"Ideen mit anderen teilen heißt sie stärken."
 

Themen

Die folgenden Kapitel stellen persönliche Ansichten zu unterschiedlichen Themen dar, vor dem Hintergrund des Kurses.


Inhaltsverzeichnis


Entstehung des Kurses

Dr. Helen Schucman und Dr. William Thetford, beide Professoren für klinische Psychologie in New York, hatten keinen Bezug zum Thema Spiritualität. Ihre Beziehung zueinander war schwierig und oft angespannt, und es ging ihnen um Anerkennung und Status, persönlich wie beruflich. Helen Schucman beschreibt sich selbst als Psychologin, Pädagogin und als atheistisch. Eines Tages sagte der Direktor der Abteilung von Helen Schucman, William Thetford, er habe die ärgerlichen und aggressiven Gefühle zwischen ihnen satt: „Es muss einen anderen Weg geben.“ Helen Schucman willigte, entgegen ihrer sonstigen Art, ein ihm bei der Suche nach diesem Weg zu helfen. Obschon ihre Absicht ernst war, hatten sie große Schwierigkeiten, mit ihrem gemeinsamen Unterfangen zu beginnen.

Der eigentlichen Niederschrift gingen drei außergewöhnliche Monate voraus, in denen Helen Schucman starke symbolische Träume hatte und seltsame innere Bilder empfing. Eines Tages war sie selbst sehr erstaunt, als sie niederschrieb: „Dies ist ein Kurs in Wundern.“ So wurde sie mit der STIMME, die sich als Jesus zu erkennen gab, bekannt. Sie war tonlos, schien ihr aber eine Art schnelles inneres Diktat zu geben, das sie in einem Stenoheft aufzeichnete. William Thetford tippte ihre Aufzeichnungen ab und unterstützte sie in ihrer Arbeit. Dieser Prozess dauerte insgesamt etwa sieben Jahre. Das Buch ist derartig komplex, dass die deutsche Übersetzung mehrere Übersetzerteams benötigte und weitere zehn Jahre Arbeit in Anspruch nahm.

Die Namen von Helen Schucman und William Thetford sind auf der Titelseite nicht aufgeführt, weil der Kurs für sich stehen soll. Er ist nicht als Grundlage für einen weiteren Kult gedacht. Sein einziger Zweck ist, einen Weg zur Verfügung zu stellen, der es einigen Menschen ermöglichen wird, ihren eigenen INNEREN LEHRER zu finden.

Ein Kurs in Wundern begann mit dem plötzlichen Entschluss zweier Menschen, sich in einem gemeinsamen Ziel zu verbinden und er beginnt mit folgenden Worten:

1. Dies ist ein Kurs in Wundern. Es ist ein Pflichtkurs. Nur die Zeit, in der du ihn machst, steht dir frei. Freier Wille bedeutet nicht, dass du den Lehrplan bestimmen kannst. Es bedeutet nur, dass du wählen kannst, was du zu einer gegebenen Zeit lernen willst. Der Kurs zielt nicht darauf ab, die Bedeutung der Liebe zu lehren, denn das ist jenseits dessen, was gelehrt werden kann. Er zielt vielmehr darauf ab, die Blockaden zu entfernen, die dich daran hindern, dir der Gegenwart der Liebe, die dein angestammtes Erbe ist, bewusst zu sein. Das Gegenteil von Liebe ist Angst, doch was allumfassend ist, kann kein Gegenteil haben.


Die WAHRHEIT jenseits der Worte

Alles was hier geschrieben steht, sind nur Worte –
es ist nicht die WAHRHEIT!

Der Wahrheitsbegriff in diesen Texten bezieht sich nicht auf die Ebene von richtig und falsch, sondern auf einen Bewusstseinszustand. Die WAHRHEIT – jenes Mysterium, das manchmal auch Gott genannt wird – wartet jenseits der Worte auf uns.

Genau genommen sind dies hier nicht einmal Worte, sondern was du siehst, sind Punkte auf deinem Bildschirm, die als Lichtimpulse auf deiner Netzhaut auftreffen und von dort als elektrische Signale in den Hirn gelangen. Alles was ab jetzt passiert, passiert in deinem Geist und hat nichts mehr mit dem Autor dieser Zeilen zu tun. Wenn du Angehöriger einer völlig anderen Kultur bist, so sind diese Zeichen für dich nicht einmal Worte.

Nur wenn du irgendwann Deutsch gelernt hast, erkennst Du hier Worte. Dein Geist gibt diesen Worten entsprechend deines Denksystems eine ganz bestimmte Bedeutung und verknüpft sie mit ganz bestimmten persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen. Daher ist das was du liest, nicht das, was ich geschrieben habe. Was du hier „liest“ - im inhaltlichen Sinne und im Sinne eines Verstehens, das über die Worte hinaus geht - hängt von dir ab. Was du hier liest ist dein Text.
Von einer bestimmtem Ebene aus betrachtet, hast du dir diesen Text sogar selbst geschrieben.

Dies hier ist keine Botschaft von mir an dich. Es ist auch keine Botschaft an so etwas abstraktes wie „die Welt“. Es ist eine Botschaft an mich selbst und alles was du hier liest, ist eine Botschaft von dir an dich. Ich kann dich mit meinen Worten nicht erreichen, weil ich nicht weiß, was Worte wie Gott, Liebe oder Geist für dich bedeuten.

Diese Worte sind der Versuch eines Verweises auf
die WAHRHEIT jenseits der Worte.

Beim Lesen von Texten zu spirituellen Themen geht es nicht darum, dass wir uns vom logischen Denken verabschieden, sondern darum, uns vom Wissen zu verabschieden und bereit zu sein, uns nicht an Worten festzuhalten, sondern uns von der Botschaft hinter den Worten berühren zu lassen.
Das Gleiche gilt für die Worte spiritueller Lehrer. Spirituelle Lehrer scheinen sich manchmal selbst zu widersprechen. Dafür gibt es drei Gründe:

Erstens - der Lehrer ist selbst noch im Ego gefangen und ist sich dessen nicht bewusst. Das ist zurzeit noch der häufigste Fall. Er ist aber auch in dieser Situation der perfekte Lehrer für den Schüler, denn wer bereit ist eine Lüge zu glauben, wird eine hören.

Der zweite Grund liegt darin begründet, dass sich die Wahrheit nicht in Worte fassen lässt und es daher umso paradoxer wird, je näher man ihr mit Worten nahe zu kommen versucht. Dass man paradoxe Antworten erhält, je näher man der Wahrheit kommt, zeigt sich auch in der Wissenschaft. Die Erkenntnisse der modernen Quantenphysik widersprechen völlig dem „gesunden Menschenverstand“.

Ein Reisender kam in ein Kloster, um den Meister zu hören. Nach einer Weile sprach er zu einem der anderen Schüler: „Ich bin weit gereist, um dem Meister zuzuhören. Aber jetzt, wo ich ihn höre, finde ich seine Worte ganz gewöhnlich.“ Der Schüler antwortete: „Höre nicht auf seine Worte. Höre auf seine Botschaft.“ „Und wie macht man das?“ „Halte dich an einen Satz, den er sagt. Schüttle ihn dann gut durch, bis alle Wörter herausfallen. Was übrig bleibt, wird dein Herz entflammen.

Der dritte Grund ist der Folgende:

Die Antwort eines Lehrers ist nicht die Antwort auf eine Frage,
sondern die Antwort auf einen Schüler.

Wie die Antwort ausfällt, hängt davon ab, wo der Schüler gerade steht. Jede Antwort hat nur eine Bedeutung im jeweiligen Moment. Ein anderer Moment verlangt eine andere Antwort.

Bildlich gesprochen kann man sich Worte wie Wegweiser nach Rom vorstellen. Rom die ewige Stadt als Symbol für das ewige Leben - die ewige WAHRHEIT. Letztendlich führen alle Wege nach Rom und daher auch alle Wege zu Gott.

Wenn Gott Dein Ziel ist, hast Du Glück,
Gott ist Alles-was-es-gibt und somit nicht zu verfehlen.

Selbst wenn ein Wegweiser scheinbar direkt von Rom weg zeigt, so wird jemand der ihm folgt, trotzdem irgendwann Rom erreichen, nur viel später und von der anderen Seite her. Je näher man Rom kommt, desto unwichtiger werden die Wegweiser, denn man kann Rom schon riechen und spüren. Nur wer noch weit von Rom entfernt ist, wird verzweifelt nach Wegweisern Ausschau halten und versuchen sich streng nach ihnen zu richten. Wenn man Rom erreicht hat, gibt es keine Wegweiser mehr und man braucht auch keine mehr – man ist in Rom.

Es ist nicht wichtig, ob du hier das Zitat eines Berühmten liest, oder ob es Worte sind, die scheinbar meinem Geist entsprungen sind. Es ist nicht wichtig was mit diesen Worten in diesen Texten zum Ausdruck gebracht werden will. Das Einzige was von Bedeutung ist, was diese Worte in dir auslösen. Das Beste was dir passieren kann ist, dass in dir ein Gefühl von Wissen aufsteigt - eine Art tiefer innerer Zustimmung. Dies ist ein Hinweis, dass du dich an etwas wieder erinnerst, das in dir immer schon vorhanden war, das du aber bei der Ankunft auf diesem Planeten vergessen hast, um dich erst langsam und allmählich wieder daran zu erinnern und daran zu erfreuen. Bildlich gesprochen stammst du aus Rom und hast es nur vergessen, um nach langer Irrfahrt Rom neu entdecken zu können.

Der Kurs versucht die Reise nach „Rom“ auch dadurch zu verkürzen, dass er den Worten eine möglichst eindeutige Bedeutung gibt:

„Wie kann Kommunikation wirklich begründet werden, solange die verwendeten Symbole Unterschiedliches bedeuten? Das Ziel des HEILIGEN GEISTES gibt eine Deutung, die für dich und deinen Bruder von Bedeutung ist. So kannst du mit ihm, und er mit dir, kommunizieren. ...“
(EKIW: Kapitel 30, VII. 6.)

„Es wäre in der Tat sehr sonderbar, wenn man dich bitten würde, über alle Symbole der Welt hinauszugehen und sie für immer zu vergessen, und dich dann doch bitten würde, eine Lehrfunktion zu übernehmen. Es ist für dich nötig, die Symbole der Welt für eine Weile zu benutzen. Doch lasse dich nicht auch von ihnen täuschen. Sie stehen für überhaupt nichts, und wenn du übst, ist es dieser Gedanke, der dich befreien wird von ihnen. Sie werden lediglich zu Mitteln, durch welche du auf eine Weise kommunizieren kannst, die die Welt versteht, von denen du aber begreifst, dass sie nicht die Einheit sind, in der wahre Kommunikation gefunden werden kann.“
(EKIW: Lektion 184, 9.)

„… Wir wollen jedoch nicht vergessen, dass Worte nur Symbole von Symbolen sind. So sind sie zweifach von der Wirklichkeit entfernt.“
(EKIW: Handbuch für Lehrer, 21. 1.)

„Die Kommunikation, unzweideutig und sonnenklar, bleibt unbegrenzt in alle Ewigkeit. Und GOTT SELBST spricht zu SEINEM SOHN, wie auch SEIN SOHN zu IHM spricht. IHRE Sprache kennt keine Worte, denn was SIE sagen, lässt sich nicht in Symbole fassen. Ihre Erkenntnis ist unmittelbar, wird ganz geteilt und ist gänzlich eins. Wie weit davon entfernt bist du, der du an diese Welt gebunden bleibst! Und dennoch, wie nahe bist du, wenn du sie gegen die Welt eintauschst, die du willst!“
(EKIW: Lektion 129, 4.)


Der Kurs im Spiegel der Wissenschaft

Physik

Schon in der Schule haben wir gelernt, dass das Universum durch den Urknall entstanden ist und sich seither ausdehnt. Niemand hat uns aber erklärt, worin sich dieses Universum ausdehnt und was vor dem Urknall war. Dies hat einen einfachen Grund: Beide Fragen sind völlig sinnlos, denn das Universum ist durch Raum und Zeit definiert. Nur im Universum gibt es Raum und Zeit. Es gibt kein außerhalb und kein davor.

Auch wenn die oben gestellten Fragen damit wegfallen, so bleiben doch Fragen bestehen: Was bedeutet „es gibt kein außerhalb und kein davor“ und wie kann in einem raum- und zeitlosen absoluten Nichts plötzlich Raum und Zeit entstehen?

Das berühmte Doppelspaltexperiment gehört zu den Schlüsselexperimenten der Physik. Es wurde erstmals 1802 von Thomas Young mit Licht durchgeführt und führte zur Ablehnung der damals noch vorherrschenden Korpuskeltheorie des Lichts zugunsten der Wellentheorie. Erst Albert Einsteins Arbeiten zum Photoelektrischen Effekt deckten 1905 auch den Teilchencharakter des Lichts auf. In der Quantenphysik dient das Doppelspaltexperiment häufig dazu, den Welle-Teilchen-Dualismus zu demonstrieren. Mit diesem Experiment wurden unsere Vorstellungen von der Natur der Dinge das erste Mal stark erschüttert und verändert. Damit war schon klar, dass das Ergebnis eines Experiments vom Messvorgang und damit vom Beobachter abhängt und es keine vom Beobachter unabhängige Welt gibt - auch wenn dies erst durch die Quantenphysik deutlich zum Ausdruck gebracht wurde.

Albert Einstein hat im Jahre 1905 mit seiner Speziellen Relativitätstheorie unsere Vorstellung von Raum und Zeit grundlegend verändert. Einstein hat erkannt dass Raum und Zeit miteinander verwoben sind und das ein absolutes zeitliches jetzt nicht existiert. Unser "jetzt" gibt es nur hier. Die Raumzeit ist die Gesamtheit der Vergangenheit und der Zukunft, bezogen auf ein Ereignis, aber auch auf das, was "wieder vergangen noch zukünftig" ist.

So, wie die Begriffe von Raum und Zeit und die des elektrischen und des magnetischen Feldes verschmelzen, so gehen auch die Konzepte von Energie und Masse ineinander auf. Einstein erkannte, dass Energie und Masse nur die beiden Seiten von ein und derselben Medaille sind, nur die beiden Seiten derselben Entität darstellen - so wie Raum und Zeit zwei Aspekte derselben Raumzeit sind. Einsteins berühmte Formel E = mc² führte die Menschheit ins sogenannte Atomzeitalter. Sie beschreibt, was in einer Atombombe, oder einem Atomkraftwerk, passiert – es wird Masse in Energie umgewandelt. Mit der einem Gramm Masse entsprechenden Energie, könnte man ein Land über mehrere Monate mit der gesamten benötigten elektrischen Energie versorgen.

Auch wenn Einstein 1905 mit seiner speziellen Relativitätstheorie großes Aufsehen erregte, ist dies keineswegs sein größter Erfolg. Sein eigentliches Meisterstück bewältigte der mit der zweiten - der Allgemeinen - Relativitätstheorie, die er 10 Jahre später veröffentlichte. Die Allgemeine Relativitätstheorie ist die wahrscheinlich schönste physikalische Theorie und der erste der beiden Eckpfeiler der Quantengravitation, der neuen Physik des 20 Jahrhunderts.

Damit hat Einstein die Konzeption der Welt eindrucksvoll vereinfacht. Der Raum ist von der Materie jetzt nicht mehr geschieden. Er ist ein "materieller" Bestandteil der Welt. Die Raumzeit krümmt sich stärker da, wo sich mehr Materie konzentriert. dies bedeutet beispielsweise, dass die Zeit auf der Erde in der Höhe schneller vergeht als weiter unten. Zeit ist nichts Absolutes und Festes. Wie jede Masse verformt die Erde die Raumzeit und lässt Uhren in ihrer Nähe langsamer ticken. Einstein erkannte dass die Raumzeit und das Gravitationsfeld ein und dasselbe sind.

Nun kommen wir wieder zu der Frage nach dem „außerhalb“ des Universums. Einstein erkannte, dass ein endliches Universum durchaus endlich sein kann und dennoch ohne Grenze auskommt, sowie die Oberfläche der Erde ähnlich ist, aber an keiner Grenze endet. Voraussetzung dafür ist freilich, dass eine Krümmung vorliegt, und genau dies trifft auf den Raum der allgemeinen Relativitätstheorie zu. Folglich kann unser Universum durchaus endlich, aber unbegrenzt sein.

Erwin Schrödinger (1887-1961) hat 1926 eine umfassende Theorie veröffentlicht, die den Welle-Teilchen-Dualismus vereinheitlicht hat, und die als Schrödingergleichung in die Geschichte eingegangen ist. Er gilt als einer der Begründer der Quantenmechanik. Sein wohl bekanntestes Gedankenexperiment ist "Schrödingers Katze", womit er die kontraintuitiven Auswirkungen der Quantenmechanik auf Gegenstände des täglichen Lebens übertrug und so seine Ablehnung der üblichen statistischen Interpretation der Quantenmechanik zum Ausdruck bringen wollte. Schrödingers Konterfei befand sich auf den 1000-Schilling-Banknoten der Serie 1983, den Noten mit dem damals höchsten Nennwert in Österreich.

Schrödinger war für seine Pioniertat, wie auch Einstein, in jeder Hinsicht bestens gerüstet. Man bekommt den Eindruck, dass ihm, von den Interpretationsfragen abgesehen, das meiste regelrecht „zufiel“. Das kommt z. B. in einem Brief, vom 22.02.1926 an Wilhelm Wien, sehr schön zum Ausdruck. Schrödinger schreibt:

Die Zeit vergeht mir im Fluge. Jeder zweite oder dritte Tag bringt wieder eine kleine Neuigkeit – es arbeitet, nicht ich, und dieses Es ist die herrliche klassische Mathematik und die Hilbert-Mathematik, das wundervolle Gebäude der Eigenwerttheorie. Die breiten alles so klar vor einem aus, dass man es nur zunehmen braucht ohne Mühe und ohne Sorge, das Rechte stellt sich zu seiner Zeit, sobald man es braucht, ganz von selbst ein."

Die Schrödingergleichung beschreibt in Form einer partiellen Differentialgleichung die zeitliche Veränderung des quantenmechanischen Zustands eines nichtrelativistischen Systems. Jene Punkte im Raum, wo man ein Elektron wahrscheinlich antrifft, werden in Form einer Wellenfunktion beschrieben. Die Schrödingergleichung zeigt, wie sich diese Wellenfunktion in der Zeit entwickelt. Die Schrödinger-Welle ist keine nützliche Darstellung für die Realität: Sie ist ein mathematisches Hilfsmittel, dass es ermöglicht, mit höherer Präzision vorherzusagen, wo ein Elektron nach einer Kollision wieder auftaucht. Die Realität des Elektron ist aber keine Welle.

Die entscheidende Aussage der Schrödingergleichung ist aber, dass es ohne Beobachter, also ohne Interaktion, keine Realität gibt - erst durch Beziehung entsteht aus reinem Potential Realität.

Die allgemeine Relativitätstheorie ist einer Person entsprungen, dagegen ging die Quantenmechanik, oder Quantentheorie, praktisch aus den Ergebnissen von Versuchen, nach einem Vierteljahrhundert von Forschungen hervor, an denen viele beteiligt waren. Die Theorie hatte zwar einen beispiellosen experimentellen Erfolg und brachte praktische Anwendungen mit sich, die unseren Alltag erneut veränderten, gilt ein Jahrhundert nach ihrer Entstehung aber nach wie vor als rätselhaft und unverständlich.

Dank der Quantenmechanik haben wir drei Aspekte des Wesens der Dinge erkannt: die Granularität, den Interdeterminismus und den Relationalismus.

Granularität: Die Information, die im Zustand eines Systems steckt, ist endlich und wird durch die Planck-Konstante begrenzt. Diese Granularität von Materie und Licht (elektromagnetische Welle) bildet die Kernaussage der Quantenmechanik.
Dies bedeutet allerdings auch, dass sich das Universum nicht stärker als auf eine Maximaldichte komprimieren lässt. Ein sich zusammenziehendes Universum stürzt nicht in einem Punkt zusammen, wie es Einsteins Gleichungen vorhersagen, sondern prallt zurück und dehnt sich, wie von einer kosmischen Explosion auseinander getrieben, erneut aus. Die Vergangenheit unseres Universums könnte durchaus das Ergebnis eines solchen Rückpralls sein. Anstatt eines Big Bang, eines "Urknalls", könnte dieses Universum so durch einen gewaltigen Big Bounce, einen "Rückprall“, entstanden sein. Unser Universum könnte das Ergebnis des Kollapses eines anderen Universums sein.

Indeterminismus: Die Zukunft wird nicht eindeutig von der Vergangenheit bestimmt. Selbst die strengsten Gesetze, die wir in der Realität erkennen, sind in Wahrheit statistisch. Zuerst Ursache, dann Wirkung - diese tief in unser Verständnis der Welt eingebettete Abfolge wird nun von der Quantenphysik auf den Kopf gestellt. Denn in der Welt der Quantenmechanik sind Umstände vorstellbar, in denen ein einzelnes Ereignis zugleich Ursache und Wirkung eines anderen Ereignisses sein kann. Genau dies bestätigt auch der Kurs, nämlich, dass es eine zeitliche Ursache-Wirkungs-Beziehung nicht gibt - alles geschieht im JETZT.

Relation: Die Ereignisse der Natur sind stets Wechselwirkungen. Alle Ereignisse eines Systems finden in Bezug auf ein anderes System statt. In der Welt, die von der Quantenmechanik beschrieben wird, gibt es keine Realität ohne Beziehung zwischen physikalischen Systemen. Nicht die Dinge treten eine Beziehung zueinander, vielmehr geht aus dem Beziehungen selbst die Vorstellung von den Dingen hervor. Mit dieser Erkenntnis kommt die Quantenmechanik der Wahrheit schon sehr nahe. Der Wahrheit, dass die Welt die wir sehen, die wir „für wahr nehmen“, eine Projektion unseres GEISTES ist!

Perception
„Projection makes perception.“
(ACIM, Chapter 21, Introduction)

Die Viele-Welten-Interpretation (VWI) ist in der Physik eine Interpretation der Quantenmechanik. Ein anderer Name für diesen Ansatz ist Viele-Vergangenheiten-Interpretation. Sie geht ursprünglich auf den US-amerikanischen Physiker Hugh Everett zurück und grenzt sich in ihrem grundlegenden Ansatz deutlich von der traditionellen Kopenhagener Deutung (Bohr/Heisenberg) ab. Sein Ansatz ist es, keine weiteren Postulate zu verwenden, und so der Schrödingergleichung eine universelle Rolle zu zuschreiben. Dies bedeutet, dass sich das gesamte Universum entsprechend der Schrödingergleichung entwickelt und nicht nur subatomare Teilchen.

Die VWI enthält keinen Kollaps der Wellenfunktion und erklärt dessen subjektives Erscheinen mit dem Mechanismus der Quanten-Dekohärenz, was die physikalischen Paradoxa der Quantentheorie, wie das Schrödingers-Katze-Paradoxon, auflöst, da jedes mögliche Ergebnis jedes Ereignisses in seiner eigenen "Vergangenheit" oder "Welt" definiert ist und tatsächlich existiert.

Der Begriff "Viele-Welten-Interpretation" oder "Many Worlds Interpretation" geht auf Bryce DeWitt zurück, der einige Aspekte der Arbeit von Everett noch weitergehender auslegt. Während Everett nur von einem Beobachtersystem spricht, dessen Zustand sich immer weiter aufspaltet, deutet DeWitt diese überlagerten Zustände als unterschiedliche Universen. Demnach spaltet sich das Universum bei jedem Messvorgang in eine Vielzahl an Paralleluniversen auf, und jeder mögliche Messausgang wird in einem dieser Universen beobachtet.

Die folgenden sechs Absätze sind eine Weiterführung der physikalischen Konzepte. Die meisten Worte müssten eigentlich unter Anführungszeichen stehen, weil wir uns Erfahrungen in einem Maße nähern, indem Worte kaum noch eine Bedeutung haben. Der leichteren Lesbarkeit aber verzichte ich auf Anführungszeichen. Die folgenden Betrachtungen beziehen sich auf zeitliche Phänomene, also auf die Ebene der Illusion der Zeit.

Das was wir in unserer Alltags Wahrnehmung als ein Leben bezeichnen, ist ein Pfad in einem Raumzeitkontinuum - einem Universum - entlang dessen, sich unser Bewusstsein bewegt. Das Bewusstsein bewegt sich nicht gleichmäßig entlang dieses Pfades, was sich in unserer unterschiedlichen Zeitwahrnehmung äußert. Bei für das Bewusstsein uninteressanten Beschäftigungen vergeht die Zeit wie im Nu, wenn es allerdings für unser Bewusstsein spannend wird, scheint die Zeit still zustehen. In gefährlichen Situationen, wie beispielsweise bei Unfällen, tauchen wir manchmal in eine totale Präsenz ein, in der wir das Geschehen mit allen Sinnen mikroskopisch genau wahrnehmen.

Manchmal bei Nahtoderfahrungen, aber auf jeden Fall nach dem Tod des Körpers, läuft unser Leben noch einmal vor unserem Bewusstsein ab, um die wichtigen Erfahrungen noch einmal ganz genau aus allen Perspektiven und im größeren Zusammenhang betrachten zu können, um so die BERICHTIGUNG im GEISTE abschließen zu können. Den letzten Durchlauf aller Erfahrungen, aller Leben, im Gesamtkontext nennt der Kurs das JÜNGSTE GERICHT.

Das LETZTE URTEIL über die Welt enthält keine Verurteilung. Denn es sieht die Welt als eine, der total vergeben ist, ohne Sünde und gänzlich ohne Sinn und Zweck. Ohne eine Ursache und nun ohne Funktion in CHRISTI Sicht entgleitet sie einfach ins Nichts. Dort wurde sie geboren, und dort endet sie auch. Und all die Figuren in dem Traum, in dem die Welt begann, gehen mit ihr. Körper sind jetzt nutzlos und werden deshalb dahinschwinden, weil der SOHN GOTTES grenzenlos ist.
(EKIW: Lektion 310/311, 10. 2.)

Es gibt verschiedenste Methoden mit denen sich tiefere Bewusstseinsebenen erreichen lassen. Dabei treten Inhalte zutage, die eindeutig nicht aus dem aktuellen Leben stammen. Dies zeigt uns, dass Leben ein multidimensionaler Prozess ist, egal ob wir jetzt von Paralleluniversen ausgehen, so ist es auf jeden Fall eine Bewegung durch unterschiedliche Abschnitte der zeitlichen Dimension.

Manchmal weitet sich unser Bewusstsein für einen Moment und wir können die parallelen Bewegungen wahrnehmen. Eine Freundin hat dies folgendermaßen beschrieben. Wichtig beim Lesen dieses Berichts ist es, uns daran zu erinnern, dass die Bilder nur Symbole sind, für die Wahrheit dahinter:

Ich hatte kein Zeitgefühl, ich war unglaublich glücklich, habe sehr viel gelacht ... einfach weil es ein so großartiges Gefühl war! Ich sah eine große, alte, silberne, schimmernde Registrierkasse - wie man sie aus alten Filmen kennt. Da liefen 5 Reihen nebeneinander - dort wo man Zahlen vermutet, sah man aber Bilder. Viele, viele winzige Bilder liefen da ständig rauf und runter und ich hatte das Gefühl sie leben und sprechen. Ich kann es dir nicht anders sagen - ich WUSSTE einfach, dass das meine fünf Leben sind. Ich wusste, dass ich nicht nur dieses eine Leben habe, sondern dass ich noch viel mehr bin, als das was ich gerade bin … Das rührte mich zu Tränen, machte mich glücklich und ich war sehr aufgeregt. Habe meinen Begleitern alles genau erzählt, damit ich es ja nicht vergesse! Dieser Zustand dauerte ungefähr 2 Stunden an, dann begann er immer wieder abzuebben und in leichterer Form wiederzukehren … immer die Wirbelsäule hoch zum Scheitel und wieder runter ... Das Glücksgefühl trug mich noch durch die folgende Nacht und den kommenden Vormittag.

M.C.Escher
(M. C. Escher - Prentententoonstelling)

Nun betreten wir wieder allgemein anerkanntes wissenschaftliches Terrain und beschäftigen uns mit jener bahnbrechenden Theorie, die endlich die beiden großen Theorien des 20. Jahrhunderts, die allgemeine Relativitätstheorie und die Quantenphysik, vereint – die Quantengravitation.

Die Forschung zur Quantengravitation drehte sich jahrelang um Fragen des Raumes, ehe sie den Mut aufbrachte, sich der Zeit zuzuwenden. In den letzten 15 Jahren hat sich das Verständnis der Zeit allmählich geklärt. In gewisser Weise ist der Raum in den Grundlagen der Theorie inexistent geworden: Sowie die Quanten des Gravitationsfeldes nicht im Raum sind, so gibt es in den theoretischen Grundlagen auch keine Zeit mehr: Die Gravitationsquanten entwickeln sich nicht in der Zeit, vielmehr entsteht die Zeit als Folge ihrer Wechselwirkungen.

Schon Newton hatte verstanden, dass die Existenz der Variablen "Zeit" eine Annahme ist und kein Ergebnis einer Beobachtung. In seinem Hauptwerk stellt der ausdrücklich fest, dass wir die "wahre" Zeit t nicht messen können, aber mit der Annahme, dass es sie gibt, ein besonders leistungsfähiges Modell erstellen können, um die Natur zu beschreiben.

Wir müssen lernen, die Welt anders zu denken als eine, die sich in der Zeit verändert. Die Dinge verändern sich nur in ihrer jeweiligen Beziehung zu anderen Dingen. Letztendlich gibt es keine Zeit. Der Eindruck, dass Zeit vergeht, ist eine Näherung die nur für unsere makroskopischen Maßstäbe gilt: Er ergibt sich aus unserer groben Betrachtungsweise der Welt.

Die von der Theorie beschriebene Welt ist weit entfernt von dem, was uns vertraut ist. Es gibt nicht mehr den Raum, der die Welt "enthält", und nicht mehr die Zeit, "an der entlang" die Ereignisse stattfinden. Es gibt nur elementare Prozesse, in denen Raum- und Materiequanten beständig wechselwirken. Die Illusion, dass wir uns in einem Raum-Zeit-Kontinuum befinden, ist nur der unscharfe Blick auf ein dichtes Gewimmel aus elementaren Prozessen. Sowie auch ein stiller, klarer Alpensee in Wahrheit aus einem wirbelnden Tanz von Myriaden winziger Wassermoleküle besteht.

Woraus besteht nun die Welt? Die Welt besteht vollständig aus Quantenfeldern. Der Gegensatz zwischen dem gekrümmten kontinuierlichen Raum aus Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie und den diskreten Quanten der Quantenmechanik, die in einem flachen, gleichförmigen Raum existieren, ist damit vollständig aufgehoben. Der scheinbare Widerspruch ist aufgelöst.

Viele Forscher vermuten, das in dem Bemühen, weitere Fortschritte in der Physik zu erziehen, grundlegende Bedeutung dem Konzept der "Information" zukommen wird. Dass der Informationsbegriff für das Verständnis der Quantenrealität grundlegend ist, erkannte als Erster John Wheeler, der Vater der Quantengravitation. Um diese Idee auszudrücken, prägte er den Slogan "It from bit". Der Slogan bedeutet ungefähr: "Alles ist Information."

Mit dem Begriff Information hat sich die Physik der Wahrheit schon sehr weit angenähert – der Wahrheit, dass die Welt eine Projektion des Geistes ist.

Neurowissenschaft

Obwohl viele der neuesten Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften zuerst einmal zur Selbstoptimierung in unserer Leistungsgesellschaft verwendet werden, gibt es immer mehr Aussagen, aus diesem Wissensgebiet, die uns zu denken geben könnten.

Der emeritierte Mediziner Wolf Singer war Direktor der Abteilung für Neurophysiologie des Max Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt. Laut Wolf Singer ist das Gehirn ohne zentrale Instanz organisiert, wie ein "Orchester ohne Dirigent". Bewusste Entscheidungen würden nicht auf freiem Willen beruhen, was aus seiner Sicht auch in der Rechtsprechung relevant werden könnte.

Epilog

Der Körper gesteuert durch das Gehirn kennt keinen Dirigenten, er kennt kein Ich. Der Eindruck dieser Körper zu sein und einen persönlichen, freien Willen zu haben, entsteht nur dadurch, dass sich das Bewusstsein „verengt“ und sich komplett auf den Körper konzentriert. Es hat sich so kontrahiert, dass der Eindruck einer Person entsteht.

Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler.
(William Shakespeare)

Das Ego ist wie ein Schauspieler der sich völlig mit seiner Rolle identifiziert und vergessen hat, wer er wirklich ist. Er glaubt die Figur im Stück zu sein und er glaubt, er könnte das Drehbuch beeinflussen. Doch das Drehbuch ist geschrieben. Erwachen aus dieser Illusion bedeutet zu erkennen, dass wir nicht die Figur im Stück sind, sondern das Bewusstsein, das sich dessen bewusst ist.

Bewusstsein erzeugt Realität.
(Eugene Wigner, Physik-Nobelpreis 1963)

1981 nahm Stephen Hawking an einer Kosmologietagung im Vatikan teil, auf der er sein Konzept vorstellte, laut dem das Universum keine Grenzen hat. In diesem Vortrag stellte er das All zugleich als ein Phänomen dar, das einfach vorhanden ist und dementsprechend keines Schöpfergottes bedarf.

Auf der Ebene der Naturwissenschaften ist GOTT nicht zu finden. Die Welt ist Information, ist virtuell, ist ein Hologramm des Geistes, das aber, wird in Folge der neusten Erkenntnissen aus der Physik, immer offensichtlicher.

Der HEILIGE GEIST ist unsichtbar, du kannst aber die Ergebnisse SEINER GEGENWART sehen, und durch sie wirst du lernen, dass ER da ist. Was ER dich zu tun befähigt, ist eindeutig nicht von dieser Welt, denn Wunder verstoßen gegen jedes Gesetz der Wirklichkeit, wie diese Welt sie beurteilt. Jedes Gesetz von Raum und Zeit, von Größe und von Masse wird transzendiert, denn das, wozu der HEILIGE GEIST dich befähigt, geht eindeutig über sie alle hinaus. Indem du SEINE Ergebnisse wahrnimmst, wirst du verstehen, wo ER sein muss, und schließlich erkennen, was ER ist.
(EKIW: Kapitel 12, VII. 3.)


Der Kurs im Spiegel der Religionen

Der liebende, allmächtige und allwissende Gott hat Menschen und ein Paradies erschaffen. Obwohl er die Menschen als seine Kinder bezeichnet und sie liebt, hat er sie mit Schwächen und Fehlern erschaffen – zur Sünde fähig. Er hat ihnen außerdem einen verbotenen Baum ins Paradies gesetzt, um sie in Versuchung zu führen. Obwohl er als Schöpfer für ihre Eigenschaften verantwortlich ist, und obwohl er in seiner Allwissenheit genau wusste, wie das Experiment mit den verbotenen Früchten ausgehen wird, hat er seine geliebten Menschen ins Verderben laufen lassen.

Nachdem die Menschen, den von Gott erschaffenen Kriterien entsprechend, gesündigt hatten, vertrieb Gott sie aus seinem Paradies. Die Frau hat er außerdem mit Mühsal und Schmerzen bei der Geburt bestraft. Als Strafe für den Mann hat er den Erdboden verflucht und dafür gesorgt, dass die Menschen von nun an unter Mühsal ihr Essen dem Boden abgewinnen müssen, bis sie zum Erdboden zurückkehren werden, um wieder zu dem Staub zu werden, aus dem sie entstanden sind.

Um den von ihm erschaffenen und von ihm geliebten Menschen ihre Sünden wieder vergeben zu können, hat der liebende Gott seinen eigenen geliebten Sohn auf die Erde geschickt, um ihn auf grausamste Art und Weise ermorden zu lassen. Nur durch dieses grausame Menschenopfer war es dem liebenden und gütigen Gott möglich, den von ihm erschaffenen Menschen, zu vergeben. Ohne grausames Opfer war es dem allmächtigen Gott nicht möglich, zu verzeihen, denn der liebende Gott ist nicht zu bedingungsloser Liebe fähig. Der allmächtige Gott verlangt von seinen Menschen, dass sie ihn lieben – weil er offensichtlich selbst bedürftig ist und somit auf die Liebe der Menschen angewiesen.

Diese völlig wahnsinnige Geschichte hat das Ego erfunden und es glaubt daran. Auch wenn nur noch wenige Menschen konkret an diese Geschichte glauben, so ist das Prinzip, auf das diese Geschichte verweist, die zentrale Idee des Ego-Denksystems. Es ist der Ausdruck seiner eigenen Idee vom Verhältnis zu seinen Mitmenschen - im Besonderen vom Verhältnis zwischen Eltern und Kindern.

In all unseren besonderen Beziehungen bringen wir Opfer und erwarten uns Opfer von unserem Gegenüber und erzeugen damit Schuldgefühle im Gegenüber. Wir fühlen uns außerdem selbst schuldig, wenn wir wieder einmal unser Gegenüber enttäuscht haben. Wenn wir enttäuscht werden, bestrafen wir unsere „geliebten“ Menschen. Es geht dabei immer um eine Form des Liebesentzugs.

Gegenüber Kindern halten wir auch ganz konkrete Strafmaßnahmen für erforderlich und gerechtfertigt. Wir verhalten uns wie der strenge Gott in der Geschichte aus dem alten Testament. Zuerst setzten wir ihnen einen verbotenen Baum ins Paradies, um sie damit in Versuchung zu führen. Dann verbieten wir ihnen davon zu naschen. Wir kaufen ihnen beispielsweise ein Handy, erlauben ihnen dann aber nicht damit zu spielen. Wenn sie dann, gegen die von uns aufgestellten Regeln, verstoßen, müssen sie eine Strafe über sich ergehen lassen, also ein Opfer bringen, damit wir sie wieder „lieben“ können – wir „kreuzigen“ sie – auch wenn wir das dann scheinbar harmlos Fernsehverbot oder Taschengeldentzug nennen. Liebe mit Bedingungen ist keine Liebe – wahre Liebe ist bedingungslos.

So ist die Vorstellung von Gott, eine Projektion unseres Ego-Denksystems. Diese Geschichte vom strafenden Gott spiegelt die zentralen Elemente des Ego-Wahns wieder - der Idee von Schuld, Strafe und Opfer – und dem Glauben daran, ein Körper zu sein, der ein Leben voller Mühsal lebt und dann zu Staub zerfällt. Darin besteht kein Unterschied zwischen Christentum und anderen Religionen. Im Buddhismus und Hinduismus versteckt sich die Idee von Schuld, Strafe und Opfer im Konzept von Karma.

Alle ungeheilten Heiler folgen auf die eine oder andere Weise dem Vergebungsplan des Ego. Handelt es sich um Theologen, so ist wahrscheinlich, dass sie sich selbst verurteilen, Verurteilung lehren und für eine angsterfüllte Lösung eintreten, indem sie die Verurteilung auf GOTT projizieren, lassen sie IHN als rachsüchtig erscheinen und fürchten SEINE Vergeltung.
(EKIW: Kapitel 9, V. 3. 3.-5.)

Unser Glaube hat weitreichende Konsequenzen. Wir sehen tagtäglich welche Feindschaft zwischen Völkern herrscht, die einem religiösen Glauben anhängen, in dem sie sich für das von Gott auserwählte Volk halten. Einem Glauben - in dem sie das Volk mit dem einzigen wahren Glauben sind und alle anderen Ungläubige. Seit Menschengedenken wird so immer wieder nach dem selben Muster eine Unmenge an Leid verursacht und auf ewige Zeiten die Vergangenheit wiederholt.

"Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks. Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusion über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist."
(Karl Marx, Studienausgabe Philosophie Bd.1)

Die Entstehung einer Religion, im klassischen Sinn, läuft immer nach den gleichen Prinzipien ab. Ein Einzelner oder eine kleine Gruppe haben eine tiefe mystische Erfahrung. Jene die diese Erfahrung hatten, berichten ihren Brüdern davon. Dann fällt unser Verstand - das Ego - über diese mystische Erfahrung her und fängt an, sie zu interpretieren. An diesem Punkt beginnt die religiöse Doktrin. Da sich die Wahrheit einer mystischen Erfahrung aber nicht mit Doktrin einfangen und festhalten lässt, entfernt sich das religiöse Glaubenssystem immer mehr von der Wahrheit, auf die es ursprünglich durchaus verwiesen hatte. Der Glaube verliert sich immer mehr in starren, bedeutungslosen Ritualen und in der starren Einhaltung von, in Stein gemeißelten, Regeln. Eine zu Beginn noch lebendige Doktrin versteinert zur Dogmatik.

Der große Mystiker Dschalal ad-Din Muhammad Rumi griff sein eigenes islamisches Establishment mit dem Spruch an: „Erst wenn die Schule und die Moschee und das Minarett abgerissen sind, können die Derwische [Sufis] ihre Gemeinschaft gründen.

Jedes Ego aber – egal ob religiös oder nicht – glaubt an Schuld, Strafe und Opfer. Auch ein atheistisches Ego tut dies. Es ist offensichtlich, dass das Ego nicht vernünftig ist:

Dir ist das ganze Ausmaß, in welchem die Idee der Trennung die Vernunft behindert hat, nicht klar. Vernunft liegt in dem anderen Selbst, das du von deinem Bewusstsein abgeschnitten hast. Und nichts, dem du erlaubt hast, in deinem Bewusstsein zu verweilen, ist der Vernunft fähig.
(EKIW: Kapitel 21, V. 4. 1.-3.)

Verrücktheit ist ein Angriff auf die Vernunft, der sie aus dem Geist vertreibt und ihren Platz einnimmt. Die Vernunft greift nicht an, sondern nimmt ruhig den Platz der Verrücktheit ein und ersetzt die Verrücktheit, wenn der Wahnsinnige die Wahl trifft, auf sie zu hören.
(EKIW: Kapitel 21, VI. 4. 1.-2.)

Trotz aller Verrücktheiten, die sich in den erstarrten Weltreligionen finden lassen, gibt es in all diesen religiösen Traditionen kleine Gruppen, die die WAHRHEIT noch kennen. Dazu gehören die christlichen Mystiker, Teile der christlichen und jüdischen Gnosis, die Sufis im Islam und Advaita-Vedanta in der indischen Philosophie. Sie alle verweisen auf die WAHRHEIT in ihren - dem kulturellen Umfeld entsprechenden - Worten und Bildern.

Die Qualitäten der Weltreligionen

Die Weltreligionen wirken so unterschiedlich, dass sie sich zu widersprechen scheinen. Doch tatsächlich ergänzen sie sich mit ihren verschiedenen Schwerpunkten zum Ganzen. Dabei sind die grundlegenden Qualitäten alle gleichermaßen wichtig.

Speziell das Christentum beschäftigt sich mit Schuldgefühlen und Vergebung und erfasst damit die zentrale Grundproblematik des Menschen. Die kollektive Sichtweise der stellvertretenden Sühne entspricht dem vorherrschenden Bewusstseinsniveau. Diese Weltanschauung wird aber immer mehr durch die Individualität des Egos in Frage gestellt.

Am heutigen Übergang, in ein neues Bewusstsein, gilt es die Schuldgefühle aufzulösen und Liebe zu leben, um die Blockade zwischen Gott und der Welt zu beseitigen. Dadurch wird der Liebesfluss von Göttlich zu irdisch in die eigene irdische Persönlichkeit hinein zugelassen.

Die christliche Trinitätslehre beschreibt zudem die drei wichtigen Aspekte der Einheit. Mit dem „Vater“ ist die universelle Einbettung in das Ganze gemeint. Der „Sohn“ ist der individuelle göttliche Bewusstseinsanteil der transzendenten Menschen, wie er in Jesus seinen vollständigen Ausdruck fand. Der „heilige Geist“ entspricht der von Göttlich zu irdisch fließenden Liebesenergie. Dieser Liebesfluss ist im derzeitigen Normalzustand der Menschen durch die Idee der Schuld gestört.

Im Kurs wird die Trinität folgendermaßen beschrieben:

GOTT Vater ist zuerst in dem Sinn, dass ER der ERSTE in der HEILIGEN DREIEINIGKEIT SELBST ist. ER ist der URSCHÖPFER, weil ER SEINE Mitschöpfer erschaffen hat. Der SOHN GOTTES – die einzige Schöpfung GOTTES - ist Teil der HEILIGEN DREIEINIGKEIT, doch die DREIEINIGKEIT SELBST ist eins. Der HEILIGE GEIST ist der einzige Teil der HEILIGEN DREIEINIGKEIT, der symbolische Funktion hat. ER wird als der HEILER, TRÖSTER und FÜHRER bezeichnet. Der HEILIGE GEIST ist der Erkenntnis so nahe, dass ER sie hervorruft oder, besser, zulässt, dass sie eintritt. Der HEILIGE GEIST ist der CHRISTUSGEIST, der sich der Erkenntnis bewusst ist, die jenseits der Wahrnehmung liegt.

Das Christentum lehrt die Liebe des universellen Ursprungs. Diese kann insbesondere in der Weihnachtszeit, trotz aller Kommerzialisierung, kollektiv wahrgenommen werden.

Der Buddhismus vermittelt an sich die Liebesfülle, welche in meditativer Zentrierung gefunden wird. Der Buddhismus hat seine wertvolle Aufgabe, karmisches Verständnis zu vermitteln, so gut erfüllt, dass es spirituelles Allgemeinwissen geworden ist. Insofern bleiben die buddhistischen Werte erhalten. Der buddhistische Umgang mit den Gefühlen und dem Ego hingegen ist nicht entwicklungsfördernd, sodass der Buddhismus seine Aufgabe bereits erfüllt hat. Der Film Samsara zeigt sehr deutlich das Dilemma des Buddhismus im Umgang mit den Gefühlen und der Welt.

Genau wie sich die Abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) bei ihrer Sinnsuche auf das Wort konzentrieren und die Buddhisten auf das Schweigen, so konzentrieren sich die Hindus auf das Verstehen. Verstehen ist der Prozess, in dessen Verlauf das Schweigen ins Wort findet und das Wort ins Schweigen wieder heimfindet.

Yoga, im Sinne hinduistischer Spiritualität, in all seinen verschiedenen Formen – Dienst, Einsicht, Frömmigkeit, Askese, usw. - ist die Handlung, bei der Wort und Schweigen durch verstehen miteinander verbunden werden. Im Hinduismus weiß man, dass dieses Verstehen nur durch Tun zustande kommt. In der Bhagavad-Gita kommt dies wunderbar zum Ausdruck, wenn Krishna dem Prinzen Arjuna den Rat gibt: Tu deine Pflicht, und im Tun wirst du verstehen.

Was zurzeit noch im menschlichen Bewusstsein fehlt, ist die verbindende Mitte und damit die Erkenntnis der Einheit - auch auf religiöser Ebene. Bis wir als Menschheit als Ganzes eine „Neue Erde“ im Sinne eines glücklichen Traums - als Symbol der WAHRHEIT - verwirklicht haben, braucht es noch sehr viel liebevolle Geduld und Vertrauen.

Im Folgenden eine Zusammenfassung der zentralen Elemente unterschiedlichster spiritueller Traditionen:

IllusionErlösung(-sweg)Wirklichkeit, Ziel
BuddhismusSamsaraAchtfacher PfadErleuchtung (Bodhi), Nirwana
Sufismusniedere Seele (tyrannisches Ego)Sterben des Egoreine Seele
Advaita-Vedanta („Nicht-Dualität")MayaMokshaAtman (absolutes Selbst, ewige Essenz des Geistes)
mystische Deutung der AlchemieSchwärzung (Fäulnis)Transmutation (Verwandlung)Weißung: Vergeistigung, Erleuchtung
GnosisDemiurg (Schöpfer des Dualismus)Rückweg zu geistiger VollkommenheitPneuma
(Funke oder Samenkorn)
christliche Mystikdas vergänglich GeschaffeneHinwendung zu Gottunio mystica
(Einswerdung mit Gott)
EKIWEgo, IllusionSühne (Berichtigung)reiner Geist, SELBST

Der Kurs

Der Kurs ist keine Religion – der Kurs ist ein Kurs - ein zu tiefst lebendiger noch dazu. Diese Lebendigkeit und dieser Gegensatz zur strengen Dogmatik einer Religion, kommen im Kurs ganz klar im Epilog des Übungsbuches zum Ausdruck:

„Dieser Kurs ist ein Beginn, kein Ende.“
(EKIW: ÜBUNGSBUCH, Epilog, 1. 1.)

Der Kurs ist eine Hilfestellung seinen eigenen INNEREN LEHRER zu finden und dann gilt es auch den Kurs wieder loszulassen und über ihn hinauszugehen. Wenn der direkte Kontakt mit GOTT wieder hergestellt ist, braucht es keinen Kurs mehr.

Die zentralen Inhalte vieler Strömungen innerhalb der Gnosis entsprechen im Wesentlich den Aussagen des Kurses, man braucht nur das Wort „Demiurg“ durch das Wort „Ego“ zu ersetzen.

Meister Eckhart (1260 - 1328) - ein einflussreicher thüringischer Theologe und Philosoph des Spätmittelalters, von der breiteren Öffentlichkeit als Mystiker wahrgenommen – hat vieles erkannt und zu Papier gebracht, was die Metaphysik des Kurses betrifft. Eckhart betont, dass das Geschaffene aufgrund seiner Vergänglichkeit kein „Sein“ im eigentlichen Sinne aufweist, im Sinne einer absoluten, überzeitlichen Existenz. So gesehen existiert es nicht wirklich. Verwendet man den Begriff „Sein“ im Sinne des absoluten Seins Gottes, so „sind“ die Dinge nicht; verwendet man ihn in dem Sinne, in dem er auf die Dinge angewendet wird, so „ist“ Gott nicht.

Adi Shankara (ca. 788 – 820 n. Chr.) - ein religiöser Lehrer und Philosoph des Hinduismus - systematisierte die Philosophie des Advaita Vedanta („Nicht-Dualität“). Eines seiner wichtigsten Werke heißt Viveka Chudamani („Kleinod der Unterscheidung“). Mit Unterscheidung meint Shankara die Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Nicht-Wirklichkeit. Die äußere Welt mit ihren Erscheinungen bewertet Shankara als Illusion. Durch Hingabe an die rechte Unterscheidung wird der Mensch die höchste Stufe der Vereinigung mit dem Brahman erreichen. „So mag er seine eigene Seele retten, die in den Fluten von Leben und Tod (Samsara) versunken ist“.

Das Konzept der Maya, in der indischen Philosophie, vereint alle Dualität in sich und umfasst das positive Wissen (vidya) ebenso wie die negative Unwissenheit (avidya) des Menschen. Der Kurs spricht in diesem Zusammenhang von „Rechtgesinntheit“ und „Falschgesinntheit“, zwischen welchen zu unterscheiden ist.

Die Bhagavad Gita (ca. 5. - 2. Jahrhundert v. Chr., „Der Gesang des Erhabenen“) ist eine der zentralen Schriften des Hinduismus. Sie hat die Form eines spirituellen Gedichts und enthält folgende Aussage:
Krishna: … Was unwirklich ist, kann niemals sein, was wirklich ist, kann niemals enden. Diese Wahrheit haben die Seher erkannt.
(Bhagavad Gita, Übersetzung Ralph Skuban, Seite 42)

Im Kurs klingt das folgendermaßen:
„Dieser Kurs kann daher ganz einfach so zusammengefasst werden:
                        Nichts Wirkliches kann bedroht werden.
                        Nichts Unwirkliches existiert.
Hierin liegt der Frieden G O T T E S .“
(EKIW: EINLEITUNG, 2.)

Man könnte die Essenz all der vorhergehenden Aussagen mit einem Bild folgendermaßen veranschaulichen:

Gott ist wie eine liebende Mutter, die ihr schlafendes Kind sicher und geborgen im Arm hält, das gerade einen Alptraum hat. Die Mutter kennt den Inhalt des Alptraum ihres Kindes nicht, aber sie weiß, dass es nur ein Traum ist und in Wahrheit alles in Ordnung ist. Sie wünscht sich für ihr Kind nichts sehnlicher, als dass es aus dem Alptraum erwachen möge, um wieder in Freude zu erstrahlen.


Der Kurs im Spiegel der Huna-Prinzipien

Die Hawaianische Huna-Philosophie (nach Serge King) kennt sieben Grundprinzipien, die das Leben und Handeln eines Menschen beschreiben.

1. Ike - Die Welt ist so, wie du sie siehst

EKIW: Kapitel 21, Einleitung 1.:
"Wahrnehmung wird durch Projektion erzeugt. Die Welt, die du siehst, ist das, was du ihr gegeben hast, nicht mehr als das. Doch wenn sie auch nicht mehr als das ist, ist sie auch nicht weniger. Deswegen ist sie für dich wichtig. Sie ist das Zeugnis für den Zustand deines GEISTES, das äußerliche Bild eines inneren Zustands. Wie ein Mensch denkt, so nimmt er wahr. Suche deshalb nicht, die Welt zu ändern, sondern entscheide dich, dein Denken über die Welt zu ändern. Die Wahrnehmung ist eine Folge und nicht eine Ursache. Das ist der Grund, weswegen eine Rangordnung der Schwierigkeit bei Wundern bedeutungslos ist. Alles, was mit der Schau betrachtet wird, ist geheilt und heilig. Nichts, was ohne sie wahrgenommen wird, bedeutet irgend etwas. Und wo keine Bedeutung ist, da ist Chaos."

2. Kala - Es gibt keine Grenzen

EKIW: Kapitel 8, II. 7.:
"Als ich sagte: »Alle Kraft und Herrlichkeit sind dein, weil das REICH SEIN ist«, wollte ich damit sagen: Der WILLE GOTTES ist grenzenlos, und alle Kraft und Herrlichkeit liegen in IHM. Seine Kraft, seine Liebe und sein Frieden sind unbegrenzt. Er hat keine Grenzen, weil seine Ausdehnung grenzenlos ist, und er umfasst alle Dinge, weil er alle Dinge schuf. Indem er alle Dinge schuf, hat er sie zu einem Teil von sich gemacht. Du bist der WILLE GOTTES, weil du auf diese Weise erschaffen wurdest. Und weil dein SCHÖPFER nur nach SEINEM EBENBILD erschafft, bist du wie ER. Du bist Teil von IHM, DER alle Kraft ist und alle Herrlichkeit, und bist deshalb genauso unbegrenzt wie ER.

3. Makia - Energie folgt der Aufmerksamkeit

EKIW: Kapitel 7, III. 4.:
"Im HIMMELREICH sein heißt lediglich, deine ganze Aufmerksamkeit darauf zu richten. Solange du glaubst, du könntest auf das achten, was nicht wahr ist, nimmst du den Konflikt als deine Wahl an. Ist er denn wirklich eine Wahl? Es sieht so aus, doch Schein und Wirklichkeit sind wohl kaum dasselbe. Dich kümmert der Schein nicht, der du das HIMMELREICH bist. Die Wirklichkeit ist dein, weil du die Wirklichkeit bist. So werden Haben und Sein schließlich versöhnt, nicht im HIMMELREICH, sondern in deinem Geist. Der Altar, der sich dort befindet, ist die einzige Wirklichkeit. Der Altar ist vollkommen klar im Denken, weil er eine Spiegelung des vollkommenen DENKENS ist. Dein rechtgesinnter Geist sieht nur Brüder, weil er nur in seinem eigenen Licht sieht."

4. Manawa - Jetzt ist der Augenblick der Macht

EKIW: Kapitel 13, IV. 7.:
"Es ist offensichtlich, dass die Wahrnehmung, die der HEILIGE GEIST von der Zeit hat, genau das Gegenteil der Wahrnehmung des Ego ist. Der Grund dafür ist ebenso klar, denn sie nehmen den Zweck der Zeit diametral entgegengesetzt wahr. Der HEILIGE GEIST deutet den Zweck der Zeit so, dass sie den Bedarf an Zeit unnötig macht. ER betrachtet die Funktion der Zeit als eine vorübergehende, die nur SEINER Lehrfunktion dient, und diese ist definitionsgemäß vorübergehend. SEINE Betonung liegt daher auf dem einzigen Aspekt der Zeit, der sich zur Unendlichkeit ausdehnen kann, denn jetzt ist die dichteste Annäherung an die Ewigkeit, die diese Welt zu bieten hat. In der Wirklichkeit des »Jetzt« - ohne Vergangenheit oder Zukunft - beginnt die Würdigung der Ewigkeit. Denn nur »jetzt« ist hier, und nur »jetzt« bietet die Gelegenheit für die heiligen Begegnungen, in denen die Erlösung gefunden werden kann."

5. Aloha - Lieben heißt, glücklich sein mit

LEKTION 103:
"GOTT, DER die LIEBE ist, ist auch das Glück.
1. Glück ist eine Eigenschaft der Liebe. Es kann nicht losgelöst von ihr sein. Auch kann es nicht erfahren werden, wo keine Liebe ist. Die Liebe hat keine Grenzen, da sie überall ist. Und deshalb ist auch Freude überall. Und dennoch kann der Geist verleugnen, dass dies so ist, und glauben, dass es Lücken in der Liebe gibt, in die Sünde eindringen kann, um Schmerz statt Freude zu bringen. Dieser sonderbare Glaube setzt dem Glück Grenzen, indem er Liebe als begrenzt neu definiert und einen Gegensatz in das einführt, was keine Grenzen hat und kein Gegenteil.
"

6. Mana - Alle Macht kommt von Innen

EKIW: Kapitel 11, V. 3.:
"Wir wollen diese Lektion in der »Dynamik des Ego« damit beginnen, dass wir verstehen, dass der Begriff an sich nichts bedeutet. Er enthält genau den inneren Widerspruch, der ihn bedeutungslos macht. »Dynamik« impliziert die Macht, etwas zu tun, und der ganze Trugschluss der Trennung beruht auf dem Glauben, dass das Ego die Macht hat, etwas zu tun. Das Ego flößt dir Angst ein, weil du das glaubst. Die Wahrheit aber ist ganz einfach:

                        Alle Macht ist von GOTT.
                        Was nicht von IHM ist, hat keine Macht, irgend etwas zu tun.
"

7. Pono - Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit

EKIW: II. ÜBUNGSBUCH: Einleitung, 9.:
"Denke nur an dies: Du brauchst die Gedanken nicht zu glauben, du brauchst sie nicht anzunehmen, du brauchst sie nicht einmal willkommen zu heißen. Einigen darunter wirst du dich vielleicht aktiv widersetzen. Nichts von alledem spielt eine Rolle, noch wird es ihre Wirksamkeit vermindern. Erlaube dir aber nicht, bei der Anwendung der Gedanken, die das Übungsbuch enthält, Ausnahmen zu machen, und wende sie an, was auch immer deine Reaktionen auf diese Gedanken sein mögen. Nicht mehr als das ist erforderlich."


Die Bibel

Alle Bibel-Zitate stammen, wenn nicht anders angegeben, aus der Einheitsübersetzung 2016.

Altes Testament

Als Altes Testament bezeichnet die christliche Theologie seit etwa 180 n. Chr. die Heiligen Schriften des Judentums, die dort seit etwa 100 v. Chr. als Tanach bezeichnet werden, sowie einige weitere aus der seit 250 v. Chr. entstandenen Septuaginta.

Die Septuaginta, auch griechisches Altes Testament genannt, ist die älteste durchgehende Übersetzung der hebräisch-aramäischen Bibel in die altgriechische Alltagssprache. Die Übersetzung entstand ab etwa 250 v. Chr. im hellenistischen Judentum, vorwiegend in Alexandria.

Der Tanach entstand als Sammlung verschiedener religiöser und profaner jüdischer Schriften in einem komplexen Prozess von ca. 1200 Jahren innerhalb der Geschichte Israels. Seine ältesten Bestandteile sind mündlich überlieferte Sagen und sinnstiftende Erzählungen einzelner Sippen und Stämme. Diese wuchsen allmählich zusammen, wurden später aufgezeichnet, in eine theologisch konzipierte Heilsgeschichte integriert und erhielten so gesamtisraelitische Bedeutung.

Der Konsonantentext des Tanach wurde um 135 festgelegt. Nach Festlegung des Konsonantentextes begann die 1000-jährige philologische Arbeit jüdischer Schriftgelehrter in Palästina, die mit dem Sammeln, Kopieren und Redigieren von biblischen Handschriften befasst waren. Zu ihren Aufgaben gehörten die Punktierung des festgelegten Konsonantentextes durch Vokalzeichen, Akzente, Satzzeichen und Verseinteilungen. Ferner mussten nach ihren strengen Vorschriften ältere, von der als gültig vereinbarten Textversion abweichende Abschriften vernichtet werden. Bis etwa zum Jahr 1000 vereinheitlichten sie den Text des Tanach.

Im Christentum wurden alle Bücher des Tanach zusammen mit einigen weiteren der Septuaginta seit etwa 190 als Altes Testament dem Neuen Testament gegenübergestellt und um 400 endgültig kanonisiert. Der Tanach blieb somit vollgültiger Teil des Bibelkanons und damit normatives Wort Gottes. Damit lehnten die Kirchenväter die Trennung des Schöpfergottes der Bibel von Jesus Christus, dem Erlöser, als Häresie ab.

Im Christentum werden die fünf Bücher Mose hauptsächlich als geschichtliche Zeugnisse des Volkes Israel gelesen und weniger als aktuelle Lehre oder Unterweisung, abgesehen von den Zehn Geboten, frühen Verheißungen an die Erzväter und messianischen Weissagungen der Propheten Israels. Die Kirchenväter setzten die Aufnahme des Alten Testaments in den christlichen Bibelkanon durch, deuteten aber viele prophetische Verheißungen, Psalmgebete und Schöpfungserzählungen allegorisch oder typologisch als Hinweise auf das Kommen Jesu Christi.

Die meisten Geschichten im Alten Testament sind Geschichten von einem rachsüchtigen und strafenden Gott und haben mit der WAHRHEIT wenig zu tun. Doch die Aussage von der Nächstenliebe, auf die sich auch Jesus bezieht, findet sich schon im Alten Testament.

"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!"
(3. Mose 19,18)

Diese Aussage ist somit Teil der Tora, dem ersten Teil des Tanach, die zur Grundlage für die religionsgesetzliche Auslegung des rabbinischen Judentums wurde.

Das Buch Kohelet

Betrachten wir das Buch Kohelet, ein Buch des Tanach, etwas genauer. Im christlichen Alten Testament wird es zu den Büchern der Weisheit gezählt. In der Lutherbibel trägt das Buch den Titel Der Prediger Salomo.

Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet,
Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch.

(Koh 1, 2.)

Es ist alles sinnlos und bedeutungslos", sagt der Lehrer,
"unnütz und bedeutungslos - ja, es ist alles völlig sinnlos.

(Neues Leben Die Bibel: Der Prediger Salomo 1, 2.)

Ich beobachtete alle Taten, die unter der Sonne getan wurden.
Das Ergebnis: Das ist alles Windhauch und Luftgespinst.

(Koh 1, 14.)

So habe ich mir vorgenommen zu erkennen, was Wissen wirklich ist,
und zu erkennen, was Verblendung und Unwissen wirklich sind.
Ich erkannte, dass auch dies ein Luftgespinst ist.

(Koh 1, 17.)

Ich dachte mir: Auf, versuch es mit der Freude, genieß das Glück!
Das Ergebnis: Auch das ist Windhauch.

(Koh 2, 1.)

Doch dann dachte ich nach über alle meine Taten, die, die meine Hände vollbracht hatten,
und über den Besitz, für den ich mich bei diesem Tun angestrengt hatte. Das Ergebnis:
Das ist alles Windhauch und Luftgespinst. Es gibt keinen Vorteil unter der Sonne.

(Koh 2, 11.)

Kohelet erkennt sehr gut die Bedeutungslosigkeit der Welt. Im Übungsbuch des Kurses geht es in den ersten 26 Lektionen um nichts anderes:

Meine bedeutungslosen Gedanken zeigen mir eine bedeutungslose Welt.
(EKIW: Lektion 11)

Weiter ist der Lehrer Kohelet allerdings nicht gekommen, die Transzendenz der Welt hat sich ihm nicht erschlossen. Er war auf der Ebene des Egos gefangen und obwohl Kohelet zu Beginn Freude, Genuss und das eigene Tun als Windhauch erkannt hat, macht er zum Schluss eine Kehrtwendung und empfiehlt Freude, Genuss und Tun. Dies ist eine der Strategien mit denen das Ego auf die Bedeutungs- und damit Sinnlosigkeit der Welt reagiert – es flüchtet in den Genuss und Zeitvertreib. Sich der Sinnlosigkeit der Welt bewusst zu werden, ist allerdings schon ein erster wichtiger Schritt am Weg zurück ins Paradies. Die Sinnlosigkeit ist eines der vier existentiellen Themen, wie sie in der existentiellen Psychotherapie beschrieben werden, denen das Ego möglichst zu entkommen versucht. Eine weitere Strategie im Umgang mit dem Thema Sinnlosigkeit ist Ärger und Angriff:

Ich rege mich auf, weil ich eine bedeutungslose Welt sehe.
(EKIW: Lektion 12)

Neues Testament

Das Neue Testament ist eine Sammlung von 27 Schriften. Diese lassen sich in vier Textgattungen unterscheiden: Erstens die vier Evangelien, die Jesu Leben, Sterben und Auferstehen erzählend entfalten, zweitens die Apostelgeschichte, drittens 21 Briefe an christliche Gemeinden und Mitarbeiter sowie viertens eine Apokalypse, die Johannesoffenbarung.

Die formale Kanonisierung des Neuen Testaments fand im vierten Jahrhundert statt. Der ganze Prozess der Kanonisierung war stark vom römischer Kaiser Konstantin I. (Kaiser von 306 bis 337) und seinen Beratern beeinflusst, der das Christentum förderte und das Erste Konzil von Nicäa einberief, um innerchristliche Streitigkeiten beizulegen. Als wichtigstes Schreiben in der Geschichte des neutestamentlichen Kanon gilt dabei der 39. Osterfestbrief des Bischofs Athanasius von Alexandria aus dem Jahr 367, der die bis heute in allen christlichen Kirchen anerkannten 27 Schriften des Neuen Testaments aufzählt und als für die Kirche verbindlich einstuft. Es erkennt bestimmte Schriften an, zählt sie aber nicht zum Kanon und scheidet andere definitiv aus.

Das Evangelium der Maria gehört zu den Apokryphen (altgr. apokryphos ,verborgen‘, ‚dunkel‘) und wurde nicht in den biblischen Kanon aufgenommen. Es handelt sich um eine Schrift, die auf etwa 160 n. Chr. datiert wird. Bei der Maria, die dem Evangelium den Namen gegeben hat, handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um Maria Magdalena. Das Evangelium besteht im ersten Teil aus Dialogen zwischen dem auferstandenen Jesus und seinen Jüngern und Jüngerinnen. Es enthält außerdem im zweiten Teil eine Vision Marias. Maria besitzt danach ein besonderes Vertrauen zum Erlöser und kennt besondere Offenbarungen, die die Jünger nicht kennen, und sie teilt diese mit als Mittlerin und Verkündigerin der Offenbarung, worauf besonders Petrus mit Eifersucht reagiert.

Evangelium nach Maria Magdalena

Das Thomasevangelium ist eine apokryphe Sammlung von 114 Logien (Jesus-Worten) und kurzen Dialogen. Der Text dieser Sammlung liegt in einer koptischen Version vor, die um 350 n. Chr. niedergeschrieben wurde. Sie enthält Übereinstimmungen zu Jesusworten, die im Neuen Testament bekannt sind, aber auch mehrere sonst unbekannte Jesusworte.

Das Neue Testament der Bibel beginnt mit den vier kanonischen Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Obwohl die Evangelien am Anfang moderner Bibelausgaben stehen, sind sie doch erst nach den Paulusbriefen entstanden. Inhaltlich wollen sie der „guten Nachricht„ oder „frohen Botschaft“ (Evangelium) von der Versöhnung der Menschen mit Gott Ausdruck geben. Einzig und allein diese vier Schriften enthalten eine größere Sammlung von Jesus Worten. Alles andere sind Erzählungen über die Apostel und eine größere Anzahl an Briefen - also persönliche Ansichten und Auslegungen der Aposteln.

In dem in der Bibel als ersten angeführten Brief Paulus an die Römer ist von Anfang an die Botschaft Paulus offensichtlich: „Denn der Zorn Gottes wird vom Himmel herab offenbart ...“ (Römer 1, 18). Bereits in den ersten Sätzen dieses Briefes ist der Größenwahn und versteckte Stolz des Paulus zu erkennen, der Jesus selbst nie begegnet ist: „Paulus, Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert, das Evangelium Gottes zu verkünden, ...“ (Römer 1, 1) „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht: Es ist eine Kraft Gottes zur Rettung für jeden, der glaubt, zuerst für den Juden, aber ebenso für den Griechen.“ (Römer 1, 16).

Ich empfehle daher jedem der sich für die Bibel interessiert eine Red Letter Bible. Red Letter Editionen sind solche, in denen die von Jesus gesprochen Wörter in roter Tinte gedruckt sind. Im Jahre 1899 konzipierte Louis Klopsch, damals Herausgeber der Zeitschrift The Christian Herald, die Idee und veröffentlichte die erste moderne Red Letter-Ausgabe des Neuen Testaments. Der Herausgeber, Louis Klopsch, schrieb dazu: "Es zieht einen in Gottes Gegenwart hinein, ihm - Jesus - von seinen eigenen Lippen abzulesen, wie er seine Sendung in die Welt versteht und wie er den Vater offenbart.“ Durch die rot gedruckten Jesus-Worte lädt diese Bibel dazu ein, sich von Jesus unmittelbar ansprechen zu lassen, so wie er selbst es gesagt hat: "Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben." (Johannes 6, 63).

Seit einigen Jahren gibt es nun auch gute deutsche Übersetzungen, die noch dazu in einem aktuellen Deutsch geschrieben und damit lebensnah und leicht verständlich sind.

Auch wenn man sich auf die Jesus-Worte konzentriert ist beim Lesen der Bibel immer noch Vorsicht geboten, weil ganz natürlich, sowohl bei der Aufzeichnung, als auch bei den diversen Übersetzungen, grundsätzliche Fehler passiert sind:

Der Satz »Denn also hat GOTT die Welt geliebt, dass ER SEINEN eingeborenen SOHN gab, damit alle, die an IHN glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben« bedarf nur einer geringfügigen Berichtigung, um in diesem Zusammenhang bedeutungsvoll zu sein: »dass ER sie SEINEM eingeborenen SOHN gab«.
(EKIW: Kapitel 2, VII. 5. 14.)

Der zweite Grund warum das Lesen der Bibel allein meist nicht reicht um Erlösung zu erlangen, besteht in der Interpretation der Jesus-Worte. Wir haben die unterschiedlichsten Interpretationen der diversen christlichen Religionsgemeinschaften verinnerlicht und brauchen zuerst einmal eine Berichtigung dieser alten Gedankensysteme, um Jesus Worte in einem neuen Licht betrachten und somit wahrhaft verstehen zu können. Als ein Beispiel für den verirrten Geist der kirchlichen Würdenträger, die für die Auslegung der Bibel verantwortlich sind, sei das Konzil von Konstanz erwähnt.

Konzil von Konstanz

Das Konzil von Konstanz, von November 1414 bis April 1418, war eine Versammlung der Kirchenführung in Konstanz, die auf Betreiben des römisch-deutschen Königs Sigismund von dem Gegenpapst Johannes XXIII. einberufen wurde. Die Versammlung sollte die seit 1378 andauernde Große Abendländische Glaubensspaltung innerhalb der lateinischen Kirche mit drei konkurrierenden Papstansprüchen beenden und damit die Einheit der Kirche wiederherstellen. Bei Amtsantritt König Sigismunds stritten sich die drei Päpste Gregor XII. (Rom), Benedikt XIII. (Avignon) und Johannes XXIII. (Pisa) um die Herrschaft in der Kirche.

Während des Konzils stand Konstanz für vier Jahre im Mittelpunkt des kirchenpolitischen Interesses in Europa. König, Papst und Kirchenfürsten hielten sich mit ihrem jeweiligen Gefolge in Konstanz und den umliegenden Orten auf. Man zählte 33 Kardinäle, 346 Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe, 2148 weltliche Doktoren sowie 546 Vorsteher und Mitglieder der Mönchsorden. Einem zeitgenössischen Bericht zu Folge kamen zur Befriedigung der weltlichen Bedürfnisse der Teilnehmer „offene Frauen in den Frauenhäusern und sonst Frauen, die Häuser gemiethet hatten, und in den Ställen lagen oder sonst wo Platz fanden, seien gegen 700 da gewesen, ohne die heimlichen“. 1993 wurde im Hafen von Konstanz die Imperia aufgestellt, die Figur einer üppigen Kurtisane, die an die weltlichen Bedürfnisse der Konzilsbesucher erinnert.

Das Konzil verurteilte die Lehren der Reformatoren John Wyclif, Jan Hus und Hieronymus von Prag. Es wurden Dekrete mit Aufzählung und Verurteilung deren „Irrtümer“ erstellt. Die Zusage des freien Geleits wurde gebrochen und Jan Hus und Hieronymus von Prag wurden verhaftet und verbrannt. John Wyclif war zur Zeit des Konzils bereits seit drei Jahrzehnten tot. Seine Gebeine wurden in der Folge dennoch ausgegraben und ebenfalls verbrannt.

In der katholischen Kirche ist die Unfehlbarkeit des Papstes eine immer noch gültige Eigenschaft, die dem Papst zukommt, wenn er eine Glaubens- oder Sittenfrage als endgültig entschieden verkündet. Damit ist eine Überprüfung alter Bibelauslegungen und der darauf beruhenden Entscheidungen auf ewige Zeit unmöglich.

So verstößt die katholische Kirche, 70 Jahre nach Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen, noch immer gegen den Artikel 1: "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren." Noch immer sind Frauen und Männer in der katholischen Kirche nicht gleich an Würde und Rechten.

Die WIEDERKUNFT CHRISTI ist lediglich die Rückkehr von Sinn und Verstand.
(EKIW: Kapitel 9, IV. 9. 4.)

Offenbarung

Betrachten wir ein Buch des Neuen Testaments das immer noch für große Missverständnisse sorgt etwas genauer: Die Offenbarung des Johannes oder die Apokalypse ist das letzte Buch des Neuen Testaments. Es ist das einzige prophetische Buch des Neuen Testaments und wurde für unterdrückte Christen eine Trost- und Hoffnungsschrift während der Christenverfolgungen im Römischen Reich.

Der Verfasser Johannes, der nicht mit dem Evangelisten gleichen Namens ident ist, richtet sich als Ich-Erzähler in Form eines Briefes zunächst in den Sieben Sendschreiben innerhalb der Offenbarung an sieben Gemeinden in Kleinasien im östlichen Hinterland von Ephesus. Diese wurden vom Apostel Paulus theologisch geprägt und litten nun unter Verfolgung oder zumindest unter starken Einschränkungen.

Der Verfasser gilt heute mehrheitlich als frühchristlicher Prophet, der sich zu einer Gruppe von Propheten zählt; so spricht er von seinen „Brüdern, den Propheten“. Sprache und Gedankenwelt weisen auf eine Herkunft aus dem palästinischen Judenchristentum hin. Im Text selbst beschreibt er, dass er auf der Insel Patmos vor Ephesus in der Verbannung lebe. Daher heißt dieser Johannes der Offenbarung im englischen Sprachraum auch Johannes von Patmos (John of Patmos).

Die Apokalypse ist eine zusammenhängende bildgewaltige Komposition, die sich der zeitgenössisch etablierten, aber nicht notwendigerweise biblischen Symbolwerte von Tieren, Farben und Zahlen bedient. Der Autor greift auf die alttestamentliche Prophetie und ihre Bildersprache zurück. Auch frühjüdische apokalyptische Motive sind vielerorts präsent. Da der Autor ein Gefangener der Römer war, und somit davon ausgehen musste, dass seine Briefe kontrolliert werden, war er gezwungen sich der Symbolik zu bedienen.

Die Deutung der einzelnen Bilder oder Erzählungen ist oftmals umstritten. Beispielsweise wären die folgenden Bezüge möglich: 666 ist der Zahlenwert, der den Namen des „Tieres“ verschlüsselt. Der Drache steht für Satan. Das „Tier“ aus dem Meer kann auf die „totalitäre Staatsmacht“ bezogen werden und das „Tier“ vom Land kann als „Personifizierung des politischen Propagandaapparats“ verstanden werden.

Die „Zahl des Tieres“, 666, ist heutzutage sehr bekannt und beliebt insbesondere in Verbindung mit Satanismus und Darstellungen von Dämonismus. In der Exegese hat die Auffassung, das „Tier“ mit der Zahl 666 sei mit Kaiser Nero zu identifizieren, die weiteste Verbreitung gefunden. Zählt man die Zahlenwerte der hebräischen Buchstaben seines Namens zusammen, kommt man auf 666. Nur so war es Johannes möglich seine Briefe vor der Zensur durch die Römer zu schützen. Eine offene Kritik an Nero wäre ihm nicht möglich gewesen.

In der Ostkirche wurde die Apokalypse wenig beachtet, in der Westkirche war die Ansicht über die Schrift positiver. Dennoch diskutiert die Theologie die Bedeutung der Offenbarung des Johannes bis heute. Auch Martin Luther wusste mit ihr wenig anzufangen: „Mein Geist will sich in dies Buch nicht schicken.

Die Bildersprache der Offenbarung hat über die Jahrhunderte hinweg nicht nur Kirchenväter und Theologen verschiedener Kirchen und Sekten, sondern auch weltliche Schriftsteller und Künstler angeregt, nach Interpretationen zu suchen. Der Interpretationsrahmen wird dabei sehr weit gefasst, aufgrund der Annahme, dass eine wissenschaftliche Erklärung reinen Prophetien ohnehin nicht gerecht werden könne. Bei der futuristischen Auslegung wird das Buch ab Kapitel 4 als Bericht von heute noch nicht eingetroffenen Ereignissen interpretiert. Doch die Fakten sind eindeutig. Der Autor selbst weist gleich am Beginn des Textes darauf hin, dass er sich auf aktuell bestehende und kurz bevorstehende Ereignisse bezieht:

Selig, wer die Worte der Prophetie vorliest, und jene, die sie hören und das halten, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe.
(Offb 1, 3.)

Die Apokalypse gleichsam als Rückfall vom Dasein und Wirken Jesu sieht Georg Baudler, ein römisch-katholischer Theologe, in Erlösung vom Stiergott:

Die Geheime Offenbarung hat dieses Charakteristikum des Wirkens Jesu wieder aufgelöst in den alten Bildern des Chaoskampfes, den Lichtheld und Frau gegen den Wildnisgott führen. [...] Der Ich-bin-da-Gott oder gar der Abba Jesus ist nirgends mehr zu spüren. Es gibt nur noch den obsolet dualistischen Kampf. [...] In all diesen Stellen treten jene alten Schichten des Alten Testaments hervor, wo das Dämonische noch eine Dimension Gottes ist.

Insofern zähle die Offenbarung des Johannes zu den „Rückfällen in der Wirkungsgeschichte der Jesuanischen Gottesoffenbarung“. „Erst eine Interpretation des Evangeliums“ – so Baudler –, „die nicht mehr am Opfergedanken und der Bestrafung des Bösen, orientiert ist, kann die Befreiungs- und Erlösungskraft freisetzen und zur Geltung bringen, die in ihm liegt.

Epilog

Viele der wichtigen Aussagen Jesus sind nicht ins Neue Testament aufgenommen worden und viele der aufgenommenen Aussagen sind nicht richtig wiedergegeben. Im Laufe der Zeit sind außerdem noch ein Menge an Korrekturen vorgenommen worden. Selbst die im Dezember 1945 in Nag Hammadi gefundenen dreizehn Papyrus-Kodizes in koptischer Sprache, inklusive dem Thomasevangelium, sind nicht mehr die Orginaltexte.

Maria Magdalena war erleuchtet wie Jesus, seine Partnerin und eine begnadete Rednerin, aber sie wurde von den männlichen Kirchengründern ignoriert. Lange Zeit wurde Maria Magdalena als „Sünderin“ und „Prostituierte“ dargestellt. Erst 2016 hat der Vatikan, auf ausdrücklichen Wunsch von Papst Franziskus, die Rolle der heiligen Maria Magdalena erneut aufgewertet und sie liturgisch den Aposteln gleichgestellt.

So wurde das Christentum in erster Linie auf Paulus Theologie von Leiden-und-Opfern begründet, anstatt auf den Lehren Jesus - obwohl Paulus Jesus nie persönlich begegnet ist. Das Christentum ist die von Paulus gegründete Religion, die an Stelle ‚des‘ Evangeliums Jesu ein Evangelium ‚von‘ Jesu setzt.

Die Verfasser des Neuen Testaments lassen Jesus als seine letzten Worte sagen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mt 27,46 ) Jesus würde so etwas niemals sagen. Diese Worte wurden aus dem alten Testament übernommen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bleibst fern meiner Rettung, den Worten meines Schreiens?“ (Psalm 22, 2) Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Verfasser nicht nur versuchte, es so aussehen zu lassen, als sei Jesus Gottes einziger Sohn, sondern in der Absicht, eine Brücke zwischen dem Judentum und der aufkeimenden neuen Religion zu bauen, auch noch die alten Lehren nahm und sie Jesus überstülpte. Diese erfundenen letzten Worte stehen im völligen Widerspruch zur zentralen Aussage Jesus gesamten Wirkens:
"Ich und der Vater sind eins." (Joh 10,30)


Die Metaphysik des Kurses

GOTT ist reine Abstraktion. GOTT ist „was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat“ (1 Kor 2,9).

Wir sind seine SOHNSCHAFT und als das sind wir eine SOHNSCHAFT, ein CHRISTUS, ein SELBST und eins mit GOTT. GOTTES SOHN ist GOTTES Schöpfung und dies ist die einzige wirkliche Schöpfung. GOTT und sein SOHN sind die einzige Wirklichkeit. CHRISTUS ist eine vollkommene Idee im Geist GOTTES und kann seine Quelle nicht verlassen. In WAHRHEIT gibt es keine Trennung. Das wahre SELBST ist nicht persönlich, ist nicht individuell!

Die Trennung ist eine Illusion. Die erste Ebene dieser Illusion ist das Bewusstsein, es ist der erste Schritt in die Trennung. Im Bewusstsein findet die Illusion der Welt statt, sie ist eine Projektion des Ego-Geistes. Durch die Kontraktion des Bewusstseins auf einen Körper und eine damit verbundene Geschichte entsteht der illusionäre Eindruck einer Person – auch als Ich oder Selbst bezeichnet.

Lass mich nicht vergessen, dass mein Selbst nichts ist, dass aber mein SELBST alles ist.
(EKIW: Lektion 358, 7.)

Das Selbst ist die Figur im Traum. Das Bewusstsein ist der Träumer. Das wahre SELBST ist der SOHN GOTTES. Erwachen aus dem Traum bedeutet sich des Träumens bewusst zu sein, es bedeutet sich aus der Identifikation mit der Figur im Traum zu lösen und aus der Position des Träumers heraus zu leben. Damit beginnt der glückliche Traum und die Erleuchtung. Diese findet ihr Ende im Ende des Traums und der endgültigen "Rückkehr" des SOHNES zu seinem VATER.

Die Verbindung der Figur im Traum, dem egoischen, illusionären Selbst, zur Quelle zum CHRISTUS, zum wahren SELBST, bezeichnet der KURS als HEILIGER GEIST. Hameed Ali, besser bekannt als A. H. Almaas, bezeichnet sie als „die optimierende Schubkraft der Realität“.

Der HEILIGE GEIST weilt in dem Teil deines Geistes, der Teil des CHRISTUS-GEISTES ist. ER stellt dein SELBST und deinen SCHÖPFER dar, DIE eins sind. ER spricht für GOTT und auch für dich, da ER verbunden ist mit BEIDEN. Und des wegen ist ER es, DER beweist, dass SIE eins sind. ER scheint eine STIMME zu sein, denn in dieser Form spricht ER GOTTES WORT zu dir. ER scheint ein FÜHRER durch ein fernes Land zu sein, denn du brauchst diese Form der Hilfe. ER scheint all das zu sein, was den Bedürfnissen entspricht, von denen du denkst, du habest sie. Aber ER lässt sich nicht täuschen, wenn du dein Selbst als in Bedürfnissen gefangen wähnst, die du nicht hast. Von ebendiesen möchte ER dich befreien. Vor ebendiesen möchte ER dich sicher machen.
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, Begriffsbestimmung, 6. 4.)

Die Verwendung von Begriffen wie Wahres SELBST oder Höheres SELBST anstatt CHRISTUS oder SOHN GOTTES birgt eine große Gefahr in sich, denn es führt sehr häufig zu Verwechslungen. Das illusionäre Selbst - das Ego - glaubt bei der Verwendung dieser Begriffe häufig das Wahre SELBST zu sein. Wenn wir uns an unser Wahres SELBST um Hilfe wenden, so suggeriert dies unserem egoischen Selbst, dass wir uns selber um Hilfe fragen. Wenn wir hingegen die Hilfe als HEILIGER GEIST oder JESUS bezeichnen ist die Gefahr dieser Verwechslung nicht gegeben. JESUS und der HEILIGE GEIST sind eins.

Der Begriff Seele wird außer in Zitaten so gut wie nie verwendet, weil damit die unterschiedlichsten, völlig kontroversen, Konzepte verbunden werden. Fast alle dieser Konzepte beinhalten den Faktor Zeit und beziehen sich daher auf die Illusion und nicht auf die WAHRHEIT. Würde man den Begriff auf die WAHRHEIT beziehen, so wäre die Seele als gleichbedeutend mit dem reinen Geist zu verstehen, in dem Sinne, dass sie, da sie von GOTT ist, ewig ist und nie geboren wurde.

Die historische Figur Jesus von Nazaret war ein Mensch dessen Geist den Weg zurück zum VATER zu Ende gegangen ist. In ihm hat sich der GEIST als CHRISTUS wiedererkannt. Sein GEIST ist eins mit dem HEILIGEN GEIST und steht uns als Hilfe und Begleitung zur Verfügung.

Jesus von Nazaret ist eine Figur im Lebenstraum mit einer vorher bestimmten und ganz speziellen Rolle. Jesus war der erste, der seinen eigenen Teil in SEINEM Plan vollkommen erfüllte.

In seiner vollständigen Identifikation mit dem CHRISTUS - dem vollkommenen SOHN GOTTES, SEINER einen Schöpfung und SEINEM Glück, für immer wie ER SELBST und eins mit IHM - wurde Jesus zu dem, was ihr alle seid. Er ging auf dem Weg voran, auf dass ihr ihm folgt. Er führt dich zu GOTT zurück, weil er die Straße vor sich sah und ihr folgte. Er traf eine klare Unterscheidung, die für dich immer noch verschleiert ist, zwischen dem Falschen und dem Wahren. Er hat dir eine endgültige Demonstration geboten, dass es unmöglich ist, GOTTES SOHN zu töten; noch kann sein Leben in irgendeiner Weise durch Sünde und das Übel, Böswilligkeit, Angst oder Tod verändert werden.
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, Begriffsbestimmung, 5. 3.)

Im Kurs wird die Trinität folgendermaßen beschrieben:

GOTT Vater ist zuerst in dem Sinn, dass ER der ERSTE in der HEILIGEN DREIEINIGKEIT SELBST ist. ER ist der URSCHÖPFER, weil ER SEINE Mitschöpfer erschaffen hat. Der SOHN GOTTES – die einzige Schöpfung GOTTES - ist Teil der HEILIGEN DREIEINIGKEIT, doch die DREIEINIGKEIT SELBST ist eins. Der HEILIGE GEIST ist der einzige Teil der HEILIGEN DREIEINIGKEIT, der symbolische Funktion hat. ER wird als der HEILER, TRÖSTER und FÜHRER bezeichnet. Der HEILIGE GEIST ist der Erkenntnis so nahe, dass ER sie hervorruft oder, besser, zulässt, dass sie eintritt. Der HEILIGE GEIST ist der CHRISTUSGEIST, der sich der Erkenntnis bewusst ist, die jenseits der Wahrnehmung liegt.

Zuerst braucht es eine Berichtigung unserer Wahrnehmung damit Erkenntnis möglich ist. Erkenntnis ist Gewissheit. Erkenntnis ist Macht, weil sie gewiss ist, und Gewissheit ist Stärke.

Wahrnehmung ist etwas vorübergehendes. Wahrnehmung ist entweder der Angst oder der Liebe unterworfen. Wahrnehmung ist die Folge des zugrunde liegenden Gedankensystems. Jedes Gedankensystem hängt von der ersten Annahme ab. Wenn die erste Annahme Trennung ist, folgt daraus eine Welt von Schuld, Opfer, Strafe und Krieg. Wenn die erste Annahme Einheit ist, folgt daraus die wahre Wahrnehmung. Wahre Wahrnehmung nimmt eine Welt wahr der vergeben ist. Wahre Wahrnehmung ist die Grundlage für die Erkenntnis, erkennen liegt aber jenseits aller Wahrnehmungen.

Denn wahre Wahrnehmung ist ein Heilmittel mit vielen Namen. Vergebung, Erlösung, SÜHNE, wahre Wahrnehmung - sie sind alle eins. Sie sind der eine Anfang mit dem Ziel und Ende, zum EINSSEIN weit jenseits ihrer selbst zu führen. Wahre Wahrnehmung ist das Mittel, durch das die Welt erlöst wird von der Sünde, denn Sünde existiert nicht. Und das ist es, was die wahre Wahrnehmung sieht.
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, Begriffsbestimmung, 4. 3. 5.-9.)

Die Welt des Egos, ist eine Welt der Trennung. Sie ist eine Projektion des Ego-Geistes. Diese Welt ist nicht von GOTT. Was GOTT erschaffen hat, ist wie er selbst – ist GOTTES SOHNSCHAFT - jenseits der Welt von Zeit und Raum. Da eine wirkliche Trennung von GOTT nicht möglich ist, ist sowohl das Ego als auch seine Welt eine Illusion.

Das bedeutet, dass es aus Sicht der WAHRHEIT keinen Lehrer und keinen Schüler gibt und niemanden der von irgendetwas erlöst oder befreit werden müsste. Das bedeutet auch, dass es keine Vergebung gibt, weil es nichts zu vergeben gibt, dass es keine Führung gibt und keinen Weg der gegangen werden müsste.

"So, wie das Nichts nicht abgebildet werden kann, so gibt es kein Symbol für die Totalität. Die Wirklichkeit wird letztlich ohne Form erkannt, unabgebildet und ungesehen."
(EKIW: Kapitel 27, III. 5. 1.-2.)

"Vergebung schwindet, Symbole verblassen, und nichts, was Augen je gesehen haben oder Ohren je gehört, kann noch wahrgenommen werden. Eine gänzlich grenzenlose MACHT ist gekommen, nicht um zu zerstören, sondern um IHR EIGEN zu empfangen. ... Heiße die MACHT willkommen, die jenseits der Vergebung und jenseits der Welt der Symbole und der Begrenzungen ist. ER möchte einfach sein, und somit ist ER einfach."
(EKIW: Kapitel 27, III. 7.)

Diese Wahrheit zu kennen ist wichtig, aber allein nutzlos für die Figur im Traum. Für die Figur im Traum gibt es einen Weg und scheinbar auch einen freien Willen der auch dazu genutzt werden kann, sich von diesem persönlichen Willen zu verabschieden. Das sind einfach die Spielregeln innerhalb der Illusion. Dies ist der Lehrplan dessen Inhalt nicht persönlichen Präferenzen unterliegt, der Lehrplan der für das Erwachen aus der Illusion zu absolvieren ist.

In dieser Welt ist die einzig verbleibende Freiheit die Freiheit der Wahl - immer zwischen zwei Wahlmöglichkeiten oder zwei Stimmen. Der Wille ist auf keiner Ebene an der Wahrnehmung beteiligt und hat mit der Wahl nichts zu tun. Das Bewusstsein ist der Empfangsmechanismus, der Botschaften von oben oder unten empfängt - vom HEILIGEN GEIST oder vom Ego. Das Bewusstsein hat Ebenen, und das Gewahrsein kann ziemlich drastisch wechseln, aber es kann den Wahrnehmungsbereich nicht transzendieren. Höchstenfalls wird es der wirklichen Welt gewahr, und es kann darin geschult werden, dies immer mehr zu tun. Doch schon die Tatsache, dass es Ebenen hat und geschult werden kann, zeigt auf, dass es nicht die Erkenntnis erreichen kann.
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, Begriffsbestimmung, 1. 7.)

Die Illusion besteht aus dem Verlassen des VATERS und der Rückkehr zu IHM. Diese Rückkehr folgt einem ganz bestimmten Lehrplan. Der Kurs ist eine Hilfestellung um die Absolvierung des Lehrplans innerhalb der Illusion der Zeit zu verkürzen. Die Vergebung können wir als eine Art glücklichen Traum bezeichnen, eine Art und Weise, in der wir, die nicht Erkennenden, den Graben zwischen unserer Wahrnehmung und der Wahrheit überbrücken können.

Die Geschichte vom Verlassen des VATERS und der Rückkehr nach Hause wird in der Bibel wunder-voll im Gleichnis vom verlorenen Sohn beschrieben.

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn

Der jüngere Sohn verlangt von seinem Vater sein Erbe. Sobald er es erhalten hat, zieht er fort und verprasst das Geld im Ausland. Zum Bettler herabgesunken, arbeitet er als Schweinehirte und hungert dabei so sehr, dass er sich reumütig nach dem Haus seines Vaters zurücksehnt und sich vornimmt, dem Vater seine Sünde zu bekennen und ihn um eine Stelle als geringer Tagelöhner zu bitten. Als er dann tatsächlich nach Hause zurückkehrt, ist der Vater so froh über die Rückkehr seines Sohnes, dass er ihn kaum ausreden lässt und sofort wieder bei sich aufnimmt. Er kleidet ihn festlich ein und veranstaltet ein großes Fest.

Als sich der ältere Sohn, der dem Vater die ganze Zeit über treu gedient hat, über das Verhalten des Vaters beklagt, entgegnet dieser: „Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden“ (Bibel, Einheitsübersetzung, Lk 15,31).

Der ältere Sohn spiegelt die selbstgerechte Haltung derjenigen, die sich für besonders spirituell und „heilig“ halten und er symbolisiert den Versuch sich sein angestammtes Erbe durch entsprechendes Verhalten zu verdienen. Unser Erbe, also etwas für das wir nichts leisten müssen, ist unsere SOHNSCHAFT. Daher ist auch der Versuch durch „gottgefälliges“ Verhalten das Heil zu erlangen eine Form der Ignoranz der WAHRHEIT. Der ältere Sohn ist das Symbol für jene die glauben sie wären schon beim Vater, nur weil sie die heiligen Schriften auswendig kennen. Es gibt im Gleichnis keinen Hinweis darauf, dass der selbstgerechte Sohn an der Feier der Rückkehr, an der Feier der Auferstehung, teilgenommen hat, oder ob er allein am Feld geblieben ist.

Das Gleichnis ist eine Kritik von Jesus an den Pharisäern und Schriftgelehrten, die glauben Gott schon gefunden zu haben und die den Glauben vertreten, wir müssten uns die Teilnahme an der Feier der Rückkehr ins väterliche Paradies hart verdienen, während der Vater in Wahrheit die ganze Zeit mit offenen Händen auf uns wartet, um mit uns die Rückkehr zu feiern.

Die Einheit mit Gott als dem Vater ist das eigentliche Lebensziel beider Söhne. Wir verpassen dieses Ziel wesentlich leichter, wenn wir versuchen auf der Ebene der Person keinen Fehler zu machen, weil wir dann blind für unsere Fehler sind und nicht in der Lage sind unseren Mitmenschen ihre Fehler zu vergeben. Unsere Fehler sind es, die unser Herz öffnen, und die uns erst in die Lage versetzen zu vergeben. Gott kann nur jemanden Liebe zukommen lassen der Liebe braucht.

Ring the bells that still can ring
Forget your perfect offering
There is a crack in everything
That's how the light gets in

(Leonard Cohen, 1992)

Das Weggehen von Zuhause ist genauso ein Symbol für die Ignoranz der WAHRHEIT, dass wir GOTTES SOHNSCHAFT sind. Von Zuhause weggehen bedeutet die WAHRHEIT außer acht lassen. Von Zuhause weggehen heißt so leben, als hätten wir noch kein Zuhause und müssten erst lang und breit suchen, um eines zu finden. Das ist was man als spirituelle Suche bezeichnen könnte.

Das Gleichnis beschreibt wunder-voll die Metaphysik des Lebens – die scheinbare Trennung von GOTT und die Rückkehr in die EINHEIT GOTTES. Dieses Gleichnis enthält alles was wir wissen müssen, wenn wir es richtig interpretieren.

Dass sich der Vater in der Geschichte über die Rückkehr seines Sohnes bedingungslos freut und sofort wieder in seinem Stand aufnimmt ist der Hinweis darauf, dass die Trennung eine Illusion und Sünde lediglich ein Irrtum ist. Im Irrtum zu leben ist die Hölle, aber dies ist keine Strafe des Vaters, sondern lediglich die Konsequenz des Irrtums. Wir sind nicht verantwortlich für den Irrtum, unsere einzige Verantwortung besteht darin die Berichtigung des Irrtums zu akzeptieren.

Es ist nicht entscheidend, dass wir uns immer wieder irren, entscheidend ist,
dass wir uns "vorwärts" irren und nicht an alten Irrtümern ewig festhalten!



Ego

Im Alltag wird unter Ego meist so etwas wie Selbstbewusstsein verstanden - also etwas das man hat. In der Psychologie gibt es für Ego, Ich und Selbst eine Unmenge verschiedenster Definitionen. Im spirituellen Sinne ist Ego aber nicht etwas das man hat, sondern es ist die Erfahrung von „man“ an sich – die Erfahrung von „jemand zu sein“. Es ist die Erfahrung eine individuell und frei handelnde Person zu sein.

Es gibt keinen Teufel, aber wenn wir das Symbol „Teufel“ als Synonym für das Ego betrachten, dann stimmen die alten Geschichten über den „Teufel“ wieder. Es ist unser Ego, dass um sein Überleben kämpft und uns immer wieder scheinbar in „Versuchung“ führt und damit erscheint es als Gegenspieler Gottes. In Wahrheit hat GOTT keinen Gegenspieler – er ist alles was ist – und wir sind ein Teil davon. Das Ego ist eine Illusion – salopp gesagt, ein Krampf im Bewusstsein.

Wenn wir noch nicht in der ewigen WAHRHEIT ruhen gibt es zwei Stimmen in uns. Die Stimme für GOTT, den HEILIGEN GEIST, und die Stimme des Egos. Solange wir uns des Unterschiedes nicht bewusst sind, solange wir also noch nicht gelernt haben die Geister zu unterscheiden, ist das so beliebte "rein-spüren" sinnlos. Die Stimme des Egos ist die Stimme der Angst und sie ist die lauteste Stimme in uns. Wenn wir also der Stimme, die beim "Rein-spüren" zu hören ist, auch noch eine besondere Bedeutung geben, im Sinne von Tiefe und Wichtigkeit, sind wir Gefangene, ohne uns der Gefangenschaft bewusst zu sein.

Das egoische Ich-Empfinden drückt sich darin aus, dass wir uns als getrennt von der Natur, von unseren Mitmenschen und letztendlich von Gott erleben. Wir können uns zwar mit alldem, auf eine Art, verbunden fühlen, aber Verbindung braucht immer noch Zwei.

Du, der du zur ERSTEN URSACHE gehörst, erschaffen bist von IHM nach SEINEM Ebenbild und Teil von IHM, du bist mehr als nur schuldlos. Der Zustand der Schuldlosigkeit ist nur die Bedingung, in der das, was nicht da ist, aus dem ungeordneten Geist entfernt worden ist, der dachte, es sei da. Diesen Zustand, und nur diesen, musst du erlangen, mit GOTT an deiner Seite. Denn bis dahin denkst du immer noch, du seist von IHM getrennt. Vielleicht kannst du SEINE GEGENWART in deiner Nähe fühlen, doch kannst du nicht erkennen, dass du eins mit IHM bist. Das kann auch nicht gelehrt werden. Das Lernen gilt nur der Bedingung, unter welcher dies von selbst geschieht.
(EKIW: Kapitel 14, IV. 2. )

Die WAHRHEIT ist Einheit – die Einheit mit allem was ist, die Einheit mit Gott. Jesus hat schon vor zweitausend Jahren darauf hingewiesen mit den Worten: „Ich und der Vater sind eins.“ Und er hat immer wieder auch darauf hingewiesen, dass wir genau wie er Söhne und Töchter Gottes sind. Er war sich seiner SOHNSCHAFT bewusst, wir sind es in der Illusion des Egos nicht. Aber die Auferstehung - das Erwachen aus dem Ego-Traum - wartet auch auf uns. Die gute Nachricht ist, dass wir das Aufwachen gar nicht verhindern können. Wir können es nur verzögern – innerhalb der Illusion der Zeit.

Auch die Zeit ist ein Teil der Ego-Illusion. Zeit ist nur eine Art zu denken und keine Wirklichkeit. Die Psychotherapeuten verweisen darauf, wenn sie sagen: Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.

Das zentrale Element der Ego-Illusion ist die Identifikation mit dem Körper und somit ist das Ego die Quelle der Angst – dem Gegenteil von Liebe. Das Ego sieht überall Symbole seiner Angst. Es hat Angst vor anderen Menschen, es hat Angst vor Worten, weil es tatsächlich glaubt Worte könnten es verletzen, es hat Angst vor Krankheiten, vor Medikamenten, vor Amalgam, vor Lebensmitteln, vor Chemtrails, vor Strahlen, vor 5G und vor allem, vor dem Tod. Da es glaubt ein Körper zu sein, fühlt es sich verletzlich und ständig vom Tod bedroht. Durch diese Identifikation erhält es die Illusion der Trennung von Gott aufrecht.

Der Körper ist die Wohnstatt des Ego durch seine eigene Wahl. Dies ist die einzige Identifikation, bei der das Ego sich sicher fühlt, weil die Verletzlichkeit des Körpers sein bestes Argument dafür ist, dass du nicht von GOTT sein kannst. Das ist die Überzeugung, die das Ego eifrig fördert.
(EKIW: Kapitel 4, V. 4. 1.-3.)

Angst ist das Gegenteil von Liebe und tritt an der Oberfläche in den unterschiedlichsten Formen auf – als Zorn, Hass, Stolz, Bedürftigkeit, Täuschung, Neid, Scham, Geiz, Angst vor der Angst, Gier, Schamlosigkeit, Trägheit. Wenn wir an allen Gefühlen vorbei in die Tiefe gehen, stoßen wir irgendwann auf die Angst. Die Angst bildet den Kern des Egos und wenn wir in die Freiheit wollen, müssen wir da durch. Daher spricht man im spirituellen Kontext, und in diesem Zusammenhang, auch oft von der dunklen Nacht der Seele.

Das Ego ist sowohl der Gefangene als auch das Gefängnis. Es löst daher den zentralen Konflikt nicht, wenn wir uns das Gefängnis schön gestalten und bunte Bilder an die Wand kleben, um uns von den grauen Wänden abzulenken - mit Bildern von uns als erfolgreiche Figur im Traum, oder von uns als Opfer im Traum. Beides ist Illusion - die Erlösung liegt im Erwachen aus dem Traum.

Wir können uns nicht aus der Rolle des Opfers befreien indem wir in die Rolle des Täters, also in die Rolle des Machers, wechseln. Beides ist Teil derselben Dualität und somit ist das eine ohne dem anderen nicht möglich. Die wahre Befreiung wartet jenseits der Dualität auf uns.

Es gibt kein großes oder kleines Ego. Es gibt keine Grade. Ob jetzt jemand selbstbewusst und extrovertiert, oder ängstlich und schüchtern ist – beides ist das Ego. Es sind nur zwei Seiten der selben Medaille. Der Versuch selbstbewusst und erfolgreich zu sein, ist ein sehr beliebter Weg des Egos – aber nicht der Weg zur Befreiung.

Im Jahr 1965 bekam Helen Schucman in Amerika den Kurs diktiert und genau in diesem Jahr schrieb Mick Jagger, auf der dritten Amerika Tournee der Rolling Stones, den Song „I Can’t Get No Satisfaction“. Er war damals, als junger englischer Revoluzzer, erschüttert von der Kommerzialisierung Amerikas. Der Song stand 1965 an der Spitze der Charts in Amerika, Deutschland und Großbritannien. Dieser Song ist die Hymne des Egos. Das Ego findet nie wirklich Befriedigung, sosehr es das auch versucht und versucht („And I try, and I try, and I try, and I try, I can't get no satisfaction ...“).

Viele von uns wählen den Weg des Erfolgs, denn durch das Scheitern auf diesem Weg, entsteht oft erst die Bereitschaft für die Umkehr. Viele erfolgreiche Musiker sind wunderbare Symbole dafür, wie das Ego auf Dauer zum Scheitern verurteilt ist. Michael Jackson, Prince, Whitney Houston, Jimi Hendrix, Falco, Jim Morrison, Janis Joplin und Elvis Presley, der „King of Rock ’n‘ Roll“, starben alle an den Folgen von Drogensucht und Medikamentenmissbrauch. Durch diese Menschen wurden wunder-volle Werke geschaffen, das Problem war nur, dass sie sich mit den Werken als Person identifiziert hatten. Diese Identifikation ist auch ein "kollektives" Phänomen, denn wir alle ordnen die entsprechenden Songs den entsprechenden Personen zu und vergöttern sie.

Das Lied „Out of the Dark“ von Falco beschreibt wunderbar den Todestrip des Egos und die dahinter liegende Sehnsucht nach dem Licht – nach der Wahrheit.

Out of the Dark

Ich krieg' von dir niemals genug
Du bist in jedem Atemzug
Alles dreht sich nur um dich
Warum ausgerechnet ich?
Zähl' die Stunden, die Sekunden
Doch die Zeit scheint still zu steh'n
Hab' mich geschunden, gewunden
Lass mich gehen, was willst Du noch?
Willst Du meine Tage zählen?
Warum musst Du mich mit meiner Sehnsucht quälen?
Deine Hölle brennt in mir
Du bist mein Überlebenselixier
Ich bin zerrissen
Wann kommst Du meine Wunden küssen?

Out of the dark
Hörst Du die Stimme, die dir sagt
Into the light
I give up and close my eyes
Out of the dark
Hörst Du die Stimme, die dir sagt
Into the light
I give up and you waste your tears to the night

Ich bin bereit, denn es ist Zeit
Für unser'n Pakt über die Ewigkeit
Du bist schon da, ganz nah
Ich kann Dich spür'n
Lass mich verführ'n
Lass mich entführ'n
Heute Nacht zum letzten Mal
Ergeben deiner Macht
Reich mir die Hand, mein Leben
Nenn mir den Preis
Ich schenk' Dir gestern, heut' und morgen
Dann schließt sich der Kreis
Kein Weg zurück
Das weiße Licht kommt näher, Stück für Stück
Will mich ergeben
Muss ich denn sterben, um zu leben?

Out of the dark Hörst Du die Stimme, die dir sagt
Into the light
I give up and close my eyes
Out of the dark
Hörst Du die Stimme, die dir sagt
Into the light
I give up and you waste your tears to the night

(Falco, 1996)

Am 6. Februar 1998 starb Falco bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik. Bei der Ausfahrt vom Parkplatz der „Turist Disco“ rammte ein Bus seinen Geländewagen. Falco war sofort tot. Bei der Obduktion wurden bei ihm ein Blutalkoholwert von 1,5 ‰ und große Mengen an Kokain sowie THC nachgewiesen. In der Folgezeit kam das Gerücht auf, Falco habe sich selbst getötet. Dies lag in erster Linie an der entsprechend interpretierten Textzeile „Muss ich denn sterben, um zu leben?“ aus dem Titel „Out of the Dark“. Allerdings entstand das Lied bereits einige Jahre vor Falcos Tod und wurde von Torsten Börger geschrieben. Es ist ein Lied das nicht von ihm, sondern für ihn geschrieben wurde.

Am 20. März 1986 erreichte "Rock Me Amadeus" für drei Wochen Platz 1 in den US-amerikanischen Billboard-Charts, was zuvor keinem anderen deutschsprachigen Titel gelungen war. "Rock Me Amadeus" wurde wenige Wochen später auch noch in Großbritannien auf dem 1. Platz gelistet. Als Falco von seinem Nummer 1 Platz in Amerika erfahren hatte, wollten seine Freunde mit ihm feiern, doch er war zutiefst erschüttert. Er feierte nicht mit ihnen, sondern ging nach Hause und zertrümmerte einige seiner goldenen Schallplatten. Ihm war das alles viel zu schnell gegangen und er wusste auf einer tieferen Ebene, das hiermit der Höhepunkt seines Egotrips, und der damit verbundene Spaß, erreicht war und es jetzt, nur noch abwärts gehen kann - denn das liegt in der Natur eines Höhepunkts.

Das Ego glaubt im Tod die Erlösung zu finden. Was in spirituellem Kontext als „Ego-Tod“ bezeichnet wird, ist aber nicht der Tod des Körpers – sondern das „Sterben“ der Illusion eine Person zu sein. Was stirbt ist eine Illusion und somit ist auch der Tod eine Illusion. Nichts Wirkliches ist je geboren worden und nichts Wirkliches ist je gestorben.

Wenn sich das Ego anstelle Gottes auf den Thron setzt, wird irgendwann der Druck so groß, dass das Ego die Erlösung im Tod sucht. Wir arbeiten uns zu Tode, wir stressen uns zu Tode, wir fürchten uns zu Tode, wir fressen uns zu Tode, wir saufen uns zu Tode, wir bringen uns mit Drogen und Medikamenten um – wir „kreuzigen“ uns, um unserer eigenen Idee von Schuld zu entgehen. Aber der Tod löst den Konflikt nicht. Nur die Erlösung, die gleichbedeutend mit Vergebung ist, löst den Konflikt und befreit den Ego-Geist aus seiner eigenen Illusion der Trennung. Der Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ ist ein wunderbares Anschaungsbeispiel für diesen Prozess.

Die Reise zum Kreuz sollte die letzte »nutzlose Reise« sein. Halte dich nicht damit auf, sondern lass sie als vollbracht hinter dir. Wenn du sie als deine letzte nutzlose Reise annehmen kannst, dann steht es dir auch frei, dich meiner Auferstehung anzuschließen. Solange du das nicht tust, ist dein Leben in der Tat verschwendet. Es inszeniert bloß aufs neue die Trennung, den Verlust der Macht, die vergeblichen Wiedergutmachungsversuche des Ego und schließlich die Kreuzigung des Körpers beziehungsweise den Tod. Solche Wiederholungen sind endlos, bis sie aus freien Stücken aufgegeben werden. Begehe nicht den mitleiderregenden Fehler, dich an das alte rauhe Kreuz zu klammern. Die einzige Botschaft der Kreuzigung ist die, dass du das Kreuz überwinden kannst. Bis dahin steht es dir frei, dich so oft zu kreuzigen, wie du willst. Das ist nicht das Evangelium, das ich dir anbieten wollte. Wir haben eine andere Reise zu unternehmen, und wenn du diese Lektionen sorgfältig liest, werden sie dir helfen, dich auf sie vorzubereiten.
(EKIW: Kapitel 4, Einleitung, 3)

Das Ego nutzt Esoterik und „Spiritualität“ gerne zur Selbstinszenierung. Es macht damit genau das Gegenteil von dem, worum es in Spiritualität in Wahrheit geht. Das „spirituelle“ Ego versucht die WAHRHEIT in die Illusion zu bringen. Es lebt in der Illusion selbst göttlich zu sein. Der zentralste und folgenschwerste Irrtum des „spirituellen“ Egos besteht darin, dass es glaubt, es könnte sich selbst befreien und so dauerhaft glücklich werden.

Das Ego ist die Illusion und es ist daher grundsätzlich nicht in der Lage sich daraus zu befreien. Diese irrige Idee von „Selbstbefreiung“ stärkt das Ego nur noch mehr. Es gibt eine Menge Egos die als Lehrer auftreten und genau diesen Weg der „Selbstbefreiung“ lehren. Diese Lehrer erfreuen sich großer Beliebtheit, weil sie genau das lehren, was das Ego hören will. Es will seinen Platz am Thron Gottes behalten und auf diesem Weg auch noch Glückseligkeit erreichen. Den Widerspruch in diesem Versuch kann es nicht erkennen.

Der Widerspruch zeigt sich auch in der Idee ein „Ego“ zu haben. Dies führt zu Aussagen wie: „Da bin ich meinen Ego wieder auf den Leim gegangen.“ „Mein Ego war stolz.“ Wer ist das, der das sagt? Unser wahres SELBST ist von all dem völlig unberührt, also muss es scheinbar noch jemand Dritten in uns geben der ein Ego besitzt. Wer soll das sein? Das Ganze ist ein beliebter Trick des Egos, um einerseits von der Wahrheit abzulenken und andererseits sich selbst noch zu erhöhen, indem es alles Negative, in etwas projiziert, das es „Ego“ nennt und ist somit selber wieder fein raus.

Diese Art von egoischen Lehrern erkennt man leicht an - der für das Ego typischen - Identifikation mit Rollen und Erfolgen in der Welt. Wir lesen oder hören dann oft Dinge wie „Ich bin Yogini.“, „Ich bin Tantriker.“, „Ich bin einen schwierigen Weg gegangen und ich habe es geschafft und du kannst es auch schaffen.“, „Ich bin Mutter ganz besonderer Kinder.“

Die Aussagen wahrhaft wacher Lehrer klingen anders:

Self realization is the ending of ignorance, ignorance at its root has ignore, it is a state of ignoring something, it is not a state of knowing something, it is a state of ignoring what is primary, what is closer then any knowledge, ignoring that - for some suffering, for some problems, for some identification and that ignorance is the root of all suffering.
Ignoring your own self, ignoring the presence of god, the eternal presence of god, the limitless truth of yourself, ignoring that - is the source of all tragedy.

(Gangaji)

Gangaji ist eine 1942 in Texas geborene spirituelle Lehrerin. Sie ist mit Eli Jaxon-Bear verheiratet. Beide kommen regelmäßig für Seminare und Retreats auch nach Österreich, Deutschland und in die Schweiz. Sie arbeiten in ihren Seminaren auch mit dem Enneagramm.

Im Kurs finden wir zum Thema Ego unter anderem Folgendes:

Wir können nicht wirklich eine Definition dessen geben, was das Ego ist, aber wir können sagen, was es nicht ist. Und das wird uns mit vollkommener Klarheit gezeigt. Und eben daraus leiten wir alles ab, was das Ego ist. Schau auf sein Gegenteil, und du kannst die einzige Antwort sehen, die von Bedeutung ist.
(EKIW: Begriffsbestimmung, 2. 4.)

Gleichzeitig können wir ein paar Dinge benennen die ganz sicher nicht die WAHRHEIT sind. Das Ego ist jedes Urteil über die Welt. Das Ego ist der Glaube an Schuld, Strafe, Opfer, gut, böse, Erfolg, Misserfolg, an Ursache und Wirkung in der Zeit - der Glaube an die Dualität. Das Ego ist die Identifikation mit Aussehen, Geschlecht, sexueller Orientierung, Lebensstil, Ernährungsgewohnheiten, Beruf, Besitz, gesellschaftlichem Ansehen, Familie, Kultur, Volksgruppe, Religion, Wissen, Fähigkeiten, Besonderheit – selbst eine Krankheit, von einer Nahrungsmittelunverträglichkeit, einer psychischen Besonderheit wie Hochsensibilität, bis zu Krebs, kann dem Ego zur Identifikation und damit zur Aufrechterhaltung des falschen Selbstbildes dienen.

Das Ego ist das Un-Authentischste was es gibt und wenn das nun auch noch versucht authentisch zu sein, kriegt es einen ganz besonders lieblosen Beigeschmack. Diesen „authentischen Auftritt“ präsentieren wir der ganzen Welt mit Hilfe sozialer Medien. Wir sprechen zwar von „teilen“, aber es geht in Wahrheit ums „mitteilen“, im Sinne einer Präsentation unseres egoischen Selbstbildes. Wir fotografieren unser Essen und nennen es imagegerecht „Food Blogging“. Aber es ist ein Unterschied, ob wir unser Essen auf Facebook „teilen“, oder ob wir einen Obdachlosen zu uns nach Hause einladen und unser Essen wirklich mit ihm teilen – und das ohne ihn dabei zu fotografieren, um es anschließend zu posten.

Dieser ständige Drang zur Selbstdarstellung, der immer groteskere Formen annimmt, führt immer mehr dazu, dass wir uns gegenseitig nicht mehr aushalten und uns narzisstisch gekränkt ins Private zurückziehen. Es ist völlig egal, in welche Rolle das Ego schlüpft, es führt immer zum gleichen Wahnsinn – zu narzisstischer Nabelschau und zur Verstärkung der Trennung, indem es sich anders und vor allem als besser als Andere wahrnimmt.

"Auf mich schauen." "Mich abgrenzen." "Meinen Weg gehen." "Muss erst rein spüren, ob das für mich passt." "Ich brauch Zeit für mich." "Mich selbst lieben." "Mir Gutes tun." "Hilfe, mir wird Energie entzogen." "Das muss ich mir nicht bieten lassen." "Das erwarte ich mir." "Der Weg zu mir." "Ich schaffe das." "Hier bin ich Mensch." "Die Marke ich." "Ganz ich."

Meist ist es das Ego, das aus uns spricht, wenn wir „ich“ sagen. Es geht immer um uns als Person – von Gott, Gnade und Demut ist meist nichts zu hören und zu spüren. Was als „ich“ begriffen wird, ist ohne den Begriff des „Anderen“ nicht lebensfähig. Das Ego lebt von Identifikation und Trennung.

Das „spirituelle“ Ego liebt sogenannte spirituelle Namen. Ein spiritueller Name kann durchaus hilfreich sein, als Symbol auf dem Weg, wie im Falle von Gangaji. Beim „spirituellen“ Ego geht es aber um Selbsterhöhung - um Besonderheit. Das Ego kommt sich nun besser vor als früher und will mit seinem alten Leben und seinem alten Namen nichts mehr zu tun haben und vor allem nicht mit den ganzen „unspirituellen“, „nieder schwingenden“ Menschen. Jetzt wo es „spirituell“ ist, ist es ja was Besonderes und das will mit dem spirituellen Namen, oder auch mit einem Künstlernamen, zum Ausdruck gebracht werden.

Der Ausdruck “kollektiv” im Zusammenhang mit dem Ego ist nur ein äußerst unzulänglicher Begriff zur Beschreibung des Unbeschreibbaren, ist aber genau genommen falsch. Es gibt keine unterschiedlichen Egos und es gibt daher auch kein kollektives Ego, es "gibt" nur den einen Gedanken der Trennung - das Ego.

"Der Graben zwischen Wirklichkeit und Träumen liegt nicht zwischen dem Träumen der Welt und dem, was du insgeheim träumst. Sie sind eins. Das Träumen der Welt ist nur ein Teil deines eigenen Traumes, den du weggegeben und so gesehen hast, als wäre er zugleich ihr Anfang und ihr Ende."
(EKIW: Kapitel 27, VII. 11. 4.-6.)

Das Ego ist ein irriger Gedanke, der sich gegen die WAHRHEIT wehrt. Daher erzeugen die Aussagen des Kurses bei vielen Menschen extreme Widerstände. Für das Ego stellt der Kurs eine existenzielle Bedrohung dar - und ist es auch.

Sicher ist unterdessen klar geworden, weshalb das Ego den reinen Geist als seinen »Feind« betrachtet. Das Ego ist aus der Trennung hervorgegangen, und die Fortdauer seiner Existenz hängt von deinem fortgesetzten Glauben an die Trennung ab. Das Ego muss dir irgendeine Belohnung für die Aufrechterhaltung dieses Glaubens bieten. Alles, was es bieten kann, ist ein Gefühl vorübergehender Existenz, die mit seinem eigenen Anfang anfängt und mit seinem eigenen Ende endet. Es sagt dir, dass dieses Leben deine Existenz ist, weil es seine ist. Gegenüber diesem Gefühl vorübergehender Existenz bietet dir der reine Geist die Erkenntnis der Dauerhaftigkeit und des unerschütterlichen Seins. Niemand, der je diese Offenbarung erfahren hat, kann jemals wieder ganz an das Ego glauben. Wie könnte sein dürftiges Angebot an dich gegen die herrliche Gabe GOTTES obsiegen?
(EKIW: Kapitel 4, II. 3.)

Das war das Ego: all der grausame Hass, das Bedürfnis nach Rache und die Schmerzensschreie, die Angst zu sterben und der Drang zu töten, die bruderlose Illusion und das Selbst, das allein zu sein schien im ganzen Universum. Diesen schrecklichen Fehler über dich berichtigt das Wunder so sanft, wie eine liebende Mutter ihr Kind zur Ruhe singt. Ist es nicht ein Lied wie dieses, was du hören möchtest? Würde es nicht all das beantworten, was du zu fragen gedachtest, und sogar die Frage bedeutungslos machen?
(EKIW: Begriffsbestimmung, 2. 8.)


"Ein Mensch ist immer das Opfer seiner Wahrheiten."
(Albert Camus)



Körper

Den Juden wurden in den Konzentrationslagern des Nationalsozialismus Nummern eintätowiert. Bis 1890 wurden in Bosnien katholische Mädchen tätowiert, um einen Übertritt zum Islam zu verhindern. Koptische Christen in Ägypten tragen ein Kreuz an der Innenseite des rechten Handgelenkes, um sich vom Islam zu distanzieren. Zu Beginn der Edo-Zeit in Japan waren Tätowierungen unter anderem bei Prostituierten und Arbeitern sehr beliebt. Ab 1720 wurde die Tätowierung als eine Art Brandmarkung für Kriminelle eingesetzt, weshalb sich „anständige“ Japaner nicht mehr tätowieren ließen. Wer als Krimineller gezeichnet war, konnte sich nicht mehr in die Gesellschaft eingliedern, was zur Bildung einer eigenen Schicht führte - den Yakuza – der japanischen Mafia.

Tätowierungen dienten seit jeher der Markierung und Auszeichnung von Körpern. Jetzt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, sind Tattoos wieder sehr verbreitet, denn der Körper ist die Kathedrale des 21. Jahrhunderts. Der Körperkult ist zu einer Diesseitsreligion geworden und Schönheitschirurgie ist eine technologische Möglichkeit um diese Kathedrale zu perfektionieren. Der Körperkult hat Spiritualität ersetzt, es herrscht ein Kult um das eigene illusionäre Selbst, das Ego wird zum Heiligtum, wird sakral initiiert.

Der Körper ist Ausdrucksmittel und Präsentationsfläche des Egos. Sich tätowieren zu lassen ist ein Beispiel für die Identifikation mit dem Körper. Dabei besteht kein Unterschied zwischen den Tattoos eines Fußballspielers und den Henna Tattoos einer Yoga-Lehrerin – beides ist Ausdruck dieser Identifikation. Für die Erlösung aus der Identifikation, ist es natürlich völlig bedeutungslos, ob ein Körper tätowiert ist oder nicht.

Die Verherrlichung des Körpers macht auch vor esoterischen und „spirituellen“ Kreisen nicht halt. Dort wird unter dem völlig falsch verstanden Bild vom „Körper als Tempel der Seele“ dem Körper gehuldigt. Er wird mit Yoga, veganer Ernährung und Power-Smoothies gehegt und gepflegt und wie ein Gott verehrt. Dies ist der Versuch des Egos sein „Leben“ zu verbessern und zu verlängern, obwohl das unausweichliche Ende des Körpers durch Krankheit, Verfall und letztendlich dem Tod, von Anfang an fest steht.

Das moderne westliche Yoga hat kaum noch etwas mit dem ursprünglichen, spirituellen Verständnis von Yoga zu tun. Es dient, als eine hippe New-Age-Lebenseinstellung, meist nur noch der verstärkten Identifikation des Egos mit dem Körper und der Verherrlichung von Äußerlichkeiten, wie schicken Yoga-Klamotten und hinduistischen Begrifflichkeiten. Anstatt der Anbetung von Schutzheiligen im traditionellen Christentum, wie Blasius oder Christophorus, werden nun hinduistische Gottheiten, wie Lakshmi oder Ganesha angebetet.

Don't try to be somebody
- remember -
you are not a body!

Der sogenannte „Tempel der Seele“ ist nur ein Gebäude, er ist nur Mittel und nicht Zweck. Das - worum es geht - ist das Allerheiligste im Tempel. Diese Verwechslung hat sich sehr deutlich nach dem Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame im Jahr 2019 gezeigt. Die Erschütterung darüber war weltweit sehr groß und wenige Monate nach dem Großbrand betrugen die Spendenzusagen für ihren Wiederaufbau 922 Millionen Euro. Aber es geht nicht um das Gebäude, es geht um den Altar - dem Symbol für die WAHRHEIT. Die WAHRHEIT ist durch einen Brand nicht zu zerstören. Die zentrale Botschaft des Kurses lautet: „Nichts Wirkliches kann bedroht werden“.

Du setzt noch immer zu viel Glauben in den Körper als eine Quelle der Stärke. Welche Pläne schmiedest du, in denen es nicht in irgendeiner Weise um seine Behaglichkeit, seinen Schutz oder sein Vergnügen geht? Das macht den Körper in deiner Deutung zu einem Zweck und nicht zu einem Mittel, und das heißt immer, dass du die Sünde nach wie vor als attraktiv empfindest.
(EKIW: Kapitel 18, VII. 1. 1.-3.)

In diesem Reich herrscht das Ego, und zwar grausam. Um dieses kleine Staubkorn zu verteidigen, gebietet es dir, gegen das Universum anzukämpfen. Dieses Fragment deines Geistes ist ein so winziger Teil davon, dass du - könntest du nur das Ganze würdigen - augenblicklich sehen würdest, dass es wie der kleinste Sonnenstrahl im Vergleich zur Sonne ist oder wie das schwächste Kräuseln auf der Meeresoberfläche. In seiner erstaunlichen Arroganz hat dieser winzige Sonnenstrahl beschlossen, er sei die Sonne, und dieses kaum wahrnehmbare Kräuseln rühmt sich selbst als Meer. Bedenke, wie einsam und verängstigt dieser kleine Gedanke ist, diese unendlich kleine Illusion, die sich selbst getrennt hält wider das Universum. Die Sonne wird zum Feind des Sonnenstrahls, der ihn verschlingen möchte, das Meer versetzt das kleine Kräuseln in Entsetzen und möchte es verschlucken.
(EKIW: Kapitel 18, VIII.3.)

Man kann unmöglich Lust durch den Körper suchen und nicht Schmerz finden. Es ist ganz wesentlich, dass diese Beziehung verstanden wird, denn sie ist eine, die das Ego als Beweis der Sünde sieht. Sie hat in Wirklichkeit überhaupt nichts mit Strafe zu tun. Sie ist bloß die unvermeidliche Folge davon, dass du dich mit dem Körper gleichgesetzt hast, und das ist die Einladung an den Schmerz. Denn es lädt die Angst ein, einzutreten und dein Ziel zu werden. Und mit ihr muss die Anziehungskraft der Schuld eintreten und alles, was die Angst den Körper zu tun anweist, ist deshalb schmerzvoll. Es wird den Schmerz aller Illusionen teilen, und die Illusion der Lust wird dasselbe sein wie Schmerz.
(EKIW: Kapitel 19, IV. B. 12.)


Glückseligkeit

Ein Leben des Wachstums geht über das profane
Leben der Genüsse hinaus. Genüsse haben keine allzu
große Bedeutung: Es ist, wie wenn man sich kratzt -
ganz angenehm, aber nur für kurze Zeit. Kratzt man
weiter, dann kommt Blut, und der Genuss verwandelt
sich in Schmerz. Ihr alle kennt es nur zu gut, wie sich
Genuss in Schmerz verwandelt!

Ein intelligenter Mensch macht sich auf die Suche
nach etwas, das nicht zu Schmerz und Angst, Leiden
und Qual wird. Was ich mit Glückseligkeit meine,
ist nicht Genuss, denn Glückseligkeit kann sich nicht
ins Gegenteil verwandeln - sie hat kein Gegenteil.
Man sollte das Unvergängliche suchen, und jeder
besitzt die Fähigkeit, das Unvergängliche zu erfahren.
Aber die Genüsse des Körpers - die biologische
Anziehung, die Gaumenfreuden - halten die
Menschen beschäftigt und nehmen die kurze Zeit
in Anspruch, die Ihnen hier auf Erden für das
Wachstum bleibt.

(Osho)



Krankheit

Der Äskulapstab ist ein von einer Schlange umwundener Stab und wird auch als Schlangenstab bezeichnet. Ursprünglich war er ein Attribut des Asklepios (deutsch: Äskulap), des Gottes der Heilkunde in der griechischen Mythologie. Heute ist er das Symbol des ärztlichen und pharmazeutischen Standes. In vielen Kulturen weltweit wurden Schlangen mit Göttern in Verbindung gebracht. Seit Menschengedenken gilt die Schlange als ein bedeutendes mystisches Wesen; so entwendet etwa der Gottkönig Gilgamesch im gleichnamigen Epos einer Schlange das lebenspendende Zauberkraut. Im Altertum wurde sie schließlich zum Symbol der Heilkunde. Ihre Charakteristika „Verjüngung durch Häutung“, „Scharfsichtigkeit wie Wachsamkeit“ sowie „Heilkraft“ machten sie zum Sinnbild heilberuflicher Tugenden.

„Verjüngung durch Häutung“ bedeutet sich Schritt um Schritt von Identifikationen zu lösen, wozu es „Scharfsichtigkeit wie Wachsamkeit“ braucht und darin besteht die „Heilkraft“.

„Nur von der Erlösung kann man sagen, dass sie heilt.“
(EKIW: Lektion 140)

Ein erleuchteter Geist kennt keine Krankheit, denn erleuchtet sein, bedeutet heil sein. Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Körper frei von Aspekten ist, die die Medizin als Krankheit beurteilt. Erleuchtet sein, bedeutet nicht mehr mit dem Körper identifiziert zu sein, daher gibt es, ganz unabhängig von körperlichen Zuständen, niemanden mehr der krank sein könnte. Ramana Maharshi starb aus medizinischer Sicht an Krebs, aber er versicherte den Zurückbleibenden:

„Das was ich bin, kann nicht sterben, weil es nie geboren wurde.“

Unter Bhakti versteht Ramana Maharshi das bedingungslose Ergeben an das Schicksal. Das funktioniert nur, wenn wir jeglichen Glauben an Individualität und einen freien Willen loslassen:

Der andere Weg ist, das Ego zu töten, indem man sich völlig dem Herrn unterwirft, seine Hilflosigkeit erkennt und immerzu sagt: ‚Nicht ich, sondern Du, oh Herr!’, jeden Gedanken an ‚ich’ und ‚mein’ aufgibt und es völlig dem Herrn überlässt, was er mit einem tun mag. Die Hingabe ist nicht vollständig, solange der Verehrer dieses und jenes von dem Herrn will. Wahre Hingabe ist die Gottesliebe um der Liebe willen und um nichts anderes, nicht einmal um Erlösung zu erlangen.
(Zitiert in Devaraja Mudaliar:
Tagebuch der Gespräche mit Ramana Maharshi. Books on Demand, 2011, S. 218).

An anderer Stelle heißt es:

Weihe Ihm all deine Taten, wie immer du Ihn auch nennen magst. Bewahre Ihn immerwährend im Hintergrund. Dann wird das Empfinden ‚Ich bin der Handelnde’ wegfallen und dafür das Empfinden ‚Ich bin das Instrument des Herrn’ an seine Stelle treten.
(Ramana Maharshi 2007: 28).

Der Weg zur Heilung beginnt damit, zu erkennen, dass es nicht um die körperliche Heilung geht, sondern um die Heilung des Geistes. Solange wir die Heilung des Körpers suchen, werden wir auf verschiedenste Methoden treffen, die das eine oder andere Symptom beseitigen, aber neue Symptome werden auftauchen und die verzweifelte Suche, nach einem heilen Körper, endet auf jeden Fall im Tod.

Krankheit ist, als Teil des Ego – die Idee der Trennung – ein Irrtum. Die Unterscheidung zwischen Krankheit und Gesundheit auf der Ebene der Person ist ein Teil dieses Irrtums. Allein der scheinbar altersbedingte Verfall des Körpers ist Krankheit. Bei den sogenannten Krankheiten noch zwischen körperlichen und psychosomatischen Krankheiten zu unterscheiden, bedeutet dem zentralen Irrtum, weitere Irrtümer hinzuzufügen, um durch diese Komplexität die Wahrheit noch besser zu verschleiern.

Die französische Schriftstellerin Christiane Singer (Gräfin Thurn-Valsassina) starb am 4. 4. 2017 an Krebs. Sie war eine gelernte Therapeutin in Initiatischer Leibtherapie nach Karlfried Graf Dürckheim, dessen Adeptin sie lange Jahre war, und sie gab kostenlose Therapiestunden „für alle, die kommen mögen“. Singer heiratete 1967 den Architekten Georg Thurn-Valsassina, den sie in der Schweiz kennengelernt hatte, und zog zu ihm auf dessen Familiensitz Burg Rastenberg im Waldviertel in Niederösterreich. Gemeinsam bauten sie auf einer radiästhetisch ausgependelten Lichtung auf dem Burggelände das Seminarhaus Die Lichtung. In ihren letzten Tagen schrieb sie noch ein Buch über ihre Krankheit - „Alles ist Leben. Letzte Fragmente einer langen Reise.“ - in dem sie folgendes schreibt:

"Wenn man das Abenteuer mit Begriffen wie Krankheit und Heilung beschreibt, ist man auf einem völlig falschen Weg. Ich habe keine Krankheit bekommen und ich werde von nichts geheilt. Ich habe einen heftigen alchemistischen Prozess durchschritten. Das ist alles. Und ich durchschreite ihn weiter."

Wenn wir allerdings, auf der Ebene der Person, versuchen Symptome als Illusion abzutun und versuchen Krankheit zu heilen, so führt dies zu sehr leidvollen Erfahrungen. Der in Österreich bekannte "Fall Olivia" ist ein dramatisches Beispiel für den Größenwahn des Egos. Wenn das Ego glaubt, es könnte Krankheit heilen, dann schreckt es, selbst in der Rolle von Eltern, nicht davor zurück, seinem eigenen Kind Schaden zuzufügen. Das Ego kann nicht erkennen, dass es seine eigene Geisteshaltung ist, die das ganze Problem überhaupt erst verursacht.

Ein Hauptschritt im Plan der SÜHNE ist, den Irrtum auf allen Ebenen aufzuheben. Krankheit oder »Nicht-Rechtgesinntheit« ist das Ergebnis einer Verwechslung der Ebenen, weil sie immer mit der Überzeugung einhergeht, dass das, was auf einer Ebene nicht stimmt, eine andere nachteilig beeinflussen kann. Wir haben von Wundern als dem Mittel gesprochen, das die Verwechslung der Ebenen berichtigt, denn alle Fehler müssen auf der Ebene berichtigt werden, auf der sie auftreten. Nur der Geist ist des Irrtums fähig. Der Körper kann nur dann falsch handeln, wenn er auf Fehlgedanken reagiert. Der Körper kann nicht erschaffen, und die Überzeugung, er könne es - ein grundlegender Irrtum -, bringt alle körperlichen Symptome hervor. Physische Krankheit stellt einen Glauben an Magie dar. Die ganze Verzerrung, durch die Magie gemacht wurde, beruht auf der Überzeugung, es gebe eine schöpferische Fähigkeit in der Materie, über die der Geist keine Kontrolle hat. Dieser Irrtum kann zwei Formen annehmen: Man kann entweder glauben, der Geist könne im Körper fehlerschaffen oder der Körper könne im Geist fehlerschaffen. Wenn verstanden wird, dass der Geist, der die einzige Ebene der Schöpfung ist, nicht über sich hinaus erschaffen kann, braucht keine der beiden Arten der Verwechslung mehr aufzutreten.
(EKIW: Kapitel 2, IV. 2.)

Alle materiellen Mittel, die du als Heilmittel für körperliche Gebrechen akzeptierst, sind erneute Bestätigungen magischer Grundsätze. Das ist der erste Schritt im Glauben, der Körper mache seine eigene Krankheit. Ein zweiter Fehlschritt ist der Versuch, diese durch nichtschöpferische Mittel zu heilen. Hingegen folgt daraus nicht, dass die Verwendung solcher Mittel zum Zwecke der Berichtigung böse ist. Manchmal hat die Krankheit den Geist fest genug in der Gewalt, um einen Menschen vorübergehend für die SÜHNE unzugänglich zu machen. In diesem Falle mag es klug sein, dem Körper und Geist gegenüber einen Kompromissansatz anzuwenden, bei dem der Glaube an Heilung vorübergehend etwas Äußerem geschenkt wird. Das letzte, was den Nichtrechtgesinnten oder Kranken nämlich helfen kann, ist eine Mehrung der Angst. Sie sind bereits in einem angstgeschwächten Zustand. Werden sie vorzeitig einem Wunder ausgesetzt, werden sie womöglich in Panik gestürzt. Dies geschieht mit großer Wahrscheinlichkeit, wenn eine auf dem Kopf stehende Wahrnehmung zur Überzeugung geführt hat, dass Wunder furchterregend sind.
(EKIW, Kapitel 2, IV. 4.)

Magie ist die geistlose oder fehlschöpferische Anwendung des Geistes. Physische Arzneimittel sind eine Art von »Zauber«; wenn du aber Angst hast, den Geist zur Heilung zu verwenden, solltest du es auch nicht versuchen. Gerade die Tatsache, dass du Angst hast, macht deinen Geist für Fehlschöpfungen anfällig. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass du jede Heilung, die eintreten mag, missverstehen wirst, und weil Ichbezogenheit und Angst gewöhnlich zusammen auftreten, bist du möglicherweise nicht fähig, die wahre QUELLE der Heilung anzunehmen. Unter diesen Umständen ist es für dich sicherer, dich vorübergehend auf physische Heilmethoden zu verlassen, weil du sie nicht fälschlich als deine eigenen Schöpfungen wahrnehmen kannst. Solange dein Gefühl der Verletzlichkeit andauert, solltest du nicht versuchen, Wunder zu wirken.
(EKIW: Kapitel 2, V. 2.)

Die Angst vor Medikamenten - ist wie der Glaube an Medikamente - der Glaube an Magie. Wenn wir glauben Medikamente könnten uns schaden, glauben wir genau so ein Körper zu sein, wie wenn wir glauben, sie könnten uns heilen. Es gibt keine Grade, sondern nur Illusion oder Wahrheit, daher besteht kein Unterschied zwischen klassischer Schulmedizin und Homöopathie und sonstigen Arzneien und Ritualen. Der ganze Konflikt zwischen den unterschiedlichen „Heilversprechen“, ist nur ein Streit zwischen unterschiedlichen Formen von Magie und hat mit wahrer Heilung nichts zu tun.

Denk an die Freiheit in der Einsicht, dass du an all die sonderbaren und verdrehten Gesetze nicht gebunden bist, die du aufgestellt hast, um dich zu retten. Du meinst tatsächlich, dass du verhungerst, wenn du nicht Stapel farbiger Papierschnipsel und Haufen kleiner Scheiben aus Metall besitzt. Du meinst tatsächlich, dass ein kleines rundes Kügelchen oder eine Flüssigkeit, die durch eine spitze Nadel in deine Adern gedrückt wird, Krankheit und Tod abwendet. Du meinst tatsächlich, du seiest allein, wenn nicht ein anderer Körper bei dir ist.

Es ist der Wahnsinn, der diese Dinge denkt. Du sagst, dass sie Gesetze sind, und reihst sie unter verschiedenen Bezeichnungen in einen langen Katalog von Ritualen ein, die nutzlos sind und keinen Zweck erfüllen. Du denkst, du müsstest den »Gesetzen« der Medizin, der Wirtschaft und Gesundheit folgen. Schütze den Körper, und du bist gerettet.

Dies sind keine Gesetze, sondern es ist Wahnsinn. Der Körper wird durch den Geist gefährdet, der sich selbst verletzt. Der Körper leidet bloß, damit der Geist nicht sieht, dass er sein eigenes Opfer ist. Des Körpers Leiden ist eine Maske, die vom Geist emporgehalten wird, um das zu verbergen, was wirklich leidet. Er will nicht verstehen, dass er sein eigener Feind ist; dass er sich selber angreift und sterben will. Das ist es, wovor deine »Gesetze« den Körper schützen wollen. Das ist der Grund, weshalb du meinst, du seiest ein Körper.

(EKIW, Übungsbuch, Lektion 76, 3.-5.)

Bei Menschen mit multiplen Persönlichkeiten ändern sich, beim Wechsel der Persönlichkeit, auch die körperlichen Symptome. Diese sogenannte Dissoziative Identitätsstörung führt dazu, dass ein und derselbe Mensch, beispielsweise in einer Persönlichkeit einen niedrigen Blutdruck hat und in einer anderen Persönlichkeit einen hohen. Damit ist offensichtlich, dass Krankheit nichts Körperliches ist, sondern etwas Geistiges. Man kann auch das Ego an sich, als eine einzige Dissoziative Identitätsstörung betrachten – die Illusion 8 Milliarden unterschiedlicher Identitäten.

Es besteht auch kein Unterschied zwischen psychischen Krankheiten und körperlichen Krankheiten. Manchmal schämen wir uns für psychische Krankheiten, erzählen aber gerne von unseren körperlichen Krankheiten. Manchmal machen wir hingegen aus unseren psychischen Krankheit ein persönliches Alleinstellungsmerkmal und einen Ausdruck unserer Besonderheit, wie im Falle der sogenannten „Hochsensibilität“. In beiden Fällen ist die Krankheit ein Teil des Egos geworden, ein weiterer Teil der Identifikation. Da die Medizin immer größere Fortschritte macht, stehen die körperlichen Krankheiten nicht mehr so im Fokus und die psychischen Krankheiten wie Depression gewinnen immer mehr unsere Aufmerksamkeit.

Es gibt für einen Schüler nichts Entmutigenderes als einen Lehrplan, dem er nicht folgen kann. Sein Gefühl der Zulänglichkeit leidet darunter, und er muss sich deprimiert fühlen. Mit einer unmöglichen Lernsituation konfrontiert zu sein, ist die deprimierendste Sache der Welt. Das ist in der Tat letztendlich der Grund dafür, weshalb die Welt selbst deprimierend ist. Der Lehrplan des HEILIGEN GEISTES ist niemals deprimierend, weil es ein Lehrplan der Freude ist. Jedes Mal, wenn Depression die Reaktion auf Lernen ist, liegt das daran, dass das wahre Lernziel aus den Augen verloren wurde.
(EKIW: Kapitel 8, VII. 8.)

Das Gegenteil von Freude ist Depression. Fördert dein Lernen Depression statt Freude, so hörst du sicher nicht GOTTES freudigen LEHRER und lernst nicht SEINE Lektionen. Einen Körper als irgend etwas anderes als ein Mittel zur Kommunikation zu sehen, heißt deinen Geist begrenzen und dich selbst verletzen. Gesundheit ist deshalb nichts anderes als ein geeinter Zweck. Wenn der Körper dem Zweck des Geistes unterstellt wird, wird er ganz, weil der Zweck des Geistes eins ist. Angriff kann nur ein angenommener Zweck des Körpers sein, weil der Körper unabhängig vom Geist gar keinen Zweck hat.
(EKIW: Kapitel 8, VII. 13.)

Zu behaupten Krankheit wäre ein Geschenk, ist eine weitere wahnsinnige Idee des Egos. „Krankheit ist eine Methode, im Wahnsinn ersonnen, um GOTTES SOHN auf seines VATERS Thron zu setzen.“ und „Heilung wird in dem Augenblick vollbracht, in dem der Leidende keinerlei Wert mehr im Schmerz sieht.“ Wenn wir in Krankheit ein Geschenk sehen, sehen wir einen Wert in der Krankheit.

Dabei ist es wichtig, dass wir uns daran erinnern, dass das Denksystem des Egos zum größten Teil unbewusst ist. Einfaches „positives Denken“ bringt uns nicht die Erlösung - die Heilung im Geiste. Es ist ein Weg tief in den „Kaninchenbau“ des Egos („down the Rabbit Hole“) - in jene Tiefen unseres Unterbewusstseins, wo unsere zentralen Glaubenssätze verborgen sind. UND es ist wichtig, dass wir uns daran erinnern, dass wir die Berichtigung nicht machen können. Von uns braucht es die Bereitschaft – die Berichtigung erfolgt zu gegebener Zeit durch den HEILIGEN GEIST.

Solange wir eine Situation beurteilen, ist es nicht die WAHRHEIT. Daher ist es genau so kontraproduktiv zu einer Krankheit Ja zu sagen - wie Nein zu sagen. Krankheit ist eine gute Gelegenheit uns der Anstrengung, die durch ständiges Urteilen entsteht, bewusst zu werden. Die Entscheidung, zu urteilen, statt zu erkennen, ist die Ursache für den Verlust des Friedens. Letztlich spielt es keine Rolle, ob unser Urteil richtig oder falsch ist. So oder so setzen wir unseren Glauben in das Unwirkliche.

„Krankheit ist eine Abwehr gegen die Wahrheit.“

(EKIW, Übungsbuch, Lektion 136)

Wenn wir uns der WAHRHEIT nähern, wenn also die Wahrheit einen Augenblick lang in unserem eigenen irregeführten Geist aufsteigt und unsere ganze Welt zu wanken scheint und sich anschickt zu zerfallen, löst dies im Ego eine Angstreaktion aus. Diese Angst erschafft dann Umstände, in denen wir wesentlich leichter bereit sind, wieder den trennenden Ideen des Egos zu folgen. Diese Umstände können eine Krankheit sein - und das ist es - worauf der Begriff „Schamanenkrankheit“ oder „Initiationskrankheit“ (wörtlich: "die Krankheit, die einen auf den Weg bringt") hinweist.

Gerade dieses schnelle Vergessen der Rolle, die du beim Erzeugen deiner »Wirklichkeit« spielst, macht es aus, dass deine Abwehrmechanismen jenseits deiner eigenen Kontrolle zu sein scheinen. Doch an das, was du vergessen hast, kannst du dich wieder erinnern, vorausgesetzt, du bist willens, die Entscheidung zu überdenken, die durch Vergessen doppelt abgeschirmt ist. Dass du dich nicht erinnerst, ist nur das Zeichen, dass diese Entscheidung immer noch in Kraft ist, was deine Wünsche angeht. Sieh das nicht fälschlich als Tatsache an. Abwehrmechanismen müssen Tatsachen unkenntlich machen. Darauf zielen sie ab, und genau das tun sie.

Krankheit ist eine Entscheidung. Sie ist nicht ein Ding, das dir geschieht, völlig ungebeten, etwas, was dich schwächt und was dir Leiden bringt. Sie ist eine Entscheidung, die du triffst, ein Plan, den du entwirfst, wenn die Wahrheit einen Augenblick lang in deinem eigenen irregeführten Geist aufsteigt und deine ganze Welt zu wanken scheint und sich anschickt zu zerfallen. Jetzt bist du krank, damit die Wahrheit weggehen möge und deine Einrichtungen nicht länger bedrohe.

Wie, glaubst du, dass Krankheit es vermöchte, dich von der Wahrheit ab zuschirmen? Weil sie beweist, dass der Körper nicht von dir getrennt ist, also musst du von der Wahrheit getrennt sein. Du leidest Schmerz, weil dein Körper das tut, und in diesem Schmerz wirst du eins mit ihm gemacht. So wird deine »wahre« Identität bewahrt, und der sonderbare, quälende Gedanke, du könntest etwas jenseits dieses kleinen Häufchens Staubes sein, wird zum Schweigen gebracht und beschwichtigt. Denn sieh, dieser Staub kann dich leiden machen, deine Glieder verrenken und dein Herz anhalten, kann dir befehlen, dass du stirbst und aufhörst zu sein.

Die Wahrheit hat eine Macht, die jede Abwehr bei weitem übersteigt, denn Illusionen können nicht bestehen bleiben, wo der Wahrheit Einlass gewährt worden ist. Und sie kommt zu jedem Geist, der seine Waffen niederlegt und aufhört, mit der Torheit zu spielen. Sie wird zu jeder Zeit gefunden - heute, wenn du beschließen willst zu üben, der Wahrheit das Willkommen zu entbieten.

Jetzt ist der Körper geheilt, weil die Quelle der Krankheit der Linderung geöffnet wurde. Und du wirst aus dem Folgenden ersehen, dass du richtig geübt hast: Der Körper sollte gar nicht fühlen. Wenn du erfolgreich warst, dann wird keine Empfindung da sein, dich schlecht oder dich wohl zu fühlen, von Schmerz oder von Lust. Im Geist ist überhaupt keine Reaktion auf das, was der Körper tut. Seine Nützlichkeit bleibt übrig, sonst nichts.

Vielleicht wird dir nicht klar, dass dies die Grenzen aufhebt, die du dem Körper auferlegtest durch die Zwecke, die du ihm gegeben hattest. Werden diese weggelegt, so wird des Körpers Stärke stets genügen, um allen wahrhaft nützlichen Zwecken zu dienen. Für des Körpers Gesundheit besteht vollkommene Gewähr, weil er nicht durch die Zeit, das Wetter oder Müdigkeit, durch Essen oder Trinken oder irgendwelche Gesetze begrenzt ist, denen du ihn vordem dienen hießest. Du brauchst jetzt nichts mehr zu tun, um ihn gesund zu machen, denn Krankheit ist unmöglich geworden.

Doch dieser Schutz muss durch sorgsame Wachsamkeit erhalten werden. Wenn du zulässt, dass dein Geist Angriffsgedanken hegt, dem Urteilen nach gibt oder Pläne gegen zukünftige Ungewissheiten schmiedet, dann hast du dich wieder falsch eingeordnet und eine körperliche Identität gemacht, die den Körper angreift, denn der Geist ist krank.


(EKIW, Übungsbuch, Lektion 136, 5./7./8./14./17./18./19.)

Was ist das einzige Erfordernis für diesen Wechsel in der Wahrnehmung? Es ist einfach dies: die Einsicht, dass Krankheit vom Geist ist und mit dem Körper nichts zu tun hat. Was kostet diese Einsicht? Sie kostet die ganze Welt, die du siehst, denn die Welt wird nie wieder so erscheinen, als beherrsche sie den Geist. Denn mit dieser Einsicht wird die Verantwortung dem gegeben, wo sie hingehört, nicht der Welt, sondern ihm, der auf die Welt schaut und sie sieht, wie sie nicht ist. Er schaut auf das, was er zu sehen wählt. Nicht mehr und nicht weniger. Die Welt tut ihm nichts. Er dachte nur, sie täte es. Auch tut er der Welt nichts, weil er sich in dem irrte, was sie ist. Hierin liegt die Befreiung sowohl von Schuld als auch von Krankheit, denn sie sind eins. Doch um diese Befreiung anzunehmen, muss die Belanglosigkeit des Körpers eine annehmbare Idee sein.
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 5. II. 3.)

Wenn wir uns also der WAHRHEIT nähern, taucht Angst auf, Todesangst und auch die Angst verrückt zu werden, sind meist ein Teil dieser Erfahrung. Im Kern ist es reine nackte Angst - ganz ohne Geschichte.

"Im Angesicht des Todes wird das Selbst des Menschen geboren."
(Augustinus)

Wenn uns die Angst nicht gleich in Form konkreter Angst zu sterben, oder einer Nahtoderfahrung, begegnet, sondern in Form einer Krankheit, besteht die größte Herausforderung darin, wieder aus der Angst herauszufinden, denn dabei kann uns der HEILIGE GEIST nicht unterstützen, dafür sind wir selbst verantwortlich.

Für die Berichtigung der Angst bist du verantwortlich. Wenn du um Befreiung von der Angst bittest, sagst du damit, dass du es nicht bist. Statt dessen solltest du in jenen Umständen um Hilfe bitten, die die Angst verursacht haben. Diese Umstände bringen stets eine Bereitschaft, getrennt zu sein, mit sich. Auf dieser Ebene kannst du etwas ändern. Du bist viel zu nachsichtig gegenüber dem Umherschweifen von Gedanken und entschuldigst stillschweigend die Fehlschöpfungen deines Geistes. Das jeweilige Ergebnis ist nicht von Belang, der grundlegende Irrtum jedoch ist es. Die Berichtigung ist immer dieselbe. Bevor du beschließt, irgend etwas zu tun, frage mich, ob deine Entscheidung mit der meinen in Einklang ist. Wenn du sicher bist, dass das der Fall ist, wird keine Angst da sein.
(EKIW: Kapitel 2, VI. 4.)


Kummer
Dieser Schmerz soll dich nicht traurig machen, denk daran.
Diese Lektion wird immer wieder missverstanden.
Der Schmerz ist dazu da, dich wacher zu machen.
Die Menschen wachen nur auf, wenn der Pfeil tief ins Herz geht und sie verwundet.
Ansonsten wacht man nicht auf. Wenn das Leben einfach, bequem und problemlos ist,
wer macht sich dann die Mühe? Wer will schon wach werden?
Wenn du in deiner Einsamkeit weinst – das sind Gelegenheiten, die du nutzen kannst,
um bewusst zu werden. Tiefer Kummer kann uns eine große Transformation bringen.
Dafür müssen wir an die Wurzeln unserer Schmerzen gehen und sie so spüren wie sie sind,
ohne Selbstmitleid und ohne andere zu beschuldigen.
(Osho)


Wir haben bis jetzt das Thema Krankheit aus der einzig relevanten Position – aus Sicht der Vergebung im Moment - betrachtet. Nun wollen wir der Vollständigkeit halber das ganze Geschehen von einer Perspektive innerhalb der Illusion der Zeit aus betrachten.

Wir wählen ein Leben - einen Traum - auf der Ebene der Form, das am besten unserer Erlösung dient. Die Details des jeweiligen Traumlebens stehen schon fest, und danach wählen wir das nächste Traumleben, dessen Details schon feststehen. Freiheit oder einen freien Willen gibt es in diesem Traumleben für uns nur insofern, als wir bei allem zwischen der Interpretation des HEILIGEN GEISTES und der des Egos wählen können. Inwieweit wird das tun und wahre Heilung erleben, entscheidet über die Qualität unserer Erfahrung in diesem Leben, im Zwischenleben ebenso, wie darüber, welches Leben wir danach erfahren!

Wenn wir uns also dem Ende unserer Traumreise nähern werden wir ein Leben wählen das dem Erwachen am besten dient. Insofern kann es sinnvoll sein ein Traumleben mit einer körperlichen Krankheit zu wählen, weil dies unseren Wunsch nach dem Aufwachen verstärkt. Ob und wann wir es dann nutzen um aufzuwachen, oder nicht, entscheidet sich im JETZT.

Der Geist der sich mit der Figur im Traum, die wir Ramana Maharshi nennen, identifiziert hat, hat die Gelegenheit schon mit 16 Jahren genutzt und so war der Krebs am Ende seines Traumlebens gar nicht mehr notwendig fürs Erwachen. Da er aber Teil dieses Traumlebens war, ist er passiert, war aber kein Problem mehr, weil der Geist nicht mehr mit dem Körper identifiziert war. Ramana Maharshi hat den Körper für dessen einzig wahren Zweck genutzt - als Kommunikationsmittel - um Zeugnis dafür abzulegen, dass wir nicht der Körper sind!

Der Wert eines Lebens bemisst sich nicht an seiner Dauer
und nicht an seinem Inhalt auf der Ebene der Form -
sein Wert besteht in seinem Beitrag zur Erlösung.



Das Enneagramm im Spiegel des Kurses

Das Enneagramm wird meistens als psychologische Typenlehre verstanden. Hier hingegen wird das Enneagramm als Fenster zur wahren Realität benutzt, so, wie sie ein erwachtes Bewusstsein erfährt. Wir entdecken, dass die Entwicklung unserer jeweiligen psychologischen Fixierungen auf der Tatsache beruht, dass wir von unserer wahren Natur - unserer SOHNSCHAFT - abgetrennt sind.

Wir können nicht wirklich eine Definition dessen geben, was das Ego ist, aber wir können sagen, was es nicht ist. Und das wird uns mit vollkommener Klarheit gezeigt. Und eben daraus leiten wir alles ab, was das Ego ist. Schau auf sein Gegenteil, und du kannst die einzige Antwort sehen, die von Bedeutung ist.
(EKIW: Begriffsbestimmung, 2. 4.)

Am Weg der Selbsterkenntnis – der Erkenntnis unseres wahren SELBST – zeigt uns das Enneagramm sehr genau unser falsches Selbstkonzept. Das Enneagramm beschreibt also sehr genau, was wir in Wahrheit nicht sind. Es beschreibt also keine Fehler, sondern lediglich neun Alpträume. Es geht nicht darum unseren Alptraum zu verbessern, sondern darum, aus dem Alptraum zu erwachen. Wenn wir versuchen uns, auf der Ebene der Psychologie des Enneagramms, zu verbessern, stärken wir unser Ego - wir stärken die Illusion, anstatt uns der WAHRHEIT zu nähern.

Solange wir noch nicht wach sind, versuchen wir uns des Alptraums, in dem wir uns befinden, so gut als möglich gewahr zu werden, ohne ihn für wahr zu nehmen. Wir versuchen daher auch nicht, ihn zu verbessern, weil das nur unsere Motivation schwächen würde, daraus aufwachen zu wollen. Solange wir versuchen den Wahnsinn in einem unserer Brüder zu berichtigen, sprechen wir dem jeweiligen Alptraum Realität zu, die er aber nicht hat. Verhält sich also ein Mitmensch wahnsinnig, wie im Enneagramm beschrieben, so können wir ihn nur dadurch heilen, dass wir die Wahre Natur, die völlige geistige Gesundheit, in ihm wahrnehmen und damit für wahr nehmen - im Wissen, dass genau das, was das Enneagramm so wunderbar beschreibt, nur ein böser Alptraum, ein Irrtum, eine Illusion ist.

Fehler stammen vom Ego, und die Berichtigung von Fehlern liegt darin, das Ego aufzugeben. Auch wenn dein Bruder unvernünftig ist, wenn er aus dem Ego spricht. Deine Aufgabe bleibt es aber dennoch, IHM zu sagen, dass er recht hat. Das Ego irrt sich immer, gleichgültig, was es sagt oder tut.
(EKIW: Kapitel 9, III. 2. Auszug)

Verhält ein Bruder sich wahnsinnig, so kannst du ihn nur dadurch heilen, dass du die geistige Gesundheit in IHM wahrnimmst. Wenn du seine Fehler wahrnimmst und sie akzeptierst, dann akzeptierst du deine.
(EKIW: Kapitel 9, III. 5. 1.-2.)

Es liegt nicht bei dir, deinen Bruder zu verändern, sondern lediglich, ihn so anzunehmen, wie er ist. Jeder Versuch, den du unternimmst, um einen Bruder zu berichtigen, bedeutet, dass du glaubst, Berichtigung durch dich sei möglich, und das kann nur die Arroganz des Ego sein. Berichtigung stammt von GOTT, DER von Arroganz nichts weiß.
(EKIW: Kapitel 9, III. 6.4. & 7.8)

Enneagramm Symbol

Menschen sind einzigartig. Unsere ganz individuelle Lebensgeschichte ist nicht austauschbar. Und dennoch: Wir weisen bei näherem Hinsehen auch viel Typisches auf, das uns anderen ähnlich macht. Menschen lassen sich also auch Typen zuordnen. Warum ist das so?

Es liegt daran, dass die Grundstruktur des Egos auf der Illusionen von Trennung und Mangel beruht und dies für jeden Menschen gleich ist. Die Bedürfnisse des Egos sind deswegen so zentral, weil sie seinem Überleben dienen. Neben den physischen Bedürfnissen wie Essen und Trinken, zählen dazu die psychischen Bedürfnisse nach Selbstbestimmung (Autonomie), Anerkennung (Liebe) und Sicherheit.

In der Tiefe sind alle Egos gleich, aber an der Oberfläche zeigt sich, dass es unterschiedliche Facetten der zentralen Trennungs- und Mangelerfahrung gibt und in Folge unterschiedliche Charakterfixierungen existieren – die neun Typen des Enneagramms. Es lassen sich also ganz spezifische Beweggründe für unser Handeln erkennen, die unser Leben bestimmen.

Somit ist das - was üblicherweise als freier Wille erlebt wird – schon allein aus psychologischer Sicht eine Illusion. Solange wir unsere Charakterfixierung nicht erkannt und transformiert haben, sind wir Marionetten unserer Muster.

Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.
Arthur Schopenhauer

Um unsere Charakterfixierung zu erkennen, ist es hilfreich sich mit der psychologischen Dimension der neun Typen des Enneagramms zu beschäftigen. Ein Enneagramm-Skriptum, das sich mit den psychologischen Aspekten beschäftigt, kannst du dir hier runter laden. Auch wenn dieses Skriptum vor einem wirtschaftlichen Hintergrund und nicht in einem spirituellen Kontext geschrieben wurde, so ist die jeweils eine Seite, über die psychologischen Aspekte der neuen Typen, durchaus hilfreich beim Erkennen des eigenen Typs:

Enneagramm Skriptum

Aus psychologischer Sicht sieht es so aus, als handelt es sich um elementare Mangelerfahrungen in der Kindheit, aus denen sich diese prägenden Verhaltensmuster (Charakterfixierungen) gebildet hätten. Das ist nicht die Wahrheit aus ganzheitlicher Sicht. Die rein psychologische Sichtweise führt leicht zu Schuld und Opfer Szenarien. Wir fühlen uns dann als Opfer, irgend eines Fehlverhaltens, unserer Eltern und damit stärken wir die Ego-Illusion, anstatt uns davon zu lösen.

In Wahrheit gibt es keine Zeit und daher auch keine zeitlichen Ursache-Wirkungs-Mechanismen. Unsere Vergangenheit ist nur ein Aspekt unseres Ego-Denksystems. Es geht darum unser Denken über die Welt zu ändern und nicht darum, zu versuchen die Welt zu ändern. Alles was wir an Bildern, über unsere Vergangenheit, in unserem Geist finden und all das was in Aufstellungen, oder schamanischen Reisen sichtbar wird, sind nur Bilder – also Symbole unseres Denksystems. Es gilt diese Bilder als Symbole zu verstehen und unser Denken zu verändern und nicht zu versuchen die Symbole selbst zu ändern. Nicht unser Vater oder unsere Mutter müssen sich ändern, sondern wir müssen unser Denken über unsere Eltern ändern. Ansonsten bleiben wir, ein Leben lang, ein von unseren Eltern abhängiges Kind.

Die drei Grundfixierungen aus Sicht der drei Grundbedürfnisse

Eine elementare Mangelerfahrung hinsichtlich eines der drei psychischen Bedürfnisse nach Selbstbestimmung (Autonomie), Anerkennung (Liebe) und Sicherheit führt zu den drei Grundfixierungen, die im Enneagramm üblicherweise mit Bauch-(8, 9, 1), Herz-(2, 3, 4) und Kopf-(5, 6, 7)Typen beschrieben werden.

Auf diese drei Mangelerfahrungen wird mit wiederum drei unterschiedlichen Strategien reagiert und somit ergeben sich die neun Typen des Enneagramms:

Sicherung der Selbstbestimmung (Autonomie):

Macht (8): Handeln, Kontrolle und die Durchsetzung des eigenen Willens sollen die Selbstbestimmung (Autonomie) bewahren.

Konsens (9): Verständnis, Ausgleich und Verzicht auf Egoismus sollen die Selbstbestimmung (Autonomie) bewahren.

Prinzipien (1): Regeleinhaltung, Fehlervermeidung und Selbstkontrolle sollen die Selbstbestimmung (Autonomie) bewahren.

Sicherung von Anerkennung (Liebe):

Beziehungen (2): Geben, Helfen und andere beraten bringen Anerkennung (Liebe).

Wettbewerb (3): Leistung und Erfolg im Wettbewerb sorgen für Anerkennung (Liebe).

Gefühle (4): Authentizität und ein unverwechselbarer Stil verschaffen Anerkennung (Liebe).

Sicherung von Sicherheit:

Gedanken (5): Beobachten, Denken und Abstand halten geben Sicherheit.

Probleme (6): Probleme, Risiken, Gefahren aufspüren und bewältigen geben Sicherheit.

Genuss (7): Optimismus, positives Denken und Wahlmöglichkeiten geben Sicherheit.

Die Grundfixierungen

Eine elementare Mangelerfahrung hinsichtlich eines der drei psychischen Bedürfnisse nach Selbstbestimmung (Autonomie), Anerkennung (Liebe) und Sicherheit führt zu den emotionalen Reaktionen von Zorn, Hysterie und Bedürftigkeit, sowie Angst und Zweifel.

Hierbei wird die Grundenergie von Bauch, Herz und Kopf entweder gegen sich selbst (1, 4, 5), oder nach außen (8, 2, 7) gerichtet, oder es besteht überhaupt kein Kontakt (9, 3, 6) dazu.


Grundfixierungen


Die drei Triebvarianten

Das Enneagramm ist ein sehr komplexes System. Darin liegt seine Qualität und gleichzeitig stellt dies eine Falle dar, denn das Ego liebt Komplexität. Es ist wie jedes Modell, und auch wie der Kurs selbst, nur ein Hilfsmittel auf dem Weg. Das Enneagramm ist, zu Beginn der Beschäftigung mit dem Thema Ego, ein ganz besonderes Hilfsmittel, es kommt aber auch der Zeitpunkt, wo es dieses wunderbare Hilfsmittel wieder los zu lassen gilt.

Die Komplexität des Enneagramms besteht darin, dass es neben den neun Typen, noch Flügeln und Triebvarianten beschreibt. Die Triebvarianten sind ein äußerst hilfreicher Aspekt. Natürlich gibt es Triebe nicht wirklich, sie sind genau wie der Körper, nur eine Projektion des Ego-Geists, aber als Symbol sind sie äußerst hilfreich. Zu glauben von seinen Trieben gesteuert zu sein, ist nur ein Irrtum im Geist und keine Wirklichkeit. Wir benutzen sie in Folge als Symbol.

Das Leben eines jeden Tieres wird von drei Urinstinkten gelenkt und bestimmt. Diese Urtriebe sorgen für die Arterhaltung. Solange unser Bewusstsein mit dem Körper identifiziert ist, wird auch das Leben eines Menschen von diesen drei Trieben gelenkt. Das Enneagramm nennt diese drei Triebe den Selbsterhaltungs-, denn sexuellen und den sozialen Trieb.

Die ganze Ausbeutung und Zerstörung des Planeten kann man als Folge dieser drei Triebe betrachten. Diese drei Triebe werden in der egobezogenen Suche nach Glück sublimiert und durch die Leidenschaft der jeweiligen Fixierung ausgelebt.

Im Hindu-Yoga-System haben die drei Triebe einen direkten Bezug zu den drei untersten Chakren des feinstofflichen Körpers. Im Yoga-System des Erwachens soll die Kundalini, die Lebenskraft, von der man sagt, sie befindet sich am unteren Ende des Rückgrats, unmittelbar ins Herzchakra aufsteigen. Es ist dieses Durchdringen des Herzens, dass die Erleuchtung Christi meint. Das persönliche Ego löst sich im allumfassenden Einssein auf. Diese Transzendenz des Ego ist das wahre menschliche Potenzial, und es ist die Forderung der jetzigen Zeit.

Es kam selten vor, dass ein Individuum bereit war, das höchste "Opfer" darzubringen und sich dem ausagieren der Fixierung zu verweigern. Aus diesem Grund werden Buddha und Jesus noch nach Jahrtausenden verehrt. Es liegt auf der Hand, dass das Erwachen einer seltenen Seele in einer Generation nicht ausreicht. Jeder von uns, einer um den anderen, musst gewillt sein, den Sprung vom Tierischen zum Göttlichen zu wagen. Aufgrund des Enneagramms ist das kein Konzept, sondern ein sehr konkreter Prozess, der es uns ermöglicht, über die Selbstsucht hinauszugehen. Selbstsucht wird nicht dadurch transzendiert, dass etwas Bestimmtes getan wird, sondern durch die vollständige Bereitschaft, selbstsüchtiges Tun ganz aufzugeben. Nichts kann durch Verdrängung oder Verleugnung überwunden werden. Wir können nicht über die Fixierung hinaus gelangen, indem wir sie weg wünschen oder sie spiritualisieren oder indem wir uns denken: "Sie existiert ja nicht wirklich." Selbstsucht lässt sich nur überwinden, wenn wir uns im Angesicht der Fixierung, während sie mit der Kraft einer Flutwelle über uns hereinbricht, nicht bewegen.

Solange das Leben auf der Grundlage von Überleben, Sex und sozialem Status gelebt wird, ist es ein Leben, das dem Ego dient. Es ist bemerkenswert, das vollständige Erfüllung, tiefer Frieden und wahre Liebe in einem selbstlosen Leben gefunden werden. In einem selbstlosen Leben wird überall das wahre Selbst gefunden.

Die Leidenschaft einer Fixierung speist sich vorrangig aus einem der drei Triebe. Auf dem Weg der Selbsterkenntnis ist es wichtig, diesen dominanten Trieb zu erkennen, weil von ihm das Ego am stärksten angetrieben wird.

Facetten der Einheit

Die Begriffe Heilige Idee, spezifische Verblendung, spezifische Schwierigkeit und spezifische Reaktion stammen aus dem Buch Facetten der Einheit von A. H. Almaas.

Was im Kurs als Falschgesinntheit und Rechtgesinntheit bezeichnet wird, nennt A. H. Almaas die egoische Sicht und die objektive Sicht.

In der Sicht eines Menschen auf dem spirituellen Weg besteht die Wahrnehmung, dass sich der schöpferische Fluss als optimierende Schubkraft manifestiert, die ihn in die Harmonie bringt. Wenn wir der Realität erlauben, sich zu entfalten, ohne uns einzumischen, sehen wir, dass sich unsere Erfahrung der Realität spontan zur Harmonie und zum Gewahrsein der Harmonie entwickelt. Die optimierende Schubkraft der Realität bewegt unsere Erfahrung unserer selbst und der Welt zum erleuchteten Zustand, das heißt, zur Wahrnehmung der objektiven Realität, wie sie in den neun Heiligen Ideen enthüllt wird, und zum Verweilen in ihr. Das was A. H. Almaas als „die optimierende Schubkraft der Realität“ bezeichnet, ist das was der Kurs HEILIGER GEIST nennt.

Eine ganz besondere Möglichkeit, das Heilige Gesetz zu erfahren, ermöglicht uns ein vollständigeres Verständnis von ihm. Hier erfahren wir das Sein als inhärent dynamische Präsenz. Die Dynamik ist absolut untrennbar vom Sein. Es verändert seine Erscheinung ständig, ohne dass es einen Veränderten oder einen Verändernden gibt. Das Sein also eine lebendige, überschäumende, dynamische, energievolle Präsenz, deren Dynamik und Bewegung nie von ihrer Stille ablenken. Den Selbstoffenbarenden Aspekt des Seins zu sehen bedeutet, die Tiefe des Gewahrseins, das als die Formen der Manifestation erscheint, intim zu würdigen und wahrzunehmen, dass das Göttliche Gewahrsein nie verlassen wird, wenn Form auftaucht.

Die drei theologischen Tugenden des Christentums - Glaube, Liebe, Hoffnung - werden von den Heiligen Ideen der Enneagramm Typen Sechs, Neun und Drei repräsentiert. Es sind dies die drei Punkte des inneren Dreiecks im Enneagramm. Sie bilden das jeweilige Zentrum der Kopf-, Bauch- und Herz-Bereiche.

Der folgende Abschnitt enthält eine Auflistung der zentralen Themen der neun Charakterfixierungen, ohne Berücksichtigung der drei Triebvarianten. Wenn wir die drei Triebvarianten mit den neun Fixierungen kombinieren, haben wir ein Modell mit 27 Typen.

Acht

Heilige Idee: Wahrheit (alles ist eins)
Spezifische Verblendung: Dualität
Spezifische Schwierigkeit: schuldig sein
Spezifische Reaktion: sich beschuldigen => Rache üben
Hauptmerkmal: Vergeltung
Leidenschaft: Wollust

Neun

Heilige Idee: Liebe
Spezifische Verblendung: Lokalisierte Liebe
Spezifische Schwierigkeit: Minderwertigkeit
Spezifische Reaktion: die Wirklichkeit verschlafen (oberflächliches Leben)
Hauptmerkmal: Trägheit
Leidenschaft: Bequemlichkeit

Eins

Heilige Idee: Vollkommenheit
Spezifische Verblendung: Endgültigkeit von Werturteilen (richtig und falsch)
Spezifische Schwierigkeit: falsch (unvollkommen) sein
Spezifische Reaktion: uns selbst und anderen beweisen, dass wir richtig sind
Hauptmerkmal: Groll
Leidenschaft: Zorn

Zwei

Heilige Idee: Wille (Gott), Freiheit (Mensch)
Spezifische Verblendung: getrennte Wesen mit eigenen Willen
Spezifische Schwierigkeit: gedemütigte Kastration (in Folge der Erfahrung nicht seinen Willen zu bekommen)
Spezifische Reaktion: eigenmächtiges Handeln
Hauptmerkmal: Schmeichelei
Leidenschaft: Stolz

Drei

Heilige Idee: Hoffnung
Spezifische Verblendung: Glaube an einen getrennten, unabhängigen Handelnden
Spezifische Schwierigkeit: durch Selbstverurteilung charakterisierte Hilflosigkeit
Spezifische Reaktion: "Streben" (ständiges, besessenes und zwanghaftes Bedürfnis aktiv zu sein und etwas zu tun, zu erreichen und erfolgreich zu sein)
Hauptmerkmal: Effizienz
Leidenschaft: Täuschung

Vier

Heilige Idee: Ursprung
Spezifische Verblendung: der Glaube, ein originelles, einzigartiges und unabhängiges Ich zu sein
Spezifische Schwierigkeit: sich unverbunden, entfremdet, ausgestoßen und verlassen zu fühlen
Spezifische Reaktion: der Versuch, seine eigene Erfahrung zu kontrollieren, um das Gefühl von abgetrennt hat nicht zu spüren
Hauptmerkmal: Melancholie
Leidenschaft: Neid

Fünf

Heilige Idee: Allwissen, Transparenz (Teil eines Ganzen sein, weil Grenzen transparent, ein Kind Gottes sein)
Spezifische Verblendung: isoliertes Individuum mit trennenden Grenzen
Spezifische Schwierigkeit: defizitäre Isolation
Spezifische Reaktion: sich zurückziehen
Hauptmerkmal: Zurückgezogenheit
Leidenschaft: Habsucht

Sechs

Heilige Idee: Glaube
Spezifische Verblendung: Zynismus (mangelnder Glaube an das grundlegende Gutsein des Menschen)
Spezifische Schwierigkeit: ängstliche Unsicherheit und Misstrauen
Spezifische Reaktion: defensives Misstrauen
Hauptmerkmal: Paranoia
Leidenschaft: Zweifel

Sieben

Heilige Idee: Plan
Spezifische Verblendung: der Glaube, man könne seine eigene Entfaltung dirigieren
Spezifische Schwierigkeit: die Heilige Arbeit nicht zu verstehen
Spezifische Reaktion: den Heiligen Plan nicht zu verstehen
Hauptmerkmal: Planen
Leidenschaft: Unersättlichkeit


Das Zwölf-Schritte-Programm im Spiegel des Kurses

Das Zwölf-Schritte-Programm ist ursprünglich ein Programm der Anonymen Alkoholiker, das Alkoholikern zur Abstinenz vom Alkohol und zu einem neuen Lebensstil verhelfen soll.

Das Programm wurde in den 1930er Jahren von William Griffith Wilson und Robert Holbrook Smith als Blaues Buch festgehalten und erläutert. Zielgruppen waren sowohl Alkoholiker als auch Ärzte, Therapeuten und Vertreter religiöser Gruppen, die Trunksüchtigen helfen wollten.

Zwölf-Schritte-Gruppen, Anonyme Gruppen oder A-Gruppen sind Selbsthilfegruppen, die sich nach dem Zwölf-Schritte-Programm richten. Nach dem Vorbild der Anonymen Alkoholiker haben sich auch Gruppen zu anderen Problemen gebildet und das Programm inhaltlich entsprechend angepasst.

Die zwölf Schritte

Mitgliedern in Zwölf-Schritte-Gruppen wird empfohlen, auf freiwilliger Basis die Zwölf Schritte durchzuarbeiten, eine Bedingung für die Teilnahme an den Treffen ist das nicht.

Die Zwölf Schritte sind im Originalwortlaut urheberrechtlich geschützt, deshalb hier eine von Wikipedia vorgenommene textliche Abwandlung:
  1. Anerkennen, dass man seinem eigenen Problem gegenüber machtlos ist. Das können beispielsweise Substanzabhängigkeit oder, je nach Thematik der Gruppe, auch andere Problematiken sein. Zugeben, dass man sein „tägliches Leben“ nicht mehr bewältigen kann.
  2. Zum Glauben kommen, dass nur eine Macht, die größer als man selbst ist, die eigene geistige Gesundheit wiederherstellen kann. Ursprünglich wurde hier für „Macht, größer als man selbst“ das Wort „Gott“ eingeführt. Um die Gruppen aber auch nichtreligiösen Personen zu öffnen, wählte man die neue Formulierung.
  3. Den Entschluss fassen, seinen Willen und sein Leben der Sorge Gottes, wie ihn jeder für sich versteht, anzuvertrauen.
  4. Eine gründliche und furchtlose Inventur seiner selbst machen.
  5. Vor sich selbst und gegenüber einem anderen Menschen sein begangenes Fehlverhalten eingestehen.
  6. Die Bereitschaft, Verhaltensweisen, die das Leben behindern, von Gott entfernen zu lassen.
  7. Demütig darum bitten, dass Gott sämtliche persönliche „chronische das Leben behindernde Verhaltensweisen“ beseitigt.
  8. Auflistung aller Personen, denen man Unrecht getan und Schaden zugefügt hat, und die Bereitschaft und den Willen zur Wiedergutmachung entwickeln.
  9. Wo immer möglich, diese Personen entschädigen, außer, wenn sie oder andere dadurch verletzt würden.
  10. Die „innere Inventur“ fortsetzen und zugeben, wenn man im Unrecht ist.
  11. Durch „Gebet und Besinnung“ versuchen, eine tiefe bewusste Beziehung zu Gott, wie ihn jeder für sich selbst versteht, zu verbessern und um die Erkenntnis beten, seinen Willen zu sehen und die Kraft, ihn umzusetzen.
  12. Nach der nun erfahrenen „spirituellen Erweckung“ versuchen, die Botschaft (wie der Einzelne die Schritte für sich genutzt hat und weiter danach lebt) an andere Betroffene weiterzugeben und seinen Alltag nach den Grundsätzen der jeweiligen Zwölf-Schritte-Gruppe auszurichten.

Zusammenkünfte

Die Gruppen dienen der Selbsthilfe. Alkoholiker helfen Alkoholikern, Angehörige Angehörigen. Sie treffen sich regelmäßig, meist wöchentlich zu gemeinsamen Zusammenkünften, in den Gruppen werden diese Treffen als Meetings bezeichnet. Es bleibt jedem Teilnehmer überlassen, ob und wie häufig er die Treffen besucht.

Die Treffen werden ausschließlich von den Betroffenen selbst organisiert. Ein Vorsitzender moderiert. Dieser Dienst wird entweder durch Wahl oder nach Rotationsprinzip besetzt und kann von jedem Teilnehmer übernommen werden. Weder der Vorsitzende noch andere Dienste haben eine hierarchische Sonderstellung. Es gibt kein Therapeuten-Klienten-Verhältnis.

Die Gruppen bestimmen den Ablauf der Gruppentreffen selbst. Der typische Ablauf enthält folgende Elemente: Vorstellungsrunde („Ich heiße Bill, ich bin Alkoholiker.“ – „Hi, Bill!“); Vorlesen von Präambel, Zwölf Schritten und Zwölf Traditionen; gemeinsames Sprechen des Gelassenheitsgebets. Häufig werden auch Texte aus der Literatur vorgelesen. Je nach Gruppe kommen weitere Elemente hinzu.

Den größten Raum bei den Treffen nimmt das „Teilen von Erfahrung, Kraft und Hoffnung“ ein. Die Teilnehmer sprechen über ihre Erfahrungen. Sie können frei über alles sprechen, was sie bewegt. Die anderen Teilnehmer dürfen weder Feedback noch ungefragte Ratschläge geben.

Epilog

Die Grundhaltung hinter diesem Programm ist auch die Grundhaltung hinter der Arbeit auf persönlicher Ebene mit dem Kurs. Der Kurs geht nur über das Ziel des Zwölf-Schritte-Programms hinaus und darin besteht ein grundsätzlicher Unterschied. Ziel des Kurses ist es nicht auf der persönlichen Ebene wieder ein glückliches Leben zu führen, sondern aus der Illusion einer Person zu erwachen. Ein sich auf diesem Weg einstellender glücklicher Traum ist nur ein Nebeneffekt, aber nicht das Ziel selbst.

Die Grundhaltung und Organisation des Zwölf-Schritte-Programms sind auch Teil der auf dieser Homepage erwähnten WunderGruppe.

Aus Sicht der neun Typen des Enneagramms könnten die einleitenden Worte folgendermaßen lauten:
  1. Ich lebe in der Illusion recht zu haben.
  2. Ich lebe in der Illusion zu helfen.
  3. Ich lebe in der Illusion Erfolg zu haben.
  4. Ich lebe in der Illusion anders zu sein.
  5. Ich lebe in der Illusion den Durchblick zu haben.
  6. Ich lebe in der Illusion meine Pflicht zu tun.
  7. Ich lebe in der Illusion glücklich zu sein.
  8. Ich lebe in der Illusion stark zu sein.
  9. Ich lebe in der Illusion zufrieden zu sein.


The Work of Byron Katie im Spiegel des Kurses

Byron Katie, die vor allem als Gründerin der Methode The Work bekannt ist, wuchs in Südkalifornien auf. Als erfolgreiche Geschäftsfrau und Mutter dreier Kinder lebte sie auch in Kalifornien. Ab Mitte der 1970er Jahre litt sie an schweren psychischen Problemen (Alkoholismus, Depressionen, Esssucht, Nikotin- und Medikamentenabhängigkeit, Gewalttätigkeit) und war in therapeutischer Behandlung. Seit 1986 entwickelte sie aus ihrer eigenen, überwundenen Krise heraus die Methode The Work, die sie auf Vortrags- und Workshop-Reisen in vielen Ländern vermittelt. Bekannt wurde sie mit dem Buch
Lieben was ist – Wie vier Fragen Ihr Leben verändern können.

Eines Morgens, in ihrer tiefsten Verzweiflung, hatte Sie eine alles im Leben verändernde Erkenntnis. Katie entdeckte, dass sie litt, wenn sie ihre Gedanken glaubte und dass sie nicht litt, wenn sie diese Gedanken nicht glaubte. Die Ursache für ihre Depression war nicht die Welt um sie herum, sondern ihre Überzeugungen über die Welt um sie herum. In einem Geistesblitz erkannte sie, dass wir uns in unserer Suche nach Glück in die falsche Richtung begeben. Anstatt den hoffnungslosen Versuch zu starten, die Welt so verändern zu wollen, wie sie unseren Gedanken gemäß sein “sollte”, können wir diese Gedanken hinterfragen, und indem wir der Wirklichkeit so begegnen, wie sie ist, erfahren wir unvorstellbare Freiheit und Freude. Infolgedessen wurde eine bettlägerige, selbstmordgefährdete Frau von Liebe erfüllt für alles, was das Leben bringt.

Wahrnehmung wird durch Projektion erzeugt. Die Welt, die du siehst, ist das, was du ihr gegeben hast, nicht mehr als das. Doch wenn sie auch nicht mehr als das ist, ist sie auch nicht weniger. Deswegen ist sie für dich wichtig. Sie ist das Zeugnis für den Zustand deines GEISTES, das äußerliche Bild eines inneren Zustands. Wie ein Mensch denkt, so nimmt er wahr. Suche deshalb nicht, die Welt zu ändern, sondern entscheide dich, dein Denken über die Welt zu ändern. Die Wahrnehmung ist eine Folge und nicht eine Urs ache. Das ist der Grund, weswegen eine Rangordnung der Schwierigkeit bei Wundern bedeutungslos ist. Alles, was mit der Schau betrachtet wird, ist geheilt und heilig. Nichts, was ohne sie wahrgenommen wird, bedeutet irgend etwas. Und wo keine Bedeutung ist, da ist Chaos.
(EKIW: Kapitel 21, Einleitung, 1.)

The Work macht also genau das, was auch das Ziel des Kurses ist - eine Umkehrung im Denken um 180° und sie dient dazu sich seiner Urteile und ihrer Konsequenzen bewusst zu werden! The Work bietet allerdings kein geschlossenes Weltbild, keine in sich geschlossene Metaphysik, an, vor deren Hintergrund diese Umkehr im Denken stattfinden soll. The Work kann den Kurs nicht ersetzen, aber sie ist eine wunder-volle Hilfe am Beginn des Weges.

The Work

Die vier Fragen

The Work ist eine Methode, die aus vier Standardfragen, bezogen auf die Überzeugung des psychisch Leidenden, besteht. Diese lauten:
  1. Ist das wahr?
  2. Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
  3. Wie reagierst du, was passiert in dir, wenn du diesen Gedanken glaubst?
  4. Wer wärst du ohne den Gedanken?
Byron Katie unterstützt die dritte Frage üblicherweise durch weiteres Nachfragen wie beispielsweise: Die Umkehrung

Die Umkehrungen stellen den wichtigsten Schritt der Arbeit dar. Es gilt die ursprüngliche Aussage umzukehren. Die Umkehrungen sind eine Möglichkeit, das Gegenteil von dem zu erfahren, was wir für wahr halten. Es geht darum, eine Möglichkeit zu entdecken, die uns Frieden bringt.

Beispiel: Der Drängler auf der Autobahn

Ich fahre auf der Autobahn, dicht hinter mir ein Drängler, der die Lichthupe eifrig bedient. Meine Reaktion? Ärger, Herzklopfen, Bauchschmerzen, Gedanken wie: "Dieser Idiot! Der Wahnsinnige sollte das nicht tun! Niemand sollte mich so bedrängen!"

1. Ist es wahr, dass er das nicht tun sollte?

Es ist nicht wahr, denn Menschen tun so etwas, immer wieder. Egal, was ich darüber denke, sie ändern sich nicht. Ich sehe den Widerspruch zwischen dem, was ist, und dem, was ich denke, wie es sein sollte.

2. Kann ich wirklich wissen, dass das wahr ist, dass er das nicht tun soll?

Nein, das kann ich nicht hundertprozentig wissen. Vielleicht will er mich auf etwas aufmerksam machen? Vielleicht hat der eine schwangere Frau im Auto? Vielleicht ist er auf dem Weg ins Spital zu seinem in Lebensgefahr schwebenden Kind?

3. Wie reagiere ich, wenn ich denke, dass er das nicht tun soll?

Ich spüre Herzklopfen, Unruhe, ein unangenehmes Gefühl in der Magengrube. Ich spüre Hass. Ich konzentriere mich nicht mehr auf mein eigenes Fahrverhalten, ich sehe die schöne Landschaft nicht mehr. Ich genieße die Fahrt nicht mehr. Ich würde den Mann am liebsten auffahren lassen, indem ich plötzlich bremse. Ein vielleicht sogar selbstmörderische Gedanke. Gäbe es einen Grund, diesen Gedanken festzuhalten? Nein. Gäbe es Gründe ihn loszulassen? Jede Menge.

4. Wer wäre ich, wenn ich den Glaubenssatz "Niemand sollte mich so bedrängen!" fallen lassen würde? Wie ginge es mir dann?

Ich wäre gelassen, ruhig, ich würde nach rechts fahren und den Mann vorbeilassen, ich würde mich körperlich wohler fühlen, ich könnte meine Fahrt wieder genießen. Während ich die kleine Übung absolviere, spüre ich schon deren Wirkung. Indem ich mir das letztere vorstelle, entspanne ich mich, es kommt mir vor, als ob mein Körper dankbar die Gelegenheit ergreift, diese Vorstellung zu verwirklichen; ich schwenke nach rechts, ich atme tief ein und aus, lehne mich zurück, lächle.

Während der Mann vorbei zieht und mir den Vogel zeigt, normalisiert sich mein Herzschlag und wahrscheinlich auch mein Blutdruck. Ich denke: "Der Mensch spiegelt mir mein eigenes Verhalten.“ Denn auch ich habe schon gemacht, was er gemacht hat. Manchmal in Wirklichkeit, manchmal in Gedanken.

Die Umkehrung: „Ich sollte niemanden bedrängen!"

Das ist meine Philosophie, so sollte ich leben. Ich sollte niemanden bedrängen – nicht auf der Autobahn und nicht in Diskussionen und Gesprächen. Der Mann hat mich daran erinnern. Ich danke ihm.

Hilfreiche Arbeitsblätter von https://thework.com/sites/de/

Little Book German
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Führung

Das Ego hat enorme Angst vor Führung und ganz besonders vor spezifischer Führung. Das Ego erlebt dies als Autonomieverlust. Das Ego will nicht, dass sich Gott in sein Leben einmischt, es will seinen eigenen Willen durchsetzen und ist am Willen Gottes nicht interessiert.

Das Ego ist der Glaube an persönliche Autonomie und daher verfolgt es paranoid alles, was es in seiner eingebildeten Autonomie beschränken könnte. Das was wir wirklich sind, ist nicht autonom von GOTT und seinen Brüdern - es ist eins mit ihnen.

Selbst Egos die in einer religiösen Tradition leben, wollen vom Willen Gottes in konkreten Situationen ihres Lebens nichts wissen. Sie versuchen ihre Autonomie mit Hilfe des Konzepts vom Gewissen aufrecht zu erhalten. Ganz nach dem Motto: Der liebe Gott hat mit der Erschaffung der Welt, und seinen in Stein gemeißelten Gesetzen, seinen Job erledigt und jetzt kümmere ich mich selbst um mein Leben. Der liebe Gott hat sich da nicht einzumischen, der darf erst nach meinem Tod seinen Kommentar dazu abgegeben.

Dies bedeutet aber auch, dass das Ego eine enorme Verantwortung auf seinen Schultern trägt und bis zu seinem Tod in der Angst vor der Strafe Gottes lebt. Es lebt in der Illusion der Schuld und ist schwer beladen.

Auf einer Reise durch die Türkei, habe ich mich in Istanbul mit zwei Jugendlichen angefreundet. Diese Beiden haben mir dann Istanbul und das türkische Leben näher gebracht. Am Abend haben wir uns immer mit ein paar Flaschen Bier auf mein Hotelzimmer zurückgezogen und uns über Gott und die Welt unterhalten. Eines Abends habe ich sie gefragt, warum sie mit mir Alkohol trinken, obwohl das im Islam verboten ist. Daraufhin haben sie mir erklärt: "Allah ist ein alter Mann, wenn es dunkel ist, dann sieht er nichts mehr. " Wir lassen Gott gerne einen alten Mann sein, der sich gefälligst nicht in unsere Alltagsangelegenheiten einzumischen hat.

Das „spirituelle“ Ego hingegen hält sich selbst für das Wahre Selbst und damit für Gott - aber dies ist der selbe Irrtum, wie die Idee vom Gewissen, oder die Ignoranz Gottes - nur in anderer Form. Das „spirituelle“ Ego hat eine Menge Stress „sein Leben“ am Laufen zu halten und sein „spirituelles“ Image aufrecht zu halten und ja nicht durch die Worte seiner Mitmenschen „verletzt“ zu werden.

Erst wenn wir den Fluss des Lebens nicht versuchen zu kontrollieren, wenn wir uns vom Vertrauen in Gott tragen lassen, statt uns ängstlich, immer mit den gleichen Verhaltensmustern, strampelnd über Wasser zu halten, beginnt unser Leben zu fließen, als würden wir im Sommer einen ruhigen Weg entlang getragen.

Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
(Bibel, Einheitsübersetzung, Mt 6,26)

Jesus hat schon vor zweitausend Jahren darauf hingewiesen und er spricht diesbezüglich auch im Kurs klare Worte:

Ich bin der Einzige, der Wunder unterschiedslos wirken kann, weil ich die SÜHNE bin. Du hast eine Rolle in der SÜHNE, die ich dir diktieren werde. Frage mich, welche Wunder du wirken sollst. Das erspart dir unnötige Mühe, weil du auf direkte Kommunikation hin handeln wirst. Der unpersönliche Charakter des Wunders ist ein wesentlicher Bestandteil, weil er mir ermöglicht, seine Anwendung zu lenken, und unter meiner Anleitung führen Wunder zur höchst persönlichen Erfahrung der Offenbarung. Ein Führer kontrolliert nicht, aber er leitet und überlässt es dir, nachzufolgen. »Führe uns nicht in Versuchung« bedeutet: »Sieh deine Fehler, und entscheide dich, sie aufzugeben, indem du meiner Führung folgst.«
(EKIW: Kapitel 1, III. 4.)

Du weißt nichts von der Erlösung, denn du verstehst sie nicht. Triff keine Entscheidungen darüber, was sie ist oder wo sie liegt, sondern frage den HEILIGEN GEIST alles, und überlasse alle Entscheidungen SEINEM sanften Rat.
(EKIW: Kapitel 14, III. 12.)

"Also macht nun weiter. Fragt mich, was auch immer. Was auch immer. Ich werde mir etwas ausdenken, um euch die Antwort zu bringen. Dazu werde ich mich des ganzen Universums bedienen. Also seid wachsam. Dieses Buch ist bei weitem nicht mein einziges Mittel. Ihr könnt eine Frage stellen und dann das Buch niederlegen. Aber haltet die Augen offen. Hört zu: den Worten des nächsten Liedes, dem ihr lauscht. Achtet auf die Information im nächsten Artikel, den ihr lest. Das Thema des nächsten Films, den ihr euch anschaut. Die beiläufige Äußerung der nächsten Person, die ihr trefft. Oder das Flüstern des nächsten Flusses, des nächsten Ozeans, der nächsten Brise, die euer Ohr liebkost - all das sind meine Mittel-, all diese Wege stehen mir offen. Ich werde zu euch sprechen, wenn ihr zuhört. Ich werde zu euch kommen, wenn ihr mich einladet. Ich werde euch dann zeigen, dass ich immer da war. Überall."
(Gespräche mit Gott - Neale Donald Walsch, Band 1, 1, Seite 99)

Undoing the Do-er — Living a Life of True Inspiration - David Hoffmeister - Miracle Mornings #11

Übung:

Die Übung besteht darin alle Entscheidung dem sanften Rat des HEILIGEN GEISTES zu überlassen, indem wir IHN darum bitten alle Entscheidungen für uns zu treffen und dann für jede Entscheidung eine Münze werfen. Wichtig dabei ist es, dies in der inneren Haltung zu tun, dieser „Münzentscheidung“ bedingungslos zu folgen und diesen „Münzentscheid“ für jede Entscheidung anzuwenden – egal ob es sich um scheinbar banale Entscheidungen, oder um scheinbar wichtige Entscheidungen, wie die Kündigung unseres Jobs, handelt.

Diese Übung hat folgende positive Effekte: Der Widerstand des Egos gegen spezifische Führung ist enorm. Daher ist es wichtig, selbst wenn wir alle Entscheidungen abgeben, immer unsere innere Haltung beim Folgen der Entscheidungen zu beobachten. Wenn wir uns wirklich führen lassen, werden wir der Entscheidung von ganzem Herzen folgen. Wenn wir nicht wirklich bereit sind uns führen zu lassen, werden wir, selbst wenn wir die Entscheidung Folge leisten, dies mit einem gewissen inneren Widerstand tun und verhindern damit die heilende Wirkung dieser Übung. Wenn wir es nicht mit der Überzeugung tun, dass SEIN WILLE auch unser Wille ist, haben wir die tiefere Bedeutung der Übung noch nicht realisiert. Entscheidend ist die Liebe, mit der wir die Dinge tun - auch dann, wenn sie vom HEILIGEN GEIST entschieden wurden.


Schuld und Vergebung

Dies ist eines der ganz großen Themen des Menschseins und alle Aussagen dazu, können auf der Ebene des Egos leicht missverstanden werden. Es braucht daher unsere absolute Bereitschaft zur Erlösung, wenn wir uns diesem Thema nähern.

Die egoische Idee der Schuld drückt sich am besten im christlichen Mantra von der Schuld – dem Schuldbekenntnis – aus: Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld.

Wenn wir an Schuld glauben, sind wir schwer beladen. Die Schuld sitzt uns auf der Brust wie ein Stein und erdrückt uns. Sie lässt uns nicht mit den Engeln tanzen. Wenn wir meinen, wir oder einer unserer Mitmenschen mache etwas falsch im moralischen Sinn, sind wir mit Schuldgefühlen beladen, tot vor unserem Tod, bereits ins Grab gestiegen.

Der Teufelskreis von Schuld, Strafe und Opfer arbeitet meist unbewusst in uns. Wir fühlen uns schuldig und infolge bestrafen wir uns, indem wir ein Opfer bringen. Das Opfer ist immer eine Form von Leid. Wir nehmen irgendeine Form von Leid auf uns. Dieses Leid kann auf der Ebene der Form eine Krankheit, ein sogenanntes schweres Schicksal, oder auch der Tod sein. Allein der Alterungsprozess des Körpers ist eine subtile Form von Strafe. Daher sprechen wir auch davon, dass sich unsere Jugendsünden im Alter rächen und der Tod ist auf jeden Fall das Ende dieser Geschichte.

Auf der psychischen Ebene äußert sich die Schuld in Form von Ärger, Wut, Zorn im Falle der Projektion und Trauer, Schwermut, Depression im Falle der Introjektion – aber immer ist es irgend eine Form von psychischen Schmerz, an dem wir festhalten. Wenn wir unser Leid, und damit unser Opfer, auch noch verklären, sitzen wir endgültig in der Falle! Der einzige Weg raus aus diesem Gefängnis ist bedingungslose Vergebung.

Ein unschuldiges Lachen befreit die Welt,
bittere Tränen machen sie echt
und halten uns gefangen.

Das Ego glaubt es könnte sich mit einer Form von Strafe von seiner Schuld befreien. Dahinter steckt die wahnsinnige Idee von Ausgleich innerhalb der Dualität. Eine Schuld, an die geglaubt wird, kann nicht wirklich vergeben werden, das Lebensrad aus Schuld und Strafe dreht sich so ewig weiter. Viele Strafgefangene sehen ihre Tat und ihre Schuld mit der verbüßten Haftstrafe als erledigt an. Im Christentum sind es die drei Vaterunser nach der Beichte mit der dieser Ausgleich hergestellt werden soll. Es ist dies der verzweifelte Versuch das schlechte Gewissen schnell wieder los zu werden, aber wahren Frieden erlangen wir so nicht.

Im November 2015 beging ein Passauer Pfarrer Selbstmord, weil er sich nicht von Pornos lösen konnte. Die Details hat der Passauer Bischof bei der Trauerfeier verlautbart. In Briefen habe der Pfarrer geschrieben, "im Internet immer intensiver Bilder und Filme gesucht zu haben, die seinem priesterlichen Gelübde der Keuschheit deutlich widersprechen", sagte der Bischof und sprach in diesem Zusammenhang von einer "sehr großen moralischen Schuld", der sich der Pfarrer bewusst gewesen sei.

Selbst wenn wir scheinbar die Schuld nicht auf uns nehmen, sondern sie nach außen projizieren und jemand anderen bestrafen, so bestrafen letztendlich immer uns selbst - es gibt keine Trennung.

Gute, psychologisch fundierte, Kriminalromane beschreiben das Phänomen von Schuld, Strafe und Opfer mikroskopisch genau und können uns so helfen diese Dynamik in uns selbst besser zu durchschauen. Beispiele dafür sind "Das falsche Urteil" und "Die Frau mit dem Muttermal" von Håkan Nesser.

Die Schuld lauert hinter der Idee der Person und deren auf freien Willen basierenden Handlungen. Wenn wir uns als der Handelnde erleben, fühlen wir uns für unsere Handlungen meist auch moralisch verantwortlich und damit schuldig, wenn es mal nicht so läuft wie wir uns das vorstellen. Die Scham ist die Oberfläche der Schuld, aber die Schuld sitzt noch viel tiefer - sie sitzt an der Basis des Egos.

Ohne Alkohol oder sonstige Drogen ist es uns kaum möglich zu feiern. So schwer lastet die Schuld auf unseren Schultern, dass wir uns betäuben müssen, um das Leben zumindest ein bisschen feiern zu können.

Frank Piekert - Guilt (Music Video)

Wenn du dich schuldig fühlst, erinnere dich, dass das Ego in der Tat gegen die Gesetze GOTTES verstoßen hat, du aber nicht. Überlasse die »Sünden« des Ego mir. Dafür ist die SÜHNE da. Solange du aber dein Denken über die, die dein Ego verletzt hat, nicht änderst, kann die SÜHNE dich nicht befreien. Solange du dich schuldig fühlst, führt dein Ego das Kommando, weil nur das Ego Schuld empfinden kann. Das muss nicht sein.
(EKIW: Kapitel 4, IV. 5.)

Unser Glaube an die Schuld ist meist nicht so offensichtlich, wenn es um unsere eigene Schuld geht, sondern viel offensichtlicher, wenn es um die Schuld der Anderen geht. Aber was wir in anderen sehen, sehen wir in uns. Wenn einem Anderen ein Unglück widerfährt und wir das Gefühl haben, dies geschieht ihm zu recht - dann glauben wir an Schuld. Wenn beispielsweise ein Politiker heimlich gefilmt wird und so seine wahren Absichten ans Tageslicht kommen, er darauf hin seinen Job verliert und wir uns darüber freuen – dann glauben wir an Schuld - und an die Konsequenz von Schuld, die Strafe.

Hinter diesen subtilen Äußerungen des Glaubens an Schuld und Strafe verbergen sich die großen kollektiven Schuld-Themen. Das Thema kollektive Schuld zwischen Frauen und Männern, zwischen reich und arm, zwischen alt und jung, zwischen den Nachfolgegenerationen von Nationalsozialisten und Juden und generell zwischen Opfern und Tätern. Um dieses heikle Thema nicht misszuverstehen, ist es wichtig sich daran zu erinnern, worum es im Kurs geht – es geht um die Erlösung aus der Illusion der Welt und nicht um moralische Themen innerhalb der Illusion.

Vielleicht werden einige unserer Konzepte klarer und für den Einzelnen bedeutungsvoller, wenn die Art, wie das Ego die Schuld verwendet, erhellt wird. Das Ego verfolgt einen Zweck, genau wie der HEILIGE GEIST es tut. Der Zweck des Ego ist Angst, weil nur die Angsterfüllten egozentrisch sein können.
(EKIW: Kapitel 5, V. 1.)

Alles, was Angst erzeugt, schafft Teilung, weil es dem Gesetz der Teilung gehorcht. Wenn das Ego das Symbol der Trennung ist, ist es auch das Symbol der Schuld. Schuld ist mehr als einfach nicht von GOTT. Sie ist das Symbol des Angriffs auf GOTT. Das ist eine total bedeutungslose Vorstellung, außer für das Ego, aber unterschätze nicht die Macht des Glaubens, den das Ego in sie setzt. Das ist der Glaube, dem alle Schuld in Wirklichkeit entstammt.
(EKIW: Kapitel 5, V. 2.)

Jede Reaktion auf das Ego ist ein Aufruf zum Krieg, und Krieg entzieht dir unweigerlich den Frieden. Doch gibt es keinen Gegner in diesem Krieg. Dies ist die Neudeutung der Wirklichkeit, die du vornehmen musst, um den Frieden zu sichern, und zwar die einzige, die du je vorzunehmen brauchst. Diejenigen, die du als Gegner wahrnimmst, sind Teil deines Friedens, den du dadurch aufgibst, dass du sie angreifst.
(EKIW: Kapitel 8, I. 3.)

Eckhart Tolle - The Nature of Forgiveness

Das Thema Vergebung lässt sich sehr leicht missverstehen. Wenn wir der Welt total vergeben haben, wird das Leben zu einem glücklichen Traum und Themen wie sich-schützen oder sich-verteidigen tauchen einfach gar nicht mehr auf. Der Weg zur absoluten Vergebung muss allerdings nicht von völliger Gewaltlosigkeit geprägt sein. Sollten wir uns beispielsweise in einer Situation wiederfinden in der ein Gewalttäter versucht einem Kind Gewalt anzutun, dann ist es ein Gebot der Liebe zum Kind und zum Gewalttäter die Gewalttat zu verhindern. Denn würden wir den Gewalttäter nicht stoppen, würde er sich in eine schwer auf ihm lastende Situation von Schuld bringen.

Das Einzige was in einer derartigen Situation entscheidend ist, ist mit welcher inneren Haltung wir Gewalt anwenden - ist es ein Ausdruck von Liebe zu beiden an der Aktion beteiligten Menschen, oder ist es Hass auf den Attentäter. Solange wir auch im Attentäter einen Bruder sehen, werden unsere Reaktionen zielgerichtet und nicht übertrieben sein. Es sollte beim Einsatz von Gewalt immer nur darum gehen größere Gewalt - und vor allem die Idee der Schuld - zu verhindern und nie darum für vergangene Gewalt Rache zu üben. Wenn eine Gewalttat einmal geschehen ist geht es nur noch um Vergebung.

Die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA - auch kurz als Nine-Eleven oder 9/11 bezeichnet - sind ein Symbol für die egoische Idee der Schuld. Wir nehmen üblicherweise immer nur die Oberfläche war und auch die nur gefärbt, durch unsere vorgefertigten Glaubenssätze. Wir übersehen die Symbolik und die Botschaft dahinter, die uns helfen könnten, mehr über uns, Gott und die Welt zu erfahren. Die US-amerikanischen Notrufnummer lautet seit 1964 und auch weiterhin 911 – welch ein wunderbares Symbol.

9/11 ist eine Hilferuf - ein Ruf nach Liebe!

Nicht Lebenswille, sondern Todeswunsch ist die Motivation für diese Welt. Ihr einziges Ziel ist, zu beweisen, dass Schuld wirklich ist. Kein weltlicher Gedanke, keine weltliche Handlung und kein weltliches Gefühl haben eine andere Motivation als diese.
(EKIW: Kapitel 27, I. 6. 3.-5.)

Wenn wir wirklich frei sein wollen und aus der Illusion erwachen wollen, so müssen wir bereit sein uns und unseren Brüdern Opferschaft und Täterschaft zu vergeben und wir müssen aufhören unsere unbewussten Schuldgefühle in die Welt zu projizieren. Auch Adolf Hitler ist nur ein Symbol für unser egoisches Denken in Schuld. Adolf Hitler war nur der symbolische Ausdruck einer Gesinnung des egoischen Denkensystems seiner Zeit. Adolf Hitler hat das egoische Denksystem in den Menschen nicht ausgenutzt oder verstärkt, er war lediglich der zentrale Ausdruck dieses Denksystems. Jenes Bewusstsein, das sich mit der Person Adolf Hitler identifiziert hat, ist, seiner wahren Natur nach, genau so ein SOHN GOTTES, wie jeder von uns.

Ganz praktisch bedeutet Vergebung, dass es unsere Bereitschaft braucht der Generation unserer Großeltern ihre Rolle während des Dritten Reichs zu vergeben. Es braucht unsere Bereitschaft unseren Eltern ihre Rolle in unserer Erziehung zu vergeben. Es braucht unsere Bereitschaft all unseren Ex-Freunden und Ex-Partnern und jedem anders denken Mitmenschen zu vergeben – und damit immer auch uns selbst.

Wenn wir unserem Gegenüber seine Täterschaft vergeben, vergeben wir uns die Opferschaft und umgekehrt – im Wissen, dass beides nur ein böser Traum war und keine Wirklichkeit, im Wissen, dass Trennung eine Illusion ist und somit jedes scheinbare Gegenüber, nur eine Projektion des eigenen Geistes ist.

Die Vergebung nimmt wahr, dass das, wovon du dachtest, dein Bruder habe es dir angetan, nicht geschehen ist. Sie verzeiht keine Sünden und macht sie nicht wirklich. Sie sieht, dass es keine Sünde gab. Und in dieser Sicht sind alle deine Sünden dir vergeben. Was ist Sünde außer einer falschen Idee über GOTTES SOHN? Die Vergebung sieht einfach ihre Falschheit und lässt sie deshalb los. Was dann frei ist, ihren Platz einzunehmen, das ist der WILLE GOTTES.

Ein unversöhnlicher Gedanke ist ein Gedanke, der ein Urteil fällt, das er nicht in Zweifel zieht, auch wenn es nicht wahr ist.

Derjenige, der nicht vergeben will, muss urteilen, denn er muss sein Versagen, zu vergeben, rechtfertigen.


(EKIW: Lektionen Teil II, Einleitung, 1. 1-4.)

Wie man einem Täter vergeben kann und dies zur eigenen Freiheit führt, hat der Fall Kampusch gezeigt, auch wenn Natascha Kampusch häufig missverstanden und danach stark angefeindet wurde. Aber genau diese Anfeindungen zeigen uns, dass sich das Ego massiv gegen Vergebung wehrt und wie schwer es ihm fehlt, die Idee der Schuld und damit die Idee der Strafe aufzugeben.

Dass Ego hält es nicht für möglich, dass die Liebe, nicht die Angst, in Wirklichkeit von der Sünde angerufen wird und dass sie immer Antwort gibt. Das Ego überbringt die Sünde nämlich der Angst und fordert Strafe. Strafe ist jedoch nur eine weitere Form des Schutzes für die Schuld, denn das, was Strafe verdient, muss wirklich getan worden sein. Die Strafe ist immer der große Erhalter der Sünde, der sie mit Respekt behandelt und ihre Ungeheuerlichkeit ehrt. Was bestraft werden muss, muss wahr sein. Und das, was wahr ist, muss ewig sein und wird endlos wiederholt. Denn das, wovon du denkst, es sei wirklich, das willst du, und du wirst es nicht loslassen.
(EKIW: Kapitel 19, III. 2.)

Natascha Kampusch beschreibt in ihrer Autobiografie, mit dem Titel 3096 Tage, wunder-voll wie sie ihrem Täter vergeben hat und das trotz der grausamsten Behandlung, die man sich nur vorstellen kann. Ein paar Zitate aus ihrem Buch:

Entführt zu werden war in meinen kindlichen Augen eine realistische Möglichkeit aber im tiefsten Inneren doch etwas, das im Fernsehen stattfand. Und nicht in meiner Nachbarschaft. Als ich mich dem Mann bis auf etwa zwei Meter genähert hatte, sah er mir in die Augen. In diesem Moment schwand meine Angst. Er hatte blaue Augen und wirkte mit seinen etwas zu langen Haaren wie ein Student in einem alten Fernsehfilm aus den 1970er Jahren. Sein Blick ging auf seltsame Weise ins Leere. Das ist ein armer Mann, dachte ich, denn er strahlte so etwas Schutzbedürftiges aus, dass ich den spontanen Wunsch hatte, ihm zu helfen.
...
Was eben noch außerhalb des Denkbaren erschien, war nun eine Tatsache: Ich war im Keller eines Verbrechers eingesperrt, und ich würde zumindest an diesem Tag nicht mehr freikommen. Ein Ruck ging durch meine Welt, die Realität verschob sich um ein kleines Stück. Ich akzeptierte, was passiert war, und anstatt verzweifelt und empört gegen die neue Situation anzukämpfen, fügte ich mich.
...
Als der Täter später [am ersten Tag] noch einmal ins Verlies kam, bat ich ihn, bei mir zu bleiben, mich ordentlich ins Bett zu bringen und mir eine Gute-Nacht-Geschichte zu erzählen. Ich wünschte mir von ihm sogar einen Gute-Nacht-Kuss, wie meine Mutter ihn mir gab, bevor sie leise die Tür zu meinem Kinderzimmer hinter sich zuzog. Alles, um die Illusion der Normalität zu wahren. Und er spielte mit. Aus meiner Schultasche, die er irgendwo vor dem Verlies abgestellt hatte, holte er ein Leseheft mit Märchen und kleinen Geschichten, legte mich auf die Matratze, deckte mich mit einer dünnen Decke zu und setzte sich auf den Boden. Dann begann er zu lesen: »Die Prinzessin auf der Erbse«. Anfangs geriet er immer wieder ins Stocken, es wirkte beinahe schüchtern, wie er mit leiser Stimme vom Prinzen und der Prinzessin erzählte. Am Ende gab er mir einen Kuss auf die Stirn.


Im Kurs steht geschrieben:

Der HEILIGE GEIST kann Sünde nicht bestrafen. Fehler sieht ER und möchte sie alle berichtigen, wie GOTT IHM auftrug, es zu tun. Die Sünde aber kennt ER nicht, noch kann ER Fehler sehen, die nicht berichtigt werden können. Denn ein Fehler, der nicht berichtigt werden kann, ist für IHN bedeutungslos. Fehler sind da, um berichtigt zu werden, und sie verlangen nach nichts anderem. Was nach Strafe verlangt, muss nach nichts verlangen. Jeder Fehler muss ein Ruf nach Liebe sein. Was also ist die Sünde? Was könnte sie anderes sein als ein Fehler, den du versteckt halten, ein Ruf nach Hilfe, den du ungehört und somit unbeantwortet lassen möchtest?
(EKIW: Kapitel 19, III. 4.)

Natascha Kampusch schreibt in ihrem Buch folgendes:

Für mich war das ein Schlüsselerlebnis, auch wenn mir das damals vielleicht nicht so klar gewesen ist. Ich hatte Stärke gezeigt, und der Täter hatte sich zurückgezogen. ... Übrig geblieben war ein Mensch, der eine böse Tat begangen hatte, von dessen Gemütsverfassungen ich existentiell abhängig war, der aber in gewisser Weise auch von mir abhängig war. Es fiel mir in den folgenden Wochen und Monaten leichter, mit ihm umzugehen, wenn ich ihn mir als armes ungeliebtes Kind vorstellte. ... Aus heutiger Sicht war es ein überlebenswichtiger Schutzmechanismus, dass ich versuchte, den Täter als Menschen zu sehen, der nicht von Grund auf böse war, sondern der es erst im Laufe seines Lebens geworden war. Das relativierte keineswegs die Tat an sich, aber es half mir, ihm zu verzeihen. Indem ich mir einerseits vorstellte, dass er vielleicht als Waisenkind im Heim schreckliche Erfahrungen gemacht hatte, unter denen er heute noch litt. Und indem ich mir andererseits immer wieder sagte, dass er sicher auch seine guten Seiten hatte. Dass er mir meine Wünsche erfüllte, mir Süßigkeiten brachte, mich versorgte. Ich denke, dies war in meiner völligen Abhängigkeit die einzige Möglichkeit, die lebenswichtige Beziehung zum Täter aufrechtzuerhalten. Wäre ich ihm ausschließlich mit Hass begegnet, hätte mich dieser Hass so zerfressen, dass ich nicht mehr die Kraft gehabt hätte, zu überleben. Weil ich in jenem Augenblick hinter der Maske des Täters den kleinen, fehlgeleiteten und schwachen Menschen erkennen konnte, war ich in der Lage, auf ihn zuzugehen. Und es gab auch tatsächlich den Moment, in dem ich ihm das mitteilte. Ich sah ihn an und sagte: »Ich verzeihe dir, weil jeder einmal Fehler macht.«

Frank Piekert - Forgiveness (Music Video)


Krieg und Frieden

Zu Beginn ein paar Zitate des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi. Sein Werk „Krieg und Frieden“ gilt als eines der bedeutendsten Werke der Weltliteratur und wurde mehrfach verfilmt. Die Sinnsuche Leo Tolstois erstreckte sich auf weite Bereiche. So verzichtete er auf Rauchen, Alkohol und die Jagd. Er ernährte sich vegetarisch und erklärte, der Mensch müsse die Fleischnahrung aufgeben, wenn er sich moralisch weiterentwickeln wolle.

Er hatte eine starke Abneigung gegenüber der ihm begegnenden rituellen Form der Religiosität in den vorherrschenden Kirchen. Dieser und auch der in westlichen Kirchen praktizierten, den Kriegsdienst bejahenden Glaubensausübung, stellte er die schlichten Lehren Jesu gegenüber. Hierzu übersetzte er die Evangelien erneut ins Russische. Als deren Kern betonte er dabei die Nächstenliebe sowie den Appell, dem Bösen ohne Gewalt zu widerstehen.

„Alle denken nur darüber nach, wie man die Menschheit ändern könnte,
doch niemand denkt daran, sich selbst zu ändern.“

„Es ist jedoch für einen Unzufriedenen schwer, einem anderen, und namentlich dem,
der ihm am nächsten steht, keine Schuld an seiner Unzufriedenheit zuzuschreiben.“

„Das Leben lieben, heißt: Gott lieben.“


Leo Tolstoi hat das Wesen von Krieg und Frieden genau erforscht und viel Wahres erkannt. Er hat aber die Ebene der Form nicht verlassen, Frieden war für ihn immer noch das Gegenteil von Krieg. Er wollte seine Mitmenschen vom Frieden überzeugen, weil er ihn in sich selbst noch nicht gefunden hatte. Der Frieden GOTTES ist ein Zustand der nicht das Gegenteil von Krieg ist, sondern ein Zustand jenseits der Dualität dieser Welt, der aber hier auf Erden zu erreichen ist.

Auch die Aussage mancher spiritueller Lehrer „bewahre deinen inneren Frieden im Angesicht eines Krieges" ist keine Aussage im Sinne des Kurses. Die WAHRHEIT kennt keine Trennung und daher ist es nicht möglich, dass in uns Frieden herrscht, während außerhalb von uns Krieg herrscht. Dies ist ein Widerspruch in sich. Wenn wir wirklich im Frieden GOTTES weilen, gibt es keinen Krieg.

Wir haben die Wahl, richten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Illusion - die Angst - oder richten wir unsere Aufmerksamkeit auf die WAHRHEIT - die Liebe – völlig unabhängig von scheinbar äußeren Umständen. Betrachten wir beispielsweise einen „Kriegsschauplatz“. Wir können hier verheerende Explosionen sehen, sterbende Menschen, Angriff, Zerstörung und Tod, oder wir können sehen, wie ein Soldat sein Leben riskiert, um einen verletzten Kameraden aus der Schusslinie zu bringen und damit einen Akt der Liebe. Wir können sehen, wie eine Mutter ihre Arme schützend um ihre Kinder hält und sie in den nächsten Luftschutzkeller bringt - wir sehen die Liebe einer Mutter zu ihren Kindern. Wir können sehen, wie die Menschen im Luftschutzkeller ihre mitgebrachten Vorräte teilen - wir sehen Nächstenliebe. Große Katastrophen sind immer großartige Möglichkeiten zu lieben. Wir können also Liebe sehen, oder den Ruf nach Liebe - und keinen Krieg. Wir sehen keine Toten, wir sehen zwar tote Körper, doch nie wurde jemand geboren und nie ist jemand gestorben. Die Bedeutung der toten Körper liegt einzig und allen in ihrem Hinweis auf das Gedankensystem, das dieser Welt zugrunde liegt.

Die wirkliche Welt birgt ein Gegenstück für jeden unglücklichen Gedanken, der in deiner Welt gespiegelt wird, eine sichere Berichtigung für die Anblicke der Angst und für das Schlachtgetöse, die deine Welt enthält. Die wirkliche Welt zeigt eine Welt, die anders gesehen wird, mit ruhigen Augen und mit einem Geist, der in Frieden ist. Dort ist nichts als Ruhe. Keine Schreie des Schmerzes und des Kummers sind zu hören, denn dort bleibt nichts außerhalb der Vergebung. Und die Anblicke sind sanft. Nur glückliche Anblicke und Geräusche können den Geist erreichen, der sich selbst vergeben hat.
(EKIW: Lektion 290/291, 8. 2.)


"Fighting for peace is like fucking for virginity"

Wir können gegen einen Krieg ankämpfen, werden aber dadurch niemals Frieden erlangen, oder wir können uns von diesem illusionären Spektakel nicht beeindrucken lassen und selbst dieses Geschehen nutzen, um uns der Liebe zuzuwenden. Darum geht es auch in der berühmten Bhagavad Gita („Gottes Gesang“) - einem spirituellen Lehrgespräch am Vorabend eines verheerenden Krieges. Krishnas Antwort auf Arjunas Verzweiflung vor dem Krieg lautet folgendermaßen:

"Du versuchst zwar wie ein Weiser zu sprechen, doch weinst du um jene, um die du nicht weinen solltest. Wirklich weise Menschen weinen weder um die Toten noch um die Lebenden. Denn nie war eine Zeit, in der ich nicht war noch du, noch irgendeiner dieser Könige. Und keine Zeit wird je kommen, da wir aufhören zu sein.

Jeder Kampf für den Frieden ist lediglich eine Projektion unseres eigenen Unfriedens - in die Welt da draußen – von der wir uns als getrennt erleben. Dies war auch einer der großen Irrtümer der Flower Power Generation. Sie hat ihren eigenen Krieg in eine Welt außerhalb projiziert, um sich so von ihrem eigenen Krieg, in ihren Herzen und in ihren Kommunen, abzulenken.

Vergesslichkeit und Schlaf bis hin zum Tod werden zum besten Rat des Ego, um mit dem wahrgenommenen harschen Eindringen der Schuld in den Frieden einzugehen. Doch niemand sieht sich in Konflikt und von einem grausamen Krieg verwüstet, wenn er nicht glaubt, dass beide Gegner in dem Krieg wirklich sind. Weil er das glaubt, muss er entrinnen, denn ein solcher Krieg würde seinem Geistesfrieden sicherlich ein Ende setzen und ihn so zerstören. Wenn er doch bloß begreifen könnte, dass es ein Krieg zwischen wirklichen und unwirklichen Mächten ist, könnte er auf sich selber schauen und seine Freiheit sehen. Niemand hält sich für verwüstet und geschunden in endlosen Schlachten, wenn er selbst sie als gänzlich bedeutungslos wahrnimmt.

GOTT möchte nicht, dass SEIN SOHN sich zum Kampfe rüstet, und deshalb ist der eingebildete »Feind« SEINES SOHNES total unwirklich. Du versuchst nur, einem bitteren Kriege zu entrinnen, dem du schon längst entronnen bist. Der Krieg ist nicht mehr da. Denn du hast den Lobgesang der Freiheit in den HIMMEL steigen hören. Freude und Frohlocken über deine Befreiung stehen GOTT zu, denn du hast sie nicht gemacht. Doch ebenso wie du die Freiheit nicht gemacht hast, hast du auch keinen Krieg gemacht, der die Freiheit gefährden könnte. Nichts Zerstörerisches war je oder wird je sein. Der Krieg, die Schuld und die Vergangenheit sind als eins in die Unwirklichkeit fortgegangen, aus der sie kamen.

(EKIW: Kapitel 13, XI. 1.-2.)

Bruder, der Krieg gegen dich selbst ist fast vorüber. Die Reise endet an dem Ort des Friedens. Möchtest du nicht jetzt den Frieden akzeptieren, der dir hier angeboten wird? Dieser »Feind«, den du als einen Eindringling in deinen Frieden bekämpft hast, wird hier vor deinen Augen in denjenigen verwandelt, der dir deinen Frieden gibt. Dein »Feind« war GOTT SELBST, DEM aller Konflikt, Triumph und Angriff jeder Art unbekannt ist. ER liebt dich vollkommen, vollständig und auf immer. Der GOTTESSOHN im Krieg mit seinem SCHÖPFER ist ein Zustand, so lächerlich, als brüllte die Natur wütend den Wind an und verkündete, er sei nicht länger Teil von ihr. Wäre es denn möglich, dass die Natur dies festlegen und wahr machen könnte? Ebenso wenig liegt es bei dir, zu sagen, was Teil von dir sein soll und was getrennt gehalten wird.

Der Krieg gegen dich selbst ist unternommen werden, um den GOTTESSOHN zu lehren, dass er nicht er selbst ist und nicht der SOHN seines VATERS. Dazu muss die Erinnerung an seinen VATER in Vergessenheit geraten. Sie ist vergessen in des Körpers Leben, und wenn du denkst, du seist ein Körper, wirst du auch glauben, dass du sie vergessen hast. Die Wahrheit aber kann sich selber nie vergessen, und du hast nicht vergessen, was du bist. Nur eine sonderbare Illusion von dir, ein Wunsch, aber das zu triumphieren, was du bist, erinnert sich nicht daran.

Der Krieg gegen dich selbst ist nichts als eine Schlacht zwischen zwei Illusionen, die darum kämpfen, sich voneinander zu unterscheiden, im Glauben, dass diejenige wahr sein wird, welche die andere bezwingt. Es gibt keinen Konflikt zwischen ihnen und der Wahrheit. Auch sind sie voneinander nicht verschieden. Beide sind nicht wahr. Und deshalb spielt es keine Rolle, welche Form sie annehmen. Was sie gemacht hat, ist wahnsinnig, und sie bleiben Teil dessen, das sie gemacht hat. Verrücktheit stellt keine Bedrohung für die Wirklichkeit dar und hat keinen Einfluss auf sie. Illusionen können nicht über die Wahrheit triumphieren, noch können sie sie irgendwie bedrohen. Und die Wirklichkeit, die sie verleugnen, ist kein Teil von ihnen.

Das, woran du dich erinnerst, ist ein Teil von dir. Denn du musst sein, wie GOTT dich schuf. Die Wahrheit kämpft nicht gegen Illusionen, noch kämpfen Illusionen gegen die Wahrheit. Illusionen kämpfen nur gegen sich selbst. Da sie fragmentiert sind, fragmentieren sie. Die Wahrheit jedoch ist unteilbar und liegt weit jenseits ihrer kleinen Reichweite. Du wirst dich an das, was du weist, erinnern, wenn du gelernt hast, dass du gar nicht in Konflikt sein kannst. Eine Illusion, die du über dich hegst, kann eine andere bekämpfen, doch ist der Krieg zwischen zwei Illusionen ein Zustand, in dem nichts geschieht. Da gibt es keinen Sieger, und es gibt keinen Sieg. Und die Wahrheit steht strahlend da, abseits des Konflikts, unberührt und still im Frieden GOTTES.

(EKIW: Kapitel 23, I. 4.-7.)


Let it be (Lass es geschehen)

When I find myself in times of trouble, Mother Mary comes to me
Speaking words of wisdom, let it be
And in my hour of darkness she is standing right in front of me
Speaking words of wisdom, let it be
Let it be, let it be, let it be, let it be
Whisper words of wisdom, let it be

And when the broken hearted people living in the world agree
There will be an answer, let it be
For though they may be parted, there is still a chance that they will see
There will be an answer, let it be
Let it be, let it be, let it be, let it be
There will be an answer, let it be
Let it be, let it be, let it be, let it be
Whisper words of wisdom, let it be
Let it be, let it be, let it be, let it be
Whisper words of wisdom, let it be

And when the night is cloudy there is still a light that shines on me
Shine until tomorrow, let it be
I wake up to the sound of music, Mother Mary comes to me
Speaking words of wisdom, let it be
Let it be, let it be, let it be, yeah, let it be
There will be an answer, let it be
Let it be, let it be, let it be, yeah, let it be
Whisper words of wisdom, let it be

(Paul McCartney, 1969)



Liebe

Bei Amazon finden sich einige hunderttausend Filme, Lieder und Bücher zum Thema Liebe. Es finden sich Songs wie „Ich liebe nur dich“, „Dich für immer“, „Beweg Dich mit Mir“, „Ohne Dich (schlaf' ich heut Nacht nicht ein)“, „Ein Lied auf Dich“, „Only You“, „For You“, „I Was Made For Lovin' You“, „I Need Your Loving“, „Lose You To Love Me“, „Crazy to Love You“, „Nothing Left to Love“.
Es geht dabei fast immer um die Liebe zwischen zwei ganz bestimmten Personen – zwei ganz bestimmten Körpern.

In „Reality“ von Richard Sanderson heißt es: “Dreams are my reality, the only kind of real fantasy, Illusions are a common thing, I try to live in dreams, It seems as if it's meant to be
Von Macy Gray stammt ein Lied mit dem Titel "Gimme All Your Lovin' or I Will Kill You".
Was sind das für eigenartige Vorstellungen von Liebe?

Seit Jahrtausenden erzählen wir uns immer das gleiche Ego-Drama - von dem - was wir „Liebe“ nennen und ergötzen uns daran. In berühmten Opern, wie Carmen und Tosca, geht es um nichts anderes, als um jenes todbringende Drama, das wir in völliger Verblendung „Liebe“ nennen.

Erich Fromm schrieb in seinem 1956 erschienenen Klassiker "Die Kunst des Liebens" hingegen folgendes:

"Sie (die Liebe) ist etwas, das man in sich entwickelt,
nicht etwas, dem man verfällt."

Im Alten Testament steht geschrieben:

"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!"
(3. Mose 19,18)

Im Thomasevangelium, Logion 25, 1&2 heißt es:

Jesus spricht:
„Liebe deinen Bruder wie dein Leben!
Behüte ihn wie deinen Augapfel!“

Es besteht offensichtlich ein entscheidender Unterschied zwischen diesen Aussagen und den Aussagen der meisten Liebeslieder und Liebesromane.

Seit Jahrtausenden verweisen spirituelle Lehrer aus allen Kulturen, Religionen und spirituellen Richtungen auf jene Liebe, die über die besondere Person hinausgeht. Vom persischen Sufi-Mystiker Rumi, der als Mitbegründer der islamischen Mystik gilt, ist folgende Aussage überliefert:

"Wo die Liebe erwacht, stirbt das Ich, der dunkle Despot."

Meister Eckhart der bekannte christliche Mystiker hat gesagt:

"Immer ist die wichtigste Stunde die gegenwärtige;
immer ist der wichtigste Mensch, der dir gerade gegenübersteht;
immer ist die wichtigste Tat die Liebe."

Peter Makena beschreibt in seinem Lied "You and I" eine heilige Beziehung:

Happy is the moment when we sit together
with two forms, two faces, yet one soul …
you and I.
The flowers they will sing forever,
the birds will sing their eternal song,
the moment we enter the garden …
you and I.
The stars of heaven will come out to watch us
and we will show them the light of the full moon …
you and I.
No more thought of you,
no more thought of I, just this precious Moment.
No more thought of you,
no more thought of I, no more thought.
Joyous alive ... free of mind,
you and I.
All the bright winged birds of heaven
will swoop down to drink from our sweet water:
The tears of our laughter …
you and I.
What a miracle of fate: us sitting here,
even at the opposite end of the earth
we are still together …
you and I.


Wahre Liebe macht frei. Das Glück des Geliebten ist unser Glück, das Ich löst sich im Gegenüber auf. Liebe ist kein Gefühl das spontan kommt und geht, sondern Liebe ist unser natürlicher Seinszustand. Die Liebe dehnt sich nach außen aus, einfach weil sie nicht zurückgehalten werden kann. Es ist wie der Duft einer Rose. Die Rose verströmt ihren Duft, weil sie ihn nicht zurückhalten kann, aber sie verschwendet keinen Gedanken daran, ob jemand an ihr riecht oder nicht.

Der Kurs zielt nicht darauf ab, die Bedeutung der Liebe zu lehren, denn das ist jenseits dessen, was gelehrt werden kann. Er zielt vielmehr darauf ab, die Blockaden zu entfernen, die dich daran hindern, dir der Gegenwart der Liebe, die dein angestammtes Erbe ist, bewusst zu sein.
(EKIW: Einleitung, 1.)

Es geht hier also um die Blockaden und damit auch um ein Verständnis davon, was Liebe nicht ist.

Von einem anderen Menschen geliebt werden wollen, ist nicht Liebe. Beim geliebt-werden-wollen geht es uns um unser eigenes, kleines egoisches Glück und wir sind abhängig vom Geliebten wie ein Suchtkranker von seiner Droge. Diese Beziehungen nennt der Kurs die besonderen Beziehungen - im Gegensatz zu den heiligen Beziehungen.

Ein Teilnehmer an einem Satsang hat einmal einen spirituellen Lehrer mit der Aussage "ich erdrücke meine Frau mit meiner Liebe" konfrontiert. Der Lehrer hat ihm dann sehr liebevoll erklärt, wie verrückt seine Aussage ist, denn erdrücken ist nicht Liebe. Dies ist nur eines von vielen Beispielen, wie abstrus unsere Vorstellungen von Liebe sind.

„Selbstliebe“ ist ein sehr beliebtes Konzept des spirituellen Egos. Wer liebt da wenn? Es ist ein Konzept, das der Illusion der Trennung entspringt. Das Ego liebt sich selbst – Egoismus auf höchster Stufe - nur positiv formuliert. Das Ego – die Person – ist eine Illusion, die das wahre Glück verschleiert und braucht daher nicht geliebt zu werden, sondern es geht darum, seinen illusionären Charakter zu erkennen und darüber hinaus zu gehen. Das wahre Selbst hingegen, kann gar nicht geliebt werden, weil es niemanden gibt der das tun könnte. Das wahre Selbst ist Liebe – jenseits der Illusion der Trennung.

„Selbsthass“ ist das gleiche Konzept wie „Selbstliebe“ nur die andere Seite der Medaille - der Dualität des Egos.

Was Liebe nicht ist und gleichzeitig die Sehnsucht nach wahrer Liebe, besingt Robbie Williams wunderbar in seinem Lied „Feel“:

Come and hold my hand
I wanna contact the living
Not sure I understand
This role I've been given
I sit and talk to God
And he just laughs at my plans
My head speaks a language
I don't understand

I just wanna feel
Real love fill the home that I live in
Cos I got too much life
Running thru my veins
Going to waste
I don't wanna die
But I ain't keen on living either
Before I fall in love
I'm preparing to leave her

Scare myself to dead
That's why I keep on running
Before I arrive
I can see myself coming

I just wanna feel
Real love fill the home that I live in
Cos I got too much life
Running thru my veins
Going to waste
And I need to feel
Real love and the love ever after
I can not get enough

I just wanna feel
Real love fill the home that I live in
I got too much life
Running thru my veins
To go to waste

I just wanna feel
Real love and the love ever after
There's a hole in my soul
You can see it in my face
It's a real big place

Come and hold my hand
I wanna contact the living
Not sure I understand
This rope I've been given
Not sure I understand
Not sure I understand
Not sure I understand
Not sure I understand


„Es gibt keine Liebe außer der LIEBE GOTTES.

Du denkst vielleicht, dass verschiedene Arten von Liebe möglich sind. Du denkst vielleicht, dass es eine Art von Liebe für dieses, eine andere für jenes gibt; eine Art, den einen zu lieben, und eine andere Art, jemand anderen zu lieben. Die Liebe ist eins. Sie kennt keine getrennten Teile und keine Grade, keine Arten noch Ebenen, keine Abweichungen noch Unterschiede. Sie ist sich selber gleich, durch und durch unverändert. Sie verändert sich nie je nach Mensch oder Umstand. Sie ist das HERZ GOTTES und ebenso das SEINES SOHNES.
(EKIW: Lektion 127, 1)

Das Motto der Flower Power Generation "make love not war" war eine Verwechslung von Liebe mit Sex. Liebe kann man nicht machen und Sex, mit ständig wechselnden Partnern, ist nicht Liebe, sondern lediglich ein Mangel an Verbindlichkeit, ein Mangel an Bereitschaft über den Sex, und damit über die Illusion ein Körper zu sein, hinauszugehen.

Liebe - und die damit einhergehende Erfahrung von Verbundenheit - erzeugen eine ganz natürliche Art von Verbindlichkeit, eine konsequente Bereitschaft gemeinsam mit einem anderen Menschen die Illusion der Trennung zu überwinden, jenseits aller Konzepte von Paarbeziehung.

Der Rausch der Verliebtheit ist, wie alles auf der Ebene der Person, eine Projektion, allerdings eine äußerst angenehme Projektion, weil es eine positive Projektion ist. Wenn wir verliebt sind, projizieren wir positive Anteile von uns selbst, die wir an uns selbst noch nicht entdeckt haben, in eine andere Person. Verlieben ist ein ganz angenehmer Ausgangspunkt auf dem Weg zur Liebe. Verliebt-sein ist ein hitziger Zustand, Liebe hingegen ist kühl im positiven Sinne. Verliebt-sein ist Oberfläche, Liebe ist Tiefe – Liebe ist SEIN.

Heiraten hat Jahrtausende lang in erster Linie der Erhaltung von Macht und Besitz gedient und hatte daher auch immer standesgemäß zu erfolgen. Die Idee der Liebesheirat ist relativ neu. Wenn die Illusion einer “Liebesheirat” sich auflöst, dann lösen wir dieses Problem üblicherweise mit einer Scheidung. Wenn wir noch sehr tief in der Illusion stecken, projizieren wir die Schuld an dem Problem einfach in unseren Ex-Partner. Wenn wir schon ein gewisses Maß an Bewusstheit erreicht haben, flüchten wir uns gerne in die Illusion, der andere wäre einfach nur der Falsche gewesen und wir haben unseren Seelenpartner noch nicht gefunden und beginnen das Spiel mit einem anderen Partner aufs Neue. Das Ego glaubt sich im anderen Menschen getäuscht zu haben, aber in Wahrheit, hat es sich in seiner Vorstellung von Beziehung getäuscht.

Eine Hochzeit ist eine wunderbare Geschichte, wenn sie als das verstanden wird, was sie nur sein kann - ein feierliches Ja zur Liebe - im Moment! Das ist es auch, was uns bei einer Liebesheirat so berührt - dieses absolute und bedingungslose Ja in diesem Moment.

Kein noch so feierliches Ritual kann allerdings eine Aussage über die Zukunft sein, weil es eine Zukunft nicht gibt. Es gibt nur diesen Moment. Bildlich gesprochen könnte man sagen;
Liebe bedeutet ein Ja, zu jedem Gegenüber, in jedem Moment.

Ich segne dich, mein Bruder, mit der LIEBE GOTTES, die ich mit dir teilen möchte. Denn ich möchte die freudige Lektion erlernen, dass es keine Liebe außer der LIEBE GOTTES und der deinen und der meinen und der eines jeden gibt.
(EKIW: Lektion 127, 12)


I Want to Know What Love Is

I gotta take a little time
A little time to think things over
I better read between the lines
In case I need it when I'm older

In my life there's been heartache and pain
I don't know if I can face it again
Can't stop now, I've traveled so far
To change this lonely life

I wanna know what love is
I want you to show me
I wanna feel what love is
I know you can show me

(Mick Jones, 1984)



Zeit

Erwachte Lehrer und kleine Kinder sind die größten Lehrmeister in Sachen Zeitlosigkeit. Gerade in den ganz ersten Lebensjahren, in denen Kindern noch in der Zeitlosigkeit ruhen und noch nicht mit ihrem Körper identifiziert sind, sollten wir nicht versuchen, ihnen unsere illusionäre Welt zu lernen, sondern wir sollten diese Zeit nutzen, um von ihnen zu lernen. Sie sind der WAHRHEIT noch sehr nahe. Im Spiel mit einem Kleinkind, ganz ins JETZT einzutauchen, ist eine zu tiefst heilsame Erfahrung.

Jeder Tag sollte Wundern gewidmet sein. Der Zweck der Zeit ist, dir die Möglichkeit zu geben, zu lernen, wie du die Zeit konstruktiv verwenden kannst. So ist sie denn eine Lehreinrichtung und ein Mittel zum Zweck. Die Zeit wird aufhören, wenn sie nicht mehr nützlich ist, um das Lernen zu erleichtern.
(EKIW: Kapitel 1, I. 15.)

Wunder sind Abkürzungen in der Zeit hinsichtlich des Lernens. Eine Offenbarung ist eine Form der Erkenntnis jenseits der Zeit.

Das Wunder ist die einzige Einrichtung, die dir zur Kontrolle der Zeit unmittelbar zur Verfügung steht. Nur die Offenbarung transzendiert es, da diese mit der Zeit gar nichts zu tun hat.
(EKIW: Kapitel 1, I. 48.)

Das Wunder verringert den Bedarf an Zeit auf ein Minimum. Auf der Längs- oder Horizontalebene scheint die Einsicht in die Gleichheit der Mitglieder der SOHNSCHAFT eine beinahe endlose Zeit zu umfassen. Das Wunder jedoch hat eine plötzliche Verschiebung von der horizontalen zur vertikalen Wahrnehmung zur Folge. Das führt eine Zeitspanne ein, in deren Folge sich der Gebende und der Empfangende weiter voraus in der Zeit wiederfinden, als sie es sonst gewesen wären. Das Wunder hat also die einzigartige Eigenschaft, die Zeit insofern abzuschaffen, als es die Zeitspanne überflüssig macht, über die es sich hinzieht. Zwischen der Zeit, die ein Wunder dauert, und der Zeit, über die es sich erstreckt, besteht keine Beziehung. Das Wunder ersetzt Lernen, das möglicherweise Tausende von Jahren in Anspruch genommen hätte. Das tut es durch die ihm zugrundeliegende Einsicht in die vollkommene Gleichheit des Gebenden und des Empfangenden, auf der das Wunder beruht. Das Wunder verkürzt die Zeit, indem es sie in sich zusammenfallen lässt und auf diese Weise bestimmte Zeitabschnitte in ihr eliminiert. Es tut dies jedoch innerhalb der größeren zeitlichen Abfolge.
(EKIW: Kapitel 1, II. 6.)

Zeit ist eines der zentralen Elemente der Ego-Illusion. Die Vergangenheit als Erinnerung, als Geschichte, ist nicht das Problem. Nur Gedanken an die Vergangenheit die von uns Besitz ergreifen, sodass sie zur einer Last werden, sind problematisch und fließen in unser Selbstgefühl ein. Diese Identifikation mit der Vergangenheit ist unser Gefängnis. Denn unsere Erinnerungen sind mit Selbstgefühl befrachtet, und aus unserer Geschichte beziehen wir unsere Identität.

Unsere Geschichte setzt sich allerdings nicht nur aus mentalen, sondern auch aus emotionalen Erinnerung zusammen - aus alten Empfindungen, die fortwährend wiederbelebt werden. So schränken wir uns selbst durch Klagen, Bedauern, Hass und Schuldgefühle ein. Unser emotionales Denken ist zu unserem Selbst geworden, und so halten wir an den alten Emotionen fest, weil diese unsere Identität stärken.

Als mir die Zeit entgegenkam,
erschien sie mir hübsch wundersam
und angenehm und lecker.
Sie ging vorüber, und o weh!
Nun, da ich sie von hinten seh,
bemerk ich ihren Höcker.

(Wilhelm Busch)


Das Ego hat eine seltsame Auffassung von der Zeit, und du könntest dein Infragestellen wohl mit dieser Auffassung beginnen. Das Ego investiert sehr stark in die Vergangenheit und glaubt am Ende, dass die Vergangenheit der einzige bedeutungsvolle Aspekt der Zeit ist. Denke daran, dass die Betonung, die das Ego auf die Schuld legt, es IHM ermöglicht, seine Kontinuität zu sichern, indem es die Zukunft der Vergangenheit gleichmacht und so die Gegenwart vermeidet. Durch die Auffassung, dass man für die Vergangenheit in der Zukunft bezahlen muss, wird die Vergangenheit zum bestimmenden Faktor für die Zukunft, der die beiden ohne eine dazwischenliegende Gegenwart zu etwas Kontinuierlichem macht. Denn das Ego betrachtet die Gegenwart nur als einen kurzen Übergang in die Zukunft, in der es die Vergangenheit der Zukunft dadurch überbringt, dass es die Gegenwart aus der Perspektive der Vergangenheit deutet.
(EKIW: Kapitel 13, IV. 4.)

Daher gilt es am Weg, zurück ins Paradies, sich von der Anhaftung an die Vergangenheit zu lösen, um damit die Zukunft zu befreien und so die Voraussetzung für den heiligen Augenblick – das JETZT – zu schaffen.

Es ist offensichtlich, dass die Wahrnehmung, die der HEILIGE GEIST von der Zeit hat, genau das Gegenteil der Wahrnehmung des Ego ist. Der Grund dafür ist ebenso klar, denn sie nehmen den Zweck der Zeit diametral entgegengesetzt wahr. Der HEILIGE GEIST deutet den Zweck der Zeit so, dass sie den Bedarf an Zeit unnötig macht. ER betrachtet die Funktion der Zeit als eine vorübergehende, die nur SEINER Lehrfunktion dient, und diese ist definitionsgemäß vorübergehend. SEINE Betonung liegt daher auf dem einzigen Aspekt der Zeit, der sich zur Unendlichkeit ausdehnen kann, denn jetzt ist die dichteste Annäherung an die Ewigkeit, die diese Welt zu bieten hat. In der Wirklichkeit des »Jetzt« - ohne Vergangenheit oder Zukunft - beginnt die Würdigung der Ewigkeit. Denn nur »jetzt« ist hier, und nur »jetzt« bietet die Gelegenheit für die heiligen Begegnungen, in denen die Erlösung gefunden werden kann.
(EKIW: Kapitel 13, IV. 7.)

Wir können uns in der Mechanik des heiligen Augenblickes üben. Das „Buch der Geheimnise“ von Osho bietet gute Übungen dafür.

Doch der heilige Augenblick ersetzt die Notwendigkeit des Lernens nicht! Manche Lehrer unterscheiden daher auch zwischen geistigem und körperlichem Erwachen. Mit dem geistigen Erwachen allein ist die vollständige Befreiung noch nicht erreicht, es müssen noch alle Ideen von Schuld aufgelöst werden. Das geistige Erwachen ist das Eintauchen ins JETZT und aus dieser Position aus, gilt es dann alle Irrtümer im Geist zu berichtigen. Man könnte es auch so ausdrücken: Dieses Eintauchen ins JETZT, stellt die Bereitschaft und die Bedingung dar, sodass der HEILIGE GEIST ganz ungestört die Irrtümer in unserem Geist berichtigen kann.

Der heilige Augenblick ist SEINE wertvollste Hilfe, um uns vor der Anziehungskraft der Schuld zu schützen. Deswegen sprechen viele spirituelle Lehrer davon, dass im erwachten Bewusstseinszustand kein Karma – also keine Illusionen von Schuld - mehr produziert wird.

Der HEILIGE GEIST möchte das alles jetzt aufheben. Die Angst gehört nicht zur Gegenwart, sondern nur zur Vergangenheit und Zukunft, die es gar nicht gibt. Es gibt keine Angst in der Gegenwart, wenn jeder Augenblick klar und von der Vergangenheit getrennt dasteht und ohne dass sein Schatten in die Zukunft reicht. Jeder Augenblick ist eine reine, unbefleckte Geburt, in der der GOTTESSOHN aus der Vergangenheit in die Gegenwart hervortritt. Und die Gegenwart dehnt sich ewig aus. Sie ist so schön und rein und frei von Schuld, dass dort nichts als Glück ist. Es gibt keine Erinnerung an Dunkelheit, und Unsterblichkeit und Freude sind jetzt.
(EKIW: Kapitel 15, I. 8.)

„Ewigkeit“ ist nur ein anderer, ein historischer Begriff für Zeitlosigkeit. Der Begriff ewig ist aber irreführend, denn ewig bedeutet zeitlich ohne Ende und ist somit immer noch ein zeitliches Phänomen. Zeitlosigkeit verweist auf einen Zustand jenseits der Zeit.

Zeit aus unserem Bewusstsein zu streichen bedeutet, das Ego aufzugeben. Wenn vom Eliminieren der Zeit die Rede ist, ist natürlich nicht die Uhrzeit gemeint, die ja ihren Nutzen für praktische Zwecke hat. Gemeint ist die Elimination der psychischen Zeit, also der unaufhörlichen Beschäftigung des Egogeistes mit Vergangenheit und Zukunft, und seiner Unwilligkeit, durch Ausrichtung auf das unvermeidliche Sosein des gegenwärtigen Augenblicks, eins mit dem Leben zu sein.

"Daher muss es so sein, dass die Zeit nicht beteiligt ist und jedes Problem jetzt beantwortet werden kann. Doch muss es auch so sein, dass eine Lösung in deinem Geisteszustand unmöglich ist. Deshalb muss GOTT dir einen Weg gegeben haben, einen anderen Geisteszustand zu erlangen, in dem die Antwort bereits da ist. Das ist der heilige Augenblick. Hierher sollten alle deine Probleme gebracht und hier gelassen werden. Hierher gehören sie, denn hier ist ihre Antwort. Und da, wo seine Antwort ist, muss ein Problem einfach und leicht zu lösen sein. Der Versuch, ein Problem dort zu lösen, wo die Antwort nicht sein kann, muss zwecklos sein. Doch genauso sicher muss es gelöst werden, wenn es dorthin gebracht wird, wo die Antwort ist.

Versuche, keine Probleme zu lösen, außer in der Sicherheit des heiligen Augenblicks. Denn dort wird das Problem beantwortet und gelöst. Außerhalb dessen gibt es keine Lösung, denn dort ist keine Antwort, die zu finden wäre. Nirgendwo außerhalb wird eine einzige, einfache Frage je gestellt. Die Welt kann nur eine Doppelfrage stellen. Auf eine Frage, auf die viele Antworten passen, kann es keine Antwort geben. Keine davon wird ihr Genüge tun. Sie fragt auch nicht, um eine Antwort zu bekommen, sondern nur, um ihren Standpunkt erneut zu formulieren.
"

(EKIW: Kapitel 27, IV. 2. & 3.)

Alles, was ist oder geschieht, ist die Form, die das JETZT annimmt. Solange wir dagegen innerlich Widerstand leisten, bildet die Form, das heißt die Welt, ein unüberwindliches Hindernis, das uns von dem trennt, was wir jenseits der Form sind. Wenn wir innerlich Ja sagen zu der Form, die das JETZT gerade annimmt, wird eben diese Form ein Tor zum Formlosen. Dann ist die Trennung zwischen der Welt und Gott aufgehoben.

Bei der Aussage, es gibt nur das JETZT, könnten wir einwenden, es gibt ja nicht nur die Geschichte in meinem Kopf, sondern auch noch die Bilder in meinem Fotoalbum, die diese Geschichte bestätigen. Doch wenn die Welt eine Projektion des Geistes ist, dann ist auch das Fotoalbum eine Projektion des Geistes im JETZT. Jede beliebige biographische Geschichte und jedes dazu passende Fotoalbum lassen sich im JETZT projizieren.

In lebensbedrohlichen Situationen verschiebt sich das Bewusstsein manchmal ganz von selbst ins JETZT, die Persönlichkeit tritt für einen Moment in den Hintergrund und wird durch eine intensive bewusste Gegenwärtigkeit ersetzt, sehr still und zugleich sehr wach.

Darin besteht die Anziehungskraft gefährlicher Aktivitäten wie Freiklettern oder Autorennen, meist ohne dass sich die Ausübenden dessen bewusst sind. Der Grund ist, dass uns diese Aktivitäten ins JETZT zwingen - in einen Zustand voller Lebendigkeit, frei von Zeit, frei von Problemen, frei vom Denken und frei von der Last der Persönlichkeit. Dieser Zustand ist so wundervoll, dass wir sehr leicht versucht sind diesen Zustand immer wieder durch gefährliche Aktivitäten herstellen zu wollen, was infolge zu einer gewissen Abhängigkeit von der betreffenden Tätigkeit führen kann. Um diesen Zustand zu erreichen brauchen wir keine gefährlichen Aktivitäten, es ist unser natürlicher Seinszustand. Diesen Zustand zu erreichen, ist das Ziel jedes spirituellen Weges.

Nach einem solchen Moment totaler Präsenz kehrt das Ego zurück und begeht häufig folgende Irrtümer. Das „spirituelle“ Ego identifiziert sich mit dieser Erfahrung und glaubt nun, es wäre erwacht. Das spirituell ungeschulte Ego versucht diesen Zustand durch immer gefährlichere Aktivitäten wieder zu erreichen. Dies endet manchmal tödlich. Der Tod löst den grundlegenden Konflikt nicht, aber nach jedem Tod, also nach jeder Loslösung des Bewusstseins von der Form, kommt es zu einem flüchtigen Erwachen – also einer kurzen Begegnung mit Gott.

Ein Mensch der all dies sehr intensiv erfahren hat, war Ayrton Senna.

Ayrton Senna

Ayrton Senna, einer der legendärsten Formel 1 Rennfahrer aller Zeiten, war ein sehr gläubiger Mensch und wie viele Sportler, besonders jene aus Südamerika, sah er seine Erfolge nicht als seinen alleinigen Verdienst an, sondern als ein Geschenk Gottes. Senna war ein Mensch der ganz in die Illusion einer Person eingetaucht war und diese Erfahrung auf sehr intensive Art auslebte, aber sich gleichzeitig bewusst war, dass es da noch etwas Größeres gibt, in das sein Leben und sein Tun eingebettet sind. Diese Demut, die er ausstrahlte, spürten die Menschen und das machte ihn zu einem Liebling der Massen. Nach seinem Tod wurde in Brasilien eine dreitägige Staatstrauer abgehalten.

Am 14. Mai 1988 fuhr Senna das Qualifying für den Grand Prix von Monaco auf eine ganz besondere Art und Weise. Mit einer Zeit von 1:23.998 Minuten fuhr er dabei 1,427 Sekunden schneller als sein Teamkollege Alain Prost und ließ den Österreicher Gerhard Berger im Ferrari 2,687 Sekunden auf Platz drei zurück.

In einem zwei Jahre später erschienen Interview schilderte Senna seine Pole-Position-Runde als Erfahrung einer anderen Dimension:

I was already on pole, then by half a second and then one second and I just kept going. Suddenly I was nearly two seconds faster than anybody else, including my team mate with the same car. And suddenly I realised that I was no longer driving the car consciously. I was driving it by a kind of instinct, only I was in a different dimension. It was like I was in a tunnel. Not only the tunnel under the hotel, but the whole circuit was a tunnel. I was just going and going, more and more and more and more. I was way over the limit, but still able to find even more.

Irgendwann war dieser Zustand wieder ganz plötzlich vorbei und er bekam Angst, er ging vom Gas und fuhr langsam zurück zur Box. Senna bestieg an diesem Tag das Auto nicht mehr. Er war ein im christlichen Sinn gläubiger Mensch und hatte daher keine Ahnung, was ihm da genau passiert war.

Im Grand Prix am Sonntag, am Tag nach dem ganz besonderen Qualifying, fuhr Senna der Konkurrenz zunächst erneut auf und davon und führte mit 50 Sekunden Vorsprung. Als er auch gegen Ende des Rennens immer schneller und schneller wurde, kam von der Box das Kommando, langsamer zu fahren, um den sicheren Sieg nicht zu gefährden. Doch er fuhr weiter volles Tempo, bis er in der Portier-Kurve in die Leitplanken krachte. Senna kehrte darauf hin gar nicht mehr zur Box zurück, sondern verließ unmittelbar die Rennstrecke und zog sich in sein Appartement in Monaco zurück. Er hatte wahrscheinlich versucht den Zustand vom Vortag erzwingen zu wollen. Aber ein heiliger Augenblick lässt sich nicht erzwingen, sondern ist ein Moment der Gnade.

Beim vorletzten Rennen der Saison 1988, beim Grand Prix von Japan in Suzuka, lag Senna nach einem verpatzten Start nur an 14 Stelle. Um Weltmeister zu werden, musste er das Rennen aber gewinnen. Er holte Platz und Platz auf und dann begann das, was er am liebsten hatte – es begann zu regnen. In Folge überholte er auch noch den, bis dahin in Führung liegenden, direkten Konkurrenten Alain Prost und gewann das Rennen. In einem Interview nach dem Rennen sagte er:

Ich war dankbar als ich die letzte Runde fuhr, ich dankte Gott. Ich hätte nicht geglaubt, dass ich tatsächlich die Weltmeisterschaft gewinnen würde. In dieser ganzen Aufregung und Anspannung spürte ich seine Gegenwart – ich sah Gott. Es war ein besonderer Moment in meinem Leben, ein ungeheures Gefühl. Es ist in meiner Erinnerung verankert und wird immer ein Teil von mir sein.

Der Grand Prix von San Marino 1994, auf dem Kurs von Imola, war ein von schweren Unfällen überschattetes Rennen. Am Freitag dem ersten Trainingstag verursachte Rubens Barrichello einen schweren Unfall, den er aber nahezu unverletzt überstand. Am Samstag verunglückte der Österreicher Roland Ratzenberger tödlich. Senna ging zum Unfallsort, war von den Ereignissen sehr berührt und nahm in Folge nicht weiter am Qualifying teil.

Am Morgen des 1. Mai 1994, dem Tag des Rennens, bat er Gott zu ihm zu sprechen. Ayrton Senna öffnete die Bibel und las eine Passage in der stand, dass Gott ihm das größte aller Geschenke machen würde und das war Gott selbst. Wenige Stunden später verunglückte er tödlich.

Epilog

Die Heilung erwartet uns in der Gegenwart, daher ist es wichtig, dass wir uns von der Vergangenheit lösen. Genauso wichtig ist es auf der anderen Seite, dass wir uns von der Zukunft lösen. Dies bedeutet unter anderem geistig nicht in einer Warteposition zu verharren. Warten ist eine Ausrichtung auf etwas Zukünftiges und verhindert damit ganz automatisch die Erlösung im JETZT. Wenn die Gegenwart für uns nur eine unliebsame Zwischenstation auf dem Weg in eine glorreiche Zukunft ist, dann sind wir gefangen in der Illusion der Trennung von GOTT und der Welt.

Am Ende gilt doch nur, was wir getan und gelebt - und nicht, was wir ersehnt haben.
(Arthur Schnitzler)

Ein erwachter Mensch wartet nicht einmal an einer Busstation. Dies bedeutet nicht, dass er dort nicht beispielsweise eine halbe Stunde steht, es bedeutet nur, dass er im Geist nicht wartet. Er ist ganz hier und nimmt alles was in diesem Moment auftaucht mikroskopisch genau war. Sei es das Zwitschern eines Vogels, das Geräusch eines vorbei rollenden Autos, der Wind auf der Haut, die Sonne im Gesicht. Der Geist beschäftigt sich einfach nicht damit, dass in einer halben Stunde ein Bus kommen wird, sondern ruht im JETZT. Natürlich steht der erwachte Mensch genauso diese halbe Stunde an der Busstation, aber er hat dabei im Geist nicht gewartet - er IST einfach.

Wenn Gedanken an die Vergangenheit von uns Besitz ergreifen, oder wenn wir unser Leben auf zukünftige Erwartung aufbauen, sind wir Gefangene der Zeit und nicht in der Lage unsere ganze Energie auf den jetzigen Moment, nicht auf die im Moment anstehende Handlung, auszurichten. Energie folgt der Aufmerksamkeit! Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf Vergangenheit oder Zukunft ausrichten, dann fehlt uns die Energie für die Ausrichtung auf Erlösung in der Gegenwart.

JETZT ist der Augenblick der Macht! In der Wirklichkeit des JETZT - ohne Vergangenheit oder Zukunft - beginnt die Würdigung der Ewigkeit. Denn nur JETZT ist hier, und nur JETZT bietet die Gelegenheit für die heiligen Begegnungen, in denen die Erlösung gefunden werden kann.

Es ist niemals besser als jetzt!



Spirituelle Suche, spiritueller Weg

Man entdeckt keine neuen Erdteile,
ohne den Mut zu haben,
alte Küsten aus den Augen zu verlieren.
(André Gide, Literaturnobelpreis 1947)

Christoph Kolumbus und die Entdeckung Amerikas

Die Portugiesen suchten im Rahmen des Indienhandels bereits seit Anfang des 15. Jahrhunderts nach einem Seeweg nach Indien um Afrika herum. 1488, nach einer langen Reise entlang der Küste Afrikas, hatte der portugiesische Entdecker Bartolomeu Diaz das Kap der Guten Hoffnung umfahren.

Christoph Kolumbus, der Sohn eines einfachen Wollwebers aus Genua, ist fasziniert von der Seefahrt, vom Gefühl, unterwegs zu sein. Und er träumt davon, einen Seeweg über den Atlantik zu finden, nach China, Japan, Indien. Die Beschreibungen des Asien-Reisenden Marco Polo nähren seine Träume. Der ferne Kontinent verspricht Reichtum, Macht und Ehre.

Er ist überzeugt von seinem Plan und will an den Königshäusern vorsprechen, um Geld für seine Expedition einzutreiben. 1484 bekommt er endlich eine Audienz beim portugiesischen König. Der lacht nur müde. Asien in ein bis zwei Wochen? Unmöglich! Kolumbus zieht an den spanischen Königshof.

Doch auch Isabella und ihr Gemahl Ferdinand haben zunächst kein Interesse an den Plänen. Kolumbus gibt nicht auf und findet schließlich doch bei Isabella Gehör. Die Königin der Spanier ist berauscht von dem Gedanken, den Wettlauf um die Entdeckung ferner Länder gegen Portugal zu gewinnen. Sie lässt sich blenden von Kolumbus’ Charme, den Goldversprechungen und der Aussicht, die fremden Völker zum christlichen Glauben zu bekehren.

Isabella und Ferdinand stellen ihm drei Schiffe zur Verfügung – Santa Maria, Niña und Pinta. Am 3. August 1492, noch vor Sonnenaufgang, segelt Kolumbus von der Hafenstadt Palos in Andalusien aus auf den Atlantik hinaus.

Grundlage für diesen Versuch war seine zu geringe Berechnung des Erdumfangs, die ein Erreichen des asiatischen Kontinents mit den damaligen Möglichkeiten der Seefahrt erst möglich erscheinen ließ. Kolumbus berechnete alles falsch, was man nur falsch berechnen kann. Er, der nie eine Universität besucht hatte, der zwar von seinen Ideen besessen, aber nicht sonderlich begabt war, unterschätzte den Erdumfang – etwa um ein Viertel. Obwohl schon den Alten Griechen der Erdumfang ziemlich genau bekannt war, verließ sich Kolumbus auf die Berechnungen des italienischen Astronomen Toscanelli, der die These vertrat, dass die Erde kleiner sei als bisher gedacht.

Um zwei Uhr am Morgen des 12. Oktobers 1492 sichtete der Matrose Rodrigo de Triana vor dem Bug der Pinta Land. Eine Kanone wurde abgefeuert, um alle Seeleute aufzuwecken und ihnen die frohe Botschaft zu überbringen. Die ersten Begegnungen mit dem einheimischen Volk verliefen friedlich. In seinem Logbuch beschrieb Kolumbus die Indianer als "unschuldig". Er nannte sie Indianer, weil er glaubte, in Indien angelangt zu sein, doch in Wahrheit hatte er eine „Neue Welt“ entdeckt. Das Datum dieses Schlüsselereignisses, der Entdeckung der „Neuen Welt“, kann als Epochengrenze zwischen Mittelalter und Neuzeit gesehen werden.

Hätte Christoph Kolumbus den tatsächlichen Erdumfang und die tatsächliche Größe Asiens gekannt wäre er nie aufgebrochen, weil die Entfernung nach Asien mit den damaligen Schiffen nicht überbrückbar war und der Kontinent Amerika nicht bekannt war.

Die Legende der Gralssuche

Die Überlieferungen beschreiben den Gral als ein wundertätiges Gefäß in Form einer Schale oder eines Kelchs. Er soll Glückseligkeit, ewige Jugend und Speisen in unendlicher Fülle bieten. Dieses wunderkräftige und heilige Gefäß, das ewige Lebenskraft spendet, ist umgeben von einer Gemeinschaft, die unter einem Mangel leidet.

Die Legenden, die diesen sonderbaren Gegenstand umranken, wurden von den Troubadouren im mittelalterlichen Europa besungen. In ihrer Minnedichtung ging es um die "große Queste" - die Suche nach einem Objekt sakraler Vollkommenheit.

Jene die sich auf die Suche nach dem Heiligen Gral gemacht hatten, suchten zuerst ein wertvolles Ding. Doch der Gral verspricht ewige Lebenskraft, was dem Erwachen aus der Illusion zum "ewigen" Sein entspricht. Es ist die Suche nach dem wahren SELBST, letztendlich die Suche nach GOTT.

Der Held, Parzival, in dem sich größter Heldenmut und Reinheit vereinen, wächst abseits der Welt auf. Ihm fehlt der Sinn für die Wirklichkeit, weshalb er auch „tumber Tor“ oder „großer Narr“ genannt wird. Der Held verlässt sein behütetes Zuhause und wünscht sich, der bedeutendste Ritter seiner Zeit zu werden. Hilfe bekommt er vom Zauberer Merlin, den man als Symbol für den HEILIGEN GEIST verstehen kann. Der große Narr, der sein Glück im Verlassen seines Vaters zu finden sucht, ist das Symbol für das Ego, das sein Glück in der Trennung von GOTT zu finden sucht.

Der „Narr“ hat aber noch einen zweiten symbolischen Aspekt. Es braucht mutige Narren, um Altes in Frage zu stellen und aufzubrechen, um eine „Neue Welt“ zu entdecken. Solange wir uns im sicheren Hafen des egoischen Denksystems festhalten, werden wir das Paradies nicht finden.

Spirituelle Suche

Dies sind wunderbare Parabeln für die spirituelle Suche, die fast immer mit völlig falschen Vorstellungen vom Paradies beginnt. Das Ego, das sich mit Spiritualität zu beschäftigen beginnt, erhofft sich davon irdisches Glück – finanziellen Erfolg, Anerkennung, einen Seelenpartner und dergleichen. Nur aufgrund dieser falschen Vorstellung ist es überhaupt bereit sich auf den Weg zu machen. Es ist aber eine Reise ins Unbekannte. Das Ego kennt nur die Ware Glück, aber nicht das WAHRE GLÜCK. Wie bei Kolumbus handelt es sich um die Entdeckung einer neuen, bis dahin völlig unbekannten, Welt.

Darum heißt es:

Der der die Suche beginnt, wird die Suche nicht beenden.

Die Suche nach dem Heiligen Gral, die Suche nach dem Paradies - es ist die ewig gleiche Geschichte, von der Suche nach dem wahren SELBST, von der Rückkehr nach Hause zum VATER. Symbole für diese Suche finden sich in großer Zahl in den unterschiedlichsten Geschichten und Mythen, in allen Kulturen und zu allen Zeiten.

Spiritueller Weg

Erst wenn die größten Irrtümer über das Ziel der Reise beseitigt sind beginnt der eigentliche Weg. Es gibt viele verschiedene Wege und alle Wege, die wahrlich GOTT zum Ziel haben, werden letztlich von Erfolg gekrönt sein, um ihres Zieles willen. Doch sind viele der Mittel mühsam und sehr zeitaufwendig, denn sie sind auf die Zukunft ausgerichtet, um die Befreiung von einem Zustand gegenwärtiger Unwürdigkeit und Unzulänglichkeit zu erlangen.

Der Weg den der Kurs beschreibt ist ein anderer, nicht was das Ziel, sondern was die Mittel betrifft. Eine heilige Beziehung ist ein Mittel, um Zeit einzusparen. Ein heiligen Augenblick, den wir gemeinsam mit einem Bruder verbringen, gibt uns beiden das Universum wieder.

Befürchte nicht, dass du unvermittelt emporgehoben und in die Wirklichkeit geschleudert wirst. Die Zeit ist gütig, und wenn du sie zugunsten der Wirklichkeit nutzt, wird sie bei deinem Übergang sanft mit dir Schritt halten. Die Dringlichkeit liegt nur darin, deinen Geist aus seiner starren Position hier herauszulösen. Das wird dich nicht obdachlos und ohne Bezugsrahmen lassen. Die Desorientierungsphase, die dem eigentlichen Übergang vorangeht, ist weit kürzer als die Zeit, die es gedauert hat, deinen Geist so fest auf Illusionen zu fixieren. Die Verzögerung wird dich jetzt mehr verletzen als zuvor, einfach weil du begreifst, dass es eine Verzögerung ist und das Entrinnen aus dem Leid tatsächlich möglich ist. Finde Hoffnung und Trost statt Verzweiflung hierin: Du könntest selbst die Illusion von Liebe nicht lange in irgendeiner besonderen Beziehung hier finden. Denn du bist nicht mehr gänzlich wahnsinnig, und du würdest bald die Schuld des Selbstverrats als das begreifen, was sie ist.
(EKIW: Kapitel 16, VI. 8.)

Die wichtigen Stationen der Reise zurück ins Paradies sind vorgegeben, lediglich in der genauen Reiseroute und damit der Reisedauer besteht eine Wahlmöglichkeit.

Dies ist ein Kurs in Wundern. Es ist ein Pflichtkurs. Nur die Zeit, in der du ihn machst, steht dir frei. Freier Wille bedeutet nicht, dass du den Lehrplan bestimmen kannst. Es bedeutet nur, dass du wählen kannst, was du zu einer gegebenen Zeit lernen willst.
(EKIW: Einleitung, 1.)

Die sechs Stufen bei der Entwicklung von Vertrauen

Der Kurs bietet auch eine Beschreibung der einzelnen Reiseabschnitte. Im Handbuch für Lehrer werden im Kapitel über die typischen Eigenschaften eines Lehrers GOTTES sechs Stufen bei der Entwicklung von Vertrauen beschrieben:

1. Phase

Zuerst müssen sie etwas durchlaufen, das »eine Phase des Aufhebens« genannt werden könnte. Das braucht nicht schmerzhaft zu sein, wird aber gewöhnlich so erfahren. Es scheint, als würden Dinge weggenommen, und anfangs wird selten verstanden, dass lediglich ihr Mangel an Wert begriffen wird. Wie kann ein Mangel an Wert wahrgenommen werden, es sei denn, der Wahrnehmende ist in einer Lage, in der er die Dinge in einem anderen Licht sehen muss? Er ist noch nicht an einem Punkt, an dem er den Wechsel gänzlich im Innern vollziehen kann. Und somit wird der Plan manchmal Veränderungen in dem hervorrufen, was äußere Umstände zu sein scheinen. Diese Veränderungen sind immer hilfreich. Wenn der Lehrer GOTTES soviel gelernt hat, geht er zum zweiten Stadium über.
(EKIW: III. HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. I. 3.)

2. Phase

Als nächstes muss der Lehrer GOTTES durch eine »Phase des Aussortierens« gehen. Das ist immer etwas schwierig, weil er, da er gelernt hat, dass die Veränderungen in seinem Leben stets hilfreich sind, nun alle Dinge aufgrund dessen entscheiden muss, ob sie das Hilfreiche mehren oder hindern. Er wird feststellen, dass viele, wenn nicht die meisten Dinge, denen er vorher Wert beigemessen hatte, lediglich seine Fähigkeit behindern, das, was er gelernt hat, auf jeweils neue Situationen zu übertragen. Weil er dem Wert beigemessen hat, was wirklich wertlos ist, wird er die Lektion aus Angst vor Verlust und Opfer nicht verallgemeinern. Es bedarf beträchtlichen Lernens, um zu verstehen, dass alle Dinge, Geschehnisse, Begegnungen und Umstände hilfreich sind. Nur in dem Maß, in dem sie hilfreich sind, sollte ihnen irgendein Grad von Wirklichkeit in dieser Welt der Illusion beigemessen werden. Das Wort Wert kann sich auf nichts anderes beziehen.
(EKIW: III. HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. I. 4.)

3. Phase

Die dritte Stufe, die der Lehrer GOTTES durchlaufen muss, kann als »eine Phase des Aufgebens« bezeichnet werden. Wenn dies als Aufgeben von Wünschenswertem gedeutet wird, wird es enorme Konflikte erzeugen. Wenige Lehrer GOTTES entrinnen völlig dieser Not. Es hat allerdings keinen Sinn, das Wertvolle vom Wertlosen zu trennen, wenn nicht der nächste offensichtliche Schritt getan wird. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass »die Phase der Überschneidung «eine Zeit ist, in der der Lehrer GOTTES sich dazu aufgerufen fühlt, das, was zu seinem Besten ist, für die Wahrheit zu opfern. Es ist ihm bis jetzt noch nicht klargeworden, wie gänzlich unmöglich eine solche Forderung wäre. Er kann das nur lernen, indem er das Wertlose tatsächlich aufgibt. Dadurch lernt er, dass er dort, wo er Gram erwartete, statt dessen eine glückliche Unbeschwertheit findet, und dort, wo er dachte, etwas werde von ihm verlangt, eine Gabe findet, die ihm verliehen wird.
(EKIW: III. HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. I. 5.)

4. Phase

Jetzt folgt »eine Phase des Zur-Ruhe-Kommens«. Das ist eine ruhige Zeit, in der der Lehrer GOTTES für eine Weile einigermaßen in Frieden ruht. Jetzt festigt er sein Lernen. Jetzt beginnt er den Übertragungswert dessen zu sehen, was er gelernt hat. Dessen Potential ist buchstäblich umwerfend, und der Lehrer GOTTES ist jetzt in seinem Fortschreiten an dem Punkt angelangt, an dem er darin seinen ganzen Ausweg sieht. Gib auf, was du nicht willst, und bewahre, was du willst. Wie einfach ist das Offensichtliche! Und wie leicht auszuführen! Der Lehrer GOTTES braucht diese Atempause. Er ist noch nicht so weit gekommen, wie er denkt. Doch wenn er bereit ist, weiterzugehen, geht er mit mächtigen Gefährten an seiner Seite. Jetzt ruht er eine Weile und sammelt sie um sich, bevor er weitergeht. Er wird von hier an nicht alleine gehen.
(EKIW: III. HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. I. 6.)

5. Phase

Die nächste Stufe ist fürwahr »eine Phase des Ins-Wanken-Bringens«. Jetzt muss der Lehrer GOTTES verstehen, dass er nicht wirklich wusste, was wertvoll und was wertlos war. Alles, was er bis jetzt wirklich gelernt hatte, war, dass er das Wertlose nicht wollte und dass er das Wertvolle wollte. Doch sein eigenes Aussortieren war bedeutungslos dafür, ihn den Unterschied zu lehren. Die Idee des Opferns, so zentral für sein eigenes Denksystem, hatte es ihm unmöglich gemacht, zu urteilen. Er dachte, er habe Bereitwilligkeit gelernt, doch jetzt sieht er, dass er nicht weiß, wofür die Bereitwilligkeit ist. Und jetzt muss er einen Zustand erlangen, der möglicherweise für eine lange, lange Zeit unerreichbar bleiben wird. Er muss lernen, alles Urteilen wegzulegen und nur um das zu bitten, was er in jeder Situation wirklich will. Würde nicht jeder Schritt in diese Richtung so nachdrücklich verstärkt, wäre es fürwahr schwierig!
(EKIW: III. HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. I. 7.)

6. Phase

Und schließlich gibt es eine »Phase der Vollendung«. Genau hier wird das Lernen gefestigt. Jetzt wird das, was vorher als bloße Schatten gesehen wurde, zu einem soliden Gewinn, auf den man in allen Notfällen ebenso wie in ruhigen Zeiten zählen kann. In der Tat ist Seelenruhe ihr Resultat: das Ergebnis des ehrlichen Lernens, der Konsequenz im Denken und der vollständigen Übertragung des Gelernten. Das ist das Stadium wirklichen Friedens, denn hier wird der Zustand des HIMMELS völlig widergespiegelt. Von hier aus ist der Weg zum HIMMEL offen und leicht. Tatsächlich ist er hier. Wer würde irgendwohin »gehen« wollen, wenn der Seelenfrieden bereits vollständig ist? Und wer würde die Seelenruhe gegen etwas Wünschenswerteres einzutauschen suchen? Was könnte wünschenswerter sein als dies?
(EKIW: III. HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. I. 8.)

Zusammenfassung

Wir sehen, dass zwei Drittel dieser Phasen, also vier von sechs, üblicherweise als herausfordernd und schwierig wahrgenommen werden. Dies kommt in allen Geschichten und Mythen von der Suche nach dem Paradies zum Ausdruck. Der Reisende muss eine Menge an Abenteuern und Prüfungen überstehen und ist immer wieder großen Zweifeln ausgesetzt. Wenn wir aber aufgrund der Hinweise im Kurs eine Ahnung davon haben was auf uns zukommt, werden wir nicht gleich bei der ersten Schwierigkeit die Suche aufgeben.

Epilog

Kirsten Buxton, eine in Neuseeland geborene Kurs-Lehrerin, berichtet 2011 in einem Interview von ihrer Reise:

Interview mit Kirsten Buxton


Jesus spricht:
Wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet.
Und wenn er findet, wird er bestürzt sein.
Und wenn er bestürzt ist, wird er erstaunt sein.
Und er wird König sein über das All.

(Thomas-Evangelium, Logion 2)



Spirituelle Lehrer

Die Entwicklung auf der Ebene des Egos mit all den Ausbildungen und Trainings und all den Seminaren zur Persönlichkeitsentwicklung, wie Selbstmanagement, Zeitmanagement, „Die Kunst, Nein zu sagen“, „Löse deine Blockaden“, stellen eine „Entwicklung“ auf der horizontalen Ebene dar – sind aber kein spiritueller Weg.

Es passiert dabei auch keine wirkliche Entwicklung. Zu lernen von der Position des Opfers in die Position des Täters zu wechseln, indem man lernt nein zu sagen, ist nur ein Wechsel von einer Seite der Dualität auf die andere. Daran ist absolut nichts falsch, es wollen einfach beide Seiten der Dualität erfahren werden. Meist entsteht die Bereitschaft zu echter Entwicklung aber erst dann, wenn der Wechsel in umgekehrter Richtung erfolgt, wenn also die Täter, sprich Macher-Rolle, in sich zusammenbricht und wir uns wieder als Opfer von äußeren Umständen erleben. Diese scheinbar äußeren Umstände können wirtschaftliche Rahmenbedingungen oder auch eine Krankheit sein.

Alle Spekulation, vielleicht alles Philosophieren ist nur ein Denken in Spiralen;
wir kommen wohl höher, aber nicht eigentlich weiter,
und dem Zentrum der Welt bleiben wir immer gleich fern.

(Arthur Schnitzler)

Der spirituelle Weg stellt die Entwicklung auf der vertikalen Ebene dar – raus aus der Illusion einer handelnden Person. In den meisten persönlichen Lebenswegen finden wir eine Zeit der „Entwicklung“ auf horizontaler Ebene und wenn die Grenzen dieser „Entwicklung“ erkannt sind, folgt irgendwann echte Entwicklung auf vertikaler Ebene.

Dem entsprechend lassen sich auch Lehrer unterscheiden – jene, die bei der erfolglosen Suche nach dem persönlichen Glück behilflich sind und jene, die auf dem Weg raus aus der Illusion einer Person hilfreich sind - und nur jene sind wahrhaft spirituelle Lehrer.

Bei den spirituellen Lehrern gibt es allerdings auch zwei sich scheinbar völlig widersprechende Philosophien. Die einen behaupten das Ego ist eine Illusion und daher gibt es auch Niemanden der etwas zur Erlösung beitragen könnte. Sie meinen jeder Lehrer der behauptet der Schüler könnte etwas tun, sei ein Mittäter bei der Verhinderung der Befreiung. Die zweite Gruppe von Lehrern lehrt hingegen eine Unmenge an Methoden mit deren Hilfe sich der Schüler befreien kann, ohne dass dabei von göttlicher Führung die Rede ist. Was ist nun die Wahrheit?

Beides ist wahr und beides ist unwahr - die “Wahrheit” liegt in der „Mitte“ und sie legt jenseits der Worte. Aus Sicht der WAHRHEIT ist die Welt eine Illusion. Das bedeutet es gibt keinen Lehrer und keinen Schüler und niemanden der von irgendetwas erlöst oder befreit werden könnte. Dies bedeutet auch dass es keine Führung gibt und keinen Weg der gegangen werden müsste. Diese Wahrheit zu kennen ist wichtig, aber allein nutzlos für die Figur im Traum. Für die Figur im Traum gibt es sehr wohl einen Weg und scheinbar auch einen freien Willen, der auch dazu genutzt werden kann, sich von diesem persönlichen Willen zu verabschieden. Die Figur im Traum selbst kann nichts tun, aber der mit der Figur im Traum identifizierte Geist kann die Bereitschaft entwickeln sich durch den HEILIGEN GEIST aus der Illusion, diese Figur zu sein, befreien zu lassen und sich somit vom HEILIGEN GEIST führen lassen.

Das ist das, was, bewusst oder unbewusst, auf irgend eine Art und Weise, bei jedem irgendwann geschieht. Das sind einfach die Spielregeln innerhalb der Illusion von Zeit und Raum. Dies ist der Lehrplan dessen Inhalt nicht persönlichen Präferenzen unterliegt, der Lehrplan der für das Erwachen aus der Illusion zu absolvieren ist.

Eine weitere Quelle für viele Missverständnisse liegt in der Mehrdeutigkeit des englischen Wortes mind begründet. Es bedeutet sowohl Verstand als auch Geist und wird von spirituellen Lehrern in dem einen oder dem anderen Sinne verwendet. Eckhart Tolle verweist mit dem Wort mind meist auf den Verstand, während David Hoffmeister, ein Kurs-Lehrer, mind im Sinne von Geist verwendet.

Doch selbst der Begriff Verstand führt noch zu weiteren Missverständnissen. Viele „spirituelle“ Lehrer verdammen den Verstand. Viele flüchten sich in eine „esoterische Wohlfühl-Spiritualität“ und übersehen dabei die gröbsten Widersprüche in ihrem Weltbild. Der logische Verstand ist aber extrem hilfreich bei der Beschäftigung mit spirituellen Themen – nur wer den logischen Verstand richtig einsetzt, kann beispielsweise den Widerspruch in der Idee von einem liebenden und gleichzeitig strafenden Gott erkennen. Die entscheidende Frage ist, welcher Geist nutzt den logischen Verstand? Der verwirrte Ego-Geist wird nur Verwirrung stiften, ein rechtgesinnter Geist wird auch den Verstand als Mittel am Weg der Erlösung verwenden.

Mit dem Erleben des „Aufwachens“, also dem Lösen des Bewusstseins aus der Identifikation, aus dem mentalen Traum, passiert nicht die vollständige Loslösung der Identifikation. Meistens landet der Mensch erst einmal in einer sogenannten „Bliss-Blase“. Es ist ein Zustand, in dem man aus dem Gewahrsein, wie von Außen betrachtet, und sich und die Welt als Traumblase erlebt. Der Verstand erkennt einen höheren Zusammenhang und gibt sich dem Höheren hin, um von nun an mehr oder weniger zu dienen. Gleichzeitig löst sich das Bewusstsein von der Identifikation, diese Person zu sein. Einige Zeit lang sind auch die Schatten im Energiekörper wie im Standbymodus, in dieser so genannten „Bliss-Blase".

Einige wollen dann in diesem Zustand spirituelle Lehrer werden. Um diese Rolle auszufüllen, braucht es aber eine gewisse Reife des sich befreienden Seins. Diese Reife ist nicht an Monaten oder Jahren festzumachen, sondern hängt auch vom „Reifezustand“ der „Seele“ ab. Jeder startet mit einem anderen Befreiungsgrad und der eine geht weiter intensiv im Prozess und der andere glaubt, er sei fertig. Also braucht es eine individuelle Reife in seinem Bewusstheits-Zustand, um die Lehrer-Rolle auszufüllen.

Da eine Selbstreflexion in einem weiterführenden Prozess häufig kaum oder gar nicht passiert, zeigt sich die scheinbare Erleuchteten-Szene heute folgendermaßen:

Da sind die „Schausteller“, die den erwachten Zustand schon so lange gesucht haben und glauben, alles darüber zu „wissen“ und ihn jetzt einfach simulieren. Sie geben Satsang und versuchen in den vielen „Erleuchtungs-Kongressen" auch als „Lehrer“ mitzumachen. Diese lustige Form zerfällt nach einiger Zeit, da die Simulation dieses Zustandes leer und tot wirkt und sowohl den Lehrer als auch die Suchenden nicht wirklich berührt.

Yamaoka Tesshu, ein junger Schüler des Zen, besuchte einen Meister nach dem anderen. Er sprach auch bei Dokuon von Shokoku vor. Da er seine Errungenschaften zu zeigen wünschte, sagte er: „Der Geist, Buddha und die Lebewesen existieren letztlich nicht. Die wahre Natur der Erscheinungen ist Leere. Es gibt keine Verwirklichung, keine Täuschung, keine Weisheit, keine Mittelmäßigkeit. Es gibt kein Geben und nichts, was empfangen wird.“ Dokuon, der still vor sich hin rauchte, sagte nichts. Plötzlich schlug er mit seiner Bambuspfeife auf Yamaoka los. Das machte den jungen Mann recht wütend. „Wenn nichts existiert“, erkundigte sich Dokuon, „woher kommt dann dieser Zorn?

"Die einen wählen die Nicht-Dualität
die anderen die Dualität.
Sie verstehen nicht die Wahrheit
den Zustand der Ausgeglichenheit
jenseits von Dualität
und Nicht-Dualität.
"

(Avadhuta Gita, Kapitel 1, Vers 36)


Dann die größte Gruppe, die „Wartenden“. Diese sind zwar im Geist erwacht, aber da sie diesen Zustand als Ende und nicht als Anfang des eigentlichen Prozesses zur Erleuchtung betrachten, braucht der „Wartende“ den Suchenden ähnlich wie er ihn, nur auf einer anderen Ebene.

Es stellt sich die Frage, ob der erwachte Lehrer bereit ist, seine bedürftigen Schatten zu erkennen, wenn er sich als werbend und suchend nach ebenfalls Suchenden erlebt? Wer braucht nun wen?

Sie sprechen von sich als „erleuchtet“ und können vor Blindheit gar nicht bewusst erkennen, dass sie noch eine Person sein müssen, die „erleuchtet“ sein soll. Auch drückt sich ihre Bedürftigkeit nach Anerkennung und Wertschätzung so lustig aus, dass manche sogar „Meister“ oder „Guru“ genannt werden möchten oder mit einem anderen Namen ihren persönlichen Ausdruck erheben wollen. Der Erwachte, der doch gar nicht mehr als Person sein soll, möchte in gewisser Weise doch noch gesehen werden.

In keinen der inflationären Werbeplattformen wie Erleuchtungs-Kongresse und Satsang-Festivals darf der „Wartende“ fehlen, da das Geltungsbedürfnis sowie die existentielle Angst ihr Gehetzt-sein prägt.

Die spirituellen Egos feiern sich gegenseitig und spielen Kuschelpartys und vermitteln das Gefühl, „wir-haben-uns-alle-lieb“. Es ist ein wunderbares Schauspiel der Schatten, das sich unter einem „liebevollen Licht-Mantel der Erleuchtung“ vollzieht. Es ist klar, denn wo so viel „Licht und Erleuchtung“ ist, tummelt sich natürlich auch die Dunkelheit der Schatten.

Wenn dann doch manchmal schattenhafte Muster durchbrechen und sich ausdrücken, dann werden sie verleugnet, denn da ist ja „niemand“ oder sie werden gerechtfertigt mit „alles darf sein“.

Die dritte und wohl einzig ernsthafte Gruppe sind die, die “zur Verfügung stehen". Diese Lehrer haben nach dem Erwachen erkannt, dass dies nur die Voraussetzung zum eigentlichen Prozess war. Sie erkannten, dass mit dem Erwachen sich nun die Möglichkeit langsam aufbaut, die Schatten aus dem als „Körper“ manifestierten Bewusstsein beim Aufsteigen zu beobachten. Ja, sie erkennen, dass sie noch nicht fertig sind und dass es auch kein Fertig gibt. Sie stehen für den eigenen Prozess und für Schüler, die sich befreien wollen, "zur Verfügung“. Und sie erforschen weiterhin, wenn eigene Schatten aufsteigen und sich in Bedürftigkeit ausdrücken wollen, dass sie in der stillen Betrachtung aus dem Gewahrsein integriert, also im Heiligen Augenblick aufgelöst werden.

Diese Lehrer wirken weniger mit ihrer restlichen Bedürftigkeit als Spiri-Entertainer, sondern damit, dass sie mit dem Suchenden an seinem Prozess arbeiten. Sie stehen mit ihrer Präsenz zur Verfügung, um ihm seinen inneren Lehrer zu spiegeln. Im Prozess des Auflösens wird für den Schüler immer mehr sichtbar und erlebbar, dass das Königreich Gottes in ihm ist. Dass Liebe, Frieden und Glückseligkeit immer schon da waren.

Ein Schüler fragte Zen-Meister Philip Kapleau. „Was kann ein Zen-Meister mir geben?“ Kapleau antwortete: „Er kann dir nichts geben, was du nicht schon hast, aber er kann dir vieles nehmen, was deiner wahren Natur fremd ist.

Willst du den Weg in die Berge wissen,
musst du die Leute fragen,
die von den Bergen kommen.

(Chinesischer Spruch)

Dass es Lehrer mit unterschiedlichen Befreiungsgrad gibt, ist kein Grund zur Sorge, denn wir können nicht wirklich an den falschen Lehrer geraten. Je nachdem, in welcher Ebene im Prozess wir einem Lehrer begegnen, spiegelt er uns die Ebene wider. Es ist wie beim Beziehungspartner. Er ist nie der Falsche, auch wenn das manchmal so aussieht.

Wenn der Kurs absolviert ist, ist ein wahrhaft erwachter Lehrer hilfreich, der uns über den Kurs hinaus in den heiligen Augenblick begleitet:

„Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
(Bibel Einheitsübersetzung, Mt 18,20)

Im Kurs klingt die Begleitung so:

Tu einfach dies: Sei still, und lege alle Gedanken darüber, was du bist und was GOTT ist, weg, alle Konzepte über die Welt, die du gelernt hast, alle Bilder, die du von dir selber hast. Mach deinen Geist von allem leer, was er für wahr oder falsch, gut oder schlecht hält, von jedem Gedanken, den er als würdig beurteilt, und allen Vorstellungen, deren er sich schämt. Halte an nichts fest. Bringe nicht einen Gedanken mit, den die Vergangenheit gelehrt hat, noch eine Überzeugung, die du jemals gelernt hast von irgend etwas. Vergiss diese Welt, vergiss diesen Kurs, und komm mit völlig leeren Händen zu deinem GOTT.
(EKIW: LEKTION 189, 7.)


Vorherbestimmung oder freier Wille

Ist das Leben vorherbestimmt oder nicht?

Dies ist eine beliebte Frage des Egos. Egal wie wir die Frage beantworten, ob mit Ja oder Nein, das Ego wird die Antwort für seine Zwecke missbrauchen. Wenn wir sie mit Ja beantworten, wird sich das Ego um nichts mehr kümmern. Wenn wir sie mit Nein beantworten, wird sich das Ego auf den Thron Gottes setzen und glauben es könnte sich ein glückliches Leben selbst erschaffen.

Die Frage an sich ist ein Irrtum. Die Frage nach der Vorherbestimmung ist eine Frage, die sich auf ein zeitliches Phänomen richtet, da Zeit eine Illusion ist, ist die Frage, hinsichtlich der WAHRHEIT, völlig sinnlos.

Hinter dieser Frage verbirgt sich die Frage nach dem freien Willen. Salopp ausgedrückt könnten wir sagen: Innerhalb der Illusion einer Person, leben wir auch in der Illusion eines freien Willens, und auch wenn beides eine Illusion ist, müssen wir innerhalb dieser, zum Teil so tun, als ob. Das bedeutet konkret jeden Tag damit zu beginnen GOTT zu bitten, dass er SEINEN WILLEN durch uns geschehen lassen möge und uns vollkommen auf unseren WAHREN SINN und ZWECK auszurichten und dann einfach in die Welt hinaus gehen und tun was zu tun ist.

Unser WAHRER ZWECK ist ERLÖSUNG. Diese wiederum erreichen wir durch Vergebung.
Ganz simpel ausgedrückt:

It‘s all about love!


Der Plan ist nicht von dir, noch musst du dich um irgend etwas anderes kümmern als den Teil, der dir zu lernen aufgetragen wurde. Denn ER, DER alles übrige weiß, wird sich ohne deine Hilfe darum kümmern. Doch glaube nicht, dass ER nicht deinen Teil braucht, um IHM beim übrigen zu helfen. Denn in deinem Teil liegt das Ganze, ohne das kein Teil vollständig ist, noch ist das Ganze ohne deinen Teil vollständig. In die Friedensarche treten immer zwei zusammen ein, doch der Beginn einer anderen Welt geht mit ihnen. Jede heilige Beziehung muss hier eintreten, um ihre besondere Funktion im Plan des HEILIGEN GEISTES zu erlernen, jetzt, da sie SEINE Zielsetzung teilt. Und sobald diese Zielsetzung erfüllt ist, geht eine neue Welt auf, in die die Sünde keinen Einlass findet und wo der GOTTES SOHN furchtlos eintreten kann und eine Weile ruht, um die Gefangenschaft zu vergessen und sich an die Freiheit zu erinnern. Wie kann er ohne dich eintreten, um zu ruhen und sich zu erinnern? Wenn du nicht da bist, ist er nicht vollständig. Und seine Vollständigkeit ist es, an die er sich dort erinnert.

Du magst dich fragen, wie du in Frieden sein kannst, wenn es, solange du in der Zeit weilst, soviel zu tun gibt, bevor der Weg zum Frieden offen steht. Vielleicht erscheint dir das unmöglich. Aber frage dich, ob es denn möglich ist, dass GOTT einen Plan für deine Erlösung hat, der nicht funktioniert. Wenn du erst einmal SEINEN Plan als die eine Funktion akzeptiert hast, die du erfüllen möchtest, dann wird es auch nichts anderes mehr geben, was der HEILIGE GEIST nicht für dich arrangieren wird, ohne dass du dich bemühen musst. ER wird vor dir hergehen und deinen Pfad ebnen und keine Steine auf deinem Weg liegen lassen, über die du stolpern könntest, und keine Hindernisse, die deinen Weg versperren. Nichts, was du brauchst, wird dir verweigert werden. Nicht eine einzige scheinbare Schwierigkeit wird sein, die nicht vergeht, bevor du sie erreichst. Du brauchst dir über nichts Gedanken zu machen und auf nichts zu achten außer auf den einen Zweck, den du erfüllen möchtest. So, wie dieser dir gegeben wurde, so wird dir seine Erfüllung auch zuteil. GOTTES Gewähr wird jedem Hindernis standhalten, denn sie beruht auf Gewissheit und nicht auf Zufall. Sie beruht auf dir. Und was kann sicherer sein als ein SOHN GOTTES?

(EKIW: Kapitel 20, IV. 6. & 8.)

Die Offenbarung, dass der VATER und der SOHN eins sind, wird zu seiner Zeit zu jedem Geiste kommen. Doch diese Zeit wird durch den Geist selbst bestimmt und nicht gelehrt.

Die Zeit ist schon bestimmt. Sie erscheint ziemlich willkürlich. Doch gibt es keinen Schritt auf diesem Weg, den irgend jemand nur aus Zufall tut. Er ist bereits von ihm gegangen worden, auch wenn er sich noch gar nicht auf den Weg gemacht hat. Denn die Zeit erstreckt sich nur scheinbar in eine Richtung. Wir unternehmen lediglich eine Reise, die schon vorbei ist. Und dennoch scheint sie eine Zukunft zu haben, die uns noch unbekannt ist.

Zeit ist ein Kunstgriff, ein Taschenspielertrick, eine Riesenillusion, in der Figuren wie durch Zauberei kommen und gehen. Doch hinter den Erscheinungen gibt es einen Plan, der sich nicht ändert. Das Drehbuch ist geschrieben. Wann die Erfahrung eintreten wird, um dein Zweifeln zu beenden, das steht fest. Denn wir sehen die Reise nur von jenem Punkt, wo sie geendet hat, indem wir auf sie zurückblicken und uns einbilden, wir würden sie noch ein mal unternehmen und im Geist Revue passieren lassen, was vergangen ist.

(EKIW: LEKTION 158, 2. & 3. & 4.)


"Da sprach Jesus zu ihm:
Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der wird durchs Schwert umkommen.
Oder meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten,
und er würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schicken?
Wie würde dann aber die Schrift erfüllt, dass es so geschehen muss?
"
(Lutherbibel 2017, Matthäus 26, 52-54)



STREAMING DREAMEO

There's streaming audio and streaming video:
the faster way to go when you have to download.
But now you need to know about a crazy show
called streaming dreameo.

Can't organize or fix, prioritize the script.
From forms you cannot pick the ones you like.
One seamless tapestry, a whole collage of dreams.
Sit back and watch the scenes that Spirit writes.

A person you are not. Your world's based on the thought
that you deserted God and now your soul is lost.
But now it's time to wake and face your big mistake
called streaming dreameo.

You've got to watch your mind for thoughts
that are unkind or keep you stuck in time like flies in glue.
No need to get upset. You can't adjust the set.
The only choice you get's your point of view.

The images that pass before perception's glass
will never, never last.
You'd better learn to laugh. Don't let your feelings sink.
You only think you think in streaming dreameo.

I know it seems so real, but joy is what you'll feel
when truth at last reveals with God you're one.
You dwell within His Mind. No forms of any kind
can limit or define God's holy Son.

The pleasure and the pain are really all the same.
You cannot rearrange or try to win the game.
Relax and let it flow. That's all you need
to know of streaming dreameo.

(Resta)

Streaming Dreameo


"Ein glücklicher Ausgang aller Dinge ist gewiss."
(EKIW, Übungsbuch, LEKTION 292)

Am Ende ist Glück
und ist da nicht Glück,
ist es noch nicht das Ende.
(Unbekannt)



Erwachen

Tagebucheintrag von Heinrich vom 26.08.2001

Von den morgendlichen Sonnenstrahlen geweckt, krieche ich aus meinem Schlafsack und mache mich auf den Weg zum nächsten Busch um dort meine Morgentoilette zu verrichten. Aufgrund des in der Gegend herrschenden Wassermangels, wurden wir gebeten die Toilette im Haus nur für das "große Geschäft" zu verwenden. Es ist hier um die Zeit generell sehr trocken, aber vor ein paar Wochen hat es hier in der Gegend große Brände gegeben, was die Situation noch verschlimmert hat.

Auf meinen Weg zu einem der verbrannten dornigen Büsche, wird mir bewusst, dass ich gerade nicht denke. In mir herrscht absolute Stille, totale Präsenz, absolute Bewusstheit. Meine Wahrnehmung hat sich stark verändert, alles ist intensiver, die Farben, die morgendlichen Geräusche, die Gerüche und vor allem die räumliche Wahrnehmung. Alles wirkt plötzlich dreidimensionaler und irgendwie echter als sonst. Ich bin glücklich, bin von Liebe erfüllt - alles ist vollkommen - genau so, wie es im Moment ist. Als ich zum Haus zurück komme, empfängt mich die morgendliche Aktivität der anderen Seminarteilnehmer und ich tauche wieder ein ins Leben der Gemeinschaft.

Ich befinde mich im Süden der Toskana in der Nähe von Santa Caterina auf einem Vision-Quest-Seminar und habe gerade vier Tage Auszeit in der Natur hinter mir. Auszeit bedeutet in diesem Zusammenhang vier Tage ohne Nahrung, ohne Dach über dem Kopf, ohne Kontakt zu anderen Menschen und die letzte Nacht auch noch ohne Schlaf. Meine Motivation mich dafür anzumelden, waren eine Mischung aus Neugier und der Idee hier eine Art Überlebenstraining zu absolvieren.

Mein erster Eindruck am Tag meiner Ankunft, auf diesem völlig abgelegenen kleinen Bauernhof in 880 Metern Höhe, war allerdings ein anderer: „Ich bin hier im falschen Film.“ Da sitzen wir alle am Boden im Schatten eines Baumes und erzählen uns äußerst private Dinge. Außerdem sollen wir uns überlegen, mit welcher Absicht wir in die Auszeit gehen wollen. Aber ein Tag genügt und ich merke langsam worum es hier geht und lasse mich immer mehr auf diesen Prozess ein. Jetzt nach acht Tagen, vier Tagen Vorbereitungszeit und vier Tagen Auszeit, bin ich ein anderer Mensch. Irgendwie - ohne es noch richtig zu verstehen - bin ich in eine neue, mir bisher völlig unbekannte, Welt eingetaucht.

"Eine Vision-Quest ist ein altes traditionelles Ritual der Selbstheilung und Sinnsuche in der wilden Natur. Ein von den Verbindlichkeiten des Alltags völlig losgelöster kraftvoller Reinigungs- und Transformationsprozess." hat es in der Ausschreibung dieses Seminars geheißen. Jetzt versteh ich zumindest ansatzweise was damit gemeint ist.

Ich erfahre was es bedeutet mit dem „Herzen“ zu zuhören und zu sprechen. Einer Frau, die ich am ersten Seminartag noch wegen ihres Äußeren abgelehnt hatte, höre ich nun voll Liebe zu, während sie mir aus ihrem Leben erzählt. Ich erkenn mich selbst nicht wieder, aber es fühlt sich verdammt gut an.

Heute geht es noch darum unsere Erfahrungen der letzten vier Tage zu integrieren und uns gegenseitig unsere Geschichten aus der Auszeit zu spiegeln. Beim Spiegeln erzählen wir unsere Erlebnisse die wir während der Auszeit hatten und der Seminarleiter erzählt die gehörte Geschichte aus seinem Blickwinkel und in seinen Worten nochmals. Es ist schier unglaublich was mir dabei noch alles klar wird.

Zur Wirkung dieses uralten Rituals und zum neuen von uns eingeschlagenen Weg, erklärt uns der Seminarleiter noch, dass die Vision Quest nur das Vorspiel sei und irgendwann im normalen Leben ein Einbruch folgen wird und dann beginnt es erst richtig. Er schließt seine Ausführungen mit den Worten: "Jetzt hast du noch keine Probleme, die kommen erst später." Der Satz beeindruckt mich, aber ich versteh nicht wirklich wovon er spricht.

Epilog

Auch wenn diese besonderen Erfahrungen im Jahre 2001 zeitlich begrenzt waren, so begann damals etwas, das man „spirituelle Suche“ nennen könnte. Die vom Seminarleiter erwähnten Probleme begannen erst viele Jahre später und erreichten ihren Höhepunkt im Jahre 2019. In diesem Jahr begegnete ich dann dem Kurs in Wundern.

Viele Jahre nach dem Sommer 2001 und nachdem sich die Momente totaler Präsenz und Erkenntnis wiederholt hatten, wurde mir erst klar, was das ist, was „ich“ da manchmal erfahre. Spirituelle Lehrer bezeichnen es als „Satori“. „Satori“ ist ein Begriff aus dem Zen-Buddhismus und bezeichnet einen plötzlich auftretenden Moment der Erleuchtung, der aber nicht von Dauer ist. Der Psychologe Abraham Maslow hat diese mystische Erfahrung als All-Eins-Erfahrung bezeichnet. Gegenwärtige christliche Mystiker wie der Benediktiner Mönch David Steindl-Rast bezeichnen sie häufig als "peak experiences" oder „Gipfelerlebnisse“ - Augenblicke in denen wir Eins mit allem sind.

"Mitten im Winter habe ich erfahren, dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt."
(Albert Camus, Nobelpreis für Literatur 1957)

Der Kurs spricht in diesem Zusammenhang vom heiligen Augenblick, dem kleinen Atemzug der Ewigkeit und von Offenbarung, einer vollständigen, aber zeitweiligen Aufhebung von Zweifeln und von Angst. Die Offenbarung spiegelt die ursprüngliche Form der Kommunikation zwischen GOTT und SEINEN Schöpfungen wider.

In diesem Entrinnen gibt es keinerlei Gewalt. Der Körper wird nicht an gegriffen, sondern nur richtig wahrgenommen. Er grenzt dich nicht ein, einfach deshalb, weil du es nicht haben möchtest. Du wirst nicht wirklich aus ihm herausgehoben; er kann dich nicht enthalten. Du gehst dorthin, wo du sein möchtest, und gewinnst ein Gefühl des SELBST, anstatt es zu verlieren. In diesen Augenblicken der Befreiung aus körperlichen Einschränkungen erfährst du viel von dem, was im heiligen Augenblick geschieht: das Öffnen der Schranken von Raum und Zeit, die plötzliche Erfahrung von Frieden und Freude und vor allem das fehlende Gewahrsein des Körpers und das Ausbleiben von Fragen, ob das alles möglich ist oder nicht.

Es ist möglich, weil du es willst. Die plötzliche Bewusstseinserweiterung, die mit deinem Verlangen danach stattfindet, ist die unwiderstehliche Anziehungskraft, die der heilige Augenblick hat. Er ruft dich auf, du selbst zu sein, in seiner sicheren Umarmung. Dort werden die Gesetze der Begrenzung für dich aufgehoben, um dich zur Offenheit des Geistes und zur Freiheit zu begrüßen. Komme zu diesem Ort der Zuflucht, wo du in Frieden du selbst sein kannst. Nicht durch Zerstörung, nicht durch ein Ausbrechen, sondern einfach durch ein stilles Verschmelzen. Denn der Frieden wird sich dort mit dir verbinden, einfach weil du gewillt gewesen bist, die Grenzen loszulassen, die du der Liebe auferlegtest, und dich dort mit ihr verbunden hast, wo sie ist und wohin sie dich geführt hat, als Antwort auf ihren sanften Ruf, in Frieden zu sein.

(EKIW: Kapitel 18, VI.13. & 14.)

"Lass uns den Traum, den er weggegeben hat, dem Träumer zurückerstatten, der den Traum als von sich separat und als etwas wahrnimmt, was ihm angetan wird. In die Ewigkeit, wo alles eins ist, kam eine winzig kleine Wahnidee geschlichen, und GOTTES SOHN erinnerte sich nicht daran, sie auszulachen. Und weil er das vergaß, ist der Gedanke zu einer ernsten Idee geworden und sowohl der Umsetzung als auch realer Wirkungen fähig. Gemeinsam können wir sie beide weglachen und verstehen, dass die Zeit sich nicht in die Ewigkeit eindrängen kann. Es ist ein Witz, zu glauben, die Zeit könne kommen, um die Ewigkeit zu überlisten - was bedeutet, dass es keine Zeit gibt."
(EKIW: Kapitel 27, VII. 6.)

Wunder-volle Beispiele, welche Befreiung es darstellt, wenn sich das Bewusstsein weitet und die Last der Person abfällt, zeigen folgende Videos:

Laughing Buddha ~ I Can't Find My Mind! (Video)

Laughing Buddha 3 (Video)

Laughing Buddha (Video)

Solche Momente sind einerseits eine große Gnade, weil wir erst dann wissen, was das Ziel eines spirituellen Weges ist und erst dann haben wir eine echte Motivation überhaupt los zu gehen. Das Ego hat keine Vorstellung von der Glückseligkeit eines heiligen Augenblicks. Das Ego kennt nur die Ware Glück, aber nicht das WAHRE GLÜCK.

Andererseits sind solche Momente auch eine große Falle, den nach so einem Moment kehrt das Ego meist zurück und identifiziert sich mit dieser im Geist gespeicherten „Erfahrung“. Viele „spirituelle“ Egos glauben dann, sie wären erwacht und treten als „spirituelle“ Lehrer auf. Damit hat sich das Ego erfolgreich auf den Thron Gottes gesetzt und ist dort kaum mehr bereit abzutreten. Die Wege die das Leben dann findet, um wieder die Bereitschaft für Berichtigung zu erlangen, sind dann meist sehr schmerzhaft.

Ein Schüler kommt von einer Pilgerfahrt zurück, auf der er Satori hatte. Ehrfürchtig nähert er sich dem Meister, der ihn schweigend erwartet, und geht vor ihm auf die Knie. In dem Augenblick, in dem er den Kopf hebt und beginnen will, etwas zu sagen, sausen dreißig harte Stockschläge auf ihn nieder. „Aber Meister“, fragt der Schüler erstaunt, „warum das? Ich habe doch noch kein einziges Wort gesagt.“ Der Meister erwidert: „Hättest du auch nur ein Wort gesagt, es wäre zu spät gewesen.

Dass ich weiterhin in diesem Zusammenhang von „ich“ schreibe liegt daran, dass sich die WAHRHEIT mit Worten nicht beschreiben lässt. Es ist enorm wichtig, dass wir uns immer wieder daran erinnern, dass heilige Augenblicke und Offenbarungen nicht „uns“ passiert sind, sondern genau das Gegenteil der Fall ist. Dies sind „Momente“ in denen die Illusion einer Person nicht passiert ist. Das Bewusstsein löst sich von der Identifikation mit der Form, dem Körper und seinen persönlichen psychologischen Mustern - und WAHRHEIT ist.

Diese Form der Erkenntnis findet jenseits des denkenden Verstandes statt. Das Bewusstsein löst sich von der Identifikation mit dem Körper und den Gedanken. Dies ist es auch, wessen sich das Bewusstsein als erstes bewusst wird – der völligen Abwesenheit des Verstandes – also der Identifikation mit Gedanken. Im Nachhinein sprechen wir gerne von einem tiefen Frieden und der glückseligen Freiheit von Gedanken, aber das sind nur Worte und nicht die WAHRHEIT. Die WAHRHEIT kennt keinen „Frieden“ und keine „Freiheit“. Auch der Begriff „Moment“ ist falsch und nur ein Hilfsmittel, weil er auf ein zeitliches Phänomen verweist, das Bewusstsein in diesem Fall, sich aber auch von der Illusion der Zeit gelöst hat.

An der Tiefe des Erlebnisses gemessen,
aus dem wir eine Weisheit gewonnen haben,
muss diese selbst immer platt erscheinen;
oder es ist weder ein Erlebnis gewesen noch eine Weisheit geworden.

(Arthur Schnitzler)

Im Kapitel über das Enneagramm beschäftigen wir uns mit den Heiligen Ideen der neun Typen des Enneagramms. In einem Moment der Offenbarung, ist die meinem Enneagramm-Typ entsprechende Heilige Idee scheinbar von „mir“ erkannt worden. „Mir“ ist das nicht passiert, „ich“ habe nur noch eine schwache Erinnerung daran.

Dieser Kurs wird zur Erkenntnis führen, doch die Erkenntnis selbst liegt noch jenseits des Rahmens unseres Lehrplans. Und es ist auch nicht nötig, dass wir versuchen, von etwas zu sprechen, was ewig jenseits aller Worte bleiben muss. Wir brauchen uns nur daran zu erinnern, dass jeder, der die wirkliche Welt erlangt über die das Lernen nicht hinausgehen kann, darüber hinausgehen wird, aber auf andere Weise. Dort, wo das Lernen endet, da beginnt GOTT, denn Lernen endet vor IHM, DER vollständig ist, wo ER beginnt und wo es kein Ende gibt. Wir sollten uns nicht mit dem aufhalten, was nicht erlangt werden kann. Es gibt zu viel zu lernen. Die Bereitschaft für die Erkenntnis muss erst noch erlangt werden.
(EKIW: Kapitel 18, IX. 11.)

Erwachen, Erleuchtung

Oft wird unter dem Begriff Erleuchtung der Endzustand eines Prozesses verstanden. Hier wird der Begriff Erleuchtung als der dem Erwachen folgende Prozess verstanden.

Es gibt auf der Ebene des Egos eine Unmenge an Irrtümern und Missverständnissen zum Thema Erwachen und Erleuchtung. Viele glauben, wenn sie erwacht sind, dass sie dann auch erleuchtet sind. Oder manche Lehrer sprechen darüber, dass jeder schon erleuchtet ist, weil wir alle das Sein sind. Ja, wir sind das Sein, aber haben wir es wirklich schon realisiert? Oder sind das einfach nur leere Worte und Konzepte, die der Verstand übernimmt, ohne dass sie in ihrer Tiefe erfasst und erfahren werden?

Bildlich gesprochen: Der David von Michelangelo war im Marmorblock immer schon vorhanden. Michelangelos Aufgabe war es "lediglich", all das Material, das ihn verdeckt hatte, zu entfernen. Solange allerdings dieses, den David verdeckende Material, nicht entfernt ist, ist das Werk nicht vollendet.

Oft werden die Begriffe Erwachen und Erleuchtung auch synonym verwendet. In diesem Text wird eine Unterscheidung dieser zwei Begriffe, im Sinne einer Beschreibung des Prozesses der Realisation der Einheit, vorgenommen. Wenn begrifflich nicht zwischen Erwachen und Erleuchtung unterschieden wird, dann wird Erwachen oft in Form von zwei Stufen - geistig und körperlich, oder weiblich und männlich – beschrieben. Es handelt sich dabei nur um unterschiedliche Symbole, die auf den selben unbeschreiblichen Prozess der Rückkehr ins Paradies verweisen.

Erleuchtung heißt lateinisch: Illuminari - erhellen. Diese Übersetzung trifft es sehr gut. Denn es geht nicht um einen „Lichtschalter“ den man in einem Moment einschaltet, sondern um einen Prozess des sich Erhellens. Es braucht das Heilen aller Schatten und Bedürftigkeiten im geistigen und verkörperten Bewusstsein. Erwachen bietet mehr oder weniger die Grundlage für eine tiefere Befreiung und Realisierung des permanenten Seins-Zustandes. Wenn das passiert, ist der Teil des gesamten Bewusstsein, der sich als Ich ausgedrückt hat, transzendiert und erleuchtet.

Berichtigendes Lernen beginnt immer mit dem Erwachen des reinen Geistes und der Abkehr vom Glauben an die körperliche Sicht. Das bringt oft Angst mit sich, weil du dich vor dem fürchtest, was deine geistige Sicht dir zeigen wird.
(EKIW: Kapitel 2, V. 7. 1.&2.)

Ein erster Schritt auf dem Weg in die Freiheit ist es, anzuerkennen, dass es keine Trennung gibt und daher alles was wir als getrennt von uns wahrnehmen, in Wahrheit nicht getrennt von uns ist. Unser ganzes Leben, die ganze Welt, alles was uns passiert, wem wir begegnen und was die scheinbar anderen Menschen tun, ist nur ein Spiegel. Es gibt nichts Anderes, alles was wir wahrnehmen, sind wir selbst. Wir befinden uns in einem Spiegelkabinett.

Mit dieser Geisteshaltung, haben wir zumindest auf der Ebene des Verstandes, die Trennung schon aufgehoben. Damit lösen sich auch die Konzepte von Täter und Opfer, von Schuld und Strafe, immer mehr auf. Wenn wir erwacht sind, nehmen wir weiterhin Beziehung wahr, aber wir nehmen dabei keine Trennung mehr wahr. Wir begegnen weiterhin unseren Brüdern, aber es ist offensichtlich, dass wir von unseren Brüdern nicht getrennt sind.

Der heilige Augenblick ist das Ergebnis deiner Entschlossenheit, heilig zu sein. Er ist die Antwort. Das Verlangen und die Bereitwilligkeit, ihn kommen zu lassen, gehen seinem Kommen voraus. Du bereitest deinen Geist nur in dem Masse auf ihn vor, wie du begreifst, dass du ihn mehr als alles andere willst. Es ist nicht nötig, dass du mehr tust; vielmehr ist es notwendig, dass du einsiehst, dass du nicht mehr tun kannst. Versuche nicht, dem HEILIGEN GEIST etwas zu geben, worum ER nicht bittet, denn sonst wirst du IHM das Ego beifügen und dann die beiden miteinander verwechseln. ER bittet nur um wenig. ER ist es, DER die Größe und die Macht beifügt. ER verbindet sich mit dir, um den heiligen Augenblick weitaus größer zu machen, als du verstehen kannst. Gerade deine Einsicht, dass du so wenig zu tun brauchst, ermöglicht es IHM, so viel zu geben.

Vertraue nicht deinen guten Absichten. Sie reichen nicht aus. Vertraue aber blind auf deine Bereitwilligkeit, was immer sonst eintreten mag. Konzentriere dich nur darauf, und lass es dich nicht stören, dass Schatten sie umgeben. Deshalb bist du gekommen. Wenn du ohne sie kommen könntest, bräuchtest du den heiligen Augenblick nicht. Komme nicht in Arroganz zu ihm, indem du annimmst, dass du den Zustand erreichen musst, den sein Kommen mit sich bringt. Das Wunder des heiligen Augenblicks liegt in deiner Bereitwilligkeit, ihn sein zu lassen, was er ist. Und in deiner Bereitwilligkeit dazu liegt auch dein Annehmen deiner selbst, so wie du gemeint warst.

(EKIW: Kapitel 18, IV. 1. & 2.)

Mit dem Erleben des „Aufwachens“, also dem Lösen des Bewusstseins aus der Identifikation, aus dem mentalen Traum, passiert sowohl Wunderbares als auch Lustiges. Dabei passiert nicht die vollständige Loslösung der Identifikation. Es geschieht bei jedem unterschiedlich, aber es löst sich nur der größte Teil der Identifikation. Hier ist also noch weitere Prozessarbeit (=Vergebung) von Nöten.

Bildlich gesprochen, bedeutet Erwachen, vom unbewussten Traumzustand in einen luziden Traum zu wechseln - einen Traum, in dem wir uns des Träumens bewusst sind. Wir erleben dann den Traum aus der Position des Träumers. Mit einem anderen Bild könnte man es auch so ausdrücken: Vor dem Erwachen sind wir wie ein Schauspieler, der sich mit seiner Rolle so identifiziert hat, dass er glaubt die Rolle zu sein. Beim Erwachen löst sich diese Identifikation und wir nehmen unsere Rolle aus der Sicht des Schauspielers war, ohne uns damit zu identifizieren.

"Du bist der Träumer der Welt der Träume. Sie hat keine andere Ursache, noch wird sie das je haben. Nichts Furchterregenderes als ein nichtiger Traum hat GOTTES SOHN in Angst und Schrecken versetzt und ihn glauben lassen, das er seine Unschuld verloren, seinen VATER verleugnet und einen Krieg gegen sich selbst geführt hat. So schrecklich ist der Traum, so scheinbar wirklich, dass er nicht ohne Angstschweiß und einen Schrei der Todesangst zur Wirklichkeit erwachen könnte, wenn nicht ein sanfterer Traum seinem Erwachen vorausgehen und es seinem ruhigeren Geist erlauben wurde, die STIMME willkommen zu heißen und nicht zu Fürchten, DIE mit Liebe ruft, ihn aufzuwecken; ein sanfterer Traum, in dem sein Leiden geheilt und sein Bruder ihm ein Freund ist. GOTT wollte, dass er sanft und voller Freude erwache, und gab ihm die Mittel, furchtlos zu erwachen."
(EKIW: Kapitel 27, VII. 13.)


Vor der Erleuchtung: Wasser tragen und Reis kochen.
Nach der Erleuchtung: Wasser tragen und Reis kochen.
(Zen-Buddhismus)


Die wirkliche Welt wird einfach durch die vollständige Vergebung der alten erlangt, jener Welt, die du ohne Vergebung siehst. Der GROSSE WANDLER der Wahrnehmung wird mit dir die sorgfältige Erforschung des Geistes unternehmen, der diese Welt gemacht hat, und dir die scheinbaren Beweggründe aufdecken, um derentwillen du sie gemacht hast. Im Licht der wirklichen Vernunft, die ER dir bringt, wenn du IHM nachfolgst, wird ER dir zeigen, dass es hier überhaupt keine Vernunft gibt. Jeder Punkt, den SEINE Vernunft berührt, wird in Schönheit lebendig, und das, was im Dunkel deiner mangelnden Vernunft hässlich erschien, wird plötzlich zu Lieblichkeit befreit. Nicht einmal das, was der SOHN GOTTES im Wahnsinn gemacht hat, kann ohne einen verborgenen Funken Schönheit sein, den die Sanftmut freisetzen kann.
(EKIW: Kapitel 17, II. 5.)

Meistens landet der Mensch erst einmal in einer sogenannten „Bliss-Blase“. Es ist ein Zustand, in dem man aus dem Gewahrsein, wie von Außen betrachtet, sich und die Welt als in Nebel gehüllte Traumblase erlebt. Der Verstand erkennt einen höheren Zusammenhang und er gibt sich dem Höheren hin, um von nun an mehr oder weniger zu dienen. Gleichzeitig löst sich das Bewusstsein von der Identifikation, diese Person zu sein. Einige Zeit lang sind auch die Schatten im Energiekörper wie im Standbymodus, in dieser so genannten „Bliss-Blase".

Einige wollen dann in diesem Zustand spirituelle Lehrer werden. Um diese Rolle auszufüllen, braucht es aber eine gewisse Reife des sich befreienden Seins. Diese Reife ist nicht an Monaten oder Jahren festzumachen, sondern hängt auch vom „Reifezustand“ der „Seele“ ab. Jeder startet mit einem anderen Befreiungsgrad und der eine geht weiter intensiv im Prozess und der andere glaubt, er sei fertig. Also braucht es eine individuelle Reife in seinem Bewusstheits-Zustand, um die Lehrer-Rolle auszufüllen.

Der Befreiungsprozess hat mit einer radikalen Entlarvung des noch vorhandenen Egos zu tun. Bei vielen Erwachten ist es so, dass wenn sie nach ihrem Erwachen nicht weiterhin an ihren Mustern und Schatten bewusst arbeiten, d. h. sie integrieren und transzendieren, dass eine weitere und erneute Identifikation geschieht. Fühlt man sich dann auch noch frühzeitig dazu berufen, als Lehrer aufzutreten, dann ist es ziemlich klar, dass man sich leicht mit der neuen Lehrer-Rolle identifiziert. Ganz schnell legt sich eine neue Maske drauf, beispielsweise eine spirituelle und erleuchtete Maske und sie wird genauso stark geschützt und verteidigt, wie die vorigen.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist es zu verstehen, dass das Bewusstsein nicht der REINE GEIST, das SELBST, der CHRISTUS, der SOHN GOTTES ist. Daher ist im Sinne des Kurses der Begriff Christus-Bewusstsein ein Irrtum. Das Bewusstsein stellt den ersten Schritt in die Trennung dar und damit gleichzeitig den letzten Schritt bei der Rückkehr in die Einheit CHRISTI.

In dieser Welt ist die einzig verbleibende Freiheit die Freiheit der Wahl - immer zwischen zwei Wahlmöglichkeiten oder zwei Stimmen. Der Wille ist auf keiner Ebene an der Wahrnehmung beteiligt und hat mit der Wahl nichts zu tun. Das Bewusstsein ist der Empfangsmechanismus, der Botschaften von oben oder unten empfängt - vom HEILIGEN GEIST oder vom Ego. Das Bewusstsein hat Ebenen, und das Gewahrsein kann ziemlich drastisch wechseln, aber es kann den Wahrnehmungsbereich nicht transzendieren. Höchstenfalls wird es der wirklichen Welt gewahr, und es kann darin geschult werden, dies immer mehr zu tun. Doch schon die Tatsache, dass es Ebenen hat und geschult werden kann, zeigt auf, dass es nicht die Erkenntnis erreichen kann.
(EKIW: BEGRIFFSBESTIMMUNG, 1. 7.)

Es gibt in der katholischen Liturgie kurz vor dem Kommunionempfang einen Vers, der einen zentralen Irrtum immer und immer wieder bekräftigt. „Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“ Das liturgische Gebet zitiert Matthäus 8,8: „Da antwortete der römische Hauptmann: Herr, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst; sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund.“ Dieser Hauptmann weiß, dass er als Heide aus jüdischer Sicht „nicht würdig ist“, dass ein Rabbi, Prophet und Heiler zu ihm ins Haus kommt. Er akzeptiert damit seine eigene Stellung außerhalb des „erwählten Volkes“. Damit wird einerseits die Illusion einer Überlegenheit der Juden gegenüber den Nicht-Juden und damit die Illusion der Trennung unter den Menschen bestätigt und andererseits wird die Illusion der Unwürdigkeit und damit die Illusion der Trennung von Gott bestätigt. Was an diesem Vers wahr, und damit hilfreich ist, ist die Aussage, dass es Gott ist, der den letzten Schritt zu unserer Erlösung macht und dies nicht unser Verdienst ist, sondern von uns nur die Bereitschaft dazu verlangt.

Der heilige Augenblick kommt nur von deiner kleinen Bereitwilligkeit. Er ist immer das Resultat deiner kleinen Bereitwilligkeit, verbunden mit der unbegrenzten Macht von GOTTES WILLEN. Du hast dich geirrt, als du dachtest, es sei nötig, dich auf IHN vorzubereiten. Es ist unmöglich, arrogante Vorbereitungen für die Heiligkeit zu treffen und nicht zu glauben, dass es bei dir liegt, die Bedingungen für den Frieden festzulegen. GOTT hat sie festgelegt. Sie warten nicht auf deine Bereitwilligkeit, um das zu sein, was sie sind. Deine Bereitwilligkeit ist nur nötig, damit es möglich wird, dich zu lehren, was sie sind. Wenn du behauptest, du seiest unwürdig, das zu lernen, störst du die Lektion, indem du glaubst, dass du den Lernenden anders machen musst. Du hast den Schüler weder gemacht, noch kannst du ihn anders machen. Möchtest du erst selbst ein Wunder machen und dann erwarten, das eins für dich gemacht wird?

„Du stellst einfach die Frage. Die Antwort wird gegeben. Suche nicht zu antworten, sondern lediglich die Antwort so zu empfangen, wie sie gegeben wird. Wenn du dich auf den heiligen Augenblick vorbereitest, versuche nicht, dich heilig zu machen, um bereit zu sein, ihn zu empfangen. Das hieße nur, deine Rolle mit derjenigen GOTTES zu verwechseln. Die SÜHNE kann nicht zu denen kommen, die denken, dass sie erst sühnen müssen, sondern nur zu denen, die ihr nichts anderes anbieten als die einfache Bereitwilligkeit, ihr Platz zu machen. Läuterung ist allein von GOTT, und deshalb ist sie für dich. Statt zu versuchen, dich für IHN vorzubereiten, versuche vielmehr, so zu denken:

      Ich, der ich GOTTES Gastgeber bin, bin SEINER würdig.
      ER, DER SEINE Wohnstatt in mir errichtet hat, hat sie so erschaffen, wie ER sie haben möchte.
      Es ist nicht nötig, dass ich sie für IHN bereitmache, sondern nur,
      dass ich SEINEN Plan nicht störe, mein eigenes Gewahrsein meiner Bereitwilligkeit,
      die ewig ist, bei mir wiederherzustellen.
      Ich brauche SEINEM Plan nichts beizufügen.
      Aber um ihn zu empfangen, muss ich bereit sein, ihn nicht durch meinem eigenen zu ersetzen.“

(EKIW: Kapitel 18, IV. 4. & 5.)


Potzblitz
Wenn ich sage oder jemand anders sagt,
dass die Erleuchtung plötzlich kommt,
meinen wir mit "plötzlich", dass es da nichts
zu machen gibt - dass wir einfach abwarten müssen.
Wenn sie geschehen wird, wird sie geschehen,
was kann man da tun?
Käme sie allmählich, könnte man etwas tun.
Aber ich sage euch, dass sie zwar nicht allmählich
kommt, ihr aber trotzdem etwas tun könnt.
Und ihr müsst sogar etwas tun!
Aber dieses "Etwas" wird euch nicht die Erleuchtung
eintragen. Dieses "Etwas" wird euch dem Phänomen
der Erleuchtung nahe bringen.
Dieses "Etwas" wird euch offen dafür machen,
dass das Phänomen der Erleuchtung stattfinden kann.
Die Erleuchtung kann also nicht Ergebnis eurer
Bemühungen sein - das ist sie auch nicht.
Durch eure Bemühungen macht ihr euch lediglich
offen für das höhere Gesetz der Levitation.
Eure Bemühungen werden dazu führen, dass ihr
zugänglich werdet, nicht erleuchtet. Ihr werdet offen
werden, ihr werdet widerstandslos werden, ihr werdet
nachhelfen, damit das höhere Gesetz in Kraft treten
kann. Und seid ihr erst einmal kooperativ und
widerstandslos, beginnt das höhere Gesetz in
Kraft zu treten. Eure Anstrengungen werden euch
empfänglicher machen.
(Osho)



„Es ist ein Ort in dir, an dem die ganze Welt vergessen ist, an dem keine Erinnerung an Sünde und an Illusion immer noch verweilt. Es ist ein Ort in dir, den die Zeit verlassen hat und wo der Widerhall der Ewigkeit zu hören ist. Da ist ein Ruheplatz, der derart still ist, dass kein Laut außer ein Lobgesang zum HIMMEL aufsteigt, um GOTT den VATER und den SOHN froh zu machen. Wo BEIDE wohnen, da ist die Erinnerung an BEIDE. Und wo SIE sind, da ist der HIMMEL und ist Frieden.“
(EKIW: Kapitel 29, V. 1.)


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