Doch der heilige Augenblick ersetzt die Notwendigkeit des Lernens nicht! Manche Lehrer unterscheiden daher auch zwischen geistigem und körperlichem Erwachen. Mit dem geistigen Erwachen allein ist die vollständige Befreiung noch nicht erreicht, es müssen noch alle Ideen von Schuld aufgelöst werden. Das geistige Erwachen ist das Eintauchen ins JETZT und aus dieser Position aus, gilt es dann alle Irrtümer im Geist zu berichtigen. Man könnte es auch so ausdrücken: Dieses Eintauchen ins JETZT, stellt die Bereitschaft und die Bedingung dar, sodass der HEILIGE GEIST ganz ungestört die Irrtümer in unserem Geist berichtigen kann.

Der heilige Augenblick ist SEINE wertvollste Hilfe, um uns vor der Anziehungskraft der Schuld zu schützen. Deswegen sprechen viele spirituelle Lehrer davon, dass im erwachten Bewusstseinszustand kein Karma - also keine Illusionen von Schuld - mehr produziert wird.

Der HEILIGE GEIST möchte das alles jetzt aufheben. Die Angst gehört nicht zur Gegenwart, sondern nur zur Vergangenheit und Zukunft, die es gar nicht gibt. Es gibt keine Angst in der Gegenwart, wenn jeder Augenblick klar und von der Vergangenheit getrennt dasteht und ohne dass sein Schatten in die Zukunft reicht. Jeder Augenblick ist eine reine, unbefleckte Geburt, in der der GOTTESSOHN aus der Vergangenheit in die Gegenwart hervortritt. Und die Gegenwart dehnt sich ewig aus. Sie ist so schön und rein und frei von Schuld, dass dort nichts als Glück ist. Es gibt keine Erinnerung an Dunkelheit, und Unsterblichkeit und Freude sind jetzt.
(EKIW: Kapitel 15, I. 8.)

"Daher muss es so sein, dass die Zeit nicht beteiligt ist und jedes Problem jetzt beantwortet werden kann. Doch muss es auch so sein, dass eine Lösung in deinem Geisteszustand unmöglich ist. Deshalb muss GOTT dir einen Weg gegeben haben, einen anderen Geisteszustand zu erlangen, in dem die Antwort bereits da ist. Das ist der heilige Augenblick. Hierher sollten alle deine Probleme gebracht und hier gelassen werden. Hierher gehören sie, denn hier ist ihre Antwort. Und da, wo seine Antwort ist, muss ein Problem einfach und leicht zu lösen sein. Der Versuch, ein Problem dort zu lösen, wo die Antwort nicht sein kann, muss zwecklos sein. Doch genauso sicher muss es gelöst werden, wenn es dorthin gebracht wird, wo die Antwort ist.

Versuche, keine Probleme zu lösen, außer in der Sicherheit des heiligen Augenblicks. Denn dort wird das Problem beantwortet und gelöst. Außerhalb dessen gibt es keine Lösung, denn dort ist keine Antwort, die zu finden wäre. Nirgendwo außerhalb wird eine einzige, einfache Frage je gestellt. Die Welt kann nur eine Doppelfrage stellen. Auf eine Frage, auf die viele Antworten passen, kann es keine Antwort geben. Keine davon wird ihr Genüge tun. Sie fragt auch nicht, um eine Antwort zu bekommen, sondern nur, um ihren Standpunkt erneut zu formulieren.
"

(EKIW: Kapitel 27, IV. 2. & 3.)

Zeit aus unserem Bewusstsein zu streichen bedeutet, das Ego aufzugeben. Wenn vom Eliminieren der Zeit die Rede ist, ist natürlich nicht die Uhrzeit gemeint, die ja ihren Nutzen für praktische Zwecke hat. Gemeint ist die Elimination der psychischen Zeit, also der unaufhörlichen Beschäftigung des Egogeistes mit Vergangenheit und Zukunft, und seiner Unwilligkeit, durch Ausrichtung auf das unvermeidliche Sosein des gegenwärtigen Augenblicks, eins mit dem Leben zu sein.

Ein beliebter Irrtum des ”spirituellen” Ego ist es zu glauben, dass ganz im Moment, also im JETZT, zu leben bedeutet, sich keine Termine mehr auszumachen, sondern bei allen Aktivitäten “reinzuspüren” ob es im Moment passt. Der Kalender eines wachen Menschen wie Eckhart Tolle ist genauso mit Terminen voll wie jeder andere Kalender. Eckhart Tolle hält Vorträge, reist um die ganze Welt und tritt häufig auch im amerikanischen Fernsehen auf, alles Termine die eingehalten werden wollen.

Wache Menschen, wie Eckhart Tolle, machen sich einen Termin im JETZT aus und dann wird nicht weiter darüber nachgedacht. Da wird dann nicht gezweifelt, ob es richtig war diesen Termin zu vereinbaren und es herrscht weder Vorfreude noch Angst vor einem Termin. Die ganze Aufmerksamkeit gilt dem was im Moment auf dem Programm steht. Ein Wecker sorgt für die Erinnerung an den nächsten Termin. Der Termin wird dann absolviert, ohne dass da „reingespürt“ werden müsste, ob das jetzt passt. Da die Ebene der Form bedeutungslos ist, ist es völlig egal, was als nächstes auf dem Programm steht. Es wird vollkommen darauf vertraut, dass wenn etwas im Kalender steht, es schon seinen Grund haben wird.

Alles, was ist oder geschieht, ist die Form, die das JETZT annimmt. Solange wir dagegen innerlich Widerstand leisten, bildet die Form, das heißt die Welt, ein unüberwindliches Hindernis, das uns von dem trennt, was wir jenseits der Form sind. Wenn wir innerlich Ja sagen zu der Form, die das JETZT gerade annimmt, wird eben diese Form ein Tor zum Formlosen. Dann ist die Trennung zwischen der Welt und Gott aufgehoben.

Bei der Aussage, es gibt nur das JETZT, könnten wir einwenden, es gibt ja nicht nur die Geschichte in meinem Kopf, sondern auch noch die Bilder in meinem Fotoalbum, die diese Geschichte bestätigen. Doch wenn die Welt eine Projektion des Geistes ist, dann ist auch das Fotoalbum eine Projektion des Geistes im JETZT. Jede beliebige biographische Geschichte und jedes dazu passende Fotoalbum lassen sich im JETZT projizieren.

In lebensbedrohlichen Situationen verschiebt sich das Bewusstsein manchmal ganz von selbst ins JETZT, die Persönlichkeit tritt für einen Moment in den Hintergrund und wird durch eine intensive bewusste Gegenwärtigkeit ersetzt, sehr still und zugleich sehr wach.

"Wenn du dich jemals in einer Notsituation auf Leben und Tod befunden hast, wirst du wissen, dass es da kein Problem gab. Der Verstand hatte keine Zeit, mit der Situation herumzuspielen und ein Problem daraus zu machen. In einer wirklichen Notlage hält der Verstand an - du wirst vollkommen gegenwärtig im Jetzt und eine unendlich viel größere Kraft übernimmt die Führung. Deshalb gibt es so viele Berichte von ganz normalen Leuten, die plötzlich unglaublich mutig handeln konnten."
(Eckhart Tolle)

Darin besteht die Anziehungskraft gefährlicher Aktivitäten wie Freiklettern oder Autorennen, meist ohne dass sich die Ausübenden dessen bewusst sind. Der Grund ist, dass uns diese Aktivitäten ins JETZT zwingen - in einen Zustand voller Lebendigkeit, frei von Zeit, frei von Problemen, frei vom Denken und frei von der Last der Persönlichkeit. Dieser Zustand ist so wundervoll, dass wir sehr leicht versucht sind diesen Zustand immer wieder durch gefährliche Aktivitäten herstellen zu wollen, was infolge zu einer gewissen Abhängigkeit von der betreffenden Tätigkeit führen kann. Um diesen Zustand zu erreichen brauchen wir keine gefährlichen Aktivitäten, es ist unser natürlicher Seinszustand. Diesen Zustand zu erreichen, ist das Ziel jedes spirituellen Weges.

Nach einem solchen Moment totaler Präsenz kehrt das Ego zurück und begeht häufig folgende Irrtümer. Das „spirituelle“ Ego identifiziert sich mit dieser Erfahrung und glaubt nun, es wäre erwacht. Das spirituell ungeschulte Ego versucht diesen Zustand durch immer gefährlichere Aktivitäten wieder zu erreichen. Dies endet manchmal tödlich. Der Tod löst den grundlegenden Konflikt nicht, aber nach jedem Tod, also nach jeder Loslösung des Bewusstseins von der Form, kommt es zu einem flüchtigen Erwachen – also einer kurzen Begegnung mit Gott.

Ein Mensch der all dies sehr intensiv erfahren hat, war der Rennfahrer Ayrton Senna. Es ist nicht entscheidend wie lange ein Leben dauert. Ein kurzes Leben wie jenes Ayrton Sennas bietet wesentlich mehr Möglichkeiten zur Weiterentwicklung, als ein langes Leben bei dem es nur darum geht irgendwie über die Runden zu kommen.

Ayrton Senna

Ayrton Senna, einer der legendärsten Formel 1 Rennfahrer aller Zeiten, war ein sehr gläubiger Mensch und wie viele Sportler, besonders jene aus Südamerika, sah er seine Erfolge nicht als seinen alleinigen Verdienst an, sondern als ein Geschenk Gottes. Senna war ein Mensch der ganz in die Illusion einer Person eingetaucht war und diese Erfahrung auf sehr intensive Art auslebte, aber sich gleichzeitig bewusst war, dass es da noch etwas Größeres gibt, in das sein Leben und sein Tun eingebettet sind. Diese Demut, die er ausstrahlte, spürten die Menschen und das machte ihn zu einem Liebling der Massen. Nach seinem Tod wurde in Brasilien eine dreitägige Staatstrauer abgehalten.

Am 14. Mai 1988 fuhr Senna das Qualifying für den Grand Prix von Monaco auf eine ganz besondere Art und Weise. Mit einer Zeit von 1:23.998 Minuten fuhr er dabei 1,427 Sekunden schneller als sein Teamkollege Alain Prost und ließ den Österreicher Gerhard Berger im Ferrari 2,687 Sekunden auf Platz drei zurück.

In einem zwei Jahre später erschienen Interview schilderte Senna seine Pole-Position-Runde als Erfahrung einer anderen Dimension:

I was already on pole, then by half a second and then one second and I just kept going. Suddenly I was nearly two seconds faster than anybody else, including my team mate with the same car. And suddenly I realised that I was no longer driving the car consciously. I was driving it by a kind of instinct, only I was in a different dimension. It was like I was in a tunnel. Not only the tunnel under the hotel, but the whole circuit was a tunnel. I was just going and going, more and more and more and more. I was way over the limit, but still able to find even more.

Irgendwann war dieser Zustand wieder ganz plötzlich vorbei und er bekam Angst, er ging vom Gas und fuhr langsam zurück zur Box. Senna bestieg an diesem Tag das Auto nicht mehr. Er war ein im christlichen Sinn gläubiger Mensch und hatte daher keine Ahnung, was ihm da genau passiert war.

Im Grand Prix am Sonntag, am Tag nach dem ganz besonderen Qualifying, fuhr Senna der Konkurrenz zunächst erneut auf und davon und führte mit 50 Sekunden Vorsprung. Als er auch gegen Ende des Rennens immer schneller und schneller wurde, kam von der Box das Kommando, langsamer zu fahren, um den sicheren Sieg nicht zu gefährden. Doch er fuhr weiter volles Tempo, bis er in der Portier-Kurve in die Leitplanken krachte. Senna kehrte darauf hin gar nicht mehr zur Box zurück, sondern verließ unmittelbar die Rennstrecke und zog sich in sein Appartement in Monaco zurück. Er hatte wahrscheinlich versucht den Zustand vom Vortag erzwingen zu wollen. Aber ein heiliger Augenblick lässt sich nicht erzwingen, sondern ist ein Moment der Gnade.

Beim vorletzten Rennen der Saison 1988, beim Grand Prix von Japan in Suzuka, lag Senna nach einem verpatzten Start nur an 14 Stelle. Um Weltmeister zu werden, musste er das Rennen aber gewinnen. Er holte Platz und Platz auf und dann begann das, was er am liebsten hatte – es begann zu regnen. In Folge überholte er auch noch den, bis dahin in Führung liegenden, direkten Konkurrenten Alain Prost und gewann das Rennen. In einem Interview nach dem Rennen sagte er:

Ich war dankbar als ich die letzte Runde fuhr, ich dankte Gott. Ich hätte nicht geglaubt, dass ich tatsächlich die Weltmeisterschaft gewinnen würde. In dieser ganzen Aufregung und Anspannung spürte ich seine Gegenwart – ich sah Gott. Es war ein besonderer Moment in meinem Leben, ein ungeheures Gefühl. Es ist in meiner Erinnerung verankert und wird immer ein Teil von mir sein.

Der Grand Prix von San Marino 1994, auf dem Kurs von Imola, war ein von schweren Unfällen überschattetes Rennen. Am Freitag dem ersten Trainingstag verursachte Rubens Barrichello einen schweren Unfall, den er aber nahezu unverletzt überstand. Am Samstag verunglückte der Österreicher Roland Ratzenberger tödlich. Senna ging zum Unfallsort, war von den Ereignissen sehr berührt und nahm in Folge nicht weiter am Qualifying teil.

Am Morgen des 1. Mai 1994, dem Tag des Rennens, bat er Gott zu ihm zu sprechen. Ayrton Senna öffnete die Bibel und las eine Passage in der stand, dass Gott ihm das größte aller Geschenke machen würde und das war Gott selbst. Wenige Stunden später verunglückte er tödlich.

Epilog

Die Heilung erwartet uns JETZT, daher ist es wichtig, dass wir uns von der Vergangenheit lösen. Genauso wichtig ist es auf der anderen Seite, dass wir uns von der Zukunft lösen. Dies bedeutet unter anderem geistig nicht in einer Warteposition zu verharren. Warten ist eine Ausrichtung auf etwas Zukünftiges und verhindert damit ganz automatisch die Erlösung im JETZT. Wenn die Gegenwart für uns nur eine unliebsame Zwischenstation auf dem Weg in eine glorreiche Zukunft ist, dann sind wir gefangen in der Illusion der Trennung von GOTT.

Am Ende gilt doch nur, was wir getan und gelebt - und nicht, was wir ersehnt haben.
(Arthur Schnitzler)

Ein erwachter Mensch wartet nicht einmal an einer Busstation. Dies bedeutet nicht, dass er dort nicht beispielsweise eine halbe Stunde steht, es bedeutet nur, dass er im Geist nicht wartet. Er ist ganz hier und nimmt alles was in diesem Moment auftaucht mikroskopisch genau war. Sei es das Zwitschern eines Vogels, das Geräusch eines vorbei rollenden Autos, der Wind auf der Haut, die Sonne im Gesicht. Der Geist beschäftigt sich einfach nicht damit, dass in einer halben Stunde ein Bus kommen wird, sondern ruht im JETZT. Natürlich steht der erwachte Mensch genauso diese halbe Stunde an der Busstation, aber er hat dabei im Geist nicht gewartet - er IST einfach.

"Warten ist ein Geisteszustand. Grundsätzlich bedeutet es, dass du die Zukunft willst; du willst nicht die Gegenwart. Du willst nicht das, was du hast, du willst das, was du nicht hast. Mit jeder Art von Warten schaffst du unbewusst einen inneren Konflikt zwischen deinem Hier und Jetzt, wo du nicht sein willst, und der projizierten Zukunft, wo du sein willst. Das reduziert die Qualität deines Lebens gewaltig, weil du die Gegenwart verlierst."
(Eckhart Tolle)

Die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es, denn die Hoffnung in der Zeit, ist das letzte Übel von dem wir uns befreien müssen. Die Hoffnung in der Zeit, das Gegenteil der Hoffnung auf Gott, ist das größte Übel, denn sie verhindert den Geisteswandel in der Gegenwart, die Erlösung im JETZT. Das letzte Übel in der Büchse der Pandora war die Hoffnung.

„Zeus wollte nämlich, dass der Mensch, auch noch so sehr durch die anderen Übel gequält, doch das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu gibt er dem Menschen die Hoffnung: sie ist in Wahrheit das übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert.“ (Friedrich Nietzsche)

Wenn wir unser Leben auf zukünftige Erwartung aufbauen, oder Gedanken an die Vergangenheit von uns Besitz ergreifen, sind wir Gefangene der Zeit und nicht in der Lage unsere ganze Energie auf den jetzigen Moment, nicht auf die im Moment anstehende Handlung, auszurichten. Energie folgt der Aufmerksamkeit! Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf Vergangenheit oder Zukunft ausrichten, dann fehlt uns die Energie für die Ausrichtung auf Erlösung in der Gegenwart.

JETZT ist der Augenblick der Macht! In der Wirklichkeit des JETZT - ohne Vergangenheit oder Zukunft - beginnt die Würdigung der Ewigkeit. Denn nur JETZT ist hier, und nur JETZT bietet die Gelegenheit für die heiligen Begegnungen, in denen die Erlösung gefunden werden kann.

Es ist niemals besser als JETZT!



Spirituelle Suche und spiritueller Weg

Man entdeckt keine neuen Erdteile,
ohne den Mut zu haben,
alte Küsten aus den Augen zu verlieren.
(André Gide, Literaturnobelpreis 1947)

Christoph Kolumbus und die Entdeckung Amerikas

Die Portugiesen suchten im Rahmen des Indienhandels bereits seit Anfang des 15. Jahrhunderts nach einem Seeweg nach Indien um Afrika herum. 1488, nach einer langen Reise entlang der Küste Afrikas, hatte der portugiesische Entdecker Bartolomeu Diaz das Kap der Guten Hoffnung umfahren.

Christoph Kolumbus, der Sohn eines einfachen Wollwebers aus Genua, ist fasziniert von der Seefahrt, vom Gefühl, unterwegs zu sein. Und er träumt davon, einen Seeweg über den Atlantik zu finden, nach China, Japan, Indien. Die Beschreibungen des Asien-Reisenden Marco Polo nähren seine Träume. Der ferne Kontinent verspricht Reichtum, Macht und Ehre.

Er ist überzeugt von seinem Plan und will an den Königshäusern vorsprechen, um Geld für seine Expedition einzutreiben. 1484 bekommt er endlich eine Audienz beim portugiesischen König. Der lacht nur müde. Asien in ein bis zwei Wochen? Unmöglich! Kolumbus zieht an den spanischen Königshof.

Doch auch Isabella und ihr Gemahl Ferdinand haben zunächst kein Interesse an den Plänen. Kolumbus gibt nicht auf und findet schließlich doch bei Isabella Gehör. Die Königin der Spanier ist berauscht von dem Gedanken, den Wettlauf um die Entdeckung ferner Länder gegen Portugal zu gewinnen. Sie lässt sich blenden von Kolumbus’ Charme, den Goldversprechungen und der Aussicht, die fremden Völker zum christlichen Glauben zu bekehren.

Isabella und Ferdinand stellen ihm drei Schiffe zur Verfügung - Santa Maria, Niña und Pinta. Am 3. August 1492, noch vor Sonnenaufgang, segelt Kolumbus von der Hafenstadt Palos in Andalusien aus auf den Atlantik hinaus.

Grundlage für diesen Versuch war seine zu geringe Berechnung des Erdumfangs, die ein Erreichen des asiatischen Kontinents mit den damaligen Möglichkeiten der Seefahrt erst möglich erscheinen ließ. Kolumbus berechnete alles falsch, was man nur falsch berechnen kann. Er, der nie eine Universität besucht hatte, der zwar von seinen Ideen besessen, aber nicht sonderlich begabt war, unterschätzte den Erdumfang - etwa um ein Viertel. Obwohl schon den Alten Griechen der Erdumfang ziemlich genau bekannt war, verließ sich Kolumbus auf die Berechnungen des italienischen Astronomen Toscanelli, der die These vertrat, dass die Erde kleiner sei als bisher gedacht.

Um zwei Uhr am Morgen des 12. Oktobers 1492 sichtete der Matrose Rodrigo de Triana vor dem Bug der Pinta Land. Eine Kanone wurde abgefeuert, um alle Seeleute aufzuwecken und ihnen die frohe Botschaft zu überbringen. Die ersten Begegnungen mit dem einheimischen Volk verliefen friedlich. In seinem Logbuch beschrieb Kolumbus die Indianer als "unschuldig". Er nannte sie Indianer, weil er glaubte, in Indien angelangt zu sein, doch in Wahrheit hatte er eine „Neue Welt“ entdeckt. Das Datum dieses Schlüsselereignisses, der Entdeckung der „Neuen Welt“, kann als Epochengrenze zwischen Mittelalter und Neuzeit gesehen werden.

Hätte Christoph Kolumbus den tatsächlichen Erdumfang und die tatsächliche Größe Asiens gekannt wäre er nie aufgebrochen, weil die Entfernung nach Asien mit den damaligen Schiffen nicht überbrückbar war und der Kontinent Amerika nicht bekannt war.

Es ist schon eine bemerkenswerte Symbolik, dass einst Christoph Kolumbus, durch seine Entdeckung Amerikas, die christliche Missionierung des gesamtem Kontinents ausgelöst hat. Eine christliche Missionierung im Geiste des alten Testaments, indem ein rachsüchtiger Gott die Gegner seines auserwählten Volkes vernichtet. Und nun breitet sich die wahre christliche Lehre, die Lehre von der Einheit allen Seins, von Amerika ausgehend, auf dem alten europäischen Kontinent aus. David Hoffmeisters erstes Zentrum in Europa befindet sich in Spanien, jenem Land von dem einst Columbus aus aufgebrochen ist.

Die Legende der Gralssuche

Die Überlieferungen beschreiben den Gral als ein wundertätiges Gefäß in Form einer Schale oder eines Kelchs. Er soll Glückseligkeit, ewige Jugend und Speisen in unendlicher Fülle bieten. Dieses wunderkräftige und heilige Gefäß, das ewige Lebenskraft spendet, ist umgeben von einer Gemeinschaft, die unter einem Mangel leidet.

Die Legenden, die diesen sonderbaren Gegenstand umranken, wurden von den Troubadouren im mittelalterlichen Europa besungen. In ihrer Minnedichtung ging es um die "große Queste" - die Suche nach einem Objekt sakraler Vollkommenheit.

Jene die sich auf die Suche nach dem Heiligen Gral gemacht hatten, suchten zuerst ein wertvolles Ding. Doch der Gral verspricht ewige Lebenskraft, was dem Erwachen aus der Illusion zum "ewigen" Sein entspricht. Es ist die Suche nach dem wahren SELBST, letztendlich die Suche nach GOTT.

Der Held, Parzival, in dem sich größter Heldenmut und Reinheit vereinen, wächst abseits der Welt auf. Ihm fehlt der Sinn für die Wirklichkeit, weshalb er auch „tumber Tor“ oder „großer Narr“ genannt wird. Der Held verlässt sein behütetes Zuhause und wünscht sich, der bedeutendste Ritter seiner Zeit zu werden. Hilfe bekommt er vom Zauberer Merlin, den man als Symbol für den HEILIGEN GEIST verstehen kann. Der große Narr, der sein Glück im Verlassen seines Vaters zu finden sucht, ist das Symbol für das Ego, das sein Glück in der Trennung von GOTT zu finden sucht.

Der „Narr“ hat aber noch einen zweiten symbolischen Aspekt. Es braucht mutige Narren, um Altes in Frage zu stellen und aufzubrechen, um eine „Neue Welt“ zu entdecken. Solange wir uns im sicheren Hafen des egoischen Denksystems festhalten, werden wir das Paradies nicht finden.

Spirituelle Suche

Dies sind wunderbare Parabeln für die spirituelle Suche, die fast immer mit völlig falschen Vorstellungen vom Paradies beginnt. Das Ego, das sich mit Spiritualität zu beschäftigen beginnt, erhofft sich davon irdisches Glück - finanziellen Erfolg, Anerkennung, einen Seelenpartner und dergleichen. Nur aufgrund dieser falschen Vorstellung ist es überhaupt bereit sich auf den Weg zu machen. Es ist aber eine Reise ins Unbekannte. Das Ego kennt nur die Ware Glück, aber nicht das WAHRE GLÜCK. Wie bei Kolumbus handelt es sich um die Entdeckung einer neuen, bis dahin völlig unbekannten, Welt.

Darum heißt es:

Der der die Suche beginnt, wird die Suche nicht beenden.

Die Suche nach dem Heiligen Gral, die Suche nach dem Paradies - es ist die ewig gleiche Geschichte, von der Suche nach dem wahren SELBST, von der Rückkehr nach Hause zum VATER. Symbole für diese Suche finden sich in großer Zahl in den unterschiedlichsten Geschichten und Mythen, in allen Kulturen und zu allen Zeiten.

"Get back, get back
Get back to where you once belonged
"
(Paul McCartney, 1969)

Spiritueller Weg

"Wenn der Kluge vom rechten Weg hört
bemüht er sich, ihm zu folgen
Wenn der Mittelmäßige von ihm hört
folgt und verliert er ihn
Wenn der Törichte von ihm hört
lacht er schallend
Wenn er nicht darüber lacht
wäre es nicht der rechte Weg
"
(Tao Te King - Lao-Tse)

Erst wenn die größten Irrtümer über das Ziel der Reise beseitigt sind beginnt der eigentliche Weg. Es gibt viele verschiedene Wege und alle Wege, die wahrlich GOTT zum Ziel haben, werden letztlich von Erfolg gekrönt sein, um ihres Zieles willen. Doch sind viele der Mittel mühsam und sehr zeitaufwendig, denn sie sind auf die Zukunft ausgerichtet, um die Befreiung von einem Zustand gegenwärtiger Unwürdigkeit und Unzulänglichkeit zu erlangen.

Der Weg den der Kurs beschreibt ist ein anderer, nicht was das Ziel, sondern was die Mittel betrifft. Eine heilige Beziehung ist ein Mittel, um Zeit einzusparen. Ein heiligen Augenblick, den wir gemeinsam mit einem Bruder verbringen, gibt uns beiden das Universum wieder.

Befürchte nicht, dass du unvermittelt emporgehoben und in die Wirklichkeit geschleudert wirst. Die Zeit ist gütig, und wenn du sie zugunsten der Wirklichkeit nutzt, wird sie bei deinem Übergang sanft mit dir Schritt halten. Die Dringlichkeit liegt nur darin, deinen Geist aus seiner starren Position hier herauszulösen. Das wird dich nicht obdachlos und ohne Bezugsrahmen lassen. Die Desorientierungsphase, die dem eigentlichen Übergang vorangeht, ist weit kürzer als die Zeit, die es gedauert hat, deinen Geist so fest auf Illusionen zu fixieren. Die Verzögerung wird dich jetzt mehr verletzen als zuvor, einfach weil du begreifst, dass es eine Verzögerung ist und das Entrinnen aus dem Leid tatsächlich möglich ist. Finde Hoffnung und Trost statt Verzweiflung hierin: Du könntest selbst die Illusion von Liebe nicht lange in irgendeiner besonderen Beziehung hier finden. Denn du bist nicht mehr gänzlich wahnsinnig, und du würdest bald die Schuld des Selbstverrats als das begreifen, was sie ist.
(EKIW: Kapitel 16, VI. 8.)

Die wichtigen Stationen der Reise zurück ins Paradies sind vorgegeben, lediglich in der genauen Reiseroute und damit der Reisedauer besteht eine Wahlmöglichkeit.

Dies ist ein Kurs in Wundern. Es ist ein Pflichtkurs. Nur die Zeit, in der du ihn machst, steht dir frei. Freier Wille bedeutet nicht, dass du den Lehrplan bestimmen kannst. Es bedeutet nur, dass du wählen kannst, was du zu einer gegebenen Zeit lernen willst.
(EKIW: Einleitung, 1.)


Bild
Auf Kurs SEIN.

Die sechs Stufen bei der Entwicklung von Vertrauen

Am Beginn des Weges ist die Illusion am größten, die Identifikation am stärksten. An diesem Punkt braucht es das stärkste Vertrauen. Es ist wie beim Start einer Rakete in den Weltraum. Das Loslösen von der Erde benötigt den größten Energieaufwand. Die Bewegung beginnt bei null und scheint zu Beginn fast wie in Zeitlupe abzulaufen. Wenn die Rakete einmal Fahrt aufgenommen hat und immer mehr Ballast abwirft, wird es immer leichter. Wenn die Rakete den Orbit erreicht hat und die Gravitation der Erde verlassen hat, ist nichts mehr zu tun. Sie befindet sich in einem schwerelosen Zustand.
Auf uns bezogen bedeutet dies, wenn wir die Anziehungskraft der Schuld verlassen haben, ist es, als würden wir im Sommer einen ruhigen Weg entlang getragen.

Shuttle launch (Video)

Der Kurs bietet auch eine Beschreibung der einzelnen Reiseabschnitte. Im Handbuch für Lehrer werden im Kapitel über die typischen Eigenschaften eines Lehrers GOTTES sechs Stufen bei der Entwicklung von Vertrauen beschrieben:

1. Phase

Zuerst müssen sie etwas durchlaufen, das »eine Phase des Aufhebens« genannt werden könnte. Das braucht nicht schmerzhaft zu sein, wird aber gewöhnlich so erfahren. Es scheint, als würden Dinge weggenommen, und anfangs wird selten verstanden, dass lediglich ihr Mangel an Wert begriffen wird. Wie kann ein Mangel an Wert wahrgenommen werden, es sei denn, der Wahrnehmende ist in einer Lage, in der er die Dinge in einem anderen Licht sehen muss? Er ist noch nicht an einem Punkt, an dem er den Wechsel gänzlich im Innern vollziehen kann. Und somit wird der Plan manchmal Veränderungen in dem hervorrufen, was äußere Umstände zu sein scheinen. Diese Veränderungen sind immer hilfreich. Wenn der Lehrer GOTTES soviel gelernt hat, geht er zum zweiten Stadium über.
(EKIW: III. HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. I. 3.)

2. Phase

Als nächstes muss der Lehrer GOTTES durch eine »Phase des Aussortierens« gehen. Das ist immer etwas schwierig, weil er, da er gelernt hat, dass die Veränderungen in seinem Leben stets hilfreich sind, nun alle Dinge aufgrund dessen entscheiden muss, ob sie das Hilfreiche mehren oder hindern. Er wird feststellen, dass viele, wenn nicht die meisten Dinge, denen er vorher Wert beigemessen hatte, lediglich seine Fähigkeit behindern, das, was er gelernt hat, auf jeweils neue Situationen zu übertragen. Weil er dem Wert beigemessen hat, was wirklich wertlos ist, wird er die Lektion aus Angst vor Verlust und Opfer nicht verallgemeinern. Es bedarf beträchtlichen Lernens, um zu verstehen, dass alle Dinge, Geschehnisse, Begegnungen und Umstände hilfreich sind. Nur in dem Maß, in dem sie hilfreich sind, sollte ihnen irgendein Grad von Wirklichkeit in dieser Welt der Illusion beigemessen werden. Das Wort Wert kann sich auf nichts anderes beziehen.
(EKIW: III. HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. I. 4.)

3. Phase

Die dritte Stufe, die der Lehrer GOTTES durchlaufen muss, kann als »eine Phase des Aufgebens« bezeichnet werden. Wenn dies als Aufgeben von Wünschenswertem gedeutet wird, wird es enorme Konflikte erzeugen. Wenige Lehrer GOTTES entrinnen völlig dieser Not. Es hat allerdings keinen Sinn, das Wertvolle vom Wertlosen zu trennen, wenn nicht der nächste offensichtliche Schritt getan wird. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass »die Phase der Überschneidung «eine Zeit ist, in der der Lehrer GOTTES sich dazu aufgerufen fühlt, das, was zu seinem Besten ist, für die Wahrheit zu opfern. Es ist ihm bis jetzt noch nicht klargeworden, wie gänzlich unmöglich eine solche Forderung wäre. Er kann das nur lernen, indem er das Wertlose tatsächlich aufgibt. Dadurch lernt er, dass er dort, wo er Gram erwartete, statt dessen eine glückliche Unbeschwertheit findet, und dort, wo er dachte, etwas werde von ihm verlangt, eine Gabe findet, die ihm verliehen wird.
(EKIW: III. HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. I. 5.)

4. Phase

Jetzt folgt »eine Phase des Zur-Ruhe-Kommens«. Das ist eine ruhige Zeit, in der der Lehrer GOTTES für eine Weile einigermaßen in Frieden ruht. Jetzt festigt er sein Lernen. Jetzt beginnt er den Übertragungswert dessen zu sehen, was er gelernt hat. Dessen Potential ist buchstäblich umwerfend, und der Lehrer GOTTES ist jetzt in seinem Fortschreiten an dem Punkt angelangt, an dem er darin seinen ganzen Ausweg sieht. Gib auf, was du nicht willst, und bewahre, was du willst. Wie einfach ist das Offensichtliche! Und wie leicht auszuführen! Der Lehrer GOTTES braucht diese Atempause. Er ist noch nicht so weit gekommen, wie er denkt. Doch wenn er bereit ist, weiterzugehen, geht er mit mächtigen Gefährten an seiner Seite. Jetzt ruht er eine Weile und sammelt sie um sich, bevor er weitergeht. Er wird von hier an nicht alleine gehen.
(EKIW: III. HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. I. 6.)

5. Phase

Die nächste Stufe ist fürwahr »eine Phase des Ins-Wanken-Bringens«. Jetzt muss der Lehrer GOTTES verstehen, dass er nicht wirklich wusste, was wertvoll und was wertlos war. Alles, was er bis jetzt wirklich gelernt hatte, war, dass er das Wertlose nicht wollte und dass er das Wertvolle wollte. Doch sein eigenes Aussortieren war bedeutungslos dafür, ihn den Unterschied zu lehren. Die Idee des Opferns, so zentral für sein eigenes Denksystem, hatte es ihm unmöglich gemacht, zu urteilen. Er dachte, er habe Bereitwilligkeit gelernt, doch jetzt sieht er, dass er nicht weiß, wofür die Bereitwilligkeit ist. Und jetzt muss er einen Zustand erlangen, der möglicherweise für eine lange, lange Zeit unerreichbar bleiben wird. Er muss lernen, alles Urteilen wegzulegen und nur um das zu bitten, was er in jeder Situation wirklich will. Würde nicht jeder Schritt in diese Richtung so nachdrücklich verstärkt, wäre es fürwahr schwierig!
(EKIW: III. HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. I. 7.)

6. Phase

Und schließlich gibt es eine »Phase der Vollendung«. Genau hier wird das Lernen gefestigt. Jetzt wird das, was vorher als bloße Schatten gesehen wurde, zu einem soliden Gewinn, auf den man in allen Notfällen ebenso wie in ruhigen Zeiten zählen kann. In der Tat ist Seelenruhe ihr Resultat: das Ergebnis des ehrlichen Lernens, der Konsequenz im Denken und der vollständigen Übertragung des Gelernten. Das ist das Stadium wirklichen Friedens, denn hier wird der Zustand des HIMMELS völlig widergespiegelt. Von hier aus ist der Weg zum HIMMEL offen und leicht. Tatsächlich ist er hier. Wer würde irgendwohin »gehen« wollen, wenn der Seelenfrieden bereits vollständig ist? Und wer würde die Seelenruhe gegen etwas Wünschenswerteres einzutauschen suchen? Was könnte wünschenswerter sein als dies?
(EKIW: III. HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. I. 8.)

Epilog

Wir sehen, dass zwei Drittel dieser Phasen, also vier von sechs, üblicherweise als herausfordernd und schwierig wahrgenommen werden. Dies kommt in allen Geschichten und Mythen von der Suche nach dem Paradies zum Ausdruck. Der Reisende muss eine Menge an Abenteuern und Prüfungen überstehen und ist immer wieder großen Zweifeln ausgesetzt. Wenn wir aber aufgrund der Hinweise im Kurs eine Ahnung davon haben was auf uns zukommt, werden wir nicht gleich bei der ersten Schwierigkeit die Suche aufgeben.

Kirsten Buxton, eine in Neuseeland geborene Kurs-Lehrerin, berichtet 2011 in einem Interview von ihrer Reise:
Interview mit Kirsten Buxton


Jesus spricht:
Wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet.
Und wenn er findet, wird er bestürzt sein.
Und wenn er bestürzt ist, wird er erstaunt sein.
Und er wird König sein über das All.

(Thomas-Evangelium, Logion 2)



Der Ochse und sein Hirte

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Viele Fragen die die das spirituell suchende Ego beschäftigen sind entweder-oder-Fragen. Eine dieser Fragen ist die Frage nach dem Rückzug. Ist es sinnvoll sich völlig von der Welt zurückzuziehen, beispielsweise in ein Kloster, in den Wald oder in eine Höhle? Das Ego versucht eine entweder-oder-Situation zu erzeugen - die es gar nicht gibt. Denn wenn sich die Frage überhaupt scheinbar stellt, dann ist es kein entweder-oder sondern es sind zwei aufeinander folgende Abschnitte eines Prozesses. Außerdem geht es nicht um einen Rückzug auf der Ebene der Form, sondern auf der Ebene des Geistes.

Daher ist es hilfreich sich mit dem Prozess dessen, was häufig als spiritueller Weg bezeichnet wird, nochmals aus einem anderen Blickwinkel zu beschäftigen. Der Ochse und sein Hirte, in der verbreitetsten Variante auch als die zehn Ochsenbilder bezeichnet, ist ein Motiv aus dem Zen-Buddhismus. Die ursprüngliche Variante bestand aus einem kurzen Vers mit illustrierenden Holzschnitten. Sie beschreiben den spirituellen Weg eines typischen Zen-Buddhisten.

Es existieren verschiedene Versionen des Bildablaufs und die unterschiedlichsten, zum Teil dubiosesten Deutungen des Inhalts. Schon die Frage, was der Ochse bedeutet, entzweit die Gemüter. Vergleichen wir das Wort Ochse entweder mit altindisch ukṣấ „Stier“, ukṣáti „besprengt, befeuchtet“, woraus eine Grundbedeutung „Samenspender" abgeleitet werden kann; oder aber mit dem Wortstamm von wachsen, vgl. altindisch úkṣati „wächst“, womit vielleicht der „Mastochse“ am Anfang stand. Es geht um den Samen der Wahrheit und dessen wachsen zur Erfahrung der Wahrheit.

Schauen wir zuerst auf das Ziel des Zen und betrachten die Bilder von dort aus. Das Ziel ist EINS (japanisch „ichi“), die Einheit, das Nirwana - in der Sprache des Kurses - das Erwachen aus der Illusion der Trennung. Von hier aus betrachten wir die 10 Bilder der Ochsenerfahrung.

1. Die Suche nach dem Ochsen

Der Hirte kann den Ochsen nicht finden, denn er ist nie verlorengegangen. Aber das Gefühl, dass etwas fehlt, ist das erste Erwachen des Buddhageistes. Nur findet die Suche nach dem "Verlorenen" meist auf falschem Terrain statt, in der Außenwelt und in der Form, in Ritualen und Gesängen, in Kirchen und Tempeln, wo ein Finden niemals ein Finden ist, sondern immer wieder nur zu neuer Suche führt. Denn was nicht verloren ging, kann nicht gefunden werden. Alles, was wir finden können, ist daher nicht das, was verloren ging. Der Sinn der Suche ist, den WEG zu entdecken, aber nicht, ein Ziel zu erreichen.

2. Das Entdecken der Spuren des Ochsen

Wohin der Hirte auch schaut, überall sind die Spuren des Ochsen. Alles, was ist, ist Ausdruck der Leerheit. Dennoch ist die Lehre der Leere noch nicht verstanden, und das Greifen nach dem Ochsen ist oft ein Danebengreifen. Da die Buddhanatur jedem Menschen immer innewohnt, kann sie nicht im institutionalisierten Glauben gefunden werden. Der Hirte sieht zwar und spürt, dass hier und da etwas zu ihm spricht, aber es ist zu ungewohnt, er kann nicht wirklich verstehen, was gemeint ist, und was der richtige Weg ist.

3. Das Finden des Ochsen

Der Hirte gelangt zum Ursprung und erlebt den Ochsen in gelassener Ruhe. Daher ist auch das Tun des Hirten Ausdruck des Ochsen. Das bin ich - so erlebt der Hirte die Welt. Keine Projektionen mehr, weder Schuld auf andere schieben noch sich selber für etwas Besonderes halten. Die Getrenntheit zur Außenwelt ist verschwunden, die Natur ist in ihn zurückgekehrt. Alles ist vollkommen es selbst. Nur ausdrücken lässt sich dieser Zustand nicht. Und ganz angekommen und sicher ist der Hirte auf dieser Stufe auch noch nicht.

4. Das Fangen des Ochsen

Der Hirte hat noch keine Gewalt über den Ochsen, der sich zeigt und entzieht, wie er will. Es braucht intensive Praxis, um eins mit dem Ochsen zu werden. Unser gewohntes Verhalten ist so anders als die Ochsenweise, dass Hirte und Ochse sich gezielt und mit Energie aneinander fesseln müssen. Ohne regelmäßige intensive Praxis auf dem Kissen und im Alltag läuft der Ochse wieder weg. Außerdem muss ich mir sicher sein, wen ich da fange - so mancher hat nachher einen kastrierten Ochsen oder eine Ziege an der Leine.

5. Das Zähmen des Ochsen

Peitsche und Strick sind nötig, damit der Hirte den Ochsen bändigen kann. Die Form wird benutzt, um die Nichtform zum Ausdruck zu bringen. Peitsche und Zügel sind nötig - man muss sich antreiben und anbinden an den gefundenen Weg, um mit fester Ausrichtung dem Einfluss der Samsara-Welt und des sich immer wieder einmischenden Ichs nicht zu folgen - die jeden Erfolg nutzen, um wieder in ihre alten Geleise zu lenken. Viel Zeit, viel Geduld, große Ausdauer sind nötig. Veränderungen zeigen sich meist erst nach Jahren.

Wir können die Arbeit mit dem Kurs als den Prozess der Ochsenbilder 2 bis 5 verstehen, vom Entdecken der Spur des Ochsen bis zur Zähmung des Ochsens. Nach der Heimkehr am Rücken des Ochsen verschwindet der Ochse.

Die Anstrengung am Beginn des Weges ist zweifellos Teil der Illusion. Wenn wir uns einmal wahrhaftig für den Weg des Kurses entschieden haben, merken wir sehr schnell, dass es genau umgekehrt ist. Der Weg mit dem Kurs ist leicht, weil das Einzige was von uns verlangt wird - und auch nur verlangt werden kann - ist, den Heiligen Geist um Berichtigung zu bitten. Wir brauchen nichts zu tun, im Sinne einer konkreten Handlung auf der Ebene der Form. Wir erkennen dann, wie schwer der Weg des Egos ist, wir erkennen welche Anstrengung es bedeutet durch ständiges Urteilen herausfinden zu müssen was zu tun ist. Die WAHRHEIT ist einfach und kann nicht geübt werden, das Leiden ist sehr kompliziert und muss durch ständiges Wiederholen geübt werden.

6. Die Heimkehr auf dem Rücken des Ochsen

Der scheinbare Kampf ist gewonnen und damit die Welt von Gewinn und Verlust überwunden. Die Buddhanatur hat die Führung übernommen, der sich der Hirte überlassen kann. Das Leben des Hirten wird zum Ausdruck der Buddhanatur. Nicht das Ego - die Erfahrung eines abgetrennten Ichs - bestimmt den Weg, sondern in Muße ergibt sich alles wie von selbst. Schönheit und Vollkommenheit werden nicht mehr gesucht, sie sind in jeder Handlung und in jeder Wahrnehmung anwesend. Hier ist das "Ich-weiß-nicht" angesiedelt. denn der Hirte muss nicht mehr wissen, was er tut und wohin es geht, er kann völlig dem Strom des Daseins vertrauen.

7. Der Ochse ist verschwunden, der Hirte bleibt

Da Hirte und Ochse im Ursprung eins sind, ist der Ochse nicht mehr vorhanden - er war ja Ausdruck des Unvollständigseins oder Fehlens. Müßig lebt der Hirte ein Leben der Einheit. Das Suchen nach "Etwas" - hier der Ochse - war eine Art virtueller Vorgang. So wie die Suche nach dem, der durch unsere eigenen Augen schaut. Das Ende dieser Illusion bringt Frieden und Ruhe; keine Geschäftigkeit, Hast oder Eile werden mehr produziert. Das Ich erfindet keine Ziele mehr, die verfolgt werden müssen. Die Bedeutung der strengen Übung versinkt gleichfalls in der Stille, mit ihr die Roben, Riten und Gebote. Es gibt also auch keinen WEG mehr, der zu gehen ist, kein Ziel, das anzustreben ist. Der Hirte ist heimgekommen in sich und der Welt.

8. Ochse und Hirte sind verschwunden

Im Ursprung angekommen gibt es auch keinen Hirten mehr. Jedes Tun und jedes Ziel hat hier sein Ende. Die Suche nach Buddhaschaft ist vorbei. Hier gibt es keinen Buddhismus und kein Zen mehr, dennoch ist alles klar und eindeutig und jenseits irgendwelcher Beliebigkeit. Disziplin und Anstrengung haben jeden Sinn verloren. Dieser Zustand kann mit Worten nur angedeutet werden, es ist der Zustand der Alten Meister, die wir plötzlich verstehen, als hätten wir ihre Worte selbst gesprochen.

9. Zurückgekehrt zum Ursprung

Keine Übung ist mehr nötig, im Nichttun verweilend gibt es keine Täuschung mehr. Heilig und profan sind sinnlose Begriffe geworden. Es gibt keine Welt mehr, die überwunden werden müsste, keine falschen Handlungen, die wir vermeiden sollten. Außen und Innen ist keine Grenze. Keine Erleuchtung reicht an diesen Zustand heran, da sie vorübergeht. Der WEG ist hier zu Ende, weil wir endlich angekommen sind.

10. Das Hereinkommen auf den Markt

Spirituelle Lehren sind unnütz geworden, frei bewegt sich der Mensch zwischen Fischbuden und Kneipen. Er erhebt sich nicht über andere und wird nicht als fremd betrachtet. Reinheit und Beschmutzung sind einerlei, aber mächtiges Lachen ist häufig zu hören. Alles gelingt in lebensspendender Weise ohne Magie und Geheimnis. Hier ist nichts mehr nötig: Keine Verstellung anderen oder sich selbst gegenüber. Das Leben ist einfach geworden. Weder nach Kloster- noch Partyleben steht diesem Menschen der Sinn.

Epilog

Vereinfacht und in der Sprache des Kurses ausgedrückt bedeutet dies für das konkrete Thema Rückzug Folgendes: Es ist ein Rückzug auf der Ebene des Geistes notwendig, um uns aus der körperlichen - also der egoischen - Sicht der Welt zu lösen, damit GOTT uns zu seinem Werkzeug, zu einem Lehrer GOTTES, formen kann. Dies sind die ersten drei Phasen in der Entwicklung von Vertrauen. Dabei fühlen wir uns oft allein, aber spätestens dann braucht es mächtige Gefährten für den Weg den uns der Kurs anbietet. Der Erlösungsweg des Kurses ist, im Gegensatz zum Zen-Buddhismus, die Heilige Beziehung und dafür braucht es ein Gegenüber.

“Auch ist ein Leben der Kontemplation und langer Phasen der Meditation, die auf Loslösung vom Körper abzielen, nicht notwendig. Alle diese Versuche werden letztlich von Erfolg gekrönt sein, um ihres Zieles willen. Doch sind die Mittel mühsam und sehr zeitaufwendig, denn sie sind alle auf die Zukunft ausgerichtet, um die Befreiung von einem Zustand gegenwärtiger Unwürdigkeit und Unzulänglichkeit zu erlangen.

Dein Weg wird ein anderer sein, nicht was das Ziel, sondern was die Mittel betrifft. Eine heilige Beziehung ist ein Mittel, um Zeit einzusparen. Ein Augenblick, den du gemeinsam verbringst mit deinem Bruder, gibt euch beiden das Universum wieder. Du bist vorbereitet. Jetzt brauchst du dich nur daran zu erinnern, dass du nichts zu tun brauchst.”


(EKIW: Kapitel 18, VII. 5. & 6.)

Wenn jenes Maß an Berichtigung in unserem Geist passiert ist, die für unsere ganz spezielle Funktion in SEINEM Plan notwendig ist, wird sich der HEILIGE GEIST durch uns den Menschen zuwenden.

Diese Lebensweise, auf die schon Meister Eckhart im Spätmittelalter hingewiesen hat, ist ein Leben „ohne Warum“. Gott hat kein „Warum“ außer und neben sich, und auch seine Liebe ist grundlos. Ebenso sind auch göttliche Werke des Menschen dadurch gekennzeichnet, dass sie ohne Grund vollbracht werden. Was einen Grund hat, besteht um des Grundes willen und ist ihm somit untergeordnet.

Eckhart fordert Abwendung von allem, was in der Welt ist, und ausschließliche Konzentration auf den eigenen Seelengrund, wo Gott zu finden ist. Die damit erreichte Abgeschiedenheit äußert sich aber nicht als Gleichgültigkeit gegenüber der Welt. Der Mensch hat sich zwar auf der Suche nach Gott konsequent von der Welt abgewendet, aber Gott, den er in seinem Seelengrund gefunden hat und dem er die Herrschaft über sich restlos überlassen hat, ist den Menschen zugewandt. Das äußert sich darin, dass der Abgeschiedene und Gelassene kein zurückgezogenes Leben führt, sondern ein aktives und soziales. Er vollbringt Werke, die seinen Mitmenschen zugutekommen. Im Unterschied zu denen, welche die Gottesgeburt nicht erlebt haben, verfolgt er damit nicht weltliche Ziele, sondern göttliche. Eckhart betont auch, dass die Heiligkeit niemals auf ein Tun gegründet ist, sondern ausschließlich auf ein SEIN.



Spirituelle Lehrer

Die Entwicklung auf der Ebene des Egos mit all den Ausbildungen und Trainings und all den Seminaren zur Persönlichkeitsentwicklung, wie Selbstmanagement, Zeitmanagement, „Die Kunst, Nein zu sagen“, „Löse deine Blockaden“, stellen eine „Entwicklung“ auf der horizontalen Ebene dar – sind aber kein spiritueller Weg.

Alle Spekulation, vielleicht alles Philosophieren ist nur ein Denken in Spiralen;
wir kommen wohl höher, aber nicht eigentlich weiter,
und dem Zentrum der Welt bleiben wir immer gleich fern.

(Arthur Schnitzler)

Es passiert dabei auch keine wirkliche Entwicklung. Zu lernen von der Position des Opfers in die Position des Täters zu wechseln, indem man lernt nein zu sagen, ist nur ein Wechsel von einer Seite der Dualität auf die andere. Daran ist absolut nichts falsch, es wollen einfach beide Seiten der Dualität erfahren werden. Meist entsteht die Bereitschaft zu echter Entwicklung aber erst dann, wenn der Wechsel in umgekehrter Richtung erfolgt, wenn also die Täter, sprich Macher-Rolle, in sich zusammenbricht und wir uns wieder als Opfer von äußeren Umständen erleben. Diese scheinbar äußeren Umstände können wirtschaftliche Rahmenbedingungen oder auch eine Krankheit sein.

„Wie der, der eifrig zu gewinnen strebt,
wenn zum Verlieren nun die Zeit gekommen,
in Kümmerniß und tiefem Bangen lebt.“

(Dante Alighieri - Göttliche Komödie, Die Hölle. Erster Gesang)

Die seit den 60er Jahren so beliebte Selbsterfahrung, auf der Ebene der Person und damit auf der Ebene der Psychologie, ist die Erfahrung des falschen Selbst. Dies ist hilfreich, wenn in Folge erkannt wird, dass die Person nur ein automatisch ablaufendes Programm ist, das mit etwas Psychologie-Wissen, oder mit Hilfe jedes herkömmlichen Enneagramm-Buches, ganz leicht durchschaut werden kann. Dies kann dann die Basis für einen spirituellen Weg sein. Wenn dies nicht passiert, ist Psychologie nur egoische Selbstbefriedigung - Befriedigung des falschen Selbst.

Der spirituelle Weg stellt die Entwicklung auf der vertikalen Ebene dar – raus aus der Illusion einer handelnden Person. In den meisten persönlichen Lebenswegen finden wir eine Zeit der „Entwicklung“ auf horizontaler Ebene und wenn die Grenzen dieser „Entwicklung“ erkannt sind, folgt irgendwann echte Entwicklung auf vertikaler Ebene.

Das Kreuz ist ein Symbol für diese beiden Entwicklungswege. Der horizontale Weg ist kurz und endet nirgends, er stellt lediglich den Wechsel von einer Seite auf die andere der Dualität dar, der vertikale Weg stellt die Loslösung von der Anhaftung an die Welt dar, die Auferstehung und die Rückkehr in den Himmel des reinen Geistes.

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Wer ist es der lernt? Der Einzige der lernt ist das Ego. Das Einzige was das Ego lernen kann ist, dass sein lernen ein einziger Irrtum ist und es absolut nichts darüber weiß, was irgendetwas in dieser Welt bedeutet. Erst wenn dieser, von Demut, Nichtwissen und totaler Wehrlosigkeit erfüllte Zustand, erreicht ist, sind wir für die Erlösung aus der Illusion durch GOTT bereit.

Dem entsprechend lassen sich auch Lehrer unterscheiden - jene, die bei der erfolglosen Suche nach dem persönlichen Glück behilflich sind und jene, die auf dem Weg raus aus der Illusion einer Person hilfreich sind - und nur jene sind wahrhaft spirituelle Lehrer.

Bei den spirituellen Lehrern gibt es allerdings auch zwei sich scheinbar völlig widersprechende Philosophien. Die einen behaupten das Ego ist eine Illusion und daher gibt es auch Niemanden der etwas zur Erlösung beitragen könnte. Sie meinen jeder Lehrer der behauptet der Schüler könnte etwas tun, sei ein Mittäter bei der Verhinderung der Befreiung. Was ein Widerspruch in sich ist. Wenn es niemanden gibt der etwas tun kann, kann es auch keinen „Mittäter“ und keine „Verhinderung“ geben. Die zweite Gruppe von Lehrern lehrt hingegen eine Unmenge an Methoden mit deren Hilfe sich der Schüler befreien kann, ohne dass dabei von göttlicher Führung die Rede ist. Was ist nun die Wahrheit?

Die “Wahrheit” liegt in der „Mitte“ und sie legt jenseits der Worte. Aus Sicht der WAHRHEIT ist die Welt eine Illusion. Das bedeutet es gibt keinen Lehrer und keinen Schüler und niemanden der von irgendetwas erlöst oder befreit werden könnte. Dies bedeutet auch dass es keine Führung gibt und keinen Weg der gegangen werden müsste. Diese Wahrheit zu kennen ist wichtig, aber allein nutzlos für die Figur im Traum. Für die Figur im Traum gibt es sehr wohl einen Weg und scheinbar auch einen freien Willen, der auch dazu genutzt werden kann, sich von diesem persönlichen Willen zu verabschieden. Die Figur im Traum selbst kann nichts tun, aber der mit der Figur im Traum identifizierte Geist kann die Bereitschaft entwickeln sich durch den HEILIGEN GEIST aus der Illusion, diese Figur zu sein, befreien zu lassen und sich somit vom HEILIGEN GEIST führen lassen.

“Solange wir uns anstrengen müssen, um Bhakti (Hingabe, Gottesliebe, Demut), Yoga (Praxis) und die Jnana (Wissen, Erkenntnis) zu üben, sind sie die Mittel. Wenn sie ohne Anstrengung weitergehen, haben wir das Ziel erreicht. Es gibt keine Verwirklichung, die man erlangen könnte. Das Wirkliche ist immer wie es ist. Doch wir halten das Unwirkliche für das Wirkliche, und das müssen wir aufgeben. Darum alleine geht es.”
(Tagebuch der Gespräche mit Ramana Maharshi)

In der Sprache des Kurses sind dies Bereitschaft (Bhakti), Vergebung (Yoga) und das Studium des Kurses (Jnana).

Egal welche Worte wir für den Prozess des Erwachens verwenden, dies sind nun einmal die Spielregeln innerhalb der Illusion von Zeit und Raum. Dies ist der Lehrplan dessen Inhalt nicht persönlichen Präferenzen unterliegt, der Lehrplan der für das Erwachen aus der Illusion zu absolvieren ist.

Eine weitere Quelle für viele Missverständnisse liegt in der Mehrdeutigkeit des englischen Wortes mind begründet. Es bedeutet sowohl Verstand als auch Geist und wird von spirituellen Lehrern in dem einen oder dem anderen Sinne verwendet. Eckhart Tolle verweist mit dem Wort mind meist auf den Verstand, während David Hoffmeister, ein Kurs-Lehrer, mind im Sinne von Geist verwendet.

Doch selbst der Begriff Verstand führt noch zu weiteren Missverständnissen. Viele „spirituelle“ Lehrer verdammen den Verstand. Viele flüchten sich in eine „esoterische Wohlfühl-Spiritualität“ und übersehen dabei die gröbsten Widersprüche in ihrem Weltbild. Der logische Verstand ist äußerst hilfreich bei der Beschäftigung mit spirituellen Themen - nur wer den logischen Verstand richtig einsetzt, kann beispielsweise den Widerspruch in der Idee von einem liebenden und gleichzeitig strafenden Gott erkennen. Die entscheidende Frage ist, welcher Geist nutzt den logischen Verstand? Der verwirrte Ego-Geist wird nur Verwirrung stiften, ein rechtgesinnter Geist wird auch den Verstand als Mittel am Weg der Erlösung verwenden.

Mit dem Erleben des „Aufwachens“, also dem Lösen des Bewusstseins aus der Identifikation, aus dem mentalen Traum, passiert nicht die vollständige Loslösung der Identifikation. Meistens landet der Mensch erst einmal in einer sogenannten „Bliss-Blase“. Es ist ein Zustand, in dem man aus dem Gewahrsein, wie von Außen betrachtet, und sich und die Welt als Traumblase erlebt. Der Verstand erkennt einen höheren Zusammenhang und gibt sich dem Höheren hin, um von nun an mehr oder weniger zu dienen. Gleichzeitig löst sich das Bewusstsein von der Identifikation, diese Person zu sein. Einige Zeit lang sind auch die Schatten im Energiekörper wie im Standbymodus, in dieser so genannten „Bliss-Blase".

Einige wollen dann in diesem Zustand spirituelle Lehrer werden. Um diese Rolle auszufüllen, braucht es aber eine gewisse Reife des sich befreienden Seins. Diese Reife ist nicht an Monaten oder Jahren festzumachen, sondern hängt auch vom „Reifezustand“ des individuellen Bewusstseins ab, der Begriff „Seelenalter“ verweist darauf, wenn er richtig verstanden wird. Jeder startet mit einem anderen Befreiungsgrad („Seelenalter“) und der eine geht weiter intensiv im Prozess und der andere glaubt, er sei fertig. Also braucht es eine individuelle Reife in seinem Bewusstheits-Zustand, um die Lehrer-Rolle auszufüllen.

Da eine Selbstreflexion in einem weiterführenden Prozess häufig kaum oder gar nicht passiert, zeigt sich die scheinbare Erwachten-Szene heute folgendermaßen:

Da sind die „Schausteller“, die den erwachten Zustand schon so lange gesucht haben und glauben, alles darüber zu „wissen“ und ihn jetzt einfach simulieren. Sie geben Satsang und versuchen in den vielen „Erleuchtungs-Kongressen" auch als „Lehrer“ mitzumachen. Diese lustige Form zerfällt nach einiger Zeit, da die Simulation dieses Zustandes leer und tot wirkt und sowohl den Lehrer als auch die Suchenden nicht wirklich berührt.

"Wer sich zur Schau stellt
ist nicht erleuchtet
"
(Tao Te King – Lao-Tse)

Neo Advaita und Advaita Vedanta im Vergleich

Nach Ansicht traditioneller Vertreter des Advaita reduziert die von ihnen als "Neo-Advaita" bezeichnete Form des Advaita die ursprüngliche Lehre um wichtige Elemente. Letztere unterscheide zwischen einem 'niederen Wissen', dem Veda und dem 'höchsten Wissen', dem Advaita selbst. Nach der traditionellen Advaita-Lehre muß der Schüler zunächst Übungen wie Meditation, Bhakti und Rituale (Yajnas) ausüben, sowie ethischen Maßstäben entsprechen. Der traditionelle Dreisatz des Jnana Yoga sei hierzu Shravana (Hören der Lehre), Manana (intellektuelle Reflexion) und Nididhyasana (Meditation, inneres Ergründen).

Im Neo-Advaita seien diese Bedingungen jedoch außer Kraft gesetzt worden. Die höchste Lehre der Mahavakhyas, wie Du bist Das (Brahman/Gott) - (Tat Twam Asi) werde direkt und unvorbereitet in Satsangs vermittelt. Lehrer wie Shankara und Ramana betonen Techniken wie das Jnana-Yoga oder die Selbsterforschung als Hilfestellung, um die Identifizierung mit Körper und Verstand zu verlieren, was das Erscheinen der eigenen Wirklichkeit zur Folge haben kann.

Der Neo-Advaita hingegen lege gesteigerten Wert auf eine Beschreibung des letzten, absoluten Zustandes, der dem Advaita-Vedanta nach, durch niemanden zu erreichen sei. Die Betonung, dass niemand irgendwo hingelangen müsse und nichts erschaffen werden könne, was bereits da ist, habe zur Folge, dass im Neo-Advaita weder eine Linie zwischen dem absoluten Sein und relativem, individuellem Sein gezogen werde, noch Anstrengungen seitens der Schüler unternommen würden, um diese zu überschreiten.

Anstrengungen wie Meditation seien traditionellen Lehrern nach aber erforderlich, um den ruhelosen Geist durch Selbsterforschung und Hingabe vorzubereiten, um die konditionierten und angeborenen Denkbahnen (vasanas) sowie letztlich das Ego als Illusionen offenzulegen. Das Aufgeben dieser Übungen ist dem traditionellen Advaita nach erst die letzte Stufe des Übungsweges.

Yamaoka Tesshu, ein junger Schüler des Zen, besuchte einen Meister nach dem anderen. Er sprach auch bei Dokuon von Shokoku vor. Da er seine Errungenschaften zu zeigen wünschte, sagte er: „Der Geist, Buddha und die Lebewesen existieren letztlich nicht. Die wahre Natur der Erscheinungen ist Leere. Es gibt keine Verwirklichung, keine Täuschung, keine Weisheit, keine Mittelmäßigkeit. Es gibt kein Geben und nichts, was empfangen wird.“ Dokuon, der still vor sich hin rauchte, sagte nichts. Plötzlich schlug er mit seiner Bambuspfeife auf Yamaoka los. Das machte den jungen Mann recht wütend. „Wenn nichts existiert“, erkundigte sich Dokuon, „woher kommt dann dieser Zorn?

"Die einen wählen die Nicht-Dualität
die anderen die Dualität.
Sie verstehen nicht die Wahrheit
den Zustand der Ausgeglichenheit
jenseits von Dualität
und Nicht-Dualität.
"

(Avadhuta Gita, Kapitel 1, Vers 36)


Dann die größte Gruppe, die „Wartenden“. Diese sind zwar im Geist erwacht, aber da sie diesen Zustand als Ende und nicht als Anfang des eigentlichen Prozesses zur Erleuchtung betrachten, braucht der „Wartende“ den Suchenden ähnlich wie er ihn, nur auf einer anderen Ebene.

Es stellt sich die Frage, ob der erwachte Lehrer bereit ist, seine bedürftigen Schatten zu erkennen, wenn er sich als werbend und suchend nach ebenfalls Suchenden erlebt? Wer braucht nun wen?

Sie sprechen von sich als „erleuchtet“ und können vor Blindheit gar nicht bewusst erkennen, dass sie noch eine Person sein müssen, die „erleuchtet“ sein soll. Auch drückt sich ihre Bedürftigkeit nach Anerkennung und Wertschätzung so lustig aus, dass manche sogar „Meister“ oder „Guru“ genannt werden möchten oder mit einem anderen Namen ihren persönlichen Ausdruck erheben wollen. Der Erwachte, der doch gar nicht mehr als Person sein soll, möchte in gewisser Weise doch noch gesehen werden.

In keiner der inflationären Werbeplattformen wie Erleuchtungs-Kongresse und Satsang-Festivals darf der „Wartende“ fehlen, da das Geltungsbedürfnis sowie die existentielle Angst ihr Gehetzt-sein prägt. Die spirituellen Egos feiern sich gegenseitig und spielen Kuschelpartys und vermitteln das Gefühl, „wir-haben-uns-alle-lieb“. Es ist ein wunderbares Schauspiel der Schatten, das sich unter einem „liebevollen Licht-Mantel der Erleuchtung“ vollzieht. Wenn dann doch manchmal schattenhafte Muster durchbrechen und sich ausdrücken, dann werden sie verleugnet, denn da ist ja „niemand“ oder sie werden gerechtfertigt mit „alles darf sein“.

Satsang ist ein Rahmen für Begegnung und Begleitung. Satsang ist ein Begriff aus dem indischen und bedeutet dort "das Sitzen in Stille mit dem Meister". Der Sinn des Satsangs besteht nicht in erster Linie in der Vermittlung einer „Lehre“, sondern darin, dass die Schüler durch das unmittelbare Erleben der Präsenz des Meisters in einer Art Korrespondenz-Phänomen selbst zur Erfahrung ihrer ursprünglichen Natur gelangen sollen. Die Motivation der meisten spirituellen Sucher, die sich zu einem Satsang hingezogen fühlen, kommt allerdings aus einer Art von Erschöpfung und einer Form von Bedürftigkeit, nachdem was sich der Sucher unter "Liebe" vorstellt. Da ist dann kaum eine Kraft für einen wirklichen Prozess vorhanden und es geht verständlicherweise in erster Linie darum, etwas zu bekommen. Meist will sich die suchende Person einfach nur wohl fühlen, ohne, dass die Bereitschaft für die Befreiung aus der Illusion der Person besteht. So wird aus Satsang ein “Festival” bei dem alle ihren Spass haben, aber der Erlösung bringt uns ein solches Treiben nicht näher.

Ein wunderbares Beispiel für einen Lehrer aus dieser Gruppe stellt der deutsche „erwachte“ Lehrer Andreas Müller dar. Die hier angeführten Interviews finden sich auf „www.jetzt-tv.net“, einer Plattform wo sich, neben ein paar wahrhaft erwachten Lehrern, vor allem eine skurrile Sammlung von Besonderen finden lässt, die immer wieder die gleichen Neo-Advaita-Konzepte wiederholen. Dem Ego wird es nie langweilig sich reden zu hören. Andreas behauptet beispielsweise in seinen Interviews immer folgendes:

"Das ist es - es gibt nichts zu erreichen. Man könnte sagen ‚Befreiung‘, das ist eine Geschichte, ist das komplette Ende dieses Erlebens, es wird aber nicht ersetzt durch ein neues Erleben, es ist nur das Ende des Erlebens an sich und was bleibt ist unsagbar, weil letztendlich gar nichts erfährt, dass da überhaupt etwas ist oder das Sitzen in einem Zimmer etwas ist; ist alles eine Geschichte, aber wenn man so will, könnte man sagen, Sitzen in einem Zimmer ist das, was scheinbar passiert, für niemand, es gibt niemand, der bezeugen kann, dass Sitzen in einem Zimmer passiert und weiß, dass Sitzen in einem Zimmer passiert, weil niemand da ist, der es erfährt; insofern könnte man sagen, Sitzen in einem Zimmer ist nicht etwas, oder passiert scheinbar für niemand; es ist einfach so, wie es ist, ohne Grund für nichts, für niemand, es ist einfach natürlicherweise satt; es gibt nichts, das in der Erfahrung davon lebt.

Dadurch, dass es passiert, ist es ‚richtig‘, aber es hat jetzt kein Ziel, insofern nicht richtig im Sinn von z.B. ‚es wird auf jeden Fall was Gutes dabei passieren‘ oder so. Andreas wählt natürlich nicht die Talks zu machen, d. h. es wäre durchaus denkbar, dass es ihm keinen Spaß macht und es trotzdem das wäre, was passiert, insofern ist es eigentlich eher Glück, müsste man sagen, dass Andreas es macht und es macht zufällig auch noch Spaß, aber es ist jetzt kein Richtwert. Es gibt keine Instanz, die wählt … Eigentlich die Annahme von der Person, dass da irgendwas Abstraktes ist, was wählt und lebt und macht und tut und verantwortlich ist; solche Abstraktionen sollte man in Ruhe lassen oder ist es egal, was man damit macht? Es ist tatsächlich egal, was man damit macht, weil letztendlich ist dieses ‚man‘, natürlich die Illusion, dass da jemand ist. Die Emotionen, die auftreten, ob es Spaß macht oder nicht, sind nicht gewählt, sind auch bedeutungslos; im Prinzip alles geschieht und ist dabei voll und ganz und stimmig; ein vollkommenes Leben, kein Erleben mehr, das wäre quasi schon wie eine Trennung, es ist einfach FULL ON, genauso wie es ist. Andreas schaut da jetzt nicht zu oder so, es wäre eigentlich eine Trennungsidee quasi, … schaut ganz neutral zu oder so was, auch der Beobachter ist eine Illusion, könnte man sagen; … alles ist es, unverschämte Leute im Supermarkt, ärgerlich werden ist es auch, das ist es, FULL ON; niemand da, der oder die sich das zu eigen macht.
"

Diese Aussagen sind die Folge eines (zumindest kurzzeitigen) geistigen Erwachens, ohne „Interesse“ des individuellen Bewusstseins an seiner Verbindung zur Quelle. In Folge hat sich der Ego-Geist daraus ein spirituelles Konzept von Erwachen erschaffen und sich damit unangreifbar gemacht. Mittlerweile lehnt Andreas auch das Wort „Erwachen“ ab und verhindert damit radikal jegliche Art von Reflexion seiner „Nicht-Lehre“.

Das Ego hat sich an die Stelle Gottes gesetzt und verteidigt diese Position mit der ständigen Wiederholung der Aussage: „Das ist es“, „Das ist was passiert“ beziehungsweise „Da ist nichts“ - was an sich schon ein völlig abstruser Widerspruch ist. Wie fast alle Neo-Advaita-Lehrer leugnet auch Andreas den Unterschied zwischen dem absoluten Sein und dem relativen, individuellen „Sein“. In Folge werden auch Anstrengungen seitens der Schüler, um den Übergang von der Relativität zur Absolutheit vorzubereiten, als unmöglich dargestellt und abgelehnt. Darüber freut sich das Ego und feiert Wellness-“Satsang“.

Und obwohl es niemanden gibt, redet Andreas immer von sich selbst in der dritten Person als Andreas. In der klassischen Literatur, wie zum Beispiel in den Commentarii de Bello Gallico von Julius Caesar, wird von Kriegen berichtet, die der Autor führte. Er benutzt Illeismen (das Sprechen von sich selbst in der dritten Person), um einen Anschein der Sachlichkeit und Unparteilichkeit vorzutäuschen, was Rechtfertigungen auch für fragwürdige Handlungen der Kriegsherren einschließt. Auf diese Weise werden persönliche Sichtweisen als scheinbar objektive Fakten dargestellt.

Der Illeismus kann auch eingesetzt werden, um zumindest für eine Weile zu verbergen, dass der Erzähler einer Handlung und eine der Hauptfiguren die gleiche Person sind. Das Erzählen in der dritten Person suggeriert einen außen stehenden Beobachter. Von Andreas wird aber auch die Beobachter Position geleugnet, obwohl er von sich selbst ständig in der dritten Person spricht.

Andreas spricht auch immer davon, dass das was die meisten anderen erwachten Lehrer sagen, nicht das ist „was hier gesagt wird“. Selbst das was ein Lehrer wie Eckhart Tolle sagt, ist nicht das „was hier gesagt wird“. Hier zeigt sich der Größenwahn des Egos ganz offen. Es wird immer noch in Trennung gedacht - ich hier und die anderen Lehrer dort - und gleichzeitig wird absolut nicht mehr in Betracht gezogen, dass der Grund dafür, dass das „was hier gesagt wird“, nicht das ist, was woanders gesagt wird, einfach darin besteht, dass sich hier massiv geirrt wird. Das Ego will nicht die Nummer zwei sein, sondern hat den Platz Gottes eingenommen und ist sich nur noch selbst Gesetz.

Im Kontakt zu seinen Schülern macht es für Andreas daher auch keinen Unterschied ob es sich um Online-Chats, oder physische Kontakte in seinen Talks handelt, weil alles, auch die Gefühle, für ihn keine Bedeutung haben. Es wurde also von Andreas die Bedeutungslosigkeit der Welt erkannt, aber an diesem Punkt ist keine weitere Entwicklung mehr passiert. Denn für eine weitere Entwicklung haben Gefühle sehr wohl eine Bedeutung - als Hinweis auf unseren aktuellen Geisteszustand.

Dass bei Andreas immer noch Ärger passiert, zeigt ja ganz deutlich, dass da sowohl jemand ist, der die Welt beurteilt („unverschämte Leute im Supermarkt“) und da jemand ist, für den die Welt sehr wohl eine Bedeutung hat. Wenn die Welt für Andreas wirklich bedeutungslos wäre, gebe es kein Urteil und keinen Ärger. Aber diesen Widerspruch können Andreas und seine sogenannten „erwachten“ Kollegen nicht erkennen. Für sie hat alles keinen Zweck und damit auch keine Richtung und alles darf sein.

Wahre Erleuchtung hat hingegen sehr wohl ein Ziel - das Ende der Illusion und damit das „Erreichen“ dessen was immer war - die Einheit mit GOTT. Erwachen ist ein Sprung in der Entwicklung des individuellen Bewusstseins und führt, wenn der erwachte Geist einen größeren Zusammenhang erkennt, und sich dem Höheren hingibt, zu einem glücklichen Traum. In Folge reflektiert die Wahrnehmung der Welt nur noch Liebe und keinen Ärger mehr.

Andreas beschreibt seinen Seinszustand häufig als „irgendwie satt“. Wenn andere Lehrer von Liebe sprechen so reagiert Andreas darauf mit „das ist nicht das, was hier gesagt wird“. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass hier das individuelle Bewusstsein die Heilige Liebe noch nicht erkannt hat, dass die Verbindung zur Heiligen Liebe noch nicht besteht. Im Enneagramm wird dieses Phänomen als Neun beschriebenen. A. H. Almaas beschreibt dies in seinem Buch Facetten der Einheit wunderbar. Zuerst erfolgt eine Beschreibung aus dem Buch was unter Heiliger Liebe zu verstehen ist:

Heilige Liebe ist weder das Gefühl von Liebe, noch ihr essentieller Aspekt. Heilige Liebe ist eine Eigenschaft der Existenz, welche die Existenz liebenswert macht. Ihre Lieblichkeit und ihre Liebenswürdigkeit sind es, die in unseren Herzen Gefühle der Liebe, der Wertschätzung, der Würdigung, der Freude und so weiter erzeugen. Wir sprechen also über die Liebenswürdigkeit als Eigenschaft der Existenz, wenn diese ohne Verzerrungen und nicht durch den Filter des Ego betrachtet wird. Mit anderen Worten, die Heilige Liebe entspricht der Tatsache, dass die objektive Realität eine innere Qualität besitzt, die sie wundervoll und erfreulich macht - sie ist von sich aus liebenswert. Das ist die Heilige Liebe: alles, was die Existenz schön, liebenswert und all das macht, was wir an ihr einfach nur wertschätzen können.

Die Heilige Liebe bringt uns die Erfahrung der Liebe, ist jedoch nicht die Liebe selbst, sondern etwas viel Umfassenderes. Sie ist eine Qualität der Realität als Ganzes und kann nur sehr schwer definiert werden. Man könnte die Heilige Liebe als die selbstverständliche Qualität der Wirklichkeit des Seins, als dessen nicht begriffliche Positivität bezeichnen. Sie ist reine unvermischte Seligkeit. Sie ist die von Wert durchtränkte Eigenschaft der Wahrheit. Sie ist reine Güte, das Gute bei Plato.


Nun folgt eine Beschreibung der Verblendung des Enneagramm-Typs Neun:

Natürlich können wir das erst wirklich wissen, wenn wir es erleben. Wenn wir die Heilige Liebe erfahren, wird uns klar, dass die Realität immer so ist und nur unsere Erfahrung von ihr unvollständig war.

Wenn man diese Schwierigkeit nicht verstanden und durchgearbeitet hat, bleibt sie sogar bestehen, wenn man Essenz erlebt. Dann kann man die Schönheit, die Bedeutung, den Wert und die Lieblichkeit seiner eigenen Natur, die Essenz oder Sein ist, und seines eigenen Wirkens, seiner Kreativität, seiner Existenz oder seines Lebens nicht voll und ganz erkennen. Es geht hier nicht darum, vom Sein abgetrennt zu sein - das ist die spezifische Schwierigkeit von Punkt Vier - sondern darum, nicht mit der Glückseligkeit des Seins in Kontakt zu sein, während man es erfährt. Man kann mit dem Sein in Kontakt sein, aber seine Lieblichkeit nicht fühlen oder sehen, als wäre die essenzielle Präsenz von einer Membran oder einem Schleier verdeckt, die ihr ekstatisches Leuchten verdunkeln.

Die dritte und wohl einzig ernsthafte Gruppe sind die, die “zur Verfügung stehen". Diese Lehrer haben nach dem Erwachen erkannt, dass dies nur die Voraussetzung zum eigentlichen Prozess war. Sie erkannten, dass mit dem Erwachen sich nun die Möglichkeit langsam aufbaut, die Schatten aus dem als „Körper“ manifestierten Bewusstsein beim Aufsteigen zu beobachten. Ja, sie erkennen, dass sie noch nicht fertig sind und dass es auch kein Fertig gibt. Sie stehen für den eigenen Prozess und für Schüler, die sich befreien wollen, "zur Verfügung“. Und sie erforschen weiterhin, wenn eigene Schatten aufsteigen und sich in Bedürftigkeit ausdrücken wollen, dass sie in der stillen Betrachtung aus dem Gewahrsein integriert, also im Heiligen Augenblick aufgelöst werden.

Diese Lehrer wirken weniger mit ihrer restlichen Bedürftigkeit als Spiri-Entertainer, sondern damit, dass sie mit dem Suchenden an seinem Prozess arbeiten. Sie stehen mit ihrer Präsenz zur Verfügung, um ihm seinen inneren Lehrer zu spiegeln. Im Prozess des Auflösens wird für den Schüler immer mehr sichtbar und erlebbar, dass das Königreich Gottes in ihm ist. Dass Liebe, Frieden und Glückseligkeit immer schon da waren.

Bei jenen Lehrern, die man zu dieser Gruppe zählen kann, handelt es sich um ein paar wenige und selbst diese wenigen leben meist noch im Irrglauben, dass das Bewusstsein göttlich sei und daher die Traumwelt, die im Bewusstsein stattfindet, ein göttliches Spiel sei. Dahinter verbirgt sich der Irrtum, als individuelles Bewusstsein schon EINHEIT realisiert zu haben.

Infolgedessen überschätzen sie ihren Beitrag zur Berichtigung des Geistes ihrer Schüler. Nahezu alle verweisen nicht auf GOTT, sondern sprechen lediglich das falsche Selbst des Schülers an, das dann verzweifelt versucht zu erwachen und genau dadurch das Erwachen verhindert. Die Berichtigung ist nicht vom Ego, sondern von IHM:

"Berichtigung ist nicht deine Funktion. Sie gehört dem EINEN, DER UM Gerechtigkeit, nicht um Schuld, weiß. Wenn du dir die Rolle der Berichtigung aneignest, verlierst du die Funktion der Vergebung. Niemand kann vergeben, solange er nicht gelernt hat, dass Berichtigung nur vergeben heißt, und niemals angreifen. Allein kannst du nicht sehen, dass sie dasselbe sind, und deshalb ist Berichtigung nicht von dir. Identität und Funktion sind dasselbe, und durch deine Funktion erkennst du dich selbst. Und daher musst du verwirrt sein über dich und was du bist, wenn du deine Funktion mit der Funktion EINES ANDEREN verwechselst. Was anderes ist die Trennung als ein Wunsch, IHN die Funktion GOTTES wegzunehmen und zu verleugnen, dass sie die SEINE ist? Wenn sie jedoch nicht SEINE ist, ist sie auch nicht die deine, denn du musst das, was du wegnehmen willst, verlieren."
(EKIW: Kapitel 27, II. 10.)

Dass es Lehrer mit unterschiedlichen Befreiungsgrad gibt, ist kein Grund zur Sorge, denn wir können nicht wirklich an den falschen Lehrer geraten. Je nachdem, in welcher Ebene im Prozess wir einem Lehrer begegnen, spiegelt er uns die Ebene wider. Es ist wie beim Beziehungspartner. Er ist nie der Falsche, auch wenn das manchmal so aussieht.

"Wer den Lehrer nicht schätzt
und die Hilfe nicht annimmt
geht in die Irre
so klug er auch sein mag
Darin liegt das Geheimnis
"
(Tao Te King - Lao-Tse)

Ein Schüler fragte Zen-Meister Philip Kapleau. „Was kann ein Zen-Meister mir geben?“ Kapleau antwortete: „Er kann dir nichts geben, was du nicht schon hast, aber er kann dir vieles nehmen, was deiner wahren Natur fremd ist.

Willst du den Weg in die Berge wissen,
musst du die Leute fragen,
die von den Bergen kommen.

(Chinesischer Spruch)

Wenn der Kurs absolviert ist, ist ein wahrhaft erwachter Lehrer hilfreich, der uns über den Kurs hinaus in den heiligen Augenblick begleitet:

„Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
(Bibel Einheitsübersetzung, Mt 18,20)

„Es ist ein Ort in dir, an dem die ganze Welt vergessen ist, an dem keine Erinnerung an Sünde und an Illusion immer noch verweilt. Es ist ein Ort in dir, den die Zeit verlassen hat und wo der Widerhall der Ewigkeit zu hören ist. Da ist ein Ruheplatz, der derart still ist, dass kein Laut außer ein Lobgesang zum HIMMEL aufsteigt, um GOTT den VATER und den SOHN froh zu machen. Wo BEIDE wohnen, da ist die Erinnerung an BEIDE. Und wo SIE sind, da ist der HIMMEL und ist Frieden.“
(EKIW: Kapitel 29, V. 1.)



Eigenschaften der Lehrer GOTTES

Die äußerlichen Merkmale der Lehrer GOTTES sind keineswegs gleich. Sie sehen für des Körpers Augen nicht gleich aus, sie kommen aus äußerst unterschiedlichen Milieus, ihre Erfahrungen der Welt variieren stark, und ihre oberflächlichen »Persönlichkeiten« sind ganz verschieden. Auch haben sie in den Anfangsstadien ihres Wirkens als Lehrer GOTTES noch nicht die tiefergehenden Eigenschaften erworben, durch die sie als das eingesetzt werden, was sie sind. GOTT gibt SEINEN Lehrern besondere Gaben, weil sie eine besondere Rolle in SEINEM Plan der SÜHNE haben. Ihre Besonderheit ist natürlich nur vorübergehend - in der Zeit angesiedelt als ein Mittel, um aus der Zeit herauszuführen. Diese besonderen Gaben, geboren in der heiligen Beziehung, auf die die Lehr- und Lern-Situation ausgerichtet ist, werden zu typischen Merkmalen für alle Lehrer GOTTES, die in ihrem eigenen Lernen fortgeschritten sind. In dieser Hinsicht gleichen sie sich alle.

Alle Unterschiede zwischen den SÖHNEN GOTTES sind vorübergehend. Trotzdem kann gesagt werden, dass in der Zeit die fortgeschrittenen Lehrer GOTTES die folgenden Eigenschaften haben:


(EKIW: III. HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. 1.&2.)

I. Vertrauen

II. Ehrlichkeit

III. Toleranz

IV. Sanftmut

V. Freude

VI. Wehrlosigkeit

VII. Großzügigkeit

VIII. Geduld

IX. Gläubigkeit

X. Geistige Offenheit


Epilog

Es geht nicht darum, dass wir uns krampfhaft bemühen so zu werden, damit würden wir erst recht der Stimme des „spirituellen“ Egos folgen. Diese Aufzählung der Eigenschaften dient uns dazu, zu erkennen, dass die Berichtigung in unserem Geist stattgefunden hat, um die wir den HEILIGEN GEIST gebeten haben, wenn wir diese Eigenschaften an uns beobachten.

Wahre Lehrer GOTTES strahlen diese Qualitäten aus und Freude ist ihnen ins Gesicht geschrieben:

Bild
(David Hoffmeister, Frances Xu, Kurslehrer)



Vorherbestimmung oder freier Wille

Ist das Leben vorherbestimmt oder nicht?

Dies ist eine beliebte Frage des Egos. Egal wie wir die Frage beantworten, ob mit Ja oder Nein, das Ego wird die Antwort für seine Zwecke missbrauchen. Wenn wir sie mit Ja beantworten, wird sich das Ego um nichts mehr kümmern. Wenn wir sie mit Nein beantworten, wird sich das Ego auf den Thron Gottes setzen und glauben es könnte sich ein glückliches Leben selbst erschaffen.

Die Frage an sich ist ein Irrtum. Die Frage nach der Vorherbestimmung ist eine Frage, die sich auf ein zeitliches Phänomen richtet, da Zeit eine Illusion ist, ist die Frage, hinsichtlich der WAHRHEIT, völlig sinnlos.

Hinter dieser Frage verbirgt sich die Frage nach dem freien Willen. Salopp ausgedrückt könnten wir sagen: Innerhalb der Illusion einer Person, leben wir auch in der Illusion eines freien Willens, und auch wenn beides eine Illusion ist, müssen wir innerhalb dieser, zum Teil so tun, als ob. Das bedeutet konkret jeden Tag damit zu beginnen GOTT zu bitten, dass er SEINEN WILLEN durch uns geschehen lassen möge und uns vollkommen auf unseren WAHREN SINN und ZWECK auszurichten und dann einfach in die Welt hinaus gehen und tun was zu tun ist.

Unser WAHRER ZWECK ist ERLÖSUNG. Diese wiederum erreichen wir durch Vergebung.
Ganz simpel ausgedrückt:

It‘s all about love!
(David Hoffmeister)


Die Erlösung endet kurz vor dem HIMMEL, denn nur die Wahrnehmung bedarf der Erlösung. Der HIMMEL war niemals verloren und kann somit nicht erlöst werden. Wer aber kann eine Wahl zwischen dem Wunsch nach dem HIMMEL und dem Wunsch nach der Hölle treffen, solange er nicht sieht, dass sie nicht dasselbe sind? Dieser Unterschied ist das Lernziel, das sich dieser Kurs gesetzt hat. Er geht nicht über dieses Ziel hinaus. Sein einziger Zweck ist nur, zu lehren, was dasselbe und was verschieden ist, und damit lässt er Raum, die einzige Wahl zu treffen, die getroffen werden kann.

Es gibt in dieser komplexen und überkomplizierten Welt keine Basis für eine Wahl. Denn niemand versteht, was dasselbe ist, und scheint zu wählen, wo es in Wirklichkeit gar keine Wahl gibt. Die wirkliche Welt ist der Bereich der Wahl, wirklich gemacht, nicht im Ergebnis, sondern in der Wahrnehmung der Wahlalternativen. Dass es eine Wahl gibt, ist eine Illusion. Doch in dieser Illusion liegt das Aufheben jeder Illusion, diese nicht ausgeschlossen.


(EKIW: Kapitel 26, III. 6.)

Der Plan ist nicht von dir, noch musst du dich um irgend etwas anderes kümmern als den Teil, der dir zu lernen aufgetragen wurde. Denn ER, DER alles übrige weiß, wird sich ohne deine Hilfe darum kümmern. Doch glaube nicht, dass ER nicht deinen Teil braucht, um IHM beim übrigen zu helfen. Denn in deinem Teil liegt das Ganze, ohne das kein Teil vollständig ist, noch ist das Ganze ohne deinen Teil vollständig. In die Friedensarche treten immer zwei zusammen ein, doch der Beginn einer anderen Welt geht mit ihnen. Jede heilige Beziehung muss hier eintreten, um ihre besondere Funktion im Plan des HEILIGEN GEISTES zu erlernen, jetzt, da sie SEINE Zielsetzung teilt. Und sobald diese Zielsetzung erfüllt ist, geht eine neue Welt auf, in die die Sünde keinen Einlass findet und wo der GOTTES SOHN furchtlos eintreten kann und eine Weile ruht, um die Gefangenschaft zu vergessen und sich an die Freiheit zu erinnern. Wie kann er ohne dich eintreten, um zu ruhen und sich zu erinnern? Wenn du nicht da bist, ist er nicht vollständig. Und seine Vollständigkeit ist es, an die er sich dort erinnert.

Du magst dich fragen, wie du in Frieden sein kannst, wenn es, solange du in der Zeit weilst, soviel zu tun gibt, bevor der Weg zum Frieden offen steht. Vielleicht erscheint dir das unmöglich. Aber frage dich, ob es denn möglich ist, dass GOTT einen Plan für deine Erlösung hat, der nicht funktioniert. Wenn du erst einmal SEINEN Plan als die eine Funktion akzeptiert hast, die du erfüllen möchtest, dann wird es auch nichts anderes mehr geben, was der HEILIGE GEIST nicht für dich arrangieren wird, ohne dass du dich bemühen musst. ER wird vor dir hergehen und deinen Pfad ebnen und keine Steine auf deinem Weg liegen lassen, über die du stolpern könntest, und keine Hindernisse, die deinen Weg versperren. Nichts, was du brauchst, wird dir verweigert werden. Nicht eine einzige scheinbare Schwierigkeit wird sein, die nicht vergeht, bevor du sie erreichst. Du brauchst dir über nichts Gedanken zu machen und auf nichts zu achten außer auf den einen Zweck, den du erfüllen möchtest. So, wie dieser dir gegeben wurde, so wird dir seine Erfüllung auch zuteil. GOTTES Gewähr wird jedem Hindernis standhalten, denn sie beruht auf Gewissheit und nicht auf Zufall. Sie beruht auf dir. Und was kann sicherer sein als ein SOHN GOTTES?

(EKIW: Kapitel 20, IV. 6. & 8.)

Die Offenbarung, dass der VATER und der SOHN eins sind, wird zu seiner Zeit zu jedem Geiste kommen. Doch diese Zeit wird durch den Geist selbst bestimmt und nicht gelehrt.
(EKIW: LEKTION 158, 2.)

Die Zeit ist schon bestimmt. Sie erscheint ziemlich willkürlich. Doch gibt es keinen Schritt auf diesem Weg, den irgend jemand nur aus Zufall tut. Er ist bereits von ihm gegangen worden, auch wenn er sich noch gar nicht auf den Weg gemacht hat. Denn die Zeit erstreckt sich nur scheinbar in eine Richtung. Wir unternehmen lediglich eine Reise, die schon vorbei ist. Und dennoch scheint sie eine Zukunft zu haben, die uns noch unbekannt ist.
(EKIW: LEKTION 158, 3.)

Anders ausgedrückt bedeutet dies:
Auch wenn etwas schon passiert ist,
müssen wir es trotzdem noch tun!

Zeit ist ein Kunstgriff, ein Taschenspielertrick, eine Riesenillusion, in der Figuren wie durch Zauberei kommen und gehen. Doch hinter den Erscheinungen gibt es einen Plan, der sich nicht ändert. Das Drehbuch ist geschrieben. Wann die Erfahrung eintreten wird, um dein Zweifeln zu beenden, das steht fest. Denn wir sehen die Reise nur von jenem Punkt, wo sie geendet hat, indem wir auf sie zurückblicken und uns einbilden, wir würden sie noch ein mal unternehmen und im Geist Revue passieren lassen, was vergangen ist.
(EKIW: LEKTION 158, 4.)


"Da sprach Jesus zu ihm:
Stecke dein Schwert an seinen Ort!
Denn wer das Schwert nimmt, der wird durchs Schwert umkommen.
Oder meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten,
und er würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schicken?
Wie würde dann aber die Schrift erfüllt, dass es so geschehen muss?
"
(Lutherbibel 2017, Matthäus 26, 52-54)



STREAMING DREAMEO

There's streaming audio and streaming video:
the faster way to go when you have to download.
But now you need to know about a crazy show
called streaming dreameo.

Can't organize or fix, prioritize the script.
From forms you cannot pick the ones you like.
One seamless tapestry, a whole collage of dreams.
Sit back and watch the scenes that Spirit writes.

A person you are not. Your world's based on the thought
that you deserted God and now your soul is lost.
But now it's time to wake and face your big mistake
called streaming dreameo.

You've got to watch your mind for thoughts
that are unkind or keep you stuck in time like flies in glue.
No need to get upset. You can't adjust the set.
The only choice you get's your point of view.

The images that pass before perception's glass
will never, never last.
You'd better learn to laugh. Don't let your feelings sink.
You only think you think in streaming dreameo.

I know it seems so real, but joy is what you'll feel
when truth at last reveals with God you're one.
You dwell within His Mind. No forms of any kind
can limit or define God's holy Son.

The pleasure and the pain are really all the same.
You cannot rearrange or try to win the game.
Relax and let it flow. That's all you need
to know of streaming dreameo.

(Resta)
Streaming Dreameo




Der innere Raum

Wenn wir innerlich keinen Widerstand leisten gewinnen wir Zugang zu der Dimension des inneren Raums, zu einem Zustand wacher Bewusstheit. Wenn wir uns nicht länger total mit der Form identifizieren, wird unser Bewusstsein aus seiner Gefangenschaft in der Form befreit. Diese Freiheit schafft den inneren Raum. Er manifestiert sich als Stille, als subtiler Friede tief in unserem Inneren, selbst angesichts widriger Umstände. Plötzlich entsteht Raum rings um ein Ereignis. Auch emotionale Höhen und Tiefen oder gar Schmerzen bekommen Raum. Vor allem aber liegt Raum zwischen den Gedanken. Und dieser Raum strahlt einen Frieden aus, der "nicht von dieser Welt" ist, denn die Welt ist Form, und der Friede ist Raum. Das ist der Friede Gottes.

Wer macht die Erfahrung? Im identifizierten Zustand könnte die Antwort folgendermaßen lauten: "Ich Heinrich Dornmayr, Vater eines Sohnes und Betreiber dieser Website, mache die Erfahrung." Das stimmt allerdings nicht. Heinrich Dornmayr und alles, was sich mit der mentalen Vorstellung von Heinrich Dornmayr verbinden mag, sind Gegenstand der Erfahrung, aber nicht das Subjekt, das die Erfahrung macht.

Jede Erfahrung besteht im Allgemeinen aus drei Bestandteilen: aus Sinneswahrnehmungen, Gedanken oder mentalen Bildern und Empfindungen. Heinrich Dornmayr, Vater eines Sohnes und Betreiber dieser Webseite - das alles sind Gedanken und daher Teil dessen, was in diesem Augenblick erfahren wird. Wer also macht die Erfahrung? Bewusstsein.

Stellen wie uns eine Flasche vor, auf die wir Heinrich Dornmayr schreiben. In die füllen wir alles hinein, was mich scheinbar ausmacht: meinen Körper, meine Biografie, mein Wissen, meine Charakterzüge (Enneagramm-Typ), meine Meinungen, einfach alles. Dann schaut etwas in diese Flasche hinein und sieht sich alles an. Ja - und das, was da in die Flasche schaut, das ist Bewusstsein. Heinrich Dornmayr hingegen ist nur eine gefüllte Flasche - die gar nicht da ist.

Die Person, also den Zustand totaler Identifikation, könnten wir infolge auch als Flaschengeist bezeichnen, den in einer Flasche gefangenen Geist, den Homunkulus, das kleine Selbst. Diesen gefangenen Geist zu befreien, ist Aufgabe der Erlösung.

Für ein Bewusstsein, das von Erfahrungen fasziniert und so konditioniert ist, dass es sich ausschließlich mit Form (Sinneswahrnehmungen, Gedanken und Emotionen) identifiziert, ist es fast unmöglich, sich des inneren Raums bewusst zu werden. Wenn wir als spirituell Suchende das erste Mal vom inneren Raum hören, suchen wir vielleicht danach, aber da wir danach suchen wie nach einem Objekt oder einer Erfahrung, können wir ihn nicht finden. Unser Bewusstsein hat sich in seinem eigenen Traum verirrt. Das ist das Dilemma bei der Suche nach spiritueller Erkenntnis oder Erleuchtung. Deshalb sagte Jesus, als er von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme:

“Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es! oder: Dort ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.”
(Lk 17, 20&21, Bibel Einheitsübersetzung 2016)

Um das Erwachen aus dem Traumzustand, dem Normalzustand der Menschheit seit Tausenden von Jahren, zu fördern und in den Raum wacher Bewusstheit einzutreten, empfiehlt Eckhart Tolle in seinem Buch Eine neue Erde folgende Übungen:

Atem

Wir entdecken den inneren Raum, indem wir Lücken im Strom des Denkens erzeugen. Ohne diese Unterbrechungen wiederholen sich die Gedanken ständig und sind ohne jede Inspiration und Kreativität. Wichtiger als die Länge dieser Lücken ist es, dass sie möglichst oft eintreten, sodass in unseren Alltagsaktivitäten und im Strom unserer Gedanken viel Zwischenraum entsteht. In der Einleitung von DIE LETZTEN LEKTIONEN heißt es im Kurs: "Unsere letzten Lektionen werden von Worten so frei bleiben wie nur möglich." Die letzten fünf Lektionen lauten alle gleich:

"Diesen heiligen Augenblick möchte ich DIR geben.
Hab Du die Führung. Denn DIR möchte ich folgen,
gewiss, dass DEINE Anleitung mir Frieden bringt."


Damit bitten wir um Lücken im Strom unseres Denkens, um den inneren Raum zu entdecken - den Frieden GOTTES.

Sich unserer Atmung bewusst zu sein zieht Aufmerksamkeit vom Denken ab und schafft Raum. Es ist eine Möglichkeit, Bewusstheit zu erzeugen. Das Bewusstsein in seiner Fülle ist zwar im Unmanifestierten schon da, aber wir sind hier, um auch unsere Dimension hier mit Bewusstheit zu erfüllen. Viele Male am Tag einen bewussten Atemzug zu machen ist ein ausgezeichnetes Mittel, um Raum ins Leben zu bringen. Selbst wenn wir Stunden oder länger über unseren Atem meditieren, wie es manche tun, genügt ein einziger Atemzug, um uns bewusst zu werden, ja, der eine Atemzug ist überhaupt das Einzige, was uns bewusst werden kann. Alles übrige ist Erinnerung oder Erwartung, also denken. Atmen ist weniger etwas, dass wir tun, als vielmehr etwas, dessen Zeuge wir werden, während es geschieht. Die Atmung funktioniert von allein.

Da der Atem an sich keine Form hat, wird er seit uralten Zeiten mit dem Geist gleichgesetzt - mit dem formlosen einen Leben. Das deutsche Wort atmen stammt aus dem altindischen Sanskrit und ist von Atman abgeleitet, womit der allem innewohnende göttliche Geist oder der innere Gott gemeint ist. Die Tatsache, dass der Atem keine Form hat, ist einer der Gründe, warum das Atembewusstsein eine höchst effektive Methode ist, im Leben Raum oder Bewusstsein zu schaffen. Der Atem ist ein idealer Meditationsgegenstand, eben weil er kein Objekt ist und weder Gestalt noch Form hat.

Das Bewusstsein für den inneren Körper

Eine weitere, hochwirksame Methode, den inneren Raum zu entdecken, ist eng mit dem Atem verbunden. Während wir aufmerksam dem sanften Luftstrom folgen, der in unseren Körper ein- und wieder ausströmt, und fühlen, wie sich Brust und Bauch entsprechend heben und senken, werden wir uns auch unseres inneren Körpers bewusst. Dann können wir unsere Aufmerksamkeit vom Atem auf die Lebendigkeit richten, die wir innerlich spüren und die unseren ganzen Körper durchdringt.

Wie können ein feines Gefühl von Lebendigkeit wahrnehmen, das unseren ganzen inneren Körper erfüllt. Wir können unseren Körper sozusagen von innen fühlen. Am besten beginnen wir mit einigen bestimmten Körperteilen und dehnen dann unsere Wahrnehmung aus. Wir spüren unsere Hände, dann die Arme, die Füße, die Beine, bis wir uns unseres inneren Körpers als Ganzes bewusst werden.

“Die Leute sind wie erstarrt. Sie schleppen ihren Körper mit sich herum, als wäre er ein Sarg. Er ist ein Ballast, ein Hemmnis und er hilft ihnen nicht, mit der Wirklichkeit zu kommunizieren. Wenn du die Körperelektrizität von den Zehen bis zum Kopf frei fließen lässt, wenn du dieser Energie, der Bioenergie, totale Freiheit erlaubst, wirst du selbst zu einem Fluss. Dann wirst du deinen Körper überhaupt nicht mehr spüren. Du wirst dich beinahe körperlos fühlen.”
(Osho)

Innerer und äußerer Raum

Wir sind uns nicht nur dessen bewusst, was in diesem Augenblick geschieht, sondern auch des JETZT als des lebendigen, zeitlosen inneren Raums, in dem alles geschieht. Wir werden überrascht feststellen, dass wir plötzlich innerlich viel lebendiger sind, wenn wir uns des Raums als das JETZT gewahr werden.

Wir schaffen so oft wie möglich in unserem Lebensalltag Raum, indem wir uns den Raum bewusst machen. Immer dann wenn wir irgendwo warten, jemanden zu hören oder innehalten, um zum Himmel empor zu schauen oder einen Raum, eine Blume, unserem Partner oder ein Kind betrachten, spüren wir zugleich die Lebendigkeit in unserem Inneren. Das heißt, ein Teil unserer Aufmerksamkeit bzw. unseres Bewusstseins bleibt formlos, während der übrige Teil für die äußere Welt der Form zur Verfügung steht. Wenn wir unseren Körper auf dieser Weise "bewohnen", dient er uns als Anker, um im JETZT präsent zu bleiben. Dann bewahrt es uns davor, uns im Denken, in Empfindungen und äußeren Umständen zu verlieren.

Sobald wir denken, fühlen, wahrnehmen und Erfahrungen machen, nimmt Bewusstsein Form an. Es reinkarniert sich - als Gedanke, Gefühl, Sinneswahrnehmung oder Erfahrung. Der Kreislauf der Wiedergeburten, dem die Buddhisten letztendlich zu entrinnen hoffen, ist unentwegt im Gange, und nur in diesem gegenwärtigen Augenblick - durch die Kraft des JETZT - können wir uns daraus befreien. Indem wir das JETZT in seiner jeweiligen Form bedingungslos annehmen, richten wir uns innerlich auf den Raum aus, der das Wesen des JETZT ist. Durch Akzeptanz werden wir innerlich weit. Durch Ausrichtung auf den Raum statt auf die Form kommt wahre Orientierung und Ausgewogenheit in unser Leben.

Die Lücken wahrnehmen

Den ganzen Tag über hören und sehen wir Dinge, die unablässig in ständigem Wechsel aufeinanderfolgen. Im ersten Moment, in dem wir etwas sehen oder hören - umso mehr, wenn es sich um etwas handelt, dass uns nicht vertraut ist - und bevor der Verstand es benennen und auswerten kann, entsteht im Allgemeinen eine Pause, die von wacher Aufmerksamkeit erfüllt ist. Das ist der innere Raum. Wie lange er sich öffnet, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Er wird meist völlig übersehen, denn bei den meisten Menschen sind diese "Pausen" extrem kurz.

Folgendes geschieht: Etwas Neues kommt in Sicht oder ein neuer Klang trifft unser Ohr, und im Augenblick der Wahrnehmung tritt eine kurze Unterbrechung im gewohnten Strom der Gedanken ein. Das Bewusstsein wird vom Denken abgezogen, weil es für die betreffende Sinneswahrnehmung gebraucht wird. Bei einem sehr ungewöhnlichen Anblick oder Ton verschlägt es uns unter Umständen sogar "die Sprache", auch innerlich, so dass eine längere Pause entsteht.

So wie wir uns der kurzen, von selbst entstehenden Lücken bewusst werden, werden sie größer, und während sie größer werden, genießen wir immer häufiger die Freude, wenig unterbrochen oder völlig ungestört vom Denken wahrzunehmen. Dann empfinden wir die Welt ringsum als frisch, neu und lebendig. Je mehr wird das Leben durch die mentale Brille des abstrakten begrifflichen Denkens wahrnehmen, umso lebloser umso flacher erscheint uns unsere Umwelt.

Sich selbst verlieren, um sich zu finden

Die Stimme des Egos lehrt uns "sei ganz du selbst". Das Ego animiert uns unser persönliches, formales Selbst zu betonen und ein ganz besonderes, einzigartiges Selbstbild zu entwickeln.

Am spirituellen Weg geht es genau um das Gegenteil. Der innere Raum entsteht auch dann, wenn wir dem Bedürfnis widerstehen, unser formales Selbst, unsere Person, zu betonen - im Wissen, dass Besonderheit eine Illusion ist. Das Bedürfnis nach Besonderheit kommt vom Ego und ist daher kein echtes Bedürfnis. Immer wenn wir eines dieser Verhaltensmuster aufgeben, entsteht innerer Raum. Für das Ego sieht es so aus, als würden wir uns verlieren, dabei ist das Gegenteil richtig. Immer wenn wir eines dieser Muster fallen lassen, wird das, was uns auf der Ebene der Form ausmacht, schwächer, und dann kommt das deutlicher zum Vorschein, was wir jenseits der Form sind. Wir sind weniger und doch mehr - weniger selbst und mehr SELBST.

Im Folgenden einige Beispiele, wie wir uns unbewusst in unseren formalen Selbst zu bestärken versuchen: Wenn wir ärgerlich werden, weil uns Anerkennung versagt wird, für etwas das wir getan haben. Wenn wir Aufmerksam erregen, indem wir ständig über unsere Probleme sprechen, indem wir jemanden eine Szene machen, indem wir ungefragt unsere Meinung äußern, ohne damit etwas an der Situation zu verändern und wenn wir in erster Linie darum besorgt sind, wie andere Menschen uns sehen, sie also zur Selbstbespiegelung oder Selbstbestätigung benutzen. Wenn wir durch eine wütende Reaktion auf etwas oder jemanden unser Ego kurzfristig aufblähen. Wenn wir Dinge persönlich nehmen und beleidigt sind. Wenn wir recht haben wollen und andere ins Unrecht setzen wollen.

Wenn wir diese Muster fallen lassen, werden wie eine gewaltige Kraft entdecken, die durch uns in die Welt strömt.

Stille

Stille ist in Wahrheit ein anderes Wort für Raum. Uns der Stille bewusst zu werden verbindet uns mit der formlosen und zeitlosen Dimension in uns, die jenseits des Denkens liegt, jenseits des Ego. Denken ist Form. Stillsein ist Gewahrsein ohne denken. Wir sind nie tiefer und essentieller wir selbst als dann, wenn wir still sind. In unserer Stille sind wir das, was wir jenseits der Form sind: reines Bewusstsein - unkonditioniert und formlos.

Epilog

Weitere Übungen dieser Art finden sich auch im Buch der Geheimnisse von Osho. Eine weitere Möglichkeit zur Erforschung des inneren Raumes stellt das hier in Europa von Daniel Odier gelehrte Tandava dar. Tandava ist ein mystischer Tanz, der in der tantrischen Tradition eine ganz besondere Rolle spielt. Dieser Tanz wird mit extrem langsamen Bewegungen ausgeführt. Dadurch wird das Bewusstsein für das, was im Moment ist, verstärkt. Durch die extrem langsamen Bewegungen entsteht ein sanftes, selbstständiges Fließen, das die Bewegungen des Körpers allmählich harmonisiert, und es entsteht eine sehr achtsame Wahrnehmung des Moments. Alles in allem führt das Tanzen den Schüler zu einer großen geistigen Wachheit, in der sich ein Raum von Gelassenheit, Absichtslosigkeit, innerer Stille, weiter Ruhe und tiefem Frieden öffnet.



Erwachen und Erleuchtung

Toskana 2001

Tagebucheintrag von Heinrich vom 26.08.2001

Von den morgendlichen Sonnenstrahlen geweckt, krieche ich aus meinem Schlafsack und mache mich auf den Weg zum nächsten Busch um dort meine Morgentoilette zu verrichten. Aufgrund des in der Gegend herrschenden Wassermangels, wurden wir gebeten die Toilette im Haus nur für das "große Geschäft" zu verwenden. Es ist hier um die Zeit generell sehr trocken, aber vor ein paar Wochen hat es hier in der Gegend große Brände gegeben, was die Situation noch verschlimmert hat.

Auf meinen Weg zu einem der verbrannten dornigen Büsche, wird mir bewusst, dass ich gerade nicht denke. In mir herrscht absolute Stille, totale Präsenz, absolute Bewusstheit. Meine Wahrnehmung hat sich stark verändert, alles ist intensiver, die Farben, die morgendlichen Geräusche, die Gerüche und vor allem die räumliche Wahrnehmung. Alles wirkt plötzlich dreidimensionaler und irgendwie echter als sonst. Ich bin glücklich, bin von Liebe erfüllt - alles ist vollkommen - genau so, wie es im Moment ist. Als ich zum Haus zurück komme, empfängt mich die morgendliche Aktivität der anderen Seminarteilnehmer und ich tauche wieder ein ins Leben der Gemeinschaft.

Ich befinde mich im Süden der Toskana in der Nähe von Santa Caterina auf einem Vision-Quest-Seminar und habe gerade vier Tage Auszeit in der Natur hinter mir. Auszeit bedeutet in diesem Zusammenhang vier Tage ohne Nahrung, ohne Dach über dem Kopf, ohne Kontakt zu anderen Menschen und die letzte Nacht auch noch ohne Schlaf. Meine Motivation mich dafür anzumelden, waren eine Mischung aus Neugier und der Idee hier eine Art Überlebenstraining zu absolvieren.

Mein erster Eindruck am Tag meiner Ankunft, auf diesem völlig abgelegenen kleinen Bauernhof in 880 Metern Höhe, war allerdings ein anderer: „Ich bin hier im falschen Film.“ Da sitzen wir alle am Boden im Schatten eines Baumes und erzählen uns äußerst private Dinge. Außerdem sollen wir uns überlegen, mit welcher Absicht wir in die Auszeit gehen wollen. Aber ein Tag genügt und ich merke langsam worum es hier geht und lasse mich immer mehr auf diesen Prozess ein. Jetzt nach acht Tagen, vier Tagen Vorbereitungszeit und vier Tagen Auszeit, bin ich ein anderer Mensch. Irgendwie - ohne es noch richtig zu verstehen - bin ich in eine neue, mir bisher völlig unbekannte, Welt eingetaucht.

"Eine Vision-Quest ist ein altes traditionelles Ritual der Selbstheilung und Sinnsuche in der wilden Natur. Ein von den Verbindlichkeiten des Alltags völlig losgelöster kraftvoller Reinigungs- und Transformationsprozess." hat es in der Ausschreibung dieses Seminars geheißen. Jetzt versteh ich zumindest ansatzweise was damit gemeint ist.

Ich erfahre was es bedeutet mit dem „Herzen“ zu zuhören und zu sprechen. Einer Frau, die ich am ersten Seminartag noch wegen ihres Äußeren und ihrer Persönlichkeit abgelehnt hatte, höre ich nun voll Liebe zu, während sie mir aus ihrem Leben erzählt. Ich erkenn mich selbst nicht wieder, aber es fühlt sich verdammt gut an.

Heute geht es noch darum unsere Erfahrungen der letzten vier Tage zu integrieren und uns gegenseitig unsere Geschichten aus der Auszeit zu spiegeln. Beim Spiegeln erzählen wir unsere Erlebnisse die wir während der Auszeit hatten und der Seminarleiter erzählt die gehörte Geschichte aus seinem Blickwinkel und in seinen Worten nochmals. Es ist schier unglaublich was mir dabei noch alles klar wird.

Zur Wirkung dieses uralten Rituals und zum neuen von uns eingeschlagenen Weg, erklärt uns der Seminarleiter noch, dass die Vision Quest nur das Vorspiel sei und irgendwann im normalen Leben ein Einbruch folgen wird und dann beginnt es erst richtig. Er schließt seine Ausführungen mit den Worten: "Jetzt hast du noch keine Probleme, die kommen erst später." Der Satz beeindruckt mich, aber ich versteh nicht wirklich wovon er spricht.


Epilog

Auch wenn diese besonderen Erfahrungen im Jahre 2001 zeitlich begrenzt waren, so begann damals etwas, das man „spirituelle Suche“ nennen könnte. Die vom Seminarleiter erwähnten Probleme begannen erst viele Jahre später und erreichten ihren Höhepunkt im Jahre 2019. In diesem Jahr begegnete ich dann dem Kurs in Wundern.

Viele Jahre nach dem Sommer 2001 und nachdem sich die Momente totaler Präsenz und Erkenntnis wiederholt hatten, wurde mir erst klar, was das ist, was „ich“ da manchmal erfahre. Spirituelle Lehrer bezeichnen es als „Satori“. „Satori“ ist ein Begriff aus dem Zen-Buddhismus und bezeichnet einen plötzlich auftretenden Moment der Erleuchtung, der aber nicht von Dauer ist. Der Psychologe Abraham Maslow hat diese mystische Erfahrung als All-Eins-Erfahrung bezeichnet. Christliche Mystiker vergangener Tage sprachen von "Verzückung". Gegenwärtige christliche Mystiker wie der Benediktiner Mönch David Steindl-Rast bezeichnen sie häufig als "peak experiences" oder „Gipfelerlebnisse“ - Augenblicke in denen wir Eins mit allem sind.

"Mitten im Winter habe ich erfahren, dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt."
(Albert Camus, Nobelpreis für Literatur 1957)

Der Kurs spricht in diesem Zusammenhang vom Heiligen Augenblick, dem kleinen Atemzug der Ewigkeit und von Offenbarung, einer vollständigen, aber zeitweiligen Aufhebung von Zweifeln und von Angst. Die Offenbarung spiegelt die ursprüngliche Form der Kommunikation zwischen GOTT und SEINEN Schöpfungen wider.

In diesem Entrinnen gibt es keinerlei Gewalt. Der Körper wird nicht an gegriffen, sondern nur richtig wahrgenommen. Er grenzt dich nicht ein, einfach deshalb, weil du es nicht haben möchtest. Du wirst nicht wirklich aus ihm herausgehoben; er kann dich nicht enthalten. Du gehst dorthin, wo du sein möchtest, und gewinnst ein Gefühl des SELBST, anstatt es zu verlieren. In diesen Augenblicken der Befreiung aus körperlichen Einschränkungen erfährst du viel von dem, was im heiligen Augenblick geschieht: das Öffnen der Schranken von Raum und Zeit, die plötzliche Erfahrung von Frieden und Freude und vor allem das fehlende Gewahrsein des Körpers und das Ausbleiben von Fragen, ob das alles möglich ist oder nicht.

Es ist möglich, weil du es willst. Die plötzliche Bewusstseinserweiterung, die mit deinem Verlangen danach stattfindet, ist die unwiderstehliche Anziehungskraft, die der heilige Augenblick hat. Er ruft dich auf, du selbst zu sein, in seiner sicheren Umarmung. Dort werden die Gesetze der Begrenzung für dich aufgehoben, um dich zur Offenheit des Geistes und zur Freiheit zu begrüßen. Komme zu diesem Ort der Zuflucht, wo du in Frieden du selbst sein kannst. Nicht durch Zerstörung, nicht durch ein Ausbrechen, sondern einfach durch ein stilles Verschmelzen. Denn der Frieden wird sich dort mit dir verbinden, einfach weil du gewillt gewesen bist, die Grenzen loszulassen, die du der Liebe auferlegtest, und dich dort mit ihr verbunden hast, wo sie ist und wohin sie dich geführt hat, als Antwort auf ihren sanften Ruf, in Frieden zu sein.

(EKIW: Kapitel 18, VI.13. & 14.)

"Lass uns den Traum, den er weggegeben hat, dem Träumer zurückerstatten, der den Traum als von sich separat und als etwas wahrnimmt, was ihm angetan wird. In die Ewigkeit, wo alles eins ist, kam eine winzig kleine Wahnidee geschlichen, und GOTTES SOHN erinnerte sich nicht daran, sie auszulachen. Und weil er das vergaß, ist der Gedanke zu einer ernsten Idee geworden und sowohl der Umsetzung als auch realer Wirkungen fähig. Gemeinsam können wir sie beide weglachen und verstehen, dass die Zeit sich nicht in die Ewigkeit eindrängen kann. Es ist ein Witz, zu glauben, die Zeit könne kommen, um die Ewigkeit zu überlisten - was bedeutet, dass es keine Zeit gibt."
(EKIW: Kapitel 27, VII. 6.)

Wunder-volle Beispiele, welche Befreiung es darstellt, wenn sich das Bewusstsein weitet und die Last der Person abfällt, zeigen folgende Videos:

Laughing Buddha ~ "I Can't Find My Mind!" (Video)

Laughing Buddha 3 (Video)

Laughing Buddha (Video)

"Mooji, I Don´t Feel This Peace" (Video)

Solche Momente sind einerseits eine große Gnade, weil wir erst dann wissen, was das Ziel eines spirituellen Weges ist und erst dann haben wir eine echte Motivation überhaupt los zu gehen. Das Ego hat keine Vorstellung von der Glückseligkeit eines heiligen Augenblicks. Das Ego kennt nur die Ware Glück, aber nicht das WAHRE GLÜCK.

Andererseits sind solche Momente auch eine große Falle, den nach so einem Moment kehrt das Ego meist zurück und identifiziert sich mit dieser im Geist gespeicherten „Erfahrung“. Viele „spirituelle“ Egos glauben dann, sie wären erwacht und treten als „spirituelle“ Lehrer auf. Damit hat sich das Ego erfolgreich auf den Thron Gottes gesetzt und ist dort kaum mehr bereit abzutreten. Die Wege die das Leben dann findet, um wieder die Bereitschaft für Berichtigung zu erlangen, sind dann meist sehr schmerzhaft.

Ein Schüler kommt von einer Pilgerfahrt zurück, auf der er Satori hatte. Ehrfürchtig nähert er sich dem Meister, der ihn schweigend erwartet, und geht vor ihm auf die Knie. In dem Augenblick, in dem er den Kopf hebt und beginnen will, etwas zu sagen, sausen dreißig harte Stockschläge auf ihn nieder. „Aber Meister“, fragt der Schüler erstaunt, „warum das? Ich habe doch noch kein einziges Wort gesagt.“ Der Meister erwidert: „Hättest du auch nur ein Wort gesagt, es wäre zu spät gewesen.

Dass ich weiterhin in diesem Zusammenhang von „ich“ schreibe liegt daran, dass sich die WAHRHEIT mit Worten nicht beschreiben lässt. Es ist enorm wichtig, dass wir uns immer wieder daran erinnern, dass heilige Augenblicke und Offenbarungen nicht „uns“ passiert sind, sondern genau das Gegenteil der Fall ist. Dies sind „Momente“ in denen die Illusion einer Person nicht passiert ist. Das Bewusstsein löst sich von der Identifikation mit der Form, dem Körper und seinen persönlichen psychologischen Mustern - und WAHRHEIT ist.

Diese Form der Erkenntnis findet jenseits des denkenden Verstandes statt. Das Bewusstsein löst sich von der Identifikation mit dem Körper und den Gedanken. Dies ist es auch, wessen sich das Bewusstsein als erstes bewusst wird - der völligen Abwesenheit des Verstandes - also der Identifikation mit Gedanken. Im Nachhinein sprechen wir gerne von einem tiefen Frieden und der glückseligen Freiheit von Gedanken, aber das sind nur Worte und nicht die WAHRHEIT. Die WAHRHEIT kennt keinen „Frieden“ und keine „Freiheit“. Auch der Begriff „Moment“ ist falsch und nur ein Hilfsmittel, weil er auf ein zeitliches Phänomen verweist, das Bewusstsein in diesem Fall, sich aber auch von der Illusion der Zeit gelöst hat.

An der Tiefe des Erlebnisses gemessen,
aus dem wir eine Weisheit gewonnen haben,
muss diese selbst immer platt erscheinen;
oder es ist weder ein Erlebnis gewesen noch eine Weisheit geworden.

(Arthur Schnitzler)

Im Kapitel über das Enneagramm beschäftigen wir uns mit den Heiligen Ideen der neun Typen des Enneagramms. In einem Moment der Offenbarung, ist die meinem Enneagramm-Typ entsprechende Heilige Idee scheinbar von „mir“ erkannt worden. „Mir“ ist das nicht passiert, „ich“ habe nur noch eine schwache Erinnerung daran.

Dieser Kurs wird zur Erkenntnis führen, doch die Erkenntnis selbst liegt noch jenseits des Rahmens unseres Lehrplans. Und es ist auch nicht nötig, dass wir versuchen, von etwas zu sprechen, was ewig jenseits aller Worte bleiben muss. Wir brauchen uns nur daran zu erinnern, dass jeder, der die wirkliche Welt erlangt über die das Lernen nicht hinausgehen kann, darüber hinausgehen wird, aber auf andere Weise. Dort, wo das Lernen endet, da beginnt GOTT, denn Lernen endet vor IHM, DER vollständig ist, wo ER beginnt und wo es kein Ende gibt. Wir sollten uns nicht mit dem aufhalten, was nicht erlangt werden kann. Es gibt zu viel zu lernen. Die Bereitschaft für die Erkenntnis muss erst noch erlangt werden.
(EKIW: Kapitel 18, IX. 11.)

Erwachen, Erleuchtung

Oft wird unter dem Begriff Erleuchtung der Endzustand eines Prozesses verstanden. Hier wird der Begriff Erleuchtung als der dem Erwachen folgende Prozess verstanden.

Es gibt auf der Ebene des Egos eine Unmenge an Irrtümern und Missverständnissen zum Thema Erwachen und Erleuchtung. Viele glauben, wenn sie erwacht sind, dass sie dann auch erleuchtet sind. Oder manche Lehrer sprechen darüber, dass jeder schon erleuchtet ist, weil wir alle das Sein sind. Ja, wir sind das Sein, aber haben wir es wirklich schon realisiert? Oder sind das einfach nur leere Worte und Konzepte, die der Verstand übernimmt, ohne dass sie in ihrer Tiefe erfasst und erfahren werden?

Bildlich gesprochen: Der David von Michelangelo war im Marmorblock immer schon vorhanden. Michelangelos Aufgabe war es "lediglich", all das Material, das ihn verdeckt hatte, zu entfernen. Solange allerdings dieses, den David verdeckende Material, nicht entfernt ist, ist das Werk nicht vollendet.

Oft werden die Begriffe Erwachen und Erleuchtung auch synonym verwendet. In diesem Text wird eine Unterscheidung dieser zwei Begriffe, im Sinne einer Beschreibung des Prozesses der Realisation der Einheit, vorgenommen. Wenn begrifflich nicht zwischen Erwachen und Erleuchtung unterschieden wird, dann wird Erwachen oft in Form von zwei Stufen - geistig und körperlich, oder weiblich und männlich – beschrieben. Es handelt sich dabei nur um unterschiedliche Symbole, die auf den selben unbeschreiblichen Prozess der Rückkehr ins Paradies verweisen.

Erleuchtung heißt lateinisch: Illuminari - erhellen. Diese Übersetzung trifft es sehr gut. Denn es geht nicht um einen „Lichtschalter“ den man in einem Moment einschaltet, sondern um einen Prozess des sich Erhellens. Es braucht das Heilen aller Schatten und Bedürftigkeiten im geistigen und verkörperten Bewusstsein. Erwachen bietet mehr oder weniger die Grundlage für eine tiefere Befreiung und Realisierung des permanenten Seins-Zustandes. Wenn das passiert, ist der Teil des gesamten Bewusstsein, der sich als Ich ausgedrückt hat, transzendiert und erleuchtet.

Berichtigendes Lernen beginnt immer mit dem Erwachen des reinen Geistes und der Abkehr vom Glauben an die körperliche Sicht. Das bringt oft Angst mit sich, weil du dich vor dem fürchtest, was deine geistige Sicht dir zeigen wird.
(EKIW: Kapitel 2, V. 7. 1.&2.)

Ein erster Schritt auf dem Weg in die Freiheit ist es, anzuerkennen, dass es keine Trennung gibt und daher alles was wir als getrennt von uns wahrnehmen, in Wahrheit nicht getrennt von uns ist. Unser ganzes Leben, die ganze Welt, alles was uns passiert, wem wir begegnen und was die scheinbar anderen Menschen tun, ist nur ein Spiegel. Es gibt nichts Anderes, alles was wir wahrnehmen, sind wir selbst. Wir befinden uns in einem Spiegelkabinett.

Mit dieser Geisteshaltung, haben wir zumindest auf der Ebene des Verstandes, die Trennung schon aufgehoben. Damit lösen sich auch die Konzepte von Täter und Opfer, von Schuld und Strafe, immer mehr auf. Wenn wir erwacht sind, nehmen wir weiterhin Beziehung wahr, aber wir nehmen dabei keine Trennung mehr wahr. Wir begegnen weiterhin unseren Brüdern, aber es ist offensichtlich, dass wir von unseren Brüdern nicht getrennt sind.

Der heilige Augenblick ist das Ergebnis deiner Entschlossenheit, heilig zu sein. Er ist die Antwort. Das Verlangen und die Bereitwilligkeit, ihn kommen zu lassen, gehen seinem Kommen voraus. Du bereitest deinen Geist nur in dem Masse auf ihn vor, wie du begreifst, dass du ihn mehr als alles andere willst. Es ist nicht nötig, dass du mehr tust; vielmehr ist es notwendig, dass du einsiehst, dass du nicht mehr tun kannst. Versuche nicht, dem HEILIGEN GEIST etwas zu geben, worum ER nicht bittet, denn sonst wirst du IHM das Ego beifügen und dann die beiden miteinander verwechseln. ER bittet nur um wenig. ER ist es, DER die Größe und die Macht beifügt. ER verbindet sich mit dir, um den heiligen Augenblick weitaus größer zu machen, als du verstehen kannst. Gerade deine Einsicht, dass du so wenig zu tun brauchst, ermöglicht es IHM, so viel zu geben.

Vertraue nicht deinen guten Absichten. Sie reichen nicht aus. Vertraue aber blind auf deine Bereitwilligkeit, was immer sonst eintreten mag. Konzentriere dich nur darauf, und lass es dich nicht stören, dass Schatten sie umgeben. Deshalb bist du gekommen. Wenn du ohne sie kommen könntest, bräuchtest du den heiligen Augenblick nicht. Komme nicht in Arroganz zu ihm, indem du annimmst, dass du den Zustand erreichen musst, den sein Kommen mit sich bringt. Das Wunder des heiligen Augenblicks liegt in deiner Bereitwilligkeit, ihn sein zu lassen, was er ist. Und in deiner Bereitwilligkeit dazu liegt auch dein Annehmen deiner selbst, so wie du gemeint warst.

(EKIW: Kapitel 18, IV. 1. & 2.)

Mit dem Erleben des „Aufwachens“, also dem Lösen des Bewusstseins aus der Identifikation, aus dem mentalen Traum, passiert sowohl Wunderbares als auch Lustiges. Dabei passiert nicht die vollständige Loslösung der Identifikation. Es geschieht bei jedem unterschiedlich, aber es löst sich nur der größte Teil der Identifikation. Hier ist also noch weitere Prozessarbeit (=Vergebung) von Nöten.

Bildlich gesprochen, bedeutet Erwachen, vom unbewussten Traumzustand in einen luziden Traum zu wechseln - einen Traum, in dem wir uns des Träumens bewusst sind. Wir erleben dann den Traum aus der Position des Träumers. Mit einem anderen Bild könnte man es auch so ausdrücken: Vor dem Erwachen sind wir wie ein Schauspieler, der sich mit seiner Rolle so identifiziert hat, dass er glaubt die Rolle zu sein. Beim Erwachen löst sich diese Identifikation und wir nehmen unsere Rolle aus der Sicht des Schauspielers war, ohne uns damit zu identifizieren. Der Schauspieler entspricht in diesem Bild dem individuellen Bewusstsein.

"Du bist der Träumer der Welt der Träume. Sie hat keine andere Ursache, noch wird sie das je haben. Nichts Furchterregenderes als ein nichtiger Traum hat GOTTES SOHN in Angst und Schrecken versetzt und ihn glauben lassen, das er seine Unschuld verloren, seinen VATER verleugnet und einen Krieg gegen sich selbst geführt hat. So schrecklich ist der Traum, so scheinbar wirklich, dass er nicht ohne Angstschweiß und einen Schrei der Todesangst zur Wirklichkeit erwachen könnte, wenn nicht ein sanfterer Traum seinem Erwachen vorausgehen und es seinem ruhigeren Geist erlauben würde, die STIMME willkommen zu heißen und nicht zu fürchten, DIE mit Liebe ruft, ihn aufzuwecken; ein sanfterer Traum, in dem sein Leiden geheilt und sein Bruder ihm ein Freund ist. GOTT wollte, dass er sanft und voller Freude erwache, und gab ihm die Mittel, furchtlos zu erwachen."
(EKIW: Kapitel 27, VII. 13.)


Vor der Erleuchtung: Wasser tragen und Reis kochen.
Nach der Erleuchtung: Wasser tragen und Reis kochen.
(Zen-Buddhismus)


Die wirkliche Welt wird einfach durch die vollständige Vergebung der alten erlangt, jener Welt, die du ohne Vergebung siehst. Der GROSSE WANDLER der Wahrnehmung wird mit dir die sorgfältige Erforschung des Geistes unternehmen, der diese Welt gemacht hat, und dir die scheinbaren Beweggründe aufdecken, um derentwillen du sie gemacht hast. Im Licht der wirklichen Vernunft, die ER dir bringt, wenn du IHM nachfolgst, wird ER dir zeigen, dass es hier überhaupt keine Vernunft gibt. Jeder Punkt, den SEINE Vernunft berührt, wird in Schönheit lebendig, und das, was im Dunkel deiner mangelnden Vernunft hässlich erschien, wird plötzlich zu Lieblichkeit befreit. Nicht einmal das, was der SOHN GOTTES im Wahnsinn gemacht hat, kann ohne einen verborgenen Funken Schönheit sein, den die Sanftmut freisetzen kann.
(EKIW: Kapitel 17, II. 5.)

Meistens landet der Mensch erst einmal in einer sogenannten „Bliss-Blase“. Es ist ein Zustand, in dem man aus dem Gewahrsein, wie von Außen betrachtet, sich und die Welt als in Nebel gehüllte Traumblase erlebt. Der Verstand erkennt einen höheren Zusammenhang und er gibt sich dem Höheren hin, um von nun an mehr oder weniger zu dienen. Gleichzeitig löst sich das Bewusstsein von der Identifikation, diese Person zu sein. Einige Zeit lang sind auch die Schatten im Energiekörper wie im Standbymodus, in dieser so genannten „Bliss-Blase".

Beim weiteren Befreiungsprozess geht es um die radikale Entlarvung des noch vorhandenen Egos. Bei vielen Erwachten ist es so, dass wenn sie nach ihrem Erwachen nicht weiterhin an ihren Mustern und Schatten bewusst arbeiten, d. h. sie integrieren und transzendieren, dass eine weitere und erneute Identifikation geschieht. Ganz schnell legt sich eine neue Maske drauf, beispielsweise eine spirituelle und erleuchtete Maske und sie wird genauso stark geschützt und verteidigt, wie die vorigen.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist es zu verstehen, dass das Bewusstsein nicht der REINE GEIST, das SELBST, der CHRISTUS, der SOHN GOTTES ist. Daher ist im Sinne des Kurses der Begriff Christus-Bewusstsein ein Irrtum. Das Bewusstsein stellt den ersten Schritt in die Trennung dar und damit gleichzeitig den letzten Schritt bei der Rückkehr in die Einheit CHRISTI.

In dieser Welt ist die einzig verbleibende Freiheit die Freiheit der Wahl - immer zwischen zwei Wahlmöglichkeiten oder zwei Stimmen. Der Wille ist auf keiner Ebene an der Wahrnehmung beteiligt und hat mit der Wahl nichts zu tun. Das Bewusstsein ist der Empfangsmechanismus, der Botschaften von oben oder unten empfängt - vom HEILIGEN GEIST oder vom Ego. Das Bewusstsein hat Ebenen, und das Gewahrsein kann ziemlich drastisch wechseln, aber es kann den Wahrnehmungsbereich nicht transzendieren. Höchstenfalls wird es der wirklichen Welt gewahr, und es kann darin geschult werden, dies immer mehr zu tun. Doch schon die Tatsache, dass es Ebenen hat und geschult werden kann, zeigt auf, dass es nicht die Erkenntnis erreichen kann.
(EKIW: BEGRIFFSBESTIMMUNG, 1. 7.)

Es gibt in der katholischen Liturgie kurz vor dem Kommunionempfang einen Vers, der einen zentralen Irrtum immer und immer wieder bekräftigt. „Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“ Das liturgische Gebet zitiert Matthäus 8,8: „Da antwortete der römische Hauptmann: Herr, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst; sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund.“ Dieser Hauptmann weiß, dass er als Heide aus jüdischer Sicht „nicht würdig ist“, dass ein Rabbi, Prophet und Heiler zu ihm ins Haus kommt. Er akzeptiert damit seine eigene Stellung außerhalb des „erwählten Volkes“. Damit wird einerseits die Illusion einer Überlegenheit der Juden gegenüber den Nicht-Juden und damit die Illusion der Trennung unter den Menschen bestätigt und andererseits wird die Illusion der Unwürdigkeit und damit die Illusion der Trennung von Gott bestätigt. Was an diesem Vers wahr, und damit hilfreich ist, ist die Aussage, dass es Gott ist, der den letzten Schritt zu unserer Erlösung macht und dies nicht unser Verdienst ist, sondern von uns nur die Bereitschaft dazu verlangt.

Der heilige Augenblick kommt nur von deiner kleinen Bereitwilligkeit. Er ist immer das Resultat deiner kleinen Bereitwilligkeit, verbunden mit der unbegrenzten Macht von GOTTES WILLEN. Du hast dich geirrt, als du dachtest, es sei nötig, dich auf IHN vorzubereiten. Es ist unmöglich, arrogante Vorbereitungen für die Heiligkeit zu treffen und nicht zu glauben, dass es bei dir liegt, die Bedingungen für den Frieden festzulegen. GOTT hat sie festgelegt. Sie warten nicht auf deine Bereitwilligkeit, um das zu sein, was sie sind. Deine Bereitwilligkeit ist nur nötig, damit es möglich wird, dich zu lehren, was sie sind. Wenn du behauptest, du seiest unwürdig, das zu lernen, störst du die Lektion, indem du glaubst, dass du den Lernenden anders machen musst. Du hast den Schüler weder gemacht, noch kannst du ihn anders machen. Möchtest du erst selbst ein Wunder machen und dann erwarten, das eins für dich gemacht wird?

„Du stellst einfach die Frage. Die Antwort wird gegeben. Suche nicht zu antworten, sondern lediglich die Antwort so zu empfangen, wie sie gegeben wird. Wenn du dich auf den heiligen Augenblick vorbereitest, versuche nicht, dich heilig zu machen, um bereit zu sein, ihn zu empfangen. Das hieße nur, deine Rolle mit derjenigen GOTTES zu verwechseln. Die SÜHNE kann nicht zu denen kommen, die denken, dass sie erst sühnen müssen, sondern nur zu denen, die ihr nichts anderes anbieten als die einfache Bereitwilligkeit, ihr Platz zu machen. Läuterung ist allein von GOTT, und deshalb ist sie für dich. Statt zu versuchen, dich für IHN vorzubereiten, versuche vielmehr, so zu denken:

      Ich, der ich GOTTES Gastgeber bin, bin SEINER würdig.
      ER, DER SEINE Wohnstatt in mir errichtet hat, hat sie so erschaffen, wie ER sie haben möchte.
      Es ist nicht nötig, dass ich sie für IHN bereitmache, sondern nur,
      dass ich SEINEN Plan nicht störe, mein eigenes Gewahrsein meiner Bereitwilligkeit,
      die ewig ist, bei mir wiederherzustellen.
      Ich brauche SEINEM Plan nichts beizufügen.
      Aber um ihn zu empfangen, muss ich bereit sein, ihn nicht durch meinem eigenen zu ersetzen.“

(EKIW: Kapitel 18, IV. 4. & 5.)


Potzblitz
Wenn ich sage oder jemand anders sagt,
dass die Erleuchtung plötzlich kommt,
meinen wir mit "plötzlich", dass es da nichts
zu machen gibt - dass wir einfach abwarten müssen.
Wenn sie geschehen wird, wird sie geschehen,
was kann man da tun?
Käme sie allmählich, könnte man etwas tun.
Aber ich sage euch, dass sie zwar nicht allmählich
kommt, ihr aber trotzdem etwas tun könnt.
Und ihr müsst sogar etwas tun!
Aber dieses "Etwas" wird euch nicht die Erleuchtung
eintragen. Dieses "Etwas" wird euch dem Phänomen
der Erleuchtung nahe bringen.
Dieses "Etwas" wird euch offen dafür machen,
dass das Phänomen der Erleuchtung stattfinden kann.
Die Erleuchtung kann also nicht Ergebnis eurer
Bemühungen sein - das ist sie auch nicht.
Durch eure Bemühungen macht ihr euch lediglich
offen für das höhere Gesetz der Levitation.
Eure Bemühungen werden dazu führen, dass ihr
zugänglich werdet, nicht erleuchtet. Ihr werdet offen
werden, ihr werdet widerstandslos werden, ihr werdet
nachhelfen, damit das höhere Gesetz in Kraft treten
kann. Und seid ihr erst einmal kooperativ und
widerstandslos, beginnt das höhere Gesetz in
Kraft zu treten. Eure Anstrengungen werden euch
empfänglicher machen.
(Osho)



Tu einfach dies: Sei still, und lege alle Gedanken darüber, was du bist und was GOTT ist, weg, alle Konzepte über die Welt, die du gelernt hast, alle Bilder, die du von dir selber hast. Mach deinen Geist von allem leer, was er für wahr oder falsch, gut oder schlecht hält, von jedem Gedanken, den er als würdig beurteilt, und allen Vorstellungen, deren er sich schämt. Halte an nichts fest. Bringe nicht einen Gedanken mit, den die Vergangenheit gelehrt hat, noch eine Überzeugung, die du jemals gelernt hast von irgend etwas. Vergiss diese Welt, vergiss diesen Kurs, und komm mit völlig leeren Händen zu deinem GOTT.
(EKIW: LEKTION 189, 7.)



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